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	<title>Nirgendmeer - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-11-01T11:53:22Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Amrali&amp;diff=496</id>
		<title>Amrali</title>
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		<updated>2026-10-25T08:23:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Amrali.jpeg|left|frame]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körpergröße streckt sich auf insgesamt &#039;&#039;&#039;172 Halbfinger&#039;&#039;&#039; und damit durchschnittliches Mittelmaß, die ganze Gestalt erscheint hager an der Grenze zur Ausgemergeltheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;blonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; ist kurz geschoren, betont damit die tief liegenden &#039;&#039;&#039;wasserblauen Augen&#039;&#039;&#039; und eingefallen wirkenden Wangen - aber vermutlich sind es die Narben, die eher den Blick auf sich ziehen und eine bewegte Vergangenheit erahnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mimik lässt oft eine gewisse Verbissheit erkennen, eine Intensität die an eine in die Ecke getriebene Ratte erinnert, deren einzige verbleibende Option die Offensive ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die lange Narbe am Hals zieht sich weiter über die Schulter und den Rücken, gesellt sich zu einer ganzen Anzahl gewöhnlich verborgener Spuren überstandener Kämpfe&lt;br /&gt;
* Wenn das Wetter wechselt, schmerzt der linke Arm oft in Erinnerung an einen Jahre zurückliegenden und nie ganz sauber verheilten Bruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FOLD|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 427 geboren in Maethrin, Tochter der Hialess; Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* 437 Tod der Mutter Hialess&lt;br /&gt;
* 447 Gefangennahme beim Besuch der nahegelegenen Stadt Angelmar &lt;br /&gt;
* 447/448 monatelange Verhöre, aus dieser Zeit stammt die Verletzung des linken Arms&lt;br /&gt;
* 449 Rückkehr nach Maethrin als Fremde, Streichung ihres Namens aus dem Buch der Gemeinschaft, Verbannung aus der Region&lt;br /&gt;
* 449-451 Zeit der Wanderung: Hausdienerin. Brückenbau. Steinbruch. Plantage. Eine Zeit in einem namenlosen Sumpfland mit keiner anderen Aufgabe als Blutegel zu sammeln. Dann wieder ein Haushalt. Sogar eine Arena, auch wenn es mehr ein Zirkus war als alles andere. Erneut ein Steinbruch. Eine Sägerei. Und dann die Seuche. Aus dieser Zeit stammen die Narben am Hals und Schädel.&lt;br /&gt;
* 451 Schwere Krankheit, die Levinerinnen scheren ihr den Kopf (wie bei allen anderen zu Behandelnden auch)&lt;br /&gt;
* 452 Schiffbruch auf dem Transport mit anderen Gefangenen, Ankunft an der Küste nahe Solgard, der neuen Welt&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FOLD|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mutter Hialess (402 - 437)&lt;br /&gt;
* Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* Halbruder unbekannt (* 424)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Turah (* 425)&lt;br /&gt;
* Halbbruder unbekannt (* 429)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Meifiah (* 432)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gedanken und Meinungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Orte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Solgard|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Stadt, die ich dieser Tage meine Heimat nenne. Ich habe nie zuvor eine Siedlung erlebt, bei der Innen- und Aussenbild soweit voneinander entfernt sind, die vereinfachten Annahmen über Politik und Macht werden dem tatsächlichen Wirrwarr, der Unordnung, in keinster Weise gerecht. Wenn es tatsächlich etwas gibt, das die Solgarder universell aneinander bindet, dann ist es nicht etwa der Glaube an den Herrn, sondern die seufzende Opferbereitschaft aus jeder Aufgabe eine Pflicht, eine Bürde zu machen, der man sich schliesslich ergeben, aber ohne Enthusiasmus stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verantwortung der Macht erscheint hier wie ein heisses Eisen, an dem man sich bereits zu oft die Finger verbrannt hat.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Nebelhafen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein Dorf, das davon träumt eine Stadt zu sein, verloren zwischen den Fronten anderer Mächte und damit unweigerlich ein einsamer Spielball ohne Freunde, wann immer es jemandem gefällt. Neutralität ist etwas, das nur aus einer Position von Stärke heraus funktioniert.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Surom|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich habe die Mauern dieser Stadt noch nicht gesehen und hege auch keinen Wunsch etwas daran zu ändern. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Personen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Dervyn|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Heermeister Solgards präsentiert die für mich verwirrende Vielschichtigkeit dieser Stadt auf das Beste. Er ist umgänglich und vielseitig interessiert, ich habe sogar Gerüchte gehört, dass er am Hafen eine Geliebte haben soll. Er betreibt eine Gaststube in der zwielichtige Elementaristen arbeiten (soweit ich vernahm) und ist gleichzeitig dafür verantwortlich die Sicherheit der Stadt zu gewährleisten. &lt;br /&gt;
Er trägt seine Bürde und lächelt dabei. Nicht .. aufrichtig, aber bereit seine Bürde zu tragen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Jaster Darez|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Radesvald|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Van de Mork|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Zlata|CONTENT=&lt;br /&gt;
Sie ist, zumindest auf den ersten Blick, völlig anders als meine Schwestern. Schwächlich, zerbrechlich, burschikos. Konzentriert auf Handwerk, weil es klaren, einfachen Regeln folgt, vorhersehbar, wie es kein Mensch je sein könnte. Der Stolz versteckt sich dahinter, wagt sich nur dann und wann einmal an die Oberfläche - oft nicht einmal dann, wenn es angebracht wäre.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber sie hat sich befreit aus widrigen Umständen, Entscheidungen getroffen, vor denen andere zurückgewichen wären. Wenn die Umstände im Chaos versinken, dann gibt auch die Maske nach und die Höflichkeit macht Platz für rohe Emotion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hätte sie nicht Schwester nennen sollen. Aber ich kann mich nicht dazu durchringen es zu bereuen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Traum|CONTENT=&lt;br /&gt;
Sie läuft in der engen Dunkelheit eines sich windenden, stetig verändernden Tunnels, unbeleuchtet, aber dennoch nicht vollkommen finster. Das, so erkennt sie, während das Herz bis zum Hals schlägt, ist ein Traum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer, der allzu vertraut ist. Einer, dessen Gewalt sich selbst durch das Wissen nicht abschütteln lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Bin ich jemals entkommen?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kühle Finger berühren ihren Nacken und die Glieder erstarren wie zu Eis, gefroren vor dem sanften, femininen Flüstern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Niemals. Ich lasse dich niemals gehen. Nicht einmal, wenn ich dir all deine Geheimnisse entrissen habe.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Harpyien|CONTENT=&lt;br /&gt;
Zumindest theoretisch ist Amrali mit dem Konzept von Schneefall und Frost vertraut, aber die Wirklichkeit wischt alle Vorstellungen und Einbildungen mit gleichgültiger Ignoranz zur Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kälte durchdringt mühelos die verschiedenen Schichten an fadenscheiniger Kleidung, beißt in Wangen, in Nase und Ohren: Zum ersten Mal seit einer ganzen Weile ist sie froh keinen Schmuck zu tragen, nicht einfach nur beschämt über die Abwesenheit einer früher immer präsenten Selbstverständlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganze Landschaft liegt wie unter einem weißen Tuch, das alle Formen dämpft, Trugbilder schafft über die wahren Verläufe von Kanten und Abgründen. Es ist, so denkt sie, während sie hastig im Gepäck nach dem zerfledderten Mantel sucht, der nur für den schlimmsten aller Notfälle überhaupt eingepackt wurde, gleichzeitig ähnlich wie der Sand der Wüste und dann doch auch ganz anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Warum bin ich hier?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kommt ungerufen, unwillkommen, ein Zaudern und eine Verzagtheit darin, die Ärger entfachen, dabei in jene Glut fahrend, die sie über all die Jahre bewahrt hat, deren letzte Reste in flüsternden Schatten beinahe verloschen wären. Sie hat nie erfahren, wie nahe sie war, die vollständige Kapitulation zu erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und das wird sie auch nie.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch dieser Gedanke erreicht sie ungebeten, findet sich eingerahmt in Furcht und wird rasch verdrängt. Besser, sich der Kälte dieses offenen Landes zu stellen, den eigenwillig gedämpften Geräuschen - alles hier wirkt stiller, als es sein sollte - und dem ungewohnten Gefühl der erstarrten Landschaft unter den Füßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewohner dieser gefrorenen Einöde tragen ihre Pelze wesentlich besser als Amrali es tut, ihre Spuren künden im lockeren Schnee noch lange von ihrem Vorbeiziehen - nur aus der Ferne bekommt die Besucherin einen scheuen Schneefuchs zu sehen, dessen gedrungene Statur ihr skurril erscheint, gänzlich anders als die schlanken, agilen Kreaturen der rollenden Steppe ihrer Heimat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein am Himmel kreisender Adler beobachtet Amrali eine Weile, gnädig wie ein distanzierter Herrscher, der einen demütigen Bittsteller beobachtet, bevor er mit dem Auftreten anderer geflügelter Geschöpfe gemächlich in Richtung Osten abdreht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein ganzer Schwarm - Geier vermutet sie zunächst - während sie in einen der sich öffnenden Pässe eintritt, die klaffenden Felsen drängen sich zusammen, als wollten sie den Weg zerquetschen der kühn in ihre Mitte gezwängt wurde. Dann, mit der Biegung des Weges, öffnet sich ein schmales Tal und sie wird sich ihres Irrtums bewusst: Nur ein Dutzend Schritte voraus liegt der Kadaver eines Pferdes, aufgerissen von scharfen Krallen, noch dampfend in der Kälte. Darauf hockt eine Kreatur, die Amrali augenblicklich erkennt, auch wenn sie nie zuvor eines dieser Geschöpfe mit eigenen Augen erblickte: Eine Mischkreatur aus Mensch und Vogel mit Schwingen statt Armen und stämmigen, krallenbewehrten Füßen, ein ganz menschlich anmutender, weiblicher Torso mit hoch angesetzten Brüsten, die Haut bar, dem Frost schutzlos ausgesetzt. Das Gesicht ist ähnlich grotesk: Deformierte, in die Länge gezogene Augen über fast menschlichen Wangenknochen, statt Mund und Nase findet sich ein mächtiger gebogener Schnabel, von dem nun gerade Blut tropft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Lippen, aber etwas an dem Ausdruck lässt Amrali an das Lächeln eines zufriedenen Jägers denken. Hinter ihr, wo der Pass sich windet, stoßen zwei gleichartige Kreaturen vom Himmel herab, um den Fluchtweg zu blockieren, drei Weitere ziehen Kreise über der ganzen Szenerie und beginnen gerade nun zu kreischen - kurze, schrille Schreie wie pervertiertes Gelächter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An manchen Tagen ist es schwierig sich an die Unterweisungen, an die Geschichten und Legenden der Vergangenheit zu erinnern, an die reichen Warnungen und Weisungen, die in die fast schon spielerische Form von Erzählungen gewoben wurden und auch jetzt, während Amrali starrt und die auf dem Kadaver des Pferdes hockende Harpyie spöttisch ihre Schwingen präsentiert, sind die Worte in der Erinnerung wie das unförmige Brummen eines entfernen Bienenschwarms. Unscharf. Unbestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Sieh an, wer sich zu uns verirrt hat. Willst du nicht Teil dieser Schwesternschaft werden, deine unwürdige Hülle eintauschen gegen einen stolzen Leib? Wir haben ein Herz für die Häßlichen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geschrei der drei Harpyien in der Luft steigert sich zu einem spöttischen, verhöhnendem Crescendo, während die Sprecherin sich eitel präsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du musst wi ..&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kälte ist vergessen mit der ersten Berührung des Schwertes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zu ziehen, wenngleich nicht mehr ungewohnt, schmeckt noch immer wie Freiheit, wie das Abschütteln von Ketten und Amrali zögert nicht in die Offensive zu gehen, überwindet die Entfernung zum abkühlenden Kadaver mit ein paar raschen Sprüngen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Harpyie, soviel lässt sich mit Gewissheit sagen, ist überrascht von der abrupten Unterbrechung einer gewiss einstudierten Spottrede, aber nicht überrascht genug, um sich am Boden fangen zu lassen: Sie entkommt dem Hieb um Haaresbreite und gesellt sich zu ihren drei Schwestern am Himmel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verfluchten, so wurde es gelehrt, sind eine Perversion, nicht allein im Erscheinungsbild, sondern auch im Herzen: Unfähig eine echte Gemeinschaft zu bilden, ohne das geringste Verständnis für das Opfer, das es braucht um das Überleben der Vielen zu sichern. Für die Harpyien zählt die Einzelne stets höher und so streiten sich die vier Flieger mit schrillen Schreien darüber, wer die Erste sein muss, die auf die Bewaffnete herab stößt. Es dauert nicht sehr lange, bis der Streit ganz ernsthaft entbrennt, mit Klauen und Schnäbeln ausgefochten wird, um eine Hierarchie festzulegen, die vielleicht ein paar Wochen halten wird, bevor etwas sie unweigerlich auf die Probe stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali, deren Rückweg weiterhin versperrt ist, flüchtet, ohne sich mit Neugier aufzuhalten. Für den Moment sind die Harpyien zufrieden damit sie gehen zu lassen, sicher, dass sie ihre Beute schon wieder einholen werden, sobald diese Kleinigkeit bezüglich der Rangordnung zu allgemeiner Zufriedenheit ausgefochten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wissen nicht, dass ihr vermeintliches Opfer viel Übung darin hat, sich zu verstecken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Harim vom Hafen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Wärme Solgard erinnert Amrali an ihre Heimat, aber die Ähnlichkeiten sind beschränkt: Maethrins Mauern sind höher, die Straßen enger, das Stadtbild dominiert von dunklen Erdtönen des hier zu findenden Lehms und vom Weiss der Kreidezeichnungen, die sich auf nahezu allen Hauswänden finden. Vor allem aber wurde Maethrin mit einer offensichtlich anderen Zielsetzung erbaut: Als Zuflucht und Bollwerk, als Festung, die fast ungeplant mit den Jahren und den Generationen wuchs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Zeit hinweg war das genug: Amrali hat keine Erinnerungen, das je von Feinden auf den Straßen Maethrins berichtet wurde und sie ist zu jung um sich an die zwei Wochen andauernde Belagerung zu erinnern, bei der zuletzt tatsächlich Angreifer vor den Toren standen. Dennoch: Sie erinnert sich an die eisernen Käfige links und rechts der Wetterpforte, ein Halbdutzend Schritt über dem Erdboden aufgehängt und sie erinnert sich - zumindest von Erzählungen - an das Schicksal der Gefangenen, die dort platziert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gerechtigkeit Maethrins ist unerbittlich und gnadenlos, die Strafe für den Angriff auf die Mauern uniform, ungeachtet der Umstände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals war Amrali überzeugt von diesem System, aber wie es mit diesen Dingen immer ist: Es ist leicht, wenn man sich auf der sicheren Seite des Gesetzes dünkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Herz Maethrins war - zumindest bei Amralis letztem, nun Jahre zurückliegendem Besuch - die Arena. Hier, so wollte es die Tradition, wurde nicht nur eifrig Blut vergossen, wurden die Heranwachsenden geschult, gedrillt, geschunden, gedemütigt und gepriesen, sondern auch Recht gesprochen: Unter dem wachsamen Auge der Sonne, offen für alle Interessenten mit einem Platz auf den Rängen, während Richter, Ankläger und Angeklagte ihren Platz im Ring hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dinge sind in Solgard anders, nicht allein, weil es schlicht keine Arena gibt. Wenn ein Herz der Stadt existiert, dann schlägt es auf dem weitläufigen Marktplatz, vielleicht auch in der Kirche des Herrn, deren Besuch Amrali bis dahin tunlichst vermieden hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht, weil sie den Herrn fürchten würde - das tut sie mit der selbstverständlichen Gewissheit eines Geschöpfes, das sich von Göttern umgeben weiß - sondern aus einem Gefühl von Unbehagen heraus: Sie ist mit diesem Glauben nicht vertraut und die Solgarder Denkweise jede Freude in einen bleiernen Mantel der Pflicht zu gießen, scheint irgendwie auf die Gebote und Tugenden des Herrn zurückzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für sie schmeckt beides viel zu sehr nach abgeschüttelten Fesseln, nach Beklemmung, Schwere und der Agonie dunkelster Hoffnungslosigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind Gedanken dieser Art, die sie verdrängt, ersetzt mit hoffnungsvoller Neugierde bei der Erkundung der Stadt und all ihrer Winkel, bis sie sich schliesslich erstmals bewusst gewahr wird, wie nah das Meer hier überall ist, sich selbst die Zeit erlaubt zu beobachten: Die geruhsame Bewegung der rastlos laufenden Wellen, die sich ohne Unterlass in die Brandung stürzen, das stetige Spiel der Möwen, die sich von den Aufwinden treiben lassen und einander umkreisen, immer auf der Suche nach Beute. Am fernen Horizont wird das Blau des Himmels eins mit dem des Wassers - und bei aller Fremdheit dieses Anblicks fühlt sich das irgendwie wie Heimat an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Hast dich verlaufen?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Moment zerplatzt mit dem Klang der Stimme im Rücken. Der Bariton klingt nach schimmelbewachsenen Wänden in nahezu lichtlosen Kellern, feucht, als wäre kaum noch wirkliche Substanz unter der Fassade von Stabilität. Alte, allzu vertraute Reflexe regen sich im ersten Moment der Überraschung, lassen die Glieder sich neu orientieren, noch während der Verstand dabei ist überhaupt eine erste Einschätzung anzugehen. Es ist der gleiche Reflex, der Worte formen möchte, eine Beschimpfung, die sie dem Mann .. beinahe .. entgegenspuckt, aber während die Zunge sich an den Silben müht, stößt der endlich aufschließende Verstand ins Leere, lässt sie im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos nach Luft schnappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann ist massig, aber nahezu einen Kopf kleiner als Amrali, so aufgedunsen wie eine an den Strand angespülte und dann sich selbst überlassene Leiche. Selbst die Farbe der Haut passt dazu, teigig und blass, durchsetzt mit dicken, krausen Haaren überall, nur nicht auf dem Kopf. Eines der Augen ist ganz offensichtlich blind, leblos und grau, das andere erscheint nicht sehr viel lebendiger, unfähig sich auf einen einzigen Punkt zu fokussieren. Kein Geruch, stellt sie nebenbei fest: Etwas an ihr erwartet bei dem Anblick den Gestank eines Haufen gammelnder Fischabfälle, aber das Gegenteil ist der Fall und etwas daran zerrt an ihren Nerven, bis sie begreift, dass es tatsächlich die gänzliche Abwesenheit irgendeines Geruchs ist, der ihre Wahrnehmung piekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Was willst du?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann lächelt, ein unheilverheissendes Grinsen, das die Reste eines einzigen verbleibenden Zahnes enthüllt und etwas funkelt in dem verbleibenden Auge, bevor die Stimme sich wieder hebt, gurgelnd, als würde in der Tat Flüssigkeit irgendwo in den Lungen schwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ich habe jemanden verloren. Und du siehst aus, als könntest du diesen Platz füllen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen Moment ist Amrali einfach nur perplex, aber der stille Zweifel zerplatzt mit den nächsten Worten des feisten Mannes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ist nichts Besonderes, aber es hat ein Dach. Zehn Groschen jeden Morgen. Keine Gäste über Nacht, kein offenes Feuer im Haus, keine Anbetung des Nasenlosen. Kannst kommen und gehen wie es dir passt. Ich bin Harim vom Hafen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Nasenlosen?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann hustet, spuckt, ein klebriger Klumpen glibberiger Flüssigkeit bleibt auf dem gestampften Lehmboden zurück, der hier vage einen Straßenverlauf nachahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Frag nicht. Noch ist es frei. Was sagst?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zögert, aber letztlich ist die Frage keine Frage. Ohne Wagnis kein Gewinn. Was kann schon schiefgehen?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Wüste|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Stadt bleibt im Rücken Amralis zurück, wird abgelöst durch die mächtige, wenn auch bröckelnde Silhouette der aus Sandstein geformten Pyramide, die wie das letzte Relikt einer untergegangenen Zivilisation erscheint: Trotzig im letztlich nutzlosen Beharren, begleitet nur noch von verblassten Erinnerungen und unruhigen Träumen zwischen den zerfallenden Ruinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der in alle Ritzen dringende Sand ein Verbündeter, der die Makel kaschiert, bis sie letztlich unübersehbar geworden sind, oder ist er viel mehr ein Angreifer, dessen stetiges Bemühen Farbe und Form aus allen Dingen schleift?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es liegt eine Lektion in diesem langsamen Schauspiel, dessen ist sie sich bewusst, während sie dem müden Braunen erlaubt jenem kargen Pfad zu folgen, der einen der begehbaren Wege durch die Wüste beschreibt. Jetzt, in der Stunde gerade nach dem Aufgang der Sonne, flirrt die Luft noch nicht vor Hitze, aber die Geier sind dennoch bereits unterwegs, ziehen ihre Kreise am Himmel als hätten sie auf die einsame Wanderin und ihr abgemagertes Ross gewartet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Heute nicht!&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt; verspricht sie den Aasfressern, die Stimmung noch hell und ungebrochen, frei von der Erschöpfung die jeder Abend bringt und der rastlosen Unruhe wenn die Träume ihr Recht einfordern. Hier, im ersten Licht eines neuen Tages fällt es leicht zu vergessen, was alles beschädigt wurde, leicht über die Makel und Sprünge hinweg zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotte ist vertrauter mit dem Pfad durch die Wüste als er sein sollte, das Erbe einer Zeit vor seiner aktuellen Besitzerin, denn auch wenn Ross und Reiterin wirken, als wären sie ein Paar, das durch Zeit und überstandene Abenteuer zusammengeschweisst wurde, so könnte das kaum weiter von der Wahrheit entfernt sein: Vor kaum mehr als Wochenfrist stand das alte Pferd noch davor sein Ende beim Schlachter zu finden und nur Glück - oder vielleicht das Schicksal - führte ihn mit der nahezu vollkommenen Mittellosigkeit Amralis zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Moment scheinen beide recht zufrieden mit dem Handel zu sein, auch wenn Amrali hofft die Rudel hungriger Wölfe zu vermeiden. Die Zeichen dafür stehen gut: Die Raubtiere wagen sich zwar bisweilen ein Stück in den Sand der Wüste hinein, aber sie scheinen der nie ganz lautlosen, fast unmerklichen Bewegung der Dünen nicht zu trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die Gezeiten der Wüste, die dem Besucher jeden Tag ein anderes Antlitz offenbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne die Wegzeichen ist es leicht sich zu verlieren, allzu einfach die sicheren Pfade zu verlassen, bis die Hitze den Gaumen ausdörrt und der Sand selbst unter den Schritten zu glühen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist es Zeit für die Geier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nicht mit Trotte, der die Wege besser kennt als seine Reiterin und sich selbst überlassen ohne Eile Richtung Nordwest zieht, immer in Sichtweite der fernen Hochebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gibt Amrali mehr Zeit nachzudenken, als ihr lieb sein kann - selbst der unsichere Untergrund erfordert nur ein Minimum ihrer Aufmerksamkeit und Trottes Temperament würde es ihr vermutlich erlauben im Sattel zu schlafen. Wenn die Hitze nicht wäre, natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Moment scheint es so, als wäre Solgard der perfekte Ausgangspunkt: Die Stadt macht einen überaus soliden Eindruck, sicher und aufgeschlossen, auch wenn ihr Teile der vorherrschenden Weltanschauung unbegreiflich erscheinen. Das, so kann sie nur mutmaßen, muss auf verletzten Stolz zurückgehen, auf in der Vergangenheit geführte Auseinandersetzungen, deren Natur sie nur erahnen kann, die ihr letztlich aber auch gleichgültig sind, gleichgültig sein müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt auch Negativpunkte: Die Unterkunft ist .. gewöhnungsbedürftig: die Wände so dünn, dass sie nicht wagt sich dagegen zu lehnen und irgendein Geruch hat sich in den Balken festgesogen, den sie nicht identifizieren kann. Die Nachbarschaft kann bestenfalls als zwielichtig bezeichnet werden, Gerüchten zufolge der Einfluss einer ganzen Anzahl von Einwanderern aus der Unterwelt Nebelhafens, die nun ihre düsteren Geschäfte in die Kanalisation Solgards auszudehnen trachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber all das wiegt für Amrali nur wenig: Allein die Freiheit die Behausung nach Lust und Laune verlassen zu können, die Straßen zu durchwandern, erscheint ihr bereits wie ein seltenes, unverdientes Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein. Nicht unverdient. Niemals unverdient. Niemals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Trotte abrupt verharrt, kehrt auch ihre Aufmerksamkeit zurück in das Hier und Jetzt, zu den bröckelnden Mauerresten voraus. Für einen Moment scheint alles still, ruhig bis auf den stetig gehenden Wind und das fast unmerkliche leise Raunen des bewegten Sandes. Mehr Bewegung unter der Oberfläche, bis sich ein blutiger Schädel an das Licht des jungen Tages schiebt. Kein Fleisch, keine Haut, keine Muskeln oder Haare: Pure Knochen die den Anschein machen von Blut überzogen zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen Moment überwiegt die Abscheu alles, der Magen beginnt sich umzudrehen, noch während der Braune scheut und dann in einem Anflug fast schon jugendlicher Beweglichkeit, steigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu anderen Zeiten, unter anderen Umständen, hätte es Amrali keine Mühe gekostet das Tier unter Kontrolle zu bringen, sich im Sattel zu behaupten. Aber alles ist neu dieser Tage und sie fällt, landet ohne Eleganz im Sand, kommt gerade noch rechtzeitig auf die Füße um die Klinge zwischen sich und die blutbedeckten Klauen des Untoten zu bringen. Die Knochen splittern, aber formen sich neu unter der fluiden Umhüllung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sorge weicht. Die Ungewissheit flieht, während der Herzschlag sich beschleunigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier zumindest ist einfach: Leben oder sterben.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Egel|CONTENT=&lt;br /&gt;
Das Tropfen im Halbdunkel ist stetig, das unaufhörliche Glucksen eines einzelnen, in einen stillen Teich fallenden Tropfens. Irgendwo im Hintergrund kann ein scharfes Ohr das Rauschen entfernter Brandung hören und Amrali erinnert sich an diese Kaverne, erinnert sich an die Unwirklichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Ort ist ein Symbol, heraufgeschworen aus endlosen, zermürbenden Beschreibungen, detailliert auch in Details, die sich im Zwielicht dem Auge entziehen sollten. Es gibt keine Lichtquelle, und dennoch ist es nicht vollkommen finster. Es gibt kein Hinein und kein Hinaus, aber dennoch scheint der Wind sich zu bewegen, bringt den Geruch von Salz und Tang mit sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas regt sich sich im nachtdunklen Wasser - der bleiche Leib eines armdicken Egels, dessen dicker Kopf augenlos nach etwas sucht. Es wird nicht lange dauern, bis er ihrer gewahr wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Es ist ein Traum. Nur ein Traum. Ich muss aufwachen, das ist alles.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das Herz schlägt ihr bis zum Hals und sie folgt dem allzu vertrauten Diktat einer vorherbestimmten Handlung, weicht zurück bis sich kalter, feuchter Stein in ihren Rücken presst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Egel ist nun nah, pendelnd, als würde er noch immer suchen, bevor sich die unförmige Mundöffnung ausrichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Berichte mir von deinem Glauben. Mit welchen Riten wird der Tag begonnen, mit welchen Riten endet er? Du musst mir etwas geben. Ich bin hungrig ..&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte Wort ist unverständlich, ein Sausen im Verständnis, als hätte der Wind die Silben gepackt und fortgeweht. Aber sie begreift dennoch mit einer Klarheit, die aus Erinnerung gespeist wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Das war mein Name.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie die Augen öffnet, findet sie sich in Solgard, auf dem armseligen Lager in der windschiefen, baufälligen Hütte im Hafen, jenem Platz, den sie seit wenigen Tagen eine Heimstatt wendet. Nicht viel - aber genug. Das bis zum Hals klopfende Herz beruhigt sich nur langsam, sucht nach Halt, nach Stabilität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Jagdgruppe am Abend, eine Menge unvertrauter Gesichter, aber eine Verbundenheit darin wie das Echo von etwas vor langer Zeit Verlorenem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ich habe dir gesagt, ich finde dich in deinen Träumen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stimme ist zu vertraut, von einer täuschenden Süße wie Sirup über bitterem Gift und viel zu nah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann erwacht sie ein weiteres Mal, dieses Mal in die Stille der Heimstatt, ungestört. Für lange Minuten lauscht sie den Geräuschen des Viertels, unfähig zu entscheiden, ob das nun real ist, oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Stunden später ist diese Sicherheit noch nicht vollkommen da.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Angelmar|CONTENT=&lt;br /&gt;
Vor 6 Jahren ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist heiß in Maethrin, die Sonne unerbittlich und so war es schon vor der Feier des Sommerfestes, das nun bereits Monde zurückliegt. Schon damals duckten die Alten sich in die Häuser aus dunklem Lehm mit kreidebemalten Wänden, froh der Hitze zu entkommen. Aus dem Schatten heraus warnten sie vor dunklen Zeiten, die stets der erbarmungslosen Glut der Sonne folgen. Dieser Art ist die Weisheit der Priesterinnen: Auch wenn die Sonne Kraft gibt, auch wenn sie der Ursprung, der Anfang und die Vollendung des Lebens ist, so verbrennt sie doch auch das Grasland, lässt die Erde aufspringen und Flüsse versiegen. Darin liegt eine Warnung vor kommendem, drohendem Unheil. Wo die Sonne ungezügelt herrscht, da muss das Leben weichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war es einst. So wird es wieder sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tradition ist stark in der Stadt, wachgehalten in Erzählungen, in Mahnungen, in Weisungen und Forderungen. Die Jungen, gerade alt genug, um als Erwachsene zu gelten, scheren sich darum wenig: Sie hüllen sich in unerschütterliches Selbstvertrauen, im Stillen überzeugt, dass gerade sie die Welt zu einem anderen, besseren Ort machen werden, dass all diese Gedanken noch niemand vor ihnen gedacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind, wie die Älteren mit einem Lächeln vermitteln, Idioten, deren Hirn nicht mit dem Wachsen ihres Körpers schritthalten konnte. Hinter diesem Urteil verbirgt sich dennoch ungetrübte Zuneigung: Jene, die in Maethrin leben, fühlen sich verbunden. Ausnahmslos. Und Weisheit ist das Privileg jener, die überlebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali ist eine dieser Jungen: Zufrieden mit sich und der Welt, gänzlich überzeugt alles wirklich Wichtige bereits verstanden, schon vor Jahren verinnerlicht zu haben. Sie kennt die Gebete, sie ist vertraut mit der Routine der Wachen und beteiligt sich bei der Jagd mit ungezügeltem Eifer. Pflicht ist bei all dem so natürlich wie Atemzüge, Teil einer über die Jahre gewachsenen Identität. Aber sie ist, wie all die anderen jungen Erwachsenen ihrer Gruppe, im Herzen ein heimlicher Rebell, immer dabei die Grenzen der Regeln zu erproben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche sind darin vorsichtiger als Andere. Einige werfen sich in Ärger mit dem überschwänglichen Enthusiasmus eines Honigdaches. Amrali ist schlau genug nicht offen gegen Mauern zu laufen, die Autorität nicht offen herauszufordern. Sie findet andere Wege um Beschränkungen herum und wird noch lernen, das diese vermeintliche Klugheit auch nur eine besondere Form von Dummheit ist. Zu spät, natürlich. Manche Warnungen haben in Form von Worten schlichtweg kein Gewicht. Und einige hören nicht eher, als bis man ihnen die Ohren abschneidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber zurück zu Maethrin, die über dem Grasland thront auf zerklüfteten Felsen, Ausläufern eines im Norden dräuenden Gebirges, dessen langgliedrige Glieder sich wie steinernen Knochen durch die gesamte Steppe ziehen. Immer wieder einmal brechen sie durch die Oberfläche, formen meilenlange, wenn auch flache Täler in denen sich nach heftigen Regenfällen das Wasser zu Seen sammelt, die nicht viel später erst versumpfen, dann gänzlich austrocknen. Das ist Teil eines ewigen Kreislaufes der mit den Jahreszeiten ebbt und schwillt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer dieser Sumpfseen ist groß genug, dass er in Menschengedenken nie austrocknete und an seinem Ufer findet sich eine Ansiedlung, kaum zwei Reitstunden von Maethrin entfernt. Was als Anlauf- und Umschlagpunkt der Jäger und Fallensteller des Graslandes, der Holzfäller und Kähler der westlichen Wälder begann, wuchs im Laufe der Zeit ganz ähnlich wie Maethrin auch, aber in ganz anderer Weise: Angelmar ist keine Festung, sondern eine schmucke Stadt ohne Mauern, die in das Umland hinein wuchert, teilweise finden sich auf Pfählen stehende Häuser sogar im Uferbereich selbst. Gebaut wird fast ausschliesslich mit Holz, zumindest unter jenen, die es sich leisten können, nur in den ärmeren Bezirken wird auf den dunklen Lehm zurückgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, im dritten Mond einer beispiellosen Dürre ist der See weit genug geschrumpft, dass diese Häuser auf dem Trockenen stehen, ihre Pfähle ragen wie dürre, armselige Hühnerbeine in die aufgerissene Erde, die einmal schlammiger Grund war. Ruderboote liegen auf dem Trockenen, gestrandet, oder eine gute Laufstrecke entfernt, dort wo die Wasserfläche wieder beginnt. Es sind mittlerweile lange Fußwege für die Fischer und Aalstecher und ihre Stimmung reflektiert nur einen Teil der Sorgen und der wachsenden Nervosität der unruhigen Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einiges davon richtet sich auch in Richtung Maethrins, der Wehrhaften, der Wohlhabenden, mit den eigenartigen Sitten, über die mal mehr, mal weniger offen gewitzelt wird. Gewöhnlich mit einem gutmütigen Unterton, immerhin lässt sich eine gute Münze mit dem Handel verdienen. Heute, während Amrali durch die breiten Straßen wandert, den Bahnen folgend, die für den Transport von Baumstämmen zur Verschiffung gezogen wurden, hört sie mehr Feindseligkeit als gewöhnlich in den Bemerkungen, mehr Anspannung. Die Worte schmecken nach Furcht. Nach Neid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr Gerüchte kursieren auf den Straßen: über verborgene Brunnen, über tiefe Wasser im Stein unter Maethrin, darüber dass zu tief gebohrt wurde und nun das Wasser aus der Steppe sickert. Darüber, dass die Anwohner Maethrins allesamt Anbeter der sengenden Sonne seien und darum Schuld an der Dürre trügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einiges davon ist so absurd, dass sie an sich halten muss, nicht zu lachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie bekommt auch Wahrheiten zu hören: Dass die großen Herden nordwärts getrieben wurden in Richtung der Berge und das Geschäft der Jäger und Fallensteller für dieses Jahr ruiniert sein werde. Oder dass Maethrin seine Tore für alle Fremden geschlossen habe. Niemand, so verheissen die Gerüchte, wird Zuflucht in der Stadt finden, deren Anwohner keinen Durst zu leiden hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das, so weiss Amrali mit gänzlicher Gewissheit, ist Fakt: Sie war dabei als die neuen Weisungen für die Wachen ausgegeben wurden und sie erinnert sich auch an andere, damit einhergehende verbindliche Anweisungen: Keine Alleingänge mehr - selbst auf der Jagd müssen es immer mindestens zwei sein. Und keine Besuche der Städte mehr: Nicht Denkenfurth, nicht Grauburg, nicht Leuenstich und nicht Angelmar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist natürlich das besorgte Gerede der Alten, deren Lebenszeit nicht etwa zu einem Übermaß an Mut, sondern stattdessen zu einem Übermaß an Vorsicht führte und Amrali ist perfekt in der Lage selbstständig über ihre Sicherheit zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was soll schon passieren? Sie trägt eine vertraute Waffe und ein Lächeln, dessen Offenheit gänzliche Zuversicht vermittelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was gegenüber den Alten als Jagdausflug auf der Suche nach Wollnashörnern verkauft wurde, hat in Wahrheit zwielichtige Keller zum Ziel, vielleicht sogar eine der Arenen, wo unter dem Geschrei der Besucher mehr um Gold als um Ehre gekämpft wird. Unter der Oberfläche Angelmars mit seinen biederen Fassaden erstreckt sich ein Basar voller Farben und Verheissungen, bis zum Bersten gefüllt mit Verlockungen und Künsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur noch heute, das ist das stumme Verständnis der kleinen Gruppe, die Amralis Bitten, Versprechungen und Verheissungen folgte. Nur noch heute vor einer langen Zeit der Isolation hinter den Mauern Maethrins mit allzu vertrauten Gesichtern und allzu vertrauten Verhaltensweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier, so entschied sie, kam einem Abenteuer so nah, wie es nur möglich war ohne eine Klinge zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nacht ist bereits dabei dem ersten Licht des Tages zu weichen, aber davon ist in den verbundenen und mit Tuch behangenen Kellern nichts zu bemerken. Dennoch: Die Gruppe ist ermüdet, überreizt und selbst das Geschick der Feuergaukler wird nach einer Weile vorhersehbar und öde. Karten, Würfel, Duelle, das Stöbern zwischen sich biegenden Regalen nach Kleinigkeiten wundersamster Handwerkskunst, die hier für kleine Münze verramscht werden. Die Nervosität, so denke sie, hat einen Weg nach hier unten gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist, wenn Amrali sie das erste Mal sieht, durch einen noch immer mit Menschen überfüllten Raum. Dunkelbraunes, glattes Schopfhaar, das offen getragen bis weit über die Schultern fällt, eisengraue Augen, blasse Wangen. Eine schwere Robe, über deren Oberfläche sich Silberfäden ohne erkennbare Ordnung winden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wie Würmer.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt; denkt sie im ersten Moment, halb fasziniert und halb belustigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann spürt sie es: Wie das Echo eines fernen Rufs, ist da .. etwas. Fremd und gleichzeitig vertraut, ohne das sie die Hand darauf legen könnte. Es ist das Gegenteil von angenehm: Binnen eines einzigen Lidschlags sträuben sich all ihre feinen Nackenhärchen und der Instinkt reagiert, bevor der Verstand aufschließt: Die Waffe liegt in ihrer Hand, noch bevor die Fremde die Stimme hebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Lasst sie nicht entkommen. Und beschädigt sie nicht.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Preis der Freiheit|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Freiheit, das lernt Amrali mit einiger Überraschung, ist teuer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte vielleicht kein Wunder sein, aber sie muss sich eingestehen, dass die Vergangenheit sie nicht auf diese banale Erkenntnis vorbereitet hat: Das Leben in Maethrin war in einer Art und Weise organisiert, in der die Verantwortungen ganz selbstverständlich geteilt wurden - eine große Gemeinschaft, vereint im Großen, auch wenn es im Kleinen durchaus Reibepunkte gab. Und in der Zeit nach Maethrin ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gedanken zucken ganz unwillkürlich zurück vor den Erinnerungen, als würde sich ihnen zu stellen, sie auch nur anzublicken, ihnen bereits Macht verleihen. Dafür sorgen, dass sie präsenter werden, deutlicher. Wahrhaftiger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch ertappt sie sich dabei den Blick zu wenden, die Winkel der armseligen Bretterbude zu prüfen, die sie dieser Tage ihre Heimstatt nennt. Nichts Unerwartetes präsentiert sich den Sinnen, auch nichts, was Anlass gäbe aufzuspringen um zwischen Kampf oder Flucht zu wählen: Die Balken sind schief, die Bretter verzogen, so dass zu jeder Tagesstunde das Licht der Sonne in dünnen Streifen eindringt, gnadenlos auf Staub oder Spinnweben hinweisend. Die Einrichtung ist so karg als wäre das hier eine Zelle: Eine Lagerstatt aus Stroh, Ausrüstung in Griffweite gelagert, ein kleiner, wackeliger Tisch zwischen der Schlafstatt und der Türe, beladen mit Kleinigkeiten und Krimskrams.&lt;br /&gt;
Aber: Es ist keine Zelle. Es ist die Freiheit und diese hat ihren Preis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz konkret: 10 Groschen jeden Morgen, zu zahlen an Harim, der aus irgendeinem für Amrali gänzlich unverständlichen Grund in der Kanalisation der Stadt haust. Zweimal war sie in der Zwischenzeit selbst dort unten, aber die engen, feuchten Tunnel erinnern sie zu sehr an frühere Erlebnisse, an einen Kampf in fast lichtloser Dunkelheit und die Narben, die ihr linker Arm seitdem trägt. Und dort unten Rattennester auszuräuchern machte ohnehin soviel Mühe, dass die schmale Bezahlung kaum die aufgewendete Zeit wert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Preis der Freiheit bedeutet für Amrali, dass die Unterkunft bezahlt werden muss, dazu kommen Kleinigkeiten wie sauberes Wasser, Obst und Fleisch wenig zweifelhafter Herkunft. Sie hat, das muss sie ernüchtert anerkennen, wenig nützliche Talente abseits der Fähigkeit mit einem scharfen Stück Metall Löcher in fremde Haut zu bohren oder zu schneiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch diese Fähigkeit hat aber ihre Grenzen: Die hünenhaften Einaugen, die auf einer sandigen Halbinsel Krieg gegen ein Volk gigantischer Insekten zu führen scheinen, sind nicht sonderlich schnell und von einem echten Verständnis der Feinheiten des Kampfes weit entfernt, aber sie sind groß, stark und zäh. Das ist genug, um Amrali öfter zur Flucht zu treiben. Zurück bleiben dann blaue Flecken, Prellungen und Quetschungen, dazu gesprungene Ringwehr und verbeulte Panzerung, selbst die alte Klinge, die seit dem zweiten Tag auf dieser Insel ihr treuer Begleiter war, verbiegt sich unter der eingesetzten Gewalt und die hineingeschlagenen Scharten lassen den Schmied ein um den anderen Tag den Kopf schütteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du musst achtsam sein mit deiner Ausrüstung, Mädel!&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; tadelt er ohne aufzusehen und Amrali schluckt die scharfe Replik herunter. Die Gewohnheit macht die Irritation nicht geringer: In Maethrin wäre alles anders gewesen. Und der Preis für die Pflege und Instandsetzung der mitgenommenen Ausrüstung lässt es so wirken, als würde jeder Ertrag der eingegangenen Risiken dahinschmelzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich gibt es auch in Solgard Gemeinschaften, die solche Bürden und Herausforderungen gemeinsam stemmen, aber sie ist kein Bestandteil dieser Familien oder Interessenverbände, der Glaube an den Herrn ist ihr noch immer fremd, auch wenn sie sich angewöhnt hat in dessen Namen zu grüssen. Vielleicht wäre Wachdienst eine Möglichkeit, aber sie scheut ganz instinktiv vor dem Gedanken zurück sich so fest zu verpflichten.&lt;br /&gt;
Dazu kommt etwas, was sie sich im Licht des Tages kaum eingestehen will, aber mit der Ankunft der Dämmerung ungebeten, aber zuverlässig, den Weg in die Gedanken findet: Sie ist einfach nicht, was sie war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das lässt sich an Äusserlichkeiten festmachen: Der Blick in den Spiegel zeigt ihr noch immer ein fremd anmutendes Gesicht mit eingefallenen Wangen und tief liegenden Augen, das glühende Versprechen jugendlicher Vitalität verblasst. Der einst weit über die Schultern fallende Schopf wurde zum Opfer des Messers der Levinerinnen und auch wenn die Haare dabei sind nachzuwachsen, wird es noch Jahre brauchen, bis sie - wenn überhaupt - ihre vormalige Länge wieder erreicht haben. Umso deutlicher treten die Narben hervor, vertraut wie ein alter Schmerz beim Wechseln des Wetters, sie alle Zeugnisse von Fehlschlägen, von Schande.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine im Kampf erworbene Verletzung kann Ehre bedeuten. Aber nicht diese: Die einzige Geschichte dahinter ist eine, die besser unerzählt bleibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von all den äusserlichen Veränderungen als Tribut an die verstrichenen Jahre, sind da aber auch die .. anderen Dinge. Einige davon sind schwierig zu greifen: Mangelnde Trittsicherheit gegenüber vorher perfekter anmutender Balance. Ermüdung nach zwei Dutzend Schlagwechseln, wo sie früher Runde nach Runde in der Arena durchhielt. Der brennende Schmerz erlahmter Muskeln und das Gefühl bleierner Schwere am nächsten Morgen. All das kann sich auf die Gefangenschaft, auf die Krankheit zurückführen lassen.&lt;br /&gt;
Anderes dagegen ist so offensichtlich, dass sie davor zurückzuckt, wie vor einer offenen Wunde: Das Vergessen, die Unfähigkeit die richtigen Worte zu finden, das absurde Gefühl von Fremdheit mit jedem Satz, eingerahmt in das instinktive Begreifen: Das ist nicht meine Muttersprache.&lt;br /&gt;
Aber wo diese Vertrautheit sitzen sollte, ist nur ein Loch, eine Wunde wie von einem herausgerissenen Zahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Teil des Preises der Freiheit ist diese Gedanken zu haben. Es liegt ein Luxus darin zu trauern, sinniert sie, während sie durch die Strassen und Gassen Solgards streift, ruhelos wie ein zum ewigen Spuk verurteiltes Gespenst. Wer um das Leben kämpft, dessen Begreifen ist reduziert, auf das Notwendigste reduziert. Für Bedauern und Reue benötigt es Sicherheit.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Solgards Versprechen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Veränderung kommt mit so schleichender Subtilität, dass Amrali auch im Nachhinein den Moment nicht zu fassen bekommt: Wann hört eine fremde Stadt auf, wirklich fremd zu sein?&lt;br /&gt;
Selbst die Silhouette der Kathedrale, die sie bis jetzt gemieden hat - nicht aus Ablehnung der Lehren des Herrn, sondern wegen instinkter Scheu - erscheint plötzlich weniger unversöhnlich, weniger wie ein aufstrebendes Symbol emporstrebender Macht als mehr wie das Glimmen eines Leuchtturms, der einen sicheren Pfad verheisst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namen fügen sich mit Gesichtern ganz allmählich zu Geschichten zusammen, erschaffen Identitäten mit Hoffnungen und Würden, mit Titeln und Befindlichkeiten. Vertrautheit hat nicht nur angenehme Seiten: Der Hafen ist auch in Solgard ein rauhes Pflaster, selbst für eine Frau die einem Streit ungern aus dem Weg geht. Aber wenn die Zeit der Gefangenschaft sie eines lehrte, dann das das Diktat des Stolzes nicht unverletzlich sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das, so sinniert sie, während sie den gewundenen Gassen in Richtung der armseligen Bretterbude folgt, die sie dieser Tage eine Heimstatt nennt, ist etwas was mit den Lehren der Alten kollidiert, was scharfe Zurechtweisung einfordern würde. Aber Solgard ist nicht Maethrin und Amrali ist keine junge Kriegerin mehr, selbstüberzeugt bis zur Arroganz, stets bereit sich mit einem Lächeln in jede Herausforderung zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich habe überlebt. Aber die Narben bleiben.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke ist bitter und für einen langen Moment wird ihr die Kehle eng, wenn sie zurückdenkt an ihre Schwestern und Halbschwestern, an den Kreis der eine Familie formte, auch wenn die Bande des Blutes in Maethrin nicht viel bedeuteten. All das zerbrach: Nicht erst mit dem Richtwort in der Arena und der Streichung eines Namens aus dem Buch der Seienden, sondern schon zuvor, in jener Nacht als der geheime, rebellische Ausflug im Desaster endete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;So ganz allein unterwegs.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufmerksamkeit gibt die Vergangenheit los und springt in das Hier und Jetzt, fliegt über die vier Halbstarken hinweg, die den weiteren Weg durch die Gasse mit betont lässiger Haltung versperren. Zwei Messerträger, eine mit Nägeln versehene Keule, der Wortführer trägt ein Kurzschwert das bereits bessere Tage gesehen hat. Aber die Klinge wirkt scharf, gut gepflegt, auch wenn die Haltung des jungen Burschen keinerlei Schulung erkennen lässt.&lt;br /&gt;
Der Rückweg ist frei, was Bände für die Erfahrung der zusammengewürfelten Gruppe spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herzschlag beschleunigt sich und Amrali spürt es: Eine Mischung aus Ungeduld und Verlangen, den fast unbezähmbaren Wunsch augenblicklich in die Offensive zu gehen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie den Wortführer überwältigen und dessen Waffe an sich nehmen kann, bevor seine Kameraden auch nur geblinzelt haben. Keine Herausforderung, sofern sie den ersten Angriff überlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie zögert und das könnte auf dem Schlachtfeld den Tod bedeuten. Es könnte auch hier, nur zwei Dutzend Schritt von ihrem Heim entfernt, das Ende sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Gebt den Weg frei.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie spricht keine Drohung, aber die Verheissung einer solchen findet sich im Klang der Stimme, eingebettet darin wie solider Stahl in eine Schwertscheide. Vier Augenpaare blinzeln, rekapitulieren, wägen Möglichkeiten, Risiken und Wahrscheinlichkeiten ab.&lt;br /&gt;
Drei von ihnen entscheiden sich für einen Rückzug, aber in der Miene des Wortführers findet Amrali den Konflikt, die Notwendigkeit das Gesicht vor den Kameraden zu wahren, die Unmöglichkeit einfach klein beizugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Angriff!&#039;&amp;lt;/i&amp;gt; befehlen ihr alle Instinkte und dieses Mal ist es eine bewusste Anstrengung die Finger ruhig zu halten. Das hier ist keine Herausforderung, sondern eine Tragödie. Kein Ruhm, nur Blut, das der nächste Regen von der Strasse wischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Habe ich Euch nicht gebeten diese Gasse zu meiden?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gereizten Instinkte protestieren gegen den Klang der Stimme, gegen die Ahnung einer in ewiger Feuchtigkeit gefangenen Gruft, gegen schimmelschwarze Wände, deren ursprüngliche glatte Fläche pockennarbig erscheint. Harim ist einen guten Kopf kleiner als Amrali, aber massig genug für vier Männer, aufgedunsen wie eine Wasserleiche nach einer Woche in einem vergessenen Hafenbecken. Schweiss glänzt auf dem kahlen Schädel des Mannes, dessen eines blindes Auge sich besser auf die vier Burschen zu fokussieren scheint, als das noch funktionierende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Geruch, das nehmen die Sinne ganz nebenbei mit, noch während sie sich fragt, welche Autorität ihr Vermieter hier führt. Nach allem was sie weiss, ist er ein in der Kanalisation hausender Sonderling, nur einen einzigen schlechten Tag davon entfernt von Maden gefressen zu werden.&lt;br /&gt;
Aber die Frage ist genug, um die Spannung zu brechen und die vier Möchtegernbanditen flüchten ohne einen Blick zurück, entschwinden in Richtung der Docks und Kaimauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Teil Amralis ist bitter enttäuscht, begehrt in heiss glühendem Zorn auf gegen die Einmischung von aussen, gegen den Beistand durch diesen .. Mann. Ein anderer Teil ist erleichtert. Ein dritter ist angeekelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ich hätte Eure Hilfe nicht gebraucht.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das blinde Auge des fetten Mannes starrt an ihr vorbei, aber das andere konzentriert sich tatsächlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ich weiss.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Erklärung und am Ende ist es Amrali die den Blick senkt, beunruhigt, aus dem Gleichgewicht gebracht, erschüttert auf eine Art und Weise, die sie nicht in Worte fassen kann.&lt;br /&gt;
In der halbherzigen Abgeschiedenheit der kargen Heimstatt atmet sie schliesslich durch, prüft jede Ecke und entzündet eine ruhig brennende Öllampe, seit dem ersten Abend ein verlässlicher Begleiter. Ihr Licht hält die Dunkelheit im Zaum als Amrali in den Schlaf gleitet und in düstere Träume von engen Gängen und endlosen Fluchten, die letztlich alle wieder zum Anfang zurückkehren.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Unter grünem Schatten|CONTENT=&lt;br /&gt;
Amrali ist keine Gelehrte und sie weiß nichts über die Geschichte dieser Region, kennt nicht den Ursprung der bröckelnden Ruinen, die hier und dort noch durch das Grün brechen oder gänzlich freigelegt daliegen, wie Knochen einer längst verblichenen Bestie, an die sich kein Aasfresser wagte. Umso mehr spürt sie abergläubische Scheu und Verwunderung beim Anblick des einen, fast schon verwunschen anmutenden Turms, der sich wie ein vergessener Grenzposten an die Ausläufer des Gebirges anlehnt, aber dennoch im Dschungel wurzelt. Dort, daran hat sie keinen Zweifel, können nur die absonderlichsten Gestalten hausen: Ausgestoßene und Sonderlinge, verrückte Propheten und kaltblütige Kehlenschneider, deren fremdartige Gelüste sie gezwungen haben, ein Obdach fern der Zivilisation zu wählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So oder so: Sie meidet es, sich diesem Bauwerk zu nähern, während sie fluchend und den Griff der Waffe fest umklammert trügerischen Wegen folgt. Nichts hier ist sicher, alles scheint in Bewegung. Der ohrenbetäubende Lärm um sie herum besteht aus den heiseren Schreien von Jägern und den oft noch schrilleren Antworten von Beute, wobei die Rollen nicht immer so klar sind, wie sie es sein sollten. Sie ist sich nur zu bewusst, dass sie selbst Interesse geweckt hat: Nach einer kurzen Konfrontation bleibt ein Bündel Wegzehrung zurück, wie ein Tribut für den Tümpel und die dort hausende, nur aus Panzerung und Zähnen bestehende Kreatur. Andere Angreifer sind subtiler: Schwärme von Moskitos, deren stetiges aggressives Summen an ihren Nerven zehrt, Blutegel, die mit abstoßender Agilität unterwegs sind und, einmal festgeklammert, nur mit Blutzoll wieder zu lösen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali ist froh, als der Dschungel hinter ihr zurückbleibt, das grüne Dach sie endlich freigibt. Die aufragenden Schluchten voraus bergen ihre eigenen Gefahren, aber ihre greifbare Solidität ist etwas, dem sie sich eher gewachsen fühlt. Dennoch, das muss sie zähneknirschend einräumen, als sie den Zustand der guten, erst wenige Tage alten Lederstiefel prüft: Es könnte sein, dass dieser Auftrag sich zu einem schlechten Geschäft entwickelt. Eine gute halbe Meile zurück stolperte sie in ein sich unversehens unter ihr öffnendes Sumpfloch, bis dato verborgen unter einer Schicht gammelnder Blätter, die eine nicht vorhandene Verlässlichkeit vortäuschten. Und nun ist das Leder dabei, sich langsam, aber erkennbar aufzulösen – ein Anblick, der Amralis Haut zum Jucken bringt. War das überhaupt Wasser? Es fühlte sich … warm an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie schlägt ganz instinktiv ein Schutzzeichen, eine Geste, die ihr in Fleisch und Blut übergegangen ist, auch wenn sie die dazu passenden Worte des Gebets, der Anrufung, nicht mehr zusammenbekommt, und verdrängt den Gedanken, zieht weiter in Richtung der sich nach der Schlucht öffnenden Wälder. Auch das ist nicht ideal, denn Amrali bevorzugt einfach die vertraute Weite – aber es ist besser. Zumindest theoretisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Praktisch geben ihr die beschatteten Pfade zu viel Zeit zum Nachdenken. Damit einher geht die unangenehme Einsicht, dass die Tagelöhnerei einfach nicht ausreicht, dass es Gründe gibt, warum gute Münze für teils absurd anmutende Aufträge bezahlt wird: In den meisten Fällen ist so viel Mühe und Aufwand damit verbunden, dass es sich kaum lohnt. Was sie braucht, ist eine solidere Basis, feste, einschätzbare Verpflichtungen mit ebenso fester, einschätzbarer Vergütung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gibt es in Solgard einige Möglichkeiten: Die Stadtwache ist eine offenkundige Option, aber diese Form der Verpflichtung erscheint Amrali ein wenig zu strikt – vor allem nach einigen wenig schmeichelhaften Bemerkungen über die Ödnis des Wachdienstes. Vielleicht gäbe es auch einen Platz bei der Kirche des Herrn, aber bis jetzt weiß Amrali nur sehr wenig über den Glauben, und ein Teil von ihr kann nicht anders als zurückzuschrecken. Kompromisse und Anpassung sind das Eine. Aber die Form – nicht unbedingt der Inhalt – des Glaubens widerspricht allem, womit sie aufwuchs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt noch andere Optionen, und darüber denkt sie nach, während sich um den Waldweg herum eine Lichtung öffnet. Mit der Sonne kommt die Wärme, vertreibt die letzten Reste klammer Feuchtigkeit aus den Gliedern, aus den Fransen des abgerissen wirkenden Umhangs. Zlata könnte wissen, wer jemanden braucht, der keine Scheu hat, sich auch einmal die Hände schmutzig zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke lockert Amralis Stimmung auf und für eine Weile sind die Alpträume fern, unwirklich.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Solgards Träume|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Tage reihen sich für Amrali aneinander wie die Glieder einer Kette, gefüllt mit Aufgaben, die ihr kaum einen Moment zur Besinnung lassen. Zu anderen Zeiten lag sie für Stunden wach, hadernd und grübelnd, ungewiss über Vergangenheit, Zukunft und erst recht Gegenwart, aber zumindest das ist eine Bürde, die sich dieser Tage nicht zeigt: Die Abende sind gefüllt mit bleischwerer Erschöpfung, mit einem Lösen von über den Tag aufgebauter Spannung, die ihr kaum genug Zeit lassen, sich auf das karge Strohlager der Bettstatt zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Träume sind - natürlich - unvermeidlich, präsent wie Gestank in den Tiefen der Kanalisation und genauso widerlich. Das, so seltsam der Gedanke auch ist, erscheint fast wie Routine, die Amrali an eine eigenartige, nur halb erinnerte Geschichte erinnert, in der ein Bäcker seine Katze zum Auswischen des heissen Ofens verwendete, immer unter Nennung des gleichen Satzes: &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Nur, bis du es gewohnt bist.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Pointe, vielleicht auch die Lehre der Geschichte ist schon lange verloren, mit den Jahren in formloses Dunkel abgetaucht, in dem nun, wie eine einsame, vergessene Insel, diese eine Szene noch immer beharrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Nur, bis du es gewohnt bist.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Flüstern hängt noch in der Luft, während sie ganz zu sich findet, aus dem Traum gerissen wie so oft durch ein Übermaß an Entsetzen. Schon jetzt, noch während das Herz bis zur Brust hämmert, verwirren sich die Traumgesichte in zusammenhanglose Fetzen, driften auseinander wie Rauch. Das Einzige, was wirklich erscheint, sind der kalte Schweiss auf der Stirn und ein stechender Schmerz im linken Arm, auf den sie im Schlummer gerollt sein muss. Selbst im matten Licht der niedrigen Talgkerze sind die Narben dort sichtbar, stumme Zeugnisse für einen vergeblichen Kampf und eine schamvolle Niederlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist, wie sie zugeben muss, während sie die Hand öffnet und wieder schliesst, an sich ein Wunder, dass ihr die Gliedmasse überhaupt blieb, dass die Finger so präzise greifen wie eh und je. Der Schmerz bei jedem Wetterwechsel und die Schwäche, die es ihr dieser Tage nicht länger erlaubt, einen Bogen zu führen, sind, nüchtern betrachtet, ein kleiner Preis, eine Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Aber es fühlt sich nicht so an. Es ist immer einfacher das zu betrauern, was man verlor, als das zu schätzen, was man noch hat.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gewöhnlich ist die Müdigkeit nach diesem ersten, jähen Auffahren geflohen, aber das bannt die Schwere nicht aus den Gliedern: Der Körper benötigt Ruhe, damit er bereit ist für das nächste Tagewerk. Dennoch weiss Amrali, dass es ein halbes, vielleicht ein ganzes Wassermass brauchen wird, bis die Erschöpfung die momentane Aufregung überlagert und ihr erlaubt, erneut zur Ruhe zu finden und so ist das Nächste auch längst eingeprägte Gewohnheit: Aufstehen. Das Talglicht prüfen. Ein wenig Wasser, um den kalten, nun schon getrockneten Schweiss fortzuwaschen und dann hinaus auf die selbst zu dieser Stunde nicht gänzlich schlummernden Straßen Solgards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg ist nicht weit, die flackernden Lichter der Bollwerkszunft reichen noch fast bis zum Stückchen Strand, an den sie sich hockt und in eine Decke gewickelt gen Süden starrt über die offene, rollende Oberfläche des Meeres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Monate sind es nun, seitdem sie gar nicht weit von hier entfernt aus den Wellen kroch, entkräftet, aber lebendig, die Ketten noch an Hand und Fußgelenken. Vor dem inneren Auge kann Amrali das Gespenst ihres eigenen Ichs sehen: Abgemagert, erschöpft, dem Tode näher als dem Leben und doch: Hoffnungsvoll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zeit brachte neue Bekanntschaften, neue Verpflichtungen: Die Farbe auf dem Bürgerbrief ist noch frisch, das Siegel unter dem Dienstvertrag mit der Axiom-Gesellschaft dagegen hat schon einige Wochen gesehen. Das Schopfhaar ist nicht länger so kurz, wie es von den Levinerinnen geschoren wurde, und das bringt seine eigene Fragestellung mit sich, eine über die nachzudenken die erschöpfenden Tage noch keine Zeit, keine Ruhe ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht jetzt, hier am Strand Solgards, während sich von West ein lichtlos fahrendes Schiff nähert, kaum mehr als eine Nussschale mit gestrichenen Segeln, bewegt durch ein Halbdutzend ambitionierter Ruderer. Schmuggler, höchstwahrscheinlich. Aber Amrali ist nicht neugierig genug, um sich die Frage zu stellen, was es wert ist, des Nachts heimlich befördert zu werden. Sie verfolgt einfach die langsame Vorwärtsbewegung des Schiffes, lauscht auf das Platschen der Ruder, bis die Dunkelheit das kleine Gefährt wieder schluckt. Sie ist nicht ganz sicher, ob es wirklich da war oder nur eine Ausgeburt der Träume, der Schatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke treibt die Müdigkeit zurück und für lange Minuten beobachtet sie einfach nur, sucht nach Diskrepanzen oder Sprüngen, nach Abweichungen, die ihr verraten könnten, dass sie in Wahrheit noch immer schläft, vielleicht friedlicher als vermutet. Der Wind fühlt sich real an. Genauso der Sand in den sich die bloßen Zehen bohren. Aber das hat nichts zu bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit, während sie bereits spürt, dass es bald Zeit ist in die baufällige Bretterbude zurückzukehren, die sie dieser Tage eine Heimstatt nennt, streifen die Gedanken ein nur wenige Tage zurückliegendes Gespräch über Respekt, Anerkennung und das Erproben, Überschreiten von Grenzen. Ein bitterer Anlass, geschaffen aus einem weiteren, nicht einmal registrierten Makel. Aber nicht das ist es, was sie fesselt, sondern das Ende, die finalen Worte und die unerwartete Wärme, die auch nun aufsteigt. Etwas, was an früher erinnert, an leichtfertige, für selbstverständlich genommene Vertrautheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Es ist immer einfacher das zu betrauern, was man verlor, als das zu schätzen, was man noch hat,&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt; erklärt sie dem stetigen Wind, der die Worte gleichgültig mit sich nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Farbe des dräuenden Morgens ist bereits am Horizont zu erahnen, als Amrali letztlich wieder zur Ruhe findet.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Bronze und Blut|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die sanften Hügel des Steppenlandes sind mittlerweile vertrautes Terrain und jederzeit eine willkommene Abwechslung nach den erschöpfenden Dünen der harschen Wüstenlande. Auch Trotte schlägt, ohne dazu genötigt zu werden, einen rascheren Schritt an, ohne Zweifel bereits die Oase witternd, die sich derzeit noch dem direkten Blick entzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist, wie Amrali zufrieden feststellt, aufgeblüht: Das Tier, das vor bald einem viertel Jahr noch kurz davor stand, sein Ende beim Schlachter zu finden, ist nun mehr als nur Haut und Knochen, die Ohren bewegen sich lebhaft. Er ist dennoch ein altes Pferd, die Blesse auf der Nase schon lange dabei die gesamte Schnauze mit Grau zu überwuchern, aber sein Schritt ist sicher und er reagiert gut auf Zügel und Fersen.&lt;br /&gt;
Nicht zum ersten Mal fragt Amrali sich im Stillen, welches Geschick, welche Geschichte hinter dem alten Hengst steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Nicht mehr weit.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt; versichert sie ihm, die Zuversicht in der Feststellung mehr ihr selbst geltend als dem Reittier, das auch ganz allein den richtigen Weg findet, den ausgetretenen Pfad verlassend in Richtung der sich in einem Halbtal öffnenden Wasserstelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist vertraut, aber nicht Heimat, die Steppen rund um Maethrin waren viel mehr von Steinen geprägt, von langen, unter Erde und schütterem Gras teilweise verborgenen Felsformationen, hingestreckt wie die Knochen einer gewaltigen, urzeitlichen, das ganze Land überschattenden Bestie.&lt;br /&gt;
Hier ist es wärmer: Der Atem der Wüste reicht weit bis in das karge Steppenland hinein, aber nicht trockener, der Untergrund vielleicht lehmiger, erdiger, besser das Wasser haltend.&lt;br /&gt;
Sie ist, wie sie sich einmal mehr bewusst macht, mit all diesen Details nicht vertraut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich könnte Zlata fragen. Sie wüsste es sicher und würde mir einen Vortrag halten über die Natur der Steppe, den Übergang zur Wüste und die Eigenheiten und Besonderheiten der kleinen Oasen, falls man das überhaupt so nennt hier.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke bringt sie zum Lächeln, zieht aber auch eine warme Sehnsucht mit sich, ein Verlangen, das im Untergrund wartet, verborgen wie ein Schleierfisch auf der Jagd. Und mit dem Verlangen kommt der Schmerz: vertrauter als die Steppe, bekannter als die Gassen Solgards und das stetige Echo der sich am Strand brechenden Wellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein zu sein ist unnatürlich, ein Affront gegen die natürliche Ordnung, gegen alle Lehren und alle Weisungen, die stets im Kern eines betonten: Die Gemeinschaft ist wichtiger als jede Einzelne. Du bist Nichts ohne die Vielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und ich bin .. Nichts.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotte verharrt in Sichtweite der sich aus dem kargen Boden erhebenen, vom Wind gebeugten Bäume, die Zeugnis sind für das Wasserloch zwischen ihren Wurzeln, die Quelle, die gerade genug ist, um für diesen Fleck ausufernden Lebens inmitten karger Verlassenheit zu sorgen.&lt;br /&gt;
Es liegt eine Poesie in dieser Beobachtung, die ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.. der Schlag reisst Amrali aus den Gedanken, ein gewaltiger Impuls, der Trotte zur Seite schleudert und sie mit ihm. Erst einen Moment verspätet realisiert sie den Reflex von Sonnenlicht auf Metall, auf der gewaltigen, gebogenen Bronzeklinge einer Axt, die ihr eigenes Knie um kaum mehr als eine Handspanne verfehlte und sich stattdessen tief in den Leib ihres Tieres grub. Trotte schreit und sie schreit mit ihm, ein Protest gegen die Gleichgültigkeit der Welt und die Brutalität des Augenblicks, kurzlebig, bevor der Aufprall die Luft aus ihren Lungen treibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie rollt, hart, ohne Eleganz, gerade eben noch rechtzeitig, um nicht unter der röchelnden Masse Trottes begraben zu werden. Das Blut des Pferdes scheint überall zu sein, auf Kleidung und Händen, sie schmeckt es auf den Lippen, riecht es in kupferroter Bitterkeit. Etwas anderes ist dazwischen, so prägnant, dass es unmöglich nicht zu bemerken sein sollte, eine stechende Warnung aus ranzigem Fett und Talg, aus altem Schweiss und anderen, namenlosen Dingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch darin, so stellt ein ferner, emotionsloser Teil von ihr fest, liegt etwas Vertrautes, wie ein altes, unter Jahren begrabenes Versprechen, das sich heimlich zurück an die Oberfläche der Gegenwart stiehlt und seinen Preis einfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Unmöglich.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Waffe springt wie von allein in ihre Hand, während sie herüber starrt auf die machtvolle, sich auf fast drei Schritt streckende Gestalt mit den überlangen, vermeintlich feisten Armen, die einen jungen Baum mit selbstverständlicher Gemächlichkeit als Keule tragen könnten. Aber die linke Hand hält keinen Baum, sondern den Griff einer Axt. Deren bronzener Kopf ist mit grob gehauenen Runen übersät, was den Eindruck von Alter nur bestärkt, sie wirkt wie ein Anachronismus in diesen modernen Zeiten, in denen legierter Stahl das Schlachtfeld regiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali kennt diese Zwillingsäxte, deren wahre Namen unbekannt sind, aber von den Ihren auf „Hatz&amp;quot; und „Fang&amp;quot; getauft wurden. Sie kennt den Oger, dessen Gestank sie genau wie damals zum Würgen reizt. Sie erinnert sich an das Grab, das sie für diesen elenden, gefallenen Feind schliesslich hinterliess, als Zeichen der Warnung und des Triumphes gleichermassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Nein.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Protest bleibt zahnlos, während die letzten Schreie Trottes verstummen, abergläubische Fassungslosigkeit lähmt die Entschlossenheit, während sie zurückweicht vor dem nun unbeirrt nahenden Schlächter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist es: Sie erkennt die Narben wieder, die die wulstigen Lippen teilen, das fehlende linke Ohr und die langen dunklen Linien überstandener Verletzungen, die entlang der Arme verlaufen.&lt;br /&gt;
Sie erkennt das Kreuzmuster an Schnitten auf der Brust wieder, jeder ein Zeichen von Spott und Herausforderung: Errungene Siege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist unmöglich: Dieser liegt begraben auf einem fernen Kontinent, modernd seit mehr als acht Jahren, überwunden von einer Kriegerin, die alles hat, was Amrali heute ohnmächtig vermisst: Eleganz. Kraft. Schnelligkeit. Zuversicht. Unbekümmertheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Oger lässt seine zweite Axt in der Leiche des Pferdes zurück, nähert sich mit der Unvermeidlichkeit eines Erdrutsches, das Lächeln entblößt genau wie damals die hölzernen Zähne. Ausgestossen von der eigenen Sippe für Amrali unbekannte Verbrechen, wuchs dieser zu einer Bedrohung des nördlichen Steppenlandes, die Zuflucht irgendwo im Grenzland zu den tiefen Wäldern, bis er schließlich den Pfad Maethrins kreuzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute führt Amrali keinen Bogen, um den Giganten bereits aus der Ferne zu verwunden und in Wut zu versetzen, keinen Speer, um den Reichweitenvorteil dieser absurd langen Arme wenigstens teilweise auszugleichen. Sie taucht unter dem ersten Schwung der Axt hindurch und verliert beinahe den Kopf, als der Oger sich dreht, mit einer Behendigkeit erneut attackierend, die die vermeintliche Trägheit des feisten Leibes Lügen straft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der eigene Gegenangriff geht ins Leere, die vorgestossene Klinge durchschneidet nur die Luft, als der Oger einen Schritt zurücksetzt und dieses Mal hat sie nicht genug Raum um dem nächsten Angriff auszuweichen. Der Hieb gleitet am Schild ab und ein dumpfer Schmerz geht durch den gesamten linken Arm Amralis, die Erschütterung hart genug, dass es sich anfühlt, als wäre der Knochen geborsten. Die Finger geben nach, kraftlos, die ganze Gliedmaße wie totes Gewicht an der Seite, während sie um das Gleichgewicht kämpft, aus geweiteten Augen die Bewegung der bronzenen Axtklinge verfolgend, die der Oger nun in einem weiten Bogen zurückschwingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nutzt die Öffnung, um nach vorn zu gehen, den verhängnisvollen Nachteil der geringeren Reichweite damit ausgleichend. Mit der kürzeren Waffe ist sie für direkte Nähe besser gerüstet und sie kann es sich nicht leisten, den Kampf in die Länge zu ziehen. Der Oger ist grösser, stärker, ausdauernder. Und sie hat bereits einen Arm verloren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klinge fährt über den Wanst, über die zähe Haut und hinterlässt einen langen, blutigen Schnitt, aber nicht mehr. Noch bevor sie den Angriff ergänzen und die Waffe durch den Leib der Kreatur bohren kann, findet die übergrosse, waffenfreie Pranke ihr Ziel. Finger, dick wie Amralis Unterarm, schliessen sich um ihren Schädel und drücken zu, bis der Knochen zu knirschen beginnt – ein plötzlicher, siedendheisser Schmerz in den Halswirbeln gesellt sich dazu, als der Oger sie in die Höhe reisst, am ausgestreckten Arm baumeln lässt wie eine Puppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Heute nicht, #$#*!#&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Letzte ist ein Wort und doch kein Wort, etwas, was an ihrem Begreifen vorbeifliegt ohne Halt zu finden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ein Name.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt; wundert sie sich ein winziger Teil von ihr, während die Instinkte sie vergeblich an den Fingern des Ogers krallen lassen. Und:&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Aber er hat nie gesprochen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das schmerzhafte Knirschen des eigenen Schädelknochens geht in ein helles, berstendes Knacken über, Schmerz flackert auf wie eine Stichflamme. Dahinter ist nur samtweiche Dunkelheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
---------------------------------------------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali erwacht zum protestierenden Schmerz des eigenen linken Arms, auf dem all das Gewicht ihres Körpers lastet. Sie schmeckt Blut auf den spröden Lippen und Staub, ein dumpfer Schmerz bohrt mit träger Gemächlichkeit zwischen ihren Schläfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie rollt sich auf die Knie, noch immer desorientiert, bevor ihr Blick auf die erkaltete Leiche Trottes fällt. Das Pferd ist tot, daran kann kein Zweifel bestehen, der Leib halb entzwei geschnitten durch den machtvollen Hieb einer scharfen Waffe.&lt;br /&gt;
Die uralte Bronzeaxt ist nirgendwo zu sehen, verschwunden wie der Oger, der sein Leben vermeintlich vor Jahren in einer Steppe fern von hier aushauchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War er hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke treibt sie in die Höhe und auf frantische Spurensuche, aber der harte Steppenboden gibt selbst hier in der Nähe des Wasserlochs nicht viel preis. Alles könnte sein. Nichts ist eindeutig, bis auf das Fehlen des Angreifers und seiner mörderischen Zwillingswaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und ich lebe.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kommt mit einem tiefen Gefühl von Ohnmacht, eingerahmt durch beunruhigte Verwirrung, in die sich nagend abergläubische Furcht mischt. Einzig der Schmerz im linken, vor Jahren zertrümmerten Arm erscheint so real wie das stetige Licht eines Leuchtturms vor dunkler Gischt und er ist ein treuer Begleiter, als sie sich zurück nach Solgard schleppt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zurück bleibt die Leiche Trottes, Mahlzeit für ein Rudel hungriger Wölfe. Für die Tiere gibt es keinen Zweifel daran, was real ist und was nicht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Nordwind|CONTENT=&lt;br /&gt;
Amrali ist mit Schmerzen vertraut: Denen nach einem Kampf, wenn der Preis gezahlt wird für eine Herausforderung, ganz gleich, ob freundlich oder nicht. Und mit den .. Anderen, die keine sichtbaren Narben hinterlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust Trottes ist etwas, was an ihr nagt, einen unzufriedenen Grimm hinterlässt, als würde ein Teil von ihr weiterhin bluten und sie weiß, dass das nicht zu weit von der Wahrheit entfernt ist. Das ist, wie sie gelernt hat, ein Teil des Ganzen: Unvermeidlich für die letztliche Heilung, die irgendwie ein Davondriften ist, die gemächliche Distanzierung über Zeit. Der Ersatz mit etwas Neuem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Neue trägt in diesem Fall den Namen Fleck und ist ein junger Schecke, feurig, ungeduldig und zu temperamentvoll, um sich ihm anzuvertrauen. Anders als Trotte benötigt Fleck stetige Aufmerksamkeit, Kontrolle und Korrektur und diese Aufgabe beansprucht einiges von Amralis verfügbarer Zeit. Es ist anstrengend, aber willkommen, auch wenn es an alte, glückliche Erinnerungen rührt, die auf ihre Weise noch darauf warten, endlich zu vernarben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Aber das werden sie nie.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Steppenland Maethrins war die Heimstatt struppiger, robuster Ponies, allesamt Falben in verschiedenen Schattierungen. Ausdauernd, trittsicher und unerschrocken, aber nicht zu vergleichen mit einigen der gewaltigen Schlachtrösser, die Amrali seit ihrer Ankunft hier zu Gesicht bekam. Seit Menschengedenken waren diese Pferde in riesigen Herden unterwegs, groß genug, dass die herausgefangenen Tiere der jährlichen Jagden keine Rolle spielten. Niemand, so sinniert Amrali, während sie ihre baufällige Heimstatt zurücklässt und sich auf den Weg zur Bollwerkzunft macht, verschwendete auch nur einen Gedanken daran, vielleicht selbst Pferde zu züchten - zumindest nicht in Maethrin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darin liegt ein Paradigma, das sie Mühe hat, zu greifen, eine fundamentale Ableitung, deren Präsenz sie spürt, ohne die richtigen Worte zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ankunft bei der Bollwerkzunft entbindet sie von der Pflicht solcher Grübeleien, die Stimmung wandelt sich. Nicht zu Erwartung, denn es gibt keine Notwendigkeit, die Ausrüstung zu pflegen, die erst vor Stundenfrist fertig gereinigt und geölt wurde, jetzt in der Heimstatt unter Tüchern auf die Abendkühle wartet, für einen finalen Durchgang mit Wachs. Es ist etwas in den Stimmen, die durch den Lärm der Werkzeuge klingen, etwas im Versprechen von Gemeinschaft, das die gallige Schärfe aus dem Bewusstsein treibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Zumindest für eine Weile kann ich so tun, als würde ich dazugehören.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist einfach: Ein Gespräch hier, ein Geschwätz da. Gesichter und Namen, die mittlerweile nicht mehr gänzlich fremd sind, und dann ist da Zlata, wie so oft getrieben von einer tatkräftigen Entschlossenheit, die die Welt in Probleme einteilt und dann alle zugleich zu lösen versucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Amrali! Habt ihr auf dem Weg hierher eine Karawane vom Steinbruch gesehen? Angeführt von einem zotteligen Alten?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie vermeidet es haarscharf, zu Radesvald herüberzustarren bei der Beschreibung, aber kann nicht umhin zu bemerken, wie die Frage Zlatas einen Wellenschlag an Reaktion durch den ganzen Raum schickt, als die Mehrzahl der Anwesenden den gleichen Impuls verspüren und in Richtung des alten Druiden blicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr Worte werden gewechselt, das Hin und Her löst sich auf, als Amrali sich anschickt, Zlata zu folgen. Der Steinbruch ist in überschaubarer Entfernung zum Stadttor Solgards, das Wetter mild und ein Fußmarsch genau das Richtige, um den Abend abzuschließen. Und es wird ihr Gelegenheit geben, Fragen zu stellen: Zuviele Themen wurden angekratzt, aber nicht beendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg ist ihr vertraut: Auch wenn es keinen wirklichen offiziellen Weg zum Steinbruch gibt, haben die jeden Tag dorthin ziehenden Arbeiter doch ihre Spuren in den Sand geprägt, hier und dort ist die Richtung unnötig durch in den Untergrund getriebene Pfähle zusätzlich markiert. Jetzt, zu dieser Stunde, ist dieser provisorische Pfad aber verlassen. Darin liegt ein Rätsel: Sollte die Tagesglut es nicht angenehmer machen, des Abends zu arbeiten? Der Steinbruch ist ein Tagebau, zwängt sich wie ein Parasit an die Flanken der Berge, ohne dabei eine nennenswerte Höhe zu erreichen, eingerahmt und abgesteckt durch hölzerne Gerüste. Die Spuren eines Lagers sind genauso zeitweilig wie der Weg, warten nur darauf, vom nächsten Sturm einfach davongefegt zu werden, selbst jetzt, kaum Stunden nachdem die Arbeiten eingestellt wurden, findet sich schon eine dünne Schicht von Sand auf einem mächtigen Kessel, der nur noch aus Ruß und Rost zu bestehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sind sie da: Vier Hünen, bewaffnet und bewehrt, allesamt über zwei Schritt groß, grimmige, dunkle Gestalten vor dem Hintergrund des noch immer blendend hellen Sandes, der das letzte Licht der Abendsonne fängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amralis erster Impuls ist .. Aufregung. Die Nordleute und Maethrin waren stets ungleiche Verbündete, von mehr Eigenheiten getrennt als verbunden, aber sie erinnert sich an die seltenen Besuche, bei denen die Nordleute über die Menge hinwegragten, wie Erwachsene über eine Schar von Kindern. Es war immer ein Spektakel und begleitet von einträglichem Handel, wenn schwere Felle im Steppenland gänzlich unbekannter Tiere staunend befühlt werden konnten.&lt;br /&gt;
Ihr zweiter Impuls ist Ernüchterung: Dies ist nicht Maethrin und es herrscht Krieg zwischen Solgard und Fjellgat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mienen der Nordleute lassen wenig Zweifel an ihren Absichten, noch bevor die Worte kommen - in einem Wirrwar von Dialekt, durch den Amrali sich nur mit Mühe kämpfen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Entwaffnen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; versteht sie und &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ich will sie lebendig.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen Moment steht ihr Herz still, bevor es abrupt bis zum Hals schlägt, getrieben von einem tief wurzelnden Entsetzen, das aufbricht wie eine alte, nie ganz verheilte Narbe. Die Waffe springt in ihre Hand und sie geht geradewegs zum Angriff über, schnellt voran. Die Klinge schabt nutzlos über Metall und Leder, gleitet ab, während der Hüne in Kampfhaltung fällt - vielleicht überrascht von der Dreistigkeit der Attacke, aber nicht genug, um überrumpelt zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf, wenn man es so nennen will, dauert nur Sekunden, dann findet Amrali sich auf dem Boden nieder, niedergeschmettert von einem fast schon beiläufigen Hieb, aber während sie versucht zu atmen, fühlt sich ihr Brustkorb an, als würde er in Flammen stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Möglicherweise, so schleicht sich ein Gedanke ein, während sie vergeblich nach der verlorenen, außer Reichweite liegenden Waffe tastet, sollte sie Solgard einfach nur noch mit Rüstung verlassen, nicht wie ein Spaziergänger auf der Suche nach ein paar Pilzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zlatas Widerstand ist lautstärker, hektischer, aber letztlich nicht erfolgreicher, geht über in Fragen, Forderungen und Vorwürfe während des Transports nach Fjellgat. Amrali hat nichts beizutragen: Die Bewegungen des Reitbären, über den sie geworfen wurde wie ein Sack Mehl, sorgen dafür, dass die geprellten, vielleicht angebrochenen Rippen bei jeder Bewegung schmerzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Heimstatt der Nordleute erscheint wie ein Gegenstück zu Solgard: Weitläufig, Holz auf Grün und Weiß, Leben, das sich in der Kälte behauptet. Der Kerker stinkt nach altem Schweiß, Blut und Erbrochenem, und darin liegt etwas Vertrautes. Nicht willkommen, aber dennoch .. vertraut, wie der Schmerz im linken Ellenbogen bei jedem Wetterwechsel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zlata verbleibt ungebrochen: Herausfordernd auf der Suche nach Antworten und Erklärungen. Nach Sinn in etwas, was ihr wohl erscheinen muss, wie ein Akt von Wahnwitz, und aus den Fragen, aus den knappen, unwirschen Antworten, formt sich schließlich auch für Amrali ein Bild: All das geht zurück auf den Tod eines weißen Hirschs, eines heiligen Tieres, für den Verantwortung, Buße gesucht wird - durch Zlata, oder jemand anderes, der bereit ist, sich dieser Verantwortung zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anführer selbst spricht die Worte, die Amrali dann Stunden später in Solgard niederschreiben lassen wird, paraphrasiert, hoffentlich korrekt interpretiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In zwei Tagen wird er Recht sprechen vor dem Thing wegen des Todes des heiligen Tieres. Entweder über Zlata oder über jemanden, der ihre Stelle einnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die Botschaft, mit der er Amrali auf den Weg schickt, das ist der Satz, den sie in ihren Gedanken wälzt, während sie durch das trostlose Eisland stolpert, zum ersten Mal seit Jahren wieder betend, die Göttin bittend, dass sie die Aufmerksamkeit der Harpyien anderenorts lenkt. Kein Aufgeben: Sie hat Schlimmeres überstanden, auch wenn jeder Atemzug brennt wie die Hölle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Abschiedsgruß an Zlata, noch innerhalb der Zelle gemurmelt, folgt ihr wie ein düsteres Omen am Horizont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Wir sehen uns wieder, Schwester.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Versprechen, formalisiert, auch wenn es nie wirklich Eingang in die Traditionen Maethrins fand und an sich Kampfgefährten vorbehalten, ein letztlich unnötiges Wort der Verbundenheit im Angesicht überwältigender Herausforderungen. Es hier zu verwenden war falsch, die Bedeutung ohnehin verloren an Zlata, die in einer gänzlich anderen Kultur mit anderen Werten aufwuchs. Aber das Bewusstsein dessen mildert die Scham, die Reue nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich habe mein Recht auf diese Worte verloren.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bitterkeit dieses Gedankens treibt die Entschlossenheit nur an. Und tatsächlich scheint die Aufmerksamkeit der Harpyien an diesem Abend nicht auf den offensichtlichen Wegen zu liegen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Nachtspaziergang|CONTENT=&lt;br /&gt;
Solgard ruht unter einem Zelt von Sternen, deren kaltes Licht die hauchdünne Sichel des Mondes mühelos überstrahlt. Ruhen ist, natürlich, ein schwacher Begriff für eine Stadt dieser Größe, am Hafen herrscht auch zu dieser Stunde stetiger Betrieb und nicht alle Geschäfte haben Grund, sich vor dem Gesetz in die Schatten zu ducken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali selbst ist rastlos trotz der Müdigkeit, aus der kargen Bettstatt getrieben von Alpträumen, die die Ereignisse des Abends probend nachahmten: Dunkle, vollständig mit Wasser gefüllte Tunnel, illuminiert nur durch an die Wände geklammerte Pilze. In den Träumen ist die Last des Wassers schwerer, das Gefühl von Enge bedrückender, der Eindruck von Verlorenheit und Einsamkeit tiefgehender. Drei Mal fuhr sie aus dem unruhigen Schlaf auf, geweckt vom bis zum Hals klopfenden Herzen, nur um in eine andere Variante des gleichen Motivs zurückgezogen zu werden. Tunnel, gefüllt mit schlingenden, würgenden Pflanzen. Tunnel, in denen das Wasser eine zähe Masse ist, in der jede Bewegung zur Qual wird. Tunnel, die enger und enger werden, bis es keinen Weg nach vorn mehr gibt. Sie alle haben eines gemeinsam: Das Gefühl, zu ersticken, das verzweifelte Ringen nach Luft und die Ohnmacht gegenüber unversöhnlichen Umständen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst nach dem Erwachen schmeckt die Luft abgestanden und schal, nach verdunstetem Wasser, nach Algen, die dankbar an den Holzbalken emporkriechen und Muscheln, die von kreischenden Möwen auf das flickenbedürftige Bretterdach fallen gelassen wurden. All das ist vertraut und doch zugleich auch zuviel, genug jedenfalls, um Amrali aus der klapprigen Umarmung ihrer Heimstatt und hinaus auf die Straßen Solgards zu treiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort wandert sie, ziellos, zu unbehaglich für die tatsächlich menschenverlassenen Straßen der reinen Wohngebiete, wo das Gefühl von Verlorenheit jeden Atemzug schwer macht. Es ist einfach im Hafen, wo noch immer genug Menschen unterwegs sind, um nicht sonderlich herauszustechen. Ablenkung ist alles, was sie braucht und davon gibt es hier selbst zu dieser Stunde reichlich: Ein Schwertschlucker, der seine Künste an einer Kreuzung vor einem ebenso beeindruckten wie angetrunkenen Publikum demonstriert, begleitet nicht nur von begeisterten Ausrufen, sondern vor allem von einem Kumpanen, der geschickt den einen oder anderen Beutel schneidet.&lt;br /&gt;
Eine selbsterklärte Druidin mit einem ganzen Zirkus offenbar bestens dressierter Ratten, die mit verblüffender Zielstrebigkeit und Genauigkeit kleine Aufträge erfüllen, Kunststücke ausführen und damit die Gunst von Passanten erringen. Ein Boxkampf zwischen zwei Seeleuten, umringt von einem Kreis wettfreudiger Zuschauer, die jeden Griff, jeden Schwinger lautstark entweder frohlockend oder klagend kommentieren.&lt;br /&gt;
Ein zahmer Hüne, weit über zwei Schritt groß, mit einem Ring durch die Nase wie ein Ochse, eine damit verbundene schwere Kette liegt in der Hand eines nur halb so großen Männleins, das davon spricht, wie der mächtige Tankabunkel von den Streitkräften Solgards überwältigt, festgesetzt und schließlich gezähmt und zum wahren Glauben konvertiert wurde. Einmal anfassen? Fünf Groschen! Sich von ihm hochheben lassen? Zehn Groschen!&lt;br /&gt;
Etwas an der Gestalt des vermeintlichen Barbaren kratzt an Amralis Aufmerksamkeit, ohne dass sie den Finger darauf legen könnte, aber sie ist sich sicher, dass irgendeine Art von Schwindel im Gange ist. Das tut dem Erfolg der Masche keinen Abbruch, aber der Anblick der knapp bekleideten Gestalt erinnert sie an den Zusammenstoß mit den Bewohnern Fjellgats und noch offene Schulden, an Scham und Schuld und das bohrende Gefühl von Verlust. Es liegt noch etwas anderes darin: Ein Funke von schwerer zu greifender Begeisterung, von Kampfeslust, die sich weigert, den Ernst der Situation, irgendeiner Situation, anzuerkennen. Etwas anderes noch, vor dem die Gedanken instinktiv zurückscheuen, wie Finger vor einem über dem Herd erhitzten Topf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wandert weiter durch das nächtliche Solgard, passiert einen fliegenden Händler, der lautstark Würste fragwürdiger Herkunft anbietet, eine Wahrsagerin, die verspricht, die eigene Zukunft aus dem Klang einer Münze zu lesen, einen Quacksalber, der Wunder verheißt durch die geschickte Anwendung von Blutegeln und getrocknetem Froschlaich. Unter dem scharfen Blick einer Wachpatrouille packt ein fliegender Händler eilig zuvor auf einem Tuch ausgebreitete Schmuckstücke zusammen, übersieht dabei in seiner Hast eine kleine, aus Messing gefertigte fingergroße Statue, die offensichtlich Großmeister Darez darstellen soll: Die linke Hand segnend erhoben, die rechte mit drohend nach vorn gerichteter Waffe, ein Hirschpelz über den Schultern hängend. Er flüchtet mit einem Sammelsurium anderer Kinkerlitzchen: Weitere Figuren, die höchstwahrscheinlich Persönlichkeiten der Stadt darstellen sollen, Armbänder aus Kupfer und Bronze, Ohrringe mit gewagten Formen und Armbänder mit eingeprägten Mustern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Licht dämmert bereits am Horizont, als Amrali zu ihrer Heimstatt zurückfindet, müde, aber nicht minder rastlos, eine kleine Messingstatue verborgen zwischen den Fingern der rechten Hand. Der linke Arm schmerzt, lässt erahnen, dass das Wetter in den kommenden Tagen umschlagen wird, auch wenn der Himmel bislang keinen Hinweis darauf gibt. Aber sie kann den Sturm bereits spüren.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Schädel|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Sonne steht bereits hoch am Himmel, als Amrali die Wehrmauern Nebelhafens zurücklässt und ihre Stimmung trägt genau die grauen Wolken, die der strahlend blaue Himmel vermissen lässt. Was ein kurzer Handel zu beidseitiger Zufriedenheit hätte sein können, entpuppte sich als eine zähe, letztlich vergebliche Verhandlung ohne Einigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der gebotene Preis, so sagt sie sich zumindest, während sie Fleck die Wegfindung überlässt, war vollkommen im Rahmen, nicht anders als vor einem guten Mond. Vielleicht ist das die Schuld der Dunkelelfen und ihres Vorstoßes. Vielleicht auch das Resultat anderer Spannungen, die sie derzeit weder einschätzen noch greifen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittagshitze treibt Fleck unter das grüne Dach der Wälder, lässt den jungen Hengst Abstand nehmen von den ausgetretenen und ausgetrockneten Pfaden, wo die letzten Spuren der zurückliegenden Regenfälle schon längst zu steinharten Rillen getrocknet sind. Wahre Knochenschüttler für Kutschen, aber bedeutungslos für Reiter, lange noch nicht tief genug, um die Gelenke von Rössern oder Maultieren zu gefährden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotte, der altersmüde Veteran, hätte sich davon gewiss nicht abhalten lassen, aber er ruht nun schon seit Monaten in der Prärie, gefallen in einem Kampf über den nachzudenken Amrali sich nicht überwinden kann. Aber Fleck ist jung, energisch und nervös, stetig bemüht, sich selbst zu beweisen und der Hand der Reiterin zu entkommen.&lt;br /&gt;
An manchen Tagen ist es einfach, ihn laufen zu lassen, darauf zu vertrauen, dass er nicht zu weit vom Weg abkommen wird und die Auseinandersetzungen auf andere Zeiten zu schieben. So war es in Maethrin: Freiheit und Pflicht, miteinander verbunden, geerdet durch unumstößliche Prinzipien. Die Fähigkeit, Befehlen zu folgen, war immer genauso wertvoll wie jene, im Zweifel auch eine Korrektur vorzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schecke tänzelt und schnaubt, zieht die driftende Amrali zurück in das Hier und Jetzt. Die Hand findet zum Griff der Waffe, ohne dass es dafür eines bewussten Gedanken bedürfen würde, aber kein Feind schält sich aus der Deckung der Bäume und die Reiterin benötigt ein paar Momente, um zu realisieren, was Fleck aufstörte: Direkt vor den Hufen, halb verborgen im krautigen Unterkraut liegt ... etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas. Ein Schädel, gehörnt wie von einer Ziege, aber massiger, wuchtiger. Eine fahlgrüne Flamme lodert dort, deren Flackern sich dem direkten Blick entzieht: Nur aus dem Augenwinkel ist die sich windende Bewegung sichtbar und scheint zu verharren, wann immer der Fokus sich genau auf den Ursprung hin ausrichtet. Ein kalter, abergläubischer Schauder flieht über den Rücken der Blonden: Unter anderen Umständen könnte, müsste das das Zentrum irgendeines verbotenen Rituals sein, und die linke Hand formt das vertraute Schutzzeichen, ohne dass sie darüber nachdenken müsste: Alle fünf Finger strecken sich, die Strahlen der aufgehenden Sonne repräsentierend.&lt;br /&gt;
Es gibt Worte, die zur Geste gehören, eine Lobpreisung und eine Bitte, aber die Erinnerung daran ist verwischt, ein tonloses Murmeln im Hintergrund des Begreifens. Amrali hat nicht mehr als die Geste und ihren Argwohn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Altar, keine mit Blut gezeichneten Linien, nur ein schief liegender Schädel mit glimmenden Augen, nicht wie platziert, sondern wie fortgeworfen. Der Boden verrät wenig: Das dichte Kraut ist nicht zertrampelt, nicht zerschnitten, und falls es mehr Details zu finden gäbe, bleiben sie den Sinnen der Blonden verborgen, die mit sich ringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Teil von ihr erwägt die Flucht, den eiligen Rückzug. Ein anderer kalkuliert den möglichen Wert dieses Fundstücks. Und nicht zuletzt ist da noch ein winziger Teil von Neugier, der mit der vordergründigen Furcht ringt.&lt;br /&gt;
Fleck stampft erneut, die Hufe nun gefährlich nahe an der grünen Flamme, und dieser Impuls ist genug, um die Entscheidung umzuwerfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sitzt ab und streckt behandschuhte Hände aus, nimmt den Schädel auf. Er wird, so entscheidet sie in diesem Moment, mit ein wenig Mühe in die Satteltasche passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grüne Flamme erlischt.&lt;br /&gt;
Amrali blinzelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Momente steht sie erstarrt, abwartend, lauschend. Aber kein Kribbeln kriecht durch ihre Adern, kein höllisches Brennen beginnt ihre Haut zu verzerren. Alles scheint normal. Normal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fünf Minuten später ist sie zurück auf dem Weg nach Hause, dieses Mal nicht länger Fleck die Wahl des Weges überlassend. Es ist Zeit, das hier zu jemand anderes Problem zu machen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Gespinst|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Nachthimmel Solgards ist klar und wolkenlos, ein makelloses, juwelenfunkelndes Gegenstück zur azurblauen Fläche, die die Tage beherrscht. In jenen Stunden verwandelt das herabstarrende Auge der Sonne die Straßen und Gassen in eine schwitzende Gluthölle und auch jetzt, nicht mehr weit vom ersten Licht am Horizont entfernt, atmen Mauern und Pflastersteine noch ein Echo davon aus. Die Abkühlung ist eine vom Meer kommende Illusion, aber es könnte schlimmer sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der Ausblick zumindest ist atemberaubend: Der Mond ist nahezu voll, eine aufgeblähte Silbermasse mit scharfen Rändern, ohne die feine Aureole, die sich bei anderer Wetterlage gern einmal ausmachen lässt. Die Sterne erscheinen überall: Wann immer Amrali sich auf einen einzelnen Punkt konzentriert, schälen sich, wie von Zauberhand, weitere kleine Splitter der Juwelen in die Wahrnehmung. Sie alle, so verheißen es die Legenden, sind Splitter der Sonne, letzte Zeugen eines Kampfes, der vor Äonen gefochten wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich sollte schlafen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der reuevolle Gedanke mildert den Eindruck des Wunders, ruft das schlechte Gewissen zurück und sie zieht die dünne Decke ein Stück enger, verstohlene Finger tasten nach dem abgelegten Waffengurt. Das vertraute Gewicht hat etwas Beruhigendes, die Solidität ist nicht allein fassbar, sondern verspricht auch Gewissheit und Zuversicht. Kontrolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte genug sein, um loszulassen, um sich endlich in die dunkle Umarmung des Schlummers zu werfen, aber der Geist gibt keine Ruhe, driftet weiter von Gedanken zu Gedanken. Das ist nicht die Schuld des Ortes: Gegen einen offenen Balkon ist nichts einzuwenden und die Gesellschaft, nur eine Türschwelle und einen Vorhang entfernt, ist unaufdringlich, vielleicht mit eigenen Grübeleien beschäftigt, vielleicht auch tatsächlich mit Studien beschäftigt. Amrali hat unter schlimmeren Umständen geschlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Wochen waren voller Ereignisse, die hier und dort an ihr nagen und nun aus dem Dunkel wieder auftauchen wie ungewollte, schon lange gebannte Schemen der Vergangenheit: Eine zornige Auseinandersetzung voller spitzer Anklagen, jede scharf wie eine gut geschliffene Klinge. Eine Expedition in das tiefe Dunkel und ein Marsch unter unheiligem Grund. Im Rausch des Moments, in der wilden Lust des Kampfes blieb keine Zeit dafür einfach... nachzudenken. Aber all das Versäumte blubbert jetzt zurück an die Oberfläche, wie Zlata im dreckigen Morast der Sumpflande, kaum zwei Tage zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Erinnerung zumindest ist ein Lächeln wert, auch wenn sie es vermeidet, daran zu denken, wie lange es dauerte, Waffe und Wehr anschließend zu reinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit schließt sich der Kreis und die treibende Aufmerksamkeit kehrt zurück zur stillen Gastgeberin und deren Geschichte, zu Eingeständnissen, die für Amrali so schwer zu greifen sind. Nicht allein wegen der ... Entfernung ... sondern auch weil Teile der Konzepte so fundamental fremd für sie sind. Nicht ... unverständlich per se, aber eben nicht intuitiv eingängig, dass die richtige, angemessene Reaktion nicht aus den Worten, sondern viel mehr aus Haltung und Miene des Gegenübers geschlossen werden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und auch dann ist es kaum mehr als ein Raten. In Maethrin wäre alles einfacher.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lächelt, aber es liegt ein Bedauern darin. Und dann, unverhofft und unerwartet, kommt der Schlaf doch noch und sie sinkt in Schlummer - tief und traumlos.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Nachtwache|CONTENT=&lt;br /&gt;
Es ist die sechste Nacht unter diesem fremden Dach. Soweit Amrali es beurteilen kann, funktioniert die Vereinbarung stabil, aber fruchtlos: Keine Traumgesichter stören den Schlaf, keine wüsten Visionen suchen die Träume heim. Nichts stört die Ruhe, abgesehen von den eigenen treibenden Gedanken und einer schwer zu benennenden Unrast, einem Gefühl von Unruhe, das Amralis Finger kribbeln und ihren linken Ellenbogen ziehen lässt. Etwas liegt in der Luft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht ist das nur ein Echo der Nervosität, die sie aus Zlatas Haltung, aus den Kommentaren herauszieht, vielleicht schlicht das Wetter, das bereits daran ist jenseits des Horizonts Wolken zusammenzubrauen.&lt;br /&gt;
Das Wichtige ist: Ihre rothaarige Bewacherin schläft, versöhnt durch die Gewissheit, geweckt zu werden, wenn es doch zu einem Vorfall kommen sollte, aber bislang sieht es danach nicht aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles ist friedlich. Und doch kitzelt etwas die Instinkte der Blonden, treibt die Müdigkeit zurück. Die Aufmerksamkeit greift vergeblich aus, lauernd, wartend, unsicher, aber gleichzeitig auch bereit, bis sie schließlich die Decken abstreift und die Waffe greift, auf leisen Sohlen den Balkon verlassend, um in das Obergeschoss einzudringen.&lt;br /&gt;
Nichts lauert in den Schatten, keine Bewegung flackert in den Augenwinkeln. Alles, so scheint es, ist friedlich, während Zlata schlummert - hoffentlich ungestört von den nervösen Anwandlungen ihrer zeitweiligen Mitbewohnerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali stiehlt sich die Treppe hinunter, erst aufatmend als das Erdgeschoss erreicht wird, die lederne Hülle der noch immer gescheideten Waffe streift unbeabsichtigt eines der Regale und löst damit ein Schürfgeräusch aus, das die Verstohlene verharren lässt. Für Minuten lauert sie im Licht des noch fast vollen Mondes, wartend, ohne dass sich irgendein Feind zeigen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einsicht kommt mit einem Gefühl von Reue, von peinlicher Betroffenheit: Das ist nicht, wie es sein sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Herumschleichen im Dunkeln. Dieser Illusionist färbt noch auf mich ab.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kommt mit einem Aufwallen von Humor, von Heiterkeit, die die brütenden Gedanken zurücktreibt, und sie erklimmt die Treppe einmal mehr, reibt den linken Ellenbogen, während sie an der Hausherrin vorbeischleicht, zurück in Richtung des offenen Balkons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und verharrt.&lt;br /&gt;
Etwas ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei verstohlene Schritte, ausgelöst durch ein vages Prickeln von Wahrnehmung, auch jetzt mehr Instinkt als tatsächliche Beobachtung, und sie beugt sich über die Schlummernde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gesicht ist fremd und doch viel zu vertraut, umgeben von einem Rahmen dunkelbraunen glatten Haares. Eisengraue Augen öffnen sich und fangen das Mondlicht ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ich lasse dich niemals gehen. Schon gar nicht jetzt.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie stolpert zurück, alle Vorbereitung, alle Anspannung nutzlos - die sinnlos umklammerte Waffe poltert zu Boden, bevor beide Hände sich abwehrend heben, aber keine Schutzgeste ist genug, um die sich nun Erhebende abzuwehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Erzähle mir, was du gesehen hast.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrnehmung kippt, als würde jemand den Boden unter ihren Füßen wegziehen und Amrali fällt …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
... erwachend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Herz klopft bis zum Hals, während sie sich orientiert, nach der Waffe tastend, die neben der kargen Bettstatt wartet, scheinbar unberührt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Haus ist es still, während im Osten bereits die ersten Töne von Rot und Orange den Horizont berühren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Nur ein Traum. Nur ein Traum.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Verlaufen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Es ist fast genau auf den Tag 6 Monate her, dass Amrali unweit von Solgard an Land kroch, salziges Wasser spuckend, dankbar für die Wärme der Sonne. Eine Schiffsbrüchige, vielleicht die einzige Überlebende jenes Frachters, aus dessen aufgerissenem Bauch Seeleute, Wachen und Sklaven gleichermaßen quollen. Sie erinnert sich an den Kampf zwischen den Wellen, an das rauschende Tosen der Brandung an der Untiefe mit der stetigen Drohung scharfkantiger Steine. An die zirkelnden Jäger und Aasfresser, manche noch verborgen unter der aufgewühlten, schaumgekrönten Oberfläche des Wassers, andere gemächlich weit oberhalb der Köpfe. Wartend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erinnert sich an das Gefühl von Erschöpfung und Dankbarkeit, selbst an das von Herzen kommende Dankesgebet, das - wenngleich durchaus Teil der Traditionen - weitgehend verpönt ist unter den waffentragenden Bewohnern Maethrins. Aber das Prinzip von Stärke, von Eigenverantwortung, von Fähigkeit und Befähigung hat wenig Kraft, wenn man ein Spielball der Gezeiten ist, den Strömungen ausgeliefert. Die vertrauten Worte zu sprechen war befreiend, tröstend, ermutigend hier an diesen fremden Gestaden mit der Drohung der Stadtsilhouette fern am Horizont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solgard war der Name hinter diesen Mauern und Türmen, hinter Straßen und Gassen die bald schon vertraut sein würden. Nicht genug um es Heimat zu nennen, aber ausreichend für ein Gefühl von Loyalität und Zugehörigkeit. Gedämpft, natürlich, es verging kein Tag an dem Amrali sich nicht daran gemahnte, dass sie - letztlich - ein Fremdkörper hier war. Verbunden, aber kein echter Teil, so wenig wie ein Messer zum Teil des Körpers wurde, nur weil es für Nützliches oder Verwerfliches gebraucht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist ein weiter Unterschied zu jenen ersten Tagen. Um das zu begreifen braucht sie kaum den mittlerweile gewohnten, prüfenden Blick in den mannshohen Spiegel, der über Zlatas Schlafzimmer herrscht. Dessen kalte, seelenlose Reflexion scheint sich auf die falschen Details zu konzentrieren: Das blonde Schopfhaar, noch immer kurz genug, dass man die Kopfhaut durchschimmern sieht. Die eingefallen wirkenden Wangen und die tief liegenden Augen, schmale, gerade jetzt kritisch zusammengekniffene Lippen. Die Narbe, prominent über die Kinnlinie verlaufend und den Hals hinab, um dann unter Stoff zu verschwinden - ihre Ausläufer unsichtbar für das urteilende Auge des Spiegels, aber spürbar mit jedem Herzschlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles ist ernüchternd, ein ebenso stetiger wie abrupter Auslöser gedankenloser Irritation im ersten Moment, bevor sie jeden Morgen aufs neue begreift: Das bin ich. Ein verblasster Schatten, wie eine ausgeblichene, an den Rändern ausfasernde Erinnerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Gedanke, der schwer an der begrabenen Eitelkeit kratzt, ein Gedanke dem auszuweichen sie gelernt hat. Der Trick ist, über all das zu Offensichtliche hinweg zu blicken und andere Details im Spiegel zu suchen: Die Kleidung ist einfach, aber solide. Der Waffengurt in einem guten Zustand und zeigt eine ganze Anzahl hübscher Prägereien im Leder. Die schweren, mit Gold überzogenen Bronzespangen umschliessen die Handgelenke wie ein Tribut an frühere Gewohnheiten. Ein halb unter Kissen vergrabener roter Schopf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zögert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht wegen der Uhrzeit: Die Sonne ist gerade erst aufgegangen und ihre Gastgeberin hat wie so oft die meisten Nachtstunden mit - nach Ansicht Amralis - nervtötender und langweiliger Arbeit verbracht: Aufzeichungen gesichtet und übertragen, Forschungsergebnisse überprüft, Berichte umformuliert. Messungen durchgeführt und korrigiert, Protokolle abgezeichnet. Allein der Gedanke lässt die Blonde sich bereits müde fühlen und sie vermutet, dass es vor der Mittagsstunde wenig Bewegung von dort geben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nicht wegen der Gastgeberin an sich, auch wenn der Blick nun für lange Momente auf dem Wenigen haftet, was sich nicht unter den Decken verbirgt. Die Betrachtung kommt mit einem Anflug von Schuld, die ungnädig am Selbst kitzelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich nutze sie zu sehr aus. Die Waage ist nicht ausgeglichen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie rätselt darüber, während sie sich auf den Weg macht, dem Verlauf der längst vertrauten Straßen in diesem Stadtviertel folgend, bis die hübschen Fassaden weniger freundlich werden, die Abstände zwischen den Häusern kleiner und kleiner, bis sie sich gegeneinander lehnen wie Betrunkene: Vom Leben gezeichnet, mitgenommen, abgerissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit kehren die Gedanken unvermeidlich, aller Mühe zum Trotz, doch wieder zu den Ereignissen des vergangenen Abends zurück, zu dem, was ein nebensächlicher Ausflug hätte sein sollen und sich wie der Anfang zu einem besonders verzweifelten Witz lesen könnte: Gehen eine Stadträtin und ein Elf eine Freundin im Hafen besuchen ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein halbes Jahr ist genug Zeit, um die Biegungen zu kennen, um sich zu orientieren ohne einen bewußten Gedanken zu verschwenden: Hier ist das baufällige Haus, dessen Dachstuhl vor mehr als einem Jahr abbrannte und das noch immer nicht wieder vollständig aufgebaut wurde. Hier sind die drei Schwestern, hoch ragende hölzerne Gebäude, die sich gegenseitig zu betrachten scheinen, schon seit jeher der Sitz einer der örtlichen Banden. Dort ist das tiefe Loch in den längst nicht mehr gepflasterten Straßen, immer mit Wasser gefüllt und Schauplatz eines grausamen Verbrechens, über das die Bewohner nur hinter vorgehaltener Hand sprechen. Hier die alte Mühle von der aus vor Monaten ganze Schwärme von Ratten über die Nachbarschaft herfielen, gesandt - so heißt es - von einer düstere Lieder singenden Wahnsinnigen, die schließlich von einem künftigen Paladin von ihrem Fluch befreit wurde. Es gibt viele solcher Geschichten mehr und nur die Wenigsten sind Amrali vertraut, aber sie kennt den Weg zu ihrer eigenen baufälligen Heimstatt, eingepfercht zwischen andere Häuser, eine winzige Bleibe mit schlecht schließender Tür und übel riechender Nachbarschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühl von Unrast, von Übelkeit ist das Gleiche wie am Abend zuvor: Das perplexe Verständnis, dass etwas mit der Welt nicht stimmt. Wie kann jemand ein ganzes Haus stehlen? Oder hat sie sich, den Gedanken nachhängend, doch in die Irre führen lassen?&lt;br /&gt;
Genau wie am Abend zuvor - damals in Begleitung einer zunehmend mürrischer werdenden Stadträtin und eines zunehmend faszinierter werdenden Elfs - dreht sie Kreise durch das Viertel, schreckt Anwohner auf und verscheucht eine ganze Bande von Kindern, die gerade dabei waren einander an den Kragen zu gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleibt fruchtlos, ganz gleich welche Richtung sie einschlägt, ganz gleich an welchen Landmarken sie sich orientiert: Ihre Heimstatt bleibt verschwunden, als hätte sie jemand oder etwas aus der Wirklichkeit getilgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wie kann das möglich sein?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie reibt den linken Ellenbogen in ungerichteter Nervosität, bevor sie sich erneut in Bewegung setzt, die verwinkelten Gassen - der Boden kaum mehr als getrockneter und festgestampfter Schlamm - absucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wie am Abend zuvor: Nichts.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Hadrian|CONTENT=&lt;br /&gt;
Das Gefühl von Verlust ist etwas, was im Hintergrund lauert wie eine dunkle Wolke an einem sonst klaren, strahlend blauen Himmel: Eine Ahnung, eine Drohung des Kommenden.&lt;br /&gt;
Alle weiteren Versuche die kleine, windschiefe Behausung zu finden haben sich bislang als fruchtlos erwiesen. Das Problem ist nicht etwa die traurigen Reste von Ausrüstung, die damit als verloren gelten müssen, sondern die große Frage, ob es noch andere .. Dinge .. gibt, andere Details, die sich in irgendeiner unfassbaren Weise dem Verstand, dem Begreifen, der Erinnerung entzogen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und wie weiß man, ob man etwas vergessen hat?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke begleitet Amrali durch die Straßen Solgard und flüstert in ihren Nacken, ist immer dabei, wenn sie nach verräterischen Details sucht, nach Abweichungen. Nach Verlorenem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie findet die Abweichung am unerwartetsten aller Orte: Im Hauptbankgebäude am Marktplatz, ein Ort der so viel frequentiert ist, wie kaum ein zweiter in Solgard. Die Frau hinter dem Tresen ist .. vielleicht .. neu: Amrali kann sich nicht gewiss sein, ob sie nicht sonst einfach zu anderen Zeiten arbeitet. Aber der Abwesenheit des hochnäsigen Mannes, der gewöhnlich von seinem Platz hinter dem Tresen aus verurteilend auf zerlotterte Herumtreiber herabschaut, ist sie sich gewiss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amralis eigene Kiste enthält Gegenstände von fragwürdigem Wert: Eine Anzahl Münzen, eine Sammlung von Knochen verschiedener Wüstennagetiere, einige Gutscheine für einen ihr nicht näher bekannten Reisemagier mit den Initialen L.A., einen gänzlich zerknitterten Hut, das Zaumzeug, das einst von Trotte getragen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ich habe Hadrian eine Weile nicht mehr gesehen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wird betont beiläufig formuliert - unverfänglich auch falls sie irgendwie herausstellen sollte, dass es keinen Bankier dieses Namens gab, gibt oder je geben wird. Aber die Blonde hinter dem Tresen verzieht die Lippen in einer allzu vielsagenden Geste, beugt sich dann vor die Stimme senkend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Niemand weiß, wo er ist. Vor ein paar Tagen ging er nach Hause, nun ist er einfach fort. Erscheint nicht mehr zum Dienst, daheim öffnet niemand. Es wurde bereits vermutet, dass es Unregelmäßigkeiten gab und wir durften die letzten Tage über die Bücher gehen. Aber.. nichts. Alles scheint in Ordnung. Vielleicht ist er wirklich mit dieser Tänzerin aus dem Walross durchgebrannt.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ist das eine Sache für die Stadtwache?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau hinter dem Tresen winkt ab, die Miene nun säuerlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Bitte. Bei uns haben Wache und Orden gleichermaßen viel zu tun. Da gibt es keine faulen Müßiggänger, die zu viel freie Zeit an der Hand haben und es sich leisten könnten hinter jedem Bürger herzulaufen, der aus welchem Grund auch immer ein paar Tage für sich braucht. Ich bin sicher, er taucht schon wieder auf und dann hat er besser eine gute Erklärung und eine Entschädigung für die Überstunden, die ich hier leisten darf. Ich habe auch Familie, wisst ihr?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali nickt, während sie einen strategischen Schritt zurücktritt. Sie hat bereits genug von der Rage Zlatas erlebt und wenig Ambition hier nun als Ventil für den aufgestauten Ärger der Angestellten herzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Wisst ihr was? Ich werde diese Sache einmal beiläufig gegenüber Stadträtin Kovacs erwähnen. Sie kennt einige Magier und ihr wisst ja: Die haben selten einmal etwas zu tun und benötigen immer etwas, um sich wichtig zu fühlen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überraschung der Blonden scheint das die Angestellte zumindest für den Moment zu versöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und während sie sich auf den Weg zum Gemeinschaftsgelände der Axiom macht, in Gedanken bereits eine Liste müßiggehender Magier durchgehend, verflüchtigen sich die eigenen Gefühle von Verlust, Sorge und Ungewissheit. Das hier, das ist greifbar.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Verwaist|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du wirst die Gesetze Solgards achten. Bedenke, dass du hier mittlerweile andere Verpflichtungen hast als deinen eigenen Hals. Du riskierst mehr als eine weitere Narbe.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An manchen Tagen hat Amrali das Gefühl, dass es einfach ist zu vergessen: Die Ursprünge, die Traditionen, die Kämpfe und Auseinandersetzungen des Aufwachsens. Auch: Die Begeisterung und Liebe, das erhebende Gefühl von Verbundenheit und Bestimmung, die Wärme einer eng geflochtenen Gemeinschaft. Das, so denkt sie im Blick zurück, war das eigentliche Herz Maethrins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solgard ist anders gestrickt, daran hat sie dieser letzte Abend mehr als überdeutlich erinnert und darum streift sie auch nun, Stunden nach dem kargen Abschied auf der Schwelle einer trostlos eingerichteten Werkstatt, noch immer rastlos durch die Straßen der Stadt. Nicht auf der Suche, sondern getrieben von Rastlosigkeit, die nichts mehr verachtet als Stillstand.&lt;br /&gt;
Unvermeidlich wenden sich die Schritte schließlich dem eigenen alten Wohnviertel zu, jenem Bereich baufälliger Hütten und windschiefer Katen, zusammengehalten von Gebeten und Flüchen, bewohnt von den Unglücklichen und Verzweifelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und ein paar Narren in der Mitte, die sich weder für das Eine noch das Andere entscheiden können.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Stillen, ganz am Rande des Begreifens, hofft sie darauf, dass sich das Unmögliche normalisiert und sie ihre vertraute Heimstatt wiederfindet, aber kein Weg öffnet sich und die ziellose Wanderung bleibt ohne Erlösung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier, im Zwielicht des Hafenviertels, wird ihr gewahr, dass dieser Mietvertrag, nur Tage nach ihrer Ankunft geschlossen, ein Band war, um das Handgelenk gelegt wie eine Fessel aus Samt. Und nun ist es fort, verblasst, ebenso wenig aufzuspüren wie jener feiste Harim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Meine einzige Verpflichtung ist der Brief mit dem Siegel Solgards&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;, verrät sie der kühlen, vom Meer her wehenden Brise und wiederholt damit Worte, die vor nunmehr Stunden gesprochen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Dann verstehe meine Worte als Anweisung einer Dienerin Solgards, wenn du willst.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An manchen Tagen hat Amrali das Gefühl, dass es unmöglich ist zu vergessen, sich aus der Umklammerung des Vergangenen zu befreien. Die Alpträume sind das offensichtlichste Überbleibsel, aber selbst in den warmen, angenehmen, nostalgischen Anwandlungen findet sich etwas Unausweichliches: Man ist die Form, in die man gegossen wurde. Nicht mehr. Nicht weniger. Maethrin war besessen von den eigenen Traditionen, von Gebräuchen und Sitten, an die sie hier kaum zu denken wagt in der sicheren Gewissheit, wie viel Anstoß sie erwecken würden. Aber sie sind dennoch da, eingeprägt, so natürlich wie ein Atemzug und so gewiss wie der Herzschlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung und Gehorsam waren - sind - ein wichtiger Teil dessen, eine Notwendigkeit, die von Geschichten wieder und wieder betont wird. Freiheit: Ja. Aber ganz gleich wie groß der Ruhm, du bist nur ein kleiner Teil einer Gemeinschaft. Es gibt einen Platz für jeden.&lt;br /&gt;
Das ist ein tröstender Gedanke. Eigentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Warum gefällt es mir dann so wenig?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kaut darauf, während sie den Hafen durchwandert, um schließlich wieder besser beleumundete Bereiche der Stadt zu erreichen, sie nagt daran, während sie den großen Brunnen passiert und die Kathedrale links liegen lässt. Das Haus am Hang wirkt im Dunkel größer, ein Klumpen mit Kanten, die in den Schatten versickern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zögert, lauscht auf den Ärger, der noch immer im Inneren auf ganz kleiner Flamme simmert und wartet. Wartet darauf, dass die Müdigkeit final den Sieg davon trägt, auf die Kapitulation. Vergeblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ich denke meine Anweisung war klar genug.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solgard ist schon längst wieder zum Leben erwacht, als sie das neu errichtete Gebäude im Süden Solgards erreicht, ein von professioneller Hand ausgeführtes kleines Schreiben bei sich: Jeder Buchstabe steht wie ein Kunstwerk und nur die Krakelei von Unterschrift lässt eine persönliche Note erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zettel, unnötig in einen ebenso hübschen wie teuren Umschlag eingeschlagen, vermittelt kaum mehr als eine Handvoll Worte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meister Radesvald,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der vereinbarte Dienstmonat zur Probe ist bereits seit langer Zeit verstrichen und es ist nicht recht, die Wartezeit noch weiter in die Länge zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe bereits zu viele Verpflichtungen in Solgard auf mich geladen und ich möchte keine weitere hinzufügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Ihr mich benötigt, lasst es mich wissen und ich werde folgen, aber nicht mehr auf Grundlage eines formellen Vertragsverhältnisses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Einsamkeit|CONTENT=&lt;br /&gt;
Eine gute Woche liegt das Schreiben zurück, das Amrali im Gebäude der Axiom-Gemeinschaft hinterließ, eine Woche und ein Tag seit dem abendlichen Gespräch, das nicht einmal ein Streit genannt werden könnte. Und dennoch: Seitdem hat sie die zuvor vertrauten Treppen nicht erneut erklommen und seitdem wartet das notdürftige Lager auf dem Balkon Zlatas ungenutzt, unberührt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;‘Falls sie es nicht schon lange verräumt hat. Sie ist zu pragmatisch für Verschwendung.’&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kommt mit einer eigenwilligen Galligkeit, einer Vibration von Ärger, die sich davor hütet, den Funken von Schuldbewusstsein zu akzeptieren. Es ist einfacher mit dem Finger auf andere zu deuten: Auf jene blondbeschopfte Fremde zum Beispiel, die so gänzlich überlebensunfähig erschien, dass es an allen Instinkten Amralis zupfte. Diese, so verlautbarte das Flüstern, ist Gefahr. Behalte sie im Auge. Eliminiere die Bedrohung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gab und gibt es keinen rationalen Grund, aber es bleibt ein Fakt, dass sie die Fremde seitdem nicht mehr auf den Straßen Solgards traf. Das, so sagt sie sich selbst, während sie den Kopf einzieht und sich durch eine niedrige Türe duckt, hat natürlich nicht sehr viel zu sagen. Aber eine solche Frau erregt Aufmerksamkeit, schlägt Wellen wie ein allzu bunter Singvogel, den eine plötzliche Sturmböe in das Hafenbecken drückte, wo er dann hoffnungsfroh, verzweifelt, aber vergeblich um sein Leben zappelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts. Sie bleibt genauso verschwunden wie Amralis Unterkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Werkstatt hier im Hafen duckt sich in eine Ecke zwischen zwei anderen Häusern und hat die Solidität einer fleischgewordenen Improvisation, zusammengenagelt aus Treibgut und zusammengehalten von Hoffnung. Nichts passt wirklich zusammen, das Dach ist einfach eine schiefe Schräge, auf der die Möwen hocken und von diesem Platz aus alle Besucher lautstark verschreien. Drinnen ist es nicht besser: Waren zweifelhafter Herkunft stapeln sich überall, lassen den Besuchern nur schmale, gewundene Wege zum ebenfalls gänzlich überladenen Tresen. Hier gibt es Krimskrams aller Art: Angelhaken aus Kupfer und getrocknete Sehnen aus den Füßen von Blassenten, zusammengebogene Käfige für Singvögel, die bereits eine dichte Schicht von Staub ansammelten und klebrige Süßspeisen, die aus einem verkrusteten Topf stammen und - weitgehend abgekühlt - an einem hölzernen Stab verkauft werden. Der gnädige Besucher, das lernte Amrali bereits in der ersten Woche, ist gut beraten, die Herkunft weder der Zutaten noch des kleinen Stäbchens in Frage zu stellen, und bei der Erinnerung hat sie auch jetzt, Monate später, wieder das entsetzliche Gefühl, die eigenen Zähne zusammenkleben zu fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Mann, der Herr über dieses absurde Sammelsurium ist, bezeichnet sich selbst als Kesselflicker der alten Schule und berichtet gern über seine Ankunft auf dieser Insel vor nunmehr zwei Jahren, darüber, wie er diese Werkstatt aus Schutt und Trümmern selbst erbaut hat. Diese Geschichten gehen unweigerlich in groteske Anekdoten über, die allesamt dazu führen, ein unheimliches Erbe, eine verbotene Liebe und eine Flucht anzudeuten. Nichts davon passt wirklich zu der verbogenen Gestalt und den zusammengekniffenen Äuglein des Alten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie hebt abwehrend die Hand, als ihr ein Stück gerösteten Fleisches angeboten wird - vermutlich Ratte, vielleicht auch Steppenläufer. Sie ist nicht hungrig, nicht verzweifelt genug, es auf die Probe zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;“Heute nicht, Morin. Ich brauche etwas anderes.”&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zählt ein paar Münzen ab, sauer verdiente Silbermünzen, die nun, ohne den gut bezahlten Soldvertrag, bereits spärlicher kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;“Ich suche Harim vom Hafen. Du weißt: Ein Kopf kleiner als ich, kahler Schädel, fetter als vier Männer.”&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lässt den Geruch - oder besser: die Abwesenheit von Geruch - unerwähnt. Das ist ein Detail, das sie schwierig zu beschreiben findet. Es ist auch unnötig: Die Gestalt ihres Vermieters ist unverwechselbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den zusammengekniffenen Augen des Händlers findet sich nur perplexe Überraschung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;“Nie gehört. Nie gesehen. Ist er neu? Einer von den Neuankömmlingen?”&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie schweigt auf die Gegenfrage, nicht einmal gänzlich überrascht, auch wenn ein kaltes Gefühl von Beklommenheit ihr Rückgrat entlang wandert und dann in dumpfen Schmerz des linken Ellenbogens ausläuft. Das Wetter, so verheißt das Pulsen, ist dabei, sich zu ändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;“Nein”&amp;lt;/i&amp;gt;, räumt sie ein, ohne den Blick von ihrem Gegenüber abzuwenden, aber dann fehlen ihr die Worte, um die Nachfrage zu erklären. Wie berichtet man von Wahnvorstellungen? Wie äußert man Zweifel und die Furcht, dass sich bislang als vollkommen sicher geglaubte Fakten einfach in Rauch und Schatten auflösen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lässt zwei der silbernen Münzen zurück auf dem Tresen und tritt zurück auf die noch immer belebte Straße, wendet sich dann in abergläubischer Scheu, getrieben von einer plötzlich aufwallenden Furcht. Aber die baufällige Werkstatt ist noch immer da. Solide, sofern man das Wort wirklich in die Nähe der spröden Bretter und rostigen Drahtspuren bringen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen Moment ist das Verlangen übermächtig, die Stadt im Eilschritt zu durchqueren, reumütig zur Schwelle der Rothaarigen zurückzukehren. Den Stolz herunterzuschlucken, der die Kehle nun zusammenpresst, bis sie kaum mehr atmen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber der Moment vergeht und sie fängt sich, störrisch das Kinn hebend, als wollte sie das vorüberschlendernde Fußvolk herausfordern. Mehr als nur ein Blick ist ihr damit sicher: Manche amüsiert, einige verunsichert, etliche sogar interessiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lässt sie alle zurück in Richtung der Wüste, vertraut sich dem Rücken des nervösen jungen Scheckens an, dessen Energie und Kraft noch lange nicht bezähmt sind durch Routine und Erfahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und heute liegt darin etwas Tröstendes, wie ein Versprechen, das der Sonne gleich am Horizont dräut.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Blut und Egel|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die kleine, auf den zu dieser Stunde gänzlich verwaisten Marktplatz Solgards hinausblickende Werkstatt ist mit einem durchdringenden Gestank gefüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht von der Art, die auf Arbeit mit der Esse und dem Amboss schliessen lassen würde, die Amrali zusammen mit dem grössten Teil der jetzt existierenden Einrichtung vom Vorbesitzer erbte. Ein Alchemist würde vermutlich interessiert schnuppern, aber auch die kleine Sammlung an geraden und gewundenen Phiolen, Kupferdrähten, Schalen und Brennern schlummert seit langer Zeit unter einem alten Tuch, geschützt vor Staub, während draussen die Jahreszeiten wechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der Fenster ist in Richtung des Brunnens geöffnet, aber das tut dem Gestank kaum einen Abbruch und Amrali hat bereits vor einiger Zeit als Fakt akzeptiert, dass sie hier nicht nächtigen wird. Das, für sich, ist nicht ungewöhnlich: Im ersten Stockwerk befindet sich zwar eine provisorische Bettstatt, aber sie ist kaum mehr als das, was man auch unter freiem Himmel nutzen würde, und blieb den letzten Mond über gänzlich unberührt, während die Besitzerin ihr Haupt andernorts zur Ruhe bettete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht im Hafen Solgards: Die verkommene Bretterbude, in der Amrali bis zu jenem schicksalhaften Abend vor einigen Monaten lebte, bleibt ein Enigma, verloren zwischen Erinnerung und Wahn, wie ein Traumgespinst, das irgendwie den Weg an die Oberfläche fand, nur um final doch unter dem Licht des Tages zu verblassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Oder, in meinem Fall, mit dem ersten Paar neugieriger Augen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Gedanken kaut sie nicht zum ersten Mal und sie kann nicht umhin, den gleichen Fragen wieder und wieder zu folgen, während sie den schmerzenden Ellenbogen reibt, der bereits jetzt Regenwetter für den kommenden Tag verheisst: Wie unterscheidet man zwischen Wirklichkeit und Wahn, wenn beide sich nie begegnen, sondern sich wie unerreichbare Tanzpartner stetig unberührt umkreisen? Welchen Wert haben Erinnerungen, welches Gewicht hat ein Groll und welchen Eindruck macht eine Lektion, wenn das, worauf sie fussen, wie Schaum zerstieben kann?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und wie habe ich diese Werkstatt erworben?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das, so stellt sie bitter fest, ist die andere Seite der Medaille. Die trügenden Träume und der Zweifel an der Wirklichkeit, das ist das Eine. Die Fakten, die sich ohne eine greifbare Herleitung präsentieren, das ist das Andere. Es gibt keine Erinnerung, die ihr erklärt, wie genau die erste Miete bezahlt wurde, was genau das Schicksal des Vorbewohners war, und sie scheut vor den Möglichkeiten zurück, die sich aus dieser Leere ergeben. Besser, vielleicht, manche Fragen nicht zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ungewissheit ist ein Teil der Erklärung, warum ihr diese Mauern noch immer fremd sind, aber kaum der Grund für die Abwesenheit der letzten Zeit. Der grössere Teil, zumindest sagt sie sich das selbst, ist wesentlich mundänerer Natur: Nach der Aufkündigung des Soldvertrags mit der Axiom-Gesellschaft fiel ein stetiges Einkommen leicht verdienter Münzen weg und der Ersatz mit freien Aufträgen erforderte einen Einsatz von Zeit und Beweglichkeit, der Amrali eine Menge Nächte abseits von Solgard sehen liess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist da noch ein stiller, dritter Teil. Ungeliebt. Unwillkommen. Präsent: Scham.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind bald zwei Monate seit jener Nacht, seit dem Kitzel eines Abenteuers, das alle Zutaten hatte, um zu einer gloriosen Heldentat zu werden: Ein dunkles Reich voller verdorbener Dämonenanbeter, eine Entführung, eine blutige Drohung und die triumphale Befreiung eines Unschuldigen, der nichts getan hatte, um zwischen die Fronten zu geraten. Für Amrali war es der erste Besuch der Suromer Lande überhaupt, der erste Eindruck einer Siedlung, deren banale Oberfläche kaum geeignet schien, den düsteren Ruf zu bestätigen. Bis dann alle Planung aus dem Ruder lief, die übereilte Flucht im Desaster und im Verlust eines der Mitstreiter mündete.&lt;br /&gt;
Zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst jetzt, im Wissen um die letztlich glückliche Lösung, krümmt sich alles in Amrali zusammen, die stetige Rührbewegung im Kupferkessel erlahmt und im Nu lässt der sich stechend verdichtende Gestank Tränen in ihre Augen steigen. Sie blinzelt, nah daran zu würgen, und die Ursache dafür liegt nicht allein im brodelnden Inhalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das eigene Scheitern, die Unfähigkeit, die Situation zu kontrollieren und in geordnete Bahnen zu lenken: Das ist nichts, was sie sich schönreden kann. Nicht mit Trauma, nicht durch Hinweis auf überstandene Strapazen. Es ist in gewisser Weise gar nicht so viel anders als damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Als hätte ich nichts dazugelernt.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie schreckt zurück vor diesem Gedanken, wie vor der Berührung einer Flamme und das Momentum ist genug, um sie zu anderen, jüngeren Erinnerungen zu treiben. Erst zwei Abende liegt das Zusammentreffen in der Sonnenruh zurück und die kurze, widerliche Auseinandersetzung mit der unterarmlangen Kreatur, einer Wesenheit wie eine Mischung aus Blutegel und Aal, die sich an Zlata verbissen hatte und sich nun eifrig am Blut der Rothaarigen labte. Ein Parasit, eine Bedrohung, ekelhaft genug, dass sich Amralis Magen umzudrehen drohte, aber gleichzeitig auch .. präsent. Greifbar. Ein lösbares, überschaubares Problem - wie in den Geschichten Maethrins: Die alten Traditionen kennen kein Grau, sondern nur Schwarz und Weiss, Gut und Böse, Richtig und Falsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Herausforderung zu erleben war eine Erleichterung und auch jetzt, da sie ein letztes Mal in dem Topf rührt, bevor er vom Feuer gezogen wird, empfindet sie ein warmes Echo jenes Momentes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich war nützlich.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Legenden Maethrins beinhalten andere Geschichten, nicht alle davon für Kinder oder Heranwachsende geeignet, manche davon zu düster, als dass sie als Teil der Lehren anerkannt sind, andere schlicht zu lächerlich, als dass sie etwas Sinnvolles zur Würde der Altvorderen beitragen könnten. Amrali ist sich nicht ganz sicher, in welche Kategorie diese hier fällt, aber sie verzieht keine Miene, während sie die über Stunden hinweg gekochten Überreste des Blutsäufers nun schneidet und kaut, Stück für Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer weiss schon, ob sich nicht doch ein Körnchen Wahrheit in den verblichenen Sagen findet.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Kessel des Chaos|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ich hab meine Zyklopenlederhandschuhe in den Höhlen der Dunkelheit verloren. Könnt Ihr sie bitte für mich zurückbringen?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht das erste Mal, dass Amrali eine solch kuriose Anfrage erhält - halb Solgard scheint seine Besitztümer so regelmässig an den seltsamsten Orten zu verlegen, dass sie sich bereits im Stillen gefragt hat, ob irgendein perfider, für sie aber gänzlich unbegreiflicher Plan dahintersteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Und .. wo dort? Das ist ein ziemlich weitläufiges Areal.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Stand der Kräuterhändlerin ist ein von Grün durchflutetes Reich: Vier tragende Säulen stützen das Dach, verschwinden aber fast hinter Rankgewächsen. Von oben herab hängen Büschel von Minze, Salbei und Trettkraut, auf halber Höhe gesellen sich Vasen mit Stauden von Pflanzen dazu, hier und dort lassen sich sogar Primeln ausmachen, die zu dieser Jahreszeit gänzlich verloren erscheinen. Keine Wände: Deren Rolle übernimmt zumindest halbherzig eine grosse, immergrüne Hecke und zwischen all dem bewegt sich die Besitzerin mit der geübten Routine alltäglicher Erfahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;In einem der offenen Bereiche nach den Wohnkammern.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lächelt - so offen, unschuldig und gewinnend, dass sich alle feinen Nackenhärchen Amralis aufstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Entweder sie macht mir tatsächlich schöne Augen, oder sie möchte mich unbedingt und endgültig loswerden.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem galligen Gedanken baumelt ihre Aufmerksamkeit für lange Momente. Die Händlerin ist ihr nur vom Sehen vage vertraut, eine jener flüchtigen Bekanntschaften, die nie über oberflächlichste Eindrücke hinauswachsen werden. Eine halbseidene Erinnerung flackert auf, etwas über eine unziemlich rasche Verlobung nach dem traurigen Ende ihres vormaligen Geliebten. Sie ist sich nicht sicher, ob es bei dem in der Bank aufgeschnappten Geschwätz um die gleiche Person ging. Aber wer verliert seine Besitztümer an einem Ort, an den sich niemand rein zufällig verlaufen würde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Dort unten gibt es doch nichts. Seid Ihr sicher, dass Ihr die Handschuhe dort verloren habt?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas verschiebt sich im Lächeln des Gegenübers, die Unschuld flackert und wird ersetzt durch aalglatte, fokussierte Entschiedenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Absolut sicher. Keine Sorge, ich bin bereit, Euch gut zu belohnen für den Aufwand und die Gefahren.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wechsel gibt Amrali zu denken, aber er zupft mehr an ihrer Neugier als an ihrem Misstrauen. Und die Miete für die kleine Werkstatt mit dem Fenster auf den Solgarder Markt finanziert sich nun einmal nicht von selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ascheebene ist ein öder Landstrich erkalteter Lava und brüchiger Felsspalten, in denen hungrige Glut wartet. Giftige Dämpfe sammeln sich in Vertiefungen, teilweise weit genug, um mühelos durchritten zu werden. Verkohlte Knochen sind das Zeugnis glückloser früherer Besucher, die hier auf die ein oder andere Weise ihr Ende fanden: Neben den Gefahren brüchiger Lavakanten, spitzer Basaltnadeln und heisser Geysire, die in unregelmässigen Abständen kochendes Wasser in die Höhe schleudern, gibt es hier auch aus den rohen Elementen entstandene Kreaturen: Tanzende Lohen, die begierig sind, Reisende in ihre glühende Umarmung zu ziehen, kolossale wandelnde Felssäulen, die Fleisch und Knochen gleichermassen unbesorgt zermalmen, trübe Pfützen, die lauernd warten, bis sich ein Leichtsinniger herabbeugt, um den Durst zu stillen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali ist mit den Gefahren dieses Ortes vertraut genug, dass sie Fleck für diesen Ausflug zurückliess: Der junge Schecke mag mittlerweile nicht mehr in Panik ausbrechen, wenn sich der Boden unter seinen Hufen verschiebt, aber er ist lange noch nicht gefestigt genug, um nicht sich selbst - und seine Reiterin - unnötig in zusätzliche Gefahr zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Felsspalten und Risse passiert, Lavaseen umgangen und einen brennenden Fluss überquert hat, der findet schliesslich den Eingang zu den dunklen Höhlen. Gewiss, davon ist Amrali überzeugt, hatten die Gemäuer einst einen anderen, richtigen Namen, aber dieser Tage sind sie bevölkert von verkrüppelten Höllenbewohnern: Riesigen, entstellten Fledermäusen, deren Leiber so aufgedunsen sind, dass die ledrigen Flügel wie reine Dekoration erscheinen, unfähig, die hässlichen Kreaturen tatsächlich vom Boden zu heben. Ihre hoppelnde Fortbewegung könnte kurios erscheinen, solange man die glimmenden Augen und die Doppelreihe nadelspitzer Zähne übersieht. An ihrer Seite jaulen hüfthohe Höllenhunde, Kreaturen, die von stetigem Schmerz in den Wahnsinn getrieben scheinen. Ihre Haut ist von Rissen durchzogen wie eine Lehmhülle um eine glimmende Kohle, sie atmen Glut aus, die schwarze Russflecken auf dem Stein hinterlässt. Es gibt noch andere, gefährlichere Kreaturen, machtvoll, verschlagen und bösartig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es gibt andere Jäger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali entdeckt die erste Leiche unweit einer ehemaligen Bibliothek, von deren ursprünglichem Zweck nur noch traurigste Reste künden: Auf geschwärzten Wänden finden sich obskure Zeichnungen, klebrige Reste von Haut und Schuppen pulsieren in einer Ecke auf Trümmern aus verfaultem Pergament und Holz. Ein Mosaikrelief hat den Fall überdauert: Ein Baum reckt sich empor, fast unversehrt im Wandel der Zeiten. Dort, wo seine Wurzeln angedeutet sind, liegt eine der grotesken Dämonenfledermäuse, die Flügel entfernt, der Schädel mit einem mehr als handlangen Nagel an der Bodenplatte fixiert. Der Brustkorb ist geöffnet, die Rippen nach aussen gedrückt, als wäre etwas dort Brütendes ausgeschlüpft und hätte dabei den offenen Krater hinterlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Keine Brüche. Jemand hat die Knochen aufgebogen, als wären sie weichgekocht worden.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Herz fehlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nimmt es zur Kenntnis, wie all die anderen eigenartigen Fakten auch. Das hier könnte einfach ein Beispiel dafür sein, wie sich die Ungeborenen gegenseitig bekämpfen, vielleicht ein Konflikt verschiedener Fraktionen um diesen oder jenen Tunnel in diesen menschenverlassenen Mauern. Dagegen spricht allein der Nagel aus schwarzem Metall, ein Detail, das sie weder einzuordnen noch zu interpretieren weiss und daher schlicht aufnimmt. Vielleicht, so sinniert sie, ist es das Zeichen einer rituellen Bestrafung oder einer obskuren Tradition.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Oder die Kräuterhändlerin.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Richtung zumindest stimmt: Amrali folgt der vagen Beschreibung der lächelnden Blonden, duckt sich durch enge Gänge und vermeidet eine offene Kreuzung, von der aus sie das wahnsinnige Winseln und Jaulen der Höllenhunde hört, und findet einen Durchgang in ein offenes Tal, umrahmt von unwegsamen Felsen, kaum breiter als ein Steinwurf. Auch hier finden sich Ruinen: Die Reste eines Bauwerks, das einmal eine Mühle gewesen sein könnte, auch wenn ihr gänzlich schleierhaft ist, woher hier der notwendige Wind kommen sollte. Im Schatten der geborstenen Felsen finden sich gleich drei Leichen: Zweimal die zerplatzten Überreste von Höllenhunden, die nun gänzlich erscheinen wie mit Glut gefüllte, aber zerschlagene Statuen, dahinter der kolossale Leichnam einer gewaltigen, gehörnten Kreatur. Sie nimmt sich Zeit, die Szenerie aufzunehmen, während sie in den Schatten des Durchgangs geduckt lauscht. Aber es ist still hier in dem kleinen Tal. Keine Spur des Jägers, der diese drei Geschöpfe zu Fall brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch hier findet sich eine klaffende Wunde in der Brust der mehr als doppelt mannshohen Leiche, dieses Mal ganz unverkennbar durch eine scharfe Klinge verursacht, die Rippen gewaltsam durchbrochen, um den Weg zum Herzen frei zu machen. Die Knochen schimmern eigenartig im Licht der Fackel, es finden sich Reflexe darin, als wären Splitter von Metall darin zu finden. Nicht wegen des Messers, sondern als wäre das eine Eigenart dieser Wesenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwo voran ist ein Grollen zu vernehmen, machtvoll genug, dass sich eine feine Vibration durch den geschundenen Felsboden fortpflanzt, dann folgen wie Schockwellen eigenwillig verzerrte Echos von Worten der Macht, die keine menschliche Kehle hervorbringen könnte. Der Jäger, so scheint es, ist irgendwo voraus und Amrali gibt die Zurückhaltung, die Heimlichkeit auf. Die Entscheidung ist wie ein tiefes Durchatmen, das lastenden Druck vom Brustkorb hebt. Die Anspannung flieht mit den ersten Schritten, fortgeweht von beschwingtem Eifer, der alle Vorsicht verflucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ist zu spät: Der Kampf endet gerade, als sie über einen Felsen hinwegsetzt: Staub wallt in einer Woge auf, als die massige Kreatur fällt, der muskelbewehrte Leib zerfetzt von schartigen Eiszapfen. Für einen Moment herrscht Stille, dann wendet die Bezwingerin sich um, die Arme gehoben, um der vermeintlich nächsten Bedrohung zu begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aschblondes Schopfhaar. Hellgrüne Augen. Eine Miene, als wäre sie bereit, die Welt in Asche zu legen und sich dafür die Füsse küssen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie ist es, die zuerst die Überraschung ablegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Fräulein Amrali.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angesprochene findet die Fassung wieder und schluckt die Enttäuschung herunter, einen Lidschlag später zwingt sie die Miene in die Andeutung eines Lächelns und das verzweifelte Tasten in der Erinnerung produziert einen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Fräulein Schlehendorn.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ist, das flüstert ihr die gleiche Einsicht zu, eine von &amp;lt;i&amp;gt;denen&amp;lt;/i&amp;gt;: Teil einer fragwürdigen Gemeinschaft, die freiwillig ihr Exil im stetig regenverhangenen Dschungel fristet und dennoch in Solgard wohlgelitten ist, bestehend aus Grössenwahnsinnigen, Scharlatanen, einem die Welt vernichtenden Magier und einem übergewichtigen Eichhörnchen. Das ist es zumindest, was Amrali auf den Strassen Solgards hörte. Sie ist nicht ganz sicher, in welche der vier Kategorien ihr Gegenüber fällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann entdeckt sie die Leiche. Und die aufgerissene Tasche mit den verstreuten Resten von Dämonenherzen. Sie hat, letztlich, den Jäger gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschiedene, auf dem Boden verteilte Gegenstände erzählen eine Geschichte, die unter anderen Umständen eine Tragödie genannt werden könnte: Ein geborstener Stab ganz links, nahe einer Lavaspalte, unerklärlicherweise jedoch nicht im Geringsten von der Glut gezeichnet, ganz anders als eine halb verkohlte Karte, die aus einem Tornister fiel, von dem kaum mehr als aschene Überreste künden. Ein weiterer der metallenen Nägel liegt wenige Schritt entfernt, befleckt von längst schon geronnenem Dämonenblut, und unweit davon findet sich auch die zerfetzte Tasche mit den stinkenden Überresten der Jagdbeute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nur deshalb keine Tragödie, weil es sich bei dem Toten um einen Dunkelelfen handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Augenpaare treffen sich über die Leiche hinweg, streifen die aufgerissene Tasche und heften sich dann an die angekohlte Karte.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Amrali&amp;diff=495</id>
		<title>Amrali</title>
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		<updated>2026-10-19T06:21:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Amrali.jpeg|left|frame]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körpergröße streckt sich auf insgesamt &#039;&#039;&#039;172 Halbfinger&#039;&#039;&#039; und damit durchschnittliches Mittelmaß, die ganze Gestalt erscheint hager an der Grenze zur Ausgemergeltheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;blonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; ist kurz geschoren, betont damit die tief liegenden &#039;&#039;&#039;wasserblauen Augen&#039;&#039;&#039; und eingefallen wirkenden Wangen - aber vermutlich sind es die Narben, die eher den Blick auf sich ziehen und eine bewegte Vergangenheit erahnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mimik lässt oft eine gewisse Verbissheit erkennen, eine Intensität die an eine in die Ecke getriebene Ratte erinnert, deren einzige verbleibende Option die Offensive ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die lange Narbe am Hals zieht sich weiter über die Schulter und den Rücken, gesellt sich zu einer ganzen Anzahl gewöhnlich verborgener Spuren überstandener Kämpfe&lt;br /&gt;
* Wenn das Wetter wechselt, schmerzt der linke Arm oft in Erinnerung an einen Jahre zurückliegenden und nie ganz sauber verheilten Bruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FOLD|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 427 geboren in Maethrin, Tochter der Hialess; Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* 437 Tod der Mutter Hialess&lt;br /&gt;
* 447 Gefangennahme beim Besuch der nahegelegenen Stadt Angelmar &lt;br /&gt;
* 447/448 monatelange Verhöre, aus dieser Zeit stammt die Verletzung des linken Arms&lt;br /&gt;
* 449 Rückkehr nach Maethrin als Fremde, Streichung ihres Namens aus dem Buch der Gemeinschaft, Verbannung aus der Region&lt;br /&gt;
* 449-451 Zeit der Wanderung: Hausdienerin. Brückenbau. Steinbruch. Plantage. Eine Zeit in einem namenlosen Sumpfland mit keiner anderen Aufgabe als Blutegel zu sammeln. Dann wieder ein Haushalt. Sogar eine Arena, auch wenn es mehr ein Zirkus war als alles andere. Erneut ein Steinbruch. Eine Sägerei. Und dann die Seuche. Aus dieser Zeit stammen die Narben am Hals und Schädel.&lt;br /&gt;
* 451 Schwere Krankheit, die Levinerinnen scheren ihr den Kopf (wie bei allen anderen zu Behandelnden auch)&lt;br /&gt;
* 452 Schiffbruch auf dem Transport mit anderen Gefangenen, Ankunft an der Küste nahe Solgard, der neuen Welt&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FOLD|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mutter Hialess (402 - 437)&lt;br /&gt;
* Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* Halbruder unbekannt (* 424)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Turah (* 425)&lt;br /&gt;
* Halbbruder unbekannt (* 429)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Meifiah (* 432)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gedanken und Meinungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Orte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Solgard|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Stadt, die ich dieser Tage meine Heimat nenne. Ich habe nie zuvor eine Siedlung erlebt, bei der Innen- und Aussenbild soweit voneinander entfernt sind, die vereinfachten Annahmen über Politik und Macht werden dem tatsächlichen Wirrwarr, der Unordnung, in keinster Weise gerecht. Wenn es tatsächlich etwas gibt, das die Solgarder universell aneinander bindet, dann ist es nicht etwa der Glaube an den Herrn, sondern die seufzende Opferbereitschaft aus jeder Aufgabe eine Pflicht, eine Bürde zu machen, der man sich schliesslich ergeben, aber ohne Enthusiasmus stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verantwortung der Macht erscheint hier wie ein heisses Eisen, an dem man sich bereits zu oft die Finger verbrannt hat.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Nebelhafen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein Dorf, das davon träumt eine Stadt zu sein, verloren zwischen den Fronten anderer Mächte und damit unweigerlich ein einsamer Spielball ohne Freunde, wann immer es jemandem gefällt. Neutralität ist etwas, das nur aus einer Position von Stärke heraus funktioniert.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Surom|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich habe die Mauern dieser Stadt noch nicht gesehen und hege auch keinen Wunsch etwas daran zu ändern. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Personen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Dervyn|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Heermeister Solgards präsentiert die für mich verwirrende Vielschichtigkeit dieser Stadt auf das Beste. Er ist umgänglich und vielseitig interessiert, ich habe sogar Gerüchte gehört, dass er am Hafen eine Geliebte haben soll. Er betreibt eine Gaststube in der zwielichtige Elementaristen arbeiten (soweit ich vernahm) und ist gleichzeitig dafür verantwortlich die Sicherheit der Stadt zu gewährleisten. &lt;br /&gt;
Er trägt seine Bürde und lächelt dabei. Nicht .. aufrichtig, aber bereit seine Bürde zu tragen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Jaster Darez|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Radesvald|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Van de Mork|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Zlata|CONTENT=&lt;br /&gt;
Sie ist, zumindest auf den ersten Blick, völlig anders als meine Schwestern. Schwächlich, zerbrechlich, burschikos. Konzentriert auf Handwerk, weil es klaren, einfachen Regeln folgt, vorhersehbar, wie es kein Mensch je sein könnte. Der Stolz versteckt sich dahinter, wagt sich nur dann und wann einmal an die Oberfläche - oft nicht einmal dann, wenn es angebracht wäre.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber sie hat sich befreit aus widrigen Umständen, Entscheidungen getroffen, vor denen andere zurückgewichen wären. Wenn die Umstände im Chaos versinken, dann gibt auch die Maske nach und die Höflichkeit macht Platz für rohe Emotion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hätte sie nicht Schwester nennen sollen. Aber ich kann mich nicht dazu durchringen es zu bereuen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Traum|CONTENT=&lt;br /&gt;
Sie läuft in der engen Dunkelheit eines sich windenden, stetig verändernden Tunnels, unbeleuchtet, aber dennoch nicht vollkommen finster. Das, so erkennt sie, während das Herz bis zum Hals schlägt, ist ein Traum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer, der allzu vertraut ist. Einer, dessen Gewalt sich selbst durch das Wissen nicht abschütteln lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Bin ich jemals entkommen?&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kühle Finger berühren ihren Nacken und die Glieder erstarren wie zu Eis, gefroren vor dem sanften, femininen Flüstern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Niemals. Ich lasse dich niemals gehen. Nicht einmal, wenn ich dir all deine Geheimnisse entrissen habe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Harpyien|CONTENT=&lt;br /&gt;
Zumindest theoretisch ist Amrali mit dem Konzept von Schneefall und Frost vertraut, aber die Wirklichkeit wischt alle Vorstellungen und Einbildungen mit gleichgültiger Ignoranz zur Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kälte durchdringt mühelos die verschiedenen Schichten an fadenscheiniger Kleidung, beißt in Wangen, in Nase und Ohren: Zum ersten Mal seit einer ganzen Weile ist sie froh keinen Schmuck zu tragen, nicht einfach nur beschämt über die Abwesenheit einer früher immer präsenten Selbstverständlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganze Landschaft liegt wie unter einem weißen Tuch, das alle Formen dämpft, Trugbilder schafft über die wahren Verläufe von Kanten und Abgründen. Es ist, so denkt sie, während sie hastig im Gepäck nach dem zerfledderten Mantel sucht, der nur für den schlimmsten aller Notfälle überhaupt eingepackt wurde, gleichzeitig ähnlich wie der Sand der Wüste und dann doch auch ganz anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Warum bin ich hier?&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kommt ungerufen, unwillkommen, ein Zaudern und eine Verzagtheit darin, die Ärger entfachen, dabei in jene Glut fahrend, die sie über all die Jahre bewahrt hat, deren letzte Reste in flüsternden Schatten beinahe verloschen wären. Sie hat nie erfahren, wie nahe sie war, die vollständige Kapitulation zu erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Und das wird sie auch nie.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch dieser Gedanke erreicht sie ungebeten, findet sich eingerahmt in Furcht und wird rasch verdrängt. Besser, sich der Kälte dieses offenen Landes zu stellen, den eigenwillig gedämpften Geräuschen - alles hier wirkt stiller, als es sein sollte - und dem ungewohnten Gefühl der erstarrten Landschaft unter den Füßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewohner dieser gefrorenen Einöde tragen ihre Pelze wesentlich besser als Amrali es tut, ihre Spuren künden im lockeren Schnee noch lange von ihrem Vorbeiziehen - nur aus der Ferne bekommt die Besucherin einen scheuen Schneefuchs zu sehen, dessen gedrungene Statur ihr skurril erscheint, gänzlich anders als die schlanken, agilen Kreaturen der rollenden Steppe ihrer Heimat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein am Himmel kreisender Adler beobachtet Amrali eine Weile, gnädig wie ein distanzierter Herrscher, der einen demütigen Bittsteller beobachtet, bevor er mit dem Auftreten anderer geflügelter Geschöpfe gemächlich in Richtung Osten abdreht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein ganzer Schwarm - Geier vermutet sie zunächst - während sie in einen der sich öffnenden Pässe eintritt, die klaffenden Felsen drängen sich zusammen, als wollten sie den Weg zerquetschen der kühn in ihre Mitte gezwängt wurde. Dann, mit der Biegung des Weges, öffnet sich ein schmales Tal und sie wird sich ihres Irrtums bewusst: Nur ein Dutzend Schritte voraus liegt der Kadaver eines Pferdes, aufgerissen von scharfen Krallen, noch dampfend in der Kälte. Darauf hockt eine Kreatur, die Amrali augenblicklich erkennt, auch wenn sie nie zuvor eines dieser Geschöpfe mit eigenen Augen erblickte: Eine Mischkreatur aus Mensch und Vogel mit Schwingen statt Armen und stämmigen, krallenbewehrten Füßen, ein ganz menschlich anmutender, weiblicher Torso mit hoch angesetzten Brüsten, die Haut bar, dem Frost schutzlos ausgesetzt. Das Gesicht ist ähnlich grotesk: Deformierte, in die Länge gezogene Augen über fast menschlichen Wangenknochen, statt Mund und Nase findet sich ein mächtiger gebogener Schnabel, von dem nun gerade Blut tropft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Lippen, aber etwas an dem Ausdruck lässt Amrali an das Lächeln eines zufriedenen Jägers denken. Hinter ihr, wo der Pass sich windet, stoßen zwei gleichartige Kreaturen vom Himmel herab, um den Fluchtweg zu blockieren, drei Weitere ziehen Kreise über der ganzen Szenerie und beginnen gerade nun zu kreischen - kurze, schrille Schreie wie pervertiertes Gelächter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An manchen Tagen ist es schwierig sich an die Unterweisungen, an die Geschichten und Legenden der Vergangenheit zu erinnern, an die reichen Warnungen und Weisungen, die in die fast schon spielerische Form von Erzählungen gewoben wurden und auch jetzt, während Amrali starrt und die auf dem Kadaver des Pferdes hockende Harpyie spöttisch ihre Schwingen präsentiert, sind die Worte in der Erinnerung wie das unförmige Brummen eines entfernen Bienenschwarms. Unscharf. Unbestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Sieh an, wer sich zu uns verirrt hat. Willst du nicht Teil dieser Schwesternschaft werden, deine unwürdige Hülle eintauschen gegen einen stolzen Leib? Wir haben ein Herz für die Häßlichen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geschrei der drei Harpyien in der Luft steigert sich zu einem spöttischen, verhöhnendem Crescendo, während die Sprecherin sich eitel präsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Du musst wi ..&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kälte ist vergessen mit der ersten Berührung des Schwertes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zu ziehen, wenngleich nicht mehr ungewohnt, schmeckt noch immer wie Freiheit, wie das Abschütteln von Ketten und Amrali zögert nicht in die Offensive zu gehen, überwindet die Entfernung zum abkühlenden Kadaver mit ein paar raschen Sprüngen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Harpyie, soviel lässt sich mit Gewissheit sagen, ist überrascht von der abrupten Unterbrechung einer gewiss einstudierten Spottrede, aber nicht überrascht genug, um sich am Boden fangen zu lassen: Sie entkommt dem Hieb um Haaresbreite und gesellt sich zu ihren drei Schwestern am Himmel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verfluchten, so wurde es gelehrt, sind eine Perversion, nicht allein im Erscheinungsbild, sondern auch im Herzen: Unfähig eine echte Gemeinschaft zu bilden, ohne das geringste Verständnis für das Opfer, das es braucht um das Überleben der Vielen zu sichern. Für die Harpyien zählt die Einzelne stets höher und so streiten sich die vier Flieger mit schrillen Schreien darüber, wer die Erste sein muss, die auf die Bewaffnete herab stößt. Es dauert nicht sehr lange, bis der Streit ganz ernsthaft entbrennt, mit Klauen und Schnäbeln ausgefochten wird, um eine Hierarchie festzulegen, die vielleicht ein paar Wochen halten wird, bevor etwas sie unweigerlich auf die Probe stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali, deren Rückweg weiterhin versperrt ist, flüchtet, ohne sich mit Neugier aufzuhalten. Für den Moment sind die Harpyien zufrieden damit sie gehen zu lassen, sicher, dass sie ihre Beute schon wieder einholen werden, sobald diese Kleinigkeit bezüglich der Rangordnung zu allgemeiner Zufriedenheit ausgefochten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wissen nicht, dass ihr vermeintliches Opfer viel Übung darin hat, sich zu verstecken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Harim vom Hafen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Wärme Solgard erinnert Amrali an ihre Heimat, aber die Ähnlichkeiten sind beschränkt: Maethrins Mauern sind höher, die Straßen enger, das Stadtbild dominiert von dunklen Erdtönen des hier zu findenden Lehms und vom Weiss der Kreidezeichnungen, die sich auf nahezu allen Hauswänden finden. Vor allem aber wurde Maethrin mit einer offensichtlich anderen Zielsetzung erbaut: Als Zuflucht und Bollwerk, als Festung, die fast ungeplant mit den Jahren und den Generationen wuchs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Zeit hinweg war das genug: Amrali hat keine Erinnerungen, das je von Feinden auf den Straßen Maethrins berichtet wurde und sie ist zu jung um sich an die zwei Wochen andauernde Belagerung zu erinnern, bei der zuletzt tatsächlich Angreifer vor den Toren standen. Dennoch: Sie erinnert sich an die eisernen Käfige links und rechts der Wetterpforte, ein Halbdutzend Schritt über dem Erdboden aufgehängt und sie erinnert sich - zumindest von Erzählungen - an das Schicksal der Gefangenen, die dort platziert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gerechtigkeit Maethrins ist unerbittlich und gnadenlos, die Strafe für den Angriff auf die Mauern uniform, ungeachtet der Umstände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals war Amrali überzeugt von diesem System, aber wie es mit diesen Dingen immer ist: Es ist leicht, wenn man sich auf der sicheren Seite des Gesetzes dünkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Herz Maethrins war - zumindest bei Amralis letztem, nun Jahre zurückliegendem Besuch - die Arena. Hier, so wollte es die Tradition, wurde nicht nur eifrig Blut vergossen, wurden die Heranwachsenden geschult, gedrillt, geschunden, gedemütigt und gepriesen, sondern auch Recht gesprochen: Unter dem wachsamen Auge der Sonne, offen für alle Interessenten mit einem Platz auf den Rängen, während Richter, Ankläger und Angeklagte ihren Platz im Ring hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dinge sind in Solgard anders, nicht allein, weil es schlicht keine Arena gibt. Wenn ein Herz der Stadt existiert, dann schlägt es auf dem weitläufigen Marktplatz, vielleicht auch in der Kirche des Herrn, deren Besuch Amrali bis dahin tunlichst vermieden hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht, weil sie den Herrn fürchten würde - das tut sie mit der selbstverständlichen Gewissheit eines Geschöpfes, das sich von Göttern umgeben weiß - sondern aus einem Gefühl von Unbehagen heraus: Sie ist mit diesem Glauben nicht vertraut und die Solgarder Denkweise jede Freude in einen bleiernen Mantel der Pflicht zu gießen, scheint irgendwie auf die Gebote und Tugenden des Herrn zurückzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für sie schmeckt beides viel zu sehr nach abgeschüttelten Fesseln, nach Beklemmung, Schwere und der Agonie dunkelster Hoffnungslosigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind Gedanken dieser Art, die sie verdrängt, ersetzt mit hoffnungsvoller Neugierde bei der Erkundung der Stadt und all ihrer Winkel, bis sie sich schliesslich erstmals bewusst gewahr wird, wie nah das Meer hier überall ist, sich selbst die Zeit erlaubt zu beobachten: Die geruhsame Bewegung der rastlos laufenden Wellen, die sich ohne Unterlass in die Brandung stürzen, das stetige Spiel der Möwen, die sich von den Aufwinden treiben lassen und einander umkreisen, immer auf der Suche nach Beute. Am fernen Horizont wird das Blau des Himmels eins mit dem des Wassers - und bei aller Fremdheit dieses Anblicks fühlt sich das irgendwie wie Heimat an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Hast dich verlaufen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Moment zerplatzt mit dem Klang der Stimme im Rücken. Der Bariton klingt nach schimmelbewachsenen Wänden in nahezu lichtlosen Kellern, feucht, als wäre kaum noch wirkliche Substanz unter der Fassade von Stabilität. Alte, allzu vertraute Reflexe regen sich im ersten Moment der Überraschung, lassen die Glieder sich neu orientieren, noch während der Verstand dabei ist überhaupt eine erste Einschätzung anzugehen. Es ist der gleiche Reflex, der Worte formen möchte, eine Beschimpfung, die sie dem Mann .. beinahe .. entgegenspuckt, aber während die Zunge sich an den Silben müht, stößt der endlich aufschließende Verstand ins Leere, lässt sie im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos nach Luft schnappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann ist massig, aber nahezu einen Kopf kleiner als Amrali, so aufgedunsen wie eine an den Strand angespülte und dann sich selbst überlassene Leiche. Selbst die Farbe der Haut passt dazu, teigig und blass, durchsetzt mit dicken, krausen Haaren überall, nur nicht auf dem Kopf. Eines der Augen ist ganz offensichtlich blind, leblos und grau, das andere erscheint nicht sehr viel lebendiger, unfähig sich auf einen einzigen Punkt zu fokussieren. Kein Geruch, stellt sie nebenbei fest: Etwas an ihr erwartet bei dem Anblick den Gestank eines Haufen gammelnder Fischabfälle, aber das Gegenteil ist der Fall und etwas daran zerrt an ihren Nerven, bis sie begreift, dass es tatsächlich die gänzliche Abwesenheit irgendeines Geruchs ist, der ihre Wahrnehmung piekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Was willst du?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann lächelt, ein unheilverheissendes Grinsen, das die Reste eines einzigen verbleibenden Zahnes enthüllt und etwas funkelt in dem verbleibenden Auge, bevor die Stimme sich wieder hebt, gurgelnd, als würde in der Tat Flüssigkeit irgendwo in den Lungen schwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich habe jemanden verloren. Und du siehst aus, als könntest du diesen Platz füllen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen Moment ist Amrali einfach nur perplex, aber der stille Zweifel zerplatzt mit den nächsten Worten des feisten Mannes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ist nichts Besonderes, aber es hat ein Dach. Zehn Groschen jeden Morgen. Keine Gäste über Nacht, kein offenes Feuer im Haus, keine Anbetung des Nasenlosen. Kannst kommen und gehen wie es dir passt. Ich bin Harim vom Hafen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nasenlosen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann hustet, spuckt, ein klebriger Klumpen glibberiger Flüssigkeit bleibt auf dem gestampften Lehmboden zurück, der hier vage einen Straßenverlauf nachahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Frag nicht. Noch ist es frei. Was sagst?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zögert, aber letztlich ist die Frage keine Frage. Ohne Wagnis kein Gewinn. Was kann schon schiefgehen?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Wüste|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Stadt bleibt im Rücken Amralis zurück, wird abgelöst durch die mächtige, wenn auch bröckelnde Silhouette der aus Sandstein geformten Pyramide, die wie das letzte Relikt einer untergegangenen Zivilisation erscheint: Trotzig im letztlich nutzlosen Beharren, begleitet nur noch von verblassten Erinnerungen und unruhigen Träumen zwischen den zerfallenden Ruinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der in alle Ritzen dringende Sand ein Verbündeter, der die Makel kaschiert, bis sie letztlich unübersehbar geworden sind, oder ist er viel mehr ein Angreifer, dessen stetiges Bemühen Farbe und Form aus allen Dingen schleift?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es liegt eine Lektion in diesem langsamen Schauspiel, dessen ist sie sich bewusst, während sie dem müden Braunen erlaubt jenem kargen Pfad zu folgen, der einen der begehbaren Wege durch die Wüste beschreibt. Jetzt, in der Stunde gerade nach dem Aufgang der Sonne, flirrt die Luft noch nicht vor Hitze, aber die Geier sind dennoch bereits unterwegs, ziehen ihre Kreise am Himmel als hätten sie auf die einsame Wanderin und ihr abgemagertes Ross gewartet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Heute nicht!&amp;quot; verspricht sie den Aasfressern, die Stimmung noch hell und ungebrochen, frei von der Erschöpfung die jeder Abend bringt und der rastlosen Unruhe wenn die Träume ihr Recht einfordern. Hier, im ersten Licht eines neuen Tages fällt es leicht zu vergessen, was alles beschädigt wurde, leicht über die Makel und Sprünge hinweg zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotte ist vertrauter mit dem Pfad durch die Wüste als er sein sollte, das Erbe einer Zeit vor seiner aktuellen Besitzerin, denn auch wenn Ross und Reiterin wirken, als wären sie ein Paar, das durch Zeit und überstandene Abenteuer zusammengeschweisst wurde, so könnte das kaum weiter von der Wahrheit entfernt sein: Vor kaum mehr als Wochenfrist stand das alte Pferd noch davor sein Ende beim Schlachter zu finden und nur Glück - oder vielleicht das Schicksal - führte ihn mit der nahezu vollkommenen Mittellosigkeit Amralis zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Moment scheinen beide recht zufrieden mit dem Handel zu sein, auch wenn Amrali hofft die Rudel hungriger Wölfe zu vermeiden. Die Zeichen dafür stehen gut: Die Raubtiere wagen sich zwar bisweilen ein Stück in den Sand der Wüste hinein, aber sie scheinen der nie ganz lautlosen, fast unmerklichen Bewegung der Dünen nicht zu trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die Gezeiten der Wüste, die dem Besucher jeden Tag ein anderes Antlitz offenbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne die Wegzeichen ist es leicht sich zu verlieren, allzu einfach die sicheren Pfade zu verlassen, bis die Hitze den Gaumen ausdörrt und der Sand selbst unter den Schritten zu glühen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist es Zeit für die Geier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nicht mit Trotte, der die Wege besser kennt als seine Reiterin und sich selbst überlassen ohne Eile Richtung Nordwest zieht, immer in Sichtweite der fernen Hochebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gibt Amrali mehr Zeit nachzudenken, als ihr lieb sein kann - selbst der unsichere Untergrund erfordert nur ein Minimum ihrer Aufmerksamkeit und Trottes Temperament würde es ihr vermutlich erlauben im Sattel zu schlafen. Wenn die Hitze nicht wäre, natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Moment scheint es so, als wäre Solgard der perfekte Ausgangspunkt: Die Stadt macht einen überaus soliden Eindruck, sicher und aufgeschlossen, auch wenn ihr Teile der vorherrschenden Weltanschauung unbegreiflich erscheinen. Das, so kann sie nur mutmaßen, muss auf verletzten Stolz zurückgehen, auf in der Vergangenheit geführte Auseinandersetzungen, deren Natur sie nur erahnen kann, die ihr letztlich aber auch gleichgültig sind, gleichgültig sein müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt auch Negativpunkte: Die Unterkunft ist .. gewöhnungsbedürftig: die Wände so dünn, dass sie nicht wagt sich dagegen zu lehnen und irgendein Geruch hat sich in den Balken festgesogen, den sie nicht identifizieren kann. Die Nachbarschaft kann bestenfalls als zwielichtig bezeichnet werden, Gerüchten zufolge der Einfluss einer ganzen Anzahl von Einwanderern aus der Unterwelt Nebelhafens, die nun ihre düsteren Geschäfte in die Kanalisation Solgards auszudehnen trachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber all das wiegt für Amrali nur wenig: Allein die Freiheit die Behausung nach Lust und Laune verlassen zu können, die Straßen zu durchwandern, erscheint ihr bereits wie ein seltenes, unverdientes Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein. Nicht unverdient. Niemals unverdient. Niemals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Trotte abrupt verharrt, kehrt auch ihre Aufmerksamkeit zurück in das Hier und Jetzt, zu den bröckelnden Mauerresten voraus. Für einen Moment scheint alles still, ruhig bis auf den stetig gehenden Wind und das fast unmerkliche leise Raunen des bewegten Sandes. Mehr Bewegung unter der Oberfläche, bis sich ein blutiger Schädel an das Licht des jungen Tages schiebt. Kein Fleisch, keine Haut, keine Muskeln oder Haare: Pure Knochen die den Anschein machen von Blut überzogen zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen Moment überwiegt die Abscheu alles, der Magen beginnt sich umzudrehen, noch während der Braune scheut und dann in einem Anflug fast schon jugendlicher Beweglichkeit, steigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu anderen Zeiten, unter anderen Umständen, hätte es Amrali keine Mühe gekostet das Tier unter Kontrolle zu bringen, sich im Sattel zu behaupten. Aber alles ist neu dieser Tage und sie fällt, landet ohne Eleganz im Sand, kommt gerade noch rechtzeitig auf die Füße um die Klinge zwischen sich und die blutbedeckten Klauen des Untoten zu bringen. Die Knochen splittern, aber formen sich neu unter der fluiden Umhüllung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sorge weicht. Die Ungewissheit flieht, während der Herzschlag sich beschleunigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier zumindest ist einfach: Leben oder sterben.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Egel|CONTENT=&lt;br /&gt;
Das Tropfen im Halbdunkel ist stetig, das unaufhörliche Glucksen eines einzelnen, in einen stillen Teich fallenden Tropfens. Irgendwo im Hintergrund kann ein scharfes Ohr das Rauschen entfernter Brandung hören und Amrali erinnert sich an diese Kaverne, erinnert sich an die Unwirklichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Ort ist ein Symbol, heraufgeschworen aus endlosen, zermürbenden Beschreibungen, detailliert auch in Details, die sich im Zwielicht dem Auge entziehen sollten. Es gibt keine Lichtquelle, und dennoch ist es nicht vollkommen finster. Es gibt kein Hinein und kein Hinaus, aber dennoch scheint der Wind sich zu bewegen, bringt den Geruch von Salz und Tang mit sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas regt sich sich im nachtdunklen Wasser - der bleiche Leib eines armdicken Egels, dessen dicker Kopf augenlos nach etwas sucht. Es wird nicht lange dauern, bis er ihrer gewahr wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Es ist ein Traum. Nur ein Traum. Ich muss aufwachen, das ist alles.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das Herz schlägt ihr bis zum Hals und sie folgt dem allzu vertrauten Diktat einer vorherbestimmten Handlung, weicht zurück bis sich kalter, feuchter Stein in ihren Rücken presst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Egel ist nun nah, pendelnd, als würde er noch immer suchen, bevor sich die unförmige Mundöffnung ausrichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Berichte mir von deinem Glauben. Mit welchen Riten wird der Tag begonnen, mit welchen Riten endet er? Du musst mir etwas geben. Ich bin hungrig ..&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte Wort ist unverständlich, ein Sausen im Verständnis, als hätte der Wind die Silben gepackt und fortgeweht. Aber sie begreift dennoch mit einer Klarheit, die aus Erinnerung gespeist wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Das war mein Name.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie die Augen öffnet, findet sie sich in Solgard, auf dem armseligen Lager in der windschiefen, baufälligen Hütte im Hafen, jenem Platz, den sie seit wenigen Tagen eine Heimstatt wendet. Nicht viel - aber genug. Das bis zum Hals klopfende Herz beruhigt sich nur langsam, sucht nach Halt, nach Stabilität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Jagdgruppe am Abend, eine Menge unvertrauter Gesichter, aber eine Verbundenheit darin wie das Echo von etwas vor langer Zeit Verlorenem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich habe dir gesagt, ich finde dich in deinen Träumen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stimme ist zu vertraut, von einer täuschenden Süße wie Sirup über bitterem Gift und viel zu nah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann erwacht sie ein weiteres Mal, dieses Mal in die Stille der Heimstatt, ungestört. Für lange Minuten lauscht sie den Geräuschen des Viertels, unfähig zu entscheiden, ob das nun real ist, oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Stunden später ist diese Sicherheit noch nicht vollkommen da.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Angelmar|CONTENT=&lt;br /&gt;
Vor 6 Jahren ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist heiß in Maethrin, die Sonne unerbittlich und so war es schon vor der Feier des Sommerfestes, das nun bereits Monde zurückliegt. Schon damals duckten die Alten sich in die Häuser aus dunklem Lehm mit kreidebemalten Wänden, froh der Hitze zu entkommen. Aus dem Schatten heraus warnten sie vor dunklen Zeiten, die stets der erbarmungslosen Glut der Sonne folgen. Dieser Art ist die Weisheit der Priesterinnen: Auch wenn die Sonne Kraft gibt, auch wenn sie der Ursprung, der Anfang und die Vollendung des Lebens ist, so verbrennt sie doch auch das Grasland, lässt die Erde aufspringen und Flüsse versiegen. Darin liegt eine Warnung vor kommendem, drohendem Unheil. Wo die Sonne ungezügelt herrscht, da muss das Leben weichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war es einst. So wird es wieder sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tradition ist stark in der Stadt, wachgehalten in Erzählungen, in Mahnungen, in Weisungen und Forderungen. Die Jungen, gerade alt genug, um als Erwachsene zu gelten, scheren sich darum wenig: Sie hüllen sich in unerschütterliches Selbstvertrauen, im Stillen überzeugt, dass gerade sie die Welt zu einem anderen, besseren Ort machen werden, dass all diese Gedanken noch niemand vor ihnen gedacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind, wie die Älteren mit einem Lächeln vermitteln, Idioten, deren Hirn nicht mit dem Wachsen ihres Körpers schritthalten konnte. Hinter diesem Urteil verbirgt sich dennoch ungetrübte Zuneigung: Jene, die in Maethrin leben, fühlen sich verbunden. Ausnahmslos. Und Weisheit ist das Privileg jener, die überlebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali ist eine dieser Jungen: Zufrieden mit sich und der Welt, gänzlich überzeugt alles wirklich Wichtige bereits verstanden, schon vor Jahren verinnerlicht zu haben. Sie kennt die Gebete, sie ist vertraut mit der Routine der Wachen und beteiligt sich bei der Jagd mit ungezügeltem Eifer. Pflicht ist bei all dem so natürlich wie Atemzüge, Teil einer über die Jahre gewachsenen Identität. Aber sie ist, wie all die anderen jungen Erwachsenen ihrer Gruppe, im Herzen ein heimlicher Rebell, immer dabei die Grenzen der Regeln zu erproben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche sind darin vorsichtiger als Andere. Einige werfen sich in Ärger mit dem überschwänglichen Enthusiasmus eines Honigdaches. Amrali ist schlau genug nicht offen gegen Mauern zu laufen, die Autorität nicht offen herauszufordern. Sie findet andere Wege um Beschränkungen herum und wird noch lernen, das diese vermeintliche Klugheit auch nur eine besondere Form von Dummheit ist. Zu spät, natürlich. Manche Warnungen haben in Form von Worten schlichtweg kein Gewicht. Und einige hören nicht eher, als bis man ihnen die Ohren abschneidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber zurück zu Maethrin, die über dem Grasland thront auf zerklüfteten Felsen, Ausläufern eines im Norden dräuenden Gebirges, dessen langgliedrige Glieder sich wie steinernen Knochen durch die gesamte Steppe ziehen. Immer wieder einmal brechen sie durch die Oberfläche, formen meilenlange, wenn auch flache Täler in denen sich nach heftigen Regenfällen das Wasser zu Seen sammelt, die nicht viel später erst versumpfen, dann gänzlich austrocknen. Das ist Teil eines ewigen Kreislaufes der mit den Jahreszeiten ebbt und schwillt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer dieser Sumpfseen ist groß genug, dass er in Menschengedenken nie austrocknete und an seinem Ufer findet sich eine Ansiedlung, kaum zwei Reitstunden von Maethrin entfernt. Was als Anlauf- und Umschlagpunkt der Jäger und Fallensteller des Graslandes, der Holzfäller und Kähler der westlichen Wälder begann, wuchs im Laufe der Zeit ganz ähnlich wie Maethrin auch, aber in ganz anderer Weise: Angelmar ist keine Festung, sondern eine schmucke Stadt ohne Mauern, die in das Umland hinein wuchert, teilweise finden sich auf Pfählen stehende Häuser sogar im Uferbereich selbst. Gebaut wird fast ausschliesslich mit Holz, zumindest unter jenen, die es sich leisten können, nur in den ärmeren Bezirken wird auf den dunklen Lehm zurückgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, im dritten Mond einer beispiellosen Dürre ist der See weit genug geschrumpft, dass diese Häuser auf dem Trockenen stehen, ihre Pfähle ragen wie dürre, armselige Hühnerbeine in die aufgerissene Erde, die einmal schlammiger Grund war. Ruderboote liegen auf dem Trockenen, gestrandet, oder eine gute Laufstrecke entfernt, dort wo die Wasserfläche wieder beginnt. Es sind mittlerweile lange Fußwege für die Fischer und Aalstecher und ihre Stimmung reflektiert nur einen Teil der Sorgen und der wachsenden Nervosität der unruhigen Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einiges davon richtet sich auch in Richtung Maethrins, der Wehrhaften, der Wohlhabenden, mit den eigenartigen Sitten, über die mal mehr, mal weniger offen gewitzelt wird. Gewöhnlich mit einem gutmütigen Unterton, immerhin lässt sich eine gute Münze mit dem Handel verdienen. Heute, während Amrali durch die breiten Straßen wandert, den Bahnen folgend, die für den Transport von Baumstämmen zur Verschiffung gezogen wurden, hört sie mehr Feindseligkeit als gewöhnlich in den Bemerkungen, mehr Anspannung. Die Worte schmecken nach Furcht. Nach Neid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr Gerüchte kursieren auf den Straßen: über verborgene Brunnen, über tiefe Wasser im Stein unter Maethrin, darüber dass zu tief gebohrt wurde und nun das Wasser aus der Steppe sickert. Darüber, dass die Anwohner Maethrins allesamt Anbeter der sengenden Sonne seien und darum Schuld an der Dürre trügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einiges davon ist so absurd, dass sie an sich halten muss, nicht zu lachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie bekommt auch Wahrheiten zu hören: Dass die großen Herden nordwärts getrieben wurden in Richtung der Berge und das Geschäft der Jäger und Fallensteller für dieses Jahr ruiniert sein werde. Oder dass Maethrin seine Tore für alle Fremden geschlossen habe. Niemand, so verheissen die Gerüchte, wird Zuflucht in der Stadt finden, deren Anwohner keinen Durst zu leiden hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das, so weiss Amrali mit gänzlicher Gewissheit, ist Fakt: Sie war dabei als die neuen Weisungen für die Wachen ausgegeben wurden und sie erinnert sich auch an andere, damit einhergehende verbindliche Anweisungen: Keine Alleingänge mehr - selbst auf der Jagd müssen es immer mindestens zwei sein. Und keine Besuche der Städte mehr: Nicht Denkenfurth, nicht Grauburg, nicht Leuenstich und nicht Angelmar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist natürlich das besorgte Gerede der Alten, deren Lebenszeit nicht etwa zu einem Übermaß an Mut, sondern stattdessen zu einem Übermaß an Vorsicht führte und Amrali ist perfekt in der Lage selbstständig über ihre Sicherheit zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was soll schon passieren? Sie trägt eine vertraute Waffe und ein Lächeln, dessen Offenheit gänzliche Zuversicht vermittelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was gegenüber den Alten als Jagdausflug auf der Suche nach Wollnashörnern verkauft wurde, hat in Wahrheit zwielichtige Keller zum Ziel, vielleicht sogar eine der Arenen, wo unter dem Geschrei der Besucher mehr um Gold als um Ehre gekämpft wird. Unter der Oberfläche Angelmars mit seinen biederen Fassaden erstreckt sich ein Basar voller Farben und Verheissungen, bis zum Bersten gefüllt mit Verlockungen und Künsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur noch heute, das ist das stumme Verständnis der kleinen Gruppe, die Amralis Bitten, Versprechungen und Verheissungen folgte. Nur noch heute vor einer langen Zeit der Isolation hinter den Mauern Maethrins mit allzu vertrauten Gesichtern und allzu vertrauten Verhaltensweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier, so entschied sie, kam einem Abenteuer so nah, wie es nur möglich war ohne eine Klinge zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nacht ist bereits dabei dem ersten Licht des Tages zu weichen, aber davon ist in den verbundenen und mit Tuch behangenen Kellern nichts zu bemerken. Dennoch: Die Gruppe ist ermüdet, überreizt und selbst das Geschick der Feuergaukler wird nach einer Weile vorhersehbar und öde. Karten, Würfel, Duelle, das Stöbern zwischen sich biegenden Regalen nach Kleinigkeiten wundersamster Handwerkskunst, die hier für kleine Münze verramscht werden. Die Nervosität, so denke sie, hat einen Weg nach hier unten gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist, wenn Amrali sie das erste Mal sieht, durch einen noch immer mit Menschen überfüllten Raum. Dunkelbraunes, glattes Schopfhaar, das offen getragen bis weit über die Schultern fällt, eisengraue Augen, blasse Wangen. Eine schwere Robe, über deren Oberfläche sich Silberfäden ohne erkennbare Ordnung winden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Wie Würmer.&#039; denkt sie im ersten Moment, halb fasziniert und halb belustigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann spürt sie es: Wie das Echo eines fernen Rufs, ist da .. etwas. Fremd und gleichzeitig vertraut, ohne das sie die Hand darauf legen könnte. Es ist das Gegenteil von angenehm: Binnen eines einzigen Lidschlags sträuben sich all ihre feinen Nackenhärchen und der Instinkt reagiert, bevor der Verstand aufschließt: Die Waffe liegt in ihrer Hand, noch bevor die Fremde die Stimme hebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Lasst sie nicht entkommen. Und beschädigt sie nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Preis der Freiheit|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Freiheit, das lernt Amrali mit einiger Überraschung, ist teuer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte vielleicht kein Wunder sein, aber sie muss sich eingestehen, dass die Vergangenheit sie nicht auf diese banale Erkenntnis vorbereitet hat: Das Leben in Maethrin war in einer Art und Weise organisiert, in der die Verantwortungen ganz selbstverständlich geteilt wurden - eine große Gemeinschaft, vereint im Großen, auch wenn es im Kleinen durchaus Reibepunkte gab. Und in der Zeit nach Maethrin ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gedanken zucken ganz unwillkürlich zurück vor den Erinnerungen, als würde sich ihnen zu stellen, sie auch nur anzublicken, ihnen bereits Macht verleihen. Dafür sorgen, dass sie präsenter werden, deutlicher. Wahrhaftiger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch ertappt sie sich dabei den Blick zu wenden, die Winkel der armseligen Bretterbude zu prüfen, die sie dieser Tage ihre Heimstatt nennt. Nichts Unerwartetes präsentiert sich den Sinnen, auch nichts, was Anlass gäbe aufzuspringen um zwischen Kampf oder Flucht zu wählen: Die Balken sind schief, die Bretter verzogen, so dass zu jeder Tagesstunde das Licht der Sonne in dünnen Streifen eindringt, gnadenlos auf Staub oder Spinnweben hinweisend. Die Einrichtung ist so karg als wäre das hier eine Zelle: Eine Lagerstatt aus Stroh, Ausrüstung in Griffweite gelagert, ein kleiner, wackeliger Tisch zwischen der Schlafstatt und der Türe, beladen mit Kleinigkeiten und Krimskrams.&lt;br /&gt;
Aber: Es ist keine Zelle. Es ist die Freiheit und diese hat ihren Preis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz konkret: 10 Groschen jeden Morgen, zu zahlen an Harim, der aus irgendeinem für Amrali gänzlich unverständlichen Grund in der Kanalisation der Stadt haust. Zweimal war sie in der Zwischenzeit selbst dort unten, aber die engen, feuchten Tunnel erinnern sie zu sehr an frühere Erlebnisse, an einen Kampf in fast lichtloser Dunkelheit und die Narben, die ihr linker Arm seitdem trägt. Und dort unten Rattennester auszuräuchern machte ohnehin soviel Mühe, dass die schmale Bezahlung kaum die aufgewendete Zeit wert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Preis der Freiheit bedeutet für Amrali, dass die Unterkunft bezahlt werden muss, dazu kommen Kleinigkeiten wie sauberes Wasser, Obst und Fleisch wenig zweifelhafter Herkunft. Sie hat, das muss sie ernüchtert anerkennen, wenig nützliche Talente abseits der Fähigkeit mit einem scharfen Stück Metall Löcher in fremde Haut zu bohren oder zu schneiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch diese Fähigkeit hat aber ihre Grenzen: Die hünenhaften Einaugen, die auf einer sandigen Halbinsel Krieg gegen ein Volk gigantischer Insekten zu führen scheinen, sind nicht sonderlich schnell und von einem echten Verständnis der Feinheiten des Kampfes weit entfernt, aber sie sind groß, stark und zäh. Das ist genug, um Amrali öfter zur Flucht zu treiben. Zurück bleiben dann blaue Flecken, Prellungen und Quetschungen, dazu gesprungene Ringwehr und verbeulte Panzerung, selbst die alte Klinge, die seit dem zweiten Tag auf dieser Insel ihr treuer Begleiter war, verbiegt sich unter der eingesetzten Gewalt und die hineingeschlagenen Scharten lassen den Schmied ein um den anderen Tag den Kopf schütteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Du musst achtsam sein mit deiner Ausrüstung, Mädel!&amp;quot; tadelt er ohne aufzusehen und Amrali schluckt die scharfe Replik herunter. Die Gewohnheit macht die Irritation nicht geringer: In Maethrin wäre alles anders gewesen. Und der Preis für die Pflege und Instandsetzung der mitgenommenen Ausrüstung lässt es so wirken, als würde jeder Ertrag der eingegangenen Risiken dahinschmelzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich gibt es auch in Solgard Gemeinschaften, die solche Bürden und Herausforderungen gemeinsam stemmen, aber sie ist kein Bestandteil dieser Familien oder Interessenverbände, der Glaube an den Herrn ist ihr noch immer fremd, auch wenn sie sich angewöhnt hat in dessen Namen zu grüssen. Vielleicht wäre Wachdienst eine Möglichkeit, aber sie scheut ganz instinktiv vor dem Gedanken zurück sich so fest zu verpflichten.&lt;br /&gt;
Dazu kommt etwas, was sie sich im Licht des Tages kaum eingestehen will, aber mit der Ankunft der Dämmerung ungebeten, aber zuverlässig, den Weg in die Gedanken findet: Sie ist einfach nicht, was sie war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das lässt sich an Äusserlichkeiten festmachen: Der Blick in den Spiegel zeigt ihr noch immer ein fremd anmutendes Gesicht mit eingefallenen Wangen und tief liegenden Augen, das glühende Versprechen jugendlicher Vitalität verblasst. Der einst weit über die Schultern fallende Schopf wurde zum Opfer des Messers der Levinerinnen und auch wenn die Haare dabei sind nachzuwachsen, wird es noch Jahre brauchen, bis sie - wenn überhaupt - ihre vormalige Länge wieder erreicht haben. Umso deutlicher treten die Narben hervor, vertraut wie ein alter Schmerz beim Wechseln des Wetters, sie alle Zeugnisse von Fehlschlägen, von Schande.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine im Kampf erworbene Verletzung kann Ehre bedeuten. Aber nicht diese: Die einzige Geschichte dahinter ist eine, die besser unerzählt bleibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von all den äusserlichen Veränderungen als Tribut an die verstrichenen Jahre, sind da aber auch die .. anderen Dinge. Einige davon sind schwierig zu greifen: Mangelnde Trittsicherheit gegenüber vorher perfekter anmutender Balance. Ermüdung nach zwei Dutzend Schlagwechseln, wo sie früher Runde nach Runde in der Arena durchhielt. Der brennende Schmerz erlahmter Muskeln und das Gefühl bleierner Schwere am nächsten Morgen. All das kann sich auf die Gefangenschaft, auf die Krankheit zurückführen lassen.&lt;br /&gt;
Anderes dagegen ist so offensichtlich, dass sie davor zurückzuckt, wie vor einer offenen Wunde: Das Vergessen, die Unfähigkeit die richtigen Worte zu finden, das absurde Gefühl von Fremdheit mit jedem Satz, eingerahmt in das instinktive Begreifen: Das ist nicht meine Muttersprache.&lt;br /&gt;
Aber wo diese Vertrautheit sitzen sollte, ist nur ein Loch, eine Wunde wie von einem herausgerissenen Zahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Teil des Preises der Freiheit ist diese Gedanken zu haben. Es liegt ein Luxus darin zu trauern, sinniert sie, während sie durch die Strassen und Gassen Solgards streift, ruhelos wie ein zum ewigen Spuk verurteiltes Gespenst. Wer um das Leben kämpft, dessen Begreifen ist reduziert, auf das Notwendigste reduziert. Für Bedauern und Reue benötigt es Sicherheit.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Solgards Versprechen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Veränderung kommt mit so schleichender Subtilität, dass Amrali auch im Nachhinein den Moment nicht zu fassen bekommt: Wann hört eine fremde Stadt auf, wirklich fremd zu sein?&lt;br /&gt;
Selbst die Silhouette der Kathedrale, die sie bis jetzt gemieden hat - nicht aus Ablehnung der Lehren des Herrn, sondern wegen instinkter Scheu - erscheint plötzlich weniger unversöhnlich, weniger wie ein aufstrebendes Symbol emporstrebender Macht als mehr wie das Glimmen eines Leuchtturms, der einen sicheren Pfad verheisst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namen fügen sich mit Gesichtern ganz allmählich zu Geschichten zusammen, erschaffen Identitäten mit Hoffnungen und Würden, mit Titeln und Befindlichkeiten. Vertrautheit hat nicht nur angenehme Seiten: Der Hafen ist auch in Solgard ein rauhes Pflaster, selbst für eine Frau die einem Streit ungern aus dem Weg geht. Aber wenn die Zeit der Gefangenschaft sie eines lehrte, dann das das Diktat des Stolzes nicht unverletzlich sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das, so sinniert sie, während sie den gewundenen Gassen in Richtung der armseligen Bretterbude folgt, die sie dieser Tage eine Heimstatt nennt, ist etwas was mit den Lehren der Alten kollidiert, was scharfe Zurechtweisung einfordern würde. Aber Solgard ist nicht Maethrin und Amrali ist keine junge Kriegerin mehr, selbstüberzeugt bis zur Arroganz, stets bereit sich mit einem Lächeln in jede Herausforderung zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Ich habe überlebt. Aber die Narben bleiben.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke ist bitter und für einen langen Moment wird ihr die Kehle eng, wenn sie zurückdenkt an ihre Schwestern und Halbschwestern, an den Kreis der eine Familie formte, auch wenn die Bande des Blutes in Maethrin nicht viel bedeuteten. All das zerbrach: Nicht erst mit dem Richtwort in der Arena und der Streichung eines Namens aus dem Buch der Seienden, sondern schon zuvor, in jener Nacht als der geheime, rebellische Ausflug im Desaster endete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;So ganz allein unterwegs.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufmerksamkeit gibt die Vergangenheit los und springt in das Hier und Jetzt, fliegt über die vier Halbstarken hinweg, die den weiteren Weg durch die Gasse mit betont lässiger Haltung versperren. Zwei Messerträger, eine mit Nägeln versehene Keule, der Wortführer trägt ein Kurzschwert das bereits bessere Tage gesehen hat. Aber die Klinge wirkt scharf, gut gepflegt, auch wenn die Haltung des jungen Burschen keinerlei Schulung erkennen lässt.&lt;br /&gt;
Der Rückweg ist frei, was Bände für die Erfahrung der zusammengewürfelten Gruppe spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herzschlag beschleunigt sich und Amrali spürt es: Eine Mischung aus Ungeduld und Verlangen, den fast unbezähmbaren Wunsch augenblicklich in die Offensive zu gehen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie den Wortführer überwältigen und dessen Waffe an sich nehmen kann, bevor seine Kameraden auch nur geblinzelt haben. Keine Herausforderung, sofern sie den ersten Angriff überlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie zögert und das könnte auf dem Schlachtfeld den Tod bedeuten. Es könnte auch hier, nur zwei Dutzend Schritt von ihrem Heim entfernt, das Ende sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Gebt den Weg frei.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie spricht keine Drohung, aber die Verheissung einer solchen findet sich im Klang der Stimme, eingebettet darin wie solider Stahl in eine Schwertscheide. Vier Augenpaare blinzeln, rekapitulieren, wägen Möglichkeiten, Risiken und Wahrscheinlichkeiten ab.&lt;br /&gt;
Drei von ihnen entscheiden sich für einen Rückzug, aber in der Miene des Wortführers findet Amrali den Konflikt, die Notwendigkeit das Gesicht vor den Kameraden zu wahren, die Unmöglichkeit einfach klein beizugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Angriff!&#039; befehlen ihr alle Instinkte und dieses Mal ist es eine bewusste Anstrengung die Finger ruhig zu halten. Das hier ist keine Herausforderung, sondern eine Tragödie. Kein Ruhm, nur Blut, das der nächste Regen von der Strasse wischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Habe ich Euch nicht gebeten diese Gasse zu meiden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gereizten Instinkte protestieren gegen den Klang der Stimme, gegen die Ahnung einer in ewiger Feuchtigkeit gefangenen Gruft, gegen schimmelschwarze Wände, deren ursprüngliche glatte Fläche pockennarbig erscheint. Harim ist einen guten Kopf kleiner als Amrali, aber massig genug für vier Männer, aufgedunsen wie eine Wasserleiche nach einer Woche in einem vergessenen Hafenbecken. Schweiss glänzt auf dem kahlen Schädel des Mannes, dessen eines blindes Auge sich besser auf die vier Burschen zu fokussieren scheint, als das noch funktionierende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Geruch, das nehmen die Sinne ganz nebenbei mit, noch während sie sich fragt, welche Autorität ihr Vermieter hier führt. Nach allem was sie weiss, ist er ein in der Kanalisation hausender Sonderling, nur einen einzigen schlechten Tag davon entfernt von Maden gefressen zu werden.&lt;br /&gt;
Aber die Frage ist genug, um die Spannung zu brechen und die vier Möchtegernbanditen flüchten ohne einen Blick zurück, entschwinden in Richtung der Docks und Kaimauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Teil Amralis ist bitter enttäuscht, begehrt in heiss glühendem Zorn auf gegen die Einmischung von aussen, gegen den Beistand durch diesen .. Mann. Ein anderer Teil ist erleichtert. Ein dritter ist angeekelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich hätte Eure Hilfe nicht gebraucht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das blinde Auge des fetten Mannes starrt an ihr vorbei, aber das andere konzentriert sich tatsächlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich weiss.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Erklärung und am Ende ist es Amrali die den Blick senkt, beunruhigt, aus dem Gleichgewicht gebracht, erschüttert auf eine Art und Weise, die sie nicht in Worte fassen kann.&lt;br /&gt;
In der halbherzigen Abgeschiedenheit der kargen Heimstatt atmet sie schliesslich durch, prüft jede Ecke und entzündet eine ruhig brennende Öllampe, seit dem ersten Abend ein verlässlicher Begleiter. Ihr Licht hält die Dunkelheit im Zaum als Amrali in den Schlaf gleitet und in düstere Träume von engen Gängen und endlosen Fluchten, die letztlich alle wieder zum Anfang zurückkehren.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Unter grünem Schatten|CONTENT=&lt;br /&gt;
Amrali ist keine Gelehrte und sie weiß nichts über die Geschichte dieser Region, kennt nicht den Ursprung der bröckelnden Ruinen, die hier und dort noch durch das Grün brechen oder gänzlich freigelegt daliegen, wie Knochen einer längst verblichenen Bestie, an die sich kein Aasfresser wagte. Umso mehr spürt sie abergläubische Scheu und Verwunderung beim Anblick des einen, fast schon verwunschen anmutenden Turms, der sich wie ein vergessener Grenzposten an die Ausläufer des Gebirges anlehnt, aber dennoch im Dschungel wurzelt. Dort, daran hat sie keinen Zweifel, können nur die absonderlichsten Gestalten hausen: Ausgestoßene und Sonderlinge, verrückte Propheten und kaltblütige Kehlenschneider, deren fremdartige Gelüste sie gezwungen haben, ein Obdach fern der Zivilisation zu wählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So oder so: Sie meidet es, sich diesem Bauwerk zu nähern, während sie fluchend und den Griff der Waffe fest umklammert trügerischen Wegen folgt. Nichts hier ist sicher, alles scheint in Bewegung. Der ohrenbetäubende Lärm um sie herum besteht aus den heiseren Schreien von Jägern und den oft noch schrilleren Antworten von Beute, wobei die Rollen nicht immer so klar sind, wie sie es sein sollten. Sie ist sich nur zu bewusst, dass sie selbst Interesse geweckt hat: Nach einer kurzen Konfrontation bleibt ein Bündel Wegzehrung zurück, wie ein Tribut für den Tümpel und die dort hausende, nur aus Panzerung und Zähnen bestehende Kreatur. Andere Angreifer sind subtiler: Schwärme von Moskitos, deren stetiges aggressives Summen an ihren Nerven zehrt, Blutegel, die mit abstoßender Agilität unterwegs sind und, einmal festgeklammert, nur mit Blutzoll wieder zu lösen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali ist froh, als der Dschungel hinter ihr zurückbleibt, das grüne Dach sie endlich freigibt. Die aufragenden Schluchten voraus bergen ihre eigenen Gefahren, aber ihre greifbare Solidität ist etwas, dem sie sich eher gewachsen fühlt. Dennoch, das muss sie zähneknirschend einräumen, als sie den Zustand der guten, erst wenige Tage alten Lederstiefel prüft: Es könnte sein, dass dieser Auftrag sich zu einem schlechten Geschäft entwickelt. Eine gute halbe Meile zurück stolperte sie in ein sich unversehens unter ihr öffnendes Sumpfloch, bis dato verborgen unter einer Schicht gammelnder Blätter, die eine nicht vorhandene Verlässlichkeit vortäuschten. Und nun ist das Leder dabei, sich langsam, aber erkennbar aufzulösen – ein Anblick, der Amralis Haut zum Jucken bringt. War das überhaupt Wasser? Es fühlte sich … warm an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie schlägt ganz instinktiv ein Schutzzeichen, eine Geste, die ihr in Fleisch und Blut übergegangen ist, auch wenn sie die dazu passenden Worte des Gebets, der Anrufung, nicht mehr zusammenbekommt, und verdrängt den Gedanken, zieht weiter in Richtung der sich nach der Schlucht öffnenden Wälder. Auch das ist nicht ideal, denn Amrali bevorzugt einfach die vertraute Weite – aber es ist besser. Zumindest theoretisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Praktisch geben ihr die beschatteten Pfade zu viel Zeit zum Nachdenken. Damit einher geht die unangenehme Einsicht, dass die Tagelöhnerei einfach nicht ausreicht, dass es Gründe gibt, warum gute Münze für teils absurd anmutende Aufträge bezahlt wird: In den meisten Fällen ist so viel Mühe und Aufwand damit verbunden, dass es sich kaum lohnt. Was sie braucht, ist eine solidere Basis, feste, einschätzbare Verpflichtungen mit ebenso fester, einschätzbarer Vergütung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gibt es in Solgard einige Möglichkeiten: Die Stadtwache ist eine offenkundige Option, aber diese Form der Verpflichtung erscheint Amrali ein wenig zu strikt – vor allem nach einigen wenig schmeichelhaften Bemerkungen über die Ödnis des Wachdienstes. Vielleicht gäbe es auch einen Platz bei der Kirche des Herrn, aber bis jetzt weiß Amrali nur sehr wenig über den Glauben, und ein Teil von ihr kann nicht anders als zurückzuschrecken. Kompromisse und Anpassung sind das Eine. Aber die Form – nicht unbedingt der Inhalt – des Glaubens widerspricht allem, womit sie aufwuchs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt noch andere Optionen, und darüber denkt sie nach, während sich um den Waldweg herum eine Lichtung öffnet. Mit der Sonne kommt die Wärme, vertreibt die letzten Reste klammer Feuchtigkeit aus den Gliedern, aus den Fransen des abgerissen wirkenden Umhangs. Zlata könnte wissen, wer jemanden braucht, der keine Scheu hat, sich auch einmal die Hände schmutzig zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke lockert Amralis Stimmung auf und für eine Weile sind die Alpträume fern, unwirklich.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Solgards Träume|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Tage reihen sich für Amrali aneinander wie die Glieder einer Kette, gefüllt mit Aufgaben, die ihr kaum einen Moment zur Besinnung lassen. Zu anderen Zeiten lag sie für Stunden wach, hadernd und grübelnd, ungewiss über Vergangenheit, Zukunft und erst recht Gegenwart, aber zumindest das ist eine Bürde, die sich dieser Tage nicht zeigt: Die Abende sind gefüllt mit bleischwerer Erschöpfung, mit einem Lösen von über den Tag aufgebauter Spannung, die ihr kaum genug Zeit lassen, sich auf das karge Strohlager der Bettstatt zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Träume sind - natürlich - unvermeidlich, präsent wie Gestank in den Tiefen der Kanalisation und genauso widerlich. Das, so seltsam der Gedanke auch ist, erscheint fast wie Routine, die Amrali an eine eigenartige, nur halb erinnerte Geschichte erinnert, in der ein Bäcker seine Katze zum Auswischen des heissen Ofens verwendete, immer unter Nennung des gleichen Satzes: &amp;quot;Nur, bis du es gewohnt bist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Pointe, vielleicht auch die Lehre der Geschichte ist schon lange verloren, mit den Jahren in formloses Dunkel abgetaucht, in dem nun, wie eine einsame, vergessene Insel, diese eine Szene noch immer beharrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nur, bis du es gewohnt bist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Flüstern hängt noch in der Luft, während sie ganz zu sich findet, aus dem Traum gerissen wie so oft durch ein Übermaß an Entsetzen. Schon jetzt, noch während das Herz bis zur Brust hämmert, verwirren sich die Traumgesichte in zusammenhanglose Fetzen, driften auseinander wie Rauch. Das Einzige, was wirklich erscheint, sind der kalte Schweiss auf der Stirn und ein stechender Schmerz im linken Arm, auf den sie im Schlummer gerollt sein muss. Selbst im matten Licht der niedrigen Talgkerze sind die Narben dort sichtbar, stumme Zeugnisse für einen vergeblichen Kampf und eine schamvolle Niederlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist, wie sie zugeben muss, während sie die Hand öffnet und wieder schliesst, an sich ein Wunder, dass ihr die Gliedmasse überhaupt blieb, dass die Finger so präzise greifen wie eh und je. Der Schmerz bei jedem Wetterwechsel und die Schwäche, die es ihr dieser Tage nicht länger erlaubt, einen Bogen zu führen, sind, nüchtern betrachtet, ein kleiner Preis, eine Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Aber es fühlt sich nicht so an. Es ist immer einfacher das zu betrauern, was man verlor, als das zu schätzen, was man noch hat.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gewöhnlich ist die Müdigkeit nach diesem ersten, jähen Auffahren geflohen, aber das bannt die Schwere nicht aus den Gliedern: Der Körper benötigt Ruhe, damit er bereit ist für das nächste Tagewerk. Dennoch weiss Amrali, dass es ein halbes, vielleicht ein ganzes Wassermass brauchen wird, bis die Erschöpfung die momentane Aufregung überlagert und ihr erlaubt, erneut zur Ruhe zu finden und so ist das Nächste auch längst eingeprägte Gewohnheit: Aufstehen. Das Talglicht prüfen. Ein wenig Wasser, um den kalten, nun schon getrockneten Schweiss fortzuwaschen und dann hinaus auf die selbst zu dieser Stunde nicht gänzlich schlummernden Straßen Solgards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg ist nicht weit, die flackernden Lichter der Bollwerkszunft reichen noch fast bis zum Stückchen Strand, an den sie sich hockt und in eine Decke gewickelt gen Süden starrt über die offene, rollende Oberfläche des Meeres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Monate sind es nun, seitdem sie gar nicht weit von hier entfernt aus den Wellen kroch, entkräftet, aber lebendig, die Ketten noch an Hand und Fußgelenken. Vor dem inneren Auge kann Amrali das Gespenst ihres eigenen Ichs sehen: Abgemagert, erschöpft, dem Tode näher als dem Leben und doch: Hoffnungsvoll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zeit brachte neue Bekanntschaften, neue Verpflichtungen: Die Farbe auf dem Bürgerbrief ist noch frisch, das Siegel unter dem Dienstvertrag mit der Axiom-Gesellschaft dagegen hat schon einige Wochen gesehen. Das Schopfhaar ist nicht länger so kurz, wie es von den Levinerinnen geschoren wurde, und das bringt seine eigene Fragestellung mit sich, eine über die nachzudenken die erschöpfenden Tage noch keine Zeit, keine Ruhe ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht jetzt, hier am Strand Solgards, während sich von West ein lichtlos fahrendes Schiff nähert, kaum mehr als eine Nussschale mit gestrichenen Segeln, bewegt durch ein Halbdutzend ambitionierter Ruderer. Schmuggler, höchstwahrscheinlich. Aber Amrali ist nicht neugierig genug, um sich die Frage zu stellen, was es wert ist, des Nachts heimlich befördert zu werden. Sie verfolgt einfach die langsame Vorwärtsbewegung des Schiffes, lauscht auf das Platschen der Ruder, bis die Dunkelheit das kleine Gefährt wieder schluckt. Sie ist nicht ganz sicher, ob es wirklich da war oder nur eine Ausgeburt der Träume, der Schatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke treibt die Müdigkeit zurück und für lange Minuten beobachtet sie einfach nur, sucht nach Diskrepanzen oder Sprüngen, nach Abweichungen, die ihr verraten könnten, dass sie in Wahrheit noch immer schläft, vielleicht friedlicher als vermutet. Der Wind fühlt sich real an. Genauso der Sand in den sich die bloßen Zehen bohren. Aber das hat nichts zu bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit, während sie bereits spürt, dass es bald Zeit ist in die baufällige Bretterbude zurückzukehren, die sie dieser Tage eine Heimstatt nennt, streifen die Gedanken ein nur wenige Tage zurückliegendes Gespräch über Respekt, Anerkennung und das Erproben, Überschreiten von Grenzen. Ein bitterer Anlass, geschaffen aus einem weiteren, nicht einmal registrierten Makel. Aber nicht das ist es, was sie fesselt, sondern das Ende, die finalen Worte und die unerwartete Wärme, die auch nun aufsteigt. Etwas, was an früher erinnert, an leichtfertige, für selbstverständlich genommene Vertrautheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Es ist immer einfacher das zu betrauern, was man verlor, als das zu schätzen, was man noch hat,&amp;quot; erklärt sie dem stetigen Wind, der die Worte gleichgültig mit sich nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Farbe des dräuenden Morgens ist bereits am Horizont zu erahnen, als Amrali letztlich wieder zur Ruhe findet.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Bronze und Blut|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die sanften Hügel des Steppenlandes sind mittlerweile vertrautes Terrain und jederzeit eine willkommene Abwechslung nach den erschöpfenden Dünen der harschen Wüstenlande. Auch Trotte schlägt, ohne dazu genötigt zu werden, einen rascheren Schritt an, ohne Zweifel bereits die Oase witternd, die sich derzeit noch dem direkten Blick entzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist, wie Amrali zufrieden feststellt, aufgeblüht: Das Tier, das vor bald einem viertel Jahr noch kurz davor stand, sein Ende beim Schlachter zu finden, ist nun mehr als nur Haut und Knochen, die Ohren bewegen sich lebhaft. Er ist dennoch ein altes Pferd, die Blesse auf der Nase schon lange dabei die gesamte Schnauze mit Grau zu überwuchern, aber sein Schritt ist sicher und er reagiert gut auf Zügel und Fersen.&lt;br /&gt;
Nicht zum ersten Mal fragt Amrali sich im Stillen, welches Geschick, welche Geschichte hinter dem alten Hengst steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nicht mehr weit.&amp;quot; versichert sie ihm, die Zuversicht in der Feststellung mehr ihr selbst geltend als dem Reittier, das auch ganz allein den richtigen Weg findet, den ausgetretenen Pfad verlassend in Richtung der sich in einem Halbtal öffnenden Wasserstelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist vertraut, aber nicht Heimat, die Steppen rund um Maethrin waren viel mehr von Steinen geprägt, von langen, unter Erde und schütterem Gras teilweise verborgenen Felsformationen, hingestreckt wie die Knochen einer gewaltigen, urzeitlichen, das ganze Land überschattenden Bestie.&lt;br /&gt;
Hier ist es wärmer: Der Atem der Wüste reicht weit bis in das karge Steppenland hinein, aber nicht trockener, der Untergrund vielleicht lehmiger, erdiger, besser das Wasser haltend.&lt;br /&gt;
Sie ist, wie sie sich einmal mehr bewusst macht, mit all diesen Details nicht vertraut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Ich könnte Zlata fragen. Sie wüsste es sicher und würde mir einen Vortrag halten über die Natur der Steppe, den Übergang zur Wüste und die Eigenheiten und Besonderheiten der kleinen Oasen, falls man das überhaupt so nennt hier.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke bringt sie zum Lächeln, zieht aber auch eine warme Sehnsucht mit sich, ein Verlangen, das im Untergrund wartet, verborgen wie ein Schleierfisch auf der Jagd. Und mit dem Verlangen kommt der Schmerz: vertrauter als die Steppe, bekannter als die Gassen Solgards und das stetige Echo der sich am Strand brechenden Wellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein zu sein ist unnatürlich, ein Affront gegen die natürliche Ordnung, gegen alle Lehren und alle Weisungen, die stets im Kern eines betonten: Die Gemeinschaft ist wichtiger als jede Einzelne. Du bist Nichts ohne die Vielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Und ich bin .. Nichts.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotte verharrt in Sichtweite der sich aus dem kargen Boden erhebenen, vom Wind gebeugten Bäume, die Zeugnis sind für das Wasserloch zwischen ihren Wurzeln, die Quelle, die gerade genug ist, um für diesen Fleck ausufernden Lebens inmitten karger Verlassenheit zu sorgen.&lt;br /&gt;
Es liegt eine Poesie in dieser Beobachtung, die ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.. der Schlag reisst Amrali aus den Gedanken, ein gewaltiger Impuls, der Trotte zur Seite schleudert und sie mit ihm. Erst einen Moment verspätet realisiert sie den Reflex von Sonnenlicht auf Metall, auf der gewaltigen, gebogenen Bronzeklinge einer Axt, die ihr eigenes Knie um kaum mehr als eine Handspanne verfehlte und sich stattdessen tief in den Leib ihres Tieres grub. Trotte schreit und sie schreit mit ihm, ein Protest gegen die Gleichgültigkeit der Welt und die Brutalität des Augenblicks, kurzlebig, bevor der Aufprall die Luft aus ihren Lungen treibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie rollt, hart, ohne Eleganz, gerade eben noch rechtzeitig, um nicht unter der röchelnden Masse Trottes begraben zu werden. Das Blut des Pferdes scheint überall zu sein, auf Kleidung und Händen, sie schmeckt es auf den Lippen, riecht es in kupferroter Bitterkeit. Etwas anderes ist dazwischen, so prägnant, dass es unmöglich nicht zu bemerken sein sollte, eine stechende Warnung aus ranzigem Fett und Talg, aus altem Schweiss und anderen, namenlosen Dingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch darin, so stellt ein ferner, emotionsloser Teil von ihr fest, liegt etwas Vertrautes, wie ein altes, unter Jahren begrabenes Versprechen, das sich heimlich zurück an die Oberfläche der Gegenwart stiehlt und seinen Preis einfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Unmöglich.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Waffe springt wie von allein in ihre Hand, während sie herüber starrt auf die machtvolle, sich auf fast drei Schritt streckende Gestalt mit den überlangen, vermeintlich feisten Armen, die einen jungen Baum mit selbstverständlicher Gemächlichkeit als Keule tragen könnten. Aber die linke Hand hält keinen Baum, sondern den Griff einer Axt. Deren bronzener Kopf ist mit grob gehauenen Runen übersät, was den Eindruck von Alter nur bestärkt, sie wirkt wie ein Anachronismus in diesen modernen Zeiten, in denen legierter Stahl das Schlachtfeld regiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali kennt diese Zwillingsäxte, deren wahre Namen unbekannt sind, aber von den Ihren auf „Hatz&amp;quot; und „Fang&amp;quot; getauft wurden. Sie kennt den Oger, dessen Gestank sie genau wie damals zum Würgen reizt. Sie erinnert sich an das Grab, das sie für diesen elenden, gefallenen Feind schliesslich hinterliess, als Zeichen der Warnung und des Triumphes gleichermassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Protest bleibt zahnlos, während die letzten Schreie Trottes verstummen, abergläubische Fassungslosigkeit lähmt die Entschlossenheit, während sie zurückweicht vor dem nun unbeirrt nahenden Schlächter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist es: Sie erkennt die Narben wieder, die die wulstigen Lippen teilen, das fehlende linke Ohr und die langen dunklen Linien überstandener Verletzungen, die entlang der Arme verlaufen.&lt;br /&gt;
Sie erkennt das Kreuzmuster an Schnitten auf der Brust wieder, jeder ein Zeichen von Spott und Herausforderung: Errungene Siege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist unmöglich: Dieser liegt begraben auf einem fernen Kontinent, modernd seit mehr als acht Jahren, überwunden von einer Kriegerin, die alles hat, was Amrali heute ohnmächtig vermisst: Eleganz. Kraft. Schnelligkeit. Zuversicht. Unbekümmertheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Oger lässt seine zweite Axt in der Leiche des Pferdes zurück, nähert sich mit der Unvermeidlichkeit eines Erdrutsches, das Lächeln entblößt genau wie damals die hölzernen Zähne. Ausgestossen von der eigenen Sippe für Amrali unbekannte Verbrechen, wuchs dieser zu einer Bedrohung des nördlichen Steppenlandes, die Zuflucht irgendwo im Grenzland zu den tiefen Wäldern, bis er schließlich den Pfad Maethrins kreuzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute führt Amrali keinen Bogen, um den Giganten bereits aus der Ferne zu verwunden und in Wut zu versetzen, keinen Speer, um den Reichweitenvorteil dieser absurd langen Arme wenigstens teilweise auszugleichen. Sie taucht unter dem ersten Schwung der Axt hindurch und verliert beinahe den Kopf, als der Oger sich dreht, mit einer Behendigkeit erneut attackierend, die die vermeintliche Trägheit des feisten Leibes Lügen straft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der eigene Gegenangriff geht ins Leere, die vorgestossene Klinge durchschneidet nur die Luft, als der Oger einen Schritt zurücksetzt und dieses Mal hat sie nicht genug Raum um dem nächsten Angriff auszuweichen. Der Hieb gleitet am Schild ab und ein dumpfer Schmerz geht durch den gesamten linken Arm Amralis, die Erschütterung hart genug, dass es sich anfühlt, als wäre der Knochen geborsten. Die Finger geben nach, kraftlos, die ganze Gliedmaße wie totes Gewicht an der Seite, während sie um das Gleichgewicht kämpft, aus geweiteten Augen die Bewegung der bronzenen Axtklinge verfolgend, die der Oger nun in einem weiten Bogen zurückschwingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nutzt die Öffnung, um nach vorn zu gehen, den verhängnisvollen Nachteil der geringeren Reichweite damit ausgleichend. Mit der kürzeren Waffe ist sie für direkte Nähe besser gerüstet und sie kann es sich nicht leisten, den Kampf in die Länge zu ziehen. Der Oger ist grösser, stärker, ausdauernder. Und sie hat bereits einen Arm verloren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klinge fährt über den Wanst, über die zähe Haut und hinterlässt einen langen, blutigen Schnitt, aber nicht mehr. Noch bevor sie den Angriff ergänzen und die Waffe durch den Leib der Kreatur bohren kann, findet die übergrosse, waffenfreie Pranke ihr Ziel. Finger, dick wie Amralis Unterarm, schliessen sich um ihren Schädel und drücken zu, bis der Knochen zu knirschen beginnt – ein plötzlicher, siedendheisser Schmerz in den Halswirbeln gesellt sich dazu, als der Oger sie in die Höhe reisst, am ausgestreckten Arm baumeln lässt wie eine Puppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Heute nicht, #$#*!#&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Letzte ist ein Wort und doch kein Wort, etwas, was an ihrem Begreifen vorbeifliegt ohne Halt zu finden.&lt;br /&gt;
&#039;Ein Name.&#039; wundert sie sich ein winziger Teil von ihr, während die Instinkte sie vergeblich an den Fingern des Ogers krallen lassen. Und:&lt;br /&gt;
&#039;Aber er hat nie gesprochen.&#039;&lt;br /&gt;
Das schmerzhafte Knirschen des eigenen Schädelknochens geht in ein helles, berstendes Knacken über, Schmerz flackert auf wie eine Stichflamme. Dahinter ist nur samtweiche Dunkelheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
---------------------------------------------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali erwacht zum protestierenden Schmerz des eigenen linken Arms, auf dem all das Gewicht ihres Körpers lastet. Sie schmeckt Blut auf den spröden Lippen und Staub, ein dumpfer Schmerz bohrt mit träger Gemächlichkeit zwischen ihren Schläfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie rollt sich auf die Knie, noch immer desorientiert, bevor ihr Blick auf die erkaltete Leiche Trottes fällt. Das Pferd ist tot, daran kann kein Zweifel bestehen, der Leib halb entzwei geschnitten durch den machtvollen Hieb einer scharfen Waffe.&lt;br /&gt;
Die uralte Bronzeaxt ist nirgendwo zu sehen, verschwunden wie der Oger, der sein Leben vermeintlich vor Jahren in einer Steppe fern von hier aushauchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War er hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke treibt sie in die Höhe und auf frantische Spurensuche, aber der harte Steppenboden gibt selbst hier in der Nähe des Wasserlochs nicht viel preis. Alles könnte sein. Nichts ist eindeutig, bis auf das Fehlen des Angreifers und seiner mörderischen Zwillingswaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Und ich lebe.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kommt mit einem tiefen Gefühl von Ohnmacht, eingerahmt durch beunruhigte Verwirrung, in die sich nagend abergläubische Furcht mischt. Einzig der Schmerz im linken, vor Jahren zertrümmerten Arm erscheint so real wie das stetige Licht eines Leuchtturms vor dunkler Gischt und er ist ein treuer Begleiter, als sie sich zurück nach Solgard schleppt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zurück bleibt die Leiche Trottes, Mahlzeit für ein Rudel hungriger Wölfe. Für die Tiere gibt es keinen Zweifel daran, was real ist und was nicht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Nordwind|CONTENT=&lt;br /&gt;
Amrali ist mit Schmerzen vertraut: Denen nach einem Kampf, wenn der Preis gezahlt wird für eine Herausforderung, ganz gleich, ob freundlich oder nicht. Und mit den .. Anderen, die keine sichtbaren Narben hinterlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust Trottes ist etwas, was an ihr nagt, einen unzufriedenen Grimm hinterlässt, als würde ein Teil von ihr weiterhin bluten und sie weiß, dass das nicht zu weit von der Wahrheit entfernt ist. Das ist, wie sie gelernt hat, ein Teil des Ganzen: Unvermeidlich für die letztliche Heilung, die irgendwie ein Davondriften ist, die gemächliche Distanzierung über Zeit. Der Ersatz mit etwas Neuem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Neue trägt in diesem Fall den Namen Fleck und ist ein junger Schecke, feurig, ungeduldig und zu temperamentvoll, um sich ihm anzuvertrauen. Anders als Trotte benötigt Fleck stetige Aufmerksamkeit, Kontrolle und Korrektur und diese Aufgabe beansprucht einiges von Amralis verfügbarer Zeit. Es ist anstrengend, aber willkommen, auch wenn es an alte, glückliche Erinnerungen rührt, die auf ihre Weise noch darauf warten, endlich zu vernarben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Aber das werden sie nie.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Steppenland Maethrins war die Heimstatt struppiger, robuster Ponies, allesamt Falben in verschiedenen Schattierungen. Ausdauernd, trittsicher und unerschrocken, aber nicht zu vergleichen mit einigen der gewaltigen Schlachtrösser, die Amrali seit ihrer Ankunft hier zu Gesicht bekam. Seit Menschengedenken waren diese Pferde in riesigen Herden unterwegs, groß genug, dass die herausgefangenen Tiere der jährlichen Jagden keine Rolle spielten. Niemand, so sinniert Amrali, während sie ihre baufällige Heimstatt zurücklässt und sich auf den Weg zur Bollwerkzunft macht, verschwendete auch nur einen Gedanken daran, vielleicht selbst Pferde zu züchten - zumindest nicht in Maethrin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darin liegt ein Paradigma, das sie Mühe hat, zu greifen, eine fundamentale Ableitung, deren Präsenz sie spürt, ohne die richtigen Worte zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ankunft bei der Bollwerkzunft entbindet sie von der Pflicht solcher Grübeleien, die Stimmung wandelt sich. Nicht zu Erwartung, denn es gibt keine Notwendigkeit, die Ausrüstung zu pflegen, die erst vor Stundenfrist fertig gereinigt und geölt wurde, jetzt in der Heimstatt unter Tüchern auf die Abendkühle wartet, für einen finalen Durchgang mit Wachs. Es ist etwas in den Stimmen, die durch den Lärm der Werkzeuge klingen, etwas im Versprechen von Gemeinschaft, das die gallige Schärfe aus dem Bewusstsein treibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Zumindest für eine Weile kann ich so tun, als würde ich dazugehören.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist einfach: Ein Gespräch hier, ein Geschwätz da. Gesichter und Namen, die mittlerweile nicht mehr gänzlich fremd sind, und dann ist da Zlata, wie so oft getrieben von einer tatkräftigen Entschlossenheit, die die Welt in Probleme einteilt und dann alle zugleich zu lösen versucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Amrali! Habt ihr auf dem Weg hierher eine Karawane vom Steinbruch gesehen? Angeführt von einem zotteligen Alten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie vermeidet es haarscharf, zu Radesvald herüberzustarren bei der Beschreibung, aber kann nicht umhin zu bemerken, wie die Frage Zlatas einen Wellenschlag an Reaktion durch den ganzen Raum schickt, als die Mehrzahl der Anwesenden den gleichen Impuls verspüren und in Richtung des alten Druiden blicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr Worte werden gewechselt, das Hin und Her löst sich auf, als Amrali sich anschickt, Zlata zu folgen. Der Steinbruch ist in überschaubarer Entfernung zum Stadttor Solgards, das Wetter mild und ein Fußmarsch genau das Richtige, um den Abend abzuschließen. Und es wird ihr Gelegenheit geben, Fragen zu stellen: Zuviele Themen wurden angekratzt, aber nicht beendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg ist ihr vertraut: Auch wenn es keinen wirklichen offiziellen Weg zum Steinbruch gibt, haben die jeden Tag dorthin ziehenden Arbeiter doch ihre Spuren in den Sand geprägt, hier und dort ist die Richtung unnötig durch in den Untergrund getriebene Pfähle zusätzlich markiert. Jetzt, zu dieser Stunde, ist dieser provisorische Pfad aber verlassen. Darin liegt ein Rätsel: Sollte die Tagesglut es nicht angenehmer machen, des Abends zu arbeiten? Der Steinbruch ist ein Tagebau, zwängt sich wie ein Parasit an die Flanken der Berge, ohne dabei eine nennenswerte Höhe zu erreichen, eingerahmt und abgesteckt durch hölzerne Gerüste. Die Spuren eines Lagers sind genauso zeitweilig wie der Weg, warten nur darauf, vom nächsten Sturm einfach davongefegt zu werden, selbst jetzt, kaum Stunden nachdem die Arbeiten eingestellt wurden, findet sich schon eine dünne Schicht von Sand auf einem mächtigen Kessel, der nur noch aus Ruß und Rost zu bestehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sind sie da: Vier Hünen, bewaffnet und bewehrt, allesamt über zwei Schritt groß, grimmige, dunkle Gestalten vor dem Hintergrund des noch immer blendend hellen Sandes, der das letzte Licht der Abendsonne fängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amralis erster Impuls ist .. Aufregung. Die Nordleute und Maethrin waren stets ungleiche Verbündete, von mehr Eigenheiten getrennt als verbunden, aber sie erinnert sich an die seltenen Besuche, bei denen die Nordleute über die Menge hinwegragten, wie Erwachsene über eine Schar von Kindern. Es war immer ein Spektakel und begleitet von einträglichem Handel, wenn schwere Felle im Steppenland gänzlich unbekannter Tiere staunend befühlt werden konnten.&lt;br /&gt;
Ihr zweiter Impuls ist Ernüchterung: Dies ist nicht Maethrin und es herrscht Krieg zwischen Solgard und Fjellgat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mienen der Nordleute lassen wenig Zweifel an ihren Absichten, noch bevor die Worte kommen - in einem Wirrwar von Dialekt, durch den Amrali sich nur mit Mühe kämpfen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Entwaffnen.&amp;quot; versteht sie und &amp;quot;Ich will sie lebendig.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen Moment steht ihr Herz still, bevor es abrupt bis zum Hals schlägt, getrieben von einem tief wurzelnden Entsetzen, das aufbricht wie eine alte, nie ganz verheilte Narbe. Die Waffe springt in ihre Hand und sie geht geradewegs zum Angriff über, schnellt voran. Die Klinge schabt nutzlos über Metall und Leder, gleitet ab, während der Hüne in Kampfhaltung fällt - vielleicht überrascht von der Dreistigkeit der Attacke, aber nicht genug, um überrumpelt zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf, wenn man es so nennen will, dauert nur Sekunden, dann findet Amrali sich auf dem Boden nieder, niedergeschmettert von einem fast schon beiläufigen Hieb, aber während sie versucht zu atmen, fühlt sich ihr Brustkorb an, als würde er in Flammen stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Möglicherweise, so schleicht sich ein Gedanke ein, während sie vergeblich nach der verlorenen, außer Reichweite liegenden Waffe tastet, sollte sie Solgard einfach nur noch mit Rüstung verlassen, nicht wie ein Spaziergänger auf der Suche nach ein paar Pilzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zlatas Widerstand ist lautstärker, hektischer, aber letztlich nicht erfolgreicher, geht über in Fragen, Forderungen und Vorwürfe während des Transports nach Fjellgat. Amrali hat nichts beizutragen: Die Bewegungen des Reitbären, über den sie geworfen wurde wie ein Sack Mehl, sorgen dafür, dass die geprellten, vielleicht angebrochenen Rippen bei jeder Bewegung schmerzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Heimstatt der Nordleute erscheint wie ein Gegenstück zu Solgard: Weitläufig, Holz auf Grün und Weiß, Leben, das sich in der Kälte behauptet. Der Kerker stinkt nach altem Schweiß, Blut und Erbrochenem, und darin liegt etwas Vertrautes. Nicht willkommen, aber dennoch .. vertraut, wie der Schmerz im linken Ellenbogen bei jedem Wetterwechsel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zlata verbleibt ungebrochen: Herausfordernd auf der Suche nach Antworten und Erklärungen. Nach Sinn in etwas, was ihr wohl erscheinen muss, wie ein Akt von Wahnwitz, und aus den Fragen, aus den knappen, unwirschen Antworten, formt sich schließlich auch für Amrali ein Bild: All das geht zurück auf den Tod eines weißen Hirschs, eines heiligen Tieres, für den Verantwortung, Buße gesucht wird - durch Zlata, oder jemand anderes, der bereit ist, sich dieser Verantwortung zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anführer selbst spricht die Worte, die Amrali dann Stunden später in Solgard niederschreiben lassen wird, paraphrasiert, hoffentlich korrekt interpretiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In zwei Tagen wird er Recht sprechen vor dem Thing wegen des Todes des heiligen Tieres. Entweder über Zlata oder über jemanden, der ihre Stelle einnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die Botschaft, mit der er Amrali auf den Weg schickt, das ist der Satz, den sie in ihren Gedanken wälzt, während sie durch das trostlose Eisland stolpert, zum ersten Mal seit Jahren wieder betend, die Göttin bittend, dass sie die Aufmerksamkeit der Harpyien anderenorts lenkt. Kein Aufgeben: Sie hat Schlimmeres überstanden, auch wenn jeder Atemzug brennt wie die Hölle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Abschiedsgruß an Zlata, noch innerhalb der Zelle gemurmelt, folgt ihr wie ein düsteres Omen am Horizont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Wir sehen uns wieder, Schwester.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Versprechen, formalisiert, auch wenn es nie wirklich Eingang in die Traditionen Maethrins fand und an sich Kampfgefährten vorbehalten, ein letztlich unnötiges Wort der Verbundenheit im Angesicht überwältigender Herausforderungen. Es hier zu verwenden war falsch, die Bedeutung ohnehin verloren an Zlata, die in einer gänzlich anderen Kultur mit anderen Werten aufwuchs. Aber das Bewusstsein dessen mildert die Scham, die Reue nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Ich habe mein Recht auf diese Worte verloren.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bitterkeit dieses Gedankens treibt die Entschlossenheit nur an. Und tatsächlich scheint die Aufmerksamkeit der Harpyien an diesem Abend nicht auf den offensichtlichen Wegen zu liegen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Nachtspaziergang|CONTENT=&lt;br /&gt;
Solgard ruht unter einem Zelt von Sternen, deren kaltes Licht die hauchdünne Sichel des Mondes mühelos überstrahlt. Ruhen ist, natürlich, ein schwacher Begriff für eine Stadt dieser Größe, am Hafen herrscht auch zu dieser Stunde stetiger Betrieb und nicht alle Geschäfte haben Grund, sich vor dem Gesetz in die Schatten zu ducken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali selbst ist rastlos trotz der Müdigkeit, aus der kargen Bettstatt getrieben von Alpträumen, die die Ereignisse des Abends probend nachahmten: Dunkle, vollständig mit Wasser gefüllte Tunnel, illuminiert nur durch an die Wände geklammerte Pilze. In den Träumen ist die Last des Wassers schwerer, das Gefühl von Enge bedrückender, der Eindruck von Verlorenheit und Einsamkeit tiefgehender. Drei Mal fuhr sie aus dem unruhigen Schlaf auf, geweckt vom bis zum Hals klopfenden Herzen, nur um in eine andere Variante des gleichen Motivs zurückgezogen zu werden. Tunnel, gefüllt mit schlingenden, würgenden Pflanzen. Tunnel, in denen das Wasser eine zähe Masse ist, in der jede Bewegung zur Qual wird. Tunnel, die enger und enger werden, bis es keinen Weg nach vorn mehr gibt. Sie alle haben eines gemeinsam: Das Gefühl, zu ersticken, das verzweifelte Ringen nach Luft und die Ohnmacht gegenüber unversöhnlichen Umständen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst nach dem Erwachen schmeckt die Luft abgestanden und schal, nach verdunstetem Wasser, nach Algen, die dankbar an den Holzbalken emporkriechen und Muscheln, die von kreischenden Möwen auf das flickenbedürftige Bretterdach fallen gelassen wurden. All das ist vertraut und doch zugleich auch zuviel, genug jedenfalls, um Amrali aus der klapprigen Umarmung ihrer Heimstatt und hinaus auf die Straßen Solgards zu treiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort wandert sie, ziellos, zu unbehaglich für die tatsächlich menschenverlassenen Straßen der reinen Wohngebiete, wo das Gefühl von Verlorenheit jeden Atemzug schwer macht. Es ist einfach im Hafen, wo noch immer genug Menschen unterwegs sind, um nicht sonderlich herauszustechen. Ablenkung ist alles, was sie braucht und davon gibt es hier selbst zu dieser Stunde reichlich: Ein Schwertschlucker, der seine Künste an einer Kreuzung vor einem ebenso beeindruckten wie angetrunkenen Publikum demonstriert, begleitet nicht nur von begeisterten Ausrufen, sondern vor allem von einem Kumpanen, der geschickt den einen oder anderen Beutel schneidet.&lt;br /&gt;
Eine selbsterklärte Druidin mit einem ganzen Zirkus offenbar bestens dressierter Ratten, die mit verblüffender Zielstrebigkeit und Genauigkeit kleine Aufträge erfüllen, Kunststücke ausführen und damit die Gunst von Passanten erringen. Ein Boxkampf zwischen zwei Seeleuten, umringt von einem Kreis wettfreudiger Zuschauer, die jeden Griff, jeden Schwinger lautstark entweder frohlockend oder klagend kommentieren.&lt;br /&gt;
Ein zahmer Hüne, weit über zwei Schritt groß, mit einem Ring durch die Nase wie ein Ochse, eine damit verbundene schwere Kette liegt in der Hand eines nur halb so großen Männleins, das davon spricht, wie der mächtige Tankabunkel von den Streitkräften Solgards überwältigt, festgesetzt und schließlich gezähmt und zum wahren Glauben konvertiert wurde. Einmal anfassen? Fünf Groschen! Sich von ihm hochheben lassen? Zehn Groschen!&lt;br /&gt;
Etwas an der Gestalt des vermeintlichen Barbaren kratzt an Amralis Aufmerksamkeit, ohne dass sie den Finger darauf legen könnte, aber sie ist sich sicher, dass irgendeine Art von Schwindel im Gange ist. Das tut dem Erfolg der Masche keinen Abbruch, aber der Anblick der knapp bekleideten Gestalt erinnert sie an den Zusammenstoß mit den Bewohnern Fjellgats und noch offene Schulden, an Scham und Schuld und das bohrende Gefühl von Verlust. Es liegt noch etwas anderes darin: Ein Funke von schwerer zu greifender Begeisterung, von Kampfeslust, die sich weigert, den Ernst der Situation, irgendeiner Situation, anzuerkennen. Etwas anderes noch, vor dem die Gedanken instinktiv zurückscheuen, wie Finger vor einem über dem Herd erhitzten Topf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wandert weiter durch das nächtliche Solgard, passiert einen fliegenden Händler, der lautstark Würste fragwürdiger Herkunft anbietet, eine Wahrsagerin, die verspricht, die eigene Zukunft aus dem Klang einer Münze zu lesen, einen Quacksalber, der Wunder verheißt durch die geschickte Anwendung von Blutegeln und getrocknetem Froschlaich. Unter dem scharfen Blick einer Wachpatrouille packt ein fliegender Händler eilig zuvor auf einem Tuch ausgebreitete Schmuckstücke zusammen, übersieht dabei in seiner Hast eine kleine, aus Messing gefertigte fingergroße Statue, die offensichtlich Großmeister Darez darstellen soll: Die linke Hand segnend erhoben, die rechte mit drohend nach vorn gerichteter Waffe, ein Hirschpelz über den Schultern hängend. Er flüchtet mit einem Sammelsurium anderer Kinkerlitzchen: Weitere Figuren, die höchstwahrscheinlich Persönlichkeiten der Stadt darstellen sollen, Armbänder aus Kupfer und Bronze, Ohrringe mit gewagten Formen und Armbänder mit eingeprägten Mustern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Licht dämmert bereits am Horizont, als Amrali zu ihrer Heimstatt zurückfindet, müde, aber nicht minder rastlos, eine kleine Messingstatue verborgen zwischen den Fingern der rechten Hand. Der linke Arm schmerzt, lässt erahnen, dass das Wetter in den kommenden Tagen umschlagen wird, auch wenn der Himmel bislang keinen Hinweis darauf gibt. Aber sie kann den Sturm bereits spüren.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Schädel|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Sonne steht bereits hoch am Himmel, als Amrali die Wehrmauern Nebelhafens zurücklässt und ihre Stimmung trägt genau die grauen Wolken, die der strahlend blaue Himmel vermissen lässt. Was ein kurzer Handel zu beidseitiger Zufriedenheit hätte sein können, entpuppte sich als eine zähe, letztlich vergebliche Verhandlung ohne Einigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der gebotene Preis, so sagt sie sich zumindest, während sie Fleck die Wegfindung überlässt, war vollkommen im Rahmen, nicht anders als vor einem guten Mond. Vielleicht ist das die Schuld der Dunkelelfen und ihres Vorstoßes. Vielleicht auch das Resultat anderer Spannungen, die sie derzeit weder einschätzen noch greifen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittagshitze treibt Fleck unter das grüne Dach der Wälder, lässt den jungen Hengst Abstand nehmen von den ausgetretenen und ausgetrockneten Pfaden, wo die letzten Spuren der zurückliegenden Regenfälle schon längst zu steinharten Rillen getrocknet sind. Wahre Knochenschüttler für Kutschen, aber bedeutungslos für Reiter, lange noch nicht tief genug, um die Gelenke von Rössern oder Maultieren zu gefährden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotte, der altersmüde Veteran, hätte sich davon gewiss nicht abhalten lassen, aber er ruht nun schon seit Monaten in der Prärie, gefallen in einem Kampf über den nachzudenken Amrali sich nicht überwinden kann. Aber Fleck ist jung, energisch und nervös, stetig bemüht, sich selbst zu beweisen und der Hand der Reiterin zu entkommen.&lt;br /&gt;
An manchen Tagen ist es einfach, ihn laufen zu lassen, darauf zu vertrauen, dass er nicht zu weit vom Weg abkommen wird und die Auseinandersetzungen auf andere Zeiten zu schieben. So war es in Maethrin: Freiheit und Pflicht, miteinander verbunden, geerdet durch unumstößliche Prinzipien. Die Fähigkeit, Befehlen zu folgen, war immer genauso wertvoll wie jene, im Zweifel auch eine Korrektur vorzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schecke tänzelt und schnaubt, zieht die driftende Amrali zurück in das Hier und Jetzt. Die Hand findet zum Griff der Waffe, ohne dass es dafür eines bewussten Gedanken bedürfen würde, aber kein Feind schält sich aus der Deckung der Bäume und die Reiterin benötigt ein paar Momente, um zu realisieren, was Fleck aufstörte: Direkt vor den Hufen, halb verborgen im krautigen Unterkraut liegt ... etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas. Ein Schädel, gehörnt wie von einer Ziege, aber massiger, wuchtiger. Eine fahlgrüne Flamme lodert dort, deren Flackern sich dem direkten Blick entzieht: Nur aus dem Augenwinkel ist die sich windende Bewegung sichtbar und scheint zu verharren, wann immer der Fokus sich genau auf den Ursprung hin ausrichtet. Ein kalter, abergläubischer Schauder flieht über den Rücken der Blonden: Unter anderen Umständen könnte, müsste das das Zentrum irgendeines verbotenen Rituals sein, und die linke Hand formt das vertraute Schutzzeichen, ohne dass sie darüber nachdenken müsste: Alle fünf Finger strecken sich, die Strahlen der aufgehenden Sonne repräsentierend.&lt;br /&gt;
Es gibt Worte, die zur Geste gehören, eine Lobpreisung und eine Bitte, aber die Erinnerung daran ist verwischt, ein tonloses Murmeln im Hintergrund des Begreifens. Amrali hat nicht mehr als die Geste und ihren Argwohn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Altar, keine mit Blut gezeichneten Linien, nur ein schief liegender Schädel mit glimmenden Augen, nicht wie platziert, sondern wie fortgeworfen. Der Boden verrät wenig: Das dichte Kraut ist nicht zertrampelt, nicht zerschnitten, und falls es mehr Details zu finden gäbe, bleiben sie den Sinnen der Blonden verborgen, die mit sich ringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Teil von ihr erwägt die Flucht, den eiligen Rückzug. Ein anderer kalkuliert den möglichen Wert dieses Fundstücks. Und nicht zuletzt ist da noch ein winziger Teil von Neugier, der mit der vordergründigen Furcht ringt.&lt;br /&gt;
Fleck stampft erneut, die Hufe nun gefährlich nahe an der grünen Flamme, und dieser Impuls ist genug, um die Entscheidung umzuwerfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sitzt ab und streckt behandschuhte Hände aus, nimmt den Schädel auf. Er wird, so entscheidet sie in diesem Moment, mit ein wenig Mühe in die Satteltasche passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grüne Flamme erlischt.&lt;br /&gt;
Amrali blinzelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Momente steht sie erstarrt, abwartend, lauschend. Aber kein Kribbeln kriecht durch ihre Adern, kein höllisches Brennen beginnt ihre Haut zu verzerren. Alles scheint normal. Normal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fünf Minuten später ist sie zurück auf dem Weg nach Hause, dieses Mal nicht länger Fleck die Wahl des Weges überlassend. Es ist Zeit, das hier zu jemand anderes Problem zu machen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Gespinst|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Nachthimmel Solgards ist klar und wolkenlos, ein makelloses, juwelenfunkelndes Gegenstück zur azurblauen Fläche, die die Tage beherrscht. In jenen Stunden verwandelt das herabstarrende Auge der Sonne die Straßen und Gassen in eine schwitzende Gluthölle und auch jetzt, nicht mehr weit vom ersten Licht am Horizont entfernt, atmen Mauern und Pflastersteine noch ein Echo davon aus. Die Abkühlung ist eine vom Meer kommende Illusion, aber es könnte schlimmer sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der Ausblick zumindest ist atemberaubend: Der Mond ist nahezu voll, eine aufgeblähte Silbermasse mit scharfen Rändern, ohne die feine Aureole, die sich bei anderer Wetterlage gern einmal ausmachen lässt. Die Sterne erscheinen überall: Wann immer Amrali sich auf einen einzelnen Punkt konzentriert, schälen sich, wie von Zauberhand, weitere kleine Splitter der Juwelen in die Wahrnehmung. Sie alle, so verheißen es die Legenden, sind Splitter der Sonne, letzte Zeugen eines Kampfes, der vor Äonen gefochten wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Ich sollte schlafen.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der reuevolle Gedanke mildert den Eindruck des Wunders, ruft das schlechte Gewissen zurück und sie zieht die dünne Decke ein Stück enger, verstohlene Finger tasten nach dem abgelegten Waffengurt. Das vertraute Gewicht hat etwas Beruhigendes, die Solidität ist nicht allein fassbar, sondern verspricht auch Gewissheit und Zuversicht. Kontrolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte genug sein, um loszulassen, um sich endlich in die dunkle Umarmung des Schlummers zu werfen, aber der Geist gibt keine Ruhe, driftet weiter von Gedanken zu Gedanken. Das ist nicht die Schuld des Ortes: Gegen einen offenen Balkon ist nichts einzuwenden und die Gesellschaft, nur eine Türschwelle und einen Vorhang entfernt, ist unaufdringlich, vielleicht mit eigenen Grübeleien beschäftigt, vielleicht auch tatsächlich mit Studien beschäftigt. Amrali hat unter schlimmeren Umständen geschlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Wochen waren voller Ereignisse, die hier und dort an ihr nagen und nun aus dem Dunkel wieder auftauchen wie ungewollte, schon lange gebannte Schemen der Vergangenheit: Eine zornige Auseinandersetzung voller spitzer Anklagen, jede scharf wie eine gut geschliffene Klinge. Eine Expedition in das tiefe Dunkel und ein Marsch unter unheiligem Grund. Im Rausch des Moments, in der wilden Lust des Kampfes blieb keine Zeit dafür einfach... nachzudenken. Aber all das Versäumte blubbert jetzt zurück an die Oberfläche, wie Zlata im dreckigen Morast der Sumpflande, kaum zwei Tage zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Erinnerung zumindest ist ein Lächeln wert, auch wenn sie es vermeidet, daran zu denken, wie lange es dauerte, Waffe und Wehr anschließend zu reinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit schließt sich der Kreis und die treibende Aufmerksamkeit kehrt zurück zur stillen Gastgeberin und deren Geschichte, zu Eingeständnissen, die für Amrali so schwer zu greifen sind. Nicht allein wegen der ... Entfernung ... sondern auch weil Teile der Konzepte so fundamental fremd für sie sind. Nicht ... unverständlich per se, aber eben nicht intuitiv eingängig, dass die richtige, angemessene Reaktion nicht aus den Worten, sondern viel mehr aus Haltung und Miene des Gegenübers geschlossen werden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Und auch dann ist es kaum mehr als ein Raten. In Maethrin wäre alles einfacher.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lächelt, aber es liegt ein Bedauern darin. Und dann, unverhofft und unerwartet, kommt der Schlaf doch noch und sie sinkt in Schlummer - tief und traumlos.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Nachtwache|CONTENT=&lt;br /&gt;
Es ist die sechste Nacht unter diesem fremden Dach. Soweit Amrali es beurteilen kann, funktioniert die Vereinbarung stabil, aber fruchtlos: Keine Traumgesichter stören den Schlaf, keine wüsten Visionen suchen die Träume heim. Nichts stört die Ruhe, abgesehen von den eigenen treibenden Gedanken und einer schwer zu benennenden Unrast, einem Gefühl von Unruhe, das Amralis Finger kribbeln und ihren linken Ellenbogen ziehen lässt. Etwas liegt in der Luft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht ist das nur ein Echo der Nervosität, die sie aus Zlatas Haltung, aus den Kommentaren herauszieht, vielleicht schlicht das Wetter, das bereits daran ist jenseits des Horizonts Wolken zusammenzubrauen.&lt;br /&gt;
Das Wichtige ist: Ihre rothaarige Bewacherin schläft, versöhnt durch die Gewissheit, geweckt zu werden, wenn es doch zu einem Vorfall kommen sollte, aber bislang sieht es danach nicht aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles ist friedlich. Und doch kitzelt etwas die Instinkte der Blonden, treibt die Müdigkeit zurück. Die Aufmerksamkeit greift vergeblich aus, lauernd, wartend, unsicher, aber gleichzeitig auch bereit, bis sie schließlich die Decken abstreift und die Waffe greift, auf leisen Sohlen den Balkon verlassend, um in das Obergeschoss einzudringen.&lt;br /&gt;
Nichts lauert in den Schatten, keine Bewegung flackert in den Augenwinkeln. Alles, so scheint es, ist friedlich, während Zlata schlummert - hoffentlich ungestört von den nervösen Anwandlungen ihrer zeitweiligen Mitbewohnerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali stiehlt sich die Treppe hinunter, erst aufatmend als das Erdgeschoss erreicht wird, die lederne Hülle der noch immer gescheideten Waffe streift unbeabsichtigt eines der Regale und löst damit ein Schürfgeräusch aus, das die Verstohlene verharren lässt. Für Minuten lauert sie im Licht des noch fast vollen Mondes, wartend, ohne dass sich irgendein Feind zeigen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einsicht kommt mit einem Gefühl von Reue, von peinlicher Betroffenheit: Das ist nicht, wie es sein sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Herumschleichen im Dunkeln. Dieser Illusionist färbt noch auf mich ab.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kommt mit einem Aufwallen von Humor, von Heiterkeit, die die brütenden Gedanken zurücktreibt, und sie erklimmt die Treppe einmal mehr, reibt den linken Ellenbogen, während sie an der Hausherrin vorbeischleicht, zurück in Richtung des offenen Balkons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und verharrt.&lt;br /&gt;
Etwas ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei verstohlene Schritte, ausgelöst durch ein vages Prickeln von Wahrnehmung, auch jetzt mehr Instinkt als tatsächliche Beobachtung, und sie beugt sich über die Schlummernde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gesicht ist fremd und doch viel zu vertraut, umgeben von einem Rahmen dunkelbraunen glatten Haares. Eisengraue Augen öffnen sich und fangen das Mondlicht ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich lasse dich niemals gehen. Schon gar nicht jetzt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie stolpert zurück, alle Vorbereitung, alle Anspannung nutzlos - die sinnlos umklammerte Waffe poltert zu Boden, bevor beide Hände sich abwehrend heben, aber keine Schutzgeste ist genug, um die sich nun Erhebende abzuwehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Erzähle mir, was du gesehen hast.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrnehmung kippt, als würde jemand den Boden unter ihren Füßen wegziehen und Amrali fällt …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
... erwachend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Herz klopft bis zum Hals, während sie sich orientiert, nach der Waffe tastend, die neben der kargen Bettstatt wartet, scheinbar unberührt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Haus ist es still, während im Osten bereits die ersten Töne von Rot und Orange den Horizont berühren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Nur ein Traum. Nur ein Traum.&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Verlaufen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Es ist fast genau auf den Tag 6 Monate her, dass Amrali unweit von Solgard an Land kroch, salziges Wasser spuckend, dankbar für die Wärme der Sonne. Eine Schiffsbrüchige, vielleicht die einzige Überlebende jenes Frachters, aus dessen aufgerissenem Bauch Seeleute, Wachen und Sklaven gleichermaßen quollen. Sie erinnert sich an den Kampf zwischen den Wellen, an das rauschende Tosen der Brandung an der Untiefe mit der stetigen Drohung scharfkantiger Steine. An die zirkelnden Jäger und Aasfresser, manche noch verborgen unter der aufgewühlten, schaumgekrönten Oberfläche des Wassers, andere gemächlich weit oberhalb der Köpfe. Wartend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erinnert sich an das Gefühl von Erschöpfung und Dankbarkeit, selbst an das von Herzen kommende Dankesgebet, das - wenngleich durchaus Teil der Traditionen - weitgehend verpönt ist unter den waffentragenden Bewohnern Maethrins. Aber das Prinzip von Stärke, von Eigenverantwortung, von Fähigkeit und Befähigung hat wenig Kraft, wenn man ein Spielball der Gezeiten ist, den Strömungen ausgeliefert. Die vertrauten Worte zu sprechen war befreiend, tröstend, ermutigend hier an diesen fremden Gestaden mit der Drohung der Stadtsilhouette fern am Horizont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solgard war der Name hinter diesen Mauern und Türmen, hinter Straßen und Gassen die bald schon vertraut sein würden. Nicht genug um es Heimat zu nennen, aber ausreichend für ein Gefühl von Loyalität und Zugehörigkeit. Gedämpft, natürlich, es verging kein Tag an dem Amrali sich nicht daran gemahnte, dass sie - letztlich - ein Fremdkörper hier war. Verbunden, aber kein echter Teil, so wenig wie ein Messer zum Teil des Körpers wurde, nur weil es für Nützliches oder Verwerfliches gebraucht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist ein weiter Unterschied zu jenen ersten Tagen. Um das zu begreifen braucht sie kaum den mittlerweile gewohnten, prüfenden Blick in den mannshohen Spiegel, der über Zlatas Schlafzimmer herrscht. Dessen kalte, seelenlose Reflexion scheint sich auf die falschen Details zu konzentrieren: Das blonde Schopfhaar, noch immer kurz genug, dass man die Kopfhaut durchschimmern sieht. Die eingefallen wirkenden Wangen und die tief liegenden Augen, schmale, gerade jetzt kritisch zusammengekniffene Lippen. Die Narbe, prominent über die Kinnlinie verlaufend und den Hals hinab, um dann unter Stoff zu verschwinden - ihre Ausläufer unsichtbar für das urteilende Auge des Spiegels, aber spürbar mit jedem Herzschlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles ist ernüchternd, ein ebenso stetiger wie abrupter Auslöser gedankenloser Irritation im ersten Moment, bevor sie jeden Morgen aufs neue begreift: Das bin ich. Ein verblasster Schatten, wie eine ausgeblichene, an den Rändern ausfasernde Erinnerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Gedanke, der schwer an der begrabenen Eitelkeit kratzt, ein Gedanke dem auszuweichen sie gelernt hat. Der Trick ist, über all das zu Offensichtliche hinweg zu blicken und andere Details im Spiegel zu suchen: Die Kleidung ist einfach, aber solide. Der Waffengurt in einem guten Zustand und zeigt eine ganze Anzahl hübscher Prägereien im Leder. Die schweren, mit Gold überzogenen Bronzespangen umschliessen die Handgelenke wie ein Tribut an frühere Gewohnheiten. Ein halb unter Kissen vergrabener roter Schopf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zögert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht wegen der Uhrzeit: Die Sonne ist gerade erst aufgegangen und ihre Gastgeberin hat wie so oft die meisten Nachtstunden mit - nach Ansicht Amralis - nervtötender und langweiliger Arbeit verbracht: Aufzeichungen gesichtet und übertragen, Forschungsergebnisse überprüft, Berichte umformuliert. Messungen durchgeführt und korrigiert, Protokolle abgezeichnet. Allein der Gedanke lässt die Blonde sich bereits müde fühlen und sie vermutet, dass es vor der Mittagsstunde wenig Bewegung von dort geben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nicht wegen der Gastgeberin an sich, auch wenn der Blick nun für lange Momente auf dem Wenigen haftet, was sich nicht unter den Decken verbirgt. Die Betrachtung kommt mit einem Anflug von Schuld, die ungnädig am Selbst kitzelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Ich nutze sie zu sehr aus. Die Waage ist nicht ausgeglichen.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie rätselt darüber, während sie sich auf den Weg macht, dem Verlauf der längst vertrauten Straßen in diesem Stadtviertel folgend, bis die hübschen Fassaden weniger freundlich werden, die Abstände zwischen den Häusern kleiner und kleiner, bis sie sich gegeneinander lehnen wie Betrunkene: Vom Leben gezeichnet, mitgenommen, abgerissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit kehren die Gedanken unvermeidlich, aller Mühe zum Trotz, doch wieder zu den Ereignissen des vergangenen Abends zurück, zu dem, was ein nebensächlicher Ausflug hätte sein sollen und sich wie der Anfang zu einem besonders verzweifelten Witz lesen könnte: Gehen eine Stadträtin und ein Elf eine Freundin im Hafen besuchen ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein halbes Jahr ist genug Zeit, um die Biegungen zu kennen, um sich zu orientieren ohne einen bewußten Gedanken zu verschwenden: Hier ist das baufällige Haus, dessen Dachstuhl vor mehr als einem Jahr abbrannte und das noch immer nicht wieder vollständig aufgebaut wurde. Hier sind die drei Schwestern, hoch ragende hölzerne Gebäude, die sich gegenseitig zu betrachten scheinen, schon seit jeher der Sitz einer der örtlichen Banden. Dort ist das tiefe Loch in den längst nicht mehr gepflasterten Straßen, immer mit Wasser gefüllt und Schauplatz eines grausamen Verbrechens, über das die Bewohner nur hinter vorgehaltener Hand sprechen. Hier die alte Mühle von der aus vor Monaten ganze Schwärme von Ratten über die Nachbarschaft herfielen, gesandt - so heißt es - von einer düstere Lieder singenden Wahnsinnigen, die schließlich von einem künftigen Paladin von ihrem Fluch befreit wurde. Es gibt viele solcher Geschichten mehr und nur die Wenigsten sind Amrali vertraut, aber sie kennt den Weg zu ihrer eigenen baufälligen Heimstatt, eingepfercht zwischen andere Häuser, eine winzige Bleibe mit schlecht schließender Tür und übel riechender Nachbarschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühl von Unrast, von Übelkeit ist das Gleiche wie am Abend zuvor: Das perplexe Verständnis, dass etwas mit der Welt nicht stimmt. Wie kann jemand ein ganzes Haus stehlen? Oder hat sie sich, den Gedanken nachhängend, doch in die Irre führen lassen?&lt;br /&gt;
Genau wie am Abend zuvor - damals in Begleitung einer zunehmend mürrischer werdenden Stadträtin und eines zunehmend faszinierter werdenden Elfs - dreht sie Kreise durch das Viertel, schreckt Anwohner auf und verscheucht eine ganze Bande von Kindern, die gerade dabei waren einander an den Kragen zu gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleibt fruchtlos, ganz gleich welche Richtung sie einschlägt, ganz gleich an welchen Landmarken sie sich orientiert: Ihre Heimstatt bleibt verschwunden, als hätte sie jemand oder etwas aus der Wirklichkeit getilgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Wie kann das möglich sein?&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie reibt den linken Ellenbogen in ungerichteter Nervosität, bevor sie sich erneut in Bewegung setzt, die verwinkelten Gassen - der Boden kaum mehr als getrockneter und festgestampfter Schlamm - absucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wie am Abend zuvor: Nichts.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Hadrian|CONTENT=&lt;br /&gt;
Das Gefühl von Verlust ist etwas, was im Hintergrund lauert wie eine dunkle Wolke an einem sonst klaren, strahlend blauen Himmel: Eine Ahnung, eine Drohung des Kommenden.&lt;br /&gt;
Alle weiteren Versuche die kleine, windschiefe Behausung zu finden haben sich bislang als fruchtlos erwiesen. Das Problem ist nicht etwa die traurigen Reste von Ausrüstung, die damit als verloren gelten müssen, sondern die große Frage, ob es noch andere .. Dinge .. gibt, andere Details, die sich in irgendeiner unfassbaren Weise dem Verstand, dem Begreifen, der Erinnerung entzogen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Und wie weiß man, ob man etwas vergessen hat?&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke begleitet Amrali durch die Straßen Solgard und flüstert in ihren Nacken, ist immer dabei, wenn sie nach verräterischen Details sucht, nach Abweichungen. Nach Verlorenem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie findet die Abweichung am unerwartetsten aller Orte: Im Hauptbankgebäude am Marktplatz, ein Ort der so viel frequentiert ist, wie kaum ein zweiter in Solgard. Die Frau hinter dem Tresen ist .. vielleicht .. neu: Amrali kann sich nicht gewiss sein, ob sie nicht sonst einfach zu anderen Zeiten arbeitet. Aber der Abwesenheit des hochnäsigen Mannes, der gewöhnlich von seinem Platz hinter dem Tresen aus verurteilend auf zerlotterte Herumtreiber herabschaut, ist sie sich gewiss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amralis eigene Kiste enthält Gegenstände von fragwürdigem Wert: Eine Anzahl Münzen, eine Sammlung von Knochen verschiedener Wüstennagetiere, einige Gutscheine für einen ihr nicht näher bekannten Reisemagier mit den Initialen L.A., einen gänzlich zerknitterten Hut, das Zaumzeug, das einst von Trotte getragen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich habe Hadrian eine Weile nicht mehr gesehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wird betont beiläufig formuliert - unverfänglich auch falls sie irgendwie herausstellen sollte, dass es keinen Bankier dieses Namens gab, gibt oder je geben wird. Aber die Blonde hinter dem Tresen verzieht die Lippen in einer allzu vielsagenden Geste, beugt sich dann vor die Stimme senkend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Niemand weiß, wo er ist. Vor ein paar Tagen ging er nach Hause, nun ist er einfach fort. Erscheint nicht mehr zum Dienst, daheim öffnet niemand. Es wurde bereits vermutet, dass es Unregelmäßigkeiten gab und wir durften die letzten Tage über die Bücher gehen. Aber.. nichts. Alles scheint in Ordnung. Vielleicht ist er wirklich mit dieser Tänzerin aus dem Walross durchgebrannt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ist das eine Sache für die Stadtwache?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau hinter dem Tresen winkt ab, die Miene nun säuerlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Bitte. Bei uns haben Wache und Orden gleichermaßen viel zu tun. Da gibt es keine faulen Müßiggänger, die zu viel freie Zeit an der Hand haben und es sich leisten könnten hinter jedem Bürger herzulaufen, der aus welchem Grund auch immer ein paar Tage für sich braucht. Ich bin sicher, er taucht schon wieder auf und dann hat er besser eine gute Erklärung und eine Entschädigung für die Überstunden, die ich hier leisten darf. Ich habe auch Familie, wisst ihr?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali nickt, während sie einen strategischen Schritt zurücktritt. Sie hat bereits genug von der Rage Zlatas erlebt und wenig Ambition hier nun als Ventil für den aufgestauten Ärger der Angestellten herzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Wisst ihr was? Ich werde diese Sache einmal beiläufig gegenüber Stadträtin Kovacs erwähnen. Sie kennt einige Magier und ihr wisst ja: Die haben selten einmal etwas zu tun und benötigen immer etwas, um sich wichtig zu fühlen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überraschung der Blonden scheint das die Angestellte zumindest für den Moment zu versöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und während sie sich auf den Weg zum Gemeinschaftsgelände der Axiom macht, in Gedanken bereits eine Liste müßiggehender Magier durchgehend, verflüchtigen sich die eigenen Gefühle von Verlust, Sorge und Ungewissheit. Das hier, das ist greifbar.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Verwaist|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Du wirst die Gesetze Solgards achten. Bedenke, dass du hier mittlerweile andere Verpflichtungen hast als deinen eigenen Hals. Du riskierst mehr als eine weitere Narbe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An manchen Tagen hat Amrali das Gefühl, dass es einfach ist zu vergessen: Die Ursprünge, die Traditionen, die Kämpfe und Auseinandersetzungen des Aufwachsens. Auch: Die Begeisterung und Liebe, das erhebende Gefühl von Verbundenheit und Bestimmung, die Wärme einer eng geflochtenen Gemeinschaft. Das, so denkt sie im Blick zurück, war das eigentliche Herz Maethrins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solgard ist anders gestrickt, daran hat sie dieser letzte Abend mehr als überdeutlich erinnert und darum streift sie auch nun, Stunden nach dem kargen Abschied auf der Schwelle einer trostlos eingerichteten Werkstatt, noch immer rastlos durch die Straßen der Stadt. Nicht auf der Suche, sondern getrieben von Rastlosigkeit, die nichts mehr verachtet als Stillstand.&lt;br /&gt;
Unvermeidlich wenden sich die Schritte schließlich dem eigenen alten Wohnviertel zu, jenem Bereich baufälliger Hütten und windschiefer Katen, zusammengehalten von Gebeten und Flüchen, bewohnt von den Unglücklichen und Verzweifelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Und ein paar Narren in der Mitte, die sich weder für das Eine noch das Andere entscheiden können.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Stillen, ganz am Rande des Begreifens, hofft sie darauf, dass sich das Unmögliche normalisiert und sie ihre vertraute Heimstatt wiederfindet, aber kein Weg öffnet sich und die ziellose Wanderung bleibt ohne Erlösung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier, im Zwielicht des Hafenviertels, wird ihr gewahr, dass dieser Mietvertrag, nur Tage nach ihrer Ankunft geschlossen, ein Band war, um das Handgelenk gelegt wie eine Fessel aus Samt. Und nun ist es fort, verblasst, ebenso wenig aufzuspüren wie jener feiste Harim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Meine einzige Verpflichtung ist der Brief mit dem Siegel Solgards&amp;quot;, verrät sie der kühlen, vom Meer her wehenden Brise und wiederholt damit Worte, die vor nunmehr Stunden gesprochen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Dann verstehe meine Worte als Anweisung einer Dienerin Solgards, wenn du willst.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An manchen Tagen hat Amrali das Gefühl, dass es unmöglich ist zu vergessen, sich aus der Umklammerung des Vergangenen zu befreien. Die Alpträume sind das offensichtlichste Überbleibsel, aber selbst in den warmen, angenehmen, nostalgischen Anwandlungen findet sich etwas Unausweichliches: Man ist die Form, in die man gegossen wurde. Nicht mehr. Nicht weniger. Maethrin war besessen von den eigenen Traditionen, von Gebräuchen und Sitten, an die sie hier kaum zu denken wagt in der sicheren Gewissheit, wie viel Anstoß sie erwecken würden. Aber sie sind dennoch da, eingeprägt, so natürlich wie ein Atemzug und so gewiss wie der Herzschlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung und Gehorsam waren - sind - ein wichtiger Teil dessen, eine Notwendigkeit, die von Geschichten wieder und wieder betont wird. Freiheit: Ja. Aber ganz gleich wie groß der Ruhm, du bist nur ein kleiner Teil einer Gemeinschaft. Es gibt einen Platz für jeden.&lt;br /&gt;
Das ist ein tröstender Gedanke. Eigentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Warum gefällt es mir dann so wenig?&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kaut darauf, während sie den Hafen durchwandert, um schließlich wieder besser beleumundete Bereiche der Stadt zu erreichen, sie nagt daran, während sie den großen Brunnen passiert und die Kathedrale links liegen lässt. Das Haus am Hang wirkt im Dunkel größer, ein Klumpen mit Kanten, die in den Schatten versickern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zögert, lauscht auf den Ärger, der noch immer im Inneren auf ganz kleiner Flamme simmert und wartet. Wartet darauf, dass die Müdigkeit final den Sieg davon trägt, auf die Kapitulation. Vergeblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich denke meine Anweisung war klar genug.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solgard ist schon längst wieder zum Leben erwacht, als sie das neu errichtete Gebäude im Süden Solgards erreicht, ein von professioneller Hand ausgeführtes kleines Schreiben bei sich: Jeder Buchstabe steht wie ein Kunstwerk und nur die Krakelei von Unterschrift lässt eine persönliche Note erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zettel, unnötig in einen ebenso hübschen wie teuren Umschlag eingeschlagen, vermittelt kaum mehr als eine Handvoll Worte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meister Radesvald,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der vereinbarte Dienstmonat zur Probe ist bereits seit langer Zeit verstrichen und es ist nicht recht, die Wartezeit noch weiter in die Länge zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe bereits zu viele Verpflichtungen in Solgard auf mich geladen und ich möchte keine weitere hinzufügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Ihr mich benötigt, lasst es mich wissen und ich werde folgen, aber nicht mehr auf Grundlage eines formellen Vertragsverhältnisses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Einsamkeit|CONTENT=&lt;br /&gt;
Eine gute Woche liegt das Schreiben zurück, das Amrali im Gebäude der Axiom-Gemeinschaft hinterließ, eine Woche und ein Tag seit dem abendlichen Gespräch, das nicht einmal ein Streit genannt werden könnte. Und dennoch: Seitdem hat sie die zuvor vertrauten Treppen nicht erneut erklommen und seitdem wartet das notdürftige Lager auf dem Balkon Zlatas ungenutzt, unberührt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;‘Falls sie es nicht schon lange verräumt hat. Sie ist zu pragmatisch für Verschwendung.’&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kommt mit einer eigenwilligen Galligkeit, einer Vibration von Ärger, die sich davor hütet, den Funken von Schuldbewusstsein zu akzeptieren. Es ist einfacher mit dem Finger auf andere zu deuten: Auf jene blondbeschopfte Fremde zum Beispiel, die so gänzlich überlebensunfähig erschien, dass es an allen Instinkten Amralis zupfte. Diese, so verlautbarte das Flüstern, ist Gefahr. Behalte sie im Auge. Eliminiere die Bedrohung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gab und gibt es keinen rationalen Grund, aber es bleibt ein Fakt, dass sie die Fremde seitdem nicht mehr auf den Straßen Solgards traf. Das, so sagt sie sich selbst, während sie den Kopf einzieht und sich durch eine niedrige Türe duckt, hat natürlich nicht sehr viel zu sagen. Aber eine solche Frau erregt Aufmerksamkeit, schlägt Wellen wie ein allzu bunter Singvogel, den eine plötzliche Sturmböe in das Hafenbecken drückte, wo er dann hoffnungsfroh, verzweifelt, aber vergeblich um sein Leben zappelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts. Sie bleibt genauso verschwunden wie Amralis Unterkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Werkstatt hier im Hafen duckt sich in eine Ecke zwischen zwei anderen Häusern und hat die Solidität einer fleischgewordenen Improvisation, zusammengenagelt aus Treibgut und zusammengehalten von Hoffnung. Nichts passt wirklich zusammen, das Dach ist einfach eine schiefe Schräge, auf der die Möwen hocken und von diesem Platz aus alle Besucher lautstark verschreien. Drinnen ist es nicht besser: Waren zweifelhafter Herkunft stapeln sich überall, lassen den Besuchern nur schmale, gewundene Wege zum ebenfalls gänzlich überladenen Tresen. Hier gibt es Krimskrams aller Art: Angelhaken aus Kupfer und getrocknete Sehnen aus den Füßen von Blassenten, zusammengebogene Käfige für Singvögel, die bereits eine dichte Schicht von Staub ansammelten und klebrige Süßspeisen, die aus einem verkrusteten Topf stammen und - weitgehend abgekühlt - an einem hölzernen Stab verkauft werden. Der gnädige Besucher, das lernte Amrali bereits in der ersten Woche, ist gut beraten, die Herkunft weder der Zutaten noch des kleinen Stäbchens in Frage zu stellen, und bei der Erinnerung hat sie auch jetzt, Monate später, wieder das entsetzliche Gefühl, die eigenen Zähne zusammenkleben zu fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Mann, der Herr über dieses absurde Sammelsurium ist, bezeichnet sich selbst als Kesselflicker der alten Schule und berichtet gern über seine Ankunft auf dieser Insel vor nunmehr zwei Jahren, darüber, wie er diese Werkstatt aus Schutt und Trümmern selbst erbaut hat. Diese Geschichten gehen unweigerlich in groteske Anekdoten über, die allesamt dazu führen, ein unheimliches Erbe, eine verbotene Liebe und eine Flucht anzudeuten. Nichts davon passt wirklich zu der verbogenen Gestalt und den zusammengekniffenen Äuglein des Alten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie hebt abwehrend die Hand, als ihr ein Stück gerösteten Fleisches angeboten wird - vermutlich Ratte, vielleicht auch Steppenläufer. Sie ist nicht hungrig, nicht verzweifelt genug, es auf die Probe zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;“Heute nicht, Morin. Ich brauche etwas anderes.”&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zählt ein paar Münzen ab, sauer verdiente Silbermünzen, die nun, ohne den gut bezahlten Soldvertrag, bereits spärlicher kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;“Ich suche Harim vom Hafen. Du weißt: Ein Kopf kleiner als ich, kahler Schädel, fetter als vier Männer.”&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lässt den Geruch - oder besser: die Abwesenheit von Geruch - unerwähnt. Das ist ein Detail, das sie schwierig zu beschreiben findet. Es ist auch unnötig: Die Gestalt ihres Vermieters ist unverwechselbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den zusammengekniffenen Augen des Händlers findet sich nur perplexe Überraschung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;“Nie gehört. Nie gesehen. Ist er neu? Einer von den Neuankömmlingen?”&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie schweigt auf die Gegenfrage, nicht einmal gänzlich überrascht, auch wenn ein kaltes Gefühl von Beklommenheit ihr Rückgrat entlang wandert und dann in dumpfen Schmerz des linken Ellenbogens ausläuft. Das Wetter, so verheißt das Pulsen, ist dabei, sich zu ändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;“Nein”&amp;lt;/i&amp;gt;, räumt sie ein, ohne den Blick von ihrem Gegenüber abzuwenden, aber dann fehlen ihr die Worte, um die Nachfrage zu erklären. Wie berichtet man von Wahnvorstellungen? Wie äußert man Zweifel und die Furcht, dass sich bislang als vollkommen sicher geglaubte Fakten einfach in Rauch und Schatten auflösen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lässt zwei der silbernen Münzen zurück auf dem Tresen und tritt zurück auf die noch immer belebte Straße, wendet sich dann in abergläubischer Scheu, getrieben von einer plötzlich aufwallenden Furcht. Aber die baufällige Werkstatt ist noch immer da. Solide, sofern man das Wort wirklich in die Nähe der spröden Bretter und rostigen Drahtspuren bringen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen Moment ist das Verlangen übermächtig, die Stadt im Eilschritt zu durchqueren, reumütig zur Schwelle der Rothaarigen zurückzukehren. Den Stolz herunterzuschlucken, der die Kehle nun zusammenpresst, bis sie kaum mehr atmen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber der Moment vergeht und sie fängt sich, störrisch das Kinn hebend, als wollte sie das vorüberschlendernde Fußvolk herausfordern. Mehr als nur ein Blick ist ihr damit sicher: Manche amüsiert, einige verunsichert, etliche sogar interessiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lässt sie alle zurück in Richtung der Wüste, vertraut sich dem Rücken des nervösen jungen Scheckens an, dessen Energie und Kraft noch lange nicht bezähmt sind durch Routine und Erfahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und heute liegt darin etwas Tröstendes, wie ein Versprechen, das der Sonne gleich am Horizont dräut.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Blut und Egel|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die kleine, auf den zu dieser Stunde gänzlich verwaisten Marktplatz Solgards hinausblickende Werkstatt ist mit einem durchdringenden Gestank gefüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht von der Art, die auf Arbeit mit der Esse und dem Amboss schliessen lassen würde, die Amrali zusammen mit dem grössten Teil der jetzt existierenden Einrichtung vom Vorbesitzer erbte. Ein Alchemist würde vermutlich interessiert schnuppern, aber auch die kleine Sammlung an geraden und gewundenen Phiolen, Kupferdrähten, Schalen und Brennern schlummert seit langer Zeit unter einem alten Tuch, geschützt vor Staub, während draussen die Jahreszeiten wechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der Fenster ist in Richtung des Brunnens geöffnet, aber das tut dem Gestank kaum einen Abbruch und Amrali hat bereits vor einiger Zeit als Fakt akzeptiert, dass sie hier nicht nächtigen wird. Das, für sich, ist nicht ungewöhnlich: Im ersten Stockwerk befindet sich zwar eine provisorische Bettstatt, aber sie ist kaum mehr als das, was man auch unter freiem Himmel nutzen würde, und blieb den letzten Mond über gänzlich unberührt, während die Besitzerin ihr Haupt andernorts zur Ruhe bettete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht im Hafen Solgards: Die verkommene Bretterbude, in der Amrali bis zu jenem schicksalhaften Abend vor einigen Monaten lebte, bleibt ein Enigma, verloren zwischen Erinnerung und Wahn, wie ein Traumgespinst, das irgendwie den Weg an die Oberfläche fand, nur um final doch unter dem Licht des Tages zu verblassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Oder, in meinem Fall, mit dem ersten Paar neugieriger Augen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Gedanken kaut sie nicht zum ersten Mal und sie kann nicht umhin, den gleichen Fragen wieder und wieder zu folgen, während sie den schmerzenden Ellenbogen reibt, der bereits jetzt Regenwetter für den kommenden Tag verheisst: Wie unterscheidet man zwischen Wirklichkeit und Wahn, wenn beide sich nie begegnen, sondern sich wie unerreichbare Tanzpartner stetig unberührt umkreisen? Welchen Wert haben Erinnerungen, welches Gewicht hat ein Groll und welchen Eindruck macht eine Lektion, wenn das, worauf sie fussen, wie Schaum zerstieben kann?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und wie habe ich diese Werkstatt erworben?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das, so stellt sie bitter fest, ist die andere Seite der Medaille. Die trügenden Träume und der Zweifel an der Wirklichkeit, das ist das Eine. Die Fakten, die sich ohne eine greifbare Herleitung präsentieren, das ist das Andere. Es gibt keine Erinnerung, die ihr erklärt, wie genau die erste Miete bezahlt wurde, was genau das Schicksal des Vorbewohners war, und sie scheut vor den Möglichkeiten zurück, die sich aus dieser Leere ergeben. Besser, vielleicht, manche Fragen nicht zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ungewissheit ist ein Teil der Erklärung, warum ihr diese Mauern noch immer fremd sind, aber kaum der Grund für die Abwesenheit der letzten Zeit. Der grössere Teil, zumindest sagt sie sich das selbst, ist wesentlich mundänerer Natur: Nach der Aufkündigung des Soldvertrags mit der Axiom-Gesellschaft fiel ein stetiges Einkommen leicht verdienter Münzen weg und der Ersatz mit freien Aufträgen erforderte einen Einsatz von Zeit und Beweglichkeit, der Amrali eine Menge Nächte abseits von Solgard sehen liess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist da noch ein stiller, dritter Teil. Ungeliebt. Unwillkommen. Präsent: Scham.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind bald zwei Monate seit jener Nacht, seit dem Kitzel eines Abenteuers, das alle Zutaten hatte, um zu einer gloriosen Heldentat zu werden: Ein dunkles Reich voller verdorbener Dämonenanbeter, eine Entführung, eine blutige Drohung und die triumphale Befreiung eines Unschuldigen, der nichts getan hatte, um zwischen die Fronten zu geraten. Für Amrali war es der erste Besuch der Suromer Lande überhaupt, der erste Eindruck einer Siedlung, deren banale Oberfläche kaum geeignet schien, den düsteren Ruf zu bestätigen. Bis dann alle Planung aus dem Ruder lief, die übereilte Flucht im Desaster und im Verlust eines der Mitstreiter mündete.&lt;br /&gt;
Zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst jetzt, im Wissen um die letztlich glückliche Lösung, krümmt sich alles in Amrali zusammen, die stetige Rührbewegung im Kupferkessel erlahmt und im Nu lässt der sich stechend verdichtende Gestank Tränen in ihre Augen steigen. Sie blinzelt, nah daran zu würgen, und die Ursache dafür liegt nicht allein im brodelnden Inhalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das eigene Scheitern, die Unfähigkeit, die Situation zu kontrollieren und in geordnete Bahnen zu lenken: Das ist nichts, was sie sich schönreden kann. Nicht mit Trauma, nicht durch Hinweis auf überstandene Strapazen. Es ist in gewisser Weise gar nicht so viel anders als damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Als hätte ich nichts dazugelernt.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie schreckt zurück vor diesem Gedanken, wie vor der Berührung einer Flamme und das Momentum ist genug, um sie zu anderen, jüngeren Erinnerungen zu treiben. Erst zwei Abende liegt das Zusammentreffen in der Sonnenruh zurück und die kurze, widerliche Auseinandersetzung mit der unterarmlangen Kreatur, einer Wesenheit wie eine Mischung aus Blutegel und Aal, die sich an Zlata verbissen hatte und sich nun eifrig am Blut der Rothaarigen labte. Ein Parasit, eine Bedrohung, ekelhaft genug, dass sich Amralis Magen umzudrehen drohte, aber gleichzeitig auch .. präsent. Greifbar. Ein lösbares, überschaubares Problem - wie in den Geschichten Maethrins: Die alten Traditionen kennen kein Grau, sondern nur Schwarz und Weiss, Gut und Böse, Richtig und Falsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Herausforderung zu erleben war eine Erleichterung und auch jetzt, da sie ein letztes Mal in dem Topf rührt, bevor er vom Feuer gezogen wird, empfindet sie ein warmes Echo jenes Momentes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich war nützlich.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Legenden Maethrins beinhalten andere Geschichten, nicht alle davon für Kinder oder Heranwachsende geeignet, manche davon zu düster, als dass sie als Teil der Lehren anerkannt sind, andere schlicht zu lächerlich, als dass sie etwas Sinnvolles zur Würde der Altvorderen beitragen könnten. Amrali ist sich nicht ganz sicher, in welche Kategorie diese hier fällt, aber sie verzieht keine Miene, während sie die über Stunden hinweg gekochten Überreste des Blutsäufers nun schneidet und kaut, Stück für Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer weiss schon, ob sich nicht doch ein Körnchen Wahrheit in den verblichenen Sagen findet.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
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		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Amrali&amp;diff=494</id>
		<title>Amrali</title>
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		<updated>2026-10-19T06:19:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Amrali.jpeg|left|frame]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körpergröße streckt sich auf insgesamt &#039;&#039;&#039;172 Halbfinger&#039;&#039;&#039; und damit durchschnittliches Mittelmaß, die ganze Gestalt erscheint hager an der Grenze zur Ausgemergeltheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;blonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; ist kurz geschoren, betont damit die tief liegenden &#039;&#039;&#039;wasserblauen Augen&#039;&#039;&#039; und eingefallen wirkenden Wangen - aber vermutlich sind es die Narben, die eher den Blick auf sich ziehen und eine bewegte Vergangenheit erahnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mimik lässt oft eine gewisse Verbissheit erkennen, eine Intensität die an eine in die Ecke getriebene Ratte erinnert, deren einzige verbleibende Option die Offensive ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die lange Narbe am Hals zieht sich weiter über die Schulter und den Rücken, gesellt sich zu einer ganzen Anzahl gewöhnlich verborgener Spuren überstandener Kämpfe&lt;br /&gt;
* Wenn das Wetter wechselt, schmerzt der linke Arm oft in Erinnerung an einen Jahre zurückliegenden und nie ganz sauber verheilten Bruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FOLD|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 427 geboren in Maethrin, Tochter der Hialess; Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* 437 Tod der Mutter Hialess&lt;br /&gt;
* 447 Gefangennahme beim Besuch der nahegelegenen Stadt Angelmar &lt;br /&gt;
* 447/448 monatelange Verhöre, aus dieser Zeit stammt die Verletzung des linken Arms&lt;br /&gt;
* 449 Rückkehr nach Maethrin als Fremde, Streichung ihres Namens aus dem Buch der Gemeinschaft, Verbannung aus der Region&lt;br /&gt;
* 449-451 Zeit der Wanderung: Hausdienerin. Brückenbau. Steinbruch. Plantage. Eine Zeit in einem namenlosen Sumpfland mit keiner anderen Aufgabe als Blutegel zu sammeln. Dann wieder ein Haushalt. Sogar eine Arena, auch wenn es mehr ein Zirkus war als alles andere. Erneut ein Steinbruch. Eine Sägerei. Und dann die Seuche. Aus dieser Zeit stammen die Narben am Hals und Schädel.&lt;br /&gt;
* 451 Schwere Krankheit, die Levinerinnen scheren ihr den Kopf (wie bei allen anderen zu Behandelnden auch)&lt;br /&gt;
* 452 Schiffbruch auf dem Transport mit anderen Gefangenen, Ankunft an der Küste nahe Solgard, der neuen Welt&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FOLD|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mutter Hialess (402 - 437)&lt;br /&gt;
* Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* Halbruder unbekannt (* 424)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Turah (* 425)&lt;br /&gt;
* Halbbruder unbekannt (* 429)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Meifiah (* 432)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gedanken und Meinungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Orte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Solgard|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Stadt, die ich dieser Tage meine Heimat nenne. Ich habe nie zuvor eine Siedlung erlebt, bei der Innen- und Aussenbild soweit voneinander entfernt sind, die vereinfachten Annahmen über Politik und Macht werden dem tatsächlichen Wirrwarr, der Unordnung, in keinster Weise gerecht. Wenn es tatsächlich etwas gibt, das die Solgarder universell aneinander bindet, dann ist es nicht etwa der Glaube an den Herrn, sondern die seufzende Opferbereitschaft aus jeder Aufgabe eine Pflicht, eine Bürde zu machen, der man sich schliesslich ergeben, aber ohne Enthusiasmus stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verantwortung der Macht erscheint hier wie ein heisses Eisen, an dem man sich bereits zu oft die Finger verbrannt hat.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Nebelhafen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein Dorf, das davon träumt eine Stadt zu sein, verloren zwischen den Fronten anderer Mächte und damit unweigerlich ein einsamer Spielball ohne Freunde, wann immer es jemandem gefällt. Neutralität ist etwas, das nur aus einer Position von Stärke heraus funktioniert.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Surom|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich habe die Mauern dieser Stadt noch nicht gesehen und hege auch keinen Wunsch etwas daran zu ändern. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Personen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Dervyn|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Heermeister Solgards präsentiert die für mich verwirrende Vielschichtigkeit dieser Stadt auf das Beste. Er ist umgänglich und vielseitig interessiert, ich habe sogar Gerüchte gehört, dass er am Hafen eine Geliebte haben soll. Er betreibt eine Gaststube in der zwielichtige Elementaristen arbeiten (soweit ich vernahm) und ist gleichzeitig dafür verantwortlich die Sicherheit der Stadt zu gewährleisten. &lt;br /&gt;
Er trägt seine Bürde und lächelt dabei. Nicht .. aufrichtig, aber bereit seine Bürde zu tragen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Jaster Darez|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Radesvald|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Van de Mork|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Zlata|CONTENT=&lt;br /&gt;
Sie ist, zumindest auf den ersten Blick, völlig anders als meine Schwestern. Schwächlich, zerbrechlich, burschikos. Konzentriert auf Handwerk, weil es klaren, einfachen Regeln folgt, vorhersehbar, wie es kein Mensch je sein könnte. Der Stolz versteckt sich dahinter, wagt sich nur dann und wann einmal an die Oberfläche - oft nicht einmal dann, wenn es angebracht wäre.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber sie hat sich befreit aus widrigen Umständen, Entscheidungen getroffen, vor denen andere zurückgewichen wären. Wenn die Umstände im Chaos versinken, dann gibt auch die Maske nach und die Höflichkeit macht Platz für rohe Emotion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hätte sie nicht Schwester nennen sollen. Aber ich kann mich nicht dazu durchringen es zu bereuen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Traum|CONTENT=&lt;br /&gt;
Sie läuft in der engen Dunkelheit eines sich windenden, stetig verändernden Tunnels, unbeleuchtet, aber dennoch nicht vollkommen finster. Das, so erkennt sie, während das Herz bis zum Hals schlägt, ist ein Traum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer, der allzu vertraut ist. Einer, dessen Gewalt sich selbst durch das Wissen nicht abschütteln lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Bin ich jemals entkommen?&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kühle Finger berühren ihren Nacken und die Glieder erstarren wie zu Eis, gefroren vor dem sanften, femininen Flüstern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Niemals. Ich lasse dich niemals gehen. Nicht einmal, wenn ich dir all deine Geheimnisse entrissen habe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Harpyien|CONTENT=&lt;br /&gt;
Zumindest theoretisch ist Amrali mit dem Konzept von Schneefall und Frost vertraut, aber die Wirklichkeit wischt alle Vorstellungen und Einbildungen mit gleichgültiger Ignoranz zur Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kälte durchdringt mühelos die verschiedenen Schichten an fadenscheiniger Kleidung, beißt in Wangen, in Nase und Ohren: Zum ersten Mal seit einer ganzen Weile ist sie froh keinen Schmuck zu tragen, nicht einfach nur beschämt über die Abwesenheit einer früher immer präsenten Selbstverständlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganze Landschaft liegt wie unter einem weißen Tuch, das alle Formen dämpft, Trugbilder schafft über die wahren Verläufe von Kanten und Abgründen. Es ist, so denkt sie, während sie hastig im Gepäck nach dem zerfledderten Mantel sucht, der nur für den schlimmsten aller Notfälle überhaupt eingepackt wurde, gleichzeitig ähnlich wie der Sand der Wüste und dann doch auch ganz anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Warum bin ich hier?&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kommt ungerufen, unwillkommen, ein Zaudern und eine Verzagtheit darin, die Ärger entfachen, dabei in jene Glut fahrend, die sie über all die Jahre bewahrt hat, deren letzte Reste in flüsternden Schatten beinahe verloschen wären. Sie hat nie erfahren, wie nahe sie war, die vollständige Kapitulation zu erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Und das wird sie auch nie.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch dieser Gedanke erreicht sie ungebeten, findet sich eingerahmt in Furcht und wird rasch verdrängt. Besser, sich der Kälte dieses offenen Landes zu stellen, den eigenwillig gedämpften Geräuschen - alles hier wirkt stiller, als es sein sollte - und dem ungewohnten Gefühl der erstarrten Landschaft unter den Füßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewohner dieser gefrorenen Einöde tragen ihre Pelze wesentlich besser als Amrali es tut, ihre Spuren künden im lockeren Schnee noch lange von ihrem Vorbeiziehen - nur aus der Ferne bekommt die Besucherin einen scheuen Schneefuchs zu sehen, dessen gedrungene Statur ihr skurril erscheint, gänzlich anders als die schlanken, agilen Kreaturen der rollenden Steppe ihrer Heimat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein am Himmel kreisender Adler beobachtet Amrali eine Weile, gnädig wie ein distanzierter Herrscher, der einen demütigen Bittsteller beobachtet, bevor er mit dem Auftreten anderer geflügelter Geschöpfe gemächlich in Richtung Osten abdreht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein ganzer Schwarm - Geier vermutet sie zunächst - während sie in einen der sich öffnenden Pässe eintritt, die klaffenden Felsen drängen sich zusammen, als wollten sie den Weg zerquetschen der kühn in ihre Mitte gezwängt wurde. Dann, mit der Biegung des Weges, öffnet sich ein schmales Tal und sie wird sich ihres Irrtums bewusst: Nur ein Dutzend Schritte voraus liegt der Kadaver eines Pferdes, aufgerissen von scharfen Krallen, noch dampfend in der Kälte. Darauf hockt eine Kreatur, die Amrali augenblicklich erkennt, auch wenn sie nie zuvor eines dieser Geschöpfe mit eigenen Augen erblickte: Eine Mischkreatur aus Mensch und Vogel mit Schwingen statt Armen und stämmigen, krallenbewehrten Füßen, ein ganz menschlich anmutender, weiblicher Torso mit hoch angesetzten Brüsten, die Haut bar, dem Frost schutzlos ausgesetzt. Das Gesicht ist ähnlich grotesk: Deformierte, in die Länge gezogene Augen über fast menschlichen Wangenknochen, statt Mund und Nase findet sich ein mächtiger gebogener Schnabel, von dem nun gerade Blut tropft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Lippen, aber etwas an dem Ausdruck lässt Amrali an das Lächeln eines zufriedenen Jägers denken. Hinter ihr, wo der Pass sich windet, stoßen zwei gleichartige Kreaturen vom Himmel herab, um den Fluchtweg zu blockieren, drei Weitere ziehen Kreise über der ganzen Szenerie und beginnen gerade nun zu kreischen - kurze, schrille Schreie wie pervertiertes Gelächter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An manchen Tagen ist es schwierig sich an die Unterweisungen, an die Geschichten und Legenden der Vergangenheit zu erinnern, an die reichen Warnungen und Weisungen, die in die fast schon spielerische Form von Erzählungen gewoben wurden und auch jetzt, während Amrali starrt und die auf dem Kadaver des Pferdes hockende Harpyie spöttisch ihre Schwingen präsentiert, sind die Worte in der Erinnerung wie das unförmige Brummen eines entfernen Bienenschwarms. Unscharf. Unbestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Sieh an, wer sich zu uns verirrt hat. Willst du nicht Teil dieser Schwesternschaft werden, deine unwürdige Hülle eintauschen gegen einen stolzen Leib? Wir haben ein Herz für die Häßlichen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geschrei der drei Harpyien in der Luft steigert sich zu einem spöttischen, verhöhnendem Crescendo, während die Sprecherin sich eitel präsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Du musst wi ..&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kälte ist vergessen mit der ersten Berührung des Schwertes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zu ziehen, wenngleich nicht mehr ungewohnt, schmeckt noch immer wie Freiheit, wie das Abschütteln von Ketten und Amrali zögert nicht in die Offensive zu gehen, überwindet die Entfernung zum abkühlenden Kadaver mit ein paar raschen Sprüngen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Harpyie, soviel lässt sich mit Gewissheit sagen, ist überrascht von der abrupten Unterbrechung einer gewiss einstudierten Spottrede, aber nicht überrascht genug, um sich am Boden fangen zu lassen: Sie entkommt dem Hieb um Haaresbreite und gesellt sich zu ihren drei Schwestern am Himmel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verfluchten, so wurde es gelehrt, sind eine Perversion, nicht allein im Erscheinungsbild, sondern auch im Herzen: Unfähig eine echte Gemeinschaft zu bilden, ohne das geringste Verständnis für das Opfer, das es braucht um das Überleben der Vielen zu sichern. Für die Harpyien zählt die Einzelne stets höher und so streiten sich die vier Flieger mit schrillen Schreien darüber, wer die Erste sein muss, die auf die Bewaffnete herab stößt. Es dauert nicht sehr lange, bis der Streit ganz ernsthaft entbrennt, mit Klauen und Schnäbeln ausgefochten wird, um eine Hierarchie festzulegen, die vielleicht ein paar Wochen halten wird, bevor etwas sie unweigerlich auf die Probe stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali, deren Rückweg weiterhin versperrt ist, flüchtet, ohne sich mit Neugier aufzuhalten. Für den Moment sind die Harpyien zufrieden damit sie gehen zu lassen, sicher, dass sie ihre Beute schon wieder einholen werden, sobald diese Kleinigkeit bezüglich der Rangordnung zu allgemeiner Zufriedenheit ausgefochten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wissen nicht, dass ihr vermeintliches Opfer viel Übung darin hat, sich zu verstecken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Harim vom Hafen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Wärme Solgard erinnert Amrali an ihre Heimat, aber die Ähnlichkeiten sind beschränkt: Maethrins Mauern sind höher, die Straßen enger, das Stadtbild dominiert von dunklen Erdtönen des hier zu findenden Lehms und vom Weiss der Kreidezeichnungen, die sich auf nahezu allen Hauswänden finden. Vor allem aber wurde Maethrin mit einer offensichtlich anderen Zielsetzung erbaut: Als Zuflucht und Bollwerk, als Festung, die fast ungeplant mit den Jahren und den Generationen wuchs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Zeit hinweg war das genug: Amrali hat keine Erinnerungen, das je von Feinden auf den Straßen Maethrins berichtet wurde und sie ist zu jung um sich an die zwei Wochen andauernde Belagerung zu erinnern, bei der zuletzt tatsächlich Angreifer vor den Toren standen. Dennoch: Sie erinnert sich an die eisernen Käfige links und rechts der Wetterpforte, ein Halbdutzend Schritt über dem Erdboden aufgehängt und sie erinnert sich - zumindest von Erzählungen - an das Schicksal der Gefangenen, die dort platziert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gerechtigkeit Maethrins ist unerbittlich und gnadenlos, die Strafe für den Angriff auf die Mauern uniform, ungeachtet der Umstände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals war Amrali überzeugt von diesem System, aber wie es mit diesen Dingen immer ist: Es ist leicht, wenn man sich auf der sicheren Seite des Gesetzes dünkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Herz Maethrins war - zumindest bei Amralis letztem, nun Jahre zurückliegendem Besuch - die Arena. Hier, so wollte es die Tradition, wurde nicht nur eifrig Blut vergossen, wurden die Heranwachsenden geschult, gedrillt, geschunden, gedemütigt und gepriesen, sondern auch Recht gesprochen: Unter dem wachsamen Auge der Sonne, offen für alle Interessenten mit einem Platz auf den Rängen, während Richter, Ankläger und Angeklagte ihren Platz im Ring hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dinge sind in Solgard anders, nicht allein, weil es schlicht keine Arena gibt. Wenn ein Herz der Stadt existiert, dann schlägt es auf dem weitläufigen Marktplatz, vielleicht auch in der Kirche des Herrn, deren Besuch Amrali bis dahin tunlichst vermieden hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht, weil sie den Herrn fürchten würde - das tut sie mit der selbstverständlichen Gewissheit eines Geschöpfes, das sich von Göttern umgeben weiß - sondern aus einem Gefühl von Unbehagen heraus: Sie ist mit diesem Glauben nicht vertraut und die Solgarder Denkweise jede Freude in einen bleiernen Mantel der Pflicht zu gießen, scheint irgendwie auf die Gebote und Tugenden des Herrn zurückzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für sie schmeckt beides viel zu sehr nach abgeschüttelten Fesseln, nach Beklemmung, Schwere und der Agonie dunkelster Hoffnungslosigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind Gedanken dieser Art, die sie verdrängt, ersetzt mit hoffnungsvoller Neugierde bei der Erkundung der Stadt und all ihrer Winkel, bis sie sich schliesslich erstmals bewusst gewahr wird, wie nah das Meer hier überall ist, sich selbst die Zeit erlaubt zu beobachten: Die geruhsame Bewegung der rastlos laufenden Wellen, die sich ohne Unterlass in die Brandung stürzen, das stetige Spiel der Möwen, die sich von den Aufwinden treiben lassen und einander umkreisen, immer auf der Suche nach Beute. Am fernen Horizont wird das Blau des Himmels eins mit dem des Wassers - und bei aller Fremdheit dieses Anblicks fühlt sich das irgendwie wie Heimat an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Hast dich verlaufen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Moment zerplatzt mit dem Klang der Stimme im Rücken. Der Bariton klingt nach schimmelbewachsenen Wänden in nahezu lichtlosen Kellern, feucht, als wäre kaum noch wirkliche Substanz unter der Fassade von Stabilität. Alte, allzu vertraute Reflexe regen sich im ersten Moment der Überraschung, lassen die Glieder sich neu orientieren, noch während der Verstand dabei ist überhaupt eine erste Einschätzung anzugehen. Es ist der gleiche Reflex, der Worte formen möchte, eine Beschimpfung, die sie dem Mann .. beinahe .. entgegenspuckt, aber während die Zunge sich an den Silben müht, stößt der endlich aufschließende Verstand ins Leere, lässt sie im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos nach Luft schnappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann ist massig, aber nahezu einen Kopf kleiner als Amrali, so aufgedunsen wie eine an den Strand angespülte und dann sich selbst überlassene Leiche. Selbst die Farbe der Haut passt dazu, teigig und blass, durchsetzt mit dicken, krausen Haaren überall, nur nicht auf dem Kopf. Eines der Augen ist ganz offensichtlich blind, leblos und grau, das andere erscheint nicht sehr viel lebendiger, unfähig sich auf einen einzigen Punkt zu fokussieren. Kein Geruch, stellt sie nebenbei fest: Etwas an ihr erwartet bei dem Anblick den Gestank eines Haufen gammelnder Fischabfälle, aber das Gegenteil ist der Fall und etwas daran zerrt an ihren Nerven, bis sie begreift, dass es tatsächlich die gänzliche Abwesenheit irgendeines Geruchs ist, der ihre Wahrnehmung piekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Was willst du?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann lächelt, ein unheilverheissendes Grinsen, das die Reste eines einzigen verbleibenden Zahnes enthüllt und etwas funkelt in dem verbleibenden Auge, bevor die Stimme sich wieder hebt, gurgelnd, als würde in der Tat Flüssigkeit irgendwo in den Lungen schwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich habe jemanden verloren. Und du siehst aus, als könntest du diesen Platz füllen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen Moment ist Amrali einfach nur perplex, aber der stille Zweifel zerplatzt mit den nächsten Worten des feisten Mannes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ist nichts Besonderes, aber es hat ein Dach. Zehn Groschen jeden Morgen. Keine Gäste über Nacht, kein offenes Feuer im Haus, keine Anbetung des Nasenlosen. Kannst kommen und gehen wie es dir passt. Ich bin Harim vom Hafen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nasenlosen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann hustet, spuckt, ein klebriger Klumpen glibberiger Flüssigkeit bleibt auf dem gestampften Lehmboden zurück, der hier vage einen Straßenverlauf nachahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Frag nicht. Noch ist es frei. Was sagst?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zögert, aber letztlich ist die Frage keine Frage. Ohne Wagnis kein Gewinn. Was kann schon schiefgehen?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Wüste|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Stadt bleibt im Rücken Amralis zurück, wird abgelöst durch die mächtige, wenn auch bröckelnde Silhouette der aus Sandstein geformten Pyramide, die wie das letzte Relikt einer untergegangenen Zivilisation erscheint: Trotzig im letztlich nutzlosen Beharren, begleitet nur noch von verblassten Erinnerungen und unruhigen Träumen zwischen den zerfallenden Ruinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der in alle Ritzen dringende Sand ein Verbündeter, der die Makel kaschiert, bis sie letztlich unübersehbar geworden sind, oder ist er viel mehr ein Angreifer, dessen stetiges Bemühen Farbe und Form aus allen Dingen schleift?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es liegt eine Lektion in diesem langsamen Schauspiel, dessen ist sie sich bewusst, während sie dem müden Braunen erlaubt jenem kargen Pfad zu folgen, der einen der begehbaren Wege durch die Wüste beschreibt. Jetzt, in der Stunde gerade nach dem Aufgang der Sonne, flirrt die Luft noch nicht vor Hitze, aber die Geier sind dennoch bereits unterwegs, ziehen ihre Kreise am Himmel als hätten sie auf die einsame Wanderin und ihr abgemagertes Ross gewartet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Heute nicht!&amp;quot; verspricht sie den Aasfressern, die Stimmung noch hell und ungebrochen, frei von der Erschöpfung die jeder Abend bringt und der rastlosen Unruhe wenn die Träume ihr Recht einfordern. Hier, im ersten Licht eines neuen Tages fällt es leicht zu vergessen, was alles beschädigt wurde, leicht über die Makel und Sprünge hinweg zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotte ist vertrauter mit dem Pfad durch die Wüste als er sein sollte, das Erbe einer Zeit vor seiner aktuellen Besitzerin, denn auch wenn Ross und Reiterin wirken, als wären sie ein Paar, das durch Zeit und überstandene Abenteuer zusammengeschweisst wurde, so könnte das kaum weiter von der Wahrheit entfernt sein: Vor kaum mehr als Wochenfrist stand das alte Pferd noch davor sein Ende beim Schlachter zu finden und nur Glück - oder vielleicht das Schicksal - führte ihn mit der nahezu vollkommenen Mittellosigkeit Amralis zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Moment scheinen beide recht zufrieden mit dem Handel zu sein, auch wenn Amrali hofft die Rudel hungriger Wölfe zu vermeiden. Die Zeichen dafür stehen gut: Die Raubtiere wagen sich zwar bisweilen ein Stück in den Sand der Wüste hinein, aber sie scheinen der nie ganz lautlosen, fast unmerklichen Bewegung der Dünen nicht zu trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die Gezeiten der Wüste, die dem Besucher jeden Tag ein anderes Antlitz offenbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne die Wegzeichen ist es leicht sich zu verlieren, allzu einfach die sicheren Pfade zu verlassen, bis die Hitze den Gaumen ausdörrt und der Sand selbst unter den Schritten zu glühen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist es Zeit für die Geier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nicht mit Trotte, der die Wege besser kennt als seine Reiterin und sich selbst überlassen ohne Eile Richtung Nordwest zieht, immer in Sichtweite der fernen Hochebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gibt Amrali mehr Zeit nachzudenken, als ihr lieb sein kann - selbst der unsichere Untergrund erfordert nur ein Minimum ihrer Aufmerksamkeit und Trottes Temperament würde es ihr vermutlich erlauben im Sattel zu schlafen. Wenn die Hitze nicht wäre, natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Moment scheint es so, als wäre Solgard der perfekte Ausgangspunkt: Die Stadt macht einen überaus soliden Eindruck, sicher und aufgeschlossen, auch wenn ihr Teile der vorherrschenden Weltanschauung unbegreiflich erscheinen. Das, so kann sie nur mutmaßen, muss auf verletzten Stolz zurückgehen, auf in der Vergangenheit geführte Auseinandersetzungen, deren Natur sie nur erahnen kann, die ihr letztlich aber auch gleichgültig sind, gleichgültig sein müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt auch Negativpunkte: Die Unterkunft ist .. gewöhnungsbedürftig: die Wände so dünn, dass sie nicht wagt sich dagegen zu lehnen und irgendein Geruch hat sich in den Balken festgesogen, den sie nicht identifizieren kann. Die Nachbarschaft kann bestenfalls als zwielichtig bezeichnet werden, Gerüchten zufolge der Einfluss einer ganzen Anzahl von Einwanderern aus der Unterwelt Nebelhafens, die nun ihre düsteren Geschäfte in die Kanalisation Solgards auszudehnen trachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber all das wiegt für Amrali nur wenig: Allein die Freiheit die Behausung nach Lust und Laune verlassen zu können, die Straßen zu durchwandern, erscheint ihr bereits wie ein seltenes, unverdientes Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein. Nicht unverdient. Niemals unverdient. Niemals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Trotte abrupt verharrt, kehrt auch ihre Aufmerksamkeit zurück in das Hier und Jetzt, zu den bröckelnden Mauerresten voraus. Für einen Moment scheint alles still, ruhig bis auf den stetig gehenden Wind und das fast unmerkliche leise Raunen des bewegten Sandes. Mehr Bewegung unter der Oberfläche, bis sich ein blutiger Schädel an das Licht des jungen Tages schiebt. Kein Fleisch, keine Haut, keine Muskeln oder Haare: Pure Knochen die den Anschein machen von Blut überzogen zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen Moment überwiegt die Abscheu alles, der Magen beginnt sich umzudrehen, noch während der Braune scheut und dann in einem Anflug fast schon jugendlicher Beweglichkeit, steigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu anderen Zeiten, unter anderen Umständen, hätte es Amrali keine Mühe gekostet das Tier unter Kontrolle zu bringen, sich im Sattel zu behaupten. Aber alles ist neu dieser Tage und sie fällt, landet ohne Eleganz im Sand, kommt gerade noch rechtzeitig auf die Füße um die Klinge zwischen sich und die blutbedeckten Klauen des Untoten zu bringen. Die Knochen splittern, aber formen sich neu unter der fluiden Umhüllung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sorge weicht. Die Ungewissheit flieht, während der Herzschlag sich beschleunigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier zumindest ist einfach: Leben oder sterben.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Egel|CONTENT=&lt;br /&gt;
Das Tropfen im Halbdunkel ist stetig, das unaufhörliche Glucksen eines einzelnen, in einen stillen Teich fallenden Tropfens. Irgendwo im Hintergrund kann ein scharfes Ohr das Rauschen entfernter Brandung hören und Amrali erinnert sich an diese Kaverne, erinnert sich an die Unwirklichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Ort ist ein Symbol, heraufgeschworen aus endlosen, zermürbenden Beschreibungen, detailliert auch in Details, die sich im Zwielicht dem Auge entziehen sollten. Es gibt keine Lichtquelle, und dennoch ist es nicht vollkommen finster. Es gibt kein Hinein und kein Hinaus, aber dennoch scheint der Wind sich zu bewegen, bringt den Geruch von Salz und Tang mit sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas regt sich sich im nachtdunklen Wasser - der bleiche Leib eines armdicken Egels, dessen dicker Kopf augenlos nach etwas sucht. Es wird nicht lange dauern, bis er ihrer gewahr wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Es ist ein Traum. Nur ein Traum. Ich muss aufwachen, das ist alles.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das Herz schlägt ihr bis zum Hals und sie folgt dem allzu vertrauten Diktat einer vorherbestimmten Handlung, weicht zurück bis sich kalter, feuchter Stein in ihren Rücken presst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Egel ist nun nah, pendelnd, als würde er noch immer suchen, bevor sich die unförmige Mundöffnung ausrichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Berichte mir von deinem Glauben. Mit welchen Riten wird der Tag begonnen, mit welchen Riten endet er? Du musst mir etwas geben. Ich bin hungrig ..&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte Wort ist unverständlich, ein Sausen im Verständnis, als hätte der Wind die Silben gepackt und fortgeweht. Aber sie begreift dennoch mit einer Klarheit, die aus Erinnerung gespeist wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Das war mein Name.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie die Augen öffnet, findet sie sich in Solgard, auf dem armseligen Lager in der windschiefen, baufälligen Hütte im Hafen, jenem Platz, den sie seit wenigen Tagen eine Heimstatt wendet. Nicht viel - aber genug. Das bis zum Hals klopfende Herz beruhigt sich nur langsam, sucht nach Halt, nach Stabilität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Jagdgruppe am Abend, eine Menge unvertrauter Gesichter, aber eine Verbundenheit darin wie das Echo von etwas vor langer Zeit Verlorenem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich habe dir gesagt, ich finde dich in deinen Träumen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stimme ist zu vertraut, von einer täuschenden Süße wie Sirup über bitterem Gift und viel zu nah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann erwacht sie ein weiteres Mal, dieses Mal in die Stille der Heimstatt, ungestört. Für lange Minuten lauscht sie den Geräuschen des Viertels, unfähig zu entscheiden, ob das nun real ist, oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Stunden später ist diese Sicherheit noch nicht vollkommen da.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Angelmar|CONTENT=&lt;br /&gt;
Vor 6 Jahren ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist heiß in Maethrin, die Sonne unerbittlich und so war es schon vor der Feier des Sommerfestes, das nun bereits Monde zurückliegt. Schon damals duckten die Alten sich in die Häuser aus dunklem Lehm mit kreidebemalten Wänden, froh der Hitze zu entkommen. Aus dem Schatten heraus warnten sie vor dunklen Zeiten, die stets der erbarmungslosen Glut der Sonne folgen. Dieser Art ist die Weisheit der Priesterinnen: Auch wenn die Sonne Kraft gibt, auch wenn sie der Ursprung, der Anfang und die Vollendung des Lebens ist, so verbrennt sie doch auch das Grasland, lässt die Erde aufspringen und Flüsse versiegen. Darin liegt eine Warnung vor kommendem, drohendem Unheil. Wo die Sonne ungezügelt herrscht, da muss das Leben weichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war es einst. So wird es wieder sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tradition ist stark in der Stadt, wachgehalten in Erzählungen, in Mahnungen, in Weisungen und Forderungen. Die Jungen, gerade alt genug, um als Erwachsene zu gelten, scheren sich darum wenig: Sie hüllen sich in unerschütterliches Selbstvertrauen, im Stillen überzeugt, dass gerade sie die Welt zu einem anderen, besseren Ort machen werden, dass all diese Gedanken noch niemand vor ihnen gedacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind, wie die Älteren mit einem Lächeln vermitteln, Idioten, deren Hirn nicht mit dem Wachsen ihres Körpers schritthalten konnte. Hinter diesem Urteil verbirgt sich dennoch ungetrübte Zuneigung: Jene, die in Maethrin leben, fühlen sich verbunden. Ausnahmslos. Und Weisheit ist das Privileg jener, die überlebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali ist eine dieser Jungen: Zufrieden mit sich und der Welt, gänzlich überzeugt alles wirklich Wichtige bereits verstanden, schon vor Jahren verinnerlicht zu haben. Sie kennt die Gebete, sie ist vertraut mit der Routine der Wachen und beteiligt sich bei der Jagd mit ungezügeltem Eifer. Pflicht ist bei all dem so natürlich wie Atemzüge, Teil einer über die Jahre gewachsenen Identität. Aber sie ist, wie all die anderen jungen Erwachsenen ihrer Gruppe, im Herzen ein heimlicher Rebell, immer dabei die Grenzen der Regeln zu erproben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche sind darin vorsichtiger als Andere. Einige werfen sich in Ärger mit dem überschwänglichen Enthusiasmus eines Honigdaches. Amrali ist schlau genug nicht offen gegen Mauern zu laufen, die Autorität nicht offen herauszufordern. Sie findet andere Wege um Beschränkungen herum und wird noch lernen, das diese vermeintliche Klugheit auch nur eine besondere Form von Dummheit ist. Zu spät, natürlich. Manche Warnungen haben in Form von Worten schlichtweg kein Gewicht. Und einige hören nicht eher, als bis man ihnen die Ohren abschneidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber zurück zu Maethrin, die über dem Grasland thront auf zerklüfteten Felsen, Ausläufern eines im Norden dräuenden Gebirges, dessen langgliedrige Glieder sich wie steinernen Knochen durch die gesamte Steppe ziehen. Immer wieder einmal brechen sie durch die Oberfläche, formen meilenlange, wenn auch flache Täler in denen sich nach heftigen Regenfällen das Wasser zu Seen sammelt, die nicht viel später erst versumpfen, dann gänzlich austrocknen. Das ist Teil eines ewigen Kreislaufes der mit den Jahreszeiten ebbt und schwillt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer dieser Sumpfseen ist groß genug, dass er in Menschengedenken nie austrocknete und an seinem Ufer findet sich eine Ansiedlung, kaum zwei Reitstunden von Maethrin entfernt. Was als Anlauf- und Umschlagpunkt der Jäger und Fallensteller des Graslandes, der Holzfäller und Kähler der westlichen Wälder begann, wuchs im Laufe der Zeit ganz ähnlich wie Maethrin auch, aber in ganz anderer Weise: Angelmar ist keine Festung, sondern eine schmucke Stadt ohne Mauern, die in das Umland hinein wuchert, teilweise finden sich auf Pfählen stehende Häuser sogar im Uferbereich selbst. Gebaut wird fast ausschliesslich mit Holz, zumindest unter jenen, die es sich leisten können, nur in den ärmeren Bezirken wird auf den dunklen Lehm zurückgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, im dritten Mond einer beispiellosen Dürre ist der See weit genug geschrumpft, dass diese Häuser auf dem Trockenen stehen, ihre Pfähle ragen wie dürre, armselige Hühnerbeine in die aufgerissene Erde, die einmal schlammiger Grund war. Ruderboote liegen auf dem Trockenen, gestrandet, oder eine gute Laufstrecke entfernt, dort wo die Wasserfläche wieder beginnt. Es sind mittlerweile lange Fußwege für die Fischer und Aalstecher und ihre Stimmung reflektiert nur einen Teil der Sorgen und der wachsenden Nervosität der unruhigen Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einiges davon richtet sich auch in Richtung Maethrins, der Wehrhaften, der Wohlhabenden, mit den eigenartigen Sitten, über die mal mehr, mal weniger offen gewitzelt wird. Gewöhnlich mit einem gutmütigen Unterton, immerhin lässt sich eine gute Münze mit dem Handel verdienen. Heute, während Amrali durch die breiten Straßen wandert, den Bahnen folgend, die für den Transport von Baumstämmen zur Verschiffung gezogen wurden, hört sie mehr Feindseligkeit als gewöhnlich in den Bemerkungen, mehr Anspannung. Die Worte schmecken nach Furcht. Nach Neid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr Gerüchte kursieren auf den Straßen: über verborgene Brunnen, über tiefe Wasser im Stein unter Maethrin, darüber dass zu tief gebohrt wurde und nun das Wasser aus der Steppe sickert. Darüber, dass die Anwohner Maethrins allesamt Anbeter der sengenden Sonne seien und darum Schuld an der Dürre trügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einiges davon ist so absurd, dass sie an sich halten muss, nicht zu lachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie bekommt auch Wahrheiten zu hören: Dass die großen Herden nordwärts getrieben wurden in Richtung der Berge und das Geschäft der Jäger und Fallensteller für dieses Jahr ruiniert sein werde. Oder dass Maethrin seine Tore für alle Fremden geschlossen habe. Niemand, so verheissen die Gerüchte, wird Zuflucht in der Stadt finden, deren Anwohner keinen Durst zu leiden hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das, so weiss Amrali mit gänzlicher Gewissheit, ist Fakt: Sie war dabei als die neuen Weisungen für die Wachen ausgegeben wurden und sie erinnert sich auch an andere, damit einhergehende verbindliche Anweisungen: Keine Alleingänge mehr - selbst auf der Jagd müssen es immer mindestens zwei sein. Und keine Besuche der Städte mehr: Nicht Denkenfurth, nicht Grauburg, nicht Leuenstich und nicht Angelmar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist natürlich das besorgte Gerede der Alten, deren Lebenszeit nicht etwa zu einem Übermaß an Mut, sondern stattdessen zu einem Übermaß an Vorsicht führte und Amrali ist perfekt in der Lage selbstständig über ihre Sicherheit zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was soll schon passieren? Sie trägt eine vertraute Waffe und ein Lächeln, dessen Offenheit gänzliche Zuversicht vermittelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was gegenüber den Alten als Jagdausflug auf der Suche nach Wollnashörnern verkauft wurde, hat in Wahrheit zwielichtige Keller zum Ziel, vielleicht sogar eine der Arenen, wo unter dem Geschrei der Besucher mehr um Gold als um Ehre gekämpft wird. Unter der Oberfläche Angelmars mit seinen biederen Fassaden erstreckt sich ein Basar voller Farben und Verheissungen, bis zum Bersten gefüllt mit Verlockungen und Künsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur noch heute, das ist das stumme Verständnis der kleinen Gruppe, die Amralis Bitten, Versprechungen und Verheissungen folgte. Nur noch heute vor einer langen Zeit der Isolation hinter den Mauern Maethrins mit allzu vertrauten Gesichtern und allzu vertrauten Verhaltensweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier, so entschied sie, kam einem Abenteuer so nah, wie es nur möglich war ohne eine Klinge zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nacht ist bereits dabei dem ersten Licht des Tages zu weichen, aber davon ist in den verbundenen und mit Tuch behangenen Kellern nichts zu bemerken. Dennoch: Die Gruppe ist ermüdet, überreizt und selbst das Geschick der Feuergaukler wird nach einer Weile vorhersehbar und öde. Karten, Würfel, Duelle, das Stöbern zwischen sich biegenden Regalen nach Kleinigkeiten wundersamster Handwerkskunst, die hier für kleine Münze verramscht werden. Die Nervosität, so denke sie, hat einen Weg nach hier unten gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist, wenn Amrali sie das erste Mal sieht, durch einen noch immer mit Menschen überfüllten Raum. Dunkelbraunes, glattes Schopfhaar, das offen getragen bis weit über die Schultern fällt, eisengraue Augen, blasse Wangen. Eine schwere Robe, über deren Oberfläche sich Silberfäden ohne erkennbare Ordnung winden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Wie Würmer.&#039; denkt sie im ersten Moment, halb fasziniert und halb belustigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann spürt sie es: Wie das Echo eines fernen Rufs, ist da .. etwas. Fremd und gleichzeitig vertraut, ohne das sie die Hand darauf legen könnte. Es ist das Gegenteil von angenehm: Binnen eines einzigen Lidschlags sträuben sich all ihre feinen Nackenhärchen und der Instinkt reagiert, bevor der Verstand aufschließt: Die Waffe liegt in ihrer Hand, noch bevor die Fremde die Stimme hebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Lasst sie nicht entkommen. Und beschädigt sie nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Preis der Freiheit|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Freiheit, das lernt Amrali mit einiger Überraschung, ist teuer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte vielleicht kein Wunder sein, aber sie muss sich eingestehen, dass die Vergangenheit sie nicht auf diese banale Erkenntnis vorbereitet hat: Das Leben in Maethrin war in einer Art und Weise organisiert, in der die Verantwortungen ganz selbstverständlich geteilt wurden - eine große Gemeinschaft, vereint im Großen, auch wenn es im Kleinen durchaus Reibepunkte gab. Und in der Zeit nach Maethrin ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gedanken zucken ganz unwillkürlich zurück vor den Erinnerungen, als würde sich ihnen zu stellen, sie auch nur anzublicken, ihnen bereits Macht verleihen. Dafür sorgen, dass sie präsenter werden, deutlicher. Wahrhaftiger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch ertappt sie sich dabei den Blick zu wenden, die Winkel der armseligen Bretterbude zu prüfen, die sie dieser Tage ihre Heimstatt nennt. Nichts Unerwartetes präsentiert sich den Sinnen, auch nichts, was Anlass gäbe aufzuspringen um zwischen Kampf oder Flucht zu wählen: Die Balken sind schief, die Bretter verzogen, so dass zu jeder Tagesstunde das Licht der Sonne in dünnen Streifen eindringt, gnadenlos auf Staub oder Spinnweben hinweisend. Die Einrichtung ist so karg als wäre das hier eine Zelle: Eine Lagerstatt aus Stroh, Ausrüstung in Griffweite gelagert, ein kleiner, wackeliger Tisch zwischen der Schlafstatt und der Türe, beladen mit Kleinigkeiten und Krimskrams.&lt;br /&gt;
Aber: Es ist keine Zelle. Es ist die Freiheit und diese hat ihren Preis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz konkret: 10 Groschen jeden Morgen, zu zahlen an Harim, der aus irgendeinem für Amrali gänzlich unverständlichen Grund in der Kanalisation der Stadt haust. Zweimal war sie in der Zwischenzeit selbst dort unten, aber die engen, feuchten Tunnel erinnern sie zu sehr an frühere Erlebnisse, an einen Kampf in fast lichtloser Dunkelheit und die Narben, die ihr linker Arm seitdem trägt. Und dort unten Rattennester auszuräuchern machte ohnehin soviel Mühe, dass die schmale Bezahlung kaum die aufgewendete Zeit wert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Preis der Freiheit bedeutet für Amrali, dass die Unterkunft bezahlt werden muss, dazu kommen Kleinigkeiten wie sauberes Wasser, Obst und Fleisch wenig zweifelhafter Herkunft. Sie hat, das muss sie ernüchtert anerkennen, wenig nützliche Talente abseits der Fähigkeit mit einem scharfen Stück Metall Löcher in fremde Haut zu bohren oder zu schneiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch diese Fähigkeit hat aber ihre Grenzen: Die hünenhaften Einaugen, die auf einer sandigen Halbinsel Krieg gegen ein Volk gigantischer Insekten zu führen scheinen, sind nicht sonderlich schnell und von einem echten Verständnis der Feinheiten des Kampfes weit entfernt, aber sie sind groß, stark und zäh. Das ist genug, um Amrali öfter zur Flucht zu treiben. Zurück bleiben dann blaue Flecken, Prellungen und Quetschungen, dazu gesprungene Ringwehr und verbeulte Panzerung, selbst die alte Klinge, die seit dem zweiten Tag auf dieser Insel ihr treuer Begleiter war, verbiegt sich unter der eingesetzten Gewalt und die hineingeschlagenen Scharten lassen den Schmied ein um den anderen Tag den Kopf schütteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Du musst achtsam sein mit deiner Ausrüstung, Mädel!&amp;quot; tadelt er ohne aufzusehen und Amrali schluckt die scharfe Replik herunter. Die Gewohnheit macht die Irritation nicht geringer: In Maethrin wäre alles anders gewesen. Und der Preis für die Pflege und Instandsetzung der mitgenommenen Ausrüstung lässt es so wirken, als würde jeder Ertrag der eingegangenen Risiken dahinschmelzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich gibt es auch in Solgard Gemeinschaften, die solche Bürden und Herausforderungen gemeinsam stemmen, aber sie ist kein Bestandteil dieser Familien oder Interessenverbände, der Glaube an den Herrn ist ihr noch immer fremd, auch wenn sie sich angewöhnt hat in dessen Namen zu grüssen. Vielleicht wäre Wachdienst eine Möglichkeit, aber sie scheut ganz instinktiv vor dem Gedanken zurück sich so fest zu verpflichten.&lt;br /&gt;
Dazu kommt etwas, was sie sich im Licht des Tages kaum eingestehen will, aber mit der Ankunft der Dämmerung ungebeten, aber zuverlässig, den Weg in die Gedanken findet: Sie ist einfach nicht, was sie war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das lässt sich an Äusserlichkeiten festmachen: Der Blick in den Spiegel zeigt ihr noch immer ein fremd anmutendes Gesicht mit eingefallenen Wangen und tief liegenden Augen, das glühende Versprechen jugendlicher Vitalität verblasst. Der einst weit über die Schultern fallende Schopf wurde zum Opfer des Messers der Levinerinnen und auch wenn die Haare dabei sind nachzuwachsen, wird es noch Jahre brauchen, bis sie - wenn überhaupt - ihre vormalige Länge wieder erreicht haben. Umso deutlicher treten die Narben hervor, vertraut wie ein alter Schmerz beim Wechseln des Wetters, sie alle Zeugnisse von Fehlschlägen, von Schande.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine im Kampf erworbene Verletzung kann Ehre bedeuten. Aber nicht diese: Die einzige Geschichte dahinter ist eine, die besser unerzählt bleibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von all den äusserlichen Veränderungen als Tribut an die verstrichenen Jahre, sind da aber auch die .. anderen Dinge. Einige davon sind schwierig zu greifen: Mangelnde Trittsicherheit gegenüber vorher perfekter anmutender Balance. Ermüdung nach zwei Dutzend Schlagwechseln, wo sie früher Runde nach Runde in der Arena durchhielt. Der brennende Schmerz erlahmter Muskeln und das Gefühl bleierner Schwere am nächsten Morgen. All das kann sich auf die Gefangenschaft, auf die Krankheit zurückführen lassen.&lt;br /&gt;
Anderes dagegen ist so offensichtlich, dass sie davor zurückzuckt, wie vor einer offenen Wunde: Das Vergessen, die Unfähigkeit die richtigen Worte zu finden, das absurde Gefühl von Fremdheit mit jedem Satz, eingerahmt in das instinktive Begreifen: Das ist nicht meine Muttersprache.&lt;br /&gt;
Aber wo diese Vertrautheit sitzen sollte, ist nur ein Loch, eine Wunde wie von einem herausgerissenen Zahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Teil des Preises der Freiheit ist diese Gedanken zu haben. Es liegt ein Luxus darin zu trauern, sinniert sie, während sie durch die Strassen und Gassen Solgards streift, ruhelos wie ein zum ewigen Spuk verurteiltes Gespenst. Wer um das Leben kämpft, dessen Begreifen ist reduziert, auf das Notwendigste reduziert. Für Bedauern und Reue benötigt es Sicherheit.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Solgards Versprechen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Veränderung kommt mit so schleichender Subtilität, dass Amrali auch im Nachhinein den Moment nicht zu fassen bekommt: Wann hört eine fremde Stadt auf, wirklich fremd zu sein?&lt;br /&gt;
Selbst die Silhouette der Kathedrale, die sie bis jetzt gemieden hat - nicht aus Ablehnung der Lehren des Herrn, sondern wegen instinkter Scheu - erscheint plötzlich weniger unversöhnlich, weniger wie ein aufstrebendes Symbol emporstrebender Macht als mehr wie das Glimmen eines Leuchtturms, der einen sicheren Pfad verheisst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namen fügen sich mit Gesichtern ganz allmählich zu Geschichten zusammen, erschaffen Identitäten mit Hoffnungen und Würden, mit Titeln und Befindlichkeiten. Vertrautheit hat nicht nur angenehme Seiten: Der Hafen ist auch in Solgard ein rauhes Pflaster, selbst für eine Frau die einem Streit ungern aus dem Weg geht. Aber wenn die Zeit der Gefangenschaft sie eines lehrte, dann das das Diktat des Stolzes nicht unverletzlich sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das, so sinniert sie, während sie den gewundenen Gassen in Richtung der armseligen Bretterbude folgt, die sie dieser Tage eine Heimstatt nennt, ist etwas was mit den Lehren der Alten kollidiert, was scharfe Zurechtweisung einfordern würde. Aber Solgard ist nicht Maethrin und Amrali ist keine junge Kriegerin mehr, selbstüberzeugt bis zur Arroganz, stets bereit sich mit einem Lächeln in jede Herausforderung zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Ich habe überlebt. Aber die Narben bleiben.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke ist bitter und für einen langen Moment wird ihr die Kehle eng, wenn sie zurückdenkt an ihre Schwestern und Halbschwestern, an den Kreis der eine Familie formte, auch wenn die Bande des Blutes in Maethrin nicht viel bedeuteten. All das zerbrach: Nicht erst mit dem Richtwort in der Arena und der Streichung eines Namens aus dem Buch der Seienden, sondern schon zuvor, in jener Nacht als der geheime, rebellische Ausflug im Desaster endete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;So ganz allein unterwegs.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufmerksamkeit gibt die Vergangenheit los und springt in das Hier und Jetzt, fliegt über die vier Halbstarken hinweg, die den weiteren Weg durch die Gasse mit betont lässiger Haltung versperren. Zwei Messerträger, eine mit Nägeln versehene Keule, der Wortführer trägt ein Kurzschwert das bereits bessere Tage gesehen hat. Aber die Klinge wirkt scharf, gut gepflegt, auch wenn die Haltung des jungen Burschen keinerlei Schulung erkennen lässt.&lt;br /&gt;
Der Rückweg ist frei, was Bände für die Erfahrung der zusammengewürfelten Gruppe spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herzschlag beschleunigt sich und Amrali spürt es: Eine Mischung aus Ungeduld und Verlangen, den fast unbezähmbaren Wunsch augenblicklich in die Offensive zu gehen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie den Wortführer überwältigen und dessen Waffe an sich nehmen kann, bevor seine Kameraden auch nur geblinzelt haben. Keine Herausforderung, sofern sie den ersten Angriff überlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie zögert und das könnte auf dem Schlachtfeld den Tod bedeuten. Es könnte auch hier, nur zwei Dutzend Schritt von ihrem Heim entfernt, das Ende sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Gebt den Weg frei.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie spricht keine Drohung, aber die Verheissung einer solchen findet sich im Klang der Stimme, eingebettet darin wie solider Stahl in eine Schwertscheide. Vier Augenpaare blinzeln, rekapitulieren, wägen Möglichkeiten, Risiken und Wahrscheinlichkeiten ab.&lt;br /&gt;
Drei von ihnen entscheiden sich für einen Rückzug, aber in der Miene des Wortführers findet Amrali den Konflikt, die Notwendigkeit das Gesicht vor den Kameraden zu wahren, die Unmöglichkeit einfach klein beizugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Angriff!&#039; befehlen ihr alle Instinkte und dieses Mal ist es eine bewusste Anstrengung die Finger ruhig zu halten. Das hier ist keine Herausforderung, sondern eine Tragödie. Kein Ruhm, nur Blut, das der nächste Regen von der Strasse wischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Habe ich Euch nicht gebeten diese Gasse zu meiden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gereizten Instinkte protestieren gegen den Klang der Stimme, gegen die Ahnung einer in ewiger Feuchtigkeit gefangenen Gruft, gegen schimmelschwarze Wände, deren ursprüngliche glatte Fläche pockennarbig erscheint. Harim ist einen guten Kopf kleiner als Amrali, aber massig genug für vier Männer, aufgedunsen wie eine Wasserleiche nach einer Woche in einem vergessenen Hafenbecken. Schweiss glänzt auf dem kahlen Schädel des Mannes, dessen eines blindes Auge sich besser auf die vier Burschen zu fokussieren scheint, als das noch funktionierende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Geruch, das nehmen die Sinne ganz nebenbei mit, noch während sie sich fragt, welche Autorität ihr Vermieter hier führt. Nach allem was sie weiss, ist er ein in der Kanalisation hausender Sonderling, nur einen einzigen schlechten Tag davon entfernt von Maden gefressen zu werden.&lt;br /&gt;
Aber die Frage ist genug, um die Spannung zu brechen und die vier Möchtegernbanditen flüchten ohne einen Blick zurück, entschwinden in Richtung der Docks und Kaimauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Teil Amralis ist bitter enttäuscht, begehrt in heiss glühendem Zorn auf gegen die Einmischung von aussen, gegen den Beistand durch diesen .. Mann. Ein anderer Teil ist erleichtert. Ein dritter ist angeekelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich hätte Eure Hilfe nicht gebraucht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das blinde Auge des fetten Mannes starrt an ihr vorbei, aber das andere konzentriert sich tatsächlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich weiss.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Erklärung und am Ende ist es Amrali die den Blick senkt, beunruhigt, aus dem Gleichgewicht gebracht, erschüttert auf eine Art und Weise, die sie nicht in Worte fassen kann.&lt;br /&gt;
In der halbherzigen Abgeschiedenheit der kargen Heimstatt atmet sie schliesslich durch, prüft jede Ecke und entzündet eine ruhig brennende Öllampe, seit dem ersten Abend ein verlässlicher Begleiter. Ihr Licht hält die Dunkelheit im Zaum als Amrali in den Schlaf gleitet und in düstere Träume von engen Gängen und endlosen Fluchten, die letztlich alle wieder zum Anfang zurückkehren.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Unter grünem Schatten|CONTENT=&lt;br /&gt;
Amrali ist keine Gelehrte und sie weiß nichts über die Geschichte dieser Region, kennt nicht den Ursprung der bröckelnden Ruinen, die hier und dort noch durch das Grün brechen oder gänzlich freigelegt daliegen, wie Knochen einer längst verblichenen Bestie, an die sich kein Aasfresser wagte. Umso mehr spürt sie abergläubische Scheu und Verwunderung beim Anblick des einen, fast schon verwunschen anmutenden Turms, der sich wie ein vergessener Grenzposten an die Ausläufer des Gebirges anlehnt, aber dennoch im Dschungel wurzelt. Dort, daran hat sie keinen Zweifel, können nur die absonderlichsten Gestalten hausen: Ausgestoßene und Sonderlinge, verrückte Propheten und kaltblütige Kehlenschneider, deren fremdartige Gelüste sie gezwungen haben, ein Obdach fern der Zivilisation zu wählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So oder so: Sie meidet es, sich diesem Bauwerk zu nähern, während sie fluchend und den Griff der Waffe fest umklammert trügerischen Wegen folgt. Nichts hier ist sicher, alles scheint in Bewegung. Der ohrenbetäubende Lärm um sie herum besteht aus den heiseren Schreien von Jägern und den oft noch schrilleren Antworten von Beute, wobei die Rollen nicht immer so klar sind, wie sie es sein sollten. Sie ist sich nur zu bewusst, dass sie selbst Interesse geweckt hat: Nach einer kurzen Konfrontation bleibt ein Bündel Wegzehrung zurück, wie ein Tribut für den Tümpel und die dort hausende, nur aus Panzerung und Zähnen bestehende Kreatur. Andere Angreifer sind subtiler: Schwärme von Moskitos, deren stetiges aggressives Summen an ihren Nerven zehrt, Blutegel, die mit abstoßender Agilität unterwegs sind und, einmal festgeklammert, nur mit Blutzoll wieder zu lösen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali ist froh, als der Dschungel hinter ihr zurückbleibt, das grüne Dach sie endlich freigibt. Die aufragenden Schluchten voraus bergen ihre eigenen Gefahren, aber ihre greifbare Solidität ist etwas, dem sie sich eher gewachsen fühlt. Dennoch, das muss sie zähneknirschend einräumen, als sie den Zustand der guten, erst wenige Tage alten Lederstiefel prüft: Es könnte sein, dass dieser Auftrag sich zu einem schlechten Geschäft entwickelt. Eine gute halbe Meile zurück stolperte sie in ein sich unversehens unter ihr öffnendes Sumpfloch, bis dato verborgen unter einer Schicht gammelnder Blätter, die eine nicht vorhandene Verlässlichkeit vortäuschten. Und nun ist das Leder dabei, sich langsam, aber erkennbar aufzulösen – ein Anblick, der Amralis Haut zum Jucken bringt. War das überhaupt Wasser? Es fühlte sich … warm an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie schlägt ganz instinktiv ein Schutzzeichen, eine Geste, die ihr in Fleisch und Blut übergegangen ist, auch wenn sie die dazu passenden Worte des Gebets, der Anrufung, nicht mehr zusammenbekommt, und verdrängt den Gedanken, zieht weiter in Richtung der sich nach der Schlucht öffnenden Wälder. Auch das ist nicht ideal, denn Amrali bevorzugt einfach die vertraute Weite – aber es ist besser. Zumindest theoretisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Praktisch geben ihr die beschatteten Pfade zu viel Zeit zum Nachdenken. Damit einher geht die unangenehme Einsicht, dass die Tagelöhnerei einfach nicht ausreicht, dass es Gründe gibt, warum gute Münze für teils absurd anmutende Aufträge bezahlt wird: In den meisten Fällen ist so viel Mühe und Aufwand damit verbunden, dass es sich kaum lohnt. Was sie braucht, ist eine solidere Basis, feste, einschätzbare Verpflichtungen mit ebenso fester, einschätzbarer Vergütung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gibt es in Solgard einige Möglichkeiten: Die Stadtwache ist eine offenkundige Option, aber diese Form der Verpflichtung erscheint Amrali ein wenig zu strikt – vor allem nach einigen wenig schmeichelhaften Bemerkungen über die Ödnis des Wachdienstes. Vielleicht gäbe es auch einen Platz bei der Kirche des Herrn, aber bis jetzt weiß Amrali nur sehr wenig über den Glauben, und ein Teil von ihr kann nicht anders als zurückzuschrecken. Kompromisse und Anpassung sind das Eine. Aber die Form – nicht unbedingt der Inhalt – des Glaubens widerspricht allem, womit sie aufwuchs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt noch andere Optionen, und darüber denkt sie nach, während sich um den Waldweg herum eine Lichtung öffnet. Mit der Sonne kommt die Wärme, vertreibt die letzten Reste klammer Feuchtigkeit aus den Gliedern, aus den Fransen des abgerissen wirkenden Umhangs. Zlata könnte wissen, wer jemanden braucht, der keine Scheu hat, sich auch einmal die Hände schmutzig zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke lockert Amralis Stimmung auf und für eine Weile sind die Alpträume fern, unwirklich.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Solgards Träume|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Tage reihen sich für Amrali aneinander wie die Glieder einer Kette, gefüllt mit Aufgaben, die ihr kaum einen Moment zur Besinnung lassen. Zu anderen Zeiten lag sie für Stunden wach, hadernd und grübelnd, ungewiss über Vergangenheit, Zukunft und erst recht Gegenwart, aber zumindest das ist eine Bürde, die sich dieser Tage nicht zeigt: Die Abende sind gefüllt mit bleischwerer Erschöpfung, mit einem Lösen von über den Tag aufgebauter Spannung, die ihr kaum genug Zeit lassen, sich auf das karge Strohlager der Bettstatt zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Träume sind - natürlich - unvermeidlich, präsent wie Gestank in den Tiefen der Kanalisation und genauso widerlich. Das, so seltsam der Gedanke auch ist, erscheint fast wie Routine, die Amrali an eine eigenartige, nur halb erinnerte Geschichte erinnert, in der ein Bäcker seine Katze zum Auswischen des heissen Ofens verwendete, immer unter Nennung des gleichen Satzes: &amp;quot;Nur, bis du es gewohnt bist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Pointe, vielleicht auch die Lehre der Geschichte ist schon lange verloren, mit den Jahren in formloses Dunkel abgetaucht, in dem nun, wie eine einsame, vergessene Insel, diese eine Szene noch immer beharrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nur, bis du es gewohnt bist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Flüstern hängt noch in der Luft, während sie ganz zu sich findet, aus dem Traum gerissen wie so oft durch ein Übermaß an Entsetzen. Schon jetzt, noch während das Herz bis zur Brust hämmert, verwirren sich die Traumgesichte in zusammenhanglose Fetzen, driften auseinander wie Rauch. Das Einzige, was wirklich erscheint, sind der kalte Schweiss auf der Stirn und ein stechender Schmerz im linken Arm, auf den sie im Schlummer gerollt sein muss. Selbst im matten Licht der niedrigen Talgkerze sind die Narben dort sichtbar, stumme Zeugnisse für einen vergeblichen Kampf und eine schamvolle Niederlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist, wie sie zugeben muss, während sie die Hand öffnet und wieder schliesst, an sich ein Wunder, dass ihr die Gliedmasse überhaupt blieb, dass die Finger so präzise greifen wie eh und je. Der Schmerz bei jedem Wetterwechsel und die Schwäche, die es ihr dieser Tage nicht länger erlaubt, einen Bogen zu führen, sind, nüchtern betrachtet, ein kleiner Preis, eine Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Aber es fühlt sich nicht so an. Es ist immer einfacher das zu betrauern, was man verlor, als das zu schätzen, was man noch hat.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gewöhnlich ist die Müdigkeit nach diesem ersten, jähen Auffahren geflohen, aber das bannt die Schwere nicht aus den Gliedern: Der Körper benötigt Ruhe, damit er bereit ist für das nächste Tagewerk. Dennoch weiss Amrali, dass es ein halbes, vielleicht ein ganzes Wassermass brauchen wird, bis die Erschöpfung die momentane Aufregung überlagert und ihr erlaubt, erneut zur Ruhe zu finden und so ist das Nächste auch längst eingeprägte Gewohnheit: Aufstehen. Das Talglicht prüfen. Ein wenig Wasser, um den kalten, nun schon getrockneten Schweiss fortzuwaschen und dann hinaus auf die selbst zu dieser Stunde nicht gänzlich schlummernden Straßen Solgards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg ist nicht weit, die flackernden Lichter der Bollwerkszunft reichen noch fast bis zum Stückchen Strand, an den sie sich hockt und in eine Decke gewickelt gen Süden starrt über die offene, rollende Oberfläche des Meeres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Monate sind es nun, seitdem sie gar nicht weit von hier entfernt aus den Wellen kroch, entkräftet, aber lebendig, die Ketten noch an Hand und Fußgelenken. Vor dem inneren Auge kann Amrali das Gespenst ihres eigenen Ichs sehen: Abgemagert, erschöpft, dem Tode näher als dem Leben und doch: Hoffnungsvoll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zeit brachte neue Bekanntschaften, neue Verpflichtungen: Die Farbe auf dem Bürgerbrief ist noch frisch, das Siegel unter dem Dienstvertrag mit der Axiom-Gesellschaft dagegen hat schon einige Wochen gesehen. Das Schopfhaar ist nicht länger so kurz, wie es von den Levinerinnen geschoren wurde, und das bringt seine eigene Fragestellung mit sich, eine über die nachzudenken die erschöpfenden Tage noch keine Zeit, keine Ruhe ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht jetzt, hier am Strand Solgards, während sich von West ein lichtlos fahrendes Schiff nähert, kaum mehr als eine Nussschale mit gestrichenen Segeln, bewegt durch ein Halbdutzend ambitionierter Ruderer. Schmuggler, höchstwahrscheinlich. Aber Amrali ist nicht neugierig genug, um sich die Frage zu stellen, was es wert ist, des Nachts heimlich befördert zu werden. Sie verfolgt einfach die langsame Vorwärtsbewegung des Schiffes, lauscht auf das Platschen der Ruder, bis die Dunkelheit das kleine Gefährt wieder schluckt. Sie ist nicht ganz sicher, ob es wirklich da war oder nur eine Ausgeburt der Träume, der Schatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke treibt die Müdigkeit zurück und für lange Minuten beobachtet sie einfach nur, sucht nach Diskrepanzen oder Sprüngen, nach Abweichungen, die ihr verraten könnten, dass sie in Wahrheit noch immer schläft, vielleicht friedlicher als vermutet. Der Wind fühlt sich real an. Genauso der Sand in den sich die bloßen Zehen bohren. Aber das hat nichts zu bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit, während sie bereits spürt, dass es bald Zeit ist in die baufällige Bretterbude zurückzukehren, die sie dieser Tage eine Heimstatt nennt, streifen die Gedanken ein nur wenige Tage zurückliegendes Gespräch über Respekt, Anerkennung und das Erproben, Überschreiten von Grenzen. Ein bitterer Anlass, geschaffen aus einem weiteren, nicht einmal registrierten Makel. Aber nicht das ist es, was sie fesselt, sondern das Ende, die finalen Worte und die unerwartete Wärme, die auch nun aufsteigt. Etwas, was an früher erinnert, an leichtfertige, für selbstverständlich genommene Vertrautheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Es ist immer einfacher das zu betrauern, was man verlor, als das zu schätzen, was man noch hat,&amp;quot; erklärt sie dem stetigen Wind, der die Worte gleichgültig mit sich nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Farbe des dräuenden Morgens ist bereits am Horizont zu erahnen, als Amrali letztlich wieder zur Ruhe findet.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Bronze und Blut|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die sanften Hügel des Steppenlandes sind mittlerweile vertrautes Terrain und jederzeit eine willkommene Abwechslung nach den erschöpfenden Dünen der harschen Wüstenlande. Auch Trotte schlägt, ohne dazu genötigt zu werden, einen rascheren Schritt an, ohne Zweifel bereits die Oase witternd, die sich derzeit noch dem direkten Blick entzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist, wie Amrali zufrieden feststellt, aufgeblüht: Das Tier, das vor bald einem viertel Jahr noch kurz davor stand, sein Ende beim Schlachter zu finden, ist nun mehr als nur Haut und Knochen, die Ohren bewegen sich lebhaft. Er ist dennoch ein altes Pferd, die Blesse auf der Nase schon lange dabei die gesamte Schnauze mit Grau zu überwuchern, aber sein Schritt ist sicher und er reagiert gut auf Zügel und Fersen.&lt;br /&gt;
Nicht zum ersten Mal fragt Amrali sich im Stillen, welches Geschick, welche Geschichte hinter dem alten Hengst steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nicht mehr weit.&amp;quot; versichert sie ihm, die Zuversicht in der Feststellung mehr ihr selbst geltend als dem Reittier, das auch ganz allein den richtigen Weg findet, den ausgetretenen Pfad verlassend in Richtung der sich in einem Halbtal öffnenden Wasserstelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist vertraut, aber nicht Heimat, die Steppen rund um Maethrin waren viel mehr von Steinen geprägt, von langen, unter Erde und schütterem Gras teilweise verborgenen Felsformationen, hingestreckt wie die Knochen einer gewaltigen, urzeitlichen, das ganze Land überschattenden Bestie.&lt;br /&gt;
Hier ist es wärmer: Der Atem der Wüste reicht weit bis in das karge Steppenland hinein, aber nicht trockener, der Untergrund vielleicht lehmiger, erdiger, besser das Wasser haltend.&lt;br /&gt;
Sie ist, wie sie sich einmal mehr bewusst macht, mit all diesen Details nicht vertraut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Ich könnte Zlata fragen. Sie wüsste es sicher und würde mir einen Vortrag halten über die Natur der Steppe, den Übergang zur Wüste und die Eigenheiten und Besonderheiten der kleinen Oasen, falls man das überhaupt so nennt hier.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke bringt sie zum Lächeln, zieht aber auch eine warme Sehnsucht mit sich, ein Verlangen, das im Untergrund wartet, verborgen wie ein Schleierfisch auf der Jagd. Und mit dem Verlangen kommt der Schmerz: vertrauter als die Steppe, bekannter als die Gassen Solgards und das stetige Echo der sich am Strand brechenden Wellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein zu sein ist unnatürlich, ein Affront gegen die natürliche Ordnung, gegen alle Lehren und alle Weisungen, die stets im Kern eines betonten: Die Gemeinschaft ist wichtiger als jede Einzelne. Du bist Nichts ohne die Vielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Und ich bin .. Nichts.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotte verharrt in Sichtweite der sich aus dem kargen Boden erhebenen, vom Wind gebeugten Bäume, die Zeugnis sind für das Wasserloch zwischen ihren Wurzeln, die Quelle, die gerade genug ist, um für diesen Fleck ausufernden Lebens inmitten karger Verlassenheit zu sorgen.&lt;br /&gt;
Es liegt eine Poesie in dieser Beobachtung, die ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.. der Schlag reisst Amrali aus den Gedanken, ein gewaltiger Impuls, der Trotte zur Seite schleudert und sie mit ihm. Erst einen Moment verspätet realisiert sie den Reflex von Sonnenlicht auf Metall, auf der gewaltigen, gebogenen Bronzeklinge einer Axt, die ihr eigenes Knie um kaum mehr als eine Handspanne verfehlte und sich stattdessen tief in den Leib ihres Tieres grub. Trotte schreit und sie schreit mit ihm, ein Protest gegen die Gleichgültigkeit der Welt und die Brutalität des Augenblicks, kurzlebig, bevor der Aufprall die Luft aus ihren Lungen treibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie rollt, hart, ohne Eleganz, gerade eben noch rechtzeitig, um nicht unter der röchelnden Masse Trottes begraben zu werden. Das Blut des Pferdes scheint überall zu sein, auf Kleidung und Händen, sie schmeckt es auf den Lippen, riecht es in kupferroter Bitterkeit. Etwas anderes ist dazwischen, so prägnant, dass es unmöglich nicht zu bemerken sein sollte, eine stechende Warnung aus ranzigem Fett und Talg, aus altem Schweiss und anderen, namenlosen Dingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch darin, so stellt ein ferner, emotionsloser Teil von ihr fest, liegt etwas Vertrautes, wie ein altes, unter Jahren begrabenes Versprechen, das sich heimlich zurück an die Oberfläche der Gegenwart stiehlt und seinen Preis einfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Unmöglich.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Waffe springt wie von allein in ihre Hand, während sie herüber starrt auf die machtvolle, sich auf fast drei Schritt streckende Gestalt mit den überlangen, vermeintlich feisten Armen, die einen jungen Baum mit selbstverständlicher Gemächlichkeit als Keule tragen könnten. Aber die linke Hand hält keinen Baum, sondern den Griff einer Axt. Deren bronzener Kopf ist mit grob gehauenen Runen übersät, was den Eindruck von Alter nur bestärkt, sie wirkt wie ein Anachronismus in diesen modernen Zeiten, in denen legierter Stahl das Schlachtfeld regiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali kennt diese Zwillingsäxte, deren wahre Namen unbekannt sind, aber von den Ihren auf „Hatz&amp;quot; und „Fang&amp;quot; getauft wurden. Sie kennt den Oger, dessen Gestank sie genau wie damals zum Würgen reizt. Sie erinnert sich an das Grab, das sie für diesen elenden, gefallenen Feind schliesslich hinterliess, als Zeichen der Warnung und des Triumphes gleichermassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Protest bleibt zahnlos, während die letzten Schreie Trottes verstummen, abergläubische Fassungslosigkeit lähmt die Entschlossenheit, während sie zurückweicht vor dem nun unbeirrt nahenden Schlächter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist es: Sie erkennt die Narben wieder, die die wulstigen Lippen teilen, das fehlende linke Ohr und die langen dunklen Linien überstandener Verletzungen, die entlang der Arme verlaufen.&lt;br /&gt;
Sie erkennt das Kreuzmuster an Schnitten auf der Brust wieder, jeder ein Zeichen von Spott und Herausforderung: Errungene Siege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist unmöglich: Dieser liegt begraben auf einem fernen Kontinent, modernd seit mehr als acht Jahren, überwunden von einer Kriegerin, die alles hat, was Amrali heute ohnmächtig vermisst: Eleganz. Kraft. Schnelligkeit. Zuversicht. Unbekümmertheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Oger lässt seine zweite Axt in der Leiche des Pferdes zurück, nähert sich mit der Unvermeidlichkeit eines Erdrutsches, das Lächeln entblößt genau wie damals die hölzernen Zähne. Ausgestossen von der eigenen Sippe für Amrali unbekannte Verbrechen, wuchs dieser zu einer Bedrohung des nördlichen Steppenlandes, die Zuflucht irgendwo im Grenzland zu den tiefen Wäldern, bis er schließlich den Pfad Maethrins kreuzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute führt Amrali keinen Bogen, um den Giganten bereits aus der Ferne zu verwunden und in Wut zu versetzen, keinen Speer, um den Reichweitenvorteil dieser absurd langen Arme wenigstens teilweise auszugleichen. Sie taucht unter dem ersten Schwung der Axt hindurch und verliert beinahe den Kopf, als der Oger sich dreht, mit einer Behendigkeit erneut attackierend, die die vermeintliche Trägheit des feisten Leibes Lügen straft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der eigene Gegenangriff geht ins Leere, die vorgestossene Klinge durchschneidet nur die Luft, als der Oger einen Schritt zurücksetzt und dieses Mal hat sie nicht genug Raum um dem nächsten Angriff auszuweichen. Der Hieb gleitet am Schild ab und ein dumpfer Schmerz geht durch den gesamten linken Arm Amralis, die Erschütterung hart genug, dass es sich anfühlt, als wäre der Knochen geborsten. Die Finger geben nach, kraftlos, die ganze Gliedmaße wie totes Gewicht an der Seite, während sie um das Gleichgewicht kämpft, aus geweiteten Augen die Bewegung der bronzenen Axtklinge verfolgend, die der Oger nun in einem weiten Bogen zurückschwingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nutzt die Öffnung, um nach vorn zu gehen, den verhängnisvollen Nachteil der geringeren Reichweite damit ausgleichend. Mit der kürzeren Waffe ist sie für direkte Nähe besser gerüstet und sie kann es sich nicht leisten, den Kampf in die Länge zu ziehen. Der Oger ist grösser, stärker, ausdauernder. Und sie hat bereits einen Arm verloren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klinge fährt über den Wanst, über die zähe Haut und hinterlässt einen langen, blutigen Schnitt, aber nicht mehr. Noch bevor sie den Angriff ergänzen und die Waffe durch den Leib der Kreatur bohren kann, findet die übergrosse, waffenfreie Pranke ihr Ziel. Finger, dick wie Amralis Unterarm, schliessen sich um ihren Schädel und drücken zu, bis der Knochen zu knirschen beginnt – ein plötzlicher, siedendheisser Schmerz in den Halswirbeln gesellt sich dazu, als der Oger sie in die Höhe reisst, am ausgestreckten Arm baumeln lässt wie eine Puppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Heute nicht, #$#*!#&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Letzte ist ein Wort und doch kein Wort, etwas, was an ihrem Begreifen vorbeifliegt ohne Halt zu finden.&lt;br /&gt;
&#039;Ein Name.&#039; wundert sie sich ein winziger Teil von ihr, während die Instinkte sie vergeblich an den Fingern des Ogers krallen lassen. Und:&lt;br /&gt;
&#039;Aber er hat nie gesprochen.&#039;&lt;br /&gt;
Das schmerzhafte Knirschen des eigenen Schädelknochens geht in ein helles, berstendes Knacken über, Schmerz flackert auf wie eine Stichflamme. Dahinter ist nur samtweiche Dunkelheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
---------------------------------------------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali erwacht zum protestierenden Schmerz des eigenen linken Arms, auf dem all das Gewicht ihres Körpers lastet. Sie schmeckt Blut auf den spröden Lippen und Staub, ein dumpfer Schmerz bohrt mit träger Gemächlichkeit zwischen ihren Schläfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie rollt sich auf die Knie, noch immer desorientiert, bevor ihr Blick auf die erkaltete Leiche Trottes fällt. Das Pferd ist tot, daran kann kein Zweifel bestehen, der Leib halb entzwei geschnitten durch den machtvollen Hieb einer scharfen Waffe.&lt;br /&gt;
Die uralte Bronzeaxt ist nirgendwo zu sehen, verschwunden wie der Oger, der sein Leben vermeintlich vor Jahren in einer Steppe fern von hier aushauchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War er hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke treibt sie in die Höhe und auf frantische Spurensuche, aber der harte Steppenboden gibt selbst hier in der Nähe des Wasserlochs nicht viel preis. Alles könnte sein. Nichts ist eindeutig, bis auf das Fehlen des Angreifers und seiner mörderischen Zwillingswaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Und ich lebe.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kommt mit einem tiefen Gefühl von Ohnmacht, eingerahmt durch beunruhigte Verwirrung, in die sich nagend abergläubische Furcht mischt. Einzig der Schmerz im linken, vor Jahren zertrümmerten Arm erscheint so real wie das stetige Licht eines Leuchtturms vor dunkler Gischt und er ist ein treuer Begleiter, als sie sich zurück nach Solgard schleppt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zurück bleibt die Leiche Trottes, Mahlzeit für ein Rudel hungriger Wölfe. Für die Tiere gibt es keinen Zweifel daran, was real ist und was nicht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Nordwind|CONTENT=&lt;br /&gt;
Amrali ist mit Schmerzen vertraut: Denen nach einem Kampf, wenn der Preis gezahlt wird für eine Herausforderung, ganz gleich, ob freundlich oder nicht. Und mit den .. Anderen, die keine sichtbaren Narben hinterlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust Trottes ist etwas, was an ihr nagt, einen unzufriedenen Grimm hinterlässt, als würde ein Teil von ihr weiterhin bluten und sie weiß, dass das nicht zu weit von der Wahrheit entfernt ist. Das ist, wie sie gelernt hat, ein Teil des Ganzen: Unvermeidlich für die letztliche Heilung, die irgendwie ein Davondriften ist, die gemächliche Distanzierung über Zeit. Der Ersatz mit etwas Neuem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Neue trägt in diesem Fall den Namen Fleck und ist ein junger Schecke, feurig, ungeduldig und zu temperamentvoll, um sich ihm anzuvertrauen. Anders als Trotte benötigt Fleck stetige Aufmerksamkeit, Kontrolle und Korrektur und diese Aufgabe beansprucht einiges von Amralis verfügbarer Zeit. Es ist anstrengend, aber willkommen, auch wenn es an alte, glückliche Erinnerungen rührt, die auf ihre Weise noch darauf warten, endlich zu vernarben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Aber das werden sie nie.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Steppenland Maethrins war die Heimstatt struppiger, robuster Ponies, allesamt Falben in verschiedenen Schattierungen. Ausdauernd, trittsicher und unerschrocken, aber nicht zu vergleichen mit einigen der gewaltigen Schlachtrösser, die Amrali seit ihrer Ankunft hier zu Gesicht bekam. Seit Menschengedenken waren diese Pferde in riesigen Herden unterwegs, groß genug, dass die herausgefangenen Tiere der jährlichen Jagden keine Rolle spielten. Niemand, so sinniert Amrali, während sie ihre baufällige Heimstatt zurücklässt und sich auf den Weg zur Bollwerkzunft macht, verschwendete auch nur einen Gedanken daran, vielleicht selbst Pferde zu züchten - zumindest nicht in Maethrin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darin liegt ein Paradigma, das sie Mühe hat, zu greifen, eine fundamentale Ableitung, deren Präsenz sie spürt, ohne die richtigen Worte zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ankunft bei der Bollwerkzunft entbindet sie von der Pflicht solcher Grübeleien, die Stimmung wandelt sich. Nicht zu Erwartung, denn es gibt keine Notwendigkeit, die Ausrüstung zu pflegen, die erst vor Stundenfrist fertig gereinigt und geölt wurde, jetzt in der Heimstatt unter Tüchern auf die Abendkühle wartet, für einen finalen Durchgang mit Wachs. Es ist etwas in den Stimmen, die durch den Lärm der Werkzeuge klingen, etwas im Versprechen von Gemeinschaft, das die gallige Schärfe aus dem Bewusstsein treibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Zumindest für eine Weile kann ich so tun, als würde ich dazugehören.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist einfach: Ein Gespräch hier, ein Geschwätz da. Gesichter und Namen, die mittlerweile nicht mehr gänzlich fremd sind, und dann ist da Zlata, wie so oft getrieben von einer tatkräftigen Entschlossenheit, die die Welt in Probleme einteilt und dann alle zugleich zu lösen versucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Amrali! Habt ihr auf dem Weg hierher eine Karawane vom Steinbruch gesehen? Angeführt von einem zotteligen Alten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie vermeidet es haarscharf, zu Radesvald herüberzustarren bei der Beschreibung, aber kann nicht umhin zu bemerken, wie die Frage Zlatas einen Wellenschlag an Reaktion durch den ganzen Raum schickt, als die Mehrzahl der Anwesenden den gleichen Impuls verspüren und in Richtung des alten Druiden blicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr Worte werden gewechselt, das Hin und Her löst sich auf, als Amrali sich anschickt, Zlata zu folgen. Der Steinbruch ist in überschaubarer Entfernung zum Stadttor Solgards, das Wetter mild und ein Fußmarsch genau das Richtige, um den Abend abzuschließen. Und es wird ihr Gelegenheit geben, Fragen zu stellen: Zuviele Themen wurden angekratzt, aber nicht beendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg ist ihr vertraut: Auch wenn es keinen wirklichen offiziellen Weg zum Steinbruch gibt, haben die jeden Tag dorthin ziehenden Arbeiter doch ihre Spuren in den Sand geprägt, hier und dort ist die Richtung unnötig durch in den Untergrund getriebene Pfähle zusätzlich markiert. Jetzt, zu dieser Stunde, ist dieser provisorische Pfad aber verlassen. Darin liegt ein Rätsel: Sollte die Tagesglut es nicht angenehmer machen, des Abends zu arbeiten? Der Steinbruch ist ein Tagebau, zwängt sich wie ein Parasit an die Flanken der Berge, ohne dabei eine nennenswerte Höhe zu erreichen, eingerahmt und abgesteckt durch hölzerne Gerüste. Die Spuren eines Lagers sind genauso zeitweilig wie der Weg, warten nur darauf, vom nächsten Sturm einfach davongefegt zu werden, selbst jetzt, kaum Stunden nachdem die Arbeiten eingestellt wurden, findet sich schon eine dünne Schicht von Sand auf einem mächtigen Kessel, der nur noch aus Ruß und Rost zu bestehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sind sie da: Vier Hünen, bewaffnet und bewehrt, allesamt über zwei Schritt groß, grimmige, dunkle Gestalten vor dem Hintergrund des noch immer blendend hellen Sandes, der das letzte Licht der Abendsonne fängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amralis erster Impuls ist .. Aufregung. Die Nordleute und Maethrin waren stets ungleiche Verbündete, von mehr Eigenheiten getrennt als verbunden, aber sie erinnert sich an die seltenen Besuche, bei denen die Nordleute über die Menge hinwegragten, wie Erwachsene über eine Schar von Kindern. Es war immer ein Spektakel und begleitet von einträglichem Handel, wenn schwere Felle im Steppenland gänzlich unbekannter Tiere staunend befühlt werden konnten.&lt;br /&gt;
Ihr zweiter Impuls ist Ernüchterung: Dies ist nicht Maethrin und es herrscht Krieg zwischen Solgard und Fjellgat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mienen der Nordleute lassen wenig Zweifel an ihren Absichten, noch bevor die Worte kommen - in einem Wirrwar von Dialekt, durch den Amrali sich nur mit Mühe kämpfen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Entwaffnen.&amp;quot; versteht sie und &amp;quot;Ich will sie lebendig.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen Moment steht ihr Herz still, bevor es abrupt bis zum Hals schlägt, getrieben von einem tief wurzelnden Entsetzen, das aufbricht wie eine alte, nie ganz verheilte Narbe. Die Waffe springt in ihre Hand und sie geht geradewegs zum Angriff über, schnellt voran. Die Klinge schabt nutzlos über Metall und Leder, gleitet ab, während der Hüne in Kampfhaltung fällt - vielleicht überrascht von der Dreistigkeit der Attacke, aber nicht genug, um überrumpelt zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf, wenn man es so nennen will, dauert nur Sekunden, dann findet Amrali sich auf dem Boden nieder, niedergeschmettert von einem fast schon beiläufigen Hieb, aber während sie versucht zu atmen, fühlt sich ihr Brustkorb an, als würde er in Flammen stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Möglicherweise, so schleicht sich ein Gedanke ein, während sie vergeblich nach der verlorenen, außer Reichweite liegenden Waffe tastet, sollte sie Solgard einfach nur noch mit Rüstung verlassen, nicht wie ein Spaziergänger auf der Suche nach ein paar Pilzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zlatas Widerstand ist lautstärker, hektischer, aber letztlich nicht erfolgreicher, geht über in Fragen, Forderungen und Vorwürfe während des Transports nach Fjellgat. Amrali hat nichts beizutragen: Die Bewegungen des Reitbären, über den sie geworfen wurde wie ein Sack Mehl, sorgen dafür, dass die geprellten, vielleicht angebrochenen Rippen bei jeder Bewegung schmerzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Heimstatt der Nordleute erscheint wie ein Gegenstück zu Solgard: Weitläufig, Holz auf Grün und Weiß, Leben, das sich in der Kälte behauptet. Der Kerker stinkt nach altem Schweiß, Blut und Erbrochenem, und darin liegt etwas Vertrautes. Nicht willkommen, aber dennoch .. vertraut, wie der Schmerz im linken Ellenbogen bei jedem Wetterwechsel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zlata verbleibt ungebrochen: Herausfordernd auf der Suche nach Antworten und Erklärungen. Nach Sinn in etwas, was ihr wohl erscheinen muss, wie ein Akt von Wahnwitz, und aus den Fragen, aus den knappen, unwirschen Antworten, formt sich schließlich auch für Amrali ein Bild: All das geht zurück auf den Tod eines weißen Hirschs, eines heiligen Tieres, für den Verantwortung, Buße gesucht wird - durch Zlata, oder jemand anderes, der bereit ist, sich dieser Verantwortung zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anführer selbst spricht die Worte, die Amrali dann Stunden später in Solgard niederschreiben lassen wird, paraphrasiert, hoffentlich korrekt interpretiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In zwei Tagen wird er Recht sprechen vor dem Thing wegen des Todes des heiligen Tieres. Entweder über Zlata oder über jemanden, der ihre Stelle einnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die Botschaft, mit der er Amrali auf den Weg schickt, das ist der Satz, den sie in ihren Gedanken wälzt, während sie durch das trostlose Eisland stolpert, zum ersten Mal seit Jahren wieder betend, die Göttin bittend, dass sie die Aufmerksamkeit der Harpyien anderenorts lenkt. Kein Aufgeben: Sie hat Schlimmeres überstanden, auch wenn jeder Atemzug brennt wie die Hölle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Abschiedsgruß an Zlata, noch innerhalb der Zelle gemurmelt, folgt ihr wie ein düsteres Omen am Horizont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Wir sehen uns wieder, Schwester.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Versprechen, formalisiert, auch wenn es nie wirklich Eingang in die Traditionen Maethrins fand und an sich Kampfgefährten vorbehalten, ein letztlich unnötiges Wort der Verbundenheit im Angesicht überwältigender Herausforderungen. Es hier zu verwenden war falsch, die Bedeutung ohnehin verloren an Zlata, die in einer gänzlich anderen Kultur mit anderen Werten aufwuchs. Aber das Bewusstsein dessen mildert die Scham, die Reue nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Ich habe mein Recht auf diese Worte verloren.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bitterkeit dieses Gedankens treibt die Entschlossenheit nur an. Und tatsächlich scheint die Aufmerksamkeit der Harpyien an diesem Abend nicht auf den offensichtlichen Wegen zu liegen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Nachtspaziergang|CONTENT=&lt;br /&gt;
Solgard ruht unter einem Zelt von Sternen, deren kaltes Licht die hauchdünne Sichel des Mondes mühelos überstrahlt. Ruhen ist, natürlich, ein schwacher Begriff für eine Stadt dieser Größe, am Hafen herrscht auch zu dieser Stunde stetiger Betrieb und nicht alle Geschäfte haben Grund, sich vor dem Gesetz in die Schatten zu ducken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali selbst ist rastlos trotz der Müdigkeit, aus der kargen Bettstatt getrieben von Alpträumen, die die Ereignisse des Abends probend nachahmten: Dunkle, vollständig mit Wasser gefüllte Tunnel, illuminiert nur durch an die Wände geklammerte Pilze. In den Träumen ist die Last des Wassers schwerer, das Gefühl von Enge bedrückender, der Eindruck von Verlorenheit und Einsamkeit tiefgehender. Drei Mal fuhr sie aus dem unruhigen Schlaf auf, geweckt vom bis zum Hals klopfenden Herzen, nur um in eine andere Variante des gleichen Motivs zurückgezogen zu werden. Tunnel, gefüllt mit schlingenden, würgenden Pflanzen. Tunnel, in denen das Wasser eine zähe Masse ist, in der jede Bewegung zur Qual wird. Tunnel, die enger und enger werden, bis es keinen Weg nach vorn mehr gibt. Sie alle haben eines gemeinsam: Das Gefühl, zu ersticken, das verzweifelte Ringen nach Luft und die Ohnmacht gegenüber unversöhnlichen Umständen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst nach dem Erwachen schmeckt die Luft abgestanden und schal, nach verdunstetem Wasser, nach Algen, die dankbar an den Holzbalken emporkriechen und Muscheln, die von kreischenden Möwen auf das flickenbedürftige Bretterdach fallen gelassen wurden. All das ist vertraut und doch zugleich auch zuviel, genug jedenfalls, um Amrali aus der klapprigen Umarmung ihrer Heimstatt und hinaus auf die Straßen Solgards zu treiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort wandert sie, ziellos, zu unbehaglich für die tatsächlich menschenverlassenen Straßen der reinen Wohngebiete, wo das Gefühl von Verlorenheit jeden Atemzug schwer macht. Es ist einfach im Hafen, wo noch immer genug Menschen unterwegs sind, um nicht sonderlich herauszustechen. Ablenkung ist alles, was sie braucht und davon gibt es hier selbst zu dieser Stunde reichlich: Ein Schwertschlucker, der seine Künste an einer Kreuzung vor einem ebenso beeindruckten wie angetrunkenen Publikum demonstriert, begleitet nicht nur von begeisterten Ausrufen, sondern vor allem von einem Kumpanen, der geschickt den einen oder anderen Beutel schneidet.&lt;br /&gt;
Eine selbsterklärte Druidin mit einem ganzen Zirkus offenbar bestens dressierter Ratten, die mit verblüffender Zielstrebigkeit und Genauigkeit kleine Aufträge erfüllen, Kunststücke ausführen und damit die Gunst von Passanten erringen. Ein Boxkampf zwischen zwei Seeleuten, umringt von einem Kreis wettfreudiger Zuschauer, die jeden Griff, jeden Schwinger lautstark entweder frohlockend oder klagend kommentieren.&lt;br /&gt;
Ein zahmer Hüne, weit über zwei Schritt groß, mit einem Ring durch die Nase wie ein Ochse, eine damit verbundene schwere Kette liegt in der Hand eines nur halb so großen Männleins, das davon spricht, wie der mächtige Tankabunkel von den Streitkräften Solgards überwältigt, festgesetzt und schließlich gezähmt und zum wahren Glauben konvertiert wurde. Einmal anfassen? Fünf Groschen! Sich von ihm hochheben lassen? Zehn Groschen!&lt;br /&gt;
Etwas an der Gestalt des vermeintlichen Barbaren kratzt an Amralis Aufmerksamkeit, ohne dass sie den Finger darauf legen könnte, aber sie ist sich sicher, dass irgendeine Art von Schwindel im Gange ist. Das tut dem Erfolg der Masche keinen Abbruch, aber der Anblick der knapp bekleideten Gestalt erinnert sie an den Zusammenstoß mit den Bewohnern Fjellgats und noch offene Schulden, an Scham und Schuld und das bohrende Gefühl von Verlust. Es liegt noch etwas anderes darin: Ein Funke von schwerer zu greifender Begeisterung, von Kampfeslust, die sich weigert, den Ernst der Situation, irgendeiner Situation, anzuerkennen. Etwas anderes noch, vor dem die Gedanken instinktiv zurückscheuen, wie Finger vor einem über dem Herd erhitzten Topf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wandert weiter durch das nächtliche Solgard, passiert einen fliegenden Händler, der lautstark Würste fragwürdiger Herkunft anbietet, eine Wahrsagerin, die verspricht, die eigene Zukunft aus dem Klang einer Münze zu lesen, einen Quacksalber, der Wunder verheißt durch die geschickte Anwendung von Blutegeln und getrocknetem Froschlaich. Unter dem scharfen Blick einer Wachpatrouille packt ein fliegender Händler eilig zuvor auf einem Tuch ausgebreitete Schmuckstücke zusammen, übersieht dabei in seiner Hast eine kleine, aus Messing gefertigte fingergroße Statue, die offensichtlich Großmeister Darez darstellen soll: Die linke Hand segnend erhoben, die rechte mit drohend nach vorn gerichteter Waffe, ein Hirschpelz über den Schultern hängend. Er flüchtet mit einem Sammelsurium anderer Kinkerlitzchen: Weitere Figuren, die höchstwahrscheinlich Persönlichkeiten der Stadt darstellen sollen, Armbänder aus Kupfer und Bronze, Ohrringe mit gewagten Formen und Armbänder mit eingeprägten Mustern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Licht dämmert bereits am Horizont, als Amrali zu ihrer Heimstatt zurückfindet, müde, aber nicht minder rastlos, eine kleine Messingstatue verborgen zwischen den Fingern der rechten Hand. Der linke Arm schmerzt, lässt erahnen, dass das Wetter in den kommenden Tagen umschlagen wird, auch wenn der Himmel bislang keinen Hinweis darauf gibt. Aber sie kann den Sturm bereits spüren.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Schädel|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Sonne steht bereits hoch am Himmel, als Amrali die Wehrmauern Nebelhafens zurücklässt und ihre Stimmung trägt genau die grauen Wolken, die der strahlend blaue Himmel vermissen lässt. Was ein kurzer Handel zu beidseitiger Zufriedenheit hätte sein können, entpuppte sich als eine zähe, letztlich vergebliche Verhandlung ohne Einigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der gebotene Preis, so sagt sie sich zumindest, während sie Fleck die Wegfindung überlässt, war vollkommen im Rahmen, nicht anders als vor einem guten Mond. Vielleicht ist das die Schuld der Dunkelelfen und ihres Vorstoßes. Vielleicht auch das Resultat anderer Spannungen, die sie derzeit weder einschätzen noch greifen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittagshitze treibt Fleck unter das grüne Dach der Wälder, lässt den jungen Hengst Abstand nehmen von den ausgetretenen und ausgetrockneten Pfaden, wo die letzten Spuren der zurückliegenden Regenfälle schon längst zu steinharten Rillen getrocknet sind. Wahre Knochenschüttler für Kutschen, aber bedeutungslos für Reiter, lange noch nicht tief genug, um die Gelenke von Rössern oder Maultieren zu gefährden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotte, der altersmüde Veteran, hätte sich davon gewiss nicht abhalten lassen, aber er ruht nun schon seit Monaten in der Prärie, gefallen in einem Kampf über den nachzudenken Amrali sich nicht überwinden kann. Aber Fleck ist jung, energisch und nervös, stetig bemüht, sich selbst zu beweisen und der Hand der Reiterin zu entkommen.&lt;br /&gt;
An manchen Tagen ist es einfach, ihn laufen zu lassen, darauf zu vertrauen, dass er nicht zu weit vom Weg abkommen wird und die Auseinandersetzungen auf andere Zeiten zu schieben. So war es in Maethrin: Freiheit und Pflicht, miteinander verbunden, geerdet durch unumstößliche Prinzipien. Die Fähigkeit, Befehlen zu folgen, war immer genauso wertvoll wie jene, im Zweifel auch eine Korrektur vorzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schecke tänzelt und schnaubt, zieht die driftende Amrali zurück in das Hier und Jetzt. Die Hand findet zum Griff der Waffe, ohne dass es dafür eines bewussten Gedanken bedürfen würde, aber kein Feind schält sich aus der Deckung der Bäume und die Reiterin benötigt ein paar Momente, um zu realisieren, was Fleck aufstörte: Direkt vor den Hufen, halb verborgen im krautigen Unterkraut liegt ... etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas. Ein Schädel, gehörnt wie von einer Ziege, aber massiger, wuchtiger. Eine fahlgrüne Flamme lodert dort, deren Flackern sich dem direkten Blick entzieht: Nur aus dem Augenwinkel ist die sich windende Bewegung sichtbar und scheint zu verharren, wann immer der Fokus sich genau auf den Ursprung hin ausrichtet. Ein kalter, abergläubischer Schauder flieht über den Rücken der Blonden: Unter anderen Umständen könnte, müsste das das Zentrum irgendeines verbotenen Rituals sein, und die linke Hand formt das vertraute Schutzzeichen, ohne dass sie darüber nachdenken müsste: Alle fünf Finger strecken sich, die Strahlen der aufgehenden Sonne repräsentierend.&lt;br /&gt;
Es gibt Worte, die zur Geste gehören, eine Lobpreisung und eine Bitte, aber die Erinnerung daran ist verwischt, ein tonloses Murmeln im Hintergrund des Begreifens. Amrali hat nicht mehr als die Geste und ihren Argwohn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Altar, keine mit Blut gezeichneten Linien, nur ein schief liegender Schädel mit glimmenden Augen, nicht wie platziert, sondern wie fortgeworfen. Der Boden verrät wenig: Das dichte Kraut ist nicht zertrampelt, nicht zerschnitten, und falls es mehr Details zu finden gäbe, bleiben sie den Sinnen der Blonden verborgen, die mit sich ringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Teil von ihr erwägt die Flucht, den eiligen Rückzug. Ein anderer kalkuliert den möglichen Wert dieses Fundstücks. Und nicht zuletzt ist da noch ein winziger Teil von Neugier, der mit der vordergründigen Furcht ringt.&lt;br /&gt;
Fleck stampft erneut, die Hufe nun gefährlich nahe an der grünen Flamme, und dieser Impuls ist genug, um die Entscheidung umzuwerfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sitzt ab und streckt behandschuhte Hände aus, nimmt den Schädel auf. Er wird, so entscheidet sie in diesem Moment, mit ein wenig Mühe in die Satteltasche passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grüne Flamme erlischt.&lt;br /&gt;
Amrali blinzelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Momente steht sie erstarrt, abwartend, lauschend. Aber kein Kribbeln kriecht durch ihre Adern, kein höllisches Brennen beginnt ihre Haut zu verzerren. Alles scheint normal. Normal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fünf Minuten später ist sie zurück auf dem Weg nach Hause, dieses Mal nicht länger Fleck die Wahl des Weges überlassend. Es ist Zeit, das hier zu jemand anderes Problem zu machen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Gespinst|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Nachthimmel Solgards ist klar und wolkenlos, ein makelloses, juwelenfunkelndes Gegenstück zur azurblauen Fläche, die die Tage beherrscht. In jenen Stunden verwandelt das herabstarrende Auge der Sonne die Straßen und Gassen in eine schwitzende Gluthölle und auch jetzt, nicht mehr weit vom ersten Licht am Horizont entfernt, atmen Mauern und Pflastersteine noch ein Echo davon aus. Die Abkühlung ist eine vom Meer kommende Illusion, aber es könnte schlimmer sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der Ausblick zumindest ist atemberaubend: Der Mond ist nahezu voll, eine aufgeblähte Silbermasse mit scharfen Rändern, ohne die feine Aureole, die sich bei anderer Wetterlage gern einmal ausmachen lässt. Die Sterne erscheinen überall: Wann immer Amrali sich auf einen einzelnen Punkt konzentriert, schälen sich, wie von Zauberhand, weitere kleine Splitter der Juwelen in die Wahrnehmung. Sie alle, so verheißen es die Legenden, sind Splitter der Sonne, letzte Zeugen eines Kampfes, der vor Äonen gefochten wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Ich sollte schlafen.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der reuevolle Gedanke mildert den Eindruck des Wunders, ruft das schlechte Gewissen zurück und sie zieht die dünne Decke ein Stück enger, verstohlene Finger tasten nach dem abgelegten Waffengurt. Das vertraute Gewicht hat etwas Beruhigendes, die Solidität ist nicht allein fassbar, sondern verspricht auch Gewissheit und Zuversicht. Kontrolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte genug sein, um loszulassen, um sich endlich in die dunkle Umarmung des Schlummers zu werfen, aber der Geist gibt keine Ruhe, driftet weiter von Gedanken zu Gedanken. Das ist nicht die Schuld des Ortes: Gegen einen offenen Balkon ist nichts einzuwenden und die Gesellschaft, nur eine Türschwelle und einen Vorhang entfernt, ist unaufdringlich, vielleicht mit eigenen Grübeleien beschäftigt, vielleicht auch tatsächlich mit Studien beschäftigt. Amrali hat unter schlimmeren Umständen geschlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Wochen waren voller Ereignisse, die hier und dort an ihr nagen und nun aus dem Dunkel wieder auftauchen wie ungewollte, schon lange gebannte Schemen der Vergangenheit: Eine zornige Auseinandersetzung voller spitzer Anklagen, jede scharf wie eine gut geschliffene Klinge. Eine Expedition in das tiefe Dunkel und ein Marsch unter unheiligem Grund. Im Rausch des Moments, in der wilden Lust des Kampfes blieb keine Zeit dafür einfach... nachzudenken. Aber all das Versäumte blubbert jetzt zurück an die Oberfläche, wie Zlata im dreckigen Morast der Sumpflande, kaum zwei Tage zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Erinnerung zumindest ist ein Lächeln wert, auch wenn sie es vermeidet, daran zu denken, wie lange es dauerte, Waffe und Wehr anschließend zu reinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit schließt sich der Kreis und die treibende Aufmerksamkeit kehrt zurück zur stillen Gastgeberin und deren Geschichte, zu Eingeständnissen, die für Amrali so schwer zu greifen sind. Nicht allein wegen der ... Entfernung ... sondern auch weil Teile der Konzepte so fundamental fremd für sie sind. Nicht ... unverständlich per se, aber eben nicht intuitiv eingängig, dass die richtige, angemessene Reaktion nicht aus den Worten, sondern viel mehr aus Haltung und Miene des Gegenübers geschlossen werden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Und auch dann ist es kaum mehr als ein Raten. In Maethrin wäre alles einfacher.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lächelt, aber es liegt ein Bedauern darin. Und dann, unverhofft und unerwartet, kommt der Schlaf doch noch und sie sinkt in Schlummer - tief und traumlos.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Nachtwache|CONTENT=&lt;br /&gt;
Es ist die sechste Nacht unter diesem fremden Dach. Soweit Amrali es beurteilen kann, funktioniert die Vereinbarung stabil, aber fruchtlos: Keine Traumgesichter stören den Schlaf, keine wüsten Visionen suchen die Träume heim. Nichts stört die Ruhe, abgesehen von den eigenen treibenden Gedanken und einer schwer zu benennenden Unrast, einem Gefühl von Unruhe, das Amralis Finger kribbeln und ihren linken Ellenbogen ziehen lässt. Etwas liegt in der Luft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht ist das nur ein Echo der Nervosität, die sie aus Zlatas Haltung, aus den Kommentaren herauszieht, vielleicht schlicht das Wetter, das bereits daran ist jenseits des Horizonts Wolken zusammenzubrauen.&lt;br /&gt;
Das Wichtige ist: Ihre rothaarige Bewacherin schläft, versöhnt durch die Gewissheit, geweckt zu werden, wenn es doch zu einem Vorfall kommen sollte, aber bislang sieht es danach nicht aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles ist friedlich. Und doch kitzelt etwas die Instinkte der Blonden, treibt die Müdigkeit zurück. Die Aufmerksamkeit greift vergeblich aus, lauernd, wartend, unsicher, aber gleichzeitig auch bereit, bis sie schließlich die Decken abstreift und die Waffe greift, auf leisen Sohlen den Balkon verlassend, um in das Obergeschoss einzudringen.&lt;br /&gt;
Nichts lauert in den Schatten, keine Bewegung flackert in den Augenwinkeln. Alles, so scheint es, ist friedlich, während Zlata schlummert - hoffentlich ungestört von den nervösen Anwandlungen ihrer zeitweiligen Mitbewohnerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali stiehlt sich die Treppe hinunter, erst aufatmend als das Erdgeschoss erreicht wird, die lederne Hülle der noch immer gescheideten Waffe streift unbeabsichtigt eines der Regale und löst damit ein Schürfgeräusch aus, das die Verstohlene verharren lässt. Für Minuten lauert sie im Licht des noch fast vollen Mondes, wartend, ohne dass sich irgendein Feind zeigen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einsicht kommt mit einem Gefühl von Reue, von peinlicher Betroffenheit: Das ist nicht, wie es sein sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Herumschleichen im Dunkeln. Dieser Illusionist färbt noch auf mich ab.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kommt mit einem Aufwallen von Humor, von Heiterkeit, die die brütenden Gedanken zurücktreibt, und sie erklimmt die Treppe einmal mehr, reibt den linken Ellenbogen, während sie an der Hausherrin vorbeischleicht, zurück in Richtung des offenen Balkons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und verharrt.&lt;br /&gt;
Etwas ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei verstohlene Schritte, ausgelöst durch ein vages Prickeln von Wahrnehmung, auch jetzt mehr Instinkt als tatsächliche Beobachtung, und sie beugt sich über die Schlummernde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gesicht ist fremd und doch viel zu vertraut, umgeben von einem Rahmen dunkelbraunen glatten Haares. Eisengraue Augen öffnen sich und fangen das Mondlicht ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich lasse dich niemals gehen. Schon gar nicht jetzt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie stolpert zurück, alle Vorbereitung, alle Anspannung nutzlos - die sinnlos umklammerte Waffe poltert zu Boden, bevor beide Hände sich abwehrend heben, aber keine Schutzgeste ist genug, um die sich nun Erhebende abzuwehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Erzähle mir, was du gesehen hast.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrnehmung kippt, als würde jemand den Boden unter ihren Füßen wegziehen und Amrali fällt …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
... erwachend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Herz klopft bis zum Hals, während sie sich orientiert, nach der Waffe tastend, die neben der kargen Bettstatt wartet, scheinbar unberührt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Haus ist es still, während im Osten bereits die ersten Töne von Rot und Orange den Horizont berühren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Nur ein Traum. Nur ein Traum.&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Verlaufen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Es ist fast genau auf den Tag 6 Monate her, dass Amrali unweit von Solgard an Land kroch, salziges Wasser spuckend, dankbar für die Wärme der Sonne. Eine Schiffsbrüchige, vielleicht die einzige Überlebende jenes Frachters, aus dessen aufgerissenem Bauch Seeleute, Wachen und Sklaven gleichermaßen quollen. Sie erinnert sich an den Kampf zwischen den Wellen, an das rauschende Tosen der Brandung an der Untiefe mit der stetigen Drohung scharfkantiger Steine. An die zirkelnden Jäger und Aasfresser, manche noch verborgen unter der aufgewühlten, schaumgekrönten Oberfläche des Wassers, andere gemächlich weit oberhalb der Köpfe. Wartend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erinnert sich an das Gefühl von Erschöpfung und Dankbarkeit, selbst an das von Herzen kommende Dankesgebet, das - wenngleich durchaus Teil der Traditionen - weitgehend verpönt ist unter den waffentragenden Bewohnern Maethrins. Aber das Prinzip von Stärke, von Eigenverantwortung, von Fähigkeit und Befähigung hat wenig Kraft, wenn man ein Spielball der Gezeiten ist, den Strömungen ausgeliefert. Die vertrauten Worte zu sprechen war befreiend, tröstend, ermutigend hier an diesen fremden Gestaden mit der Drohung der Stadtsilhouette fern am Horizont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solgard war der Name hinter diesen Mauern und Türmen, hinter Straßen und Gassen die bald schon vertraut sein würden. Nicht genug um es Heimat zu nennen, aber ausreichend für ein Gefühl von Loyalität und Zugehörigkeit. Gedämpft, natürlich, es verging kein Tag an dem Amrali sich nicht daran gemahnte, dass sie - letztlich - ein Fremdkörper hier war. Verbunden, aber kein echter Teil, so wenig wie ein Messer zum Teil des Körpers wurde, nur weil es für Nützliches oder Verwerfliches gebraucht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist ein weiter Unterschied zu jenen ersten Tagen. Um das zu begreifen braucht sie kaum den mittlerweile gewohnten, prüfenden Blick in den mannshohen Spiegel, der über Zlatas Schlafzimmer herrscht. Dessen kalte, seelenlose Reflexion scheint sich auf die falschen Details zu konzentrieren: Das blonde Schopfhaar, noch immer kurz genug, dass man die Kopfhaut durchschimmern sieht. Die eingefallen wirkenden Wangen und die tief liegenden Augen, schmale, gerade jetzt kritisch zusammengekniffene Lippen. Die Narbe, prominent über die Kinnlinie verlaufend und den Hals hinab, um dann unter Stoff zu verschwinden - ihre Ausläufer unsichtbar für das urteilende Auge des Spiegels, aber spürbar mit jedem Herzschlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles ist ernüchternd, ein ebenso stetiger wie abrupter Auslöser gedankenloser Irritation im ersten Moment, bevor sie jeden Morgen aufs neue begreift: Das bin ich. Ein verblasster Schatten, wie eine ausgeblichene, an den Rändern ausfasernde Erinnerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Gedanke, der schwer an der begrabenen Eitelkeit kratzt, ein Gedanke dem auszuweichen sie gelernt hat. Der Trick ist, über all das zu Offensichtliche hinweg zu blicken und andere Details im Spiegel zu suchen: Die Kleidung ist einfach, aber solide. Der Waffengurt in einem guten Zustand und zeigt eine ganze Anzahl hübscher Prägereien im Leder. Die schweren, mit Gold überzogenen Bronzespangen umschliessen die Handgelenke wie ein Tribut an frühere Gewohnheiten. Ein halb unter Kissen vergrabener roter Schopf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zögert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht wegen der Uhrzeit: Die Sonne ist gerade erst aufgegangen und ihre Gastgeberin hat wie so oft die meisten Nachtstunden mit - nach Ansicht Amralis - nervtötender und langweiliger Arbeit verbracht: Aufzeichungen gesichtet und übertragen, Forschungsergebnisse überprüft, Berichte umformuliert. Messungen durchgeführt und korrigiert, Protokolle abgezeichnet. Allein der Gedanke lässt die Blonde sich bereits müde fühlen und sie vermutet, dass es vor der Mittagsstunde wenig Bewegung von dort geben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nicht wegen der Gastgeberin an sich, auch wenn der Blick nun für lange Momente auf dem Wenigen haftet, was sich nicht unter den Decken verbirgt. Die Betrachtung kommt mit einem Anflug von Schuld, die ungnädig am Selbst kitzelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Ich nutze sie zu sehr aus. Die Waage ist nicht ausgeglichen.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie rätselt darüber, während sie sich auf den Weg macht, dem Verlauf der längst vertrauten Straßen in diesem Stadtviertel folgend, bis die hübschen Fassaden weniger freundlich werden, die Abstände zwischen den Häusern kleiner und kleiner, bis sie sich gegeneinander lehnen wie Betrunkene: Vom Leben gezeichnet, mitgenommen, abgerissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit kehren die Gedanken unvermeidlich, aller Mühe zum Trotz, doch wieder zu den Ereignissen des vergangenen Abends zurück, zu dem, was ein nebensächlicher Ausflug hätte sein sollen und sich wie der Anfang zu einem besonders verzweifelten Witz lesen könnte: Gehen eine Stadträtin und ein Elf eine Freundin im Hafen besuchen ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein halbes Jahr ist genug Zeit, um die Biegungen zu kennen, um sich zu orientieren ohne einen bewußten Gedanken zu verschwenden: Hier ist das baufällige Haus, dessen Dachstuhl vor mehr als einem Jahr abbrannte und das noch immer nicht wieder vollständig aufgebaut wurde. Hier sind die drei Schwestern, hoch ragende hölzerne Gebäude, die sich gegenseitig zu betrachten scheinen, schon seit jeher der Sitz einer der örtlichen Banden. Dort ist das tiefe Loch in den längst nicht mehr gepflasterten Straßen, immer mit Wasser gefüllt und Schauplatz eines grausamen Verbrechens, über das die Bewohner nur hinter vorgehaltener Hand sprechen. Hier die alte Mühle von der aus vor Monaten ganze Schwärme von Ratten über die Nachbarschaft herfielen, gesandt - so heißt es - von einer düstere Lieder singenden Wahnsinnigen, die schließlich von einem künftigen Paladin von ihrem Fluch befreit wurde. Es gibt viele solcher Geschichten mehr und nur die Wenigsten sind Amrali vertraut, aber sie kennt den Weg zu ihrer eigenen baufälligen Heimstatt, eingepfercht zwischen andere Häuser, eine winzige Bleibe mit schlecht schließender Tür und übel riechender Nachbarschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühl von Unrast, von Übelkeit ist das Gleiche wie am Abend zuvor: Das perplexe Verständnis, dass etwas mit der Welt nicht stimmt. Wie kann jemand ein ganzes Haus stehlen? Oder hat sie sich, den Gedanken nachhängend, doch in die Irre führen lassen?&lt;br /&gt;
Genau wie am Abend zuvor - damals in Begleitung einer zunehmend mürrischer werdenden Stadträtin und eines zunehmend faszinierter werdenden Elfs - dreht sie Kreise durch das Viertel, schreckt Anwohner auf und verscheucht eine ganze Bande von Kindern, die gerade dabei waren einander an den Kragen zu gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleibt fruchtlos, ganz gleich welche Richtung sie einschlägt, ganz gleich an welchen Landmarken sie sich orientiert: Ihre Heimstatt bleibt verschwunden, als hätte sie jemand oder etwas aus der Wirklichkeit getilgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Wie kann das möglich sein?&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie reibt den linken Ellenbogen in ungerichteter Nervosität, bevor sie sich erneut in Bewegung setzt, die verwinkelten Gassen - der Boden kaum mehr als getrockneter und festgestampfter Schlamm - absucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wie am Abend zuvor: Nichts.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Hadrian|CONTENT=&lt;br /&gt;
Das Gefühl von Verlust ist etwas, was im Hintergrund lauert wie eine dunkle Wolke an einem sonst klaren, strahlend blauen Himmel: Eine Ahnung, eine Drohung des Kommenden.&lt;br /&gt;
Alle weiteren Versuche die kleine, windschiefe Behausung zu finden haben sich bislang als fruchtlos erwiesen. Das Problem ist nicht etwa die traurigen Reste von Ausrüstung, die damit als verloren gelten müssen, sondern die große Frage, ob es noch andere .. Dinge .. gibt, andere Details, die sich in irgendeiner unfassbaren Weise dem Verstand, dem Begreifen, der Erinnerung entzogen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Und wie weiß man, ob man etwas vergessen hat?&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke begleitet Amrali durch die Straßen Solgard und flüstert in ihren Nacken, ist immer dabei, wenn sie nach verräterischen Details sucht, nach Abweichungen. Nach Verlorenem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie findet die Abweichung am unerwartetsten aller Orte: Im Hauptbankgebäude am Marktplatz, ein Ort der so viel frequentiert ist, wie kaum ein zweiter in Solgard. Die Frau hinter dem Tresen ist .. vielleicht .. neu: Amrali kann sich nicht gewiss sein, ob sie nicht sonst einfach zu anderen Zeiten arbeitet. Aber der Abwesenheit des hochnäsigen Mannes, der gewöhnlich von seinem Platz hinter dem Tresen aus verurteilend auf zerlotterte Herumtreiber herabschaut, ist sie sich gewiss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amralis eigene Kiste enthält Gegenstände von fragwürdigem Wert: Eine Anzahl Münzen, eine Sammlung von Knochen verschiedener Wüstennagetiere, einige Gutscheine für einen ihr nicht näher bekannten Reisemagier mit den Initialen L.A., einen gänzlich zerknitterten Hut, das Zaumzeug, das einst von Trotte getragen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich habe Hadrian eine Weile nicht mehr gesehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wird betont beiläufig formuliert - unverfänglich auch falls sie irgendwie herausstellen sollte, dass es keinen Bankier dieses Namens gab, gibt oder je geben wird. Aber die Blonde hinter dem Tresen verzieht die Lippen in einer allzu vielsagenden Geste, beugt sich dann vor die Stimme senkend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Niemand weiß, wo er ist. Vor ein paar Tagen ging er nach Hause, nun ist er einfach fort. Erscheint nicht mehr zum Dienst, daheim öffnet niemand. Es wurde bereits vermutet, dass es Unregelmäßigkeiten gab und wir durften die letzten Tage über die Bücher gehen. Aber.. nichts. Alles scheint in Ordnung. Vielleicht ist er wirklich mit dieser Tänzerin aus dem Walross durchgebrannt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ist das eine Sache für die Stadtwache?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau hinter dem Tresen winkt ab, die Miene nun säuerlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Bitte. Bei uns haben Wache und Orden gleichermaßen viel zu tun. Da gibt es keine faulen Müßiggänger, die zu viel freie Zeit an der Hand haben und es sich leisten könnten hinter jedem Bürger herzulaufen, der aus welchem Grund auch immer ein paar Tage für sich braucht. Ich bin sicher, er taucht schon wieder auf und dann hat er besser eine gute Erklärung und eine Entschädigung für die Überstunden, die ich hier leisten darf. Ich habe auch Familie, wisst ihr?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali nickt, während sie einen strategischen Schritt zurücktritt. Sie hat bereits genug von der Rage Zlatas erlebt und wenig Ambition hier nun als Ventil für den aufgestauten Ärger der Angestellten herzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Wisst ihr was? Ich werde diese Sache einmal beiläufig gegenüber Stadträtin Kovacs erwähnen. Sie kennt einige Magier und ihr wisst ja: Die haben selten einmal etwas zu tun und benötigen immer etwas, um sich wichtig zu fühlen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überraschung der Blonden scheint das die Angestellte zumindest für den Moment zu versöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und während sie sich auf den Weg zum Gemeinschaftsgelände der Axiom macht, in Gedanken bereits eine Liste müßiggehender Magier durchgehend, verflüchtigen sich die eigenen Gefühle von Verlust, Sorge und Ungewissheit. Das hier, das ist greifbar.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Verwaist|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Du wirst die Gesetze Solgards achten. Bedenke, dass du hier mittlerweile andere Verpflichtungen hast als deinen eigenen Hals. Du riskierst mehr als eine weitere Narbe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An manchen Tagen hat Amrali das Gefühl, dass es einfach ist zu vergessen: Die Ursprünge, die Traditionen, die Kämpfe und Auseinandersetzungen des Aufwachsens. Auch: Die Begeisterung und Liebe, das erhebende Gefühl von Verbundenheit und Bestimmung, die Wärme einer eng geflochtenen Gemeinschaft. Das, so denkt sie im Blick zurück, war das eigentliche Herz Maethrins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solgard ist anders gestrickt, daran hat sie dieser letzte Abend mehr als überdeutlich erinnert und darum streift sie auch nun, Stunden nach dem kargen Abschied auf der Schwelle einer trostlos eingerichteten Werkstatt, noch immer rastlos durch die Straßen der Stadt. Nicht auf der Suche, sondern getrieben von Rastlosigkeit, die nichts mehr verachtet als Stillstand.&lt;br /&gt;
Unvermeidlich wenden sich die Schritte schließlich dem eigenen alten Wohnviertel zu, jenem Bereich baufälliger Hütten und windschiefer Katen, zusammengehalten von Gebeten und Flüchen, bewohnt von den Unglücklichen und Verzweifelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Und ein paar Narren in der Mitte, die sich weder für das Eine noch das Andere entscheiden können.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Stillen, ganz am Rande des Begreifens, hofft sie darauf, dass sich das Unmögliche normalisiert und sie ihre vertraute Heimstatt wiederfindet, aber kein Weg öffnet sich und die ziellose Wanderung bleibt ohne Erlösung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier, im Zwielicht des Hafenviertels, wird ihr gewahr, dass dieser Mietvertrag, nur Tage nach ihrer Ankunft geschlossen, ein Band war, um das Handgelenk gelegt wie eine Fessel aus Samt. Und nun ist es fort, verblasst, ebenso wenig aufzuspüren wie jener feiste Harim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Meine einzige Verpflichtung ist der Brief mit dem Siegel Solgards&amp;quot;, verrät sie der kühlen, vom Meer her wehenden Brise und wiederholt damit Worte, die vor nunmehr Stunden gesprochen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Dann verstehe meine Worte als Anweisung einer Dienerin Solgards, wenn du willst.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An manchen Tagen hat Amrali das Gefühl, dass es unmöglich ist zu vergessen, sich aus der Umklammerung des Vergangenen zu befreien. Die Alpträume sind das offensichtlichste Überbleibsel, aber selbst in den warmen, angenehmen, nostalgischen Anwandlungen findet sich etwas Unausweichliches: Man ist die Form, in die man gegossen wurde. Nicht mehr. Nicht weniger. Maethrin war besessen von den eigenen Traditionen, von Gebräuchen und Sitten, an die sie hier kaum zu denken wagt in der sicheren Gewissheit, wie viel Anstoß sie erwecken würden. Aber sie sind dennoch da, eingeprägt, so natürlich wie ein Atemzug und so gewiss wie der Herzschlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung und Gehorsam waren - sind - ein wichtiger Teil dessen, eine Notwendigkeit, die von Geschichten wieder und wieder betont wird. Freiheit: Ja. Aber ganz gleich wie groß der Ruhm, du bist nur ein kleiner Teil einer Gemeinschaft. Es gibt einen Platz für jeden.&lt;br /&gt;
Das ist ein tröstender Gedanke. Eigentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Warum gefällt es mir dann so wenig?&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kaut darauf, während sie den Hafen durchwandert, um schließlich wieder besser beleumundete Bereiche der Stadt zu erreichen, sie nagt daran, während sie den großen Brunnen passiert und die Kathedrale links liegen lässt. Das Haus am Hang wirkt im Dunkel größer, ein Klumpen mit Kanten, die in den Schatten versickern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zögert, lauscht auf den Ärger, der noch immer im Inneren auf ganz kleiner Flamme simmert und wartet. Wartet darauf, dass die Müdigkeit final den Sieg davon trägt, auf die Kapitulation. Vergeblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich denke meine Anweisung war klar genug.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solgard ist schon längst wieder zum Leben erwacht, als sie das neu errichtete Gebäude im Süden Solgards erreicht, ein von professioneller Hand ausgeführtes kleines Schreiben bei sich: Jeder Buchstabe steht wie ein Kunstwerk und nur die Krakelei von Unterschrift lässt eine persönliche Note erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zettel, unnötig in einen ebenso hübschen wie teuren Umschlag eingeschlagen, vermittelt kaum mehr als eine Handvoll Worte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meister Radesvald,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der vereinbarte Dienstmonat zur Probe ist bereits seit langer Zeit verstrichen und es ist nicht recht, die Wartezeit noch weiter in die Länge zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe bereits zu viele Verpflichtungen in Solgard auf mich geladen und ich möchte keine weitere hinzufügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Ihr mich benötigt, lasst es mich wissen und ich werde folgen, aber nicht mehr auf Grundlage eines formellen Vertragsverhältnisses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amrali.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Einsamkeit|CONTENT=&lt;br /&gt;
Eine gute Woche liegt das Schreiben zurück, das Amrali im Gebäude der Axiom-Gemeinschaft hinterließ, eine Woche und ein Tag seit dem abendlichen Gespräch, das nicht einmal ein Streit genannt werden könnte. Und dennoch: Seitdem hat sie die zuvor vertrauten Treppen nicht erneut erklommen und seitdem wartet das notdürftige Lager auf dem Balkon Zlatas ungenutzt, unberührt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;‘Falls sie es nicht schon lange verräumt hat. Sie ist zu pragmatisch für Verschwendung.’&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kommt mit einer eigenwilligen Galligkeit, einer Vibration von Ärger, die sich davor hütet, den Funken von Schuldbewusstsein zu akzeptieren. Es ist einfacher mit dem Finger auf andere zu deuten: Auf jene blondbeschopfte Fremde zum Beispiel, die so gänzlich überlebensunfähig erschien, dass es an allen Instinkten Amralis zupfte. Diese, so verlautbarte das Flüstern, ist Gefahr. Behalte sie im Auge. Eliminiere die Bedrohung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gab und gibt es keinen rationalen Grund, aber es bleibt ein Fakt, dass sie die Fremde seitdem nicht mehr auf den Straßen Solgards traf. Das, so sagt sie sich selbst, während sie den Kopf einzieht und sich durch eine niedrige Türe duckt, hat natürlich nicht sehr viel zu sagen. Aber eine solche Frau erregt Aufmerksamkeit, schlägt Wellen wie ein allzu bunter Singvogel, den eine plötzliche Sturmböe in das Hafenbecken drückte, wo er dann hoffnungsfroh, verzweifelt, aber vergeblich um sein Leben zappelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts. Sie bleibt genauso verschwunden wie Amralis Unterkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Werkstatt hier im Hafen duckt sich in eine Ecke zwischen zwei anderen Häusern und hat die Solidität einer fleischgewordenen Improvisation, zusammengenagelt aus Treibgut und zusammengehalten von Hoffnung. Nichts passt wirklich zusammen, das Dach ist einfach eine schiefe Schräge, auf der die Möwen hocken und von diesem Platz aus alle Besucher lautstark verschreien. Drinnen ist es nicht besser: Waren zweifelhafter Herkunft stapeln sich überall, lassen den Besuchern nur schmale, gewundene Wege zum ebenfalls gänzlich überladenen Tresen. Hier gibt es Krimskrams aller Art: Angelhaken aus Kupfer und getrocknete Sehnen aus den Füßen von Blassenten, zusammengebogene Käfige für Singvögel, die bereits eine dichte Schicht von Staub ansammelten und klebrige Süßspeisen, die aus einem verkrusteten Topf stammen und - weitgehend abgekühlt - an einem hölzernen Stab verkauft werden. Der gnädige Besucher, das lernte Amrali bereits in der ersten Woche, ist gut beraten, die Herkunft weder der Zutaten noch des kleinen Stäbchens in Frage zu stellen, und bei der Erinnerung hat sie auch jetzt, Monate später, wieder das entsetzliche Gefühl, die eigenen Zähne zusammenkleben zu fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Mann, der Herr über dieses absurde Sammelsurium ist, bezeichnet sich selbst als Kesselflicker der alten Schule und berichtet gern über seine Ankunft auf dieser Insel vor nunmehr zwei Jahren, darüber, wie er diese Werkstatt aus Schutt und Trümmern selbst erbaut hat. Diese Geschichten gehen unweigerlich in groteske Anekdoten über, die allesamt dazu führen, ein unheimliches Erbe, eine verbotene Liebe und eine Flucht anzudeuten. Nichts davon passt wirklich zu der verbogenen Gestalt und den zusammengekniffenen Äuglein des Alten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie hebt abwehrend die Hand, als ihr ein Stück gerösteten Fleisches angeboten wird - vermutlich Ratte, vielleicht auch Steppenläufer. Sie ist nicht hungrig, nicht verzweifelt genug, es auf die Probe zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;“Heute nicht, Morin. Ich brauche etwas anderes.”&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zählt ein paar Münzen ab, sauer verdiente Silbermünzen, die nun, ohne den gut bezahlten Soldvertrag, bereits spärlicher kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;“Ich suche Harim vom Hafen. Du weißt: Ein Kopf kleiner als ich, kahler Schädel, fetter als vier Männer.”&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lässt den Geruch - oder besser: die Abwesenheit von Geruch - unerwähnt. Das ist ein Detail, das sie schwierig zu beschreiben findet. Es ist auch unnötig: Die Gestalt ihres Vermieters ist unverwechselbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den zusammengekniffenen Augen des Händlers findet sich nur perplexe Überraschung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#2980b9&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;“Nie gehört. Nie gesehen. Ist er neu? Einer von den Neuankömmlingen?”&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie schweigt auf die Gegenfrage, nicht einmal gänzlich überrascht, auch wenn ein kaltes Gefühl von Beklommenheit ihr Rückgrat entlang wandert und dann in dumpfen Schmerz des linken Ellenbogens ausläuft. Das Wetter, so verheißt das Pulsen, ist dabei, sich zu ändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;“Nein”&amp;lt;/i&amp;gt;, räumt sie ein, ohne den Blick von ihrem Gegenüber abzuwenden, aber dann fehlen ihr die Worte, um die Nachfrage zu erklären. Wie berichtet man von Wahnvorstellungen? Wie äußert man Zweifel und die Furcht, dass sich bislang als vollkommen sicher geglaubte Fakten einfach in Rauch und Schatten auflösen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lässt zwei der silbernen Münzen zurück auf dem Tresen und tritt zurück auf die noch immer belebte Straße, wendet sich dann in abergläubischer Scheu, getrieben von einer plötzlich aufwallenden Furcht. Aber die baufällige Werkstatt ist noch immer da. Solide, sofern man das Wort wirklich in die Nähe der spröden Bretter und rostigen Drahtspuren bringen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen Moment ist das Verlangen übermächtig, die Stadt im Eilschritt zu durchqueren, reumütig zur Schwelle der Rothaarigen zurückzukehren. Den Stolz herunterzuschlucken, der die Kehle nun zusammenpresst, bis sie kaum mehr atmen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber der Moment vergeht und sie fängt sich, störrisch das Kinn hebend, als wollte sie das vorüberschlendernde Fußvolk herausfordern. Mehr als nur ein Blick ist ihr damit sicher: Manche amüsiert, einige verunsichert, etliche sogar interessiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lässt sie alle zurück in Richtung der Wüste, vertraut sich dem Rücken des nervösen jungen Scheckens an, dessen Energie und Kraft noch lange nicht bezähmt sind durch Routine und Erfahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und heute liegt darin etwas Tröstendes, wie ein Versprechen, das der Sonne gleich am Horizont dräut.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Staub und Sterne|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die kleine, auf den zu dieser Stunde gänzlich verwaisten Marktplatz Solgards hinausblickende Werkstatt ist mit einem durchdringenden Gestank gefüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht von der Art, die auf Arbeit mit der Esse und dem Amboss schliessen lassen würde, die Amrali zusammen mit dem grössten Teil der jetzt existierenden Einrichtung vom Vorbesitzer erbte. Ein Alchemist würde vermutlich interessiert schnuppern, aber auch die kleine Sammlung an geraden und gewundenen Phiolen, Kupferdrähten, Schalen und Brennern schlummert seit langer Zeit unter einem alten Tuch, geschützt vor Staub, während draussen die Jahreszeiten wechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der Fenster ist in Richtung des Brunnens geöffnet, aber das tut dem Gestank kaum einen Abbruch und Amrali hat bereits vor einiger Zeit als Fakt akzeptiert, dass sie hier nicht nächtigen wird. Das, für sich, ist nicht ungewöhnlich: Im ersten Stockwerk befindet sich zwar eine provisorische Bettstatt, aber sie ist kaum mehr als das, was man auch unter freiem Himmel nutzen würde, und blieb den letzten Mond über gänzlich unberührt, während die Besitzerin ihr Haupt andernorts zur Ruhe bettete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht im Hafen Solgards: Die verkommene Bretterbude, in der Amrali bis zu jenem schicksalhaften Abend vor einigen Monaten lebte, bleibt ein Enigma, verloren zwischen Erinnerung und Wahn, wie ein Traumgespinst, das irgendwie den Weg an die Oberfläche fand, nur um final doch unter dem Licht des Tages zu verblassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Oder, in meinem Fall, mit dem ersten Paar neugieriger Augen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Gedanken kaut sie nicht zum ersten Mal und sie kann nicht umhin, den gleichen Fragen wieder und wieder zu folgen, während sie den schmerzenden Ellenbogen reibt, der bereits jetzt Regenwetter für den kommenden Tag verheisst: Wie unterscheidet man zwischen Wirklichkeit und Wahn, wenn beide sich nie begegnen, sondern sich wie unerreichbare Tanzpartner stetig unberührt umkreisen? Welchen Wert haben Erinnerungen, welches Gewicht hat ein Groll und welchen Eindruck macht eine Lektion, wenn das, worauf sie fussen, wie Schaum zerstieben kann?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und wie habe ich diese Werkstatt erworben?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das, so stellt sie bitter fest, ist die andere Seite der Medaille. Die trügenden Träume und der Zweifel an der Wirklichkeit, das ist das Eine. Die Fakten, die sich ohne eine greifbare Herleitung präsentieren, das ist das Andere. Es gibt keine Erinnerung, die ihr erklärt, wie genau die erste Miete bezahlt wurde, was genau das Schicksal des Vorbewohners war, und sie scheut vor den Möglichkeiten zurück, die sich aus dieser Leere ergeben. Besser, vielleicht, manche Fragen nicht zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ungewissheit ist ein Teil der Erklärung, warum ihr diese Mauern noch immer fremd sind, aber kaum der Grund für die Abwesenheit der letzten Zeit. Der grössere Teil, zumindest sagt sie sich das selbst, ist wesentlich mundänerer Natur: Nach der Aufkündigung des Soldvertrags mit der Axiom-Gesellschaft fiel ein stetiges Einkommen leicht verdienter Münzen weg und der Ersatz mit freien Aufträgen erforderte einen Einsatz von Zeit und Beweglichkeit, der Amrali eine Menge Nächte abseits von Solgard sehen liess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist da noch ein stiller, dritter Teil. Ungeliebt. Unwillkommen. Präsent: Scham.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind bald zwei Monate seit jener Nacht, seit dem Kitzel eines Abenteuers, das alle Zutaten hatte, um zu einer gloriosen Heldentat zu werden: Ein dunkles Reich voller verdorbener Dämonenanbeter, eine Entführung, eine blutige Drohung und die triumphale Befreiung eines Unschuldigen, der nichts getan hatte, um zwischen die Fronten zu geraten. Für Amrali war es der erste Besuch der Suromer Lande überhaupt, der erste Eindruck einer Siedlung, deren banale Oberfläche kaum geeignet schien, den düsteren Ruf zu bestätigen. Bis dann alle Planung aus dem Ruder lief, die übereilte Flucht im Desaster und im Verlust eines der Mitstreiter mündete.&lt;br /&gt;
Zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst jetzt, im Wissen um die letztlich glückliche Lösung, krümmt sich alles in Amrali zusammen, die stetige Rührbewegung im Kupferkessel erlahmt und im Nu lässt der sich stechend verdichtende Gestank Tränen in ihre Augen steigen. Sie blinzelt, nah daran zu würgen, und die Ursache dafür liegt nicht allein im brodelnden Inhalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das eigene Scheitern, die Unfähigkeit, die Situation zu kontrollieren und in geordnete Bahnen zu lenken: Das ist nichts, was sie sich schönreden kann. Nicht mit Trauma, nicht durch Hinweis auf überstandene Strapazen. Es ist in gewisser Weise gar nicht so viel anders als damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Als hätte ich nichts dazugelernt.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie schreckt zurück vor diesem Gedanken, wie vor der Berührung einer Flamme und das Momentum ist genug, um sie zu anderen, jüngeren Erinnerungen zu treiben. Erst zwei Abende liegt das Zusammentreffen in der Sonnenruh zurück und die kurze, widerliche Auseinandersetzung mit der unterarmlangen Kreatur, einer Wesenheit wie eine Mischung aus Blutegel und Aal, die sich an Zlata verbissen hatte und sich nun eifrig am Blut der Rothaarigen labte. Ein Parasit, eine Bedrohung, ekelhaft genug, dass sich Amralis Magen umzudrehen drohte, aber gleichzeitig auch .. präsent. Greifbar. Ein lösbares, überschaubares Problem - wie in den Geschichten Maethrins: Die alten Traditionen kennen kein Grau, sondern nur Schwarz und Weiss, Gut und Böse, Richtig und Falsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Herausforderung zu erleben war eine Erleichterung und auch jetzt, da sie ein letztes Mal in dem Topf rührt, bevor er vom Feuer gezogen wird, empfindet sie ein warmes Echo jenes Momentes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich war nützlich.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Legenden Maethrins beinhalten andere Geschichten, nicht alle davon für Kinder oder Heranwachsende geeignet, manche davon zu düster, als dass sie als Teil der Lehren anerkannt sind, andere schlicht zu lächerlich, als dass sie etwas Sinnvolles zur Würde der Altvorderen beitragen könnten. Amrali ist sich nicht ganz sicher, in welche Kategorie diese hier fällt, aber sie verzieht keine Miene, während sie die über Stunden hinweg gekochten Überreste des Blutsäufers nun schneidet und kaut, Stück für Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer weiss schon, ob sich nicht doch ein Körnchen Wahrheit in den verblichenen Sagen findet.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Amrali&amp;diff=493</id>
		<title>Amrali</title>
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		<updated>2026-07-13T13:35:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Personen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Amrali.jpeg|left|frame]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körpergröße streckt sich auf insgesamt &#039;&#039;&#039;172 Halbfinger&#039;&#039;&#039; und damit durchschnittliches Mittelmaß, die ganze Gestalt erscheint hager an der Grenze zur Ausgemergeltheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;blonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; ist kurz geschoren, betont damit die tief liegenden &#039;&#039;&#039;wasserblauen Augen&#039;&#039;&#039; und eingefallen wirkenden Wangen - aber vermutlich sind es die Narben, die eher den Blick auf sich ziehen und eine bewegte Vergangenheit erahnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mimik lässt oft eine gewisse Verbissheit erkennen, eine Intensität die an eine in die Ecke getriebene Ratte erinnert, deren einzige verbleibende Option die Offensive ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die lange Narbe am Hals zieht sich weiter über die Schulter und den Rücken, gesellt sich zu einer ganzen Anzahl gewöhnlich verborgener Spuren überstandener Kämpfe&lt;br /&gt;
* Wenn das Wetter wechselt, schmerzt der linke Arm oft in Erinnerung an einen Jahre zurückliegenden und nie ganz sauber verheilten Bruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FOLD|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 427 geboren in Maethrin, Tochter der Hialess; Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* 437 Tod der Mutter Hialess&lt;br /&gt;
* 447 Gefangennahme beim Besuch der nahegelegenen Stadt Angelmar &lt;br /&gt;
* 447/448 monatelange Verhöre, aus dieser Zeit stammt die Verletzung des linken Arms&lt;br /&gt;
* 449 Rückkehr nach Maethrin als Fremde, Streichung ihres Namens aus dem Buch der Gemeinschaft, Verbannung aus der Region&lt;br /&gt;
* 449-451 Zeit der Wanderung: Hausdienerin. Brückenbau. Steinbruch. Plantage. Eine Zeit in einem namenlosen Sumpfland mit keiner anderen Aufgabe als Blutegel zu sammeln. Dann wieder ein Haushalt. Sogar eine Arena, auch wenn es mehr ein Zirkus war als alles andere. Erneut ein Steinbruch. Eine Sägerei. Und dann die Seuche. Aus dieser Zeit stammen die Narben am Hals und Schädel.&lt;br /&gt;
* 451 Schwere Krankheit, die Levinerinnen scheren ihr den Kopf (wie bei allen anderen zu Behandelnden auch)&lt;br /&gt;
* 452 Schiffbruch auf dem Transport mit anderen Gefangenen, Ankunft an der Küste nahe Solgard, der neuen Welt&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FOLD|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mutter Hialess (402 - 437)&lt;br /&gt;
* Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* Halbruder unbekannt (* 424)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Turah (* 425)&lt;br /&gt;
* Halbbruder unbekannt (* 429)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Meifiah (* 432)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gedanken und Meinungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Orte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Solgard|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Stadt, die ich dieser Tage meine Heimat nenne. Ich habe nie zuvor eine Siedlung erlebt, bei der Innen- und Aussenbild soweit voneinander entfernt sind, die vereinfachten Annahmen über Politik und Macht werden dem tatsächlichen Wirrwarr, der Unordnung, in keinster Weise gerecht. Wenn es tatsächlich etwas gibt, das die Solgarder universell aneinander bindet, dann ist es nicht etwa der Glaube an den Herrn, sondern die seufzende Opferbereitschaft aus jeder Aufgabe eine Pflicht, eine Bürde zu machen, der man sich schliesslich ergeben, aber ohne Enthusiasmus stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verantwortung der Macht erscheint hier wie ein heisses Eisen, an dem man sich bereits zu oft die Finger verbrannt hat.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Nebelhafen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein Dorf, das davon träumt eine Stadt zu sein, verloren zwischen den Fronten anderer Mächte und damit unweigerlich ein einsamer Spielball ohne Freunde, wann immer es jemandem gefällt. Neutralität ist etwas, das nur aus einer Position von Stärke heraus funktioniert.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Surom|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich habe die Mauern dieser Stadt noch nicht gesehen und hege auch keinen Wunsch etwas daran zu ändern. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Personen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Dervyn|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Heermeister Solgards präsentiert die für mich verwirrende Vielschichtigkeit dieser Stadt auf das Beste. Er ist umgänglich und vielseitig interessiert, ich habe sogar Gerüchte gehört, dass er am Hafen eine Geliebte haben soll. Er betreibt eine Gaststube in der zwielichtige Elementaristen arbeiten (soweit ich vernahm) und ist gleichzeitig dafür verantwortlich die Sicherheit der Stadt zu gewährleisten. &lt;br /&gt;
Er trägt seine Bürde und lächelt dabei. Nicht .. aufrichtig, aber bereit seine Bürde zu tragen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Jaster Darez|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Radesvald|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Van de Mork|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Zlata|CONTENT=&lt;br /&gt;
Sie ist, zumindest auf den ersten Blick, völlig anders als meine Schwestern. Schwächlich, zerbrechlich, burschikos. Konzentriert auf Handwerk, weil es klaren, einfachen Regeln folgt, vorhersehbar, wie es kein Mensch je sein könnte. Der Stolz versteckt sich dahinter, wagt sich nur dann und wann einmal an die Oberfläche - oft nicht einmal dann, wenn es angebracht wäre.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber sie hat sich befreit aus widrigen Umständen, Entscheidungen getroffen, vor denen andere zurückgewichen wären. Wenn die Umstände im Chaos versinken, dann gibt auch die Maske nach und die Höflichkeit macht Platz für rohe Emotion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hätte sie nicht Schwester nennen sollen. Aber ich kann mich nicht dazu durchringen es zu bereuen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
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		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Amrali&amp;diff=492</id>
		<title>Amrali</title>
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		<updated>2026-07-13T13:20:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Gedanken und Meinungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Amrali.jpeg|left|frame]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körpergröße streckt sich auf insgesamt &#039;&#039;&#039;172 Halbfinger&#039;&#039;&#039; und damit durchschnittliches Mittelmaß, die ganze Gestalt erscheint hager an der Grenze zur Ausgemergeltheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;blonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; ist kurz geschoren, betont damit die tief liegenden &#039;&#039;&#039;wasserblauen Augen&#039;&#039;&#039; und eingefallen wirkenden Wangen - aber vermutlich sind es die Narben, die eher den Blick auf sich ziehen und eine bewegte Vergangenheit erahnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mimik lässt oft eine gewisse Verbissheit erkennen, eine Intensität die an eine in die Ecke getriebene Ratte erinnert, deren einzige verbleibende Option die Offensive ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die lange Narbe am Hals zieht sich weiter über die Schulter und den Rücken, gesellt sich zu einer ganzen Anzahl gewöhnlich verborgener Spuren überstandener Kämpfe&lt;br /&gt;
* Wenn das Wetter wechselt, schmerzt der linke Arm oft in Erinnerung an einen Jahre zurückliegenden und nie ganz sauber verheilten Bruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FOLD|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 427 geboren in Maethrin, Tochter der Hialess; Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* 437 Tod der Mutter Hialess&lt;br /&gt;
* 447 Gefangennahme beim Besuch der nahegelegenen Stadt Angelmar &lt;br /&gt;
* 447/448 monatelange Verhöre, aus dieser Zeit stammt die Verletzung des linken Arms&lt;br /&gt;
* 449 Rückkehr nach Maethrin als Fremde, Streichung ihres Namens aus dem Buch der Gemeinschaft, Verbannung aus der Region&lt;br /&gt;
* 449-451 Zeit der Wanderung: Hausdienerin. Brückenbau. Steinbruch. Plantage. Eine Zeit in einem namenlosen Sumpfland mit keiner anderen Aufgabe als Blutegel zu sammeln. Dann wieder ein Haushalt. Sogar eine Arena, auch wenn es mehr ein Zirkus war als alles andere. Erneut ein Steinbruch. Eine Sägerei. Und dann die Seuche. Aus dieser Zeit stammen die Narben am Hals und Schädel.&lt;br /&gt;
* 451 Schwere Krankheit, die Levinerinnen scheren ihr den Kopf (wie bei allen anderen zu Behandelnden auch)&lt;br /&gt;
* 452 Schiffbruch auf dem Transport mit anderen Gefangenen, Ankunft an der Küste nahe Solgard, der neuen Welt&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FOLD|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mutter Hialess (402 - 437)&lt;br /&gt;
* Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* Halbruder unbekannt (* 424)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Turah (* 425)&lt;br /&gt;
* Halbbruder unbekannt (* 429)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Meifiah (* 432)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gedanken und Meinungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Orte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Solgard|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Stadt, die ich dieser Tage meine Heimat nenne. Ich habe nie zuvor eine Siedlung erlebt, bei der Innen- und Aussenbild soweit voneinander entfernt sind, die vereinfachten Annahmen über Politik und Macht werden dem tatsächlichen Wirrwarr, der Unordnung, in keinster Weise gerecht. Wenn es tatsächlich etwas gibt, das die Solgarder universell aneinander bindet, dann ist es nicht etwa der Glaube an den Herrn, sondern die seufzende Opferbereitschaft aus jeder Aufgabe eine Pflicht, eine Bürde zu machen, der man sich schliesslich ergeben, aber ohne Enthusiasmus stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verantwortung der Macht erscheint hier wie ein heisses Eisen, an dem man sich bereits zu oft die Finger verbrannt hat.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Nebelhafen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein Dorf, das davon träumt eine Stadt zu sein, verloren zwischen den Fronten anderer Mächte und damit unweigerlich ein einsamer Spielball ohne Freunde, wann immer es jemandem gefällt. Neutralität ist etwas, das nur aus einer Position von Stärke heraus funktioniert.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Surom|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich habe die Mauern dieser Stadt noch nicht gesehen und hege auch keinen Wunsch etwas daran zu ändern. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Personen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Dervyn|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Jaster Darez|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Radesvald|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Van de Mork|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Zlata|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
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		<title>Amrali</title>
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		<updated>2026-07-13T10:05:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Amrali.jpeg|left|frame]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körpergröße streckt sich auf insgesamt &#039;&#039;&#039;172 Halbfinger&#039;&#039;&#039; und damit durchschnittliches Mittelmaß, die ganze Gestalt erscheint hager an der Grenze zur Ausgemergeltheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;blonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; ist kurz geschoren, betont damit die tief liegenden &#039;&#039;&#039;wasserblauen Augen&#039;&#039;&#039; und eingefallen wirkenden Wangen - aber vermutlich sind es die Narben, die eher den Blick auf sich ziehen und eine bewegte Vergangenheit erahnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mimik lässt oft eine gewisse Verbissheit erkennen, eine Intensität die an eine in die Ecke getriebene Ratte erinnert, deren einzige verbleibende Option die Offensive ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die lange Narbe am Hals zieht sich weiter über die Schulter und den Rücken, gesellt sich zu einer ganzen Anzahl gewöhnlich verborgener Spuren überstandener Kämpfe&lt;br /&gt;
* Wenn das Wetter wechselt, schmerzt der linke Arm oft in Erinnerung an einen Jahre zurückliegenden und nie ganz sauber verheilten Bruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FOLD|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 427 geboren in Maethrin, Tochter der Hialess; Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* 437 Tod der Mutter Hialess&lt;br /&gt;
* 447 Gefangennahme beim Besuch der nahegelegenen Stadt Angelmar &lt;br /&gt;
* 447/448 monatelange Verhöre, aus dieser Zeit stammt die Verletzung des linken Arms&lt;br /&gt;
* 449 Rückkehr nach Maethrin als Fremde, Streichung ihres Namens aus dem Buch der Gemeinschaft, Verbannung aus der Region&lt;br /&gt;
* 449-451 Zeit der Wanderung: Hausdienerin. Brückenbau. Steinbruch. Plantage. Eine Zeit in einem namenlosen Sumpfland mit keiner anderen Aufgabe als Blutegel zu sammeln. Dann wieder ein Haushalt. Sogar eine Arena, auch wenn es mehr ein Zirkus war als alles andere. Erneut ein Steinbruch. Eine Sägerei. Und dann die Seuche. Aus dieser Zeit stammen die Narben am Hals und Schädel.&lt;br /&gt;
* 451 Schwere Krankheit, die Levinerinnen scheren ihr den Kopf (wie bei allen anderen zu Behandelnden auch)&lt;br /&gt;
* 452 Schiffbruch auf dem Transport mit anderen Gefangenen, Ankunft an der Küste nahe Solgard, der neuen Welt&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FOLD|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mutter Hialess (402 - 437)&lt;br /&gt;
* Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* Halbruder unbekannt (* 424)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Turah (* 425)&lt;br /&gt;
* Halbbruder unbekannt (* 429)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Meifiah (* 432)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gedanken und Meinungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Dervyn|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Jaster Darez|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Radesvald|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Van de Mork|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Zlata|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
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		<title>Amrali</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Hintergrund */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Amrali.jpeg|left|frame]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körpergröße streckt sich auf insgesamt &#039;&#039;&#039;172 Halbfinger&#039;&#039;&#039; und damit durchschnittliches Mittelmaß, die ganze Gestalt erscheint hager an der Grenze zur Ausgemergeltheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;blonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; ist kurz geschoren, betont damit die tief liegenden &#039;&#039;&#039;wasserblauen Augen&#039;&#039;&#039; und eingefallen wirkenden Wangen - aber vermutlich sind es die Narben, die eher den Blick auf sich ziehen und eine bewegte Vergangenheit erahnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mimik lässt oft eine gewisse Verbissheit erkennen, eine Intensität die an eine in die Ecke getriebene Ratte erinnert, deren einzige verbleibende Option die Offensive ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die lange Narbe am Hals zieht sich weiter über die Schulter und den Rücken, gesellt sich zu einer ganzen Anzahl gewöhnlich verborgener Spuren überstandener Kämpfe&lt;br /&gt;
* Wenn das Wetter wechselt, schmerzt der linke Arm oft in Erinnerung an einen Jahre zurückliegenden und nie ganz sauber verheilten Bruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FOLD|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 427 geboren in Maethrin, Tochter der Hialess; Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* 437 Tod der Mutter Hialess&lt;br /&gt;
* 447 Gefangennahme beim Besuch der nahegelegenen Stadt Angelmar - ein heimlicher, gegen das Reiseverbot der Ältesten verstoßender Ausflug während einer großen Dürre; ergriffen im Auftrag einer geheimnisvollen, grauäugigen Fremden, der &amp;quot;Feindin&amp;quot;&lt;br /&gt;
* 447/448 monatelange Verhöre durch die Feindin gemeinsam mit gefangenen Schwestern, aus dieser Zeit stammt die Verletzung des linken Arms&lt;br /&gt;
* 448 Verkauf an Sklavenhändler, danach Aufenthalte an verschiedenen Orten bevor ihr die Flucht gelingt. Aus dieser Zeit stammen die Narben am Hals&lt;br /&gt;
* 449 Rückkehr nach Maethrin als Fremde unter den eigenen Schwestern; Streichung ihres Namens aus dem Buch der Gemeinschaft, Verbannung aus dem Land der Schwestern&lt;br /&gt;
* 449-451 Zeit der Wanderung: Hausdienerin. Brückenbau. Steinbruch. Plantage. Eine Zeit in einem namenlosen Sumpfland mit keiner anderen Aufgabe als Blutegel zu sammeln. Dann wieder ein Haushalt. Sogar eine Arena, auch wenn es mehr ein Zirkus war als alles andere. Erneut ein Steinbruch. Eine Sägerei. Und dann die Seuche.&lt;br /&gt;
* 451 Schwere Krankheit, die Levinerinnen scheren ihr den Kopf (wie bei allen anderen zu Behandelnden auch)&lt;br /&gt;
* 452 Schiffbruch auf dem Transport mit anderen Gefangenen, Ankunft an der Küste nahe Solgard, der neuen Welt&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FOLD|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mutter Hialess (402 - 437)&lt;br /&gt;
* Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* Halbruder unbekannt (* 424)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Turah (* 425)&lt;br /&gt;
* Halbbruder unbekannt (* 429)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Meifiah (* 432)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gedanken und Meinungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Dervyn|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Jaster Darez|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Radesvald|CONTENT=&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Van de Mork|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
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		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Amrali&amp;diff=489</id>
		<title>Amrali</title>
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		<updated>2026-07-13T10:00:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Gossip */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Amrali.jpeg|left|frame]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körpergröße streckt sich auf insgesamt &#039;&#039;&#039;172 Halbfinger&#039;&#039;&#039; und damit durchschnittliches Mittelmaß, die ganze Gestalt erscheint hager an der Grenze zur Ausgemergeltheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;blonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; ist kurz geschoren, betont damit die tief liegenden &#039;&#039;&#039;wasserblauen Augen&#039;&#039;&#039; und eingefallen wirkenden Wangen - aber vermutlich sind es die Narben, die eher den Blick auf sich ziehen und eine bewegte Vergangenheit erahnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mimik lässt oft eine gewisse Verbissheit erkennen, eine Intensität die an eine in die Ecke getriebene Ratte erinnert, deren einzige verbleibende Option die Offensive ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die lange Narbe am Hals zieht sich weiter über die Schulter und den Rücken, gesellt sich zu einer ganzen Anzahl gewöhnlich verborgener Spuren überstandener Kämpfe&lt;br /&gt;
* Wenn das Wetter wechselt, schmerzt der linke Arm oft in Erinnerung an einen Jahre zurückliegenden und nie ganz sauber verheilten Bruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FLAT|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 427 geboren in [[Maethrin]]&lt;br /&gt;
* 447 Gefangennahme beim Besuch der nahegelegenden Stadt [[Angelmar]]&lt;br /&gt;
* 448 Verkauf an Sklavenhändler, danach Aufenthalte zwischen Monaten und einem Jahr an verschiedenen Orten&lt;br /&gt;
* 452 Ankunft auf der neuen Welt nach Schiffsbruch auf dem Transport mit anderen Gefangenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FLAT|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mutter Hialess (402 - 437)&lt;br /&gt;
* Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* Halbruder unbekannt (* 424)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Turah (* 425)&lt;br /&gt;
* Halbbruder unbekannt (* 429)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Meifiah (* 432)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gedanken und Meinungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Dervyn|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Jaster Darez|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Radesvald|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Van de Mork|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Zlata|CONTENT=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;/div&gt;</summary>
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		<updated>2026-07-13T09:46:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Amrali.jpeg|left|frame]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körpergröße streckt sich auf insgesamt &#039;&#039;&#039;172 Halbfinger&#039;&#039;&#039; und damit durchschnittliches Mittelmaß, die ganze Gestalt erscheint hager an der Grenze zur Ausgemergeltheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;blonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; ist kurz geschoren, betont damit die tief liegenden &#039;&#039;&#039;wasserblauen Augen&#039;&#039;&#039; und eingefallen wirkenden Wangen - aber vermutlich sind es die Narben, die eher den Blick auf sich ziehen und eine bewegte Vergangenheit erahnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mimik lässt oft eine gewisse Verbissheit erkennen, eine Intensität die an eine in die Ecke getriebene Ratte erinnert, deren einzige verbleibende Option die Offensive ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die lange Narbe am Hals zieht sich weiter über die Schulter und den Rücken, gesellt sich zu einer ganzen Anzahl gewöhnlich verborgener Spuren überstandener Kämpfe&lt;br /&gt;
* Wenn das Wetter wechselt, schmerzt der linke Arm oft in Erinnerung an einen Jahre zurückliegenden und nie ganz sauber verheilten Bruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FLAT|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 427 geboren in [[Maethrin]]&lt;br /&gt;
* 447 Gefangennahme beim Besuch der nahegelegenden Stadt [[Angelmar]]&lt;br /&gt;
* 448 Verkauf an Sklavenhändler, danach Aufenthalte zwischen Monaten und einem Jahr an verschiedenen Orten&lt;br /&gt;
* 452 Ankunft auf der neuen Welt nach Schiffsbruch auf dem Transport mit anderen Gefangenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FLAT|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mutter Hialess (402 - 437)&lt;br /&gt;
* Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* Halbruder unbekannt (* 424)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Turah (* 425)&lt;br /&gt;
* Halbbruder unbekannt (* 429)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Meifiah (* 432)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gossip ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
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		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Amrali&amp;diff=487</id>
		<title>Amrali</title>
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		<updated>2026-07-13T09:45:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Hintergrund */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Amrali.jpeg|left|frame]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körpergröße streckt sich auf insgesamt &#039;&#039;&#039;172 Halbfinger&#039;&#039;&#039; und damit durchschnittliches Mittelmaß, die ganze Gestalt erscheint hager an der Grenze zur Ausgemergeltheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;blonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; ist kurz geschoren, betont damit die tief liegenden &#039;&#039;&#039;wasserblauen Augen&#039;&#039;&#039; und eingefallen wirkenden Wangen - aber vermutlich sind es die Narben, die eher den Blick auf sich ziehen und eine bewegte Vergangenheit erahnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mimik lässt oft eine gewisse Verbissheit erkennen, eine Intensität die an eine in die Ecke getriebene Ratte erinnert, deren einzige verbleibende Option die Offensive ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die lange Narbe am Hals zieht sich weiter über die Schulter und den Rücken, gesellt sich zu einer ganzen Anzahl gewöhnlich verborgener Spuren überstandener Kämpfe&lt;br /&gt;
* Wenn das Wetter wechselt, schmerzt der linke Arm oft in Erinnerung an einen Jahre zurückliegenden und nie ganz sauber verheilten Bruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FLAT|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 427 geboren in [[Maethrin]]&lt;br /&gt;
* 447 Gefangennahme beim Besuch der nahegelegenden Stadt [[Angelmar]]&lt;br /&gt;
* 448 Verkauf an Sklavenhändler, danach Aufenthalte zwischen Monaten und einem Jahr an verschiedenen Orten&lt;br /&gt;
* 452 Ankunft auf der neuen Welt nach Schiffsbruch auf dem Transport mit anderen Gefangenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FLAT|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mutter Hialess (402 - 437)&lt;br /&gt;
* Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* Halbruder unbekannt (* 424)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Turah (* 425)&lt;br /&gt;
* Halbbruder unbekannt (* 429)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Meifiah (* 432)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
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		<title>Amrali</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Eigenheiten und Merkmale */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Amrali.jpeg|left|frame]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körpergröße streckt sich auf insgesamt &#039;&#039;&#039;172 Halbfinger&#039;&#039;&#039; und damit durchschnittliches Mittelmaß, die ganze Gestalt erscheint hager an der Grenze zur Ausgemergeltheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;blonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; ist kurz geschoren, betont damit die tief liegenden &#039;&#039;&#039;wasserblauen Augen&#039;&#039;&#039; und eingefallen wirkenden Wangen - aber vermutlich sind es die Narben, die eher den Blick auf sich ziehen und eine bewegte Vergangenheit erahnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mimik lässt oft eine gewisse Verbissheit erkennen, eine Intensität die an eine in die Ecke getriebene Ratte erinnert, deren einzige verbleibende Option die Offensive ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die lange Narbe am Hals zieht sich weiter über die Schulter und den Rücken, gesellt sich zu einer ganzen Anzahl gewöhnlich verborgener Spuren überstandener Kämpfe&lt;br /&gt;
* Wenn das Wetter wechselt, schmerzt der linke Arm oft in Erinnerung an einen Jahre zurückliegenden und nie ganz sauber verheilten Bruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FLAT|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 427 geboren in [[Maethrin]]&lt;br /&gt;
* 447 Gefangennahme beim Besuch der nahegelegenden Stadt [[Zwiewasser]]&lt;br /&gt;
* 448 Verkauf an Sklavenhändler, danach Aufenthalte zwischen Monaten und einem Jahr an verschiedenen Orten&lt;br /&gt;
* 452 Ankunft auf der neuen Welt nach Schiffsbruch auf dem Transport mit anderen Gefangenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FLAT|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mutter Hialess (402 - 437)&lt;br /&gt;
* Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* Halbruder unbekannt (* 424)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Turah (* 425)&lt;br /&gt;
* Halbbruder unbekannt (* 429)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Meifiah (* 432)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
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== Geschichte ==&lt;/div&gt;</summary>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Amrali.jpeg|left|frame]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körpergröße streckt sich auf insgesamt &#039;&#039;&#039;172 Halbfinger&#039;&#039;&#039; und damit durchschnittliches Mittelmaß, die ganze Gestalt erscheint hager an der Grenze zur Ausgemergeltheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;blonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; ist kurz geschoren, betont damit die tief liegenden &#039;&#039;&#039;wasserblauen Augen&#039;&#039;&#039; und eingefallen wirkenden Wangen - aber vermutlich sind es die Narben, die eher den Blick auf sich ziehen und eine bewegte Vergangenheit erahnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mimik lässt oft eine gewisse Verbissheit erkennen, eine Intensität die an eine in die Ecke getriebene Ratte erinnert, deren einzige verbleibende Option die Offensive ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die lange Narbe am Hals zieht sich weiter über die Schulter und den Rücken, gesellt sich zu einer ganzen Anzahl gewöhnlich verborgener Spuren überstandener Kämpfe&lt;br /&gt;
* Wenn das Wetter wechselt schmerz der linke Ellebogen oft in Erinnerung an einen Jahre zurückliegenden und nie ganz sauber verheilten Bruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FLAT|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 427 geboren in [[Maethrin]]&lt;br /&gt;
* 447 Gefangennahme beim Besuch der nahegelegenden Stadt [[Zwiewasser]]&lt;br /&gt;
* 448 Verkauf an Sklavenhändler, danach Aufenthalte zwischen Monaten und einem Jahr an verschiedenen Orten&lt;br /&gt;
* 452 Ankunft auf der neuen Welt nach Schiffsbruch auf dem Transport mit anderen Gefangenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FLAT|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mutter Hialess (402 - 437)&lt;br /&gt;
* Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* Halbruder unbekannt (* 424)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Turah (* 425)&lt;br /&gt;
* Halbbruder unbekannt (* 429)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Meifiah (* 432)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
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== Geschichte ==&lt;/div&gt;</summary>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Amrali.jpeg|left|frame]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körpergröße streckt sich auf insgesamt &#039;&#039;&#039;172 Halbfinger&#039;&#039;&#039; und damit durchschnittliches Mittelmaß, die ganze Gestalt erscheint hager an der Grenze zur Ausgemergeltheit. Das &#039;&#039;&#039;blonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; ist kurz geschoren, betont damit die tief liegenden &#039;&#039;&#039;wasserblauen Augen&#039;&#039;&#039; und eingefallen wirkenden Wangen - aber vermutlich sind es die Narben, die eher den Blick auf sich ziehen und eine bewegte Vergangenheit erahnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mimik lässt oft eine gewisse Verbissheit erkennen, eine Intensität die an eine in die Ecke getriebene Ratte erinnert, deren einzige verbleibende Option die Offensive ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die lange Narbe am Hals zieht sich weiter über die Schulter und den Rücken, gesellt sich zu einer ganzen Anzahl gewöhnlich verborgener Spuren überstandener Kämpfe&lt;br /&gt;
* Wenn das Wetter wechselt schmerz der linke Ellebogen oft in Erinnerung an einen Jahre zurückliegenden und nie ganz sauber verheilten Bruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FLAT|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 427 geboren in [[Maethrin]]&lt;br /&gt;
* 447 Gefangennahme beim Besuch der nahegelegenden Stadt [[Zwiewasser]]&lt;br /&gt;
* 448 Verkauf an Sklavenhändler, danach Aufenthalte zwischen Monaten und einem Jahr an verschiedenen Orten&lt;br /&gt;
* 452 Ankunft auf der neuen Welt nach Schiffsbruch auf dem Transport mit anderen Gefangenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FLAT|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mutter Hialess (402 - 437)&lt;br /&gt;
* Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* Halbruder unbekannt (* 424)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Turah (* 425)&lt;br /&gt;
* Halbbruder unbekannt (* 429)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Meifiah (* 432)&lt;br /&gt;
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: Die Seite wurde neu angelegt: „== Auf den ersten Blick ==  frame   Die Körpergröße streckt sich auf insgesamt &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;172 Halbfinger&amp;#039;&amp;#039; und damit durchschnittliches Mittelmaß, die ganze Gestalt erscheint hager an der Grenze zur Ausgemergeltheit. Das &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;blonde Schopfhaar&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist kurz geschoren, betont damit die tief liegenden &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;wasserblauen Augen&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; und eingefallen wirkenden Wangen - aber vermutlich sind es die Narben, die eher den Blick auf sich ziehen und eine…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Amrali.jpeg|left|frame]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körpergröße streckt sich auf insgesamt &#039;&#039;&#039;172 Halbfinger&#039;&#039; und damit durchschnittliches Mittelmaß, die ganze Gestalt erscheint hager an der Grenze zur Ausgemergeltheit. Das &#039;&#039;&#039;blonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; ist kurz geschoren, betont damit die tief liegenden &#039;&#039;&#039;wasserblauen Augen&#039;&#039;&#039; und eingefallen wirkenden Wangen - aber vermutlich sind es die Narben, die eher den Blick auf sich ziehen und eine bewegte Vergangenheit erahnen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mimik lässt oft eine gewisse Verbissheit erkennen, eine Intensität die an eine in die Ecke getriebene Ratte erinnert, deren einzige verbleibende Option die Offensive ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die lange Narbe am Hals zieht sich weiter über die Schulter und den Rücken, gesellt sich zu einer ganzen Anzahl gewöhnlich verborgener Spuren überstandener Kämpfe&lt;br /&gt;
* Wenn das Wetter wechselt schmerz der linke Ellebogen oft in Erinnerung an einen Jahre zurückliegenden und nie ganz sauber verheilten Bruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FLAT|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 427 geboren in [[Maethrin]]&lt;br /&gt;
* 447 Gefangennahme beim Besuch der nahegelegenden Stadt [[Zwiewasser]]&lt;br /&gt;
* 448 Verkauf an Sklavenhändler, danach Aufenthalte zwischen Monaten und einem Jahr an verschiedenen Orten&lt;br /&gt;
* 452 Ankunft auf der neuen Welt nach Schiffsbruch auf dem Transport mit anderen Gefangenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|DISPLAY=FLAT|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mutter Hialess (402 - 437)&lt;br /&gt;
* Vater unbekannt&lt;br /&gt;
* Halbruder unbekannt (* 424)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Turah (* 425)&lt;br /&gt;
* Halbbruder unbekannt (* 429)&lt;br /&gt;
* Halbschwester Meifiah (* 432)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Fel_Maris&amp;diff=476</id>
		<title>Fel Maris</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Fel_Maris&amp;diff=476"/>
		<updated>2025-11-30T07:30:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Gedanken und Meinungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Fel.jpeg|left|frame]] Die Körpergrösse von ungefähr &#039;&#039;&#039;165 Halbfingern&#039;&#039;&#039; ist von unaufälliger Normalität, die gesamte Gestalt wirkt recht filigran, die Züge erscheinen prägnant geschnitten und verraten bereits das gemischte Erbe, das sich in den fein angespitzen Ohren noch deutlicher ausdrückt: &#039;&#039;&#039;Fel ist ohne Mühe als Halbblut eines menschlichen und eines hochelfischen Elternteils zu identifizieren.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den &#039;&#039;&#039;blauen Augen&#039;&#039;&#039; findet sich offenes Interesse, gemildert durch Wachsamkeit. Wenngleich nicht unangemessen nervös, wirkt sie wie jemand, der gern über die eigene Schulter sieht, stets getrieben von immer präsentem schlechten Gewissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;rotblonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; wird nur selten offen getragen und lockt sich bei der geringsten Feuchtigkeit, formt damit einen ungehorsamen Gegensatz zur moderat unaufälligen Kleiderwahl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemischte Erbe macht es schwer durch das Aussehen allein ihr Alter einzuschätzen: Sie ist ohne Zweifel erwachsen, darüber hinaus erlaubt weitere Beobachtung von Verhalten und Gebaren die Einschätzung, dass sie sich irgendwo im Bereich &#039;&#039;&#039;zwischen Anfang und Mitte Zwanzig&#039;&#039;&#039; befinden sollte.&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die linke Hand gehorcht merklich schlechter, die Finger sind unflexibel&lt;br /&gt;
* Furcht vor engen und dunklen Räumen, bisweilen Alpträume die auf ihre Zwangsarbeit im Bergwerk zurückgehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 417 geboren in [[Breitenbach]]&lt;br /&gt;
* 428 bis 429: Arbeitsdienst im Strafbergwerk Breitenbach &lt;br /&gt;
* 433 Verbannung aus Breitenbach und Ansiedlung in [[Grauhafen]]&lt;br /&gt;
* 436 Anstellung im Handelshaus [[Telketh]] für einfachste Hilfsarbeiten&lt;br /&gt;
* 440 Übersiedlung nach [[Rossensprung]] im Dienste des Hauses Telketh&lt;br /&gt;
* 443 Beginn der magischen Ausbildung bei der blinden Seherin [[Myra]]&lt;br /&gt;
* 447 Zwangsrekrutierung für die Armee entsprechend lokaler Gesetzgebung, Ausbildung durch [[Arngrimm Jerwalson]]&lt;br /&gt;
* 450 Überfahrt im Zuge regulärer Dienstverpflichtungen, Schiffsbruch vor der neuen Insel, Spielbeginn&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vater &amp;quot;Gil Melethron&amp;quot; (Alter unbekannt, Verbleib unbekannt seit 416)&lt;br /&gt;
* Mutter Lia Maris (* 385, Verbleib unbekannt seit 424)&lt;br /&gt;
* Bruder Themon (* 410, Verbleib unbekannt seit 424)&lt;br /&gt;
* Bruder Jasser (413 - 429)&lt;br /&gt;
* Bruder Fihan (414 - 428)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Notizensammlung|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Fel Maris&#039; Notizen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Dramatis Personae|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Myra]]&lt;br /&gt;
* [[Arngrimm Jerwalson]]&lt;br /&gt;
* [[Ludwig Springer]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschichte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Vergangenheit: Ussaria|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Magische Momente|SUBTITLE=Rossensprung, 445 (vor 5 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich verstehe das Problem nicht richtig. Die Worte haben eine ihnen innewohnende Kraft. Du musst dich einfach darauf einstimmen, dich ihrer Führung übergeben, während du gleichzeitig das Ziel des Zaubers selbst fest und bestimmt vor Augen hälst. Ich hätte geglaubt, dass gerade du damit keine Probleme hast.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig machte sich nicht die Mühe die Irritation aus seiner Stimme zu verdrängen. Er mochte Fel, aber sie war manchmal geradezu nervtötend begriffsstutzig, vor allem bei so einfachen Dingen wie den Worten der Macht. Das allein war noch kein Grund für Verärgerung, aber die Zeit für diese Art von Ausbildung war knapp bemessen und wertvoll: In den reichen Häusern Rossensprungs mochte es ja so sein, dass jemand mit der Gabe von allen Pflichten und Aufgaben freigestellt wurde, um sich ganz dem Studium dieser Kräfte zu widmen, aber das galt nicht dort, wo das Kopfsteinpflaster löchrig, die Dächer undicht und die Umgangsformen rauer wurden. Ludwigs war ein Schusterlehrling im dritten Jahr und das war es, was Essen auf den Tisch brachte. Diese Abende unter der Anleitung der alten Seherin fielen unter ein Siegel der Verschwiegenheit, zwangsläufig verborgen nicht nur vor der Obrigkeit, die mit harter Hand Loyalität und Dienst aller Zauberkundigen innerhalb der Grenzen der Stadtmauern einforderte, sondern eben auch vor dem knauserigen Schustermeister, der keine Gelegenheit ausließ um seine Lehrlinge zu schinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich hätte gedacht, dass gerade du das verstehen solltest. Es sind nicht einfach nur Buchstaben auf Pergament, Fel. Du musst fühlen, was dahinter ist.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel war älter als Ludwig und schon länger eine Schülerin der alten blinden Seherin, die ihre windschiefe Hütte im Schatten der alten Mauer hatte. Rossensprung war auf unsicherem, sumpfigen Grund errichtet, die alte Mauer war ein Teil der ursprünglichen Kernsiedlung und dieser Tage zu weiten Teilen entweder versunken oder für Steine zerlegt. Nur hier und dort gab es noch Reste, die sich wie verbleibende Zähne in einem zertrümmerten Gebiss dem endgültigen Verfall entgegen stemmten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wer hier lebte, der tat es selten freiwillig, die Eltern in den hübscheren Viertel der florierenden Hafenstadt warnten ihre Kinder vor der Brache und den Krankheiten, die man sich dort einfangen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Geschichten war Ludwig aufgewachsen und auch jetzt schauderte er noch regelmäßig, wann immer er die schiefen Reste des Fischertors durchschritt und den allmählich verrottenden Planken und Hängebrücken folgte, die bis zum Haus seiner zweiten, inoffiziellen Lehrmeisterin führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Du bist zu unbeweglich. Das System funktioniert nicht so. Du kannst nicht einfach nach strikten Gegensätzen schauen und diese einander zuordnen. Denk an die Brücken hier in der Brache: Sie biegen sich und schwanken, sind krumm und schief, aber sie führen dennoch meistens zum Ziel.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magische Theorie auf dieser Ebene war für Ludwig vollkommen einsichtig, vielleicht weil er während seines gewöhnlichen Tagewerks so viel Zeit hatte, die Gedanken wandern zu lassen. Während die Finger mit Ahle, Falzzange, Klopfstein und Knieriemen beschäftigt waren, ließen sich die unverhandelbaren Komponenten der Zauber im Geist bestens zusammensetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fels Stimme ließ ihre Frustration durchklingen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich verstehe einfach nicht, warum es abweicht. Jeder der drei einfachen Schwächungszauber benutzt Nachtschatten als eine Reagenz. Jeder der drei einfachen Stärkungszauber benutzt Alraune als eine Reagenz. DES MANI zum Schwächen, UUS MANI zum Stärken. UUS WIS zum Schärfen des Geistes, aber REL WIS anstelle von DES WIS? UUS JUX meinetwegen um das Ungeschick zu erhöhen, aber dann wiederum weder DES JUX noch REL JUX, sondern EX UUS! Das letzte Paar benutzt dann immerhin passend jeweils Blutmoos, auch beim Zauber für die Geistesschärfe und die Dummheit findet sich gleichartig die Spinnenseide, aber ausgerechnet bei der Stärkung und Schwächung bricht das ganze System auf: Alraune und Schwarze Perle? Warum bitte?&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das waren Fragen, die die alte Seherin normalerweise unbeantwortet ließ, mit einem Schulterzucken abtat, wann immer sie einem ihrer Schüler in die Quere kamen. Neugier brachte ihrer Meinung nach gar nichts: Wem half es schon zu wissen, warum genau nun bestimmte Bestandteile eines Zaubers zusammenwirkten, solange sie es taten? Zeit für solchen Firlefanz hatten nur reiche Schnösel, die nichts zu tun hatten, als über die Welt und den erstaunlichen Mangel an Frauen in ihrem Leben nachzudenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Ludwig hatte schon früh gelernt sich keine überflüssigen Fragen zu stellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich weiß es nicht, Fel. Aber es braucht auch keine vollkommene Ordnung. Darüber hinaus hast du übersehen, dass der Schwächungszauber ebenfalls die Alraune verwendet. Das heisst in der ganz einfachen Umkehrung mit der Ersetzung von Nachtschatten durch eine Alraune, hättest du plötzlich deren zwei in Verwendung. Du brauchst also etwas anderes - oder um genauer zu sein ..&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig ließ die Worte ausklingen, kapitulierend vor dem verwirrten Blick seiner Mitschülerin.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie sollte er etwas erklären, das sich nicht in offensichtliche starre Regeln einfügen ließ? Alles spielte zusammen, die Flexibilität des Systems bestätigte sich durch seine Wirksamkeit selbst. Wenn es scheinbar gegen hergeleitete Regeln verstieß, dann war das einfach ein Problem der Regeln, nicht das Systems selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Du wirst hier in der Brache keine Antwort darauf bekommen, Fel. Wir halten den Kopf unten und lernen was wir können. Und sobald die Alte uns für bereit hält, können wir unser Glück andernorts machen.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange würde das dauern?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ludwig hatte keine Zweifel, dass er in wenigen Monaten alles gelernt haben würde, was die Seherin ihm anzubieten hatte. Selbst jetzt war für ihn bereits offensichtlich wie löchrig das Fundament ihrer Kenntnisse war, wie gering ihr Interesse die Magie wirklich zu verstehen. Fel dagegen hatte - unbegreiflich für ihn - Mühe selbst diese kleine Barriere zu nehmen. Sie war schlau genug und darüber hinaus bereits erwachsen, das alles hätte ihr einen Vorteil geben sollen, aber ein um das andere Mal fand Ludwig sich dabei Erklärungen abzugeben, die in ihrer Tiefe auch seine Erfahrungen letztlich überstiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht, dass es ihn störte: Er mochte Fel und ihre Aufmerksamkeit war angenehm. Beflügelnd. Trotz ihrer hartnäckigen Schwierigkeiten mit der Flexibilität und Beweglichkeit des Systems der Magie. Er würde das, daran hatte er keinen Zweifel, schon noch zu schätzen wissen. Genau wie ihn.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Armeekarriere|SUBTITLE=Rossensprung, Februar 447 (vor 3 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Uniformstoff war steif und kratzig, unbequem zu tragen und darüber hinaus verpflichtend für alle Rekruten im ersten Jahr. Die Kleiderordnung nahm dabei keine Rücksicht auf die Jahreszeiten oder besondere Gegebenheiten wie in Rossensprung, wo die schweren Stiefel allzu gern in saftig schmatzendem Schlamm steckenblieben oder dafür sorgten, dass der Halt auf schwankenden Hängebrücken verloren ging. &lt;br /&gt;
Die Kleiderordnung scherte sich auch nicht darum, ob ein Rekrut den Versprechungen der Werber gefolgt und darum sein Kreuz unter einen Dienstvertrag gesetzt hatte, oder ob diese Verpflichtung als Teil einer angeborenen Gabe vorausgesetzt und dann eingefordert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regeln und Gesetze waren jedenfalls eindeutig: Jeder Anwohner der Stadt hatte eventuelle magische Fähigkeiten zu registrieren und war darüber hinaus verpflichtet, eine fünfjährige Dienstpflicht in der Armee abzuleisten. Der ewigen Regel von Aktion und Reaktion folgend, hatte diese Gesetzgebung zur Entstehung eines Schwarzmarktes ganz besonderer Art geführt: Heimliche Ausbildung in den Künsten abseits des wachsamen Auges des Gesetzes. Damit war die Eskalationsspirale in Gang gesetzt: Auf das Ausweichen folgten verschärfte Gesetze und die Androhung strengerer Strafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor Wochenfrist war das für Fel eine zwar präsente, gleichzeitig aber abstrakte Sorge gewesen. Vier Tage später hatte sich die Welt auf den Kopf gestellt. &lt;br /&gt;
Es war nicht so, als wären Fel die Gesetze nicht bekannt gewesen, aber erst als sie gezwungen wurde im drögen, halb unter Wasser stehenden Innenhof des gräflichen Gerichts der Hinrichtung ihrer mehrjährigen Lehrmeisterin zuzusehen, begriff sie wirklich, was sie bedeuteten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer hatte die Büttel auf die Spur gebracht, wer war bereit gewesen, mit dem stehenden Kopfgeld von 50 Silbermünzen das eigene Gewissen zu erschlagen? Oder war es ein erbarmungsloser Zufall gewesen, der dem langjährigen verborgenen Treiben der blinden Seherin schließlich ein Ende bereitet hatte? Unter dem trüben Nachmittagshimmel voller tiefhängender grauer Wolke ballte Fel ihre Fäuste und schwor im Stillen Vergeltung für den Verrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hinrichtung beizuwohnen war nicht einmal eine geplante Strafe, sondern schlichter, gedankenloser Zufall: Die gesamte im Südflügel des Gerichtsgebäudes untergebrachte Kompanie wurde zum Zeugen der Vollstreckung des gräflichen Rechts, so wollte es die Tradition. Und jene Kompanie würde für die nächsten fünf Jahre Fels Heimat sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Magier zu finden, der die Ausbildung unwilliger Jungmagier ertrug, konnte keine leichte Aufgabe sein: Die Armee war nicht dafür bekannt, gut zu zahlen, wer seine Dienstjahre hinter sich gebracht hatte, der konnte leichte, sehr viel besser honorierte Arbeit ohne Mühe überall finden. Nach Fels Einschätzung konnte eine solche Person also nur ein inbrünstiger Karrierist sein, der leichtgläubig dem Irrglauben erleben war, sich mit dieser Art von Dienst einen besonders warmen Platz im Hinterteil des Grafen zu verdienen - oder ein Versager, der es außerhalb der Mauern der Kaserne noch nicht einmal fertig brachte die Stiefel zu schnüren ohne dazu aufgefordert worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kleine Büro im höchsten Geschoss des Westturms war nur über eine knarrende Holztreppe mit verzogenen Stufen zu erreichen, ein unvermeidlicher Tribut an das sumpfige Erbe Rossensprungs und die Feuchtigkeit, die auch jetzt langsam von allen Wänden im engen Aufgang tropfte. Vermutlich war all das hier einmal weiß getüncht gewesen, aber das Wasser hatte im Laufe der Jahre dunkle Streifen hinterlassen und eigenwillige Muster in die ehemals nüchterne Kargheit geprägt. Sichtbare Nägel und Querstangen aus Metall waren gleichermaßen von Rost gezeichnet. Alles war klamm und feucht, jede der krummen Stufen eine lauernde Falle für die noch nicht eingelaufenen Stiefel mit den noch viel zu dicken Sohlen und steifen Schäften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Arbeitszimmer machte keinen wesentlich besseren Eindruck, der Geruch nach Schimmel war so übermächtig, dass Fel mit dem Hustenreiz kämpfte, kaum, dass sie die Türe hinter sich geschlossen hatte.&lt;br /&gt;
Also kein Streber. Gut. Mit Abschaum hatte sie im Laufe der Jahre umzugehen gelernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Rekrut Fel Maris. Mir wurde befohlen, mich hier zu melden.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum ersten Mal sah der Mann hinter dem wuchtigen, eigenwillig deformiert wirkenden Schreibtisch auf und Fel konnte exakt den Moment bestimmen, an dem der Mann der “Anomalie” bewußt wurde - allzu verräterisch flackern der Blick der wasserblauen Augen, bevor die Lippen sich zu einer dünnen, unwilligen Linie verzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich bin Arngrimm Jerwalson, Magier-Feldwebel der zweiten Kompanie und Euer zugeordneter Ausbilder für alle magischen Themen. Ihr habt offenbar bereits eine gewisse, illegale Vorbildung erhalten. Vermutlich bedeutet das, dass Euer Kopf mit gefährlichem Halbwissen vollgestopft ist. Es wird meine Aufgabe sein, dieses Problem zu korrigieren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die noch offen gehaltene Akte wurde geschlossen - das Papier bereits gewellt durch die unvermeidliche Feuchtigkeit - dann setzte der Mann nach:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Hübsche Ohren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel spürte, wie ihr die Hitze in die Wangen kroch. Das war plump, selbst für einen armseligen Wicht in einem traurigen Büro mit einem undankbaren Tagewerk. Es hätte keinen Grund geben sollen, sich peinlich berührt zu fühlen, aber dennoch kämpfte sie für lange Sekunden mit einer Antwort und bevor sie etwas herauswürgen konnte, hob der Mann schon wieder seine Stimme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich habe hier euren Dienstplan, der in einigen wesentlichen Punkten von dem anderer Rekruten abweicht. Es ist Eure Verantwortlich pünktlich zu allen angesetzten Terminen zu erscheinen - kein Gefreiter wird Euch an die Hand nehmen und hierher führen. Bringt Ihr es fertig Eure Ausbildung zu versäumen, werden diese Tage Eurer Dienstpflicht oben aufgeschlagen. Es ist also in Eurem besten Interesse, stets pünktlich zu sein. Es gibt derzeit nur drei Schüler, was bereits zwei mehr sind als meine Geduld her gibt. Eine erste Einführung zu den Worten der Macht beginnt in einer Stunde. Wegtreten.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Abschied aus Breitenbach|SUBTITLE=Breitenbach, 433 (vor 17 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Breitenbach, dieser Tage die größte Stadt der Grafschaft Siebensteig, war mit den acht Tugenden im Kopf gegründet worden. Davon zeugten auch dieser Tage noch die acht Türme der inneren Mauer, die jeweils die Namen eines der Erzengel trugen. In den Jahrhunderten seit der Grundsteinlegung war die Stadt weit über die Grenzen dieses Kern hinaus gewachsen, hatte die anliegende Furt vollkommen gezähmt und überbaut, auch das andere Seite des Ufers der Usser mit einverleibt um schließlich selbst die Grafenstadt Beiring in den Schatten zu stellen - zumindest wenn man allein die Einwohner zählte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Spaltung hatte Breitenbach zum wichtigsten Verbündeten Beirings gemacht und damit zu einem konservativen Vertreter einer Ordnung von Recht und Gesetz. Aus dem Sinnbild der acht Erzengel waren im Laufe der Jahre Posten gewachsen, die mit der tatsächlichen Kirche des Herrn nur sehr, sehr lose verbunden waren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus der Gründerzeit blieb jedoch die Tradition erhalten, dass diese “Wahrer” nicht nur spezielle Aufgabengebiete in der Stadt zu erfüllen hatten, sondern darüber hinaus aus den Reihen ihrer Gefolgschaft legitimiert, erhoben - also gewählt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der “Wahrer der Ordnung Havriels”, verpflichtet der Tugend der Rechtschaffenheit, war immer abwechselnd mit dem “Wahrer der Ordnung Gabriels” dazu verpflichtet, die Gesetze der Stadt auszulegen und Urteile zu sprechen. In einer idealen Welt hätte es keinen Unterschied zwischen einer Auslegung zwischen “Rechtschaffenheit” und “Gerechtigkeit” geben sollen, aber die Wirklichkeit sah einfach anders aus. Insbesondere aufsehenerregende Prozesse wurden denn auch von beiden Seiten gleichermaßen dafür instrumentalisiert, ihre Anhänger für die nächste Wahl zu motivieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganze Bande von Herumtreibern, Tunichtguten und Dieben in eine Falle zu locken und festzusetzen, war bereits ein Spektakel gewesen, das eigentliche Schaustück folgte dann jedoch mit dem Prozess bei dem letztlich Recht auf traditionelle Weise gesprochen wurde: Jeder der Ertappten, der schon früher einmal bei einem Diebstahl ertappt worden war, würde seine linke Hand verlieren. &lt;br /&gt;
Jene, die in der Vergangenheit dem Gesetz entkommen waren, würden ein Jahr lang ihre Schuld gegenüber der Gesellschaft und den Tugenden n den Bergwerken abarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren sinnierte Fel in den dunkleren Stunden bisweilen darüber, welche Richtung ihr Leben wohl eingeschlagen hätte, wenn sie damals geistesgegenwärtig genug gewesen wäre, um bei der Angabe ihres Namens zu lügen: Hätte sie ein weiteres Jahr in den engen Tiefen durchgestanden, stets mit dem drückenden Gefühl endlosen, zerquetschenden Gewichts über dem Kopf, stets der Tatsache bewusst, dass Jasser, der letzte überlebende ihrer Brüder, sein Leben für den immer hungrigen Groll der grimmigen Stollen gegeben hatte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den modernen Zeiten geschuldet, schlug man im fortschrittlichen Jahr 433 nach der Gründung in Breitenbach keine Hände mehr ab, sondern zermalmte sie stattdessen. Das machte die ganze öffentlich durchgeführte Prozedur weniger blutig, aber nicht weniger beeindruckend: Nach dem fünften auf diese Weise gestraften Bandenmitglied kehrte unruhige Stille in die zuvor frohlockende Menge ein. Der Wahrer der Ordnung war es zufrieden: Er hatte vor allem im Angesicht des schwelenden Konflikts mit dem ewigen Konkurrenten Auenstein Entschlossenheit und Härte demonstriert, ohne sich zu unvernünftiger Rachsucht hinreißen zu lassen. Dem Gesetz - und der Gerechtigkeit - waren Genüge getan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Fel, die die zuvor in ihrem Leben die Stadt auch nur verlassen hatte, war das hier draußen eine unbekannt  Weite voller unklarer Gefahren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie eine bittere Ironie des Schicksals, war es gerade der nahezu unerträgliche Schmerz der verstümmelten, nutzlosen Linken, die sie davon abhielt auf irgendwelchen Umwegen den Rückweg hinter die feindseligen Mauern Breitenbachs zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie begann die Reise nicht allein, aber als sie Wochen später die Gestade Grauhafens an der Usser erreichte, war auch der letzte ihrer früheren Begleiter, Kameraden und Verbündeten verschwunden. Mit dem ersten Schritt hinein in die florierende Hafenstadt schwor sie sich von nun an ein neuer Mensch zu sein, den verhängnisvollen Pfaden der Vergangenheit nicht länger zu folgen. Wie eine Raupe, die sich verpuppte, um schließlich als Schmetterling ganz neue Horizonte zu entdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollte keinen ganzen Tag bis zum ersten Diebstahl brauchen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ausbildungsalltag|SUBTITLE=Rossensprung, April 447 (vor 3 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Rivalität zwischen den beiden Grafschaften Auenstein und Siebensteig, ausgelöst durch die Absplitterung Auensteins im Jahr 42 nach der Gründung, hatte nach Fels Ermessen zu einer ganzen Anzahl von Kuriositäten im Laufe der Zeit geführt. Anekdoten, die manchmal vergessen ließen, wie ernst der Konflikt tatsächlich war. Aus dem stetigen Schwelen wurde immer wieder einmal ein abrupter Brand, ein gewalttätiges Ringen, das selbst jetzt, gute vierhundert Jahre nach dem Anfang noch niemand als tatsächlicher Sieger hervorgegangen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine dieser Kuriositäten war, dass Auenstein Frauen im Militärdienst erlaubte und ihnen sogar Zugang zu Offiziersrängen ermöglichte. Natürlich nicht uneingeschränkt: Fortschritt und Aufgeschlossenheit hin oder her, die 422 eingeführte große Reform bezog sich ausschließlich auf Magier (solange diese nicht auf einem Schiff dienten) und kürzte die Karriereleiter zudem auf den Rang eines Leutnants. Weibliche Kompetenz hin oder her, niemand wollte eine ganze Kompanie tatsächlich einer Frau ohne männliche Oberaufsicht anvertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenngleich die allgemeine Einschätzung war, dass Magier zu wertvoll waren, um als einfache Soldaten verschwendet zu werden, war eine Grundausbildung unumgänglich, wenn man sich einen Rang nicht direkt erkaufen konnte. Und das wiederum war die Ursache dafür, dass Fel nun mit einer ganzen Gruppe anderer Rekruten über schlammigen Grund kroch, um danach in klitschnasser, vollkommen verdreckter Uniform die hohe Kunst des Exerzierens zu üben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auensteins Militärphilosophie, zumindest soweit es den Teil in Rossensprung betraf, glaubte an Drill, Gehorsam und Drill. In ganzen Büchern wurde darüber lamentiert, wie es notwendig war neue Soldaten durch eine Hölle von Demütigung und Erniedrigung zu peitschen, bis aus dem gemeinsamen Schmerz der Gruppe schließlich ein Gemeinschaftsgefühl erwuchs, das letztlich bereit war auf einen feindlichen Pikenwall zu zu stürmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Doktrin erlaubte an diesem Punkt der Ausbildung keine Reagenzien oder andere Hilfsmittel für Magier, nichts, was es Fel ermöglichte hätte, mit den anderen Rekruten zumindest gleichzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade jetzt, in der Mitte einer sumpfigen Strecke mit knöchelhoch stehendem Wasser über saftigem, schlammigen Grund fühlte Fel sich dem Tode nah: Die Erschöpfung hing so tief in ihren Knochen, dass jeder einzelne Schritt sich wie eine Qual anfühlte und die geflüsterten Flüche ihrer Begleiter waren voller wütender Ressentiments: Eine Gruppe, so hatte der Ausbilder doziert, war nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Niemand durfte zurückgelassen werden, aktive Unterstützung war aber ebenfalls untersagt: Dies war schließlich die Grundausbildung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo die schnellste Gruppe sich Lob und den besten Platz bei der Mittagsverpflegung erhalten würde, blieb für die Verlierer in diesem Wettrennen vielleicht nicht einmal genug Zeit, um überhaupt den Magen zu füllen, bevor bereits das Üben von Formationen im Gelände anstand. Zuckerbrot und Peitsche, alles für das Wohl der Armee und zur Motivation einer stetigen Verbesserung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur, dass das System für Fel einfach nicht funktionierte: Allein ihretwegen hing die Gruppe weit hinter allen Anderen zurück und das entfachte nicht etwa das warme Feuer gemeinschaftlicher Verbundenheit sondern kalter Verachtung und Wut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Los, verdammt nochmal, vorwärts Maris!”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Elendes Weib, warum mussten wir das Pech haben, sie zu bekommen.”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dreckiges Halbblut ist für nichts Nutze, wir sollten sie hier ersaufen lassen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gepressten Flüche wandelten sich in Fels Wahrnehmung in ein gleichförmiges Summen, unbedeutend vor der Erschöpfung. Nur einen Moment ausruhen. Innehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kam zu sich, als ihr Gesicht in das brackige Wasser getaucht wurde, eine unnachgiebige Hand im Nacken, die es ihr in Verbindung mit dem matschigen Untergrund unmöglich machte, irgendwo Halt zu finden. Die um sich schlagenden Arme fanden nur zähen Schlamm, die Füße steckten ohnehin noch tief genug im Matsch, dass die Gefahr bestand die Stiefel zu verlieren und die gesamte getragene Ausrüstung schränkte die verbleibende Beweglichkeit soweit ein, dass selbst ein auf den Rücken geworfener Käfer bessere Chancen gehabt hätte wieder auf die Füße zu kommen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das heiße Aufwallen von Panik erschöpfte sich binnen Sekunden und Fel spürte ihren ganzen Körper schwerer werden, während die Wahrnehmung sich eigenartig entfernte, schrumpfte. Das war es. Ersäuft wie ein junges Kätzchen im Sumpf von ihren eigenen Kameraden.&lt;br /&gt;
Der Gedanke war nicht mehr genug, um die bleischwere Gleichgültigkeit abzustreifen, die sich ihrer bemächtigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas, vielleicht ein Stiefel, traf ihre Flanke hart genug, um die Rippen nachgeben zu lassen, dann zerrte die feste Hand im Nacken ihren Kopf wieder aus dem schlammigen Nass. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;hr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vier Stunden später saß Fel im längst schon vertrauten Büro Jerwalsons, der sie wie stets betrachtete: Ein Ärgernis, das ihn zwang, seine Zeit und Aufmerksamkeit für wichtigere Dinge einzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe ihn gewarnt. Aber Leutnant Caimbeul ist ein Patriot. Er ist einer dieser Männer, die ihren ganzen Stolz in ihre hohen Maßstäbe stecken und sich persönlich beleidigt fühlen, wenn etwas - oder jemand - nicht in der Lage ist, diese Maßstäbe zu erfüllen. Das funktioniert leidlich mit dem normalerweise vorhandenen Material, aber es war abzusehen, dass du ihn enttäuschen werden würdest. Wessen Schuld ist es also?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Lächeln des Mannes war dünn, die unehrliche Maske eines Zyniker, der ohne die kleinste Scheu Fallen stellte und Fel fragte sich nicht zum ersten Mal, was Jerwalson hierher verschlagen, welches Schicksal ihn gezwungen hatte als Feldwebel der Auensteiner Armee zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem kalkulierenden Blick des Ausbilders war sie sich ihrer eigenen Erscheinung nur zu bewußt: Das kurzgeschorene Haar betonte die Fremdartigkeit ihrer Gesichtszüge nur noch, die feinen Ohrspitzen waren ebenso unübersehbar, wie die filigrane Schmalheit der ganzen Statur. In der Stadt hatte es nie die Notwendigkeit gegeben Kraft oder Ausdauer zu entwickeln: Schnelle Reflexe und die Fähigkeit sich rasch wegzuducken waren selbst in Fels Jahren auf der Straße immer ausreichend gewesen und ihre Zeit im Dienst des Hauses Telketh hatte auch jenen Fähigkeiten die Schärfe genommen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Uniform verbarg die straff um die Rippen gezogenen Verbände, aber natürlich würden sie im Einsatzbericht erwähnt sein, der sich vor Jerwalson auf dem Schreibtisch wellte. Die verdammte Feuchtigkeit war einfach überall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Es gibt keine Möglichkeit für Euch, in irgendwie angemessener Zeit diese Anforderungen zu erfüllen. Die beiden angebrochenen Rippen sind dahingehend ein Segen: Ihr seid für die nächsten Wochen vom regulären Außendienst befreit, könnt - und werdet - aber in dieser Zeit mit den regulären Studien fortfahren. Militärgeschichte, Strategie, Taktik und natürlich Magie. Macht Euch in der Zeit einen Kopf, wie Ihr mit der Situation umgehen wollt. Sitzt es aus, und ihr seid in einem Mond wieder in diesem Sumpf, nur dass es dieses Mal vielleicht niemanden gibt, der einen ..”&#039;&#039; - er blickte auf den Bericht hinab - &#039;&#039;“.. unglücklichen Unfall vermeiden kann.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist nicht gerecht.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Momente starrte Jerwalson nur, mehr Erstaunen als Verachtung in den wasserblauen Augen, dann lehnte er sich zurück in den abgewetzten Sessel um Fel zu studieren wie einen besonders absonderliche Fliege, die es gerade gewagt hatte ein Bad in seinem Weinglas zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin erstaunt. Gerechtigkeit. Von Euch. Ein Mann, der die richtigen Fragen stellt, hat es nicht allzu schwer, die Herkunft eines Halbbluts nachzuvollziehen, auch wenn die Finger mich beinahe von der Fährte geworfen hätten.” &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Er deutete beiläufig auf die linke Hand Fels, die sich unter der Geste ganz unwillkürlich zur Faust ballte. Nur ein scharfes Auge war in der Lage zu bemerken, dass sie nicht ganz gleichmäßig reagierten, nicht ganz so schnell, wie man es vielleicht erwarten sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was wollt Ihr damit sagen?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dass ich kein Schauspiel schätze. Ich bin sicher, dass Ihr besser als die meisten Rekruten dieser Armee wisst, dass man nichts geschenkt bekommt. Alles hat seinen Preis, auch wenn er manchmal erst später präsentiert wird. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schön. Aus gegebenem Anlass werden wir Theorien und Übung zu heilender Magie vorziehen. Wir werden gleich sehen, wie gut ihr meine Anweisungen zur Anweisung des Ginsengsirups befolgt habt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ludwigs Abschied|SUBTITLE=Rossensprung, August 446 (vor 4 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Vor dem Aufstieg zur großen Handels- und Hafenstadt, war Rossensprung eine unbedeutende Ansiedlung gewesen, nicht einmal interessant genug für einen abgeordneten Ritter um die sumpfige Landschaft der hier in viele Finger zerfasernden Usser im Auge zu behalten. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch hatte es schon recht früh am Hauptlauf des Flusses ein paar einzelne Hütten gegeben: Ein Umschlagplatz für flussaufwärts geschlagenes Holz, das hierher geflößt und dann weiter in Richtung anderer Städte verschifft wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine frühe Beschreibung der Ansiedlung aus dem Jahr 37 nach der Gründung beschrieb bereits den traurigen Alltag von Torfstechen, die mit dem unsicheren Grund und den heißen Quellen zu kämpfen hatten, erwähnte auch die stets präsente Feuchtigkeit die allzeit über der Stadt hing wie eine unerfreuliche Glocke. Rossensprung stank nach Schwefel, Fäulnis und Verfall, genug um den Autoren wettern zu lassen, dass es keine weiteren zwei Dutzend Jahre dauern würde, bis diese Brutstätte für Krankheiten und Niedergeschlagenheit menschenverlassen sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schicksal wollte es anders, auch wenn in den kommenden Jahrzehnten eines vollkommen klar wurde: Was auch immer aus Stein gebaut wurde, das versank langsam im Schlamm und trieb damit ganze Generationen von Architekten in den Wahnsinn, denn jeder Versuch ein Fundament irgendwo im Untergrund zu verankern, erwies sich letztlich als fruchtlos. Ganz gleich wie viel Mühe, Sorgfalt und Planung auch aufgewendet wurde: War es aus Stein, wurde es irgendwann vom Sumpf geschluckt. Im Falle von Gebäuden führte das zu einem gewissen schulterzuckendem Pragmatismus: Jede Generation musste einfach das Dach abtragen, ein neues Stockwerk obenauf setzen und die tiefsten Keller aufgeben, die irgendwann selbst einmal ein Dachboden gewesen waren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Was dagegen aus Holz gefertigt wurde, das fiel unvermeidlich eher früher als später der Feuchtigkeit zum Opfer. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Art war das Leben: Ein stetiger, langsamer Wandel und die immer präsente Erinnerung an die Vergänglichkeit alles Seins. Würden alle Menschen von einem Tag auf den anderen aus Rossensprung verschwinden, dann würde es keine 30 Jahre dauern, bis von ihrer vorherigen Präsenz nichts mehr zu sehen sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Abend hing auch Fel ähnlichen Gedanken nach, während sie ganz im Westen der Stadt über faulende Hängebrücken balancierte um die letzten windschiefen Katen zu erreichen. Die alte Hütte der blinden Seherin hatte das Schicksal ereilt, war gemeinsam mit einem Rest der alten Stadtmauer kollabiert und das hatte sie gänzlich in die Peripherie der Siedlung getrieben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Alles änderte sich, nur Fel fühlte sich, als wäre sie kein Teil dieses Stroms, trieb so langsam, als wäre ein Anker an ihr befestigt, während alle anderen ihr Potential entfalteten und erblühten. Ludwig, der ihr für zwei Jahre ein getreuer, liebgewonnener Begleiter als geheimer Lehrling der Seherin gewesen war, hatte vor nunmehr Wochenfrist seine eigentliche Schusterlehre abgeschlossen und war nun ein Geselle, bereit mit Brief und Siegel seines Meisters in die Welt hinaus zu ziehen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nur, dass er nicht davon träumte ein Schuster zu werden: Ludwigs Wissen und Fähigkeiten im Umgang mit der Magie hatten das von Fel binnen Monaten überholt und nach zwei Jahren der Unterweisung hier am Rande von Rossensprung, stets in der Sorge, dass das strafende Auge des Gesetzes irgendwann aufmerksam werden würde, gab es für ihn nichts mehr zu lernen. Sich der Armee für fünf Jahre zu verpflichten, kam für Ludwig nicht in Frage und außerhalb der Grafschaft Auenstein würde man einem Magier ganz andere Möglichkeiten bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Ich beneide ihn.’ &#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam ungerufen, während Fel die letzte Planke überquerte und sich dann der Führung eines gespannten Seils anvertraute. Soweit draußen war es unvermeidlich, sich die Füße schmutzig zu machen, durch den zähen Schlamm zu waten. Es war gefährlich, von der durch das Seil vorgegebenen Linie abzuweichen: An manchen Stellen gab es regelrechte Löcher im Untergrund, unsichtbar durch das trübe Wasser, bis man hinein trat. Manche waren nur unbequem, durchnässten die Beinkleider und beschädigten die Würde. Andere konnten einen Spaziergänger im Nu verschlucken. Wie die meisten Anwohner Rossensprungs, hatte auch Fel nie gelernt zu schwimmen.. Rein theoretisch konnte die Magie ihr in einer solchen Situation zu Hilfe kommen, aber sie zweifelte, ob sie im Falle des Falles die notwendige Geistesgegenwart und Entschlossenheit aufbringen konnte, um die Panik zurückzudrängen und einen Zauber zustande zu bekommen. Von anderen logistischen Schwierigkeiten ganz zu schweigen. Besser also vorsichtig zu sein, jeden Schritt zu planen und sich nie allein der linken Hand anzuvertrauen, deren Finger niemals ganz ihre frühere Kraft und Geschicklichkeit zurückgewonnen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Alltag war das eine nur gelegentlich zu bemerkende Einschränkung, unbedeutend für die Arbeit im Kontor des Hauses Telketh, in dessen Gefolge sie vor nunmehr sechs Jahren nach Rossensprung gekommen war. Grauhafen war schöner, interessanter und vor allen Dingen trockener gewesen, aber diese Stadt hier hatte zwei sehr verschiedene Möglichkeiten geboten. Beide hatten sich auf ihre Art und Weise erfüllt: Im Laufe der Jahre waren Fels Aufgaben gewachsen, bis zu jenen einer vollwertigen Schreiberin, die ohne weitere Anweisungen Teile der Buchführung des Kontors erledigen konnte. Andere wurden vielleicht auch hier rascher befördert, aber sie kamen und sie gingen. Rossensprung war hart für jene, die den einfachen Luxus einer normalen Stadt gewohnt waren, nicht wenige entwickelten mit der Zeit einen hartnäckigen Husten oder eine nervöse Haut als Tribut an die immerwährende Feuchtigkeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach den sechs Jahren war Fel das am längsten hier arbeitende Mitglied des Handelshauses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An den zweiten Vorteil, den die Umsiedlung nach Rossensprung mit sich gebracht hatte, dachte Fel ungern zurück, denn das gemahnte sie immer an eine Vergangenheit, die sie seit der Ankunft in dieser faulenden Stadt endgültig hinter sich zurückgelassen glaubte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Aber so ist es nicht. Die Dinge verschwinden nur aus der Sicht, wie eine der aus Stein gefügten Mauern hier. Aber das bedeutet zunächst nur, dass man sie nicht mehr ohne Weiteres bemerken kann. Wer unaufmerksam ist, kann sich dennoch den Zeh daran stoßen.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke - so beiläufig er eigentlich auch sein mochte - sorgte dafür, dass ihr Herzschlag sich beflügelte, die Stimmung mit dunklen Wolken driftenden Unbehagens füllte, bis sie endlich das Ende des markierten Pfades erreichte und damit auch eine kleine, zumindest halbwegs feste Insel inmitten der trügerisch ruhigen Brache. Von hier aus waren es kaum noch zwei Dutzend Schritt bis zum halb vermoderten, mittlerweile gänzlich von Moos und Krimmalgen überwucherten Rumpf einer hier aufgegebenen Barke und direkt daneben befand sich eine daran vertäute, schwimmende Plattform aus zusammengenagelten Brettern, jetzt besetzt von einer einzelnen, hockenden Gestalt, die in Richtung der Ankommenden spähte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz des trüben Zwielichts hatte Fel keine Schwierigkeit damit Ludwig zu erkennen, zu vertraut war seine Haltung. Viel hatte sich sonst in den letzten beiden Jahren verändert: Aus dem schlaksigen Jüngling war schon fast ein Mann geworden, der sie mittlerweile um einen halben Kopf überragte. Als sie sich neben ihn hockte, hatte sie keine Schwierigkeiten den dunklen Bartschatten auf seinen Wangen zu erkennen: Diese offene Rebellion hatte warten müssen bis zum offiziellen Abschluss der Schusterlehre. Die Veränderung hatte bereits begonnen. Und morgen würde er Rossensprung verlassen, vielleicht für immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als hätte er diese Gedanken aufgefangen, lehnte Ludwig sich leicht zur Seite, eben weit genug, dass seine Schulter die der neugewonnenen Nachbarin berührte und hob die Stimme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“In einem Jahr bin ich wieder zurück. Ich habe bereits alles durchgeplant, weißt du? Ich folge der Usser in Richtung ihres Oberlaufs, vorbei an Grauhafen, bis zur Grenze zwischen Auenstein und Siebensteig. Von dort aus komme ich mühelos weiter: Breitenbach ist dann der richtige Platz um einen neuen Lehrmeister zu finden. Ich erwarte ungefähr sechs Monate, vielleicht ein wenig schneller, wenn dein Vertrauen in mich begründet ist. Mit dem Beginn des Sommers werde ich dann einfach eines der Schiffe besteigen und hierher zur Mündung kommen, vielleicht reise ich sogar mit ein paar Flößern, was denkst du? Sie sind eine raue Bande, heißt es, aber überaus herzlich und ich denke, sie haben nichts gegen die Begleitung eines Magiers.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel wollte widersprechen, darauf hinweisen wie abergläubisch solches Volk im Allgemeinen auf jeden Anwender von Magie reagierte, aber sie brachte es einfach nicht über das Herz. Nicht, weil Ludwig keine Korrektur vertragen hätte, sondern schlicht, weil er nur redete, um die Stille zu füllen, um die Decke von Wehmut abzuwehren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nichts bleibt. Alles ändert sich.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas wie ein Wellenschlag lief durch das Begreifen - für einen Moment war die Welt ganz fern, distanziert und unberührbar, in vollkommene Stille getaucht, durch die allein das Geräusch unbestimmbar ferner Atemzüge kroch. Gewaltig. Als würde ein Berg selbst seine Lungen füllen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel erschauderte, sich zusammenduckend, während Ludwig den Kopf hob wie ein Jagdhund, dem eben gerade eine ganz eigenartige Witterung in die Nase gestiegen war. Warme Begeisterung fand Eingang in seine sich hebende Stimme:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Hast du das gespürt Fel? Das war eine Störung im astralen Gewebe, darauf verwette ich meinen Gesellenbrief. Wie ein Reflex, ein Echo. Ich frage mich wirklich, was das ausgelöst hat. Kannst du dir überhaupt vorstellen, was das ausgelöst haben könnte? Irgendetwas.. Großes muss passiert sein!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, begriff Fel, war der eigentliche Unterschied zwischen ihnen beiden: Ludwig schaute erwartungsvoll in die Zukunft, zuversichtlich und entschlossen, bereit Wagnisse einzugehen und sich zu beweisen. Er würde an seinen Herausforderungen wachsen, während Fel blühte wie Nachtschatten: Verborgen und zurückhaltend, darauf wartend irgendwann von einer unbedachten Hand geknickt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe es bemerkt, ja. Und es muss etwas sehr starkes gewesen sein, dass wir es bis hierher spüren konnten. Myra wird fluchen: All ihre Tränke werden verdorben sein.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dann lass sie fluchen! Sie ist ohnehin nie zufrieden. Komm, wir staken ein Stück tiefer in den Sumpf, bis zur Anhöhe der Glühwürmchen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Stunden später schlich Fel sich im ersten Licht des neuen Morgen zurück in ihre Heimat. Erschöpft, wehmütig und dennoch von einer eigenartigen Zuversicht erfüllt. Sie würde auf Ludwig warten - ein Jahr war nicht so lang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie von selbst schrieben ihre Finger jene Worte nieder, die seit dem Moment der Störung im Hintergrund ihrer Gedanken brodelten, gab den Silben Form und sich selbst damit Frieden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die blinde Seherin|SUBTITLE=Rossensprung, April 443 (vor 7 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Bislang hatte es Fel nur selten in den Südwesten Rossensprungs verschlagen, aber natürlich kannte sie all die Geschichten. Man konnte nicht Schreiber im Kontor eines Handelshauses sein, ohne das Geschwätz mitzubekommen und ohne seinen eigenen Teil dazu beizutragen. Und das war in gewisser Weise auch der Anlass für ihre Anwesenheit hier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursprünglich war die Ansiedlung genau hier entstanden und dann entlang der vielen Arme der Usser gewachsen, den unsicheren, nachgiebigen Grund Stück für Stück erobernd. Oder zumindest für eine Zeitlang zähmend, denn eine wirklich finale Schlacht gab es in diesem endlosen Krieg einfach nicht: Jeder Tag aufs neue war ein Kampf gegen die allgegenwärtige Feuchtigkeit, gegen Schimmel und Fäulnis die gemeinsam Holz verschlangen und den Rost, der das Eisen zerfraß. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gepflasterten Wege in der Oberstadt standen gewiss in der Hälfte aller Tage eines Jahres mehr oder weniger tief unter Wasser. Das hatte zu einigen interessanten kulturellen Eigenheiten geführt: Schuhwerk wurde entweder überhaupt nicht getragen, oder in Form von kniehohen Lederstiefeln. Eleganz war einfach kein Faktor, der lange in solch widrigen Umständen überlebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier, abseits der gutbetuchten Viertel, gab es keine Wege dieser Art: Anwohner und Besucher gleichermaßen, balancierten über ausgelegte Planken, folgten teilweise auch nur gespannten Halteleinen, als hätten sie keine Sorge, dass der schlammige Untergrund sich jederzeit öffnen und sie verschlingen könnte. Für Fel war das nahezu unbegreiflich: Sie selbst hatte nie gelernt zu schwimmen und das traf auf den allergrößten Teil der Rossensprunger gewiss ebenfalls zu. Ein einziger Fehltritt konnte über Leben und Tod entscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das tat dem regen Treiben auf dem Jahrmarkt keinen Abbruch: Unzählige Händler hatten hölzerne Plattformen herangeschafft und dort ihre Zelte aufgeschlagen, priesen nun lautstark Waren an, feilschten um jeden Groschen, während nur ein Stück weiter ein paar Akrobaten zur Begeisterung der Zuschauer mit Äxten jonglierten. Es wurde gekocht und gebraten, gespielt und gesungen, ein Stück weiter flogen Fäuste in einem Kampf, auf dessen Ausgang eifrige Wetten abgeliefert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An einem anderen Tag hätte Fel sich unter die Menge gemischt, ein Teil des Ganzen. Aber heute war ihr Ziel das fleckige Zelt ganz am Rande des Jahrmarktes. Irgendwann war die Leinwand gefärbt gewesen, darauf wiesen Spuren an den Nähten noch immer hin, aber selbst beim besten Willen war Fel nicht in der Lage, die ursprüngliche Farbe zu identifizieren. Was wie die halb verblassten Reste geheimnisvoller Siegel wirkten, konnte auch einfach getrocknetes Schmutzwasser sein, vielleicht Schimmel, der nie vollständig aus dem Gewebe gewichen war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Drinnen herrschte ein Zwielicht, das bereits an Halbdunkel grenzte, das einzige Licht entstammte einem halbes Dutzend niedrig brennender Talgkerzen, deren scharfer Geruch sich mit anderen Akzenten mischte: Salbei. Knoblauch. Irgendein anderes Kraut, das Fel nicht zu identifizieren vermochte, aber dass ihr die Tränen in die Augen trieb und die Lunge zum Husten reizte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Willkommen. Ich bin Myra. Blind, wo andere sehen. Sehend, wo ihr blind seid. Was ist dein Begehr, Kind?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel Platz war im Inneren nicht und der verfügbare Raum wurde von dem ovalen Tisch beherrscht, hinter dem die Seherin sich verschanzt hatte, wie hinter der Mauer einer Festung. Überall waren Kisten und andere Behälter aufgestellt, das Licht der Kerzen brach sich an einer Vielzahl an glänzenden Schmuckstücken aus Glas oder Zinn. Alles wirkte billig, heruntergewirtschaftet. In einigen Fällen war es leicht den Finger darauf zu legen: Der Tisch besaß nur noch ein einzelnes seiner ursprünglich gedrechselten Beine, die anderen Drei waren irgendwann durch minderwertige Stecken ersetzt worden, die ihren Dienst zwar erfüllten, aber jedem Gefühl für Ästhetik einen rücksichtslosen Dolch direkt ins Gesicht trieben. &amp;lt;br&amp;gt;An anderen Stellen waren die Zeichen subtiler. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin Fel. Kommen nicht alle aus dem gleichen Grund hierher? Um etwas über ihre Zukunft zu erfahren?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Du wärst überrascht, Kind. Setz dich.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Frau fixierte Fel aus milchig-trüben Augen - ein Blick, der gerade unfokussiert genug war, um warmes Unbehagen in ihr hervorzurufen. Vielleicht war es keine gute Idee gewesen, hierher zu kommen. Was auch immer der Volksmund murmelte, es war offensichtlich, dass diese Frau ein Scharlatan war, jemand, der seinen Lebensunterhalt mit der Dummheit anderer verdiente. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin kein Kind. Und ich glaube nicht, dass du mir etwas sagen könntest, dass ich nicht bereits weiß.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch fand Fel sich dabei einen Platz auf dem wackeligen Schemel zu suchen. Letztlich hatte sie bereits all die Mühe auf sich genommen, um hierher zu kommen. Was konnten ein paar zusätzliche Minuten da schon schaden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte ließ sich jedenfalls von der Herausforderung nicht stören, mischte mit noch immer geschickten Händen übergroße Karten, die irgendwann ebenfalls reich verziert gewesen waren. Die Feuchtigkeit hatte auch hier ihre Spuren hinterlassen. Schliesslich platzierte sie drei davon in der Mitte des ovalen Tisches, gerade auf halben Wege zwischen Fel und ihr selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Wen suchst du?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war schwer, den ersten Impuls herunterzuschlucken, den Wunsch direkt mit der Frage herausplatzen. Das war etwas .. Neues, eine Schwäche, die mit den Jahren in der Sicherheit eines regulären Lebens erwachsen war. Es war leicht, sich an Vertrauensseligkeit zu gewöhnen, wenn man sich keine Gedanken um die nächste Mahlzeit oder um in der Dunkelheit lauernde Messer zu machen hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Frage war gestellt und letztlich, tatsächlich auch der Grund für ihre ganze Anwesenheit hier. Die Gelegenheit nicht beim Schopfe zu packen würde Verschwendung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Meinen Vater. Gil Melethron. Der Name ist fast das Einzige, was ich über ihn weiß.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In gewisser Weise, wurde Fel in diesem Moment bewusst, war der Name auch das Einzige, was von ihrer Kindheit geblieben war: Das Gesicht ihrer Mutter hatte im Laufe der Jahre an Schärfe verloren, soweit verblasst, dass selbst der verzweifelte Zorn letztlich in mürbe Resignation gereift war. Lia hatte nie aufgehört von ihm zu sprechen und sich dann irgendwann aufgemacht, um ihren verlorenen Geliebten wiederzufinden. Die drei Kinder, alle von verschiedenen Vätern gezeugt, blieben zurück, sich selbst überlassen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ihr ältester Halbbruder war nahezu genauso lange verschwunden, die anderen beiden schon längst in das kalte Zwielicht der Schattenwelt eingetaucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist kein Name, Kind.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die krächzende Stimme der blinden Seherin riss Fel zurück in das Hier und Jetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Bestenfalls ist es ein Kosename. der ungefähr die Bedeutung von ‘geliebter Stern’ hat. Deine Aussprache und Betonung sind jedoch furchterregend. &#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Willst du meinen Rat, Kind? Vergiss den Namen und höre auf, nach deinem Vater zu suchen. Es gibt Leidenschaften, die dich voranbringen und erfüllen, diese hier ist aber nur fruchtlose Vergeudung. Solche Dinge passieren. Ich vermute, dass dein Vater in seinem Volk selbst ein Ausgestoßener ist, verachtet für den leichtfertigen Umgang mit den Menschen. Es ist denkbar, dass du Dutzende von Halbgeschwistern hast, spitzohrige Bastarde, die nirgendwo wirklich willkommen sind. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich kann dir die Karten legen, wenn du von der Vergangenheit träumst, aber sie flüstern wenigstens auch von der Zukunft. Und wen kümmert schon, was gestern war?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen langen Moment schmerzte alles wie eine eigentlich schon lange vernarbte Wunde, aufgerissen durch eine unbedachte Bewegung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Das ist, was ich bin. Nirgendwo wirklich willkommen.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sich streckenden Finger berührten den verblassenden Rücken der ersten Karte, um sie dann zu wenden. Ganz beiläufig strich die Hand der Seherin einmal über die Fratze der abgebildeten Schreckensgestalt, bevor sie ihre Stimme hob.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Dämon. Das ist deine Vergangenheit - ein Hinweis auf unerwartete Schwierigkeiten, auf Unglück oder Pech, die dein Schicksal an bestimmten Stellen umgelenkt haben in neue Bahnen. Auch wenn diese Karte ungern gesehen wird, ist sie nicht als solche negativ, vor allem in der Vergangenheit. Vermutlich ist ihr Einfluss nun abgeklungen. Zwei Karten nun für deine Gegenwart.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schmerz wandelte sich, vertraut wie die Dunkelheit am Ende jedes Tages und Fel folgte der Weisung der Seherin, um zwei weitere Karten umzudrehen. Dieses Mal realisierte sie, dass die Alte die Karten allein durch ein beiläufiges Tasten zu erkennen vermochte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Mond und die Sonne. Das .. ist eine sehr interessante Kombination. Die Gegenwart besteht in diesem Legemuster immer aus zwei Teilen: Der Wirklichkeit und dem Traum. Der Mond ist deine Wirklichkeit: Er steht gewöhnlich für Einsicht und Selbsterkenntnis, auch Nachdenklichkeit und Intuition. Die Sonne repräsentiert den Traum, das, was du willst: Schaffenskraft und Freude. Licht schaffen und Wärme. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Art und Weise, wie sie hier zusammenstehen, sind sie sehr viel wörtlicher zu verstehen, Kind. Du wärst gern jemand. Aber dir fehlen der Mut und die Fähigkeiten. Du bist eifersüchtig, neidisch und das prägt deinen Alltag. Vergangenheit und Gegenwart sind benannt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte mischte alle offenen Karten zurück in den Stapel, ihre Finger bewegten sich mit einer Routine, die auf jahrelange Erfahrung schließen ließ. Die Frau mochte blind sein, aber das tat ihrer Geschicklichkeit keinen Abbruch und nach einer endlos anmutenden Minute breitete sie schliesslich drei verdeckt liegende Karten vor Fel aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist der wahrscheinlichste Pfad deiner Zukunft. Eine Karte beschreibt das Schicksal. Eine zweite beschreibt, was dir dabei hilft. Die dritte schliesslich ist das größte Hindernis auf deinem Weg. Deck auf.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Woher weiss ich, welche der drei für was steht?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Seherin lachte nur, anerkennend und gutmütig.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist fast die beste Frage die ich in diesem Zelt in diesem Jahr gehört habe. Nun decke auf, Kind. Ich werde es für dich erläutern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Mal gehorchte Fel und deckte die drei Karten nacheinander auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein zweites Mal wurden die erste und die letzte Karte befüllt, als wäre die Seherin selbst überrascht davon, was das Schicksal offenbarte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Interessant. Ich habe selten eine so klare Kombination gesehen: Deine Zukunft ist der Stern: Du wirst dein Glück, deine Bestimmung finden. Der Stern ist ein machtvolles Zeichen der Hoffnung und Erfüllung. Interessanterweise steht er auch für das Elfenvolk. Das ist überaus gut und könnte bedeuten, dass du letztlich auch hier dein Schicksal findest.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dir zur Seite steht dafür der Magier, dessen Anleitung und Weisung dich auf den richtigen Weg bringt. Hüten musst du dich vor dem Gehängten, der hier fast schon wortwörtlich genommen werden muss: Das ist das argwöhnische Auge des Gesetzes, das alles verderben kann, was dir der Stern verheißt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel konnte den plötzlichen Enthusiasmus der Alten nicht teilen: Das alles roch ein wenig zu sehr wie ein billiger Trick, wie etwas, das sich jemand mit dem Geschick der Alten und ihrer Fähigkeit Karten offenbar mit einer Berührung zu identifizieren, ausdenken konnte. Fast noch wichtiger: Beim Starren auf die drei Karten und die dort zu sehenden Gestalten &#039;&#039;fühlte&#039;&#039; sie regelrecht die Disharmonie. Vielleicht war die Reihenfolge einfach nicht korrekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich kenne nur einen einzigen Magier und der ist zu arrogant, um jemandem wie mir auch nur einen Seitenblick zu gönnen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Jemandem wie dir, Kind? Wir sind in Rossensprung, daher darf man solche Dinge nicht laut ausspreche, aber ist dir nicht bewusst, was dein Erbe bedeutet? Du trägst diese Gabe in dir. Du brauchst nur die Hilfe eines anderen Magiers, um diese Möglichkeiten für dich zu öffnen, jemand, der dich schult - möglichst vorbei am wachsamen Auge des Gesetzes, das alles verderben kann.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die knorrigen Finger der Seherin tippten ganz beiläufig auf das Abbild des Gehängten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Lass mich dir von einer Möglichkeit erzählen, Kind. Aber ich sehe bereits, wie die Zukunft dabei ist sich zu entfalten.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;hr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahre später, im Bauch eines  schaukelnden Schiffs, schrieb Fel die Erinnerung an dieses erste Zusammentreffen mit der alten Seherin nieder, die ihre erste Lehrmeisterin werden würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich spürte es schon damals. Die Diskrepanz. Ich bin mehr als je davon überzeugt, dass sie die Karten bewusst in diese Reihenfolge brachte, um mich als Schülerin zu gewinnen. Aber es bleibt dieser Zweifel: Was, wenn da etwas war? Mehr als nur ein Taschenspielertrick? Ich kann nicht aufhören darüber nachzudenken, wie die richtige Reihenfolge der Karten ist. Ich kann die Erinnerung nicht abschütteln an dieses Zusammentreffen mit Ludwig. Es gibt eine Wahrheit dahinter, die noch darauf wartet mir ins Gesicht zu springen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Echos|SUBTITLE=Rossensprung, 448 (vor 2 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der große Markt im Südwesten von Rossensprung hatte sich über die Jahre hinweg nicht geändert. Gewiss, die Zelte wechselten und damit auch die dominierenden Farben, aber noch immer war er geprägt von den halb schwimmenden Holzplattformen und den unzähligen zeitweiligen Brücken, die dazwischen geschlagen worden waren. Es gab, so sinnierte Fel, während sie sich zwischen einigen wild gestikulierenden Interessenten für die Ware eines Töpfers hindurchdrückte, nur voller als zu anderen Zeiten. Das war keine Folge eines weiteren wirtschaftlichen Aufschwungs, sondern Ausdruck der unsicheren Zeiten: Die langen Spannungen zwischen Auenstein und Siebensteig hatten sich einmal mehr in einen offenen Konflikt entladen, das ganze Land entlang der Usser schien in Waffen zu stehen und es gab keinen Tag an dem sich am Horizont nicht qualmende, dunkle Rauchwolken ausmachen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch: Rossensprung war so weit von der Front entfernt, wie überhaupt nur möglich, der einzige echte Überseehafen von ganz Ussaria. Kein Wunder also, dass es Flüchtlinge und Opportunisten gleichermaßen in die Stadt trieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die immerwährende Unstetigkeit der treibenden Plattformen war eine Konstante, mit der die Anwohner Rossensprung mit der Zeit zu leben lernten, aber es erforderte Zeit und Gewohnheit. Selbst gestandene Seeleute, eigentlich an unsicheren Boden unter den Füßen gewohnt, fluchten über den abrupt ruckelnden Grund und hier, gerade vor dem Stand eines Kesselflickers, der eine ganze Auswahl hübscher kupfergetriebener Töpfe und Pfannen ausgestellt hatte, kämpfte nun ein Halbdutzend Matrosen mit dieser Unbille. Einer von ihnen war, vertieft in Austausch mit seinen Kameraden, gegen Fel getaumelt, die zuvor in seiner Hand gehaltene Kanne war zu Boden gefallen und ein kleines Stück gerollt, bis der Fuß eines Anderen sie aufhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Pass auf, wo du deine verdammten Füße hinsetzt, Spitzohr!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Instinkt war den Kopf einzuziehen, sich kleiner zu machen und in der Menge unterzutauchen. Der Konfrontation ausweichen, die gewiss keinen Gewinn, sicherlich aber unerwünschte Aufmerksamkeit bringen würde. Stattdessen biss sie die Zähne zusammen und wandte sich um, fixierte den erzürnten Mann. Die eben noch erhobenen Fäuste wurden widerwillig gesenkt, als er die Uniforminsignien auf der Brust identifizierte und Fel konnte einen Ablauf allzu vertrauter Gedanken über sein Antlitz huschen sehen: Der cholerische Ausbruch war bereits dabei abzukühlen und machte Raum für zwei wesentlich kühlere Beobachtungen. Das Spitzohr war nicht nur eine Frau, sondern zu allem Unglück auch noch Teil der ohnehin bereits angespannten Streitkräfte Auensteins. Und der Mann war noch lange nicht betrunken genug, um diese Hinweise zu ignorieren. Drei, vier Sekunden währte das gegenseitige Starren, bevor der Matrose sich nach seiner Kanne bückte und dann mitsamt seiner grinsenden Begleiter die kleine Plattform verließ. Er würde sich, dessen war Fel sicher, über Tage hinweg den Spott anzuhören haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Fel?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stimme war schmerzhaft vertraut, auch wenn sie anders klang als beim letzten Zusammentreffen vor nunmehr bald zwei Jahren. Die eine Silbe war genug um heissen, längst begraben geglaubten Schmerz in der Brust wieder aufflammen zu lassen. Was war aus den damals ausgetauschten Versprechen geworden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nichts.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ludwig.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ehemalige Schusterlehrling hatte sich verändert und das in fast allen auf den ersten Blick zu fassenden Eigenheiten: Jetzt überragte er Fel um mehr als einen Kopf, die vormals glatt rasierten Wangen verschwunden nun beinahe unter den sorgsam gestutzten Formen eines kurz getragenen Vollbarts. Die nervöse Unruhe, die in den Jahren der Lehre unter der blinden Seherin eine markante Eigenheit gewesen war, hatte sich in selbstbewusste Zuversicht gewandelt, unterstrichen durch die geschmackvolle Wahl an Kleidung, die keinen Zweifel an der gewählten Berufung ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich sehe du hast einen Lehrmeister gefunden. Meine Glückwunsche.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war der Schmerz in den Augen, das fast unmerkliche Zusammenzucken, bevor die Haltung sich wieder begradigte, die verlorene Fassung mit einer Schnelligkeit zurückgewonnen wurde, die Fel in gleicher Weise beeindruckte und betrübte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ja. Nicht alles lief, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber ich fand einen Meister und wurde einer von sieben Lehrlingen. Es waren aufregende, lehrreiche zwei Jahre für mich und ich bedaure nur, dass ich nicht eher die Möglichkeit hatte, nach Rossensprung zurückzukehren.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er zögerte für einen Moment, ausreichend, dass sie sich einmal mehr der eigenen Erscheinung vollkommen bewusst wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Du hast dich nicht verändert, Fel.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist eine Lüge, Ludwig, aber ich nehme es.”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zwei Finger berührten die Insignien der Uniform direkt über der Brust - das geöffnete dreistrahlige Auge in Bronze und direkt daneben die geschwungene Linie. Für das geschulte Auge verriet das erste ihre Zugehörigkeit zur Profession der Magier, das zweite den Rang als Fähnrich in der Auensteiner Armee. Das früher üppig getragene Schopfhaar war mit der zwangsweisen Verpflichtung in die Streitkräfte der Grafschaft kurzgeschorenen worden, aber mit dem Ende der regulären Rekrutenzeit waren die Regeln nicht mehr so streng. Es fiel dennoch noch nicht lang genug, um die leicht gespitzten Ohren zu verdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich war in der Brache. Von Myras Haus gibt es keine Spur mehr. Ich habe gehört, was ihr passiert ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen einfachen drei Sätzen hörte Fel eine ganze Anzahl von Fragen, zusammengepresst auf die Form dieses simplen, fast neutralen Geplänkels. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Sie haben uns erwischt, ungefähr ein halbes Jahr nach deinem Weggang aus Rossensprung. Irgendjemand hat sich ein Kopfgeld verdient und ist hoffentlich daran erstickt. Du weisst, wie die Regeln sind: Ich bekam die fünf Jahre Dienstverpflichtung im Austausch für eine Ausbildung. Myra ..”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel ließ den Satz unvollendet: Ludwig kannte die Regeln ebenso gut wie sie selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich war seitdem nur ein einziges Mal wieder in der Brache. Es sind keine schönen Erinnerungen mehr.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform schwankte unter dem Gewicht anderer Marktbesucher, die kurzzeitig geschlagene Lücke in der lärmenden Gleichförmigkeit war rasch wieder geschlossen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Warum bist du zurückgekommen, Ludwig? Im ersten Jahr war ich voller Hoffnung, malte mir aus, wie du zurückkommen und mir von der Welt erzählen würdest, von deinen Abenteuern und den Dingen, die du gelernt hast. Anfang des zweiten Jahr fühlte ich mich bitter: Betrogen und vergessen, zurückgelassen in einem Elend, gefangen zwischen Mühlsteinen, die stetig darauf aus waren - und es noch sind - mich zwischen sich zu zermalmen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich verstehe, Ludwig. Alles verändert sich, nur ich fühle mich manchmal, als wäre ich davon ausgenommen, ein Beobachter, der sich im Sumpf verirrt hat und alle anderen an sich vorbeieilen sieht. Sieh dich an: Ich kann dich kaum wiedererkennen. Du bist deinen Schuhen längst entwachsen, ein Mann, wo ein Jüngling damals aufbrach. Warum bist du zurückgekommen?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war der Schmerz wieder, die Schuld zwischen der zur Schau getragenen Selbstsicherheit und Fel spürte eine bittersüße Befriedigung bei der Beobachtung, eine vorwurfsvolle Genugtuung, die schon an Rachsucht grenzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe viel gelernt Fel. Ich weiss nicht, was sie dir in der Armee beibringen, aber ich bin sicher, es kann nicht viel sein. Ja, ich bin viel zu spät, aber das ist der Unterschied zwischen törichter Planung und der Erfahrung, die man draussen im Leben macht: Die Dinge sind nie so einfach, wie sie erscheinen. Ich kam, sobald es mir möglich war. Und ich habe dich nicht vergessen. Wenn du willst, können wir schon diesen Abend fort sein aus Rossensprung, unterwegs. Niemand wird dich finden, niemand wird dich entdecken. Ich kenne genau die richtige Magie dafür.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Moment lang vermochte Fel nicht zu atmen, ein Gefühl wie von Eiswasser in ihren Adern brachte alle Glieder zum schütteln und die Zähne zum klappern. Ein Teil von ihr, gut behütet unter dem Alltag allzu pragmatischer Lehre, krümmte sich wie ein waidwund geschossene Fähe in plötzlichem, atemlosem Grauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was heißt das?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war eine Geschichte, die Fel ihm niemals anvertraut hatte: Die Details ihres ersten Zusammentreffens mit der blinden Seherin waren immer verborgen geblieben, gehütet wie peinliche Anekdoten der Kindheit, die in gut gesicherten Schubladen verstaubten. Also schwieg sie, zu sehr damit beschäftigt nicht einfach zu flüchten, um eine Antwort geben zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Habe ich etwas Falsches gesagt, Fel?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Nein.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Entsetzen verflog, auch wenn das Herz weiterhin gegen die Brust hämmerte, der schwere Uniformstoff nun zusätzlich noch klamm durch schweisskalte Feuchtigkeit. Ein Teil von ihr erkannte ganz kühl, dass die Panikattacke vorbei war und fragte sich befremdet nach dem Grund dafür, ohne eine Antwort zu finden. Etwas an der Formulierung Ludwigs musste einen Zusammenhang hergestellt haben zu den vor Jahren gelegten Karten der Seherin. Aber was, das blieb dem rational ausgreifenden Verstand schleierhaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Nein. Das Risiko ist zu hoch. Für dich. Für mich. Wir sind keine Kinder mehr - ich schon lange, du seit mindestens einem Jahr. Und ich denke an den allermeisten Tagen benimmst du dich auch so. Du hast etwas aus dir gemacht - gut! Ich habe immer gewünscht, dass du aus diesem Loch entkommst. Aber das werde ich auch, spätestens wenn meine Zeit um ist. Und dann will ich diese Stadt hoch erhobenen Hauptes zurücklassen, noch ein letztes Mal in das Hafenwasser spucken, um dann nie mehr hierher zurückzukehren.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Momente stand Ludwig nur wie vom Schlag getroffen, die Maske welterfahrener Nonchalance fortgewischt und gegen eine Mischung aus Überforderung, Schmerz und schlechtem Gewissen ausgetauscht. Und, wie Fel nicht ohne eine gewisse bittere Zufriedenheit bemerkte, auch ein Quäntchen von Erleichterung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er ging, war es wie eine Flucht, eilig, noch immer mit der durch lange Jahre erworbenen Sicherheit bei der Bewegung über schwankende Planken und driftende Plattformen hier im sumpfigsten Teil Rossensprungs. Manche Eigenheiten blieben erhalten, selbst wenn sie nicht mehr benutzt wurden, wartend und schlummernd, bis die Notwendigkeit wieder nach ihnen rief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel starrte ihm nach, bis seine Gestalt im Alltag verschwunden war, selbst der Lärm wie eine Decke, die sich über alle allzu betäubenden Gedanken legte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Das ist es eben. Nichts bleibt wie es ist. Darauf zu hoffen, ist töricht. Darauf zu vertrauen ist Selbstmord.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was ist nun? Wollt ihr es kaufen? Ich habe auch noch andere Interessenten.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nachfrage des Mannes hinter dem Stand mit all den blank polierten Kupferteilen erinnerte Fel an den eigentlichen Grund ihrer Anwesenheit hier: Mitten in der bunten Mischung aus Töpfen und Tiegeln, Messern und Gabeln, kleinen Dosen, einem Käfig, verzierten Tellern und grösseren Platten, befand sich auch eine kleine, kaum mehr als fingerlange Statue. Elfische Handwerkskunst hatte der Mann ihr hoch und heilig versichert. Von seinem Großvater erworben und weitergegeben an den Vater als Glücksbringer, nun in Anbetracht der Umstände aber dennoch zu einem günstigen Preis abzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Höchstwahrscheinlich eine Fälschung.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also solche würde sich die kleine Figur nur zu der Sammlung anderer kleiner Kinkerlitzchen gesellen, die Fel im Laufe der letzten Jahre angesammelt hatte. Sie alle verband ein vermeintlich elfisches Erbe, sie alle waren günstig genug gewesen, um für ihre äußerst beschränkten Mittel greifbar zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nur sie sind ewig. Unveränderlich wie die Sterne selbst. Warum muss ich hier festsitzen?’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel später war sie auf dem Rückweg in die Kaserne, die kleine, vermeintlich elfische Statue gut behütet in der Tasche.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Interludium: Die Insel der Nebel|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|CONTENT=Die Insel der Nebel ist der Tutorialbereich von DNW, eine vom eigentlichen Spielgeschehen isolierte Insel. Obwohl alle Elfenvölker frei erstellt werden können, sind Halbelfen aber kein frei verfügbares Volk. Das bedeutet: Um Fel tatsächlich ins Spiel bringen zu können, musste ich einen entsprechenden Antrag stellen. Dieses Interludium entstand während der Wartezeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da die Insel der Nebel nicht tatsächlich existiert - es ist eben nur ein Tutorialbereich - können die dort gemachten Erfahrungen nicht ins Spiel einfließen. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 14|CONTENT=&lt;br /&gt;
In der gleichförmigen Stasis dieser Insel ist die Ankunft anderer Reisender die einzige Abwechslung, die einzige Abweichung von einer täglichen Routine. Selbst das ist, wenn man es korrekt betrachtet, gleichbleibend: Ihr Kommen und ihr unvermeidliches Gehen ist zwar unregelmässig aber doch vorhersehbar: Sie alle ziehen weiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich noch an die Aufregung des ersten Tages, gleich gefolgt von der Erleichterung direkt nach der Ankunft, an deren Details ich mich nicht erinnern kann. Das ist etwas, was mich mit den allermeisten der Reisenden verbindet: Eine bestimmte Ungewissheit, über die Art und Weise wie dieser Ort erreicht wurde. Selbst jene die voller Überzeugung davon berichten, wie sie von einem Schiff hier abgesetzt wurden, verdrängen vielleicht einfach die Realität, denn ich habe abgesehen vom Fährmann niemals jemanden hier angelegen sehen. Und - um korrekt zu sein - nicht einmal diesen. Er liegt einfach jeden Morgen aufs Neue vor Anker, unvermeidlich wartend wie das finale Schicksal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen ersten Tagen war ich dankbar für mein Leben und stellte nicht zu viele Fragen, aber je länger ich hier verweile, desto mehr Zweifel verdichten sich zu schweren Klumpen in meinem Hinterkopf: Was ist das für ein Ort? Was bedeutet meine Anwesenheit hier? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine im Moment bevorzugte Theorie habe ich nach vielen Gesprächen mit anderen Reisenden herausgeformt: Ich denke diese Insel ist kein echter Ort, sondern eine geteilte Traumrealität, ein unechter Platz, den jene erreichen, die gerade bei sind ihr Leben zu verlieren oder ihren letzten Atemzug bereits getan haben. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist ein Ruheplatz um sich zu sammeln, um Frieden zu schließen. Wer dann bereit ist für die Weiterreise, der vertraut sich dem Fährmann an, der keine Bezahlung verlangt und niemals jemanden hierher zurückgebracht hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fürchte seine Verlockung genau wie die hölzernen Planken seines Schiffes. Und wer will es mir verdenken?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich sah, wie die Magie sich verformte, verdrehte, wie die Realität selbst aus der Fuge zu geraten schien. Was Holz war wurde zu Luft, was Metall war, transformierte zu Wasser. Mir ist selbst jetzt unbegreiflich, auf welche Weise das passierte, welches Prinzip dahinter steht. Es passt zu keiner der Lehren, die mir nahegelegt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was fange ich also an mit den Tagen, die alle gleich beginnen und nahezu identisch enden?&lt;br /&gt;
Weniger, als ich sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine bescheidenen Fähigkeiten bemüht um zu prüfen, ob sie irgendwelche permanenten Veränderungen durchlaufen haben, aber das scheint nicht der Fall zu sein, denn die mir bekannten Zauber funktionieren wie immer, die Grundprinzipien scheinen identisch soweit es sich durch mich beurteilen lässt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich habe Notizen hinterlegt, flüchtig bislang nur: Zu den verschiedenen Gebäuden, zu den Personen hier, zum Fährmann und auch zu den anderen Reisenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sollte ich all das ein wenig ordnen. Vielleicht ist es genau das, was ich brauche um jenen Ruhepunkt zu finden, den ich benötige, um mich dem Fährmann anzuvertrauen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann nicht aufhören mich zu fragen: Was wenn meine ganze Existenz nur ein eingefrorener Moment ist, der sich in dem Moment auflöst, in dem ich mich entschliesse weiterzuziehen? &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 24|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich nicht mehr genau, was das Erste war, dass mein Misstrauen erregte, aber ich glaube es waren die Bewohner dieser Insel. Damit meine ich nicht die Reisenden, die allesamt - genau wie ich - auf irgendeine Weise hier ankamen und - anders als ich - nicht viel später dann auch schon der Verlockung des Fährmanns folgen und die Weiterreise antraten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kontakt war .. glaubhaft, die oberflächlichen Gespräche die man eben so führt, wenn man an unbekannte Gestade gespült wird mit nicht mehr als ein paar Fetzen am Leib, genau das was man eben erwartet. An jenem ersten Abend war ich zufrieden zumindest einen provisorischen Schlafplatz ergattert zu haben. Ich will nicht behaupten, dass ich glücklich war, aber die Sorgen und das Bedauern sollten erst in den Wochen danach allmählich Einzug halten, vertraut in ihrer kühlen Hartnäckigkeit. Aber damals war ich froh noch am Leben zu sein. Fragen konnten warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Katzenjammer kam mit dem nächsten Morgen, mit der klaren Einsicht, dass mein bisheriges Leben ein abruptes, ungeplantes Ende erfahren hatte. Meine Verpflichtungen, meine Aufgaben, meine dünnen Freundschaften und vor allem auch mein Lehrmeister: Einfach davongewischt wie ein unbedeutendes Staubkorn auf einer nun in Ordnung gebrachten Tischplatte. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während die Sonne gemächlich aufging und die Insel mit Farben und Wärme füllte, realisierte ich, dass ich zum ersten Mal seit meiner Flucht aus Breitenbach wirklich allein war. Wohin ich von hieraus auch aufbrechen würde: Niemand würde meinen Namen kennen. Niemand die Umstände meines Aufwachsens, niemand die ungetilgte Schuld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war ein eigenartiger, machtvoller, wenn auch bittersüßer Gedanke: Ich hatte die Möglichkeit mich selbst neu zu erfinden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Wochen später, stelle ich fest, dass der Käfig etwas ist, was man mit sich trägt und selbst ein Schiffsuntergang wischt ihn nicht einfach fort. Es ist so leicht, so verführerisch in vertraute Gewohnheiten zu fallen, die über die Jahre wie Atemzüge wurden: Unwillkürlich und vertraut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich schweife ab.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es brauchte drei Tage bis ich wirklich verstand, dass die Bewohner dieser Insel sich nicht an mich erinnerten: Wenn ein Tag neu anbrach, dann waren sie selbst wie erneuert, aller Eindrücke der vorherigen Stunden beraubt. Erst mit dieser Beobachtung verstand ich, dass es nicht nur die Bewohner waren, sondern die ganze Insel: Welche Spuren ich auch hinterlassen hatte, sie waren verblasst, sobald der neue Tag begann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da verstand ich: Das hier ist kein echter Ort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und damit kamen auch die Zweifel: Was bin ich dann?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 26|CONTENT=&lt;br /&gt;
Was bin ich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein verwirrter Traum, der sich gerade auf der Schwelle zwischen Schlaf und Erwachen wälzt, unfähig das Eine oder das Andere zu umarmen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Gedanken einer Sterbenden, die in nachtblauer Tiefe einem eiskalten Grab am Boden der See entgegensinkt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reste einer Seele, die die Schwelle bereits überschritten hat und nun nur noch darauf wartet das Urteil zu akzeptieren, Frieden zu machen mit sich, bevor sie bereit ist für die Weiterreise an einen Ort von dem noch niemand zurückgekehrt ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Morgen verspricht mir aufs Neue: Nein. Das ist ist normal. Du hast überlebt. Sieh dich um und sammle, erhole dich, bevor du weiterziehst. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann die Augen nicht davor verschliessen, wie ich das gleiche Gespräch ein weiteres Mal mit der Frau hinter dem Tresen in der kleinen Markthalle führe, wieder die gleichen Anekdoten vernehmend, die ich bereits zwei Dutzend Mal vernommen habe. Sie sind mir bald so vertraut, wie die Stationen meines eigenen Lebens und ich lächle pflichtschuldig, während ich ein weiteres Mal um Material handle. Tinte. Papier.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es wird höchste Zeit, dass ich mich aufraffe, das Beste aus diesem Ort hier mache, Hausaufgaben erledige, die schon viel zu lange darauf warten, abgeschlossen zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anlass für diesen Entschluss war fast schon banal: Das Zusammentreffen mit einem Reisenden, der die Magie gerade erst zufällig für sich entdeckt hatte und nun mit der staunenden Zuversicht eines Welpen den Vorgaben in dem zerfledderten Buch folgte. &lt;br /&gt;
Mir fehlen die Worte, um genau zu beschreiben, wie ich mich fühlte, als er Reagenzien zerrieb, Worte rief und eine Wirkung manifestierte, als wäre es gar nichts. Einfach so. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann mir vorstellen, dass ich gelb im Gesicht wurde vor Eifersucht und Neid. Welches Recht hatte dieser Mann ohne die geringsten Studien, ohne Stunden über Stunden an Meditation und erschöpfenden Übungen einen solchen Effekt einfach aus dem Ärmel zu schütteln? Wo war die Gerechtigkeit dabei?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Gedanke riss mich aus dem schäumenden Selbstmitleid - die Erinnerung daran, wie Jerwalson mich für eine sehr ähnliche Frage höhnisch verlacht hatte, war auch jetzt, Jahre später, noch wie eine nicht verheilte Wunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Gerechtigkeit für mich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieses Zusammentreffen war ausreichend, um den Entschluss in mir reifen zu lassen, meine gesammelten Kenntnisse einmal zu ordnen, zu prüfen, sie niederzuschreiben. Meine eigenen Notizen, die - hoffentlich - mit mir gemeinsam wachsen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wenn ich nur ein zuckender Gedanke kurz vor dem Verlöschen sein sollte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mehr Licht! &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 28|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Mach die Augen auf.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein neuer Tag. Eine vertraute Routine. Es ist eigenartig, wie präsent die stetige Gleichförmigkeit dieser kleinen Insel wird, wenn einem diese Eigenheit erst einmal bewusst geworden ist. Wieviele Monate meines Lebens habe ich mit eintöniger, langweiliger Arbeit verbracht ohne mich über gewöhnlichen Groll hinaus zu beschweren? Wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, dann kann der Unterschied zu meinem Erlebnis hier nicht besonders groß gewesen sein: Immer der gleiche Tagesablauf, feindselige oder gelangweilte Blicke von Fremden, bestenfalls vom Sehen vertraut. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dazu ein Gewicht, dass es hier nicht gibt: Wenn ich meiner Verärgerung hier freien Lauf lasse und der geizigen Kräuterhändlerin meine Meinung geige, wird sie mich am nächsten Tag doch begrüßen, als hätte sie mich noch nie vorher gesehen.&lt;br /&gt;
In gewisser Weise, denke ich, dass exakt das auch der Fall ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jerwalson, daran hege ich keinen Zweifel, wäre enttäuscht und das ist ein Gedanke der mich mehr bedrückt, als er sollte. Der Mann war mein Lehrmeister, aber kein Freund. Niemand, dem ich mich anvertraut hätte über die Alltäglichkeiten der Ausbildung hinaus. Er trug, denke ich, die Uniform mit noch mehr Verachtung als ich. Ein weiteres offenes Rätsel, eines, das nun nicht mehr drängt und vermutlich nie gelöst werden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das ist Vergangenheit. Ich sollte froh sein über diese Herausforderung. Die Wahrheit ist, dass ich jeden Tag ein wenig entnervter erwache, mich in meiner eigenen Routine festbeisse: Muscheln sammeln, die Beete bestellen, Gemüse verkaufen und gegen Reagenzien, Tinte und Papier eintauschen. Und dann schreiben: Es ist frappierend, wieviel ich bereits vergessen habe: Ich bekomme den Enigmatischen Dualismus Jerwalsons kaum noch zur Hälfte zusammen: POR und ZAN als Gegenstücke, aber stand NOX nun gegensätzlich zu XEN oder MANI? Es ist genau wie vor einem Jahr: Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger habe ich den Eindruck davon zu verstehen. Das System, was er darin sah - oder vorgab zu sehen - erschließt sich mir einfach nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht morgen. Ich habe das Gefühl ich bin reich an Tagen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 32|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Sieh dich um.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigenartig, wie mit den Jahren manche Erinnerungen vollkommen ausgewaschen sind, dünner und fadenscheiniger noch als die von der Armee Auensteins gestellte Unterwäsche. Andere dagegen haben ihre Leuchtkraft bewahrt, oder - wie Jerwalson stets zynisch bemerkte, wann immer sich Gespräche in diese Richtung entwickelten - sie haben sich allmählich verwandelt und erwecken damit fälschlich einen Anschein von Authentizität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich denke noch immer, dass er sich darin irrt, dass es Eindrücke gibt, deren Wahrhaftigkeit mühelos dem Zahn der Zeit widersteht, so prägend und machtvoll, dass sie selbst nach Jahrzehnten nichts von ihrer Schärfe verloren haben. Ich wünschte ich könnte das Gesicht meiner Mutter dazuzählen, aber wenngleich ich mich mühelos an ihre letzten Worte an mich erinnern kann, ist ihr Gesicht selbst ins Vergessen geraten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich auch an die Trauer, an den Schrecken, an das Gefühl von Schuld und Verrat. Sie ging um einem Traum nachzujagen, auf der Suche nach ihrem Geliebten, der - wie ich sehr viel später erfahren sollte - nicht einmal seinen richtigen Namen genannt hatte. Mein Vater. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
An manchen Tagen frage ich mich, wie weit weit ihre Suche sie gebracht hat, ob sie vielleicht noch immer irgendwo da draussen ist. Ob es eine neue Familie gibt, andere Halbgeschwister, die den Luxus hatten mit einer Familie aufzuwachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert ist verstrichen und vielleicht hat sie ihr Glück gefunden. Aber ein Teil von mir, der sich in der Erinnerung an diese ersten Tage zusammenduckt und unzulänglich fühlt, hofft, dass sie noch immer wandert und sucht, vergeblich von einem Ort zum anderen treibend, wie ein welkes, schon lange dem Baum entrissenes Blatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sollte einen ähnlichen Groll auch gegenüber diesem Fremden hegen, diesem umherziehenden Elfen. Aber ich habe ihn nie kennengelernt, es gibt keine Erinnerungen, an die ich meine Gedanken heften kann. Aber ich denke auch er ist noch irgendwo da draussen, alterlos wie alle seines Volkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alterlos.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie diese Insel, wo jeder Tag seinem Vorgänger gleicht. Ich habe mich begonnen zu fragen, ob es hier ohne Reisende überhaupt Tage gibt. Oder: Ob das hier überhaupt existiert ohne einen Besucher. Wenn ja: Wird irgendwann jemand nachsehen, warum ich hier verweile ohne mich dem Fährmann anzuvertrauen? An manchen Abenden habe ich das Gefühl von unsichtbaren Geistern angestarrt und verurteilt zu werden, namenlosen Schemen aus Quecksilber, die sich zwischen den Schatten bewegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jerwalson würde lachen und lästern. Aber ich kann den Schauder nicht abschütteln, der mich in diesen Momenten überfällt. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 33|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Gleichförmigkeit der Insel lädt dazu ein sich treiben zu lassen und jeden Morgen, direkt nach dem Erwachen, gebe ich diesem Gefühl nach, bleibe liegen und lausche mit geschlossenen Augen auf das Geschrei der Vögel, auf das Plätschern des Regengusses, der sich zuverlässig jeden Morgen einfindet und auch auf Gespräch der beiden Händler, das ebenfalls immer gleich abläuft. Sie haben Erinnerungen, aber es ist für mich unmöglich zu ergründen, ob sie sich auf tatsächliche Ereignisse beziehen, oder nur dünne Tünche über eine spärlich gedeckten Leinwand sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Personen bin ich eine Fremde und ein Tag ist nicht genug um daran etwas zu ändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Frage ist, ob ich meinen Erinnerungen tatsächlich trauen kann. Die reine Existenz beweist noch gar nichts - genau wie die Händler sich an ein &amp;quot;gestern&amp;quot; erinnern, tue ich das eben auch. Niemand garantiert, dass nicht 1 Tag dazwischenlag, der ohne Spuren wieder verschwunden ist. Ein Tag, oder deren Einhundert. Ein Jahr. Würde ich den Unterschied bemerken?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für meinen Seelenfrieden bilde ich mir ein, dass ich einen kontinuierlichen Verlauf an meinen persönlichen Gegenständen ablesen kann, die - wie ich auch - vermutlich einem anderen Gesetz unterworfen sind: Meine Aufzeichnungen bleiben, die erhandelte Kleidung bleibt ebenso. Sofern das System nicht in einer Art und Weise gebaut ist, um auch solche Details zufriedenstellend fälschen zu können, kann ich mich weitgehend sicher fühlen: Das was ich als Tage empfinde, sind tatsächlich auch Tage. &lt;br /&gt;
Weitgehend. Nicht vollkommen, natürlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein System kann unmöglich vollständig verstanden werden, solange man selbst ein Teil des Systems und auf dessen Werkzeuge angewiesen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ironischerweise erinnere ich mich an diese Lektion noch gut, daran wie Jerwalson dieses Zitat nach einer Expedition benutzte, die als einfache Übung für die Rekruten gedacht war und darin endete, dass sich zwei eigentlich freundliche Kompanien gegenseitig beschlichen. Damals war der Anlass - natürlich - die vollkommene Verwirrtheit der führenden Offiziere. Aber es passt auch sehr gut auf diese meine aktuelle Situation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun: Genug geträumt. Es gibts nichts zu tun, aber das will erledigt werden. Ich habe Sorge ich könnte mich sonst in der Zwischenheit doch noch in einen der Anwohner hier verwandeln.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 35|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein weiterer Morgen folgt einem Abend ohne andere Reisende. Es ist nun Tage her, dass ich ein anderes menschliches Gesicht als die Händler zu sehen bekommen habe und ich kann spüren, wie das an mir nagt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist aus sich heraus bereits eine interessante Beobachtung: Während meiner Zeit auf den Strassen Grauhafens war ich die allermeiste Zeit mir selbst überlassen, scheute auch vor den Banden von Dieben und Trickbetrügern zurück, unter denen ich mich in Breitenbach noch so selbstverständlich bewegt hatte. Aber damals war die Einsamkeit selbst gewählt, kein Fakt der mir von aussen aufgedrückt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier, auf der Insel der Nebel, ist sie unvermeidlich und ich spüre jeden Tag ein mehr wenig Widerwillen die immer gleichen Gespräche zu führen. Nach den ersten Tagen peinlicher Berührtheit, spüre ich ein eigenartiges Ressentiment, eine frustrierte Verachtung für diese Menschen. Es wäre zu einfach nun kleinen Grausamkeiten Raum zu gewähren, Grobheiten aus Langeweile oder Ärger zu führen, immer in der Gewissheit, dass alles was man tut am nächsten Morgen ausgelöscht sein wird. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Teil von mir _ist_ neugierig: Würde ein neuer Tag noch immer so unverändert beginnen nachdem ein Feuer die Häuser hier verschlungen hat? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind beunruhigende Gedanken und ich konzentriere mich lieber auf die Arbeiten: Nach meinem Scheitern den Enigmatischen Dualismus Jerwalsons präzise zu beschreiben, habe ich mit etwas Einfacherem begonnen: Eine Auflistung der Worte der Macht, jeweils mit Erläuterungen und Kommentaren. Die Form ist armselig: Das Papier ist minderwertig und teilweise muss ich auf Ränder schreiben, aber .. es ist besser als nichts. Es ist ein Fortschritt und damit wertvoll und lieb auf einer Insel auf der die Zeit sonst stillzustehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sollte ich ja beten. Wer weiss.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 38|CONTENT=&lt;br /&gt;
Breitenbach, die Stadt in der ich die ersten Jahre meines Lebens verbrachte, war mit den Tugenden im Kopf gegründet worden. Die innere Mauer, auch dieser Tage noch weitgehend unbeschädigt erhalten wenngleich die Stadt sich längst über ihre Begrenzung hinaus ausgedehnt hat, besitzt insgesamt acht Türme. Jeder dieser Türme trägt den Namen eines der Erzengel und ist entsprechend auch einer der acht Tugenden gewidmet. Es ist nun siebzehn Jahre her, aber ich erinnere mich noch immer lebhaft an die bemalten, mit Ornamenten, Plastiken und Sinnsprüchen verzierten Fassaden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich hatte im Zuge meiner erzwungenen Dienstpflicht einige Gelegenheit mehr über die inneren Strukturen Breitenbachs zu erfahren: Zumindest nominell sind die Türme der Erzengel auch der Sitz von je einem &amp;quot;Wahrer der Ordnung&amp;quot; einer Tugend, jeweils gewählt aus den Reihen ihrer Gefolgschaft. Das alles hat mit dem Glauben an den Herren sehr wenig zu tun, die Verbindung ist bestenfalls lose und im Laufe der Jahrzehnte scheint mir der ursprüngliche Gedanke sehr in Richtung reiner politischer Masche verwandelt worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie dem auch sei: Die allermeisten Bewohner Breitenbachs ordnen sich zumindest formell einer Tugend zu und sind dann eben auch dafür verantwortlich den Wahrer zu wählen. Ich erinnere mich nicht welcher Tugend meiner Mutter folgte und ich hatte sehr wenig Kontakt mit dem Glauben über die oberflächlichen Symbole des Alltags hinaus. Nachdem sie sich auf die Suche nach ihrem verlorenen Geliebten gemacht hatte, waren alle zarten Ansätze von Religiosität ohenhin zum Verkümmern verdammt: Auf der Straße wurden die Tugenden bestenfalls benutzt, um ein paar Münzen von den Devoten zu erbetteln, der einzige echte Glaube war der an einen gefüllten Magen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lernte wenig über die richtigen Gebete, dafür viel darüber den Kopf unten zu halten, sich vor Autoritäten zu beugen, wann immer es notwendig war und schamlos zuzugreifen, wann immer möglich. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als ich Breitenbach schliesslich verließ: Verbannt, meine zerschmetterte linke Hand eine Strafe für mich und eine Warnung für alle, die meiner ansichtig wurden, fluchte ich ausgiebig im Namen der Erzengel. Das, denke ich heute, ist das Gleichgewicht aller Dinge: Aktion und Reaktion, Bewegung und Gegenbewegung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es liegt eine furchtbare Kraft in der Entschlossenheit eines Mannes, der sein Tun als gerechtfertig ansieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Grauhafen hätte ich, dieser Dynamik folgend, irgendwann ein trauriges Ende nehmen können, aber ich hatte Glück und fand den Weg zum Handelshaus Telketh. Das hatte seinen ganz eigenen Preis, aber es brachte mich auch zum ersten Mal seit den frühen Jahren meiner Kindheit wieder in Kontakt mit dem Glauben an den Herren.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich saugte die Gebete und Rituale auf, die Lebensweise, die sich auf ganz andere Art und Weise an den Tugenden (und den Sünden) orientierte, als ich es noch vage von früher in Erinnerung hatte. Aber ich blieb opportunistisch distanziert: Das hier war was man von mir erwartete, insbesondere nachdem man mir eine so außergewöhnliche Chance gegeben hatte und ich war absolut bereit das Notwendige zu tun für einen gefüllten Magen, ein echtes Bett und ein kleines Zimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch: Mit der Zeit wurden die kleinen Rituale zur Gewohnheit, prägten sich in den Alltag ein mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie sie auch für Essen und Trinken aufgebracht wurde. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin bis heute unsicher, ob das tatsächlich als &amp;quot;Glaube&amp;quot; gilt. Mein einziger Versuch diese Thematik mit Jerwalson zu besprechen, endete in einer nahezu endlosen Tirade an deren Ende er schliesslich das bekannte System von Worten der Macht und Reagenzien mit den Handlungen von betenden Priestern verglich: Beide auf ihre Weise vollkommen ahnungslos, abhängig von einer höheren Autorität, die das eigentliche &amp;quot;Tun&amp;quot; nach der Opfergabe dann in Angriff nimmt. Das erstickte all meine Ambition Glaube mit ihm zu besprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber letztlich denke ich, dass Religion für die allermeisten Menschen außer einem kleinen Zirkel von tatsächlich Erwählten, sehr abstrakt und entfernt ist: Rituale und Vorgaben, die von einer höheren Stelle angewiesen werden und denen man dann eben folgt. Ja, man bittet den Herren um Beistand, um Einsicht, um günstige Winde oder dumme Kunden, die man über das Ohr hauen kann, aber nach meiner Erfahrung erwartet niemand tatsächlich, dass der Herr tätig wird und etwas tut. Aber: Es ist besser den kleinen, allgemein akzeptierten Aufwand zu betreiben und sei es allein aus abergläubischer Versicherung, dass man nicht versehentlich den Zorn durch Unterlassung erweckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat das alles mit dem Hier und Heute zu tun?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand hat diese Insel in den Nebeln geschaffen, hat die Regeln definiert und dafür Sorge getragen, dass jeder Tag unverändert neu beginnt. Aber wer? Und wozu? Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ein solcher Ort nicht einfach als grausame Spielerei existiert, sondern zu einem ganz bestimmten Zweck, eine Funktion innehat. Vielleicht ist es genau das, was ich zuerst vermutete: Der Übergang zum Nachleben, eine kurze Pause für die erschöpfte Seele um sich zu sammeln, um Kraft zu schöpfen, bevor die Reise hinter die Schleier ansteht. Um zu akzeptieren und das Angebot des Fährmanns schliesslich anzunehmen, der nichts über das Ziel verraten möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeden Tag schrecke ich davor aufs Neue zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht wäre es einfacher, wenn ich den Glauben in meinem Herzen tragen würde, statt nur wie ein Gewand, das man eben überstreift, wo es bequem und passend ist. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber das ist nicht, wie ich aufwuchs.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist nicht, was ich lernte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist nicht, wer ich bin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht bedeutet das aber auch, dass ich hier auf ewig gestrandet bin.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 39|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein weiterer Tag eintönige Gleichförmigkeit auf der Insel. Auch heute, so scheint es, wird es keine Reisende an diese Gestade spülen, aber ich denke ich habe mich - zumindest für den Moment - damit arrangiert. Ich muss mir einfach meine eigene Abwechslung schaffen und die kann nicht ausschliesslich aus Arbeit bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Insel ist, wenngleich zu Fuß binnen weniger Minuten umrundet, ein ganz hübsches Fleckchen, eine interessante Mischung von Eindrücken, die sich auf engem Raum zusammendrängen. Das Wetter ist, vom morgendlichen Regen einmal abgesehen, auch durchaus angenehm, sobald die aufsteigende Sonne die Feuchtigkeit vom Sand geleckt hat, lädt der Strand regelrecht zum Verweilen ein und erlaubt einen Blick über die offene Wasserfläche überall umher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Breitenbach, Grauhafen und Rossensprung liegen allesamt am Lauf der Usser, ein schiffbarer Fluss, der jeden Frühling noch ein Stück weit anschwillt und bisweilen sogar die Auen großflächig überschwemmt. Rossensprung liegt direkt an der Mündung der Usser zum Meer hin, oder besser: Die Stadt wuchert im sumpfigen Delta.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin also durchaus mit dem Anblick eines großen Wassers vertraut - aber dieser Anblick ist einfach etwas anderes, als ich von der müßigen Betrachtung des Horizonts gewohnt sind: Hier gibt es keinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Himmel, der hier jeden Tag die gleichen Wolkenmuster trägt, geht mit der Entfernung von der Insel ohne scharfen Übergang in dichte, träge driftende Nebel über. Dieser Nebel ist genauso statisch in seiner Natur wie die gesamte Insel und damit vermutlich das gesamte Areal: Nichts verändert sich. Nach einem Tag beginnen alle Abläufe wieder von vorn.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unabhängig von Wetter und Uhrzeit bleibt der Nebel bestehen, beschreibt eine Grenze ausserhalb meiner Reichweite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht so als würde ich keine Neugierde verspüren, aber mich schaudert weiterhin beim Gedanken mich hölzernen Planken für eine Reise ins Ungewisse anzuvertrauen. Und ich habe niemals gelernt zu schwimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemals gelernt zu schwimmen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und doch bin ich hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Erinnerung, der ich mich nicht stellen möchte, aber sie hängt über mir, wie meine eigene schwere Gewitterwolke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die “Siebentrutz” hatte ihre Reise von Rossensprung aus angetreten, Teil jüngerer Bemühungen der Grafschaft diplomatische Kontakte jenseits des eigenen Terrains zu erschließen - immer mit dem Gedanken den langjährigen Konkurrenten Siebensteig damit endlich ausstechen und die geforderte Einheit wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Armee war neben dem Schutz des Botschafters auch die allgemeine Präsentation und aus irgendeiner Laune des Schicksals war meine Kompanie für diese Aufgabe ausgewählt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und abgesehen vom abergläubischen Gemurmel der Matrosen, die mir stets schele Blicke zuwerfen, war die Reise auch ereignislos verlaufen - bis zu jenem Abend.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während der Rest meiner Kameraden sich mit Kartenspielen die Zeit vertrieb, hatte ich das Glück, die eingeschränkte Laune Jerwalsons ertragen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zu jenem Abend, als die Regeln sich änderten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Mal demonstrierte er mir Sammlung, Verdichtung und Konzentration von Mana, die Bindung in Objekte hinein - etwas, was sich bis dahin vollkommen meinem Verständnis entzog (und es noch heute tut). Und dann .. geschah etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann es kaum in konkrete Eindrücke fassen, aber ich erinnere mich an das ungläubige Entsetzen in den Augen meines Lehrmeisters, die vollkommen konfuse Verwirrung, ein Ausdruck der endlich einmal das selbstzufriedene zynische Lächeln von seinem Antlitz wischte. Ich hätte Genugtuung in diesem Augenblick finden können, aber ich war selbst dabei um Atem zu ringen, gebeutelt von unsichtbar bleibenden Mächten, deren Vorbeiziehen meinen Geist wirbeln ließ. Für einen Moment, ich bin bereit darauf zu schwören, konnte ich die Magie sehen und die absurde Art und Weise, wie sie sich in eine unmögliche Richtung verbog. Das, wurde mir bewusst, musste die transitive Eigenschaft der astralen Ebene sein. Oder auch nur eine aus Panik geborene Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles .. bewegte sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe keine bessere Erklärung dafür, keine passenden Worte für die Transformation, die ihre Kraft aus der ungebundenen Kraft meines Lehrmeisters zog. Holz wurde zu Wasser, Metall wandelte sich in Luft, eine Kerzenflamme transformierte vor meinen ungläubigen Augen in eine sich windende Ranke.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Fassungslosigkeit ist das Letzte, an das ich mich erinnere, während die “Siebentrutz” um mich herum auseinanderbrach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach gab es nichts, bis ich die Augen am Strand dieser Insel wieder öffnete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 41|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Geschichte Ussarias - des Landes das zwischen zwei Gebirgszüge im Norden und Süden eingeklemmt liegt und dem Lauf der Usser bis zur Mündung folgt - erstreckt sich über einen Zeitpunkt von mittlerweile 450 Jahren. Will man der offiziellen Geschichtsschreibung glauben, dann wurde das Land damals von unerschrockenen Siedlern erobert, die vom Meer kommend, das lange Tal in Besitz nahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleiben ein paar Fragen offen, vor allem über die Dinge, die nicht erwähnt werden: Woher kamen diese Siedler? Es gibt keinerlei Erwähnung ihrer ursprünglichen Herkunft, dann und wann zu findende Details machen eher den Eindruck nachdrücklich erdachter Rechtfertigung als fundierter Forschung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Außer Frage steht, dass die Siedler hier recht bald auf ein paar Stämme von kleinwüchsigen und schwächlichen Orks stießen - zumindest wird der Name gebraucht, auch wenn die Beschreibung des Massakers an dem primitiven Volk mich zweifeln lässt: Das kann kaum mit dem modernen Bild eines Orks, wie es mir während meiner Ausbildung vermittelt wurde, in Verbindung gebracht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie dem auch sei, das ganze langgestreckte Tal wurde schließlich erobert und besiedelt, Siedlungen wie Breitenbach, Beiring, Grauhafen und Rossensprung begründet, um letztlich zu unterschiedlich beeindruckenden Städten zu wachsen. Die offizielle Geschichtsschreibung Ussarias beginnt mit der Anlandung der Siedler, im Jahr 73 kam es dann zu der großen Spaltung, ein Ereignis, das auch heute noch bestimmenden Einfluss über die ganze Region hat: Der Erbfolgestreit zwischen zwei Brüdern über die Grafenkrone Ussarias eskalierte und mündete in einem Bürgerkrieg. An dessen Ende stand die Aufspaltung Ussarias in zwei sich gegenseitig nicht anerkennende neue Grafschaft, die offiziell beide noch immer den Namen “Ussaria” führen, heute aber viel mehr als “Siebensteig” und “Auenstein” bekannt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die isolierte Lage des Tals, begrenzt durch Gebirge auf 3 Seiten und durch das Meer auf der vierten, erlaubte es nun über die kommenden Jahrhunderte hinweg dieser Fehde ungestört zu frönen - die politische Situation ist auch heute noch weitgehend unverändert. Die zahlreichen Kleinkriege haben die Grenze oft ein Stück in diese oder jene Richtung verschoben, aber letztlich vermochte es keine Seite die Oberhand zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rossensprung ist der einzige nennenswerte Hafen in Richtung des Meeres, konkurrenzlos trotz der Nachteile die sich durch die Lage im Sumpfdelta der Usser ergeben: Feuchtigkeit ist allgegenwärtig, liegt so dick in der Luft, dass beständig Wasser an den Wänden kondensiert oder von den Fenstern perlt. Nicht zu vergessen, dass die Stadt immer dabei ist im Boden zu versinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das ist gar nicht worauf ich hinaus möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ganze Landstrich brät seit Jahrhunderten im eigenen Saft mit nur geringem Austausch mit anderen Ländern. Kultureller Austausch findet nach meiner Einschätzung nahezu ausschließlich in Rossensprung selbst statt, einfach über hier anlegende Schiffe. Es darf also nicht verwundern, dass ich während meiner Zeit in Breitenbach oder Grauhafen keinen einzigen Nichtmenschen zu Gesicht bekam, erst in Rossensprung kam es zu einigen wenigen Begegnungen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich scheue mich fast, es überhaupt so zu nennen: “Sichtungen” ist ein vermutlich passenderes Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen fremden Völkern ist das der Elfen eindeutig am häufigsten anzutreffen: Es gibt eine kleine Gemeinschaft von Zwergen in Beiring - aber ich habe die Hauptstadt Siebensteigs nie mit eigenen Augen gesehen. Einem Schiff scheint dieses Volk sich aber nur sehr selten anvertrauen zu wollen. Orks kann man bestenfalls in Käfigen bewundern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elfen besuchen die Region häufig genug, dass es zwar so gut wie keine mir bekannten festen Einwohner dieses Volkes gibt, aber dafür einiges an Aberglauben - einiger lächerlich ehrfürchtig, anderer offen feindselig oder herabwertend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein eigenes Erbe war für lange Jahre etwas abstraktes, bedeutungsloses im Hintergrund: Natürlich wusste ich durch die schwärmerischen Erzählungen meiner Mutter von diesem Elfen, der - vermutlich - mein Vater sein musste. Aber ich besaß keine magischen Augen, keine spitzen Ohren, keine angeborene, majestätische Eleganz. Ganz im Gegenteil: Ich war ein Kind, das rasch hinter anderen Kindern meines Alters zurückfiel. Meine Erinnerungen an diese Zeit sind so gut wie nicht vorhanden, einiges existiert nur durch Erzählungen meiner älteren Halbbrüder (die nun selbst schon nahezu vergessen sind), aber das scheint ein durchgehendes Thema gewesen zu sein: Ich lernte später laufen und sprechen, ich war länger eine hilflose Bürde als meine Geschwister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während meine Gefährten der späteren Jahre allmählich zu Erwachsenen heranwuchsen, blieb ich noch ein Kind.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zurückblickend lässt sich das leichter einschätzen, zumindest was die ersten Jahre in Grauhafen angeht: Das war 433, ich war bereits sechzehn Jahre alt, passte aber körperlich und auch geistig viel eher in ein Rudel von Zwölfjährigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnerte mich erst wieder bewusst an meine Herkunft, als ich tatsächlich aufhörte ein Kind zu sein: Zu den sichtbaren Veränderungen gehörten auch die dezenten Ohrspitzen, Aspekte in meinem Antlitz die schon immer dagewesen waren, prägten sich deutlicher hinaus.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich stelle mir vor, dass das in einer anderen, mehr offenen Gesellschaft nahezu unbeachtet geblieben wäre, aber die allermeisten Menschen in Auenstein hatten Elfen so selten einmal gesehen, dass mein Anblick trotz der eher subtilen Anzeichen fälschlich als vollständiges Elfenblut verstanden wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In gewisser Weise amüsant: Mein einziges Zusammentreffen mit einem echten Elfen schlug mir die Unterschiede regelrecht ins Gesicht: Die beeindruckende Größe im Vergleich zu mir, die ungewöhnliche Hautfarbe, die fremdartigen Züge und die Sprache. Nie in meinem Leben war ich mir selbst meiner Unzulänglichkeiten und Makel so bewusst, wie vor dem scharfen Auge des elfischen Händlers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war nicht einmal unfreundlich. Aber die Mischung aus Mitleid und offener Verachtung stach.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 43|CONTENT=&lt;br /&gt;
Vor Jahren fragte Ludwig mich einmal, was ich mit meinem Leben vorhätte. Was die Pläne und Ziele wären, die sich darin finden, die mich beflügeln und motivieren würden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich gut an den Abend: Wir hatten unsere heimlichen Unterweisungen bei der blinden Seherin gerade hinter uns gelassen und waren auf ein paar zusammengenagelten Planken mit einer Laterne in der Hand in die westlichen Sumpfwiesen hinausgestakt. Die meiste Zeit des Jahres stand das Wasser hier eine gute Hand über dem Boden, aber &amp;quot;Boden&amp;quot; war eine irreführende Bezeichnung für eine Sammlung von Schlick, toten Ästen, Blättern und ähnlichem. Er erweckte den Eindruck von Solidität, solange man nicht dumm genug war seinen Fuß darauf zu setzen um diesen Eindruck zu prüfen. Wer dieses Wagnis doch einging, der versank sogleich bis zum Hals ohne je tatsächlich festen Grund unter die Schuhe zu bekommen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Masse zu schwimmen war faktisch unmöglich, selbst für jene, die diese Fertigkeit erlernt hatten - aber solange man nicht zappelte, würde man auch nicht weiter untergehen, sondern im Gleichgewicht treiben. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Entwürdigend, aber nicht sonderlich gefährlich, solange es noch einen Begleiter gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne einen Begleiter sah es anders aus: Dieses Areal hier war die Brutstätte von Brackwasserkrebsen und diese betrachteten alles als Beute, was sich in ihre Reichweite begab. Eben diese Krebse waren aber auch ihrerseits begehrtes Gut: sie wuchsen bis zu doppelter Fingerlänge heran und waren zwar nicht gerade als Delikatesse bekannt, aber dafür in scheinbar unerschöpflicher Menge vorhanden: Wer hier zur Abendstunde hinausfuhr, der konnte immer irgendwo die Lichter anderer Krebssammler sehen. Insbesondere wenn dann Nebel aufzog, streute das Licht der Laternen weit, zeichnete weiche Aureolen, die den halben Sumpf zum glühen brachten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals dachte ich mir nicht viel bei der Frage, aber das Gefühl von Befremdung ist noch immer deutlich im Blick zurück. Was bedeutete diese Frage? Für mich war der Blick nach vorn immer ein sehr kurzer gewesen. Zunächst konzentriert darauf etwas im Magen zu haben oder einen trockenen Platz zum schlafen. Später dann darauf meinen Status zu halten, sich abzeichnenden Gefahren auszuweichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es gab keinen Plan dahinter, keinen Antrieb. Ich ließ mich einfach tragen wie ein Blatt, das der Herbstwind auf eine Reise entführte. Wie farblos war das neben der sprudelnden Vorstellungskraft Ludwigs, der mir bereits im Detail beschreiben konnte, welche Schritte in den kommenden Jahren auf ihn warteten, der voller Zuversicht bereit war sich diese noch ungeformte Zukunft Untertan zu machen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sein Weg schien bereits vorgezeichnet: Abschluss der Schusterlehre, dann Auszug als Geselle aus Rossensprung, danach andernorts formelle Ausbildung zum Jungmagier. Während er mir all das in glühenden Farben beschrieb, hegte ich keinen Zweifel daran, dass es genau so kommen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konnte ich neben dieser überströmenden, schöpferischen Kraft nun einfach die Schultern zucken und zugeben, dass ich ganz zufrieden mit meiner Stelle als Schreiber für Haus Telketh war, dass mich der Sumpf gar nicht so sehr störte, wie die Klagen es manchmal erscheinen ließen, dass selbst die Magie zu mir gekommen war, wie eine unerwartete zusätzliche Hausarbeit auf einer bereits ausführlichen Liste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Sobald ich hier herauskomme, werde ich das Elfenvolk suchen. Nicht einmal um meinen Vater zu finden, sondern einfach um mehr über mein Erbe zu lernen, darüber, wer ich bin und wer ich sein kann.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er strahlte. Und ich fühlte mich .. interessant. Ich lauschte seinen Plänen, fasziniert und erstaunt zu gleichen Teilen über seine Fähigkeit die noch ferne Zukunft mit kraftvollen Worten zu fassen, wie ein Schreiber, der zum ersten Mal Tinte auf noch jungfräuliches Pergament ausbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühlte kein schlechtes Gewissen wegen der rasch gesponnenen Lüge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Jahre später, verstehe ich die Vergeblichkeit dieser frohen Pläne. Ich habe gesehen, wie die Karten sich ausspielten. Das ist es, denke ich, was es bedeutet aufzuwachsen: Zu erkennen, dass man am Ende doch nur ein Blatt ist, das stärkere Winde herumwirbeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt haben sich mich auf diese Insel hier getragen, an einen Platz dessen Eintönigkeit wie ein Spiegel für mich selbst ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht wird es Zeit, dass ich aus einer alten Lüge endlich eine Wahrheit mache, auch wenn Ludwigs eigene Pläne schon lange nicht mehr das sind, was sie damals waren. Wenigstens einer von uns kann sein Wort halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 49|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein neuer Tag. Ein alter Tag. Der Regen fällt und die Gespräche laufen, festgefahren in ihren Bahnen wie ein Bach, der sich mit den Jahrhunderten ein Bett in den Fels grub. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum bin ich hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum bin ich noch immer hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wanderung über die ruhig liegende Insel offenbart nichts Neues, selbst im Muster der gegen den Strand laufenden Wellen glaube ich mittlerweile ein Muster zu finden. Das ist irrational, aber allein der Gedanke zerrt bereits an meinen Nerven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin dieses Ortes müde. Wieviele Tage?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich habe aufgehört zu zählen, aber aus den einzelnen Blättern ist ein ganzer Stapel geworden, hastig hingeworfene Erinnerungen an die Lektionen aus dem Mund einer Blinden und eines zynischen Säufers. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenartig, wieviel Trost darin liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde ich dahin zurückkehren, wenn ich könnte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage begleitet mich durch den Tag, bleibt ein treuer Gefährte, während ich auch heute ein neues Blatt Papier eintausche und dem Schneider einmal mehr dabei helfe seine Schere zu schleifen. Die Frage ist an meiner Seite als die Sonne am Nachmittag ihr Gesicht hinter grauen Wolken verbirgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann - unversehens, ungeplant - finde ich mich vor dem scharfen Blick des Fährmanns, der mich fixiert und .. misst. Als wäre er hier nicht Dienstbote, sondern König. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum ersten Mal spüre ich wie die klamme Furcht von mir fällt als er spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;b&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du hast dir viel Zeit gelassen, Fel.&amp;quot;&amp;lt;/b&amp;gt;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich an diese Stimme. Sie ist ..&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gegenwart: Die Neue Welt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gedanken und Meinungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Ba&#039;thal|CONTENT=&lt;br /&gt;
Er hat keine Gelegenheit ausgelassen um mich daran zu erinnern, was ich bin.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich kann ihm sein Sentiment nicht verübeln: Seine Perspektive ist eine, die sich über mehr Zeit erstreckt als ich mir vorstellen kann. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun macht er gute (oder zumindest neutrale) Miene zum bösen Spiel, aber ich denke er wartet nur darauf die kleinste Verfehlung anklagend gegen mich zu wenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist, das versprechen mir seine Augen, ein Geschöpf dessen Gnade von den Gestaden der Zeit fortgewaschen wurde. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Cillian Lindhain|CONTENT=&lt;br /&gt;
Hinter der lächelnden Fassade versteckt sich ein Mann, der alles daran setzt sich selbst davon zu überzeugen, dass er nichts Ernst nimmt. Ich glaube, er wäre gern ein Zyniker, der für die Welt und ihre Anwohner nurmehr Spott und Verachtung übrig hat. Aber das ist er nicht und ich denke, dass er sich trotz allem jeden Tag ein wenig mehr davon entfernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenartigerweise, trotz profunder Unterschiede, fühle ich mich ihm mehr verbunden als allen anderen Mitgliedern der Hafengruppe. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin nicht ganz sicher warum: Erinnert er mich an das, was Jerwalson in seiner Jugend hätte sein können?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Elira Raureif|CONTENT=&lt;br /&gt;
Sie ist .. befremdlich. In ihrer Weltsicht, die so tut als gäbe es kein Grau zwischen Schwarz und Weiss. In der Art und Weise, wie sie Entscheidungen trifft und zwar sehr viel robuster, als man meinen sollte, mit einer Unverblümtheit, die keinen Raum für Zweifel lässt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
An manchen Tagen denke ich, sie hätte unter anderen Umständen einen formidablen Paladin abgeben können und dann sind da die Momente, in denen meine Paranoia mir zuflüstert, dass sie uns alle - und mich im Besonderen - an der Nase herumführt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal frage ich mich, was Fenrik und sie aneinander finden. Und dann ist es wieder so offensichtlich wie ein Faustschlag ins Gesicht und ebenso schmerzhaft.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Fenrik Wintal|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Mann ist mir ein Rätsel. An der Oberfläche ist alles klar: Ein robuster Raufbold und Tunichtgut, unbekümmert und rasch entschlossen. Unhöflich, handgreiflich, gierig. Ohne Elira als ständiger Quell bedingungsloser Bewunderung und Bestätigung wäre er gewiss eine Gefahr für jede atmende Kreatur in seinem Weg.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Warum ist er hier? Ich nehme ihm seine Liebe nicht für einen halben Herzschlag ab. Aber was plant er? Und wer bezahlt ihn? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie lange wird das noch gutgehen?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Lin Schlehendorn|CONTENT=&lt;br /&gt;
An den meisten Tagen denke ich, dass Lin das einzige wirklich aufrichtige Mitglied der kleinen Hafengruppe ist. Auch wenn ich relativ sicher bin, dass ihr schon diese Einordnung nicht gefallen würde. Sie hat Ambitionen, daraus macht sie keinen Hehl und alles was sie tut ist in irgendeiner Art und Weise diesen fernen Zielen untergeordnet. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist etwas, was ich nur bewundern kann: Sie lässt sich nicht einschüchtern, ganz gleich wie weit entfernt ein Palast und das tägliche Bad in frischer Stutenmilch aus sein mögen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Vermutung ist daher auch, dass sie an Cillian aus aktueller Bequemlichkeit festhält und nur genau so lange, wie seine Kurzweiligkeit und Nützlichkeit den Aufwand wert sind. Sobald sich am Horizont der Anschein etwas Besseren ergibt, wird sie ihn fallen lassen, wie eine heisse Kartoffel. Ich vermute, das ist ihnen Beiden auch durchaus bewusst.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Livius Quintus|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich dachte ich würde ihn verstehen: Ein Mann der seine besten Jahre bereits hinter sich hat, noch immer hadernd mit dem unvermeidlichen Niedergang. Das ist nichts, was ich nicht zuvor schon andernorts gesehen hätte: Ein Mann gerade balancierend zwischen Selbstverleugnung und Akzeptanz, jemand, der das Versprechen des drohenden Endes bereits am Horizont erahnt und weiss: Es bleibt nicht mehr soviel Zeit, wie man einst dachte. Es wird Zeit die Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Das Haus zu richten. Erben zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nichts davon geschieht. Was bedeutet das? Und welche Rolle spielt Shira dabei?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Shira|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich weiss nicht, was sie ist. Ich verstehe nicht, was sie motiviert. Ich habe nicht einmal einen Maßstab, um ihre Existenz einzuordnen. Bis vor wenigen Tagen glaubte ich diese Beziehung zu Livius wäre eine von einseitiger Abhängigkeit: Eine mit einem Lächeln angezogene Kette um den Hals des Magiers. Aber nun habe ich meine Zweifel. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Varyariel|CONTENT=&lt;br /&gt;
Balance auf einer Nadelspitze. Es ist mir unbegreiflich, wie sie es fertigbringt all diese für mich widerstrebenden Einflüsse miteinander zu vereinen: Sie ist nicht nur jemand mit einer gewissen Vorliebe für Blumen und ungepflegte Gärten, sondern ein Bestandteil dieser ungezähmten Wildnis, in einem Moment butterweich nur um im nächsten Moment die (sprichwörtlichen) Fangzähne zu zeigen. Und gleichzeitig spaziert sie durch die Straßen Solgards als wäre es schlicht ein etwas anderes Habitat - unangepasst und doch nicht wie ein Fremdkörper. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beneidenswert. Neben all den anderen Dingen, die sie ist und ich nicht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschichte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ankunft in Nebelhafen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Morgen war kühl genug, dass Fel unter der dünnen Decke fröstelte, die sie am gestrigen Abend an den Docks Nebelhafens halb erkauft, halb erbettelt hatte. Eine Schiffsbrüchige konnte nicht wählerisch sein, daran erinnerte sie genauso auch das Knurren des Magens - die eigenartige Frucht, die sie am Feuer unter der Anleitung Noa Feldspans verspeist hatte, war schon lange verdaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hunger war gut. Hunger bedeutete Antrieb und Motivation, solange man ihn nicht soweit wachsen ließ, dass er schließlich am Bewusstein selbst zehrte. In gewisser Weise war all das vertraut: Das Nächtigen an zufällig ausgewählten Plätzen in notdürftig zurechtgemachten Lagern, das Grummeln im Magen zu Beginn jedes Morgen, verlässlicher als selbst das Aufgehen der Sonne, die sich gerade heute hinter einer dichten Wolkendecke verbarg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiss: Die letzten Jahre hatten wenig davon gesehen, aber die Erinnerungen an damals waren präsent, wie tiefe Kerben in Holz, die wieder sichtbar wurden, wenn man die dünne Schicht an Farbe darüber abscheuerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Aber ich bin nicht mehr, wer ich damals war.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam mit einem Fetzen von Reue: Die Ankunft hier in Nebelhafen nach dem Ende der &amp;quot;Siebentrutz&amp;quot; hatte die Möglichkeit eines vollkommenen Neuanfangs geboten, aber ohne den rechten Kopf um damit zu planen, war ihr die Möglichkeit eines falschen, eines neuen Namens nicht in den Sinn gekommen. Nun war es bereits zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wenn Namen Identität sind, dann bin ich allein dadurch an meine Vergangenheit gebunden, wie eine Marionette an ihre Fäden.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Spaziergangs an den Docks entlang, spielte Fel mit dem Gedanken, was ein passender Name gewesen wäre, steigerte sich schließlich in mehr und mehr lächerliche Konstrukte, die sich durch eine Vielzahl von Apostrophen und Zwischensilben auszeichneten, bis der knurrende Magen beinahe vergessen war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese neue Welt .. das war Potenzial. Ein einziger Abend hatte bereits ausgereicht um das zu verdeutlichen: Nicht einmal war sie auf Anhieb auf eine Elfe gestoßen - und eine andere Gestalt, bei der es sich möglicherweise ebenfalls um eine Elfe handelte - noch dazu hatte sich gezeigt, dass es eine Varianz in den Worten der Macht gab: Das stabile Fundament auf dem Fel ihre Ausbildung bis dahin erbaut sah, begann bereits zu bröckeln in Anbetracht dieser neuen Informationen. In Ussaria gab es nur einen einzigen Pfad der Magier - hier gleich deren vier. Was hatte das zu bedeuten? Welche Ordnung ließ sich dahinter ausmachen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Sonne sich endlich aus der Umklammerung der Wolken befreite, erkundete Fel weiter Nebelhafen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Aller Anfang ist schwer|CONTENT=&lt;br /&gt;
Letztlich war Fel nicht vollkommen sicher, wie weit es mit der Gastfreundschaft der Schneiderin tatsächlich her war, aber für den Moment war es ausreichend ein richtiges, wenn auch einfaches Bett zu fühlen, die Möglichkeit zu haben die Türe hinter sich zu schliessen. Die &amp;quot;Siebentrutz&amp;quot; hatte solchen Luxus nicht einmal für ihren Kapitän geboten, umso weniger für mitreisende Gäste, die sich die knappen Schlagplätze in Schichten teilten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Warnung war unverzüglich erfolgt: Nur für zwei Nächte. Aber das waren Sorgen für morgen oder übermorgen. Bis dahin konnte sich bereits alles geändert haben. Schon ein einziger Tag hatte gewaltige Unterschiede gemacht, hatte Fel erlaubt Bekanntschaften zu knüpfen, erste vorsichtige Bande zu flechten - speziell zu dem argwöhnischen Lama, das nun irgendwie zu ihrem Haustier geworden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gleichen Maße hatte Fel aber auch erkannt, wie abgeschieden vom Fortschritt Ussaria mit seinen Jahrhunderten von Eigenbrödelei und Bürgerkrieg war, wie viele Einsichten und Wunder die Welt drumherum kannte. Tränke, mit denen sich Lebewesen zusammenschrumpfen ließen? Sie konnte auf Anhieb nicht einmal ein Prinzip formulieren, um diese erstaunliche Wirkung in Spruchzauberei zu übersetzen.&lt;br /&gt;
Gleich fünf Pfade der Magie warteten hier, erlaubten eine bislang unbekannte Spezialisierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Eindrücke mussten niedergeschrieben, fixiert werden, solange sie noch frisch waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Rückseite eines abgerissenen Aushangs formulierte Fel schliesslich im kargen Licht der einzelnen Talgkerze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;Bislang war für mich die Wirkung und Funktionsweise von Reagenzien simpel: Sie liefern eine spezifische Form von Energie, die bei ausreichender Kompatibilität genutzt werden kann, um einen Zauber zu wirken. Sie sind damit eine der absolut unerlässlichen Grundbedingungen neben den Worten der Macht, Mana und dem Intent. Wenngleich die Wirkungsweise der Reagenzien bisweilen Raum zur Diskussion lässt, war bislang eines zumindest für mich vollkommen klar: Sie liefern eine objektive, theoretisch sogar meßbare Menge an Energie, verlässlich, weitgehend reproduzierbar und gänzlich unabhängig von den Eigenheiten des Zauberwirkers.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Ausführungen von Soryia Schwarz haben mich nun auf die Spur von vier, mir bislang unbekannten Reagenzien gesetzt: Obsidian, Molchaugen, Knochen und Fruchtbare Erde. Diese vier Reagenzien stehen in engem Zusammenhang zu den mir bislang ebenfalls unbekannt gewesenen fünf Pfaden - vieren eben dieser Pfade wird genau eine dieser neuen Reagenzien zugeordnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war noch nicht genau in der Lage zu evaluieren, ob die reine Möglichkeit Energie aus den Rwagenzien zu ziehen, bereits pfadgebunden ist. Falls ja ermöglicht das einige weitere Spekulationen über die dahinterstehenden Prinzipien und damit vielleicht auch eine Erklärung, warum die bekannten acht Reagenzien überhaupt funktionieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seien wir ehrlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir unter den Tausenden und Abertausenden an Stoffen und Teilen dieser Welt ausgerechnet die einzigen acht gefunden hätten, die für Magie geeignet sind, ist so gering, dass es keiner Diskussion wert ist. Ich habe mich daher stets gefragt, ob es nicht noch Unmengen an anderen potentiellen Reagenzien gibt, die sich uns schlicht noch nicht erschlossen haben und - falls ja - was uns daran hindert sie zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik mit den Pfaden lässt mich nun nachdenken, ob noch mehr dahintersteht: Kann es sein, dass etwas an uns Zauberwirkern schlicht mit der richtigen Reagenzie resoniert? Falls ja müsste das aber bedeuten, dass fremdartige Völker oder Rassen dann auch Zugriff auf andere, für uns nutzlose Reagenzien haben könnten.&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Kammer|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die kleine Kammer unter dem Dach des Gasthauses war ursprünglich Teil eines weit grösseren Raums gewesen. Findiges Geschäftsinteresse hatte den zuvor brachliegenden Dachboden allerdings rasch als mögliche Goldgrube erkannt: Direkt nach der ersten Welle von Ankömmlingen hier auf dem neuen Kontinent, waren dünne Zwischenwände eingefügt worden, teilten den verfügbaren Platz in präzise, knappe Rechtecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ein wenig wie die Koben eines Schweinestalls.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz zu Beginn - so hatte Fel sich zumindest erzählen lassen - gab es nur Vorhänge aus muffig riechendem Segeltuch jeweils vor den Ausgängen. Dieser Tage versprachen abschließbare Türen zumindest ein wenig private Abgeschiedenheit in den fensterlosen kleinen Kammern, gerade eben gross genug für ein schmales Bett und ein Nachtschränkchen an dessen Kopfende. Bislang war die Enge nur an den heissen Tagen des Sommers ein Problem gewesen: Wenn das Dach sich aufheizte, gab es für die Luft selbst bei geöffneter Türe so gut wie keine Möglichkeit mehr zu entkommen. Aber gutes Wetter versprach eben auch die Möglichkeit von hier zu fortzugehen, auswärts zu schlafen wie viele der Glücklosen, die keine feste Bleibe gefunden hatten und sich mit einem Zelt oder auch nur einer Plane glücklich schätzten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie die Tage aber kürzer und kürzer wurden, stieg der Bedarf an einem festen Dach über dem Kopf und das wiederum trieb die wochenweise zu zahlende Miete für die Unterkunft in stetig neue Höhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Fel verhieß das nichts Gutes: Das Auskommen für Hilfsarbeiten beim Hafen, bei der Korrektur von Büchern und dem Verfassen von Briefen war unregelmässig und gering, gerade eben genug um bislang mit den Preisen für das Leben als solches mitzuhalten. Selbst das Sammeln von Kräutern erwies sich jeden Tag als ein wenig schwieriger, unproduktiver: Die nähere Umgebung Nebelhafens war schon lange abgegrast, dass es nun langwierigere Wege brauchte und damit auch die stetige Gefahr gefährlichen Wildtieren über den Weg zu laufen. Mit der Ahnung des Winters am Horizont schien klar, dass auch diese kargen Einkünfte nicht sehr viel länger halten würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Zumindest hätte ich dann wieder mehr Zeit um etwas zu lernen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Galgenhumor an diesem Gedanken schmeckte ein wenig zu bitter wegen der Wahrheit darin: Die Studien hatten gelitten und die verfügbaren Mittel erlaubten ihr schon länger nicht mehr über Theorien und Worte zu schreiben - weder Papier noch Feder oder Tinte gab es für umsonst und das hieß die begonnene Zusammenfassung einst erworbenen Wissens war zu diesem Zeitpunkt kaum mehr als eine Absichtserklärung. Nicht genug um irgendjemanden von Potential zu überzeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst jetzt gehörten die kostbaren Abendstunden der Arbeit, beugten sich der Notwendigkeit Wäsche zu erledigen, gesammelte Kräuter und Pilzen an aufgespannten Leinen quer durch die kleine Kammer aufzuhängen und die Beute früherer Tage sorgsam zu trocknen und auf mögliche Schäden zu untersuchen. Eine ganze Anzahl Alraunen warteten unter dem Bett nur auf den nächsten Mondwechsel für die weitere Verarbeitung und der schon länger wartende Ginseng war kurz davor in klebrige Paste verarbeitet zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Alles hängt davon ab, dass ich wenigstens diese Kammer hier halten kann. Wo sollte ich das sonst aufgewahren?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei - das hatte sich unverhofft gefügt - war dieser letzte Abend ein erstaunlicher Erfolg in verschiedener Hinsicht gewesen: Zum Einen hatte Fel es fertiggebracht den ersten Teil ihrer Wäsche fertigzustellen ohne den mitgenommenen Stoff weiter zu beschädigen, zum anderen hatte sich ein wenn auch wackeliges Arbeitsangebot ergeben - fast schon genug, um die Warnungen des Magiers in den Hintergrund treten zu lassen. Dessen Anspielungen ließen erahnen, dass es sich bei dem rotbeschopften Barden um einen eher zwielichtigen Gesellen handeln musste: Vielleicht ein Trickbetrüger oder tatsächlich ein an Land gespülter Pirat. Das Gespräch war auf jeden Fall kurzweilig gewesen, eine willkommene Abwechslung zu viel eintönigeren Pflichten und Notwendigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und am Ende: Der Ork. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die geforderte Botschaft zu übermitteln war eine Kleinigkeit gewesen und die dafür gezahlte Belohnung versetzte Fel einen regelrechten Stich: Das so beiläufig ausgeschüttete Handgeld war genug um die Miete der kleinen Kammer für die kommenden zwei Wochen zu zahlen und der Ork schenkte es mit einem barbarischen Grinsen fort, als wäre es bedeutungslos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war ein Gedanke, der bei Fel blieb, während sie noch Stunden später nach oben auf die kreuz und quer verlaufenden Schnüre durch ihr winziges Zimmerchen starrte, darauf wartend, dass die Nachbarn endlich ihren täglichen Streit beendeten und dem Geschrei nicht weniger laute, aber zumindest absehbare Tätigkeit folgen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Gedanken und dem Bild eines lächelnden Dunkelelfen vor Augen tauchte Fel schließlich in das nächtliche Vergessen ein.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Geist und die Dunkelheit|CONTENT=&lt;br /&gt;
Mitten in der Nacht war der Regen gekommen: Unverhofft und unangekündigt, ein Wolkenbruch wie der Wutausbruch eines Kindes, dessen Zorn sich binnen weniger Minuten wieder erschöpfte. Das Trommeln des Wassers auf dem Dach hätte Fel unter anderen Umständen aus dem Schlummer gerissen, aber heute war der tosende Lärm des auf hohl liegende Schindeln fallenden Wassers eine willkommene Abwechslung in schlafloser Unruhe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem vorausgegangen waren Stunden des Starrens auf die kreuz und quer gespannten Fäden, das Blättern in der wilden Sammlung mitgenommener Papiere. Selbst an der Ergänzung der eigenen Notizen mit den Hinweisen und Korrekturen der zufällig besuchten Unterweisung zu den Worten der Macht hatte Fel sich bereits versucht, aber ein um das andere Mal ertappte sie sich dabei, wie die Hand verharrte und die Gedanken zu dem Zusammentreffen des letzten Abends zurückkehrten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hatte der Abend allzu gewöhnlich begonnen: Eine Konfrontation mit dem trübäugigen Nachbarn aus der Nebenkammer, dessen Schnarchen sich später selbst gegen das Tosen des Regens behaupten sollte. Die Zahlung der Miete für die nächste Woche - der Anblick der mühsam verdienten Münzen, die in der Tasche der spröde lächelnden Vermieterin verschwanden, brach Fel schier das Herz. Und natürlich all die kleinen Aufgaben, die zu ergattern sie in der Lage gewesen war: Heu wenden auf einem der Felder, die Fütterung übernehmen für ein ganzes Rudel kläffender Hunde, Wäsche sortieren für besser betuchte Haushalte. Nichts davon war an sich herausfordernd - Zeit war letztlich die einzig notwendige Ressource, die es einzusetzen gab. Besser bezahlte Aufgaben hatte es einige, aber sowohl die Arbeit in einem der Holzfällertrupps als auch die Unterstützung im Bergwerk erforderten mehr Kraft und Durchhaltevermögen als Fel ihr eigen nannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann die Dunkelelfen, das Gespräch in tiefen Schatten vor bröckelnden feuchten Ziegelmauern: süße Versprechen, zusammengewoben mit scharfen Drohungen. Zuckerbrot und Peitsche, die gebende und die bestrafende Hand, beide jeweils ausgestreckt in der vermeintlichen Verheissung einer Wahlmöglichkeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Gefahr, obgleich sie das Herz Fels zur Eile trieb, hatte etwas eigenartig Vertrautes, rührte an fast verblassten, ungeliebten Erinnerungen früher Tage. Damals schien jeder Tag von Giganten beherrscht, die aus einer Laune heraus Leben oder Tod brachten. Meist war es besser sich zu ducken, in den Schatten zu verweilen, unaufällig bis die prüfende Aufmerksamkeit vorübergezogen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Aber nicht hier. Nicht mit Kreaturen, die in die Schatten verbannt wurden und darin lebten, bis sie selbst ein Teil davon wurden.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch, nun, da die Gedanken ruhelos über die Ereignisse, die gewechselten Worte und die Eindrücke des Abends kreisten, vermochten sie nicht anders als sich auf Details zu fokussieren, Muster und Möglichkeiten gleichermaßen an die Oberfläche zu zerren. Die Umstände waren .. ähnlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich bin nicht mehr, wer ich damals war. Nicht ganz.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der vermeintlich glatten Front hatte es Spannungen gegeben. Noch keine Sprünge, noch keine Risse, aber vielleicht, wenn an der richtigen Stelle ein wenig gebohrt, ein wenig erprobt wurde ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schlaf mochte auch nach dem Ende des Regens nicht kommen, aber Fel träumte nichtsdestotrotz.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Hoffnungsvolle Suchen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Jeden Tag wurden die Nächte ein wenig länger: Was im Sommer nach ein gemütlicher Spaziergang bequem nach Sonnenaufgang gewesen war, hatte sich spätestes mit der Ankunft des Herbstes gewandelt: Dieser Tage schlich Fel in einen dicken Mantel gewickelt noch vor dem ersten Licht aus dem Tor Nebelhafens, fröstelnd in der klammen Kälte und darauf hoffend, dass die Stiefel einen weiteren Übergriff von Tau überstehen würden. &lt;br /&gt;
Es war immerhin die richtige Jahreszeit für die Suche nach gewissen Moosen und Pilzen, die sich im abgeworfenen Laub der Bäume versteckten - aber dieses offene Geheimnis trieb auch genug Konkurrenz an, dass die zurückzulegenden Wege jeden Tag ein Stück weiter wurden. Nur abseits der ausgetretenen Pfade und der bequemen Wildwechsel ließ sich noch ergiebige Beute machen aber das wiederum zog die Stiefel zusätzlich in Mitleidenschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere, dessen war Fel sich nur zu bewusst, drehten sich zu dieser Stunde noch einmal im Bett um. Das war eine Lektion, die sie bereits früh gelernt hatte: Manche besaßen eine Begabung aus der sie - im übertragenen Sinne - Geld machen konnten: Geschickte Hände, blitzschnelle Auffassungsgabe, eine robuste Natur oder natürliche Streitlust. Andere hatten eifrige Lehrmeister, bemühte Tutoren und geduldige Patrone. Einige vereinten gleich Beides miteinander und vermochten auf diese Weise über sich und ihre Anlagen hinauszuwachsen, reiften zu inspirierenden Koryphäen, zu bedeutenden Anführern oder zumindest bewunderten Handwerkern heran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Gedanken lag eine Erkenntnis, die auch jetzt, Jahre nach dem ersten Bewusstwerden noch immer stach: All das war ausserhalb von Fels Reichweite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei, so sinnierte sie, während sie sich unter dichten Brombeergestrüpp duckte und taufeuchtes Moos behutsam von einem toten Baumstamm entfernte der beinahe vollkommen überwuchert worden war, war das weniger eine Frage der Bereitschaft, als schlicht eine Frage des fehlenden Talents: Kein Geschick für Handwerk, eine gewisse Zielstrebigkeit aber ohne die brilliante Auffassungsgabe, die Andere auszeichnete, generell eine gewisse .. Langsamkeit, vermutlich irgendwo auf den Anteil des elfischen Erbes zurückgehend: Für das alte Volk spielten ein paar Jahre oder sogar Jahrzehnte vermutlich keine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Es ist als hätte ich das Schlechteste von beiden Seiten bekommen. Kein Fisch und kein Fleisch, irgendetwas in der Mitte.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem dichten Moos verbarg sich dichtes, weissliches Pilzgeflecht, dem Fel nun sorgsam zuleibe rückte: Die Berührung von Metall, so hatte man es ihr eingeschärft, würde die besonderen Eigenschaften ebenso ruinieren wie der Einfluss direkten Sonnenlichts. Genauso verboten war jedoch auch der direkte Kontakt mit der Haut, in diesem Falle jedoch nicht wegen eines etwaigen Schadens für den Pilz: Der &amp;quot;austreibende Bortenträger&amp;quot; war berüchtigt dafür auch lebendes Gewebe zu befallen und die farbigen Schilderungen hatten Fel beinahe genug abgeschreckt. Beinahe. Aber die Miete zahlte sich eben nicht allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fund blieb an diesem Morgen der Einzige dieser Art, aber der freie Streifzug hätte sich dennoch ausgezahlt, wenn Fel dann nicht ein Loch in der Sohle ihrer Stiefel entdeckt hätte. Das ruinierte die Bilanz des Tages bereits nachhaltig und gemahnte sie einmal mehr daran, dass es im Wettrennen gegen den kommenden Winter nur einen Sieger geben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Also alles auf eine Karte.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Knappe drei Stunden später wurde in der Bank von Solgard ein Schreiben hinterlegt, die letzten Münzen investiert in frische Tinte und ein neues Stück Pergament.&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=|CONTENT=&lt;br /&gt;
An Livius Quintus,&lt;br /&gt;
Oberster Hüter der Bewahrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Euren Antwort auf meine Aushänge mit Aufmerksamkeit studiert. Vielen Dank dafür: Die Ausführungen haben mir bereits erlaubt einiges an meinen Schlüssen bezüglich der Pfade und ihrer Eigenschaften zu korrigieren und zu ergänzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr habt das Interesse ausgedrückt solche Gespräche auch auf andere Themen auszuweiten. Ich würde Euch hier gern beim Wort nehmen und erbitte hiermit Eure Zeit für eine persänliche Unterredung - zunächst einfach um Erwartungen und Möglichkeiten kurz zu diskutieren. Ich bin mir bewusst, dass Eure Zeit wertvoll ist, würde mich bezüglich eines Termins - und Treffpunktes daher ganz nach Euch richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den besten Grüssen&lt;br /&gt;
Fel Maris&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Im Herzen des Sturms|CONTENT=&lt;br /&gt;
Den ganzen Tag über hatte der Sturm bereits am Horizont gegrollt: Ein dumpfes, beleidigt wirkendes Rumpeln wie von unterdrückter Wut, gefangen in einem Band dunkler Wolken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Betrieb am Hafen tat das keinen Abbruch, nur dann und wann äugten Seeleute herüber, um abzuschätzen, wie viel Zeit noch blieb, um Ladung zu löschen oder einzubringen. Der Sturm, so hatten sie gelernt, war letztlich eine Kraft wie die Gezeiten oder die Strömungen - vielleicht etwas unberechenbarer, aber letztlich in gleicher Weise unvermeidbar. Das hinderte sie nicht daran Gesichter in den sich zusammenballenden Wolken zu suchen, einen Willen hinter den Winden, dem trommelnden Regen und den zuckenden Blitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seeleute, so dass Fel stets gefunden, waren ein abergläubisches Volk, immer bereit Geschichten zu spinnen über zürnende Geister des Meeres, über verfluchte Schiffe und rastlose Suchen nach Schatzkisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Früher, in einer Zeit, die ihr nun wie ein anderes Leben erschien, war das mehr von Bedeutung gewesen als dieser Tage, da sie sich hütete, einen Fuß auf irgendein Schiff zu setzen. Nicht wegen Aberglaube natürlich - nur aus einem gesunden Gefühl von Respekt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und doch bin ich hier.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gewöhnlich war der Tag von Pflichten gefüllt gewesen: Die Prüfung von Ladungslisten in einem schäbigen kleinen Kontor ganz am Rande des Hafens, das den Eindruck erweckte aus Treibholz und Trümmern zusammengesetzt worden zu sein und nun nur dank störrischer Hoffnungen des Eigners von einem Tag auf den Anderen überlebte. Die Aufsicht über einen vertätschelten winzigen und überaus schlechterzogenen Hund, der in selbstmörderischer Kühnheit alles ankläffte, was sich ihm näherte und mit bemerkenswerter Aggression nach Stöckchen, Fingern und Steinen schnappte. Der Transport ganzer Körbe mit Wäsche, die nur darauf wartete, anschließend gefaltet und gelegt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazwischen hatte es wenig Zeit gegeben, über die Wendungen und Ereignisse der letzten Tage nachzusinnen, über den Impuls von Veränderung, der sich heute - so war zumindest der Plan - in einem vorläufigen Höhepunkt entladen würde. Dabei waren diese Entwicklungen von überwältigender, den ganzen Alltag bestimmender Bedeutung: Das kleine Zimmerchen, welches sie sich nun mit Veronica teilte, war nicht sehr viel günstiger als die winzige Dachkammer, aber es erlaubte eine gewisse Luft zum atmen, war geräumig genug für einen richtigen Tisch und ein paar Stühle. Bis jetzt hatte sich die kleine Wohngemeinschaft als unkompliziert erwiesen, auch wenn die raue Nachbarschaft künftige Probleme erahnen ließ. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Gespräch mit Livius Quintus war schließlich der letzte Anstoß gewesen, hatte den entscheidenden Impuls für den Entschluss geliefert, der dazu führte, dass Fel nun, während die Sturmfront nahte, auf einem winzigen Ruderboot im Hafenbecken Nebelhafens ausharrte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich, dessen war sie sich nur zu bewusst, hätte dies eine Konfrontation auf hoher See sein müssen, heroisch auf Deck eines größeren Schiffes, das sich wagemutig - und trotzig - in den Einflussbereich des Sturms wagte. Das kleine Ruderboot im Hafenbecken war die realistische und halbwegs kostengünstige Variation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Irgendwann sollte ich lernen zu schwimmen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Ausläufer der Sturmfront wühlten das Wasser auf, sprühten Gischt und trugen Regen mit sich, der Fel binnen weniger Momente bis auf die Knochen durchnässte. Es war kalt, kälter als sie erwartet hatte, aber nun war es zu spät für einen Rückzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich war es nicht der Sturm gewesen, der die “Siebentrutz” ihre Existenz gekostet hatte, sondern etwas darin, eine Kraft, die die Magie Jerwalsons verbog und deformierte, sie ausschlagen ließ, bis ihre Berührung Metall zu Wasser und Holz zu Nebel wandelte. Auch jetzt, Monate später, war Fel unbegreiflich, welche Prinzipien dahinter standen, welche Mechanik eine solche Verschiebung verantworten konnte. Aber diese Fragen konnten warten: Damals hatte sie überlebt, willkürlich und zufällig, eine Laune des Schicksals, die in erbarmungsloser Gelassenheit eines von einhundert Leben verschont hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute war sie zurückgekommen, um einen Pakt zu schließen und schrie die Herausforderung, das Angebot gegen das Heulen des Sturms und das Donnern der Blitzschläge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ich wähle diesen Pfad! Den Weg zwischen den Wegen! Zu verstehen und aufzudecken, zu erforschen und zu begreifen. Nie zufrieden zu sein und nie innezuhalten. Nicht allein für mich, sondern für jene, die nach mir kommen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu kalt. Andere Worte, sorgsam vorbereitet und auswendig gelernt, erstarben auf zitternden Lippen und schnatternden Zähnen - im Herzen des Sturms, sich an die Wände des schwankenden Ruderbootes klammernd und überschüttet von eisigem Regen verstand Fel, dass sie ihren vorbereiteten Vertrag nicht loswerden würde: Der Sturm war zu überwältigend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Furcht dämmerte Einsicht und ein Moment von Inspiration. Vier weitere kurze Sätze wurden gegen das Grollen geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Weisheit über Willkür!&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Fortschritt über Tradition!&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wahrheit über Täuschung!&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Gemeinsinn über Eigennutz!&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas funkelte in der Dunkelheit des Sturms, blaues Elmsfeuer das knisternd erwachte, auf den hochgezogenen Bordwänden des kleinen Ruderbootes tanzend. &lt;br /&gt;
Und für einen Moment, während sie auf die unruhigen, sich dem Sturm widersetzenden Funken starrte, sich weiter mit aller Kraft am Holz festklammernd, glaubte sie von irgendwo aus dem Sturm die Stimme ihres früheren Mentors zu vernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;b&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Diese Worte .. werden angenommen.&amp;quot;&amp;lt;/b&amp;gt;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Am Anfang aller Fragen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Fels Vorahnungen hatten sich bestätigt: Mit dem Voranschreiten des Herbstes waren die Preise gestiegen und die Greifen zeigten keine Ambition dieser Entwicklung in irgendeiner Weise Einhalt zu gebieten. In Teilen war das nicht verwunderlich: Sie waren – letztlich – eine an Gewinn interessierte Organisation und mit den nach oben wandernden Kosten waren eben auch entsprechende Abgaben, Steuern und Gebühren verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verschlechterte Wetter ließ im gleichen Zug die Nachfrage nach Arbeit sinken und mit steigendem Mangel und wachsendem Druck ging die Bezahlung der Tagelöhner nur zurück. Das, so notierte die Halbelfe ganz nüchtern im Licht einer unruhig flackernden Talgkerze, wäre schon vor mehr als zwei Wochen genug gewesen, um eine harte Entscheidung einzufordern: Entweder wohnen mit einem Dach über dem Kopf – oder Essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Oder Solgard.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass sich die Frage nicht akut gestellt hatte, war nicht etwa Fel selbst zu verdanken, sondern einer puren Laune von Glück, die – natürlich – ganz unvermeidlich mit dem Unglück eines Anderen einherzugehen hatte. Nur der Tod von Meister Konstantin Pherendanz hatte dafür gesorgt, dass aus der flüchtigen Bekanntschaft mit Veronica eine behutsame Freundschaft zu sprießen begann, dass die erstaunlichen Gemeinsamkeiten und die sehr viel weniger verwunderlichen Unterschiede auf eine Art und Weise zusammenpassten, die dafür sorgte, dass es nun ein gemeinsam bewohntes Zimmer in der kleinen Arbeitersiedlung gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kosten dafür waren nicht zu vernachlässigen, aber immerhin stabil und drohten nicht länger jede Woche neue, dieses Mal unerreichbare Höhen zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung ging aber darüber hinaus: Auch wenn die Tage weiterhin von harter, ungeliebter Arbeit gefüllt waren, blieb damit dann doch noch Raum dafür einmal durchzuatmen, um die eigenen Aufzeichnungen zu sichten, die viel zu lange keine Ergänzungen und Korrekturen erfahren hatte, um neue Texte in die Notizen aufzunehmen. Jeder Morgen brachte neue Fragen und die Möglichkeit von Antworten, oft ausgedrückt durch Fragezeichen hinter umkringelten Worten auf geduldigem Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem, so musste Fel anerkennen, hatte sich ihre Lage beträchtlich verbessert: Die Wohnstatt gesichert, der regelmäßige Kontakt mit dem Herren Quintus zur Diskussion allfälliger Fragen, eine kleine Gruppe von .. Bekannten, die von anderer Seite bereits als „Freunde“ bezeichnet worden waren. Die letztliche Wahl eines Pfades.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All die Möglichkeiten, die aus diesem vereinten Bodensatz wuchsen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
All die Gefahren aus den weniger offensichtlichen Nebenbedingungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Untersuchung des Drachenherzens und des Drachenblutes hatte sich als interessant, aber wenig ergiebig erwiesen: Ein fähiger Alchemist hätte etwas aus beiden Materialien schaffen können, aber Fels Kenntnisse dieser Kunst waren so gering, dass sie kaum über das Verkochen von Wasser über einem Brenner hinausgingen. Die Literatur hatte sich hier als interessanter erwiesen und letztlich zu völlig anderen Fragen geführt, wie alle angeführt von einem &amp;quot;Warum?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum funktionierte all das? Warum gab es so viele unbedeutend erscheinende Abweichungen in Details, die aber – wenn man sie dann ganz genau betrachtete – geradezu auf systematische Unverträglichkeiten hindeuteten? Wer hatte all das bereits einmal erforscht und bewertet?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Je mehr Fel über solchen Details brütete, desto mehr verdichtete sich alles auf eine Frage hin:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Warum funktioniert das überhaupt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Wenn der Wald erwacht|CONTENT=&lt;br /&gt;
Zumindest in der Theorie vermochte Fel den Umfang des Feenwaldes zu erfassen: Im Süden begrenzt durch die schroffen Kanten der Trollschluchten, im Osten bis an das Ufer der Nebelbucht ragend, im Westen begrenzt durch das in Sumpf übergehende Jagdrevier der Orks. Auf einem Pergament machten die Linien und schraffierten Farben durchaus Sinn: Wege. Wald. Lichtungen. Eine alte Ruine, hübsch illustriert mit dem Symbol eines geborstenen Helms.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karten versprachen Ordnung. Karten verkündeten den Sieg des Forschers über das Ungebändigte, über das Ungemessene und Unbekannte durch das Anlegen von Maßstäben und die Vergabe von Namen. Die Zähmung der Wildnis war in dem Moment vollkommen, in dem der letzte verwinkelte Strom bis zu seiner Quelle zurückverfolgt und dann in einem glorreichen Moment, für die Geschichtsbücher verewigten Moment, &amp;quot;Bierbach&amp;quot; getauft wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts davon war geeignet gewesen, um Fel auf das Naherlebnis des Feenwaldes vorzubereiten. Alles hier war Chaos, übergangslos ineinander übergehendes Grün, das ohne Plan und Ziel wucherte. Wege öffneten sich nur um später als Wildwechsel im Schatten des allgegenwärtigen Grüns zu versickern, dichtes Gesträuch reckte sich auf Lichtungen, trieb Blüten aus, die dem Lauf der Sonne folgten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und es war laut: Eine nie ferne Kakophonie ungezählter Stimmen, gewoben aus Triumphen und Niederlagen, so vielgestaltig und gleichzeitig beständig wie das Grün selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wenigstens ein Teil von mir sollte etwas drin finden. Muster. Vertrautheit. Gewissheit.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit spürte Fel nichts davon, während sie durch das Zwielicht des Waldes stolperte, über gefallene und moosbewachsene Baumriesen kletterte, vergeblich den Ursprung eines kleinen Bachs suchte, nur um dann, nach gefühlten Stunden des verwirrten Herumirrens mit dem ersten Schritt zurück wieder dort zu stehen, wo sie ihre Reise begonnen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wie kann das sein? Das widerspricht jeder Logik. Ich sollte einen Vorteil hier haben und stattdessen bin ich noch unbeholfener als Fenrik.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam mit einem allzu vertrauten Gefühl von Scham, ergänzt durch einen Funken von Zorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor einem Jahr hätte Fel hier aufgegeben, sich die Niederlage eingestanden und dann reumütig nach Hilfe gesucht. Diese Fel hätte akzeptiert und sich bescheidet, geschluckt und gelächelt, wo Tränen angebrachter gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Heute nicht. Du wirst mir das nicht madig machen. Das ist ein besonderer Tag, einer, den ich in Erinnerung behalten werde. Der Tag an dem ich nicht aufgebe, mich nicht entmutigen, mich nicht verscheuchen lasse. Ich werde die Knospe finden!&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Feenwald war es ein Samstag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er blieb indifferent, unbeirrt, unbeeindruckt, unverändert im stetigen Wandel, selbst über den Moment hinaus, als die zornige Halbelfe schließlich doch aufgab, zu erschöpft um weiter zu versuchen diese spezielle Lichtung zu finden und sich, genau wie zuvor, nur ein Halbdutzend Schritte vom Reisepunkt entfernt wiederfand.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Ausweisung|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Eure Anwesenheit ist hier generell nicht erwünscht. Geht zu den Edain, doch meidet unsere Länder. Ihr gehört nicht hierher.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trüber Nieselregen versprühte eben genug Feuchtigkeit um die Dächer im Nebelhafen feucht glänzen zu lassen. Aufgeweichte Wege erinnerten unglückliche Passanten bei jedem Schritt daran, dass dies keine Metropole war, keine Stadt, die solchen Wetter die spröde Schulter sorgsam gepflasterter Straßen und Gassen zeigte, sondern ein auf älteren Fundamenten erbauter und ein wenig ausgeuferter Handelsposten. Zumindest theoretisch war eine solche Ansiedlung auf Effizienz und die Bedürfnisse des Handels hin ausgerichtet, was gemeinhin bedeutete, dass das ganze Leben und Handeln der Stadt um Hafen, Marktplatz und Hauptwege herum rotierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch lag der Hafen, der der ganzen Siedlung ihren Namen verliehen hatte, zu dieser Stunde nahezu vollkommen still, kaum ein Licht schien aus den verschiedenen Hütten, Zelten und Wägen unweit, die immer ein wenig den Eindruck erweckten, als hätte die letzte Flut sie hier einfach ungeordnet an Land gespült. Alles atmete den Charme eines Provisoriums kurz vor dem Zusammenbruch aus, zur Permanenz verpflichtet in der Erwartung einer Ablösung, einer Verbesserung, die nie kommen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Selbst sie haben darin eine Bestimmung.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst jetzt, Stunden später, lange nach der stillen, beschämten Flucht aus den Tiefen des Feenwaldes, stachen die Worte des Lichtelfen. Wie eine weißglühende Klinge hatten sie sich tief in das Herz gebohrt, altes, vernarbtes Gewebe aufgerissen, das nun ohne Unterlass zu bluten schien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Als hätte ich nur darauf gewartet. Verdammter B....&#039; &amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst in Gedanken vermochte Fel die Beleidigung nicht zu vollenden, scheute zurück vor der Grobheit, vor dem drohenden Ausbruch und starrte stattdessen auf die vom Nieselregel eigenwillig geglättete Oberfläche des Meeres. Und selbst jetzt wunderte sich ein Teil von ihr darüber, welchen Namen dieses Wasser wohl auf den offiziellen Karten tragen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Neugier hatte sie auf allen Irrwegen durch den Feenwald begleitet, war bei ihr gewesen bei jedem Schritt auf der Suche nach Shiras Knospe und der Lichtung darum. Als sich Fehlschlag an Fehlschlag reihte, war es aber nicht die Neugier gewesen, die ihr verboten hatte nach Hilfe zu suchen, die gefordert hatte nicht aufzugeben. Purer Trotz hatte den Verstand abgeriegelt, die Emotionen aufgebauscht. Noch ein Versuch. Nur noch einer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich vergeblich: Es hatte die Ankunft Eliras und Cillians gebraucht, dazu die Begleitung einer bislang gänzlich unvertrauten Hochelfe namens Nyriel, damit Fel den Platz schliesslich wiederfand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Eure Anwesenheit ist hier generell nicht erwünscht. Geht zu den Edain, doch meidet unsere Länder. Ihr gehört nicht hierher.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte, das hatte sie bereits früh gelernt, waren aus sich selbst heraus bedeutungslos, nur mit der Macht beseelt, die ihnen eingeräumt wurde: Sowohl von dem, der ein Ultimatum aussprach oder Gefolge einforderte, als auch von dem, der sein Haupt beugte oder nach einer Zurückweisung erzitterte. Die Zeit auf den Straßen Breitenbachs war ein kalter Lehrmeister gewesen, ungnädig und erbarmungslos, hatte Fel ein um das andere Mal gezeigt, wie Worte und Taten einen Einklang erforderten und wie sich mit dem Einen das Andere vortäuschen ließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dennoch: Der Schmerz war nicht zu leugnen, ließ sich nicht davonlächeln oder überspielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Weil es wahr ist. Selbst der Wald wusste es: Ich gehöre nicht dorthin. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich gehöre auch nicht hierher.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Es gibt keinen Platz für mich.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und während der Regen über Nebelhafen allmählich stärker wurden, richteten die Gedanken der Halbelfe sich in die Vergangenheit, streiften erneut den Tag an dem die kleine Hütte leer gewesen war. Den Tag an dem die blinde Seherin dem Galgen überantwortet wurde. Den Tag eines Handels mit einem Mann, dessen Selbstverachtung seine Brillianz noch überstieg. Den Tag eines stillen Verrats an allzu lang gepflegter Hoffnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas .. regte sich in Fel, ein unwillkürlicher Reflex, der die Gedanken aus der selbstgewählten Trübheit riss und zu einem anderen Tag zurückführte, einer, der voller Verheissung und Versprechen gewesen war, zurück in ein Zelt, in dem eine alte Frau Karten mischte und sie verdeckt vor Fel auslegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Vergangenheit und Gegenwart sind benannt. Das hier ist der wahrscheinlichste Pfad deiner Zukunft. Eine Karte beschreibt das Schicksal. Eine zweite beschreibt, was dir dabei hilft. Die dritte schliesslich ist das größte Hindernis auf deinem Weg. Deck auf.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Woher weiss ich, welche der drei für was steht?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Das ist fast die beste Frage die ich in diesem Zelt in diesem Jahr gehört habe. Nun decke auf, Kind. Ich werde es für dich erläutern.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Mal gehorchte Fel und deckte die drei Karten nacheinander auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Interessant. Ich habe selten eine so klare Kombination gesehen: Deine Zukunft ist der Stern: Du wirst dein Glück, deine Bestimmung finden. Der Stern ist ein machtvolles Zeichen der Hoffnung und Erfüllung. Interessanterweise steht er auch für das Elfenvolk. Das ist überaus gut und könnte bedeuten, dass du letztlich auch hier dein Schicksal findest.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dir zur Seite steht dafür der Magier, dessen Anleitung und Weisung dich auf den richtigen Weg bringt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hüten musst du dich vor dem Gehängten, der hier fast schon wortwörtlich genommen werden muss: Das ist das argwöhnische Auge des Gesetzes, das alles verderben kann, was dir der Stern verheißt.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erinnerung trieb zurück in das Zwielicht ungeformter Gedanken und möglicher Ideen, umrankt von anderen, daran geknüpfter Gedanken, hinterlassen in Aufzeichnungen, die dem Zorn des Meeres zum Opfer gefallen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich habe es nie geglaubt. Schon damals spürte ich die Diskrepanz, die Ungewissheit. Denk nach. Es gibt nicht so viele mögliche Kombinationen. Welche davon ist die Richtige? Welche ist die Richtige?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es regnete weiter und der trübe, wolkenverhangene Nachthimmel Nebelhafens sah gleichmütig hinab auf die erschöpfte, schon lange durchweichte Halbelfe am äußersten Rand des ins Meer führenden Stegs, die verbissen versuchte ein Rätsel zu lösen, das sich dem Begreifen immer entziehen würde. Und hätte dieser Nachthimmel ein Numen besessen, dann hätte dieses sich vielleicht dazu bewegt gefühlt (mit der Stimme eines gewissen L.Q.) einen spöttischen Kommentar abzugeben über Menschen - und Menschenähnliche - die sich selbst zu ernst nahmen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Im Dunkel|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Bringt mir nur den Kopf von Golga von Assuan. Oder, noch besser, ihn lebend. Dann lasse ich Euch sogar nach Caladlorn ein.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scham folgte dem Zorn bereits in dem Moment als Fel die Füße über die Schwelle des Gasthauses setzte, hinausfloh in den winterkalten Abend Nebelhafens und den trüben Nebel, der träge über mit Raureif überzogenen Wegen hing. Die Wolken, die noch am späten Nachmittag Regen angedroht hatten, waren abgezogen, hatten den Himmel aufklaren lassen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu einem anderen Zeitpunkt hätte die Halbelfe den vielfachen Glanz der Sterne sicherlich mit einer gewissen Neugier honoriert, aber jetzt führten rasche Schritte sie weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur kleinen, mit Veronica geteilten Wohnung? Unmöglich.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu den Docks und den dort dem Wetter trotzenden Zelten, wo alle dieser Tage andere, eigene Sorgen hatten? In gleicher Weise mehr als unangemessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also führte die Flucht sie in die Tiefe, hinab durch den Keller der Falkenrast in die klamme Feuchtigkeit der Unterwelt Nebelhafens - Eingeweide, die schon lange vor dem Handelsposten hier gewesen waren und vermutlich auch nach ihm noch da sein würden. Manche der tropfenden Gänge waren hoch und so breit wie schiffbare Kanäle, andere duckten sich sehr viel enger zusammen, boten Moosen und Algen allerlei Lebensraum. Kaum ein Platz, an dem sich nicht die Schritte von Ratten vernehmen ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das war Fel auf schwer zu greifende Art und Weise .. vertraut. Nicht, weil sie bereits viel Zeit hier unten zugebracht hätte, sondern in der Art, wie sich ähnliche Erfahrungen auf neue, unbekannte Umstände übertragen ließen. Auch im Berg hatte es Feuchtigkeit gegeben, stetig von der Decke tropfend, Ratten und anderes Getier durchwanderten die steinernen Gedärme der längst aufgegebenen Bergwerksbereiche hinab in jene Tiefen, in denen auch dieser Tage noch gearbeitet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Berg hatten die Verurteilten die Steine gebrochen und nach oben gekarrt, ohne bis zum Ablauf ihrer Strafe je wieder das Tageslicht zu sehen. Hier, in den Tiefen unter Nebelhafen, wurde weder nach Quarzen noch nach Metallen geschürft, aber trotzdem gab es hier Menschen: Glücklose und Verzweifelte, Gierige und Unangepasste. Manche, die ein Sturm hier hinab gespült hatte und Andere, die hier freiwillig lauerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und trotz des Gefühls der brennenden Demütigung, erbaut aus dem Zusammenwirken gleich dreier so grundverschieden wirkender Männer, erinnerte sich an Teil von Fel an eine nicht unähnliche Flucht vor mehr als einem Vierteljahrhundert, an die Panik in den enger und enger werdenden Stollen und schliesslich Rissen im Felsen, durch die sich selbst ein für die Jahre ungewöhnlich kleines Kind letztlich nicht mehr zu quetschen vermochte. Wie damals trug sie auch heute weder Fackel noch Laterne bei sich, aber dieser Tage war die Magie ein vertrauter Begleiter, der die Dunkelheit zurückhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wie habe ich damals etwas gesehen? Magie? Aber das war vor meinem Erwachen, war es?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gang, dem Fel gefolgt war, geduckt auf den letzten zwanzig Schritten, öffnete sich in eine Kreuzung mit drei abgehenden Kanälen, alle nicht breiter als die Schultern eines Mannes und nur halb so hoch. Ein Funke von Licht aus dem Rechten versprach irgendeine Form von menschlicher Präsenz, also duckte Fel sich nach links, folgte dem Lauf gurgelnden Wassers in diese Tiefe und wartete darauf, dass der zähe Klumpen ohnmächtiger Demütigung sich allmählich in klamme Resignation verwandelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kalte Abweisung des Lichtelfen war nach dem letzten Zusammentreffen nicht unerwartet gekommen, aber heute hatte sich eine besondere, fast schon persönliche Qualität dazugesellt. Jede einzelne seiner spitzen Bemerkungen war wie der Stoß eines Rapiers - immer auf die Schwachstellen zielend, nicht darauf aus zu töten, sondern zu verwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Zu demütigen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das allein - so redete sich sich zumindest ein, während sie einen halb aufrechtführenden Gang emporkletterte, hinweg über von Algen bewachsene Stufen und vorbei an in die Wände eingelassenen Bronzerohren, die ins Nirgendwo zu führen schienen - wäre kaum ausreichend gewesen um ihre Beherrschung zu brechen, aber dass die Herren Feldspan und Tyladriel sich schliesslich gefallen hatten noch selbst in bereits gerissene Wunden zu stechen: Das hatte das Faß zum überlaufen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dem Moment war Flucht die einzige Lösung vor dem aufkochenden Zorn und der unmittelbar folgenden Schuld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich hätte darüber stehen sollen. Ein paar seichte Scherze, eine Flasche Wein. Ist das nicht, was ich gelernt habe? Die Lügen sind leicht. Nur die Wahrheit schmerzt.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu spät wurde Fel bewusst, dass sie, sich den Kopf zerbrechend, unwillkürlich doch einem der vagen Lichter gefolgt sein musste bis hier zu dieser Kammer, in die sie aus der Wandöffnung heraus stolperte in ein behelfsmässiges Lager voller Kisten und Säcke. Hehlerware, zur Seite geschafft unter Umgehung der Greifen, vorbei an der ohnehin schon laxen Hafenaufsicht. Drei Augenpaare starrten herüber auf die durchnässte Gestalt, im ersten Moment verplex, dann alarmiert. Eben noch zwischen den Fingern gehaltene Karten fielen auf ausgelegte Bretter hinab, während nach einem Messer gegriffen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Fel spürte, noch während sie einen halben Schritt zurückwich, wie aller Schmerz und alle Scham sich lösten. Das hier war, in vielerlei Hinsicht, so vertraut wie die Rückseite der eigenen Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Kalle sagt in der Drecksbude findet man nichts.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Was?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Moment der Irritation war genug, um ihr den eiligen Rückzug zu ermöglich, zurück in das enge Rohr, zunächst nur gefolgt von einem Fluch, bevor die drei sich an die Verfolgung machten. Schon nach einem Halbdutzend Schritten war Fel sich gewiss, dass keiner der Häscher sie hier einholen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Vielleicht ist das ja der richtige Ort für mich. Im Dunkel, wo die Sonne mich nicht sehen muss.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Kampf um Nebelhafen, Tag 1|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Lärm des Schlachtfeldes war genau so, wie Fel sich das Aufeinandertreffen wütender Götter vorstellte: Eine kolossale Kakophonie an Schreien und Befehlen, das ununterbrochene Klirren von Stahl auf Stahl, die dumpferen Laute stampfender Schritte, von keuchendem Atem und dazwischen das Flirren von Magie in allen Farben und Formen. Wie orientierte sich irgendjemand hier überhaupt? Die Angreifer trugen eine einheitliche Uniform: Schwarz und Orange, das machte es zumindest einfacher sie zu identifizieren, während die Verteidiger einen bunten Haufen darstellten, so gegensätzlich wie nur möglich in Erscheinungsbild, Auftreten und Strategie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dennoch, so zumindest Fels Eindruck, während sie sich hinter einen Heuballen duckte, schien jeder hier irgendwie eine Ahnung zu haben, von dem was zu tun war. Es war Chaos, aber mit einem Muster darin, das an ihren Sinnen kitzelte: Sichtbar, ja. Aber nicht so deutlich, dass sie in der Lage gewesen wäre sich daran anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein fehlgeleiteter Pfeil durchschlug den Heuballen ohne Mühe, bohrte sich nur eine Schulterbreite hinter Fel in die Wand des schon lange geräumten Stalls und beendete damit die unschlüssige Tatenlosigkeit. Es gab keinen sicheren Ort hier, nicht einmal am Rande des Getümmels. Die kleine Gruppe in deren Kielwasser sie hierher gekommen war, war schon längst zersprengt, aus den Augen verloren faktisch im ersten Moment des ausbrechenden Kampfes. Vielleicht verletzt irgendwo. Vielleicht tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde es bei den Zelten sicherer sein? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Lärm steigerte sich zu einem Crescendo, der Fel die Ohren klingeln ließ, aber die Bewegung auf dem Schlachtfeld verhieß eine Strömung in Richtung Norden und sie nahm die Gelegenheit war um geduckt in Richtung Osten zu eilen, über die kleine Brücke in Richtung des Hafens. Das plötzliche flaue Gefühl im Magen, der Moment des Zögerns und der Blick über die Schulter zurück, retteten ihr Leben: Ein Pfeil, der zielsicher die Luft dort durchschnitt, wo sie nur einen Moment später gewesen wäre, riss nur den Stoff des Hemdes an der Schulter entzwei, das Zischen der schwarzen Federn lautlos im brodelnden Lärm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gnadenlose Augen nahmen Maß, ein weiterer Pfeil wurde auf die Sehne gelegt in einer einzigen, flüssigen Bewegung und Fel riss die Hände hoch, die Geste ausführend, die in den letzten Wochen, noch während der Ereignisse um Hornblume, eingeübt worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;An Ex Por!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zauber griff bevor der Bogen vollkommen gespannt war, lähmte alle Bewegungen des hünenhaften Bogenschützen und als Fel zurückwich, spürte sie neben der Erleichterung eine andere, schwerer zu greifende Zufriedenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich bin keine Mörderin.&amp;quot; - das hatte sie Ba&#039;thal entgegengeschleudert und die Wahrheit darin glühte wie ein warmer Punkt in der Mitte ihrer Seele. Auch jetzt, hier, nutzlos auf einem Schlachtfeld, würde sie davon nicht ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gestalt in dunkelgrauem Leder nahm die Gelegenheit war, schlang einen Arm um den Kopf des noch immer gelähmten Schützen und zog eine gebogene Klinge so fest am Halsschutz vorbei über die Kehle, dass Fel hätte schwören können die Knochen zu sehen. Nur einen Lidschlag später war es schon vorbei: Noch während die Fontäne aus Blut in Richtung der Brücke sprühte, war der Ledergerüstete schon weiter, wob mit einer Agilität und einem Geschick durch das Kampfgeschehen, als wäre das hier ein natürliches Zuhause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon bekam Fel nichts mehr mit: Ihr sich umdrehender Magen forderte für das nächste Dutzend Herzschläge all ihre Aufmerksamkeit ein, der gute Kanincheneintopf letztlich doch verschwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein winziger, eigenwillig abgekoppelter Teil von ihr war amüsiert: Jetzt sahen die Fleischbröckchen in der Tat viel mehr nach Ratte aus.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Bei Nacht sind alle Katzen grau|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die ersten Rot des neuen Tages zeichnete sich bereits als dünne Linie am Horizont ab, als Fel endlich den Kopf aus ihren Aufzeichnungen hob und damit begann die im Laufe der Nacht verstreuten Blätter wieder einzusammeln und zu ordnen. Wie so oft hatte die Inspiration sich rar gemacht, Raum gelassen für die wesentlich behäbigeren Geschwister namens  Verbissenheit und Starrsinn. Eine ganze Zeit lang war das genug gewesen, hatte die Gedanken abgelenkt und ihnen vertraute Bahnen geboten - wenn schon keine neuen Einsichten, dann doch zumindest der Trost von Ordnung im Chaos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Die Illusion von Ordnung im Chaos. Wobei selbst das seine Muster hat.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Bemühen, so sinnierte Fel, während sie mit müden Augen die eigenen Ausführungen zum Wort der Macht AN überflog, ergänzt um einen ebenfalls aus eigener Hand stammenden, kaum einen Mond alten Kommentar, zog sich wie ein roter Faden durch alles, was sie berührte: Die Notwendigkeit zu begreifen, zu definieren, zu beschreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Nur, was einen Namen hat, ist wirklich. Die Aufmerksamkeit zieht es aus der Ungewissheit des Möglichen in die kalte Realität und dorthin verblasst es letztlich auch wieder. Nichts ist beständig.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gedanken hüteten sich die Ereignisse des letzten Abends zu streifen, überwanden stattdessen eine Kluft von vier Jahren und zerrten die Erinnerung an das erste Zusammentreffen mit Arngrimm Jerwalson zurück an die Oberfläche. Dieses Zusammentreffen war geprägt gewesen von ohnmächtiger Machtlosigkeit, erschüttert durch die Hinrichtung von Fels vorheriger Lehrmeisterin im Innenhof der Kaserne, ausgeführt von Soldaten, die die gleiche Uniform trugen, wie sie nun auch. Selbst im Blick zurück fand Fel es unmöglich das Gefühl von Verbitterung und Zorn abzuschütteln, das alle Eindrücke färbte wie getöntes Glas. Die Monate danach waren nicht viel besser gewesen, auch wenn .. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du scheiterst, weil du dich selbst von Zweifeln zerfrisst.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Satz war kein Teil der Vergangenheit, sondern ein Relikt des letzten Abends, emporgestreckt nun wie ein mahnender Zeigefinger. Anderes umgab ihn wie einen Mantel: Die Vergleiche. Die Komplimente. Der Trost. Die bestimmten Berührungen an ihrem Rücken, den Schultern, Armen, nahe der Kehle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du hast eine Familie. Eine, die dich liebt, so wie du bist.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und irgendwie, all den Lehren der Vergangenheit zum Trotz, glaubte sie daran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Stunden später, schmeckte die Erinnerung bereits nach Asche. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Umarmung war dem Impuls einer überwältigenden Hoffnung und Zuversicht gefolgt, eine törichte Ignorenz gegen alle inneren Warnungen und für einen zeitlosen langen Moment schien es genug. Unvermeidlich, dass es das nicht war, nicht sein konnte: Die Ernüchterung war allzu rasch gefolgt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Das .. wirst du .. nicht wiederholen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ein einfacher Satz, der noch eine halbe Stunde zuvor harmlos an Fel abgeglitten wären, vielleicht mit mehr Verwunderung als Irritation zur Kenntnis genommen. Natürlich. Was auch sonst? Aber jetzt stach es geradewegs durch den vorher weich geklopften Panzer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lächeln. Nicken. Funktionieren. Fel hatte Ärgeres überstanden, aber dennoch blieb der Schmerz in den folgenden Stunden ein treuer Begleiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zumindest einen Lichtblick gab es dabei: Er würde die Sache diskret behandeln. Kein Mensch würde je davon erfahren.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Hello darkness my old friend|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Hände brauchten nicht viel Aufmerksamkeit für ihre Arbeit, das erlaubte den Gedanken ganz frei zu fliessen, ganz anders als es noch beim Verfassen des letzten Protokolls der Fall gewesen war. Nun war die Stunde bereits so weit fortgeschritten, dass die Dunkelheit vor dem Zelt nahezu undurchdringlich erschien, nur gestört durch die falschen Sterne des Lichtscheins von der anderen Seite. Von Primus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie die andere Seite wohl war? Welche Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten hatten sich dort miteinander verbunden, um die Geschicke der Welt in eine andere Richtung zu beugen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Name, so entschied die Halbelfe, während Pergamente glattgestrichen, dann sorgsam zwischen Klemmbretter geordnet wurden, war gut gewählt: Mit Primus musste alles begonnen haben, der erste Trieb, der schliesslich zurückgewuchert war, um eine andere Wirklichkeit zu zeugen, durch Interferenz eine Variante zu erzeugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Ab welchem Punkt haben wir tatsächlich begonnen zu existieren? Ich hätte mich wirklich einmal an die Skala machen sollten. Alles wäre einfacher mit meßbaren, quantifizierbaren Aussagen zur Abweichung und Ähnlichkeit.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke hätte zu einem anderen Zeitpunkt den Eifer Fels angestachelt, aber nicht heute. Nicht hier in einem menschenverlassenen Zelt unter dem erdrückenden Joch der Nacht. Nicht mit einem Gefühl von Bitterkeit auf den Lippen, das sein lächelndes Haupt hob wie zu einem Gruß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Willkommen zurück. Hast du mich vermisst?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere Begleiter kamen und gingen, aber das Gefühl war stetig. Nie für wirklich lange fort, immer im Hintergrund der Aufmerksamkeit lauernd. Unmöglich davor davon zu laufen, unmöglich sich davor zu verstecken. Und gerade nun streckte es sich zu allzu vertrauter Pracht, flüsterte von vergangenen Entscheidungen, von Fehlschlägen und Enttäuschungen. Aber auch vom Überleben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banden. Die Straßen Breitenbachs. Haus Telketh und die dort wartenden Konflikte. Die blinde Seherin. Die Armee und der Handel mit Jerwalson. Der Schiffsbruch schliesslich, der Neuanfang und die damit einhergehenden Anstöße hier und dort. Final die Kollision des letzten, gerade zurückliegenden Abends.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Muster war zu vertraut und die Antwort in gleicher Weise, hatte Fel all die Jahre nicht weniger getreu begleitet als die nun würgende Enge im Hals, während Gurte festgezurrt wurden. Es war mehr Gepäck als jemals zuvor, aber nicht soviel, als dass es sich nicht würde bewältigen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der dunkle Nachthimmel öffnete sich über der Halbelfe, Ungewissheit verheissend. Aber letztlich würde sich ein Weg finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Zelt im Hafen Nebelhafens blieb zurück - fast unverändert für das eilige Auge. Nur die persönlichen Gegenstände und die Bettstatt Fels fehlten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Kein Weg zurück|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und so schließt sich der Kreis.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man genau hinsah, wenn man in der Unruhe des fordernden Alltags genug Zeit fand, um tatsächlich einfach einmal hinzusehen, waren die Zeichen überdeutlich. Und jetzt, im letzten Licht der untergehenden Sonne, mit baumelnden Füßen, die fast die Kämme der hier in den Docks auslaufenden Wellen berührten, war Zeit kein echtes Hindernis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war friedlich. Nicht .. still. Es gab immer etwas zu tun, auch jetzt wurde unweit an Reparaturen gearbeitet, noch ein Stück weiter war ein schwitzender Matrose dabei das Deck eines sonst verlassen daliegenden Kutters von etwas zu befreien, das einen gigantischen Berg von Dung erinnerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich hätte es sehen können.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lag kein Bedauern in diesem Gedanken, nur eine gewisse Nüchternheit, während Fel die Augen zusammenkniff um die ferne Horizontlinie zu beobachten. Zwei Wochen der Suche, zwei Wochen zunehmenden Unglaubens, der sich mehr und mehr mit Frustration mischte. &lt;br /&gt;
Die Flucht nach vorn war eine, vielleicht die einzige Konstante im Leben der Halbelfe gewesen, eine Möglichkeit sich auftürmenden Hindernissen auszuweichen und hatte sie in neue Städte, in fremde Gesellschaft, schliesslich sogar über das Meer getragen. Aber nun, so schien es, gab es keinen weiteren Weg mehr: Die eingeholten Antworten auf Anfragen hier in Nebelhafen, in Solgard, sogar in Surom waren letztlich - teilweise über Umwege - alle auf das Gleiche hinausgelaufen. Es gab, zumindest im Augenblick, keinen für Fel verfügbaren Weg von der Insel herunter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Eingeständnis dessen lag neben der zu erwartenden Enttäuschung auch eine gewisse Befreiung. Wenn alle Wege versperrt waren, dann mussten einfach neue Wege gefunden werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und eines zumindest - das verhieß der sich schließende Riss am Himmel - schien klar: Diese Welt würde doch weiterleben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Natürlich. Es wäre zu enttäuschend, wenn nicht. Aber was fange ich damit an?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Fel_Maris&amp;diff=475</id>
		<title>Fel Maris</title>
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		<updated>2025-11-30T07:30:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Gedanken und Meinungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Fel.jpeg|left|frame]] Die Körpergrösse von ungefähr &#039;&#039;&#039;165 Halbfingern&#039;&#039;&#039; ist von unaufälliger Normalität, die gesamte Gestalt wirkt recht filigran, die Züge erscheinen prägnant geschnitten und verraten bereits das gemischte Erbe, das sich in den fein angespitzen Ohren noch deutlicher ausdrückt: &#039;&#039;&#039;Fel ist ohne Mühe als Halbblut eines menschlichen und eines hochelfischen Elternteils zu identifizieren.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den &#039;&#039;&#039;blauen Augen&#039;&#039;&#039; findet sich offenes Interesse, gemildert durch Wachsamkeit. Wenngleich nicht unangemessen nervös, wirkt sie wie jemand, der gern über die eigene Schulter sieht, stets getrieben von immer präsentem schlechten Gewissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;rotblonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; wird nur selten offen getragen und lockt sich bei der geringsten Feuchtigkeit, formt damit einen ungehorsamen Gegensatz zur moderat unaufälligen Kleiderwahl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemischte Erbe macht es schwer durch das Aussehen allein ihr Alter einzuschätzen: Sie ist ohne Zweifel erwachsen, darüber hinaus erlaubt weitere Beobachtung von Verhalten und Gebaren die Einschätzung, dass sie sich irgendwo im Bereich &#039;&#039;&#039;zwischen Anfang und Mitte Zwanzig&#039;&#039;&#039; befinden sollte.&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die linke Hand gehorcht merklich schlechter, die Finger sind unflexibel&lt;br /&gt;
* Furcht vor engen und dunklen Räumen, bisweilen Alpträume die auf ihre Zwangsarbeit im Bergwerk zurückgehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 417 geboren in [[Breitenbach]]&lt;br /&gt;
* 428 bis 429: Arbeitsdienst im Strafbergwerk Breitenbach &lt;br /&gt;
* 433 Verbannung aus Breitenbach und Ansiedlung in [[Grauhafen]]&lt;br /&gt;
* 436 Anstellung im Handelshaus [[Telketh]] für einfachste Hilfsarbeiten&lt;br /&gt;
* 440 Übersiedlung nach [[Rossensprung]] im Dienste des Hauses Telketh&lt;br /&gt;
* 443 Beginn der magischen Ausbildung bei der blinden Seherin [[Myra]]&lt;br /&gt;
* 447 Zwangsrekrutierung für die Armee entsprechend lokaler Gesetzgebung, Ausbildung durch [[Arngrimm Jerwalson]]&lt;br /&gt;
* 450 Überfahrt im Zuge regulärer Dienstverpflichtungen, Schiffsbruch vor der neuen Insel, Spielbeginn&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vater &amp;quot;Gil Melethron&amp;quot; (Alter unbekannt, Verbleib unbekannt seit 416)&lt;br /&gt;
* Mutter Lia Maris (* 385, Verbleib unbekannt seit 424)&lt;br /&gt;
* Bruder Themon (* 410, Verbleib unbekannt seit 424)&lt;br /&gt;
* Bruder Jasser (413 - 429)&lt;br /&gt;
* Bruder Fihan (414 - 428)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Notizensammlung|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Fel Maris&#039; Notizen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Dramatis Personae|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Myra]]&lt;br /&gt;
* [[Arngrimm Jerwalson]]&lt;br /&gt;
* [[Ludwig Springer]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschichte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Vergangenheit: Ussaria|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Magische Momente|SUBTITLE=Rossensprung, 445 (vor 5 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich verstehe das Problem nicht richtig. Die Worte haben eine ihnen innewohnende Kraft. Du musst dich einfach darauf einstimmen, dich ihrer Führung übergeben, während du gleichzeitig das Ziel des Zaubers selbst fest und bestimmt vor Augen hälst. Ich hätte geglaubt, dass gerade du damit keine Probleme hast.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig machte sich nicht die Mühe die Irritation aus seiner Stimme zu verdrängen. Er mochte Fel, aber sie war manchmal geradezu nervtötend begriffsstutzig, vor allem bei so einfachen Dingen wie den Worten der Macht. Das allein war noch kein Grund für Verärgerung, aber die Zeit für diese Art von Ausbildung war knapp bemessen und wertvoll: In den reichen Häusern Rossensprungs mochte es ja so sein, dass jemand mit der Gabe von allen Pflichten und Aufgaben freigestellt wurde, um sich ganz dem Studium dieser Kräfte zu widmen, aber das galt nicht dort, wo das Kopfsteinpflaster löchrig, die Dächer undicht und die Umgangsformen rauer wurden. Ludwigs war ein Schusterlehrling im dritten Jahr und das war es, was Essen auf den Tisch brachte. Diese Abende unter der Anleitung der alten Seherin fielen unter ein Siegel der Verschwiegenheit, zwangsläufig verborgen nicht nur vor der Obrigkeit, die mit harter Hand Loyalität und Dienst aller Zauberkundigen innerhalb der Grenzen der Stadtmauern einforderte, sondern eben auch vor dem knauserigen Schustermeister, der keine Gelegenheit ausließ um seine Lehrlinge zu schinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich hätte gedacht, dass gerade du das verstehen solltest. Es sind nicht einfach nur Buchstaben auf Pergament, Fel. Du musst fühlen, was dahinter ist.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel war älter als Ludwig und schon länger eine Schülerin der alten blinden Seherin, die ihre windschiefe Hütte im Schatten der alten Mauer hatte. Rossensprung war auf unsicherem, sumpfigen Grund errichtet, die alte Mauer war ein Teil der ursprünglichen Kernsiedlung und dieser Tage zu weiten Teilen entweder versunken oder für Steine zerlegt. Nur hier und dort gab es noch Reste, die sich wie verbleibende Zähne in einem zertrümmerten Gebiss dem endgültigen Verfall entgegen stemmten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wer hier lebte, der tat es selten freiwillig, die Eltern in den hübscheren Viertel der florierenden Hafenstadt warnten ihre Kinder vor der Brache und den Krankheiten, die man sich dort einfangen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Geschichten war Ludwig aufgewachsen und auch jetzt schauderte er noch regelmäßig, wann immer er die schiefen Reste des Fischertors durchschritt und den allmählich verrottenden Planken und Hängebrücken folgte, die bis zum Haus seiner zweiten, inoffiziellen Lehrmeisterin führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Du bist zu unbeweglich. Das System funktioniert nicht so. Du kannst nicht einfach nach strikten Gegensätzen schauen und diese einander zuordnen. Denk an die Brücken hier in der Brache: Sie biegen sich und schwanken, sind krumm und schief, aber sie führen dennoch meistens zum Ziel.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magische Theorie auf dieser Ebene war für Ludwig vollkommen einsichtig, vielleicht weil er während seines gewöhnlichen Tagewerks so viel Zeit hatte, die Gedanken wandern zu lassen. Während die Finger mit Ahle, Falzzange, Klopfstein und Knieriemen beschäftigt waren, ließen sich die unverhandelbaren Komponenten der Zauber im Geist bestens zusammensetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fels Stimme ließ ihre Frustration durchklingen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich verstehe einfach nicht, warum es abweicht. Jeder der drei einfachen Schwächungszauber benutzt Nachtschatten als eine Reagenz. Jeder der drei einfachen Stärkungszauber benutzt Alraune als eine Reagenz. DES MANI zum Schwächen, UUS MANI zum Stärken. UUS WIS zum Schärfen des Geistes, aber REL WIS anstelle von DES WIS? UUS JUX meinetwegen um das Ungeschick zu erhöhen, aber dann wiederum weder DES JUX noch REL JUX, sondern EX UUS! Das letzte Paar benutzt dann immerhin passend jeweils Blutmoos, auch beim Zauber für die Geistesschärfe und die Dummheit findet sich gleichartig die Spinnenseide, aber ausgerechnet bei der Stärkung und Schwächung bricht das ganze System auf: Alraune und Schwarze Perle? Warum bitte?&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das waren Fragen, die die alte Seherin normalerweise unbeantwortet ließ, mit einem Schulterzucken abtat, wann immer sie einem ihrer Schüler in die Quere kamen. Neugier brachte ihrer Meinung nach gar nichts: Wem half es schon zu wissen, warum genau nun bestimmte Bestandteile eines Zaubers zusammenwirkten, solange sie es taten? Zeit für solchen Firlefanz hatten nur reiche Schnösel, die nichts zu tun hatten, als über die Welt und den erstaunlichen Mangel an Frauen in ihrem Leben nachzudenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Ludwig hatte schon früh gelernt sich keine überflüssigen Fragen zu stellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich weiß es nicht, Fel. Aber es braucht auch keine vollkommene Ordnung. Darüber hinaus hast du übersehen, dass der Schwächungszauber ebenfalls die Alraune verwendet. Das heisst in der ganz einfachen Umkehrung mit der Ersetzung von Nachtschatten durch eine Alraune, hättest du plötzlich deren zwei in Verwendung. Du brauchst also etwas anderes - oder um genauer zu sein ..&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig ließ die Worte ausklingen, kapitulierend vor dem verwirrten Blick seiner Mitschülerin.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie sollte er etwas erklären, das sich nicht in offensichtliche starre Regeln einfügen ließ? Alles spielte zusammen, die Flexibilität des Systems bestätigte sich durch seine Wirksamkeit selbst. Wenn es scheinbar gegen hergeleitete Regeln verstieß, dann war das einfach ein Problem der Regeln, nicht das Systems selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Du wirst hier in der Brache keine Antwort darauf bekommen, Fel. Wir halten den Kopf unten und lernen was wir können. Und sobald die Alte uns für bereit hält, können wir unser Glück andernorts machen.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange würde das dauern?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ludwig hatte keine Zweifel, dass er in wenigen Monaten alles gelernt haben würde, was die Seherin ihm anzubieten hatte. Selbst jetzt war für ihn bereits offensichtlich wie löchrig das Fundament ihrer Kenntnisse war, wie gering ihr Interesse die Magie wirklich zu verstehen. Fel dagegen hatte - unbegreiflich für ihn - Mühe selbst diese kleine Barriere zu nehmen. Sie war schlau genug und darüber hinaus bereits erwachsen, das alles hätte ihr einen Vorteil geben sollen, aber ein um das andere Mal fand Ludwig sich dabei Erklärungen abzugeben, die in ihrer Tiefe auch seine Erfahrungen letztlich überstiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht, dass es ihn störte: Er mochte Fel und ihre Aufmerksamkeit war angenehm. Beflügelnd. Trotz ihrer hartnäckigen Schwierigkeiten mit der Flexibilität und Beweglichkeit des Systems der Magie. Er würde das, daran hatte er keinen Zweifel, schon noch zu schätzen wissen. Genau wie ihn.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Armeekarriere|SUBTITLE=Rossensprung, Februar 447 (vor 3 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Uniformstoff war steif und kratzig, unbequem zu tragen und darüber hinaus verpflichtend für alle Rekruten im ersten Jahr. Die Kleiderordnung nahm dabei keine Rücksicht auf die Jahreszeiten oder besondere Gegebenheiten wie in Rossensprung, wo die schweren Stiefel allzu gern in saftig schmatzendem Schlamm steckenblieben oder dafür sorgten, dass der Halt auf schwankenden Hängebrücken verloren ging. &lt;br /&gt;
Die Kleiderordnung scherte sich auch nicht darum, ob ein Rekrut den Versprechungen der Werber gefolgt und darum sein Kreuz unter einen Dienstvertrag gesetzt hatte, oder ob diese Verpflichtung als Teil einer angeborenen Gabe vorausgesetzt und dann eingefordert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regeln und Gesetze waren jedenfalls eindeutig: Jeder Anwohner der Stadt hatte eventuelle magische Fähigkeiten zu registrieren und war darüber hinaus verpflichtet, eine fünfjährige Dienstpflicht in der Armee abzuleisten. Der ewigen Regel von Aktion und Reaktion folgend, hatte diese Gesetzgebung zur Entstehung eines Schwarzmarktes ganz besonderer Art geführt: Heimliche Ausbildung in den Künsten abseits des wachsamen Auges des Gesetzes. Damit war die Eskalationsspirale in Gang gesetzt: Auf das Ausweichen folgten verschärfte Gesetze und die Androhung strengerer Strafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor Wochenfrist war das für Fel eine zwar präsente, gleichzeitig aber abstrakte Sorge gewesen. Vier Tage später hatte sich die Welt auf den Kopf gestellt. &lt;br /&gt;
Es war nicht so, als wären Fel die Gesetze nicht bekannt gewesen, aber erst als sie gezwungen wurde im drögen, halb unter Wasser stehenden Innenhof des gräflichen Gerichts der Hinrichtung ihrer mehrjährigen Lehrmeisterin zuzusehen, begriff sie wirklich, was sie bedeuteten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer hatte die Büttel auf die Spur gebracht, wer war bereit gewesen, mit dem stehenden Kopfgeld von 50 Silbermünzen das eigene Gewissen zu erschlagen? Oder war es ein erbarmungsloser Zufall gewesen, der dem langjährigen verborgenen Treiben der blinden Seherin schließlich ein Ende bereitet hatte? Unter dem trüben Nachmittagshimmel voller tiefhängender grauer Wolke ballte Fel ihre Fäuste und schwor im Stillen Vergeltung für den Verrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hinrichtung beizuwohnen war nicht einmal eine geplante Strafe, sondern schlichter, gedankenloser Zufall: Die gesamte im Südflügel des Gerichtsgebäudes untergebrachte Kompanie wurde zum Zeugen der Vollstreckung des gräflichen Rechts, so wollte es die Tradition. Und jene Kompanie würde für die nächsten fünf Jahre Fels Heimat sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Magier zu finden, der die Ausbildung unwilliger Jungmagier ertrug, konnte keine leichte Aufgabe sein: Die Armee war nicht dafür bekannt, gut zu zahlen, wer seine Dienstjahre hinter sich gebracht hatte, der konnte leichte, sehr viel besser honorierte Arbeit ohne Mühe überall finden. Nach Fels Einschätzung konnte eine solche Person also nur ein inbrünstiger Karrierist sein, der leichtgläubig dem Irrglauben erleben war, sich mit dieser Art von Dienst einen besonders warmen Platz im Hinterteil des Grafen zu verdienen - oder ein Versager, der es außerhalb der Mauern der Kaserne noch nicht einmal fertig brachte die Stiefel zu schnüren ohne dazu aufgefordert worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kleine Büro im höchsten Geschoss des Westturms war nur über eine knarrende Holztreppe mit verzogenen Stufen zu erreichen, ein unvermeidlicher Tribut an das sumpfige Erbe Rossensprungs und die Feuchtigkeit, die auch jetzt langsam von allen Wänden im engen Aufgang tropfte. Vermutlich war all das hier einmal weiß getüncht gewesen, aber das Wasser hatte im Laufe der Jahre dunkle Streifen hinterlassen und eigenwillige Muster in die ehemals nüchterne Kargheit geprägt. Sichtbare Nägel und Querstangen aus Metall waren gleichermaßen von Rost gezeichnet. Alles war klamm und feucht, jede der krummen Stufen eine lauernde Falle für die noch nicht eingelaufenen Stiefel mit den noch viel zu dicken Sohlen und steifen Schäften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Arbeitszimmer machte keinen wesentlich besseren Eindruck, der Geruch nach Schimmel war so übermächtig, dass Fel mit dem Hustenreiz kämpfte, kaum, dass sie die Türe hinter sich geschlossen hatte.&lt;br /&gt;
Also kein Streber. Gut. Mit Abschaum hatte sie im Laufe der Jahre umzugehen gelernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Rekrut Fel Maris. Mir wurde befohlen, mich hier zu melden.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum ersten Mal sah der Mann hinter dem wuchtigen, eigenwillig deformiert wirkenden Schreibtisch auf und Fel konnte exakt den Moment bestimmen, an dem der Mann der “Anomalie” bewußt wurde - allzu verräterisch flackern der Blick der wasserblauen Augen, bevor die Lippen sich zu einer dünnen, unwilligen Linie verzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich bin Arngrimm Jerwalson, Magier-Feldwebel der zweiten Kompanie und Euer zugeordneter Ausbilder für alle magischen Themen. Ihr habt offenbar bereits eine gewisse, illegale Vorbildung erhalten. Vermutlich bedeutet das, dass Euer Kopf mit gefährlichem Halbwissen vollgestopft ist. Es wird meine Aufgabe sein, dieses Problem zu korrigieren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die noch offen gehaltene Akte wurde geschlossen - das Papier bereits gewellt durch die unvermeidliche Feuchtigkeit - dann setzte der Mann nach:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Hübsche Ohren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel spürte, wie ihr die Hitze in die Wangen kroch. Das war plump, selbst für einen armseligen Wicht in einem traurigen Büro mit einem undankbaren Tagewerk. Es hätte keinen Grund geben sollen, sich peinlich berührt zu fühlen, aber dennoch kämpfte sie für lange Sekunden mit einer Antwort und bevor sie etwas herauswürgen konnte, hob der Mann schon wieder seine Stimme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich habe hier euren Dienstplan, der in einigen wesentlichen Punkten von dem anderer Rekruten abweicht. Es ist Eure Verantwortlich pünktlich zu allen angesetzten Terminen zu erscheinen - kein Gefreiter wird Euch an die Hand nehmen und hierher führen. Bringt Ihr es fertig Eure Ausbildung zu versäumen, werden diese Tage Eurer Dienstpflicht oben aufgeschlagen. Es ist also in Eurem besten Interesse, stets pünktlich zu sein. Es gibt derzeit nur drei Schüler, was bereits zwei mehr sind als meine Geduld her gibt. Eine erste Einführung zu den Worten der Macht beginnt in einer Stunde. Wegtreten.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Abschied aus Breitenbach|SUBTITLE=Breitenbach, 433 (vor 17 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Breitenbach, dieser Tage die größte Stadt der Grafschaft Siebensteig, war mit den acht Tugenden im Kopf gegründet worden. Davon zeugten auch dieser Tage noch die acht Türme der inneren Mauer, die jeweils die Namen eines der Erzengel trugen. In den Jahrhunderten seit der Grundsteinlegung war die Stadt weit über die Grenzen dieses Kern hinaus gewachsen, hatte die anliegende Furt vollkommen gezähmt und überbaut, auch das andere Seite des Ufers der Usser mit einverleibt um schließlich selbst die Grafenstadt Beiring in den Schatten zu stellen - zumindest wenn man allein die Einwohner zählte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Spaltung hatte Breitenbach zum wichtigsten Verbündeten Beirings gemacht und damit zu einem konservativen Vertreter einer Ordnung von Recht und Gesetz. Aus dem Sinnbild der acht Erzengel waren im Laufe der Jahre Posten gewachsen, die mit der tatsächlichen Kirche des Herrn nur sehr, sehr lose verbunden waren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus der Gründerzeit blieb jedoch die Tradition erhalten, dass diese “Wahrer” nicht nur spezielle Aufgabengebiete in der Stadt zu erfüllen hatten, sondern darüber hinaus aus den Reihen ihrer Gefolgschaft legitimiert, erhoben - also gewählt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der “Wahrer der Ordnung Havriels”, verpflichtet der Tugend der Rechtschaffenheit, war immer abwechselnd mit dem “Wahrer der Ordnung Gabriels” dazu verpflichtet, die Gesetze der Stadt auszulegen und Urteile zu sprechen. In einer idealen Welt hätte es keinen Unterschied zwischen einer Auslegung zwischen “Rechtschaffenheit” und “Gerechtigkeit” geben sollen, aber die Wirklichkeit sah einfach anders aus. Insbesondere aufsehenerregende Prozesse wurden denn auch von beiden Seiten gleichermaßen dafür instrumentalisiert, ihre Anhänger für die nächste Wahl zu motivieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganze Bande von Herumtreibern, Tunichtguten und Dieben in eine Falle zu locken und festzusetzen, war bereits ein Spektakel gewesen, das eigentliche Schaustück folgte dann jedoch mit dem Prozess bei dem letztlich Recht auf traditionelle Weise gesprochen wurde: Jeder der Ertappten, der schon früher einmal bei einem Diebstahl ertappt worden war, würde seine linke Hand verlieren. &lt;br /&gt;
Jene, die in der Vergangenheit dem Gesetz entkommen waren, würden ein Jahr lang ihre Schuld gegenüber der Gesellschaft und den Tugenden n den Bergwerken abarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren sinnierte Fel in den dunkleren Stunden bisweilen darüber, welche Richtung ihr Leben wohl eingeschlagen hätte, wenn sie damals geistesgegenwärtig genug gewesen wäre, um bei der Angabe ihres Namens zu lügen: Hätte sie ein weiteres Jahr in den engen Tiefen durchgestanden, stets mit dem drückenden Gefühl endlosen, zerquetschenden Gewichts über dem Kopf, stets der Tatsache bewusst, dass Jasser, der letzte überlebende ihrer Brüder, sein Leben für den immer hungrigen Groll der grimmigen Stollen gegeben hatte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den modernen Zeiten geschuldet, schlug man im fortschrittlichen Jahr 433 nach der Gründung in Breitenbach keine Hände mehr ab, sondern zermalmte sie stattdessen. Das machte die ganze öffentlich durchgeführte Prozedur weniger blutig, aber nicht weniger beeindruckend: Nach dem fünften auf diese Weise gestraften Bandenmitglied kehrte unruhige Stille in die zuvor frohlockende Menge ein. Der Wahrer der Ordnung war es zufrieden: Er hatte vor allem im Angesicht des schwelenden Konflikts mit dem ewigen Konkurrenten Auenstein Entschlossenheit und Härte demonstriert, ohne sich zu unvernünftiger Rachsucht hinreißen zu lassen. Dem Gesetz - und der Gerechtigkeit - waren Genüge getan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Fel, die die zuvor in ihrem Leben die Stadt auch nur verlassen hatte, war das hier draußen eine unbekannt  Weite voller unklarer Gefahren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie eine bittere Ironie des Schicksals, war es gerade der nahezu unerträgliche Schmerz der verstümmelten, nutzlosen Linken, die sie davon abhielt auf irgendwelchen Umwegen den Rückweg hinter die feindseligen Mauern Breitenbachs zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie begann die Reise nicht allein, aber als sie Wochen später die Gestade Grauhafens an der Usser erreichte, war auch der letzte ihrer früheren Begleiter, Kameraden und Verbündeten verschwunden. Mit dem ersten Schritt hinein in die florierende Hafenstadt schwor sie sich von nun an ein neuer Mensch zu sein, den verhängnisvollen Pfaden der Vergangenheit nicht länger zu folgen. Wie eine Raupe, die sich verpuppte, um schließlich als Schmetterling ganz neue Horizonte zu entdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollte keinen ganzen Tag bis zum ersten Diebstahl brauchen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ausbildungsalltag|SUBTITLE=Rossensprung, April 447 (vor 3 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Rivalität zwischen den beiden Grafschaften Auenstein und Siebensteig, ausgelöst durch die Absplitterung Auensteins im Jahr 42 nach der Gründung, hatte nach Fels Ermessen zu einer ganzen Anzahl von Kuriositäten im Laufe der Zeit geführt. Anekdoten, die manchmal vergessen ließen, wie ernst der Konflikt tatsächlich war. Aus dem stetigen Schwelen wurde immer wieder einmal ein abrupter Brand, ein gewalttätiges Ringen, das selbst jetzt, gute vierhundert Jahre nach dem Anfang noch niemand als tatsächlicher Sieger hervorgegangen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine dieser Kuriositäten war, dass Auenstein Frauen im Militärdienst erlaubte und ihnen sogar Zugang zu Offiziersrängen ermöglichte. Natürlich nicht uneingeschränkt: Fortschritt und Aufgeschlossenheit hin oder her, die 422 eingeführte große Reform bezog sich ausschließlich auf Magier (solange diese nicht auf einem Schiff dienten) und kürzte die Karriereleiter zudem auf den Rang eines Leutnants. Weibliche Kompetenz hin oder her, niemand wollte eine ganze Kompanie tatsächlich einer Frau ohne männliche Oberaufsicht anvertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenngleich die allgemeine Einschätzung war, dass Magier zu wertvoll waren, um als einfache Soldaten verschwendet zu werden, war eine Grundausbildung unumgänglich, wenn man sich einen Rang nicht direkt erkaufen konnte. Und das wiederum war die Ursache dafür, dass Fel nun mit einer ganzen Gruppe anderer Rekruten über schlammigen Grund kroch, um danach in klitschnasser, vollkommen verdreckter Uniform die hohe Kunst des Exerzierens zu üben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auensteins Militärphilosophie, zumindest soweit es den Teil in Rossensprung betraf, glaubte an Drill, Gehorsam und Drill. In ganzen Büchern wurde darüber lamentiert, wie es notwendig war neue Soldaten durch eine Hölle von Demütigung und Erniedrigung zu peitschen, bis aus dem gemeinsamen Schmerz der Gruppe schließlich ein Gemeinschaftsgefühl erwuchs, das letztlich bereit war auf einen feindlichen Pikenwall zu zu stürmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Doktrin erlaubte an diesem Punkt der Ausbildung keine Reagenzien oder andere Hilfsmittel für Magier, nichts, was es Fel ermöglichte hätte, mit den anderen Rekruten zumindest gleichzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade jetzt, in der Mitte einer sumpfigen Strecke mit knöchelhoch stehendem Wasser über saftigem, schlammigen Grund fühlte Fel sich dem Tode nah: Die Erschöpfung hing so tief in ihren Knochen, dass jeder einzelne Schritt sich wie eine Qual anfühlte und die geflüsterten Flüche ihrer Begleiter waren voller wütender Ressentiments: Eine Gruppe, so hatte der Ausbilder doziert, war nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Niemand durfte zurückgelassen werden, aktive Unterstützung war aber ebenfalls untersagt: Dies war schließlich die Grundausbildung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo die schnellste Gruppe sich Lob und den besten Platz bei der Mittagsverpflegung erhalten würde, blieb für die Verlierer in diesem Wettrennen vielleicht nicht einmal genug Zeit, um überhaupt den Magen zu füllen, bevor bereits das Üben von Formationen im Gelände anstand. Zuckerbrot und Peitsche, alles für das Wohl der Armee und zur Motivation einer stetigen Verbesserung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur, dass das System für Fel einfach nicht funktionierte: Allein ihretwegen hing die Gruppe weit hinter allen Anderen zurück und das entfachte nicht etwa das warme Feuer gemeinschaftlicher Verbundenheit sondern kalter Verachtung und Wut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Los, verdammt nochmal, vorwärts Maris!”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Elendes Weib, warum mussten wir das Pech haben, sie zu bekommen.”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dreckiges Halbblut ist für nichts Nutze, wir sollten sie hier ersaufen lassen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gepressten Flüche wandelten sich in Fels Wahrnehmung in ein gleichförmiges Summen, unbedeutend vor der Erschöpfung. Nur einen Moment ausruhen. Innehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kam zu sich, als ihr Gesicht in das brackige Wasser getaucht wurde, eine unnachgiebige Hand im Nacken, die es ihr in Verbindung mit dem matschigen Untergrund unmöglich machte, irgendwo Halt zu finden. Die um sich schlagenden Arme fanden nur zähen Schlamm, die Füße steckten ohnehin noch tief genug im Matsch, dass die Gefahr bestand die Stiefel zu verlieren und die gesamte getragene Ausrüstung schränkte die verbleibende Beweglichkeit soweit ein, dass selbst ein auf den Rücken geworfener Käfer bessere Chancen gehabt hätte wieder auf die Füße zu kommen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das heiße Aufwallen von Panik erschöpfte sich binnen Sekunden und Fel spürte ihren ganzen Körper schwerer werden, während die Wahrnehmung sich eigenartig entfernte, schrumpfte. Das war es. Ersäuft wie ein junges Kätzchen im Sumpf von ihren eigenen Kameraden.&lt;br /&gt;
Der Gedanke war nicht mehr genug, um die bleischwere Gleichgültigkeit abzustreifen, die sich ihrer bemächtigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas, vielleicht ein Stiefel, traf ihre Flanke hart genug, um die Rippen nachgeben zu lassen, dann zerrte die feste Hand im Nacken ihren Kopf wieder aus dem schlammigen Nass. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;hr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vier Stunden später saß Fel im längst schon vertrauten Büro Jerwalsons, der sie wie stets betrachtete: Ein Ärgernis, das ihn zwang, seine Zeit und Aufmerksamkeit für wichtigere Dinge einzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe ihn gewarnt. Aber Leutnant Caimbeul ist ein Patriot. Er ist einer dieser Männer, die ihren ganzen Stolz in ihre hohen Maßstäbe stecken und sich persönlich beleidigt fühlen, wenn etwas - oder jemand - nicht in der Lage ist, diese Maßstäbe zu erfüllen. Das funktioniert leidlich mit dem normalerweise vorhandenen Material, aber es war abzusehen, dass du ihn enttäuschen werden würdest. Wessen Schuld ist es also?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Lächeln des Mannes war dünn, die unehrliche Maske eines Zyniker, der ohne die kleinste Scheu Fallen stellte und Fel fragte sich nicht zum ersten Mal, was Jerwalson hierher verschlagen, welches Schicksal ihn gezwungen hatte als Feldwebel der Auensteiner Armee zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem kalkulierenden Blick des Ausbilders war sie sich ihrer eigenen Erscheinung nur zu bewußt: Das kurzgeschorene Haar betonte die Fremdartigkeit ihrer Gesichtszüge nur noch, die feinen Ohrspitzen waren ebenso unübersehbar, wie die filigrane Schmalheit der ganzen Statur. In der Stadt hatte es nie die Notwendigkeit gegeben Kraft oder Ausdauer zu entwickeln: Schnelle Reflexe und die Fähigkeit sich rasch wegzuducken waren selbst in Fels Jahren auf der Straße immer ausreichend gewesen und ihre Zeit im Dienst des Hauses Telketh hatte auch jenen Fähigkeiten die Schärfe genommen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Uniform verbarg die straff um die Rippen gezogenen Verbände, aber natürlich würden sie im Einsatzbericht erwähnt sein, der sich vor Jerwalson auf dem Schreibtisch wellte. Die verdammte Feuchtigkeit war einfach überall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Es gibt keine Möglichkeit für Euch, in irgendwie angemessener Zeit diese Anforderungen zu erfüllen. Die beiden angebrochenen Rippen sind dahingehend ein Segen: Ihr seid für die nächsten Wochen vom regulären Außendienst befreit, könnt - und werdet - aber in dieser Zeit mit den regulären Studien fortfahren. Militärgeschichte, Strategie, Taktik und natürlich Magie. Macht Euch in der Zeit einen Kopf, wie Ihr mit der Situation umgehen wollt. Sitzt es aus, und ihr seid in einem Mond wieder in diesem Sumpf, nur dass es dieses Mal vielleicht niemanden gibt, der einen ..”&#039;&#039; - er blickte auf den Bericht hinab - &#039;&#039;“.. unglücklichen Unfall vermeiden kann.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist nicht gerecht.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Momente starrte Jerwalson nur, mehr Erstaunen als Verachtung in den wasserblauen Augen, dann lehnte er sich zurück in den abgewetzten Sessel um Fel zu studieren wie einen besonders absonderliche Fliege, die es gerade gewagt hatte ein Bad in seinem Weinglas zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin erstaunt. Gerechtigkeit. Von Euch. Ein Mann, der die richtigen Fragen stellt, hat es nicht allzu schwer, die Herkunft eines Halbbluts nachzuvollziehen, auch wenn die Finger mich beinahe von der Fährte geworfen hätten.” &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Er deutete beiläufig auf die linke Hand Fels, die sich unter der Geste ganz unwillkürlich zur Faust ballte. Nur ein scharfes Auge war in der Lage zu bemerken, dass sie nicht ganz gleichmäßig reagierten, nicht ganz so schnell, wie man es vielleicht erwarten sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was wollt Ihr damit sagen?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dass ich kein Schauspiel schätze. Ich bin sicher, dass Ihr besser als die meisten Rekruten dieser Armee wisst, dass man nichts geschenkt bekommt. Alles hat seinen Preis, auch wenn er manchmal erst später präsentiert wird. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schön. Aus gegebenem Anlass werden wir Theorien und Übung zu heilender Magie vorziehen. Wir werden gleich sehen, wie gut ihr meine Anweisungen zur Anweisung des Ginsengsirups befolgt habt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ludwigs Abschied|SUBTITLE=Rossensprung, August 446 (vor 4 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Vor dem Aufstieg zur großen Handels- und Hafenstadt, war Rossensprung eine unbedeutende Ansiedlung gewesen, nicht einmal interessant genug für einen abgeordneten Ritter um die sumpfige Landschaft der hier in viele Finger zerfasernden Usser im Auge zu behalten. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch hatte es schon recht früh am Hauptlauf des Flusses ein paar einzelne Hütten gegeben: Ein Umschlagplatz für flussaufwärts geschlagenes Holz, das hierher geflößt und dann weiter in Richtung anderer Städte verschifft wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine frühe Beschreibung der Ansiedlung aus dem Jahr 37 nach der Gründung beschrieb bereits den traurigen Alltag von Torfstechen, die mit dem unsicheren Grund und den heißen Quellen zu kämpfen hatten, erwähnte auch die stets präsente Feuchtigkeit die allzeit über der Stadt hing wie eine unerfreuliche Glocke. Rossensprung stank nach Schwefel, Fäulnis und Verfall, genug um den Autoren wettern zu lassen, dass es keine weiteren zwei Dutzend Jahre dauern würde, bis diese Brutstätte für Krankheiten und Niedergeschlagenheit menschenverlassen sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schicksal wollte es anders, auch wenn in den kommenden Jahrzehnten eines vollkommen klar wurde: Was auch immer aus Stein gebaut wurde, das versank langsam im Schlamm und trieb damit ganze Generationen von Architekten in den Wahnsinn, denn jeder Versuch ein Fundament irgendwo im Untergrund zu verankern, erwies sich letztlich als fruchtlos. Ganz gleich wie viel Mühe, Sorgfalt und Planung auch aufgewendet wurde: War es aus Stein, wurde es irgendwann vom Sumpf geschluckt. Im Falle von Gebäuden führte das zu einem gewissen schulterzuckendem Pragmatismus: Jede Generation musste einfach das Dach abtragen, ein neues Stockwerk obenauf setzen und die tiefsten Keller aufgeben, die irgendwann selbst einmal ein Dachboden gewesen waren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Was dagegen aus Holz gefertigt wurde, das fiel unvermeidlich eher früher als später der Feuchtigkeit zum Opfer. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Art war das Leben: Ein stetiger, langsamer Wandel und die immer präsente Erinnerung an die Vergänglichkeit alles Seins. Würden alle Menschen von einem Tag auf den anderen aus Rossensprung verschwinden, dann würde es keine 30 Jahre dauern, bis von ihrer vorherigen Präsenz nichts mehr zu sehen sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Abend hing auch Fel ähnlichen Gedanken nach, während sie ganz im Westen der Stadt über faulende Hängebrücken balancierte um die letzten windschiefen Katen zu erreichen. Die alte Hütte der blinden Seherin hatte das Schicksal ereilt, war gemeinsam mit einem Rest der alten Stadtmauer kollabiert und das hatte sie gänzlich in die Peripherie der Siedlung getrieben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Alles änderte sich, nur Fel fühlte sich, als wäre sie kein Teil dieses Stroms, trieb so langsam, als wäre ein Anker an ihr befestigt, während alle anderen ihr Potential entfalteten und erblühten. Ludwig, der ihr für zwei Jahre ein getreuer, liebgewonnener Begleiter als geheimer Lehrling der Seherin gewesen war, hatte vor nunmehr Wochenfrist seine eigentliche Schusterlehre abgeschlossen und war nun ein Geselle, bereit mit Brief und Siegel seines Meisters in die Welt hinaus zu ziehen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nur, dass er nicht davon träumte ein Schuster zu werden: Ludwigs Wissen und Fähigkeiten im Umgang mit der Magie hatten das von Fel binnen Monaten überholt und nach zwei Jahren der Unterweisung hier am Rande von Rossensprung, stets in der Sorge, dass das strafende Auge des Gesetzes irgendwann aufmerksam werden würde, gab es für ihn nichts mehr zu lernen. Sich der Armee für fünf Jahre zu verpflichten, kam für Ludwig nicht in Frage und außerhalb der Grafschaft Auenstein würde man einem Magier ganz andere Möglichkeiten bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Ich beneide ihn.’ &#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam ungerufen, während Fel die letzte Planke überquerte und sich dann der Führung eines gespannten Seils anvertraute. Soweit draußen war es unvermeidlich, sich die Füße schmutzig zu machen, durch den zähen Schlamm zu waten. Es war gefährlich, von der durch das Seil vorgegebenen Linie abzuweichen: An manchen Stellen gab es regelrechte Löcher im Untergrund, unsichtbar durch das trübe Wasser, bis man hinein trat. Manche waren nur unbequem, durchnässten die Beinkleider und beschädigten die Würde. Andere konnten einen Spaziergänger im Nu verschlucken. Wie die meisten Anwohner Rossensprungs, hatte auch Fel nie gelernt zu schwimmen.. Rein theoretisch konnte die Magie ihr in einer solchen Situation zu Hilfe kommen, aber sie zweifelte, ob sie im Falle des Falles die notwendige Geistesgegenwart und Entschlossenheit aufbringen konnte, um die Panik zurückzudrängen und einen Zauber zustande zu bekommen. Von anderen logistischen Schwierigkeiten ganz zu schweigen. Besser also vorsichtig zu sein, jeden Schritt zu planen und sich nie allein der linken Hand anzuvertrauen, deren Finger niemals ganz ihre frühere Kraft und Geschicklichkeit zurückgewonnen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Alltag war das eine nur gelegentlich zu bemerkende Einschränkung, unbedeutend für die Arbeit im Kontor des Hauses Telketh, in dessen Gefolge sie vor nunmehr sechs Jahren nach Rossensprung gekommen war. Grauhafen war schöner, interessanter und vor allen Dingen trockener gewesen, aber diese Stadt hier hatte zwei sehr verschiedene Möglichkeiten geboten. Beide hatten sich auf ihre Art und Weise erfüllt: Im Laufe der Jahre waren Fels Aufgaben gewachsen, bis zu jenen einer vollwertigen Schreiberin, die ohne weitere Anweisungen Teile der Buchführung des Kontors erledigen konnte. Andere wurden vielleicht auch hier rascher befördert, aber sie kamen und sie gingen. Rossensprung war hart für jene, die den einfachen Luxus einer normalen Stadt gewohnt waren, nicht wenige entwickelten mit der Zeit einen hartnäckigen Husten oder eine nervöse Haut als Tribut an die immerwährende Feuchtigkeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach den sechs Jahren war Fel das am längsten hier arbeitende Mitglied des Handelshauses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An den zweiten Vorteil, den die Umsiedlung nach Rossensprung mit sich gebracht hatte, dachte Fel ungern zurück, denn das gemahnte sie immer an eine Vergangenheit, die sie seit der Ankunft in dieser faulenden Stadt endgültig hinter sich zurückgelassen glaubte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Aber so ist es nicht. Die Dinge verschwinden nur aus der Sicht, wie eine der aus Stein gefügten Mauern hier. Aber das bedeutet zunächst nur, dass man sie nicht mehr ohne Weiteres bemerken kann. Wer unaufmerksam ist, kann sich dennoch den Zeh daran stoßen.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke - so beiläufig er eigentlich auch sein mochte - sorgte dafür, dass ihr Herzschlag sich beflügelte, die Stimmung mit dunklen Wolken driftenden Unbehagens füllte, bis sie endlich das Ende des markierten Pfades erreichte und damit auch eine kleine, zumindest halbwegs feste Insel inmitten der trügerisch ruhigen Brache. Von hier aus waren es kaum noch zwei Dutzend Schritt bis zum halb vermoderten, mittlerweile gänzlich von Moos und Krimmalgen überwucherten Rumpf einer hier aufgegebenen Barke und direkt daneben befand sich eine daran vertäute, schwimmende Plattform aus zusammengenagelten Brettern, jetzt besetzt von einer einzelnen, hockenden Gestalt, die in Richtung der Ankommenden spähte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz des trüben Zwielichts hatte Fel keine Schwierigkeit damit Ludwig zu erkennen, zu vertraut war seine Haltung. Viel hatte sich sonst in den letzten beiden Jahren verändert: Aus dem schlaksigen Jüngling war schon fast ein Mann geworden, der sie mittlerweile um einen halben Kopf überragte. Als sie sich neben ihn hockte, hatte sie keine Schwierigkeiten den dunklen Bartschatten auf seinen Wangen zu erkennen: Diese offene Rebellion hatte warten müssen bis zum offiziellen Abschluss der Schusterlehre. Die Veränderung hatte bereits begonnen. Und morgen würde er Rossensprung verlassen, vielleicht für immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als hätte er diese Gedanken aufgefangen, lehnte Ludwig sich leicht zur Seite, eben weit genug, dass seine Schulter die der neugewonnenen Nachbarin berührte und hob die Stimme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“In einem Jahr bin ich wieder zurück. Ich habe bereits alles durchgeplant, weißt du? Ich folge der Usser in Richtung ihres Oberlaufs, vorbei an Grauhafen, bis zur Grenze zwischen Auenstein und Siebensteig. Von dort aus komme ich mühelos weiter: Breitenbach ist dann der richtige Platz um einen neuen Lehrmeister zu finden. Ich erwarte ungefähr sechs Monate, vielleicht ein wenig schneller, wenn dein Vertrauen in mich begründet ist. Mit dem Beginn des Sommers werde ich dann einfach eines der Schiffe besteigen und hierher zur Mündung kommen, vielleicht reise ich sogar mit ein paar Flößern, was denkst du? Sie sind eine raue Bande, heißt es, aber überaus herzlich und ich denke, sie haben nichts gegen die Begleitung eines Magiers.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel wollte widersprechen, darauf hinweisen wie abergläubisch solches Volk im Allgemeinen auf jeden Anwender von Magie reagierte, aber sie brachte es einfach nicht über das Herz. Nicht, weil Ludwig keine Korrektur vertragen hätte, sondern schlicht, weil er nur redete, um die Stille zu füllen, um die Decke von Wehmut abzuwehren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nichts bleibt. Alles ändert sich.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas wie ein Wellenschlag lief durch das Begreifen - für einen Moment war die Welt ganz fern, distanziert und unberührbar, in vollkommene Stille getaucht, durch die allein das Geräusch unbestimmbar ferner Atemzüge kroch. Gewaltig. Als würde ein Berg selbst seine Lungen füllen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel erschauderte, sich zusammenduckend, während Ludwig den Kopf hob wie ein Jagdhund, dem eben gerade eine ganz eigenartige Witterung in die Nase gestiegen war. Warme Begeisterung fand Eingang in seine sich hebende Stimme:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Hast du das gespürt Fel? Das war eine Störung im astralen Gewebe, darauf verwette ich meinen Gesellenbrief. Wie ein Reflex, ein Echo. Ich frage mich wirklich, was das ausgelöst hat. Kannst du dir überhaupt vorstellen, was das ausgelöst haben könnte? Irgendetwas.. Großes muss passiert sein!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, begriff Fel, war der eigentliche Unterschied zwischen ihnen beiden: Ludwig schaute erwartungsvoll in die Zukunft, zuversichtlich und entschlossen, bereit Wagnisse einzugehen und sich zu beweisen. Er würde an seinen Herausforderungen wachsen, während Fel blühte wie Nachtschatten: Verborgen und zurückhaltend, darauf wartend irgendwann von einer unbedachten Hand geknickt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe es bemerkt, ja. Und es muss etwas sehr starkes gewesen sein, dass wir es bis hierher spüren konnten. Myra wird fluchen: All ihre Tränke werden verdorben sein.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dann lass sie fluchen! Sie ist ohnehin nie zufrieden. Komm, wir staken ein Stück tiefer in den Sumpf, bis zur Anhöhe der Glühwürmchen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Stunden später schlich Fel sich im ersten Licht des neuen Morgen zurück in ihre Heimat. Erschöpft, wehmütig und dennoch von einer eigenartigen Zuversicht erfüllt. Sie würde auf Ludwig warten - ein Jahr war nicht so lang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie von selbst schrieben ihre Finger jene Worte nieder, die seit dem Moment der Störung im Hintergrund ihrer Gedanken brodelten, gab den Silben Form und sich selbst damit Frieden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die blinde Seherin|SUBTITLE=Rossensprung, April 443 (vor 7 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Bislang hatte es Fel nur selten in den Südwesten Rossensprungs verschlagen, aber natürlich kannte sie all die Geschichten. Man konnte nicht Schreiber im Kontor eines Handelshauses sein, ohne das Geschwätz mitzubekommen und ohne seinen eigenen Teil dazu beizutragen. Und das war in gewisser Weise auch der Anlass für ihre Anwesenheit hier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursprünglich war die Ansiedlung genau hier entstanden und dann entlang der vielen Arme der Usser gewachsen, den unsicheren, nachgiebigen Grund Stück für Stück erobernd. Oder zumindest für eine Zeitlang zähmend, denn eine wirklich finale Schlacht gab es in diesem endlosen Krieg einfach nicht: Jeder Tag aufs neue war ein Kampf gegen die allgegenwärtige Feuchtigkeit, gegen Schimmel und Fäulnis die gemeinsam Holz verschlangen und den Rost, der das Eisen zerfraß. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gepflasterten Wege in der Oberstadt standen gewiss in der Hälfte aller Tage eines Jahres mehr oder weniger tief unter Wasser. Das hatte zu einigen interessanten kulturellen Eigenheiten geführt: Schuhwerk wurde entweder überhaupt nicht getragen, oder in Form von kniehohen Lederstiefeln. Eleganz war einfach kein Faktor, der lange in solch widrigen Umständen überlebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier, abseits der gutbetuchten Viertel, gab es keine Wege dieser Art: Anwohner und Besucher gleichermaßen, balancierten über ausgelegte Planken, folgten teilweise auch nur gespannten Halteleinen, als hätten sie keine Sorge, dass der schlammige Untergrund sich jederzeit öffnen und sie verschlingen könnte. Für Fel war das nahezu unbegreiflich: Sie selbst hatte nie gelernt zu schwimmen und das traf auf den allergrößten Teil der Rossensprunger gewiss ebenfalls zu. Ein einziger Fehltritt konnte über Leben und Tod entscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das tat dem regen Treiben auf dem Jahrmarkt keinen Abbruch: Unzählige Händler hatten hölzerne Plattformen herangeschafft und dort ihre Zelte aufgeschlagen, priesen nun lautstark Waren an, feilschten um jeden Groschen, während nur ein Stück weiter ein paar Akrobaten zur Begeisterung der Zuschauer mit Äxten jonglierten. Es wurde gekocht und gebraten, gespielt und gesungen, ein Stück weiter flogen Fäuste in einem Kampf, auf dessen Ausgang eifrige Wetten abgeliefert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An einem anderen Tag hätte Fel sich unter die Menge gemischt, ein Teil des Ganzen. Aber heute war ihr Ziel das fleckige Zelt ganz am Rande des Jahrmarktes. Irgendwann war die Leinwand gefärbt gewesen, darauf wiesen Spuren an den Nähten noch immer hin, aber selbst beim besten Willen war Fel nicht in der Lage, die ursprüngliche Farbe zu identifizieren. Was wie die halb verblassten Reste geheimnisvoller Siegel wirkten, konnte auch einfach getrocknetes Schmutzwasser sein, vielleicht Schimmel, der nie vollständig aus dem Gewebe gewichen war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Drinnen herrschte ein Zwielicht, das bereits an Halbdunkel grenzte, das einzige Licht entstammte einem halbes Dutzend niedrig brennender Talgkerzen, deren scharfer Geruch sich mit anderen Akzenten mischte: Salbei. Knoblauch. Irgendein anderes Kraut, das Fel nicht zu identifizieren vermochte, aber dass ihr die Tränen in die Augen trieb und die Lunge zum Husten reizte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Willkommen. Ich bin Myra. Blind, wo andere sehen. Sehend, wo ihr blind seid. Was ist dein Begehr, Kind?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel Platz war im Inneren nicht und der verfügbare Raum wurde von dem ovalen Tisch beherrscht, hinter dem die Seherin sich verschanzt hatte, wie hinter der Mauer einer Festung. Überall waren Kisten und andere Behälter aufgestellt, das Licht der Kerzen brach sich an einer Vielzahl an glänzenden Schmuckstücken aus Glas oder Zinn. Alles wirkte billig, heruntergewirtschaftet. In einigen Fällen war es leicht den Finger darauf zu legen: Der Tisch besaß nur noch ein einzelnes seiner ursprünglich gedrechselten Beine, die anderen Drei waren irgendwann durch minderwertige Stecken ersetzt worden, die ihren Dienst zwar erfüllten, aber jedem Gefühl für Ästhetik einen rücksichtslosen Dolch direkt ins Gesicht trieben. &amp;lt;br&amp;gt;An anderen Stellen waren die Zeichen subtiler. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin Fel. Kommen nicht alle aus dem gleichen Grund hierher? Um etwas über ihre Zukunft zu erfahren?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Du wärst überrascht, Kind. Setz dich.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Frau fixierte Fel aus milchig-trüben Augen - ein Blick, der gerade unfokussiert genug war, um warmes Unbehagen in ihr hervorzurufen. Vielleicht war es keine gute Idee gewesen, hierher zu kommen. Was auch immer der Volksmund murmelte, es war offensichtlich, dass diese Frau ein Scharlatan war, jemand, der seinen Lebensunterhalt mit der Dummheit anderer verdiente. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin kein Kind. Und ich glaube nicht, dass du mir etwas sagen könntest, dass ich nicht bereits weiß.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch fand Fel sich dabei einen Platz auf dem wackeligen Schemel zu suchen. Letztlich hatte sie bereits all die Mühe auf sich genommen, um hierher zu kommen. Was konnten ein paar zusätzliche Minuten da schon schaden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte ließ sich jedenfalls von der Herausforderung nicht stören, mischte mit noch immer geschickten Händen übergroße Karten, die irgendwann ebenfalls reich verziert gewesen waren. Die Feuchtigkeit hatte auch hier ihre Spuren hinterlassen. Schliesslich platzierte sie drei davon in der Mitte des ovalen Tisches, gerade auf halben Wege zwischen Fel und ihr selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Wen suchst du?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war schwer, den ersten Impuls herunterzuschlucken, den Wunsch direkt mit der Frage herausplatzen. Das war etwas .. Neues, eine Schwäche, die mit den Jahren in der Sicherheit eines regulären Lebens erwachsen war. Es war leicht, sich an Vertrauensseligkeit zu gewöhnen, wenn man sich keine Gedanken um die nächste Mahlzeit oder um in der Dunkelheit lauernde Messer zu machen hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Frage war gestellt und letztlich, tatsächlich auch der Grund für ihre ganze Anwesenheit hier. Die Gelegenheit nicht beim Schopfe zu packen würde Verschwendung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Meinen Vater. Gil Melethron. Der Name ist fast das Einzige, was ich über ihn weiß.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In gewisser Weise, wurde Fel in diesem Moment bewusst, war der Name auch das Einzige, was von ihrer Kindheit geblieben war: Das Gesicht ihrer Mutter hatte im Laufe der Jahre an Schärfe verloren, soweit verblasst, dass selbst der verzweifelte Zorn letztlich in mürbe Resignation gereift war. Lia hatte nie aufgehört von ihm zu sprechen und sich dann irgendwann aufgemacht, um ihren verlorenen Geliebten wiederzufinden. Die drei Kinder, alle von verschiedenen Vätern gezeugt, blieben zurück, sich selbst überlassen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ihr ältester Halbbruder war nahezu genauso lange verschwunden, die anderen beiden schon längst in das kalte Zwielicht der Schattenwelt eingetaucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist kein Name, Kind.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die krächzende Stimme der blinden Seherin riss Fel zurück in das Hier und Jetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Bestenfalls ist es ein Kosename. der ungefähr die Bedeutung von ‘geliebter Stern’ hat. Deine Aussprache und Betonung sind jedoch furchterregend. &#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Willst du meinen Rat, Kind? Vergiss den Namen und höre auf, nach deinem Vater zu suchen. Es gibt Leidenschaften, die dich voranbringen und erfüllen, diese hier ist aber nur fruchtlose Vergeudung. Solche Dinge passieren. Ich vermute, dass dein Vater in seinem Volk selbst ein Ausgestoßener ist, verachtet für den leichtfertigen Umgang mit den Menschen. Es ist denkbar, dass du Dutzende von Halbgeschwistern hast, spitzohrige Bastarde, die nirgendwo wirklich willkommen sind. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich kann dir die Karten legen, wenn du von der Vergangenheit träumst, aber sie flüstern wenigstens auch von der Zukunft. Und wen kümmert schon, was gestern war?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen langen Moment schmerzte alles wie eine eigentlich schon lange vernarbte Wunde, aufgerissen durch eine unbedachte Bewegung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Das ist, was ich bin. Nirgendwo wirklich willkommen.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sich streckenden Finger berührten den verblassenden Rücken der ersten Karte, um sie dann zu wenden. Ganz beiläufig strich die Hand der Seherin einmal über die Fratze der abgebildeten Schreckensgestalt, bevor sie ihre Stimme hob.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Dämon. Das ist deine Vergangenheit - ein Hinweis auf unerwartete Schwierigkeiten, auf Unglück oder Pech, die dein Schicksal an bestimmten Stellen umgelenkt haben in neue Bahnen. Auch wenn diese Karte ungern gesehen wird, ist sie nicht als solche negativ, vor allem in der Vergangenheit. Vermutlich ist ihr Einfluss nun abgeklungen. Zwei Karten nun für deine Gegenwart.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schmerz wandelte sich, vertraut wie die Dunkelheit am Ende jedes Tages und Fel folgte der Weisung der Seherin, um zwei weitere Karten umzudrehen. Dieses Mal realisierte sie, dass die Alte die Karten allein durch ein beiläufiges Tasten zu erkennen vermochte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Mond und die Sonne. Das .. ist eine sehr interessante Kombination. Die Gegenwart besteht in diesem Legemuster immer aus zwei Teilen: Der Wirklichkeit und dem Traum. Der Mond ist deine Wirklichkeit: Er steht gewöhnlich für Einsicht und Selbsterkenntnis, auch Nachdenklichkeit und Intuition. Die Sonne repräsentiert den Traum, das, was du willst: Schaffenskraft und Freude. Licht schaffen und Wärme. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Art und Weise, wie sie hier zusammenstehen, sind sie sehr viel wörtlicher zu verstehen, Kind. Du wärst gern jemand. Aber dir fehlen der Mut und die Fähigkeiten. Du bist eifersüchtig, neidisch und das prägt deinen Alltag. Vergangenheit und Gegenwart sind benannt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte mischte alle offenen Karten zurück in den Stapel, ihre Finger bewegten sich mit einer Routine, die auf jahrelange Erfahrung schließen ließ. Die Frau mochte blind sein, aber das tat ihrer Geschicklichkeit keinen Abbruch und nach einer endlos anmutenden Minute breitete sie schliesslich drei verdeckt liegende Karten vor Fel aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist der wahrscheinlichste Pfad deiner Zukunft. Eine Karte beschreibt das Schicksal. Eine zweite beschreibt, was dir dabei hilft. Die dritte schliesslich ist das größte Hindernis auf deinem Weg. Deck auf.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Woher weiss ich, welche der drei für was steht?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Seherin lachte nur, anerkennend und gutmütig.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist fast die beste Frage die ich in diesem Zelt in diesem Jahr gehört habe. Nun decke auf, Kind. Ich werde es für dich erläutern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Mal gehorchte Fel und deckte die drei Karten nacheinander auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein zweites Mal wurden die erste und die letzte Karte befüllt, als wäre die Seherin selbst überrascht davon, was das Schicksal offenbarte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Interessant. Ich habe selten eine so klare Kombination gesehen: Deine Zukunft ist der Stern: Du wirst dein Glück, deine Bestimmung finden. Der Stern ist ein machtvolles Zeichen der Hoffnung und Erfüllung. Interessanterweise steht er auch für das Elfenvolk. Das ist überaus gut und könnte bedeuten, dass du letztlich auch hier dein Schicksal findest.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dir zur Seite steht dafür der Magier, dessen Anleitung und Weisung dich auf den richtigen Weg bringt. Hüten musst du dich vor dem Gehängten, der hier fast schon wortwörtlich genommen werden muss: Das ist das argwöhnische Auge des Gesetzes, das alles verderben kann, was dir der Stern verheißt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel konnte den plötzlichen Enthusiasmus der Alten nicht teilen: Das alles roch ein wenig zu sehr wie ein billiger Trick, wie etwas, das sich jemand mit dem Geschick der Alten und ihrer Fähigkeit Karten offenbar mit einer Berührung zu identifizieren, ausdenken konnte. Fast noch wichtiger: Beim Starren auf die drei Karten und die dort zu sehenden Gestalten &#039;&#039;fühlte&#039;&#039; sie regelrecht die Disharmonie. Vielleicht war die Reihenfolge einfach nicht korrekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich kenne nur einen einzigen Magier und der ist zu arrogant, um jemandem wie mir auch nur einen Seitenblick zu gönnen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Jemandem wie dir, Kind? Wir sind in Rossensprung, daher darf man solche Dinge nicht laut ausspreche, aber ist dir nicht bewusst, was dein Erbe bedeutet? Du trägst diese Gabe in dir. Du brauchst nur die Hilfe eines anderen Magiers, um diese Möglichkeiten für dich zu öffnen, jemand, der dich schult - möglichst vorbei am wachsamen Auge des Gesetzes, das alles verderben kann.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die knorrigen Finger der Seherin tippten ganz beiläufig auf das Abbild des Gehängten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Lass mich dir von einer Möglichkeit erzählen, Kind. Aber ich sehe bereits, wie die Zukunft dabei ist sich zu entfalten.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;hr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahre später, im Bauch eines  schaukelnden Schiffs, schrieb Fel die Erinnerung an dieses erste Zusammentreffen mit der alten Seherin nieder, die ihre erste Lehrmeisterin werden würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich spürte es schon damals. Die Diskrepanz. Ich bin mehr als je davon überzeugt, dass sie die Karten bewusst in diese Reihenfolge brachte, um mich als Schülerin zu gewinnen. Aber es bleibt dieser Zweifel: Was, wenn da etwas war? Mehr als nur ein Taschenspielertrick? Ich kann nicht aufhören darüber nachzudenken, wie die richtige Reihenfolge der Karten ist. Ich kann die Erinnerung nicht abschütteln an dieses Zusammentreffen mit Ludwig. Es gibt eine Wahrheit dahinter, die noch darauf wartet mir ins Gesicht zu springen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Echos|SUBTITLE=Rossensprung, 448 (vor 2 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der große Markt im Südwesten von Rossensprung hatte sich über die Jahre hinweg nicht geändert. Gewiss, die Zelte wechselten und damit auch die dominierenden Farben, aber noch immer war er geprägt von den halb schwimmenden Holzplattformen und den unzähligen zeitweiligen Brücken, die dazwischen geschlagen worden waren. Es gab, so sinnierte Fel, während sie sich zwischen einigen wild gestikulierenden Interessenten für die Ware eines Töpfers hindurchdrückte, nur voller als zu anderen Zeiten. Das war keine Folge eines weiteren wirtschaftlichen Aufschwungs, sondern Ausdruck der unsicheren Zeiten: Die langen Spannungen zwischen Auenstein und Siebensteig hatten sich einmal mehr in einen offenen Konflikt entladen, das ganze Land entlang der Usser schien in Waffen zu stehen und es gab keinen Tag an dem sich am Horizont nicht qualmende, dunkle Rauchwolken ausmachen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch: Rossensprung war so weit von der Front entfernt, wie überhaupt nur möglich, der einzige echte Überseehafen von ganz Ussaria. Kein Wunder also, dass es Flüchtlinge und Opportunisten gleichermaßen in die Stadt trieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die immerwährende Unstetigkeit der treibenden Plattformen war eine Konstante, mit der die Anwohner Rossensprung mit der Zeit zu leben lernten, aber es erforderte Zeit und Gewohnheit. Selbst gestandene Seeleute, eigentlich an unsicheren Boden unter den Füßen gewohnt, fluchten über den abrupt ruckelnden Grund und hier, gerade vor dem Stand eines Kesselflickers, der eine ganze Auswahl hübscher kupfergetriebener Töpfe und Pfannen ausgestellt hatte, kämpfte nun ein Halbdutzend Matrosen mit dieser Unbille. Einer von ihnen war, vertieft in Austausch mit seinen Kameraden, gegen Fel getaumelt, die zuvor in seiner Hand gehaltene Kanne war zu Boden gefallen und ein kleines Stück gerollt, bis der Fuß eines Anderen sie aufhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Pass auf, wo du deine verdammten Füße hinsetzt, Spitzohr!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Instinkt war den Kopf einzuziehen, sich kleiner zu machen und in der Menge unterzutauchen. Der Konfrontation ausweichen, die gewiss keinen Gewinn, sicherlich aber unerwünschte Aufmerksamkeit bringen würde. Stattdessen biss sie die Zähne zusammen und wandte sich um, fixierte den erzürnten Mann. Die eben noch erhobenen Fäuste wurden widerwillig gesenkt, als er die Uniforminsignien auf der Brust identifizierte und Fel konnte einen Ablauf allzu vertrauter Gedanken über sein Antlitz huschen sehen: Der cholerische Ausbruch war bereits dabei abzukühlen und machte Raum für zwei wesentlich kühlere Beobachtungen. Das Spitzohr war nicht nur eine Frau, sondern zu allem Unglück auch noch Teil der ohnehin bereits angespannten Streitkräfte Auensteins. Und der Mann war noch lange nicht betrunken genug, um diese Hinweise zu ignorieren. Drei, vier Sekunden währte das gegenseitige Starren, bevor der Matrose sich nach seiner Kanne bückte und dann mitsamt seiner grinsenden Begleiter die kleine Plattform verließ. Er würde sich, dessen war Fel sicher, über Tage hinweg den Spott anzuhören haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Fel?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stimme war schmerzhaft vertraut, auch wenn sie anders klang als beim letzten Zusammentreffen vor nunmehr bald zwei Jahren. Die eine Silbe war genug um heissen, längst begraben geglaubten Schmerz in der Brust wieder aufflammen zu lassen. Was war aus den damals ausgetauschten Versprechen geworden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nichts.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ludwig.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ehemalige Schusterlehrling hatte sich verändert und das in fast allen auf den ersten Blick zu fassenden Eigenheiten: Jetzt überragte er Fel um mehr als einen Kopf, die vormals glatt rasierten Wangen verschwunden nun beinahe unter den sorgsam gestutzten Formen eines kurz getragenen Vollbarts. Die nervöse Unruhe, die in den Jahren der Lehre unter der blinden Seherin eine markante Eigenheit gewesen war, hatte sich in selbstbewusste Zuversicht gewandelt, unterstrichen durch die geschmackvolle Wahl an Kleidung, die keinen Zweifel an der gewählten Berufung ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich sehe du hast einen Lehrmeister gefunden. Meine Glückwunsche.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war der Schmerz in den Augen, das fast unmerkliche Zusammenzucken, bevor die Haltung sich wieder begradigte, die verlorene Fassung mit einer Schnelligkeit zurückgewonnen wurde, die Fel in gleicher Weise beeindruckte und betrübte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ja. Nicht alles lief, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber ich fand einen Meister und wurde einer von sieben Lehrlingen. Es waren aufregende, lehrreiche zwei Jahre für mich und ich bedaure nur, dass ich nicht eher die Möglichkeit hatte, nach Rossensprung zurückzukehren.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er zögerte für einen Moment, ausreichend, dass sie sich einmal mehr der eigenen Erscheinung vollkommen bewusst wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Du hast dich nicht verändert, Fel.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist eine Lüge, Ludwig, aber ich nehme es.”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zwei Finger berührten die Insignien der Uniform direkt über der Brust - das geöffnete dreistrahlige Auge in Bronze und direkt daneben die geschwungene Linie. Für das geschulte Auge verriet das erste ihre Zugehörigkeit zur Profession der Magier, das zweite den Rang als Fähnrich in der Auensteiner Armee. Das früher üppig getragene Schopfhaar war mit der zwangsweisen Verpflichtung in die Streitkräfte der Grafschaft kurzgeschorenen worden, aber mit dem Ende der regulären Rekrutenzeit waren die Regeln nicht mehr so streng. Es fiel dennoch noch nicht lang genug, um die leicht gespitzten Ohren zu verdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich war in der Brache. Von Myras Haus gibt es keine Spur mehr. Ich habe gehört, was ihr passiert ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen einfachen drei Sätzen hörte Fel eine ganze Anzahl von Fragen, zusammengepresst auf die Form dieses simplen, fast neutralen Geplänkels. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Sie haben uns erwischt, ungefähr ein halbes Jahr nach deinem Weggang aus Rossensprung. Irgendjemand hat sich ein Kopfgeld verdient und ist hoffentlich daran erstickt. Du weisst, wie die Regeln sind: Ich bekam die fünf Jahre Dienstverpflichtung im Austausch für eine Ausbildung. Myra ..”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel ließ den Satz unvollendet: Ludwig kannte die Regeln ebenso gut wie sie selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich war seitdem nur ein einziges Mal wieder in der Brache. Es sind keine schönen Erinnerungen mehr.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform schwankte unter dem Gewicht anderer Marktbesucher, die kurzzeitig geschlagene Lücke in der lärmenden Gleichförmigkeit war rasch wieder geschlossen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Warum bist du zurückgekommen, Ludwig? Im ersten Jahr war ich voller Hoffnung, malte mir aus, wie du zurückkommen und mir von der Welt erzählen würdest, von deinen Abenteuern und den Dingen, die du gelernt hast. Anfang des zweiten Jahr fühlte ich mich bitter: Betrogen und vergessen, zurückgelassen in einem Elend, gefangen zwischen Mühlsteinen, die stetig darauf aus waren - und es noch sind - mich zwischen sich zu zermalmen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich verstehe, Ludwig. Alles verändert sich, nur ich fühle mich manchmal, als wäre ich davon ausgenommen, ein Beobachter, der sich im Sumpf verirrt hat und alle anderen an sich vorbeieilen sieht. Sieh dich an: Ich kann dich kaum wiedererkennen. Du bist deinen Schuhen längst entwachsen, ein Mann, wo ein Jüngling damals aufbrach. Warum bist du zurückgekommen?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war der Schmerz wieder, die Schuld zwischen der zur Schau getragenen Selbstsicherheit und Fel spürte eine bittersüße Befriedigung bei der Beobachtung, eine vorwurfsvolle Genugtuung, die schon an Rachsucht grenzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe viel gelernt Fel. Ich weiss nicht, was sie dir in der Armee beibringen, aber ich bin sicher, es kann nicht viel sein. Ja, ich bin viel zu spät, aber das ist der Unterschied zwischen törichter Planung und der Erfahrung, die man draussen im Leben macht: Die Dinge sind nie so einfach, wie sie erscheinen. Ich kam, sobald es mir möglich war. Und ich habe dich nicht vergessen. Wenn du willst, können wir schon diesen Abend fort sein aus Rossensprung, unterwegs. Niemand wird dich finden, niemand wird dich entdecken. Ich kenne genau die richtige Magie dafür.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Moment lang vermochte Fel nicht zu atmen, ein Gefühl wie von Eiswasser in ihren Adern brachte alle Glieder zum schütteln und die Zähne zum klappern. Ein Teil von ihr, gut behütet unter dem Alltag allzu pragmatischer Lehre, krümmte sich wie ein waidwund geschossene Fähe in plötzlichem, atemlosem Grauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was heißt das?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war eine Geschichte, die Fel ihm niemals anvertraut hatte: Die Details ihres ersten Zusammentreffens mit der blinden Seherin waren immer verborgen geblieben, gehütet wie peinliche Anekdoten der Kindheit, die in gut gesicherten Schubladen verstaubten. Also schwieg sie, zu sehr damit beschäftigt nicht einfach zu flüchten, um eine Antwort geben zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Habe ich etwas Falsches gesagt, Fel?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Nein.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Entsetzen verflog, auch wenn das Herz weiterhin gegen die Brust hämmerte, der schwere Uniformstoff nun zusätzlich noch klamm durch schweisskalte Feuchtigkeit. Ein Teil von ihr erkannte ganz kühl, dass die Panikattacke vorbei war und fragte sich befremdet nach dem Grund dafür, ohne eine Antwort zu finden. Etwas an der Formulierung Ludwigs musste einen Zusammenhang hergestellt haben zu den vor Jahren gelegten Karten der Seherin. Aber was, das blieb dem rational ausgreifenden Verstand schleierhaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Nein. Das Risiko ist zu hoch. Für dich. Für mich. Wir sind keine Kinder mehr - ich schon lange, du seit mindestens einem Jahr. Und ich denke an den allermeisten Tagen benimmst du dich auch so. Du hast etwas aus dir gemacht - gut! Ich habe immer gewünscht, dass du aus diesem Loch entkommst. Aber das werde ich auch, spätestens wenn meine Zeit um ist. Und dann will ich diese Stadt hoch erhobenen Hauptes zurücklassen, noch ein letztes Mal in das Hafenwasser spucken, um dann nie mehr hierher zurückzukehren.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Momente stand Ludwig nur wie vom Schlag getroffen, die Maske welterfahrener Nonchalance fortgewischt und gegen eine Mischung aus Überforderung, Schmerz und schlechtem Gewissen ausgetauscht. Und, wie Fel nicht ohne eine gewisse bittere Zufriedenheit bemerkte, auch ein Quäntchen von Erleichterung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er ging, war es wie eine Flucht, eilig, noch immer mit der durch lange Jahre erworbenen Sicherheit bei der Bewegung über schwankende Planken und driftende Plattformen hier im sumpfigsten Teil Rossensprungs. Manche Eigenheiten blieben erhalten, selbst wenn sie nicht mehr benutzt wurden, wartend und schlummernd, bis die Notwendigkeit wieder nach ihnen rief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel starrte ihm nach, bis seine Gestalt im Alltag verschwunden war, selbst der Lärm wie eine Decke, die sich über alle allzu betäubenden Gedanken legte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Das ist es eben. Nichts bleibt wie es ist. Darauf zu hoffen, ist töricht. Darauf zu vertrauen ist Selbstmord.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was ist nun? Wollt ihr es kaufen? Ich habe auch noch andere Interessenten.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nachfrage des Mannes hinter dem Stand mit all den blank polierten Kupferteilen erinnerte Fel an den eigentlichen Grund ihrer Anwesenheit hier: Mitten in der bunten Mischung aus Töpfen und Tiegeln, Messern und Gabeln, kleinen Dosen, einem Käfig, verzierten Tellern und grösseren Platten, befand sich auch eine kleine, kaum mehr als fingerlange Statue. Elfische Handwerkskunst hatte der Mann ihr hoch und heilig versichert. Von seinem Großvater erworben und weitergegeben an den Vater als Glücksbringer, nun in Anbetracht der Umstände aber dennoch zu einem günstigen Preis abzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Höchstwahrscheinlich eine Fälschung.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also solche würde sich die kleine Figur nur zu der Sammlung anderer kleiner Kinkerlitzchen gesellen, die Fel im Laufe der letzten Jahre angesammelt hatte. Sie alle verband ein vermeintlich elfisches Erbe, sie alle waren günstig genug gewesen, um für ihre äußerst beschränkten Mittel greifbar zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nur sie sind ewig. Unveränderlich wie die Sterne selbst. Warum muss ich hier festsitzen?’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel später war sie auf dem Rückweg in die Kaserne, die kleine, vermeintlich elfische Statue gut behütet in der Tasche.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Interludium: Die Insel der Nebel|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|CONTENT=Die Insel der Nebel ist der Tutorialbereich von DNW, eine vom eigentlichen Spielgeschehen isolierte Insel. Obwohl alle Elfenvölker frei erstellt werden können, sind Halbelfen aber kein frei verfügbares Volk. Das bedeutet: Um Fel tatsächlich ins Spiel bringen zu können, musste ich einen entsprechenden Antrag stellen. Dieses Interludium entstand während der Wartezeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da die Insel der Nebel nicht tatsächlich existiert - es ist eben nur ein Tutorialbereich - können die dort gemachten Erfahrungen nicht ins Spiel einfließen. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 14|CONTENT=&lt;br /&gt;
In der gleichförmigen Stasis dieser Insel ist die Ankunft anderer Reisender die einzige Abwechslung, die einzige Abweichung von einer täglichen Routine. Selbst das ist, wenn man es korrekt betrachtet, gleichbleibend: Ihr Kommen und ihr unvermeidliches Gehen ist zwar unregelmässig aber doch vorhersehbar: Sie alle ziehen weiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich noch an die Aufregung des ersten Tages, gleich gefolgt von der Erleichterung direkt nach der Ankunft, an deren Details ich mich nicht erinnern kann. Das ist etwas, was mich mit den allermeisten der Reisenden verbindet: Eine bestimmte Ungewissheit, über die Art und Weise wie dieser Ort erreicht wurde. Selbst jene die voller Überzeugung davon berichten, wie sie von einem Schiff hier abgesetzt wurden, verdrängen vielleicht einfach die Realität, denn ich habe abgesehen vom Fährmann niemals jemanden hier angelegen sehen. Und - um korrekt zu sein - nicht einmal diesen. Er liegt einfach jeden Morgen aufs Neue vor Anker, unvermeidlich wartend wie das finale Schicksal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen ersten Tagen war ich dankbar für mein Leben und stellte nicht zu viele Fragen, aber je länger ich hier verweile, desto mehr Zweifel verdichten sich zu schweren Klumpen in meinem Hinterkopf: Was ist das für ein Ort? Was bedeutet meine Anwesenheit hier? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine im Moment bevorzugte Theorie habe ich nach vielen Gesprächen mit anderen Reisenden herausgeformt: Ich denke diese Insel ist kein echter Ort, sondern eine geteilte Traumrealität, ein unechter Platz, den jene erreichen, die gerade bei sind ihr Leben zu verlieren oder ihren letzten Atemzug bereits getan haben. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist ein Ruheplatz um sich zu sammeln, um Frieden zu schließen. Wer dann bereit ist für die Weiterreise, der vertraut sich dem Fährmann an, der keine Bezahlung verlangt und niemals jemanden hierher zurückgebracht hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fürchte seine Verlockung genau wie die hölzernen Planken seines Schiffes. Und wer will es mir verdenken?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich sah, wie die Magie sich verformte, verdrehte, wie die Realität selbst aus der Fuge zu geraten schien. Was Holz war wurde zu Luft, was Metall war, transformierte zu Wasser. Mir ist selbst jetzt unbegreiflich, auf welche Weise das passierte, welches Prinzip dahinter steht. Es passt zu keiner der Lehren, die mir nahegelegt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was fange ich also an mit den Tagen, die alle gleich beginnen und nahezu identisch enden?&lt;br /&gt;
Weniger, als ich sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine bescheidenen Fähigkeiten bemüht um zu prüfen, ob sie irgendwelche permanenten Veränderungen durchlaufen haben, aber das scheint nicht der Fall zu sein, denn die mir bekannten Zauber funktionieren wie immer, die Grundprinzipien scheinen identisch soweit es sich durch mich beurteilen lässt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich habe Notizen hinterlegt, flüchtig bislang nur: Zu den verschiedenen Gebäuden, zu den Personen hier, zum Fährmann und auch zu den anderen Reisenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sollte ich all das ein wenig ordnen. Vielleicht ist es genau das, was ich brauche um jenen Ruhepunkt zu finden, den ich benötige, um mich dem Fährmann anzuvertrauen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann nicht aufhören mich zu fragen: Was wenn meine ganze Existenz nur ein eingefrorener Moment ist, der sich in dem Moment auflöst, in dem ich mich entschliesse weiterzuziehen? &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 24|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich nicht mehr genau, was das Erste war, dass mein Misstrauen erregte, aber ich glaube es waren die Bewohner dieser Insel. Damit meine ich nicht die Reisenden, die allesamt - genau wie ich - auf irgendeine Weise hier ankamen und - anders als ich - nicht viel später dann auch schon der Verlockung des Fährmanns folgen und die Weiterreise antraten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kontakt war .. glaubhaft, die oberflächlichen Gespräche die man eben so führt, wenn man an unbekannte Gestade gespült wird mit nicht mehr als ein paar Fetzen am Leib, genau das was man eben erwartet. An jenem ersten Abend war ich zufrieden zumindest einen provisorischen Schlafplatz ergattert zu haben. Ich will nicht behaupten, dass ich glücklich war, aber die Sorgen und das Bedauern sollten erst in den Wochen danach allmählich Einzug halten, vertraut in ihrer kühlen Hartnäckigkeit. Aber damals war ich froh noch am Leben zu sein. Fragen konnten warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Katzenjammer kam mit dem nächsten Morgen, mit der klaren Einsicht, dass mein bisheriges Leben ein abruptes, ungeplantes Ende erfahren hatte. Meine Verpflichtungen, meine Aufgaben, meine dünnen Freundschaften und vor allem auch mein Lehrmeister: Einfach davongewischt wie ein unbedeutendes Staubkorn auf einer nun in Ordnung gebrachten Tischplatte. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während die Sonne gemächlich aufging und die Insel mit Farben und Wärme füllte, realisierte ich, dass ich zum ersten Mal seit meiner Flucht aus Breitenbach wirklich allein war. Wohin ich von hieraus auch aufbrechen würde: Niemand würde meinen Namen kennen. Niemand die Umstände meines Aufwachsens, niemand die ungetilgte Schuld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war ein eigenartiger, machtvoller, wenn auch bittersüßer Gedanke: Ich hatte die Möglichkeit mich selbst neu zu erfinden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Wochen später, stelle ich fest, dass der Käfig etwas ist, was man mit sich trägt und selbst ein Schiffsuntergang wischt ihn nicht einfach fort. Es ist so leicht, so verführerisch in vertraute Gewohnheiten zu fallen, die über die Jahre wie Atemzüge wurden: Unwillkürlich und vertraut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich schweife ab.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es brauchte drei Tage bis ich wirklich verstand, dass die Bewohner dieser Insel sich nicht an mich erinnerten: Wenn ein Tag neu anbrach, dann waren sie selbst wie erneuert, aller Eindrücke der vorherigen Stunden beraubt. Erst mit dieser Beobachtung verstand ich, dass es nicht nur die Bewohner waren, sondern die ganze Insel: Welche Spuren ich auch hinterlassen hatte, sie waren verblasst, sobald der neue Tag begann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da verstand ich: Das hier ist kein echter Ort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und damit kamen auch die Zweifel: Was bin ich dann?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 26|CONTENT=&lt;br /&gt;
Was bin ich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein verwirrter Traum, der sich gerade auf der Schwelle zwischen Schlaf und Erwachen wälzt, unfähig das Eine oder das Andere zu umarmen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Gedanken einer Sterbenden, die in nachtblauer Tiefe einem eiskalten Grab am Boden der See entgegensinkt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reste einer Seele, die die Schwelle bereits überschritten hat und nun nur noch darauf wartet das Urteil zu akzeptieren, Frieden zu machen mit sich, bevor sie bereit ist für die Weiterreise an einen Ort von dem noch niemand zurückgekehrt ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Morgen verspricht mir aufs Neue: Nein. Das ist ist normal. Du hast überlebt. Sieh dich um und sammle, erhole dich, bevor du weiterziehst. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann die Augen nicht davor verschliessen, wie ich das gleiche Gespräch ein weiteres Mal mit der Frau hinter dem Tresen in der kleinen Markthalle führe, wieder die gleichen Anekdoten vernehmend, die ich bereits zwei Dutzend Mal vernommen habe. Sie sind mir bald so vertraut, wie die Stationen meines eigenen Lebens und ich lächle pflichtschuldig, während ich ein weiteres Mal um Material handle. Tinte. Papier.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es wird höchste Zeit, dass ich mich aufraffe, das Beste aus diesem Ort hier mache, Hausaufgaben erledige, die schon viel zu lange darauf warten, abgeschlossen zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anlass für diesen Entschluss war fast schon banal: Das Zusammentreffen mit einem Reisenden, der die Magie gerade erst zufällig für sich entdeckt hatte und nun mit der staunenden Zuversicht eines Welpen den Vorgaben in dem zerfledderten Buch folgte. &lt;br /&gt;
Mir fehlen die Worte, um genau zu beschreiben, wie ich mich fühlte, als er Reagenzien zerrieb, Worte rief und eine Wirkung manifestierte, als wäre es gar nichts. Einfach so. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann mir vorstellen, dass ich gelb im Gesicht wurde vor Eifersucht und Neid. Welches Recht hatte dieser Mann ohne die geringsten Studien, ohne Stunden über Stunden an Meditation und erschöpfenden Übungen einen solchen Effekt einfach aus dem Ärmel zu schütteln? Wo war die Gerechtigkeit dabei?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Gedanke riss mich aus dem schäumenden Selbstmitleid - die Erinnerung daran, wie Jerwalson mich für eine sehr ähnliche Frage höhnisch verlacht hatte, war auch jetzt, Jahre später, noch wie eine nicht verheilte Wunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Gerechtigkeit für mich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieses Zusammentreffen war ausreichend, um den Entschluss in mir reifen zu lassen, meine gesammelten Kenntnisse einmal zu ordnen, zu prüfen, sie niederzuschreiben. Meine eigenen Notizen, die - hoffentlich - mit mir gemeinsam wachsen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wenn ich nur ein zuckender Gedanke kurz vor dem Verlöschen sein sollte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mehr Licht! &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 28|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Mach die Augen auf.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein neuer Tag. Eine vertraute Routine. Es ist eigenartig, wie präsent die stetige Gleichförmigkeit dieser kleinen Insel wird, wenn einem diese Eigenheit erst einmal bewusst geworden ist. Wieviele Monate meines Lebens habe ich mit eintöniger, langweiliger Arbeit verbracht ohne mich über gewöhnlichen Groll hinaus zu beschweren? Wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, dann kann der Unterschied zu meinem Erlebnis hier nicht besonders groß gewesen sein: Immer der gleiche Tagesablauf, feindselige oder gelangweilte Blicke von Fremden, bestenfalls vom Sehen vertraut. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dazu ein Gewicht, dass es hier nicht gibt: Wenn ich meiner Verärgerung hier freien Lauf lasse und der geizigen Kräuterhändlerin meine Meinung geige, wird sie mich am nächsten Tag doch begrüßen, als hätte sie mich noch nie vorher gesehen.&lt;br /&gt;
In gewisser Weise, denke ich, dass exakt das auch der Fall ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jerwalson, daran hege ich keinen Zweifel, wäre enttäuscht und das ist ein Gedanke der mich mehr bedrückt, als er sollte. Der Mann war mein Lehrmeister, aber kein Freund. Niemand, dem ich mich anvertraut hätte über die Alltäglichkeiten der Ausbildung hinaus. Er trug, denke ich, die Uniform mit noch mehr Verachtung als ich. Ein weiteres offenes Rätsel, eines, das nun nicht mehr drängt und vermutlich nie gelöst werden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das ist Vergangenheit. Ich sollte froh sein über diese Herausforderung. Die Wahrheit ist, dass ich jeden Tag ein wenig entnervter erwache, mich in meiner eigenen Routine festbeisse: Muscheln sammeln, die Beete bestellen, Gemüse verkaufen und gegen Reagenzien, Tinte und Papier eintauschen. Und dann schreiben: Es ist frappierend, wieviel ich bereits vergessen habe: Ich bekomme den Enigmatischen Dualismus Jerwalsons kaum noch zur Hälfte zusammen: POR und ZAN als Gegenstücke, aber stand NOX nun gegensätzlich zu XEN oder MANI? Es ist genau wie vor einem Jahr: Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger habe ich den Eindruck davon zu verstehen. Das System, was er darin sah - oder vorgab zu sehen - erschließt sich mir einfach nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht morgen. Ich habe das Gefühl ich bin reich an Tagen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 32|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Sieh dich um.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigenartig, wie mit den Jahren manche Erinnerungen vollkommen ausgewaschen sind, dünner und fadenscheiniger noch als die von der Armee Auensteins gestellte Unterwäsche. Andere dagegen haben ihre Leuchtkraft bewahrt, oder - wie Jerwalson stets zynisch bemerkte, wann immer sich Gespräche in diese Richtung entwickelten - sie haben sich allmählich verwandelt und erwecken damit fälschlich einen Anschein von Authentizität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich denke noch immer, dass er sich darin irrt, dass es Eindrücke gibt, deren Wahrhaftigkeit mühelos dem Zahn der Zeit widersteht, so prägend und machtvoll, dass sie selbst nach Jahrzehnten nichts von ihrer Schärfe verloren haben. Ich wünschte ich könnte das Gesicht meiner Mutter dazuzählen, aber wenngleich ich mich mühelos an ihre letzten Worte an mich erinnern kann, ist ihr Gesicht selbst ins Vergessen geraten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich auch an die Trauer, an den Schrecken, an das Gefühl von Schuld und Verrat. Sie ging um einem Traum nachzujagen, auf der Suche nach ihrem Geliebten, der - wie ich sehr viel später erfahren sollte - nicht einmal seinen richtigen Namen genannt hatte. Mein Vater. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
An manchen Tagen frage ich mich, wie weit weit ihre Suche sie gebracht hat, ob sie vielleicht noch immer irgendwo da draussen ist. Ob es eine neue Familie gibt, andere Halbgeschwister, die den Luxus hatten mit einer Familie aufzuwachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert ist verstrichen und vielleicht hat sie ihr Glück gefunden. Aber ein Teil von mir, der sich in der Erinnerung an diese ersten Tage zusammenduckt und unzulänglich fühlt, hofft, dass sie noch immer wandert und sucht, vergeblich von einem Ort zum anderen treibend, wie ein welkes, schon lange dem Baum entrissenes Blatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sollte einen ähnlichen Groll auch gegenüber diesem Fremden hegen, diesem umherziehenden Elfen. Aber ich habe ihn nie kennengelernt, es gibt keine Erinnerungen, an die ich meine Gedanken heften kann. Aber ich denke auch er ist noch irgendwo da draussen, alterlos wie alle seines Volkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alterlos.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie diese Insel, wo jeder Tag seinem Vorgänger gleicht. Ich habe mich begonnen zu fragen, ob es hier ohne Reisende überhaupt Tage gibt. Oder: Ob das hier überhaupt existiert ohne einen Besucher. Wenn ja: Wird irgendwann jemand nachsehen, warum ich hier verweile ohne mich dem Fährmann anzuvertrauen? An manchen Abenden habe ich das Gefühl von unsichtbaren Geistern angestarrt und verurteilt zu werden, namenlosen Schemen aus Quecksilber, die sich zwischen den Schatten bewegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jerwalson würde lachen und lästern. Aber ich kann den Schauder nicht abschütteln, der mich in diesen Momenten überfällt. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 33|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Gleichförmigkeit der Insel lädt dazu ein sich treiben zu lassen und jeden Morgen, direkt nach dem Erwachen, gebe ich diesem Gefühl nach, bleibe liegen und lausche mit geschlossenen Augen auf das Geschrei der Vögel, auf das Plätschern des Regengusses, der sich zuverlässig jeden Morgen einfindet und auch auf Gespräch der beiden Händler, das ebenfalls immer gleich abläuft. Sie haben Erinnerungen, aber es ist für mich unmöglich zu ergründen, ob sie sich auf tatsächliche Ereignisse beziehen, oder nur dünne Tünche über eine spärlich gedeckten Leinwand sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Personen bin ich eine Fremde und ein Tag ist nicht genug um daran etwas zu ändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Frage ist, ob ich meinen Erinnerungen tatsächlich trauen kann. Die reine Existenz beweist noch gar nichts - genau wie die Händler sich an ein &amp;quot;gestern&amp;quot; erinnern, tue ich das eben auch. Niemand garantiert, dass nicht 1 Tag dazwischenlag, der ohne Spuren wieder verschwunden ist. Ein Tag, oder deren Einhundert. Ein Jahr. Würde ich den Unterschied bemerken?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für meinen Seelenfrieden bilde ich mir ein, dass ich einen kontinuierlichen Verlauf an meinen persönlichen Gegenständen ablesen kann, die - wie ich auch - vermutlich einem anderen Gesetz unterworfen sind: Meine Aufzeichnungen bleiben, die erhandelte Kleidung bleibt ebenso. Sofern das System nicht in einer Art und Weise gebaut ist, um auch solche Details zufriedenstellend fälschen zu können, kann ich mich weitgehend sicher fühlen: Das was ich als Tage empfinde, sind tatsächlich auch Tage. &lt;br /&gt;
Weitgehend. Nicht vollkommen, natürlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein System kann unmöglich vollständig verstanden werden, solange man selbst ein Teil des Systems und auf dessen Werkzeuge angewiesen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ironischerweise erinnere ich mich an diese Lektion noch gut, daran wie Jerwalson dieses Zitat nach einer Expedition benutzte, die als einfache Übung für die Rekruten gedacht war und darin endete, dass sich zwei eigentlich freundliche Kompanien gegenseitig beschlichen. Damals war der Anlass - natürlich - die vollkommene Verwirrtheit der führenden Offiziere. Aber es passt auch sehr gut auf diese meine aktuelle Situation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun: Genug geträumt. Es gibts nichts zu tun, aber das will erledigt werden. Ich habe Sorge ich könnte mich sonst in der Zwischenheit doch noch in einen der Anwohner hier verwandeln.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 35|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein weiterer Morgen folgt einem Abend ohne andere Reisende. Es ist nun Tage her, dass ich ein anderes menschliches Gesicht als die Händler zu sehen bekommen habe und ich kann spüren, wie das an mir nagt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist aus sich heraus bereits eine interessante Beobachtung: Während meiner Zeit auf den Strassen Grauhafens war ich die allermeiste Zeit mir selbst überlassen, scheute auch vor den Banden von Dieben und Trickbetrügern zurück, unter denen ich mich in Breitenbach noch so selbstverständlich bewegt hatte. Aber damals war die Einsamkeit selbst gewählt, kein Fakt der mir von aussen aufgedrückt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier, auf der Insel der Nebel, ist sie unvermeidlich und ich spüre jeden Tag ein mehr wenig Widerwillen die immer gleichen Gespräche zu führen. Nach den ersten Tagen peinlicher Berührtheit, spüre ich ein eigenartiges Ressentiment, eine frustrierte Verachtung für diese Menschen. Es wäre zu einfach nun kleinen Grausamkeiten Raum zu gewähren, Grobheiten aus Langeweile oder Ärger zu führen, immer in der Gewissheit, dass alles was man tut am nächsten Morgen ausgelöscht sein wird. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Teil von mir _ist_ neugierig: Würde ein neuer Tag noch immer so unverändert beginnen nachdem ein Feuer die Häuser hier verschlungen hat? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind beunruhigende Gedanken und ich konzentriere mich lieber auf die Arbeiten: Nach meinem Scheitern den Enigmatischen Dualismus Jerwalsons präzise zu beschreiben, habe ich mit etwas Einfacherem begonnen: Eine Auflistung der Worte der Macht, jeweils mit Erläuterungen und Kommentaren. Die Form ist armselig: Das Papier ist minderwertig und teilweise muss ich auf Ränder schreiben, aber .. es ist besser als nichts. Es ist ein Fortschritt und damit wertvoll und lieb auf einer Insel auf der die Zeit sonst stillzustehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sollte ich ja beten. Wer weiss.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 38|CONTENT=&lt;br /&gt;
Breitenbach, die Stadt in der ich die ersten Jahre meines Lebens verbrachte, war mit den Tugenden im Kopf gegründet worden. Die innere Mauer, auch dieser Tage noch weitgehend unbeschädigt erhalten wenngleich die Stadt sich längst über ihre Begrenzung hinaus ausgedehnt hat, besitzt insgesamt acht Türme. Jeder dieser Türme trägt den Namen eines der Erzengel und ist entsprechend auch einer der acht Tugenden gewidmet. Es ist nun siebzehn Jahre her, aber ich erinnere mich noch immer lebhaft an die bemalten, mit Ornamenten, Plastiken und Sinnsprüchen verzierten Fassaden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich hatte im Zuge meiner erzwungenen Dienstpflicht einige Gelegenheit mehr über die inneren Strukturen Breitenbachs zu erfahren: Zumindest nominell sind die Türme der Erzengel auch der Sitz von je einem &amp;quot;Wahrer der Ordnung&amp;quot; einer Tugend, jeweils gewählt aus den Reihen ihrer Gefolgschaft. Das alles hat mit dem Glauben an den Herren sehr wenig zu tun, die Verbindung ist bestenfalls lose und im Laufe der Jahrzehnte scheint mir der ursprüngliche Gedanke sehr in Richtung reiner politischer Masche verwandelt worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie dem auch sei: Die allermeisten Bewohner Breitenbachs ordnen sich zumindest formell einer Tugend zu und sind dann eben auch dafür verantwortlich den Wahrer zu wählen. Ich erinnere mich nicht welcher Tugend meiner Mutter folgte und ich hatte sehr wenig Kontakt mit dem Glauben über die oberflächlichen Symbole des Alltags hinaus. Nachdem sie sich auf die Suche nach ihrem verlorenen Geliebten gemacht hatte, waren alle zarten Ansätze von Religiosität ohenhin zum Verkümmern verdammt: Auf der Straße wurden die Tugenden bestenfalls benutzt, um ein paar Münzen von den Devoten zu erbetteln, der einzige echte Glaube war der an einen gefüllten Magen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lernte wenig über die richtigen Gebete, dafür viel darüber den Kopf unten zu halten, sich vor Autoritäten zu beugen, wann immer es notwendig war und schamlos zuzugreifen, wann immer möglich. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als ich Breitenbach schliesslich verließ: Verbannt, meine zerschmetterte linke Hand eine Strafe für mich und eine Warnung für alle, die meiner ansichtig wurden, fluchte ich ausgiebig im Namen der Erzengel. Das, denke ich heute, ist das Gleichgewicht aller Dinge: Aktion und Reaktion, Bewegung und Gegenbewegung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es liegt eine furchtbare Kraft in der Entschlossenheit eines Mannes, der sein Tun als gerechtfertig ansieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Grauhafen hätte ich, dieser Dynamik folgend, irgendwann ein trauriges Ende nehmen können, aber ich hatte Glück und fand den Weg zum Handelshaus Telketh. Das hatte seinen ganz eigenen Preis, aber es brachte mich auch zum ersten Mal seit den frühen Jahren meiner Kindheit wieder in Kontakt mit dem Glauben an den Herren.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich saugte die Gebete und Rituale auf, die Lebensweise, die sich auf ganz andere Art und Weise an den Tugenden (und den Sünden) orientierte, als ich es noch vage von früher in Erinnerung hatte. Aber ich blieb opportunistisch distanziert: Das hier war was man von mir erwartete, insbesondere nachdem man mir eine so außergewöhnliche Chance gegeben hatte und ich war absolut bereit das Notwendige zu tun für einen gefüllten Magen, ein echtes Bett und ein kleines Zimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch: Mit der Zeit wurden die kleinen Rituale zur Gewohnheit, prägten sich in den Alltag ein mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie sie auch für Essen und Trinken aufgebracht wurde. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin bis heute unsicher, ob das tatsächlich als &amp;quot;Glaube&amp;quot; gilt. Mein einziger Versuch diese Thematik mit Jerwalson zu besprechen, endete in einer nahezu endlosen Tirade an deren Ende er schliesslich das bekannte System von Worten der Macht und Reagenzien mit den Handlungen von betenden Priestern verglich: Beide auf ihre Weise vollkommen ahnungslos, abhängig von einer höheren Autorität, die das eigentliche &amp;quot;Tun&amp;quot; nach der Opfergabe dann in Angriff nimmt. Das erstickte all meine Ambition Glaube mit ihm zu besprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber letztlich denke ich, dass Religion für die allermeisten Menschen außer einem kleinen Zirkel von tatsächlich Erwählten, sehr abstrakt und entfernt ist: Rituale und Vorgaben, die von einer höheren Stelle angewiesen werden und denen man dann eben folgt. Ja, man bittet den Herren um Beistand, um Einsicht, um günstige Winde oder dumme Kunden, die man über das Ohr hauen kann, aber nach meiner Erfahrung erwartet niemand tatsächlich, dass der Herr tätig wird und etwas tut. Aber: Es ist besser den kleinen, allgemein akzeptierten Aufwand zu betreiben und sei es allein aus abergläubischer Versicherung, dass man nicht versehentlich den Zorn durch Unterlassung erweckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat das alles mit dem Hier und Heute zu tun?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand hat diese Insel in den Nebeln geschaffen, hat die Regeln definiert und dafür Sorge getragen, dass jeder Tag unverändert neu beginnt. Aber wer? Und wozu? Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ein solcher Ort nicht einfach als grausame Spielerei existiert, sondern zu einem ganz bestimmten Zweck, eine Funktion innehat. Vielleicht ist es genau das, was ich zuerst vermutete: Der Übergang zum Nachleben, eine kurze Pause für die erschöpfte Seele um sich zu sammeln, um Kraft zu schöpfen, bevor die Reise hinter die Schleier ansteht. Um zu akzeptieren und das Angebot des Fährmanns schliesslich anzunehmen, der nichts über das Ziel verraten möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeden Tag schrecke ich davor aufs Neue zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht wäre es einfacher, wenn ich den Glauben in meinem Herzen tragen würde, statt nur wie ein Gewand, das man eben überstreift, wo es bequem und passend ist. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber das ist nicht, wie ich aufwuchs.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist nicht, was ich lernte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist nicht, wer ich bin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht bedeutet das aber auch, dass ich hier auf ewig gestrandet bin.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 39|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein weiterer Tag eintönige Gleichförmigkeit auf der Insel. Auch heute, so scheint es, wird es keine Reisende an diese Gestade spülen, aber ich denke ich habe mich - zumindest für den Moment - damit arrangiert. Ich muss mir einfach meine eigene Abwechslung schaffen und die kann nicht ausschliesslich aus Arbeit bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Insel ist, wenngleich zu Fuß binnen weniger Minuten umrundet, ein ganz hübsches Fleckchen, eine interessante Mischung von Eindrücken, die sich auf engem Raum zusammendrängen. Das Wetter ist, vom morgendlichen Regen einmal abgesehen, auch durchaus angenehm, sobald die aufsteigende Sonne die Feuchtigkeit vom Sand geleckt hat, lädt der Strand regelrecht zum Verweilen ein und erlaubt einen Blick über die offene Wasserfläche überall umher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Breitenbach, Grauhafen und Rossensprung liegen allesamt am Lauf der Usser, ein schiffbarer Fluss, der jeden Frühling noch ein Stück weit anschwillt und bisweilen sogar die Auen großflächig überschwemmt. Rossensprung liegt direkt an der Mündung der Usser zum Meer hin, oder besser: Die Stadt wuchert im sumpfigen Delta.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin also durchaus mit dem Anblick eines großen Wassers vertraut - aber dieser Anblick ist einfach etwas anderes, als ich von der müßigen Betrachtung des Horizonts gewohnt sind: Hier gibt es keinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Himmel, der hier jeden Tag die gleichen Wolkenmuster trägt, geht mit der Entfernung von der Insel ohne scharfen Übergang in dichte, träge driftende Nebel über. Dieser Nebel ist genauso statisch in seiner Natur wie die gesamte Insel und damit vermutlich das gesamte Areal: Nichts verändert sich. Nach einem Tag beginnen alle Abläufe wieder von vorn.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unabhängig von Wetter und Uhrzeit bleibt der Nebel bestehen, beschreibt eine Grenze ausserhalb meiner Reichweite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht so als würde ich keine Neugierde verspüren, aber mich schaudert weiterhin beim Gedanken mich hölzernen Planken für eine Reise ins Ungewisse anzuvertrauen. Und ich habe niemals gelernt zu schwimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemals gelernt zu schwimmen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und doch bin ich hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Erinnerung, der ich mich nicht stellen möchte, aber sie hängt über mir, wie meine eigene schwere Gewitterwolke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die “Siebentrutz” hatte ihre Reise von Rossensprung aus angetreten, Teil jüngerer Bemühungen der Grafschaft diplomatische Kontakte jenseits des eigenen Terrains zu erschließen - immer mit dem Gedanken den langjährigen Konkurrenten Siebensteig damit endlich ausstechen und die geforderte Einheit wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Armee war neben dem Schutz des Botschafters auch die allgemeine Präsentation und aus irgendeiner Laune des Schicksals war meine Kompanie für diese Aufgabe ausgewählt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und abgesehen vom abergläubischen Gemurmel der Matrosen, die mir stets schele Blicke zuwerfen, war die Reise auch ereignislos verlaufen - bis zu jenem Abend.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während der Rest meiner Kameraden sich mit Kartenspielen die Zeit vertrieb, hatte ich das Glück, die eingeschränkte Laune Jerwalsons ertragen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zu jenem Abend, als die Regeln sich änderten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Mal demonstrierte er mir Sammlung, Verdichtung und Konzentration von Mana, die Bindung in Objekte hinein - etwas, was sich bis dahin vollkommen meinem Verständnis entzog (und es noch heute tut). Und dann .. geschah etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann es kaum in konkrete Eindrücke fassen, aber ich erinnere mich an das ungläubige Entsetzen in den Augen meines Lehrmeisters, die vollkommen konfuse Verwirrung, ein Ausdruck der endlich einmal das selbstzufriedene zynische Lächeln von seinem Antlitz wischte. Ich hätte Genugtuung in diesem Augenblick finden können, aber ich war selbst dabei um Atem zu ringen, gebeutelt von unsichtbar bleibenden Mächten, deren Vorbeiziehen meinen Geist wirbeln ließ. Für einen Moment, ich bin bereit darauf zu schwören, konnte ich die Magie sehen und die absurde Art und Weise, wie sie sich in eine unmögliche Richtung verbog. Das, wurde mir bewusst, musste die transitive Eigenschaft der astralen Ebene sein. Oder auch nur eine aus Panik geborene Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles .. bewegte sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe keine bessere Erklärung dafür, keine passenden Worte für die Transformation, die ihre Kraft aus der ungebundenen Kraft meines Lehrmeisters zog. Holz wurde zu Wasser, Metall wandelte sich in Luft, eine Kerzenflamme transformierte vor meinen ungläubigen Augen in eine sich windende Ranke.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Fassungslosigkeit ist das Letzte, an das ich mich erinnere, während die “Siebentrutz” um mich herum auseinanderbrach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach gab es nichts, bis ich die Augen am Strand dieser Insel wieder öffnete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 41|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Geschichte Ussarias - des Landes das zwischen zwei Gebirgszüge im Norden und Süden eingeklemmt liegt und dem Lauf der Usser bis zur Mündung folgt - erstreckt sich über einen Zeitpunkt von mittlerweile 450 Jahren. Will man der offiziellen Geschichtsschreibung glauben, dann wurde das Land damals von unerschrockenen Siedlern erobert, die vom Meer kommend, das lange Tal in Besitz nahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleiben ein paar Fragen offen, vor allem über die Dinge, die nicht erwähnt werden: Woher kamen diese Siedler? Es gibt keinerlei Erwähnung ihrer ursprünglichen Herkunft, dann und wann zu findende Details machen eher den Eindruck nachdrücklich erdachter Rechtfertigung als fundierter Forschung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Außer Frage steht, dass die Siedler hier recht bald auf ein paar Stämme von kleinwüchsigen und schwächlichen Orks stießen - zumindest wird der Name gebraucht, auch wenn die Beschreibung des Massakers an dem primitiven Volk mich zweifeln lässt: Das kann kaum mit dem modernen Bild eines Orks, wie es mir während meiner Ausbildung vermittelt wurde, in Verbindung gebracht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie dem auch sei, das ganze langgestreckte Tal wurde schließlich erobert und besiedelt, Siedlungen wie Breitenbach, Beiring, Grauhafen und Rossensprung begründet, um letztlich zu unterschiedlich beeindruckenden Städten zu wachsen. Die offizielle Geschichtsschreibung Ussarias beginnt mit der Anlandung der Siedler, im Jahr 73 kam es dann zu der großen Spaltung, ein Ereignis, das auch heute noch bestimmenden Einfluss über die ganze Region hat: Der Erbfolgestreit zwischen zwei Brüdern über die Grafenkrone Ussarias eskalierte und mündete in einem Bürgerkrieg. An dessen Ende stand die Aufspaltung Ussarias in zwei sich gegenseitig nicht anerkennende neue Grafschaft, die offiziell beide noch immer den Namen “Ussaria” führen, heute aber viel mehr als “Siebensteig” und “Auenstein” bekannt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die isolierte Lage des Tals, begrenzt durch Gebirge auf 3 Seiten und durch das Meer auf der vierten, erlaubte es nun über die kommenden Jahrhunderte hinweg dieser Fehde ungestört zu frönen - die politische Situation ist auch heute noch weitgehend unverändert. Die zahlreichen Kleinkriege haben die Grenze oft ein Stück in diese oder jene Richtung verschoben, aber letztlich vermochte es keine Seite die Oberhand zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rossensprung ist der einzige nennenswerte Hafen in Richtung des Meeres, konkurrenzlos trotz der Nachteile die sich durch die Lage im Sumpfdelta der Usser ergeben: Feuchtigkeit ist allgegenwärtig, liegt so dick in der Luft, dass beständig Wasser an den Wänden kondensiert oder von den Fenstern perlt. Nicht zu vergessen, dass die Stadt immer dabei ist im Boden zu versinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das ist gar nicht worauf ich hinaus möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ganze Landstrich brät seit Jahrhunderten im eigenen Saft mit nur geringem Austausch mit anderen Ländern. Kultureller Austausch findet nach meiner Einschätzung nahezu ausschließlich in Rossensprung selbst statt, einfach über hier anlegende Schiffe. Es darf also nicht verwundern, dass ich während meiner Zeit in Breitenbach oder Grauhafen keinen einzigen Nichtmenschen zu Gesicht bekam, erst in Rossensprung kam es zu einigen wenigen Begegnungen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich scheue mich fast, es überhaupt so zu nennen: “Sichtungen” ist ein vermutlich passenderes Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen fremden Völkern ist das der Elfen eindeutig am häufigsten anzutreffen: Es gibt eine kleine Gemeinschaft von Zwergen in Beiring - aber ich habe die Hauptstadt Siebensteigs nie mit eigenen Augen gesehen. Einem Schiff scheint dieses Volk sich aber nur sehr selten anvertrauen zu wollen. Orks kann man bestenfalls in Käfigen bewundern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elfen besuchen die Region häufig genug, dass es zwar so gut wie keine mir bekannten festen Einwohner dieses Volkes gibt, aber dafür einiges an Aberglauben - einiger lächerlich ehrfürchtig, anderer offen feindselig oder herabwertend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein eigenes Erbe war für lange Jahre etwas abstraktes, bedeutungsloses im Hintergrund: Natürlich wusste ich durch die schwärmerischen Erzählungen meiner Mutter von diesem Elfen, der - vermutlich - mein Vater sein musste. Aber ich besaß keine magischen Augen, keine spitzen Ohren, keine angeborene, majestätische Eleganz. Ganz im Gegenteil: Ich war ein Kind, das rasch hinter anderen Kindern meines Alters zurückfiel. Meine Erinnerungen an diese Zeit sind so gut wie nicht vorhanden, einiges existiert nur durch Erzählungen meiner älteren Halbbrüder (die nun selbst schon nahezu vergessen sind), aber das scheint ein durchgehendes Thema gewesen zu sein: Ich lernte später laufen und sprechen, ich war länger eine hilflose Bürde als meine Geschwister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während meine Gefährten der späteren Jahre allmählich zu Erwachsenen heranwuchsen, blieb ich noch ein Kind.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zurückblickend lässt sich das leichter einschätzen, zumindest was die ersten Jahre in Grauhafen angeht: Das war 433, ich war bereits sechzehn Jahre alt, passte aber körperlich und auch geistig viel eher in ein Rudel von Zwölfjährigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnerte mich erst wieder bewusst an meine Herkunft, als ich tatsächlich aufhörte ein Kind zu sein: Zu den sichtbaren Veränderungen gehörten auch die dezenten Ohrspitzen, Aspekte in meinem Antlitz die schon immer dagewesen waren, prägten sich deutlicher hinaus.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich stelle mir vor, dass das in einer anderen, mehr offenen Gesellschaft nahezu unbeachtet geblieben wäre, aber die allermeisten Menschen in Auenstein hatten Elfen so selten einmal gesehen, dass mein Anblick trotz der eher subtilen Anzeichen fälschlich als vollständiges Elfenblut verstanden wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In gewisser Weise amüsant: Mein einziges Zusammentreffen mit einem echten Elfen schlug mir die Unterschiede regelrecht ins Gesicht: Die beeindruckende Größe im Vergleich zu mir, die ungewöhnliche Hautfarbe, die fremdartigen Züge und die Sprache. Nie in meinem Leben war ich mir selbst meiner Unzulänglichkeiten und Makel so bewusst, wie vor dem scharfen Auge des elfischen Händlers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war nicht einmal unfreundlich. Aber die Mischung aus Mitleid und offener Verachtung stach.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 43|CONTENT=&lt;br /&gt;
Vor Jahren fragte Ludwig mich einmal, was ich mit meinem Leben vorhätte. Was die Pläne und Ziele wären, die sich darin finden, die mich beflügeln und motivieren würden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich gut an den Abend: Wir hatten unsere heimlichen Unterweisungen bei der blinden Seherin gerade hinter uns gelassen und waren auf ein paar zusammengenagelten Planken mit einer Laterne in der Hand in die westlichen Sumpfwiesen hinausgestakt. Die meiste Zeit des Jahres stand das Wasser hier eine gute Hand über dem Boden, aber &amp;quot;Boden&amp;quot; war eine irreführende Bezeichnung für eine Sammlung von Schlick, toten Ästen, Blättern und ähnlichem. Er erweckte den Eindruck von Solidität, solange man nicht dumm genug war seinen Fuß darauf zu setzen um diesen Eindruck zu prüfen. Wer dieses Wagnis doch einging, der versank sogleich bis zum Hals ohne je tatsächlich festen Grund unter die Schuhe zu bekommen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Masse zu schwimmen war faktisch unmöglich, selbst für jene, die diese Fertigkeit erlernt hatten - aber solange man nicht zappelte, würde man auch nicht weiter untergehen, sondern im Gleichgewicht treiben. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Entwürdigend, aber nicht sonderlich gefährlich, solange es noch einen Begleiter gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne einen Begleiter sah es anders aus: Dieses Areal hier war die Brutstätte von Brackwasserkrebsen und diese betrachteten alles als Beute, was sich in ihre Reichweite begab. Eben diese Krebse waren aber auch ihrerseits begehrtes Gut: sie wuchsen bis zu doppelter Fingerlänge heran und waren zwar nicht gerade als Delikatesse bekannt, aber dafür in scheinbar unerschöpflicher Menge vorhanden: Wer hier zur Abendstunde hinausfuhr, der konnte immer irgendwo die Lichter anderer Krebssammler sehen. Insbesondere wenn dann Nebel aufzog, streute das Licht der Laternen weit, zeichnete weiche Aureolen, die den halben Sumpf zum glühen brachten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals dachte ich mir nicht viel bei der Frage, aber das Gefühl von Befremdung ist noch immer deutlich im Blick zurück. Was bedeutete diese Frage? Für mich war der Blick nach vorn immer ein sehr kurzer gewesen. Zunächst konzentriert darauf etwas im Magen zu haben oder einen trockenen Platz zum schlafen. Später dann darauf meinen Status zu halten, sich abzeichnenden Gefahren auszuweichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es gab keinen Plan dahinter, keinen Antrieb. Ich ließ mich einfach tragen wie ein Blatt, das der Herbstwind auf eine Reise entführte. Wie farblos war das neben der sprudelnden Vorstellungskraft Ludwigs, der mir bereits im Detail beschreiben konnte, welche Schritte in den kommenden Jahren auf ihn warteten, der voller Zuversicht bereit war sich diese noch ungeformte Zukunft Untertan zu machen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sein Weg schien bereits vorgezeichnet: Abschluss der Schusterlehre, dann Auszug als Geselle aus Rossensprung, danach andernorts formelle Ausbildung zum Jungmagier. Während er mir all das in glühenden Farben beschrieb, hegte ich keinen Zweifel daran, dass es genau so kommen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konnte ich neben dieser überströmenden, schöpferischen Kraft nun einfach die Schultern zucken und zugeben, dass ich ganz zufrieden mit meiner Stelle als Schreiber für Haus Telketh war, dass mich der Sumpf gar nicht so sehr störte, wie die Klagen es manchmal erscheinen ließen, dass selbst die Magie zu mir gekommen war, wie eine unerwartete zusätzliche Hausarbeit auf einer bereits ausführlichen Liste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Sobald ich hier herauskomme, werde ich das Elfenvolk suchen. Nicht einmal um meinen Vater zu finden, sondern einfach um mehr über mein Erbe zu lernen, darüber, wer ich bin und wer ich sein kann.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er strahlte. Und ich fühlte mich .. interessant. Ich lauschte seinen Plänen, fasziniert und erstaunt zu gleichen Teilen über seine Fähigkeit die noch ferne Zukunft mit kraftvollen Worten zu fassen, wie ein Schreiber, der zum ersten Mal Tinte auf noch jungfräuliches Pergament ausbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühlte kein schlechtes Gewissen wegen der rasch gesponnenen Lüge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Jahre später, verstehe ich die Vergeblichkeit dieser frohen Pläne. Ich habe gesehen, wie die Karten sich ausspielten. Das ist es, denke ich, was es bedeutet aufzuwachsen: Zu erkennen, dass man am Ende doch nur ein Blatt ist, das stärkere Winde herumwirbeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt haben sich mich auf diese Insel hier getragen, an einen Platz dessen Eintönigkeit wie ein Spiegel für mich selbst ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht wird es Zeit, dass ich aus einer alten Lüge endlich eine Wahrheit mache, auch wenn Ludwigs eigene Pläne schon lange nicht mehr das sind, was sie damals waren. Wenigstens einer von uns kann sein Wort halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 49|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein neuer Tag. Ein alter Tag. Der Regen fällt und die Gespräche laufen, festgefahren in ihren Bahnen wie ein Bach, der sich mit den Jahrhunderten ein Bett in den Fels grub. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum bin ich hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum bin ich noch immer hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wanderung über die ruhig liegende Insel offenbart nichts Neues, selbst im Muster der gegen den Strand laufenden Wellen glaube ich mittlerweile ein Muster zu finden. Das ist irrational, aber allein der Gedanke zerrt bereits an meinen Nerven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin dieses Ortes müde. Wieviele Tage?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich habe aufgehört zu zählen, aber aus den einzelnen Blättern ist ein ganzer Stapel geworden, hastig hingeworfene Erinnerungen an die Lektionen aus dem Mund einer Blinden und eines zynischen Säufers. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenartig, wieviel Trost darin liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde ich dahin zurückkehren, wenn ich könnte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage begleitet mich durch den Tag, bleibt ein treuer Gefährte, während ich auch heute ein neues Blatt Papier eintausche und dem Schneider einmal mehr dabei helfe seine Schere zu schleifen. Die Frage ist an meiner Seite als die Sonne am Nachmittag ihr Gesicht hinter grauen Wolken verbirgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann - unversehens, ungeplant - finde ich mich vor dem scharfen Blick des Fährmanns, der mich fixiert und .. misst. Als wäre er hier nicht Dienstbote, sondern König. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum ersten Mal spüre ich wie die klamme Furcht von mir fällt als er spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;b&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du hast dir viel Zeit gelassen, Fel.&amp;quot;&amp;lt;/b&amp;gt;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich an diese Stimme. Sie ist ..&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gegenwart: Die Neue Welt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gedanken und Meinungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Ba&#039;thal|CONTENT=&lt;br /&gt;
Er hat keine Gelegenheit ausgelassen um mich daran zu erinnern, was ich bin.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich kann ihm sein Sentiment nicht verübeln: Seine Perspektive ist eine, die sich über mehr Zeit erstreckt als ich mir vorstellen kann. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun macht er gute (oder zumindest neutrale) Miene zum bösen Spiel, aber ich denke er wartet nur darauf die kleinste Verfehlung anklagend gegen mich zu wenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist, das versprechen mir seine Augen, ein Geschöpf dessen Gnade von den Gestaden der Zeit fortgewaschen wurde. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Cillian Lindhain|CONTENT=&lt;br /&gt;
Hinter der lächelnden Fassade versteckt sich ein Mann, der alles daran setzt sich selbst davon zu überzeugen, dass er nichts Ernst nimmt. Ich glaube, er wäre gern ein Zyniker, der für die Welt und ihre Anwohner nurmehr Spott und Verachtung übrig hat. Aber das ist er nicht und ich denke, dass er sich trotz allem jeden Tag ein wenig mehr davon entfernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenartigerweise, trotz profunder Unterschiede, fühle ich mich ihm mehr verbunden als allen anderen Mitgliedern der Hafengruppe. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin nicht ganz sicher warum: Erinnert er mich an das, was Jerwalson in seiner Jugend hätte sein können?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Elira Raureif|CONTENT=&lt;br /&gt;
Sie ist .. befremdlich. In ihrer Weltsicht, die so tut als gäbe es kein Grau zwischen Schwarz und Weiss. In der Art und Weise, wie sie Entscheidungen trifft und zwar sehr viel robuster, als man meinen sollte, mit einer Unverblümtheit, die keinen Raum für Zweifel lässt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
An manchen Tagen denke ich, sie hätte unter anderen Umständen einen formidablen Paladin abgeben können und dann sind da die Momente, in denen meine Paranoia mir zuflüstert, dass sie uns alle - und mich im Besonderen - an der Nase herumführt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal frage ich mich, was Fenrik und sie aneinander finden. Und dann ist es wieder so offensichtlich wie ein Faustschlag ins Gesicht und ebenso schmerzhaft.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Fenrik Wintal|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Mann ist mir ein Rätsel. An der Oberfläche ist alles klar: Ein robuster Raufbold und Tunichtgut, unbekümmert und rasch entschlossen. Unhöflich, handgreiflich, gierig. Ohne Elira als ständiger Quell bedingungsloser Bewunderung und Bestätigung wäre er gewiss eine Gefahr für jede atmende Kreatur in seinem Weg.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Warum ist er hier? Ich nehme ihm seine Liebe nicht für einen halben Herzschlag ab. Aber was plant er? Und wer bezahlt ihn? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie lange wird das noch gutgehen?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Lin Schlehendorn|CONTENT=&lt;br /&gt;
An den meisten Tagen denke ich, dass Lin das einzige wirklich aufrichtige Mitglied der kleinen Hafengruppe ist. Auch wenn ich relativ sicher bin, dass ihr schon diese Einordnung nicht gefallen würde. Sie hat Ambitionen, daraus macht sie keinen Hehl und alles was sie tut ist in irgendeiner Art und Weise diesen fernen Zielen untergeordnet. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist etwas, was ich nur bewundern kann: Sie lässt sich nicht einschüchtern, ganz gleich wie weit entfernt ein Palast und das tägliche Bad in frischer Stutenmilch aus sein mögen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Vermutung ist daher auch, dass sie an Cillian aus aktueller Bequemlichkeit festhält und nur genau so lange, wie seine Kurzweiligkeit und Nützlichkeit den Aufwand wert sind. Sobald sich am Horizont der Anschein etwas Besseren ergibt, wird sie ihn fallen lassen, wie eine heisse Kartoffel. Ich vermute, das ist ihnen Beiden auch durchaus bewusst.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Livius Quintus|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich dachte ich würde ihn verstehen: Ein Mann der seine besten Jahre bereits hinter sich hat, noch immer hadernd mit dem unvermeidlichen Niedergang. Das ist nichts, was ich nicht zuvor schon andernorts gesehen hätte: Ein Mann gerade balancierend zwischen Selbstverleugnung und Akzeptanz, jemand, der das Versprechen des drohenden Endes bereits am Horizont erahnt und weiss: Es bleibt nicht mehr soviel Zeit, wie man einst dachte. Es wird Zeit die Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Das Haus zu richten. Erben zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nichts davon geschieht. Was bedeutet das? Und welche Rolle spielt Shira dabei?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Shira|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich weiss nicht, was sie ist. Ich verstehe nicht, was sie motiviert. Ich habe nicht einmal einen Maßstab, um ihre Existenz einzuordnen. Bis vor wenigen Tagen glaubte ich diese Beziehung zu Livius wäre eine von einseitiger Abhängigkeit: Eine mit einem Lächeln angezogene Kette um den Hals des Magiers. Aber nun habe ich meine Zweifel. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Varyariel|CONTENT=&lt;br /&gt;
Balance auf einer Nadelspitze. Es ist mir unbegreiflich, wie sie es fertigbringt all diese für mich widerstrebenden Einflüsse miteinander zu vereinen: Sie ist nicht nur jemand mit einer gewissen Vorliebe für Blumen und ungepflegte Gärten, sondern ein Bestandteil dieser ungezähmten Wildnis, in einem Moment butterweich nur um im nächsten Moment die (sprichwörtlichen) Fangzähne zu zeigen. Und gleichzeitig spaziert sie durch die Straßen Solgards als wäre es schlicht ein etwas anderes Habitat - unangepasst und doch nicht wie ein Fremdkörper. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beneidenswert. Neben all den anderen Dingen, die sie ist und ich nicht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschichte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ankunft in Nebelhafen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Morgen war kühl genug, dass Fel unter der dünnen Decke fröstelte, die sie am gestrigen Abend an den Docks Nebelhafens halb erkauft, halb erbettelt hatte. Eine Schiffsbrüchige konnte nicht wählerisch sein, daran erinnerte sie genauso auch das Knurren des Magens - die eigenartige Frucht, die sie am Feuer unter der Anleitung Noa Feldspans verspeist hatte, war schon lange verdaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hunger war gut. Hunger bedeutete Antrieb und Motivation, solange man ihn nicht soweit wachsen ließ, dass er schließlich am Bewusstein selbst zehrte. In gewisser Weise war all das vertraut: Das Nächtigen an zufällig ausgewählten Plätzen in notdürftig zurechtgemachten Lagern, das Grummeln im Magen zu Beginn jedes Morgen, verlässlicher als selbst das Aufgehen der Sonne, die sich gerade heute hinter einer dichten Wolkendecke verbarg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiss: Die letzten Jahre hatten wenig davon gesehen, aber die Erinnerungen an damals waren präsent, wie tiefe Kerben in Holz, die wieder sichtbar wurden, wenn man die dünne Schicht an Farbe darüber abscheuerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Aber ich bin nicht mehr, wer ich damals war.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam mit einem Fetzen von Reue: Die Ankunft hier in Nebelhafen nach dem Ende der &amp;quot;Siebentrutz&amp;quot; hatte die Möglichkeit eines vollkommenen Neuanfangs geboten, aber ohne den rechten Kopf um damit zu planen, war ihr die Möglichkeit eines falschen, eines neuen Namens nicht in den Sinn gekommen. Nun war es bereits zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wenn Namen Identität sind, dann bin ich allein dadurch an meine Vergangenheit gebunden, wie eine Marionette an ihre Fäden.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Spaziergangs an den Docks entlang, spielte Fel mit dem Gedanken, was ein passender Name gewesen wäre, steigerte sich schließlich in mehr und mehr lächerliche Konstrukte, die sich durch eine Vielzahl von Apostrophen und Zwischensilben auszeichneten, bis der knurrende Magen beinahe vergessen war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese neue Welt .. das war Potenzial. Ein einziger Abend hatte bereits ausgereicht um das zu verdeutlichen: Nicht einmal war sie auf Anhieb auf eine Elfe gestoßen - und eine andere Gestalt, bei der es sich möglicherweise ebenfalls um eine Elfe handelte - noch dazu hatte sich gezeigt, dass es eine Varianz in den Worten der Macht gab: Das stabile Fundament auf dem Fel ihre Ausbildung bis dahin erbaut sah, begann bereits zu bröckeln in Anbetracht dieser neuen Informationen. In Ussaria gab es nur einen einzigen Pfad der Magier - hier gleich deren vier. Was hatte das zu bedeuten? Welche Ordnung ließ sich dahinter ausmachen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Sonne sich endlich aus der Umklammerung der Wolken befreite, erkundete Fel weiter Nebelhafen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Aller Anfang ist schwer|CONTENT=&lt;br /&gt;
Letztlich war Fel nicht vollkommen sicher, wie weit es mit der Gastfreundschaft der Schneiderin tatsächlich her war, aber für den Moment war es ausreichend ein richtiges, wenn auch einfaches Bett zu fühlen, die Möglichkeit zu haben die Türe hinter sich zu schliessen. Die &amp;quot;Siebentrutz&amp;quot; hatte solchen Luxus nicht einmal für ihren Kapitän geboten, umso weniger für mitreisende Gäste, die sich die knappen Schlagplätze in Schichten teilten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Warnung war unverzüglich erfolgt: Nur für zwei Nächte. Aber das waren Sorgen für morgen oder übermorgen. Bis dahin konnte sich bereits alles geändert haben. Schon ein einziger Tag hatte gewaltige Unterschiede gemacht, hatte Fel erlaubt Bekanntschaften zu knüpfen, erste vorsichtige Bande zu flechten - speziell zu dem argwöhnischen Lama, das nun irgendwie zu ihrem Haustier geworden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gleichen Maße hatte Fel aber auch erkannt, wie abgeschieden vom Fortschritt Ussaria mit seinen Jahrhunderten von Eigenbrödelei und Bürgerkrieg war, wie viele Einsichten und Wunder die Welt drumherum kannte. Tränke, mit denen sich Lebewesen zusammenschrumpfen ließen? Sie konnte auf Anhieb nicht einmal ein Prinzip formulieren, um diese erstaunliche Wirkung in Spruchzauberei zu übersetzen.&lt;br /&gt;
Gleich fünf Pfade der Magie warteten hier, erlaubten eine bislang unbekannte Spezialisierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Eindrücke mussten niedergeschrieben, fixiert werden, solange sie noch frisch waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Rückseite eines abgerissenen Aushangs formulierte Fel schliesslich im kargen Licht der einzelnen Talgkerze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;Bislang war für mich die Wirkung und Funktionsweise von Reagenzien simpel: Sie liefern eine spezifische Form von Energie, die bei ausreichender Kompatibilität genutzt werden kann, um einen Zauber zu wirken. Sie sind damit eine der absolut unerlässlichen Grundbedingungen neben den Worten der Macht, Mana und dem Intent. Wenngleich die Wirkungsweise der Reagenzien bisweilen Raum zur Diskussion lässt, war bislang eines zumindest für mich vollkommen klar: Sie liefern eine objektive, theoretisch sogar meßbare Menge an Energie, verlässlich, weitgehend reproduzierbar und gänzlich unabhängig von den Eigenheiten des Zauberwirkers.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Ausführungen von Soryia Schwarz haben mich nun auf die Spur von vier, mir bislang unbekannten Reagenzien gesetzt: Obsidian, Molchaugen, Knochen und Fruchtbare Erde. Diese vier Reagenzien stehen in engem Zusammenhang zu den mir bislang ebenfalls unbekannt gewesenen fünf Pfaden - vieren eben dieser Pfade wird genau eine dieser neuen Reagenzien zugeordnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war noch nicht genau in der Lage zu evaluieren, ob die reine Möglichkeit Energie aus den Rwagenzien zu ziehen, bereits pfadgebunden ist. Falls ja ermöglicht das einige weitere Spekulationen über die dahinterstehenden Prinzipien und damit vielleicht auch eine Erklärung, warum die bekannten acht Reagenzien überhaupt funktionieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seien wir ehrlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir unter den Tausenden und Abertausenden an Stoffen und Teilen dieser Welt ausgerechnet die einzigen acht gefunden hätten, die für Magie geeignet sind, ist so gering, dass es keiner Diskussion wert ist. Ich habe mich daher stets gefragt, ob es nicht noch Unmengen an anderen potentiellen Reagenzien gibt, die sich uns schlicht noch nicht erschlossen haben und - falls ja - was uns daran hindert sie zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik mit den Pfaden lässt mich nun nachdenken, ob noch mehr dahintersteht: Kann es sein, dass etwas an uns Zauberwirkern schlicht mit der richtigen Reagenzie resoniert? Falls ja müsste das aber bedeuten, dass fremdartige Völker oder Rassen dann auch Zugriff auf andere, für uns nutzlose Reagenzien haben könnten.&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Kammer|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die kleine Kammer unter dem Dach des Gasthauses war ursprünglich Teil eines weit grösseren Raums gewesen. Findiges Geschäftsinteresse hatte den zuvor brachliegenden Dachboden allerdings rasch als mögliche Goldgrube erkannt: Direkt nach der ersten Welle von Ankömmlingen hier auf dem neuen Kontinent, waren dünne Zwischenwände eingefügt worden, teilten den verfügbaren Platz in präzise, knappe Rechtecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ein wenig wie die Koben eines Schweinestalls.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz zu Beginn - so hatte Fel sich zumindest erzählen lassen - gab es nur Vorhänge aus muffig riechendem Segeltuch jeweils vor den Ausgängen. Dieser Tage versprachen abschließbare Türen zumindest ein wenig private Abgeschiedenheit in den fensterlosen kleinen Kammern, gerade eben gross genug für ein schmales Bett und ein Nachtschränkchen an dessen Kopfende. Bislang war die Enge nur an den heissen Tagen des Sommers ein Problem gewesen: Wenn das Dach sich aufheizte, gab es für die Luft selbst bei geöffneter Türe so gut wie keine Möglichkeit mehr zu entkommen. Aber gutes Wetter versprach eben auch die Möglichkeit von hier zu fortzugehen, auswärts zu schlafen wie viele der Glücklosen, die keine feste Bleibe gefunden hatten und sich mit einem Zelt oder auch nur einer Plane glücklich schätzten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie die Tage aber kürzer und kürzer wurden, stieg der Bedarf an einem festen Dach über dem Kopf und das wiederum trieb die wochenweise zu zahlende Miete für die Unterkunft in stetig neue Höhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Fel verhieß das nichts Gutes: Das Auskommen für Hilfsarbeiten beim Hafen, bei der Korrektur von Büchern und dem Verfassen von Briefen war unregelmässig und gering, gerade eben genug um bislang mit den Preisen für das Leben als solches mitzuhalten. Selbst das Sammeln von Kräutern erwies sich jeden Tag als ein wenig schwieriger, unproduktiver: Die nähere Umgebung Nebelhafens war schon lange abgegrast, dass es nun langwierigere Wege brauchte und damit auch die stetige Gefahr gefährlichen Wildtieren über den Weg zu laufen. Mit der Ahnung des Winters am Horizont schien klar, dass auch diese kargen Einkünfte nicht sehr viel länger halten würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Zumindest hätte ich dann wieder mehr Zeit um etwas zu lernen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Galgenhumor an diesem Gedanken schmeckte ein wenig zu bitter wegen der Wahrheit darin: Die Studien hatten gelitten und die verfügbaren Mittel erlaubten ihr schon länger nicht mehr über Theorien und Worte zu schreiben - weder Papier noch Feder oder Tinte gab es für umsonst und das hieß die begonnene Zusammenfassung einst erworbenen Wissens war zu diesem Zeitpunkt kaum mehr als eine Absichtserklärung. Nicht genug um irgendjemanden von Potential zu überzeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst jetzt gehörten die kostbaren Abendstunden der Arbeit, beugten sich der Notwendigkeit Wäsche zu erledigen, gesammelte Kräuter und Pilzen an aufgespannten Leinen quer durch die kleine Kammer aufzuhängen und die Beute früherer Tage sorgsam zu trocknen und auf mögliche Schäden zu untersuchen. Eine ganze Anzahl Alraunen warteten unter dem Bett nur auf den nächsten Mondwechsel für die weitere Verarbeitung und der schon länger wartende Ginseng war kurz davor in klebrige Paste verarbeitet zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Alles hängt davon ab, dass ich wenigstens diese Kammer hier halten kann. Wo sollte ich das sonst aufgewahren?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei - das hatte sich unverhofft gefügt - war dieser letzte Abend ein erstaunlicher Erfolg in verschiedener Hinsicht gewesen: Zum Einen hatte Fel es fertiggebracht den ersten Teil ihrer Wäsche fertigzustellen ohne den mitgenommenen Stoff weiter zu beschädigen, zum anderen hatte sich ein wenn auch wackeliges Arbeitsangebot ergeben - fast schon genug, um die Warnungen des Magiers in den Hintergrund treten zu lassen. Dessen Anspielungen ließen erahnen, dass es sich bei dem rotbeschopften Barden um einen eher zwielichtigen Gesellen handeln musste: Vielleicht ein Trickbetrüger oder tatsächlich ein an Land gespülter Pirat. Das Gespräch war auf jeden Fall kurzweilig gewesen, eine willkommene Abwechslung zu viel eintönigeren Pflichten und Notwendigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und am Ende: Der Ork. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die geforderte Botschaft zu übermitteln war eine Kleinigkeit gewesen und die dafür gezahlte Belohnung versetzte Fel einen regelrechten Stich: Das so beiläufig ausgeschüttete Handgeld war genug um die Miete der kleinen Kammer für die kommenden zwei Wochen zu zahlen und der Ork schenkte es mit einem barbarischen Grinsen fort, als wäre es bedeutungslos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war ein Gedanke, der bei Fel blieb, während sie noch Stunden später nach oben auf die kreuz und quer verlaufenden Schnüre durch ihr winziges Zimmerchen starrte, darauf wartend, dass die Nachbarn endlich ihren täglichen Streit beendeten und dem Geschrei nicht weniger laute, aber zumindest absehbare Tätigkeit folgen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Gedanken und dem Bild eines lächelnden Dunkelelfen vor Augen tauchte Fel schließlich in das nächtliche Vergessen ein.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Geist und die Dunkelheit|CONTENT=&lt;br /&gt;
Mitten in der Nacht war der Regen gekommen: Unverhofft und unangekündigt, ein Wolkenbruch wie der Wutausbruch eines Kindes, dessen Zorn sich binnen weniger Minuten wieder erschöpfte. Das Trommeln des Wassers auf dem Dach hätte Fel unter anderen Umständen aus dem Schlummer gerissen, aber heute war der tosende Lärm des auf hohl liegende Schindeln fallenden Wassers eine willkommene Abwechslung in schlafloser Unruhe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem vorausgegangen waren Stunden des Starrens auf die kreuz und quer gespannten Fäden, das Blättern in der wilden Sammlung mitgenommener Papiere. Selbst an der Ergänzung der eigenen Notizen mit den Hinweisen und Korrekturen der zufällig besuchten Unterweisung zu den Worten der Macht hatte Fel sich bereits versucht, aber ein um das andere Mal ertappte sie sich dabei, wie die Hand verharrte und die Gedanken zu dem Zusammentreffen des letzten Abends zurückkehrten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hatte der Abend allzu gewöhnlich begonnen: Eine Konfrontation mit dem trübäugigen Nachbarn aus der Nebenkammer, dessen Schnarchen sich später selbst gegen das Tosen des Regens behaupten sollte. Die Zahlung der Miete für die nächste Woche - der Anblick der mühsam verdienten Münzen, die in der Tasche der spröde lächelnden Vermieterin verschwanden, brach Fel schier das Herz. Und natürlich all die kleinen Aufgaben, die zu ergattern sie in der Lage gewesen war: Heu wenden auf einem der Felder, die Fütterung übernehmen für ein ganzes Rudel kläffender Hunde, Wäsche sortieren für besser betuchte Haushalte. Nichts davon war an sich herausfordernd - Zeit war letztlich die einzig notwendige Ressource, die es einzusetzen gab. Besser bezahlte Aufgaben hatte es einige, aber sowohl die Arbeit in einem der Holzfällertrupps als auch die Unterstützung im Bergwerk erforderten mehr Kraft und Durchhaltevermögen als Fel ihr eigen nannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann die Dunkelelfen, das Gespräch in tiefen Schatten vor bröckelnden feuchten Ziegelmauern: süße Versprechen, zusammengewoben mit scharfen Drohungen. Zuckerbrot und Peitsche, die gebende und die bestrafende Hand, beide jeweils ausgestreckt in der vermeintlichen Verheissung einer Wahlmöglichkeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Gefahr, obgleich sie das Herz Fels zur Eile trieb, hatte etwas eigenartig Vertrautes, rührte an fast verblassten, ungeliebten Erinnerungen früher Tage. Damals schien jeder Tag von Giganten beherrscht, die aus einer Laune heraus Leben oder Tod brachten. Meist war es besser sich zu ducken, in den Schatten zu verweilen, unaufällig bis die prüfende Aufmerksamkeit vorübergezogen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Aber nicht hier. Nicht mit Kreaturen, die in die Schatten verbannt wurden und darin lebten, bis sie selbst ein Teil davon wurden.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch, nun, da die Gedanken ruhelos über die Ereignisse, die gewechselten Worte und die Eindrücke des Abends kreisten, vermochten sie nicht anders als sich auf Details zu fokussieren, Muster und Möglichkeiten gleichermaßen an die Oberfläche zu zerren. Die Umstände waren .. ähnlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich bin nicht mehr, wer ich damals war. Nicht ganz.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der vermeintlich glatten Front hatte es Spannungen gegeben. Noch keine Sprünge, noch keine Risse, aber vielleicht, wenn an der richtigen Stelle ein wenig gebohrt, ein wenig erprobt wurde ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schlaf mochte auch nach dem Ende des Regens nicht kommen, aber Fel träumte nichtsdestotrotz.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Hoffnungsvolle Suchen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Jeden Tag wurden die Nächte ein wenig länger: Was im Sommer nach ein gemütlicher Spaziergang bequem nach Sonnenaufgang gewesen war, hatte sich spätestes mit der Ankunft des Herbstes gewandelt: Dieser Tage schlich Fel in einen dicken Mantel gewickelt noch vor dem ersten Licht aus dem Tor Nebelhafens, fröstelnd in der klammen Kälte und darauf hoffend, dass die Stiefel einen weiteren Übergriff von Tau überstehen würden. &lt;br /&gt;
Es war immerhin die richtige Jahreszeit für die Suche nach gewissen Moosen und Pilzen, die sich im abgeworfenen Laub der Bäume versteckten - aber dieses offene Geheimnis trieb auch genug Konkurrenz an, dass die zurückzulegenden Wege jeden Tag ein Stück weiter wurden. Nur abseits der ausgetretenen Pfade und der bequemen Wildwechsel ließ sich noch ergiebige Beute machen aber das wiederum zog die Stiefel zusätzlich in Mitleidenschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere, dessen war Fel sich nur zu bewusst, drehten sich zu dieser Stunde noch einmal im Bett um. Das war eine Lektion, die sie bereits früh gelernt hatte: Manche besaßen eine Begabung aus der sie - im übertragenen Sinne - Geld machen konnten: Geschickte Hände, blitzschnelle Auffassungsgabe, eine robuste Natur oder natürliche Streitlust. Andere hatten eifrige Lehrmeister, bemühte Tutoren und geduldige Patrone. Einige vereinten gleich Beides miteinander und vermochten auf diese Weise über sich und ihre Anlagen hinauszuwachsen, reiften zu inspirierenden Koryphäen, zu bedeutenden Anführern oder zumindest bewunderten Handwerkern heran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Gedanken lag eine Erkenntnis, die auch jetzt, Jahre nach dem ersten Bewusstwerden noch immer stach: All das war ausserhalb von Fels Reichweite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei, so sinnierte sie, während sie sich unter dichten Brombeergestrüpp duckte und taufeuchtes Moos behutsam von einem toten Baumstamm entfernte der beinahe vollkommen überwuchert worden war, war das weniger eine Frage der Bereitschaft, als schlicht eine Frage des fehlenden Talents: Kein Geschick für Handwerk, eine gewisse Zielstrebigkeit aber ohne die brilliante Auffassungsgabe, die Andere auszeichnete, generell eine gewisse .. Langsamkeit, vermutlich irgendwo auf den Anteil des elfischen Erbes zurückgehend: Für das alte Volk spielten ein paar Jahre oder sogar Jahrzehnte vermutlich keine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Es ist als hätte ich das Schlechteste von beiden Seiten bekommen. Kein Fisch und kein Fleisch, irgendetwas in der Mitte.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem dichten Moos verbarg sich dichtes, weissliches Pilzgeflecht, dem Fel nun sorgsam zuleibe rückte: Die Berührung von Metall, so hatte man es ihr eingeschärft, würde die besonderen Eigenschaften ebenso ruinieren wie der Einfluss direkten Sonnenlichts. Genauso verboten war jedoch auch der direkte Kontakt mit der Haut, in diesem Falle jedoch nicht wegen eines etwaigen Schadens für den Pilz: Der &amp;quot;austreibende Bortenträger&amp;quot; war berüchtigt dafür auch lebendes Gewebe zu befallen und die farbigen Schilderungen hatten Fel beinahe genug abgeschreckt. Beinahe. Aber die Miete zahlte sich eben nicht allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fund blieb an diesem Morgen der Einzige dieser Art, aber der freie Streifzug hätte sich dennoch ausgezahlt, wenn Fel dann nicht ein Loch in der Sohle ihrer Stiefel entdeckt hätte. Das ruinierte die Bilanz des Tages bereits nachhaltig und gemahnte sie einmal mehr daran, dass es im Wettrennen gegen den kommenden Winter nur einen Sieger geben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Also alles auf eine Karte.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Knappe drei Stunden später wurde in der Bank von Solgard ein Schreiben hinterlegt, die letzten Münzen investiert in frische Tinte und ein neues Stück Pergament.&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=|CONTENT=&lt;br /&gt;
An Livius Quintus,&lt;br /&gt;
Oberster Hüter der Bewahrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Euren Antwort auf meine Aushänge mit Aufmerksamkeit studiert. Vielen Dank dafür: Die Ausführungen haben mir bereits erlaubt einiges an meinen Schlüssen bezüglich der Pfade und ihrer Eigenschaften zu korrigieren und zu ergänzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr habt das Interesse ausgedrückt solche Gespräche auch auf andere Themen auszuweiten. Ich würde Euch hier gern beim Wort nehmen und erbitte hiermit Eure Zeit für eine persänliche Unterredung - zunächst einfach um Erwartungen und Möglichkeiten kurz zu diskutieren. Ich bin mir bewusst, dass Eure Zeit wertvoll ist, würde mich bezüglich eines Termins - und Treffpunktes daher ganz nach Euch richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den besten Grüssen&lt;br /&gt;
Fel Maris&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Im Herzen des Sturms|CONTENT=&lt;br /&gt;
Den ganzen Tag über hatte der Sturm bereits am Horizont gegrollt: Ein dumpfes, beleidigt wirkendes Rumpeln wie von unterdrückter Wut, gefangen in einem Band dunkler Wolken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Betrieb am Hafen tat das keinen Abbruch, nur dann und wann äugten Seeleute herüber, um abzuschätzen, wie viel Zeit noch blieb, um Ladung zu löschen oder einzubringen. Der Sturm, so hatten sie gelernt, war letztlich eine Kraft wie die Gezeiten oder die Strömungen - vielleicht etwas unberechenbarer, aber letztlich in gleicher Weise unvermeidbar. Das hinderte sie nicht daran Gesichter in den sich zusammenballenden Wolken zu suchen, einen Willen hinter den Winden, dem trommelnden Regen und den zuckenden Blitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seeleute, so dass Fel stets gefunden, waren ein abergläubisches Volk, immer bereit Geschichten zu spinnen über zürnende Geister des Meeres, über verfluchte Schiffe und rastlose Suchen nach Schatzkisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Früher, in einer Zeit, die ihr nun wie ein anderes Leben erschien, war das mehr von Bedeutung gewesen als dieser Tage, da sie sich hütete, einen Fuß auf irgendein Schiff zu setzen. Nicht wegen Aberglaube natürlich - nur aus einem gesunden Gefühl von Respekt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und doch bin ich hier.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gewöhnlich war der Tag von Pflichten gefüllt gewesen: Die Prüfung von Ladungslisten in einem schäbigen kleinen Kontor ganz am Rande des Hafens, das den Eindruck erweckte aus Treibholz und Trümmern zusammengesetzt worden zu sein und nun nur dank störrischer Hoffnungen des Eigners von einem Tag auf den Anderen überlebte. Die Aufsicht über einen vertätschelten winzigen und überaus schlechterzogenen Hund, der in selbstmörderischer Kühnheit alles ankläffte, was sich ihm näherte und mit bemerkenswerter Aggression nach Stöckchen, Fingern und Steinen schnappte. Der Transport ganzer Körbe mit Wäsche, die nur darauf wartete, anschließend gefaltet und gelegt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazwischen hatte es wenig Zeit gegeben, über die Wendungen und Ereignisse der letzten Tage nachzusinnen, über den Impuls von Veränderung, der sich heute - so war zumindest der Plan - in einem vorläufigen Höhepunkt entladen würde. Dabei waren diese Entwicklungen von überwältigender, den ganzen Alltag bestimmender Bedeutung: Das kleine Zimmerchen, welches sie sich nun mit Veronica teilte, war nicht sehr viel günstiger als die winzige Dachkammer, aber es erlaubte eine gewisse Luft zum atmen, war geräumig genug für einen richtigen Tisch und ein paar Stühle. Bis jetzt hatte sich die kleine Wohngemeinschaft als unkompliziert erwiesen, auch wenn die raue Nachbarschaft künftige Probleme erahnen ließ. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Gespräch mit Livius Quintus war schließlich der letzte Anstoß gewesen, hatte den entscheidenden Impuls für den Entschluss geliefert, der dazu führte, dass Fel nun, während die Sturmfront nahte, auf einem winzigen Ruderboot im Hafenbecken Nebelhafens ausharrte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich, dessen war sie sich nur zu bewusst, hätte dies eine Konfrontation auf hoher See sein müssen, heroisch auf Deck eines größeren Schiffes, das sich wagemutig - und trotzig - in den Einflussbereich des Sturms wagte. Das kleine Ruderboot im Hafenbecken war die realistische und halbwegs kostengünstige Variation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Irgendwann sollte ich lernen zu schwimmen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Ausläufer der Sturmfront wühlten das Wasser auf, sprühten Gischt und trugen Regen mit sich, der Fel binnen weniger Momente bis auf die Knochen durchnässte. Es war kalt, kälter als sie erwartet hatte, aber nun war es zu spät für einen Rückzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich war es nicht der Sturm gewesen, der die “Siebentrutz” ihre Existenz gekostet hatte, sondern etwas darin, eine Kraft, die die Magie Jerwalsons verbog und deformierte, sie ausschlagen ließ, bis ihre Berührung Metall zu Wasser und Holz zu Nebel wandelte. Auch jetzt, Monate später, war Fel unbegreiflich, welche Prinzipien dahinter standen, welche Mechanik eine solche Verschiebung verantworten konnte. Aber diese Fragen konnten warten: Damals hatte sie überlebt, willkürlich und zufällig, eine Laune des Schicksals, die in erbarmungsloser Gelassenheit eines von einhundert Leben verschont hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute war sie zurückgekommen, um einen Pakt zu schließen und schrie die Herausforderung, das Angebot gegen das Heulen des Sturms und das Donnern der Blitzschläge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ich wähle diesen Pfad! Den Weg zwischen den Wegen! Zu verstehen und aufzudecken, zu erforschen und zu begreifen. Nie zufrieden zu sein und nie innezuhalten. Nicht allein für mich, sondern für jene, die nach mir kommen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu kalt. Andere Worte, sorgsam vorbereitet und auswendig gelernt, erstarben auf zitternden Lippen und schnatternden Zähnen - im Herzen des Sturms, sich an die Wände des schwankenden Ruderbootes klammernd und überschüttet von eisigem Regen verstand Fel, dass sie ihren vorbereiteten Vertrag nicht loswerden würde: Der Sturm war zu überwältigend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Furcht dämmerte Einsicht und ein Moment von Inspiration. Vier weitere kurze Sätze wurden gegen das Grollen geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Weisheit über Willkür!&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Fortschritt über Tradition!&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wahrheit über Täuschung!&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Gemeinsinn über Eigennutz!&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas funkelte in der Dunkelheit des Sturms, blaues Elmsfeuer das knisternd erwachte, auf den hochgezogenen Bordwänden des kleinen Ruderbootes tanzend. &lt;br /&gt;
Und für einen Moment, während sie auf die unruhigen, sich dem Sturm widersetzenden Funken starrte, sich weiter mit aller Kraft am Holz festklammernd, glaubte sie von irgendwo aus dem Sturm die Stimme ihres früheren Mentors zu vernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;b&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Diese Worte .. werden angenommen.&amp;quot;&amp;lt;/b&amp;gt;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Am Anfang aller Fragen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Fels Vorahnungen hatten sich bestätigt: Mit dem Voranschreiten des Herbstes waren die Preise gestiegen und die Greifen zeigten keine Ambition dieser Entwicklung in irgendeiner Weise Einhalt zu gebieten. In Teilen war das nicht verwunderlich: Sie waren – letztlich – eine an Gewinn interessierte Organisation und mit den nach oben wandernden Kosten waren eben auch entsprechende Abgaben, Steuern und Gebühren verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verschlechterte Wetter ließ im gleichen Zug die Nachfrage nach Arbeit sinken und mit steigendem Mangel und wachsendem Druck ging die Bezahlung der Tagelöhner nur zurück. Das, so notierte die Halbelfe ganz nüchtern im Licht einer unruhig flackernden Talgkerze, wäre schon vor mehr als zwei Wochen genug gewesen, um eine harte Entscheidung einzufordern: Entweder wohnen mit einem Dach über dem Kopf – oder Essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Oder Solgard.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass sich die Frage nicht akut gestellt hatte, war nicht etwa Fel selbst zu verdanken, sondern einer puren Laune von Glück, die – natürlich – ganz unvermeidlich mit dem Unglück eines Anderen einherzugehen hatte. Nur der Tod von Meister Konstantin Pherendanz hatte dafür gesorgt, dass aus der flüchtigen Bekanntschaft mit Veronica eine behutsame Freundschaft zu sprießen begann, dass die erstaunlichen Gemeinsamkeiten und die sehr viel weniger verwunderlichen Unterschiede auf eine Art und Weise zusammenpassten, die dafür sorgte, dass es nun ein gemeinsam bewohntes Zimmer in der kleinen Arbeitersiedlung gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kosten dafür waren nicht zu vernachlässigen, aber immerhin stabil und drohten nicht länger jede Woche neue, dieses Mal unerreichbare Höhen zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung ging aber darüber hinaus: Auch wenn die Tage weiterhin von harter, ungeliebter Arbeit gefüllt waren, blieb damit dann doch noch Raum dafür einmal durchzuatmen, um die eigenen Aufzeichnungen zu sichten, die viel zu lange keine Ergänzungen und Korrekturen erfahren hatte, um neue Texte in die Notizen aufzunehmen. Jeder Morgen brachte neue Fragen und die Möglichkeit von Antworten, oft ausgedrückt durch Fragezeichen hinter umkringelten Worten auf geduldigem Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem, so musste Fel anerkennen, hatte sich ihre Lage beträchtlich verbessert: Die Wohnstatt gesichert, der regelmäßige Kontakt mit dem Herren Quintus zur Diskussion allfälliger Fragen, eine kleine Gruppe von .. Bekannten, die von anderer Seite bereits als „Freunde“ bezeichnet worden waren. Die letztliche Wahl eines Pfades.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All die Möglichkeiten, die aus diesem vereinten Bodensatz wuchsen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
All die Gefahren aus den weniger offensichtlichen Nebenbedingungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Untersuchung des Drachenherzens und des Drachenblutes hatte sich als interessant, aber wenig ergiebig erwiesen: Ein fähiger Alchemist hätte etwas aus beiden Materialien schaffen können, aber Fels Kenntnisse dieser Kunst waren so gering, dass sie kaum über das Verkochen von Wasser über einem Brenner hinausgingen. Die Literatur hatte sich hier als interessanter erwiesen und letztlich zu völlig anderen Fragen geführt, wie alle angeführt von einem &amp;quot;Warum?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum funktionierte all das? Warum gab es so viele unbedeutend erscheinende Abweichungen in Details, die aber – wenn man sie dann ganz genau betrachtete – geradezu auf systematische Unverträglichkeiten hindeuteten? Wer hatte all das bereits einmal erforscht und bewertet?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Je mehr Fel über solchen Details brütete, desto mehr verdichtete sich alles auf eine Frage hin:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Warum funktioniert das überhaupt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Wenn der Wald erwacht|CONTENT=&lt;br /&gt;
Zumindest in der Theorie vermochte Fel den Umfang des Feenwaldes zu erfassen: Im Süden begrenzt durch die schroffen Kanten der Trollschluchten, im Osten bis an das Ufer der Nebelbucht ragend, im Westen begrenzt durch das in Sumpf übergehende Jagdrevier der Orks. Auf einem Pergament machten die Linien und schraffierten Farben durchaus Sinn: Wege. Wald. Lichtungen. Eine alte Ruine, hübsch illustriert mit dem Symbol eines geborstenen Helms.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karten versprachen Ordnung. Karten verkündeten den Sieg des Forschers über das Ungebändigte, über das Ungemessene und Unbekannte durch das Anlegen von Maßstäben und die Vergabe von Namen. Die Zähmung der Wildnis war in dem Moment vollkommen, in dem der letzte verwinkelte Strom bis zu seiner Quelle zurückverfolgt und dann in einem glorreichen Moment, für die Geschichtsbücher verewigten Moment, &amp;quot;Bierbach&amp;quot; getauft wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts davon war geeignet gewesen, um Fel auf das Naherlebnis des Feenwaldes vorzubereiten. Alles hier war Chaos, übergangslos ineinander übergehendes Grün, das ohne Plan und Ziel wucherte. Wege öffneten sich nur um später als Wildwechsel im Schatten des allgegenwärtigen Grüns zu versickern, dichtes Gesträuch reckte sich auf Lichtungen, trieb Blüten aus, die dem Lauf der Sonne folgten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und es war laut: Eine nie ferne Kakophonie ungezählter Stimmen, gewoben aus Triumphen und Niederlagen, so vielgestaltig und gleichzeitig beständig wie das Grün selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wenigstens ein Teil von mir sollte etwas drin finden. Muster. Vertrautheit. Gewissheit.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit spürte Fel nichts davon, während sie durch das Zwielicht des Waldes stolperte, über gefallene und moosbewachsene Baumriesen kletterte, vergeblich den Ursprung eines kleinen Bachs suchte, nur um dann, nach gefühlten Stunden des verwirrten Herumirrens mit dem ersten Schritt zurück wieder dort zu stehen, wo sie ihre Reise begonnen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wie kann das sein? Das widerspricht jeder Logik. Ich sollte einen Vorteil hier haben und stattdessen bin ich noch unbeholfener als Fenrik.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam mit einem allzu vertrauten Gefühl von Scham, ergänzt durch einen Funken von Zorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor einem Jahr hätte Fel hier aufgegeben, sich die Niederlage eingestanden und dann reumütig nach Hilfe gesucht. Diese Fel hätte akzeptiert und sich bescheidet, geschluckt und gelächelt, wo Tränen angebrachter gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Heute nicht. Du wirst mir das nicht madig machen. Das ist ein besonderer Tag, einer, den ich in Erinnerung behalten werde. Der Tag an dem ich nicht aufgebe, mich nicht entmutigen, mich nicht verscheuchen lasse. Ich werde die Knospe finden!&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Feenwald war es ein Samstag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er blieb indifferent, unbeirrt, unbeeindruckt, unverändert im stetigen Wandel, selbst über den Moment hinaus, als die zornige Halbelfe schließlich doch aufgab, zu erschöpft um weiter zu versuchen diese spezielle Lichtung zu finden und sich, genau wie zuvor, nur ein Halbdutzend Schritte vom Reisepunkt entfernt wiederfand.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Ausweisung|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Eure Anwesenheit ist hier generell nicht erwünscht. Geht zu den Edain, doch meidet unsere Länder. Ihr gehört nicht hierher.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trüber Nieselregen versprühte eben genug Feuchtigkeit um die Dächer im Nebelhafen feucht glänzen zu lassen. Aufgeweichte Wege erinnerten unglückliche Passanten bei jedem Schritt daran, dass dies keine Metropole war, keine Stadt, die solchen Wetter die spröde Schulter sorgsam gepflasterter Straßen und Gassen zeigte, sondern ein auf älteren Fundamenten erbauter und ein wenig ausgeuferter Handelsposten. Zumindest theoretisch war eine solche Ansiedlung auf Effizienz und die Bedürfnisse des Handels hin ausgerichtet, was gemeinhin bedeutete, dass das ganze Leben und Handeln der Stadt um Hafen, Marktplatz und Hauptwege herum rotierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch lag der Hafen, der der ganzen Siedlung ihren Namen verliehen hatte, zu dieser Stunde nahezu vollkommen still, kaum ein Licht schien aus den verschiedenen Hütten, Zelten und Wägen unweit, die immer ein wenig den Eindruck erweckten, als hätte die letzte Flut sie hier einfach ungeordnet an Land gespült. Alles atmete den Charme eines Provisoriums kurz vor dem Zusammenbruch aus, zur Permanenz verpflichtet in der Erwartung einer Ablösung, einer Verbesserung, die nie kommen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Selbst sie haben darin eine Bestimmung.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst jetzt, Stunden später, lange nach der stillen, beschämten Flucht aus den Tiefen des Feenwaldes, stachen die Worte des Lichtelfen. Wie eine weißglühende Klinge hatten sie sich tief in das Herz gebohrt, altes, vernarbtes Gewebe aufgerissen, das nun ohne Unterlass zu bluten schien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Als hätte ich nur darauf gewartet. Verdammter B....&#039; &amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst in Gedanken vermochte Fel die Beleidigung nicht zu vollenden, scheute zurück vor der Grobheit, vor dem drohenden Ausbruch und starrte stattdessen auf die vom Nieselregel eigenwillig geglättete Oberfläche des Meeres. Und selbst jetzt wunderte sich ein Teil von ihr darüber, welchen Namen dieses Wasser wohl auf den offiziellen Karten tragen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Neugier hatte sie auf allen Irrwegen durch den Feenwald begleitet, war bei ihr gewesen bei jedem Schritt auf der Suche nach Shiras Knospe und der Lichtung darum. Als sich Fehlschlag an Fehlschlag reihte, war es aber nicht die Neugier gewesen, die ihr verboten hatte nach Hilfe zu suchen, die gefordert hatte nicht aufzugeben. Purer Trotz hatte den Verstand abgeriegelt, die Emotionen aufgebauscht. Noch ein Versuch. Nur noch einer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich vergeblich: Es hatte die Ankunft Eliras und Cillians gebraucht, dazu die Begleitung einer bislang gänzlich unvertrauten Hochelfe namens Nyriel, damit Fel den Platz schliesslich wiederfand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Eure Anwesenheit ist hier generell nicht erwünscht. Geht zu den Edain, doch meidet unsere Länder. Ihr gehört nicht hierher.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte, das hatte sie bereits früh gelernt, waren aus sich selbst heraus bedeutungslos, nur mit der Macht beseelt, die ihnen eingeräumt wurde: Sowohl von dem, der ein Ultimatum aussprach oder Gefolge einforderte, als auch von dem, der sein Haupt beugte oder nach einer Zurückweisung erzitterte. Die Zeit auf den Straßen Breitenbachs war ein kalter Lehrmeister gewesen, ungnädig und erbarmungslos, hatte Fel ein um das andere Mal gezeigt, wie Worte und Taten einen Einklang erforderten und wie sich mit dem Einen das Andere vortäuschen ließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dennoch: Der Schmerz war nicht zu leugnen, ließ sich nicht davonlächeln oder überspielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Weil es wahr ist. Selbst der Wald wusste es: Ich gehöre nicht dorthin. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich gehöre auch nicht hierher.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Es gibt keinen Platz für mich.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und während der Regen über Nebelhafen allmählich stärker wurden, richteten die Gedanken der Halbelfe sich in die Vergangenheit, streiften erneut den Tag an dem die kleine Hütte leer gewesen war. Den Tag an dem die blinde Seherin dem Galgen überantwortet wurde. Den Tag eines Handels mit einem Mann, dessen Selbstverachtung seine Brillianz noch überstieg. Den Tag eines stillen Verrats an allzu lang gepflegter Hoffnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas .. regte sich in Fel, ein unwillkürlicher Reflex, der die Gedanken aus der selbstgewählten Trübheit riss und zu einem anderen Tag zurückführte, einer, der voller Verheissung und Versprechen gewesen war, zurück in ein Zelt, in dem eine alte Frau Karten mischte und sie verdeckt vor Fel auslegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Vergangenheit und Gegenwart sind benannt. Das hier ist der wahrscheinlichste Pfad deiner Zukunft. Eine Karte beschreibt das Schicksal. Eine zweite beschreibt, was dir dabei hilft. Die dritte schliesslich ist das größte Hindernis auf deinem Weg. Deck auf.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Woher weiss ich, welche der drei für was steht?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Das ist fast die beste Frage die ich in diesem Zelt in diesem Jahr gehört habe. Nun decke auf, Kind. Ich werde es für dich erläutern.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Mal gehorchte Fel und deckte die drei Karten nacheinander auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Interessant. Ich habe selten eine so klare Kombination gesehen: Deine Zukunft ist der Stern: Du wirst dein Glück, deine Bestimmung finden. Der Stern ist ein machtvolles Zeichen der Hoffnung und Erfüllung. Interessanterweise steht er auch für das Elfenvolk. Das ist überaus gut und könnte bedeuten, dass du letztlich auch hier dein Schicksal findest.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dir zur Seite steht dafür der Magier, dessen Anleitung und Weisung dich auf den richtigen Weg bringt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hüten musst du dich vor dem Gehängten, der hier fast schon wortwörtlich genommen werden muss: Das ist das argwöhnische Auge des Gesetzes, das alles verderben kann, was dir der Stern verheißt.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erinnerung trieb zurück in das Zwielicht ungeformter Gedanken und möglicher Ideen, umrankt von anderen, daran geknüpfter Gedanken, hinterlassen in Aufzeichnungen, die dem Zorn des Meeres zum Opfer gefallen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich habe es nie geglaubt. Schon damals spürte ich die Diskrepanz, die Ungewissheit. Denk nach. Es gibt nicht so viele mögliche Kombinationen. Welche davon ist die Richtige? Welche ist die Richtige?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es regnete weiter und der trübe, wolkenverhangene Nachthimmel Nebelhafens sah gleichmütig hinab auf die erschöpfte, schon lange durchweichte Halbelfe am äußersten Rand des ins Meer führenden Stegs, die verbissen versuchte ein Rätsel zu lösen, das sich dem Begreifen immer entziehen würde. Und hätte dieser Nachthimmel ein Numen besessen, dann hätte dieses sich vielleicht dazu bewegt gefühlt (mit der Stimme eines gewissen L.Q.) einen spöttischen Kommentar abzugeben über Menschen - und Menschenähnliche - die sich selbst zu ernst nahmen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Im Dunkel|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Bringt mir nur den Kopf von Golga von Assuan. Oder, noch besser, ihn lebend. Dann lasse ich Euch sogar nach Caladlorn ein.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scham folgte dem Zorn bereits in dem Moment als Fel die Füße über die Schwelle des Gasthauses setzte, hinausfloh in den winterkalten Abend Nebelhafens und den trüben Nebel, der träge über mit Raureif überzogenen Wegen hing. Die Wolken, die noch am späten Nachmittag Regen angedroht hatten, waren abgezogen, hatten den Himmel aufklaren lassen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu einem anderen Zeitpunkt hätte die Halbelfe den vielfachen Glanz der Sterne sicherlich mit einer gewissen Neugier honoriert, aber jetzt führten rasche Schritte sie weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur kleinen, mit Veronica geteilten Wohnung? Unmöglich.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu den Docks und den dort dem Wetter trotzenden Zelten, wo alle dieser Tage andere, eigene Sorgen hatten? In gleicher Weise mehr als unangemessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also führte die Flucht sie in die Tiefe, hinab durch den Keller der Falkenrast in die klamme Feuchtigkeit der Unterwelt Nebelhafens - Eingeweide, die schon lange vor dem Handelsposten hier gewesen waren und vermutlich auch nach ihm noch da sein würden. Manche der tropfenden Gänge waren hoch und so breit wie schiffbare Kanäle, andere duckten sich sehr viel enger zusammen, boten Moosen und Algen allerlei Lebensraum. Kaum ein Platz, an dem sich nicht die Schritte von Ratten vernehmen ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das war Fel auf schwer zu greifende Art und Weise .. vertraut. Nicht, weil sie bereits viel Zeit hier unten zugebracht hätte, sondern in der Art, wie sich ähnliche Erfahrungen auf neue, unbekannte Umstände übertragen ließen. Auch im Berg hatte es Feuchtigkeit gegeben, stetig von der Decke tropfend, Ratten und anderes Getier durchwanderten die steinernen Gedärme der längst aufgegebenen Bergwerksbereiche hinab in jene Tiefen, in denen auch dieser Tage noch gearbeitet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Berg hatten die Verurteilten die Steine gebrochen und nach oben gekarrt, ohne bis zum Ablauf ihrer Strafe je wieder das Tageslicht zu sehen. Hier, in den Tiefen unter Nebelhafen, wurde weder nach Quarzen noch nach Metallen geschürft, aber trotzdem gab es hier Menschen: Glücklose und Verzweifelte, Gierige und Unangepasste. Manche, die ein Sturm hier hinab gespült hatte und Andere, die hier freiwillig lauerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und trotz des Gefühls der brennenden Demütigung, erbaut aus dem Zusammenwirken gleich dreier so grundverschieden wirkender Männer, erinnerte sich an Teil von Fel an eine nicht unähnliche Flucht vor mehr als einem Vierteljahrhundert, an die Panik in den enger und enger werdenden Stollen und schliesslich Rissen im Felsen, durch die sich selbst ein für die Jahre ungewöhnlich kleines Kind letztlich nicht mehr zu quetschen vermochte. Wie damals trug sie auch heute weder Fackel noch Laterne bei sich, aber dieser Tage war die Magie ein vertrauter Begleiter, der die Dunkelheit zurückhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wie habe ich damals etwas gesehen? Magie? Aber das war vor meinem Erwachen, war es?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gang, dem Fel gefolgt war, geduckt auf den letzten zwanzig Schritten, öffnete sich in eine Kreuzung mit drei abgehenden Kanälen, alle nicht breiter als die Schultern eines Mannes und nur halb so hoch. Ein Funke von Licht aus dem Rechten versprach irgendeine Form von menschlicher Präsenz, also duckte Fel sich nach links, folgte dem Lauf gurgelnden Wassers in diese Tiefe und wartete darauf, dass der zähe Klumpen ohnmächtiger Demütigung sich allmählich in klamme Resignation verwandelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kalte Abweisung des Lichtelfen war nach dem letzten Zusammentreffen nicht unerwartet gekommen, aber heute hatte sich eine besondere, fast schon persönliche Qualität dazugesellt. Jede einzelne seiner spitzen Bemerkungen war wie der Stoß eines Rapiers - immer auf die Schwachstellen zielend, nicht darauf aus zu töten, sondern zu verwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Zu demütigen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das allein - so redete sich sich zumindest ein, während sie einen halb aufrechtführenden Gang emporkletterte, hinweg über von Algen bewachsene Stufen und vorbei an in die Wände eingelassenen Bronzerohren, die ins Nirgendwo zu führen schienen - wäre kaum ausreichend gewesen um ihre Beherrschung zu brechen, aber dass die Herren Feldspan und Tyladriel sich schliesslich gefallen hatten noch selbst in bereits gerissene Wunden zu stechen: Das hatte das Faß zum überlaufen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dem Moment war Flucht die einzige Lösung vor dem aufkochenden Zorn und der unmittelbar folgenden Schuld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich hätte darüber stehen sollen. Ein paar seichte Scherze, eine Flasche Wein. Ist das nicht, was ich gelernt habe? Die Lügen sind leicht. Nur die Wahrheit schmerzt.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu spät wurde Fel bewusst, dass sie, sich den Kopf zerbrechend, unwillkürlich doch einem der vagen Lichter gefolgt sein musste bis hier zu dieser Kammer, in die sie aus der Wandöffnung heraus stolperte in ein behelfsmässiges Lager voller Kisten und Säcke. Hehlerware, zur Seite geschafft unter Umgehung der Greifen, vorbei an der ohnehin schon laxen Hafenaufsicht. Drei Augenpaare starrten herüber auf die durchnässte Gestalt, im ersten Moment verplex, dann alarmiert. Eben noch zwischen den Fingern gehaltene Karten fielen auf ausgelegte Bretter hinab, während nach einem Messer gegriffen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Fel spürte, noch während sie einen halben Schritt zurückwich, wie aller Schmerz und alle Scham sich lösten. Das hier war, in vielerlei Hinsicht, so vertraut wie die Rückseite der eigenen Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Kalle sagt in der Drecksbude findet man nichts.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Was?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Moment der Irritation war genug, um ihr den eiligen Rückzug zu ermöglich, zurück in das enge Rohr, zunächst nur gefolgt von einem Fluch, bevor die drei sich an die Verfolgung machten. Schon nach einem Halbdutzend Schritten war Fel sich gewiss, dass keiner der Häscher sie hier einholen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Vielleicht ist das ja der richtige Ort für mich. Im Dunkel, wo die Sonne mich nicht sehen muss.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Kampf um Nebelhafen, Tag 1|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Lärm des Schlachtfeldes war genau so, wie Fel sich das Aufeinandertreffen wütender Götter vorstellte: Eine kolossale Kakophonie an Schreien und Befehlen, das ununterbrochene Klirren von Stahl auf Stahl, die dumpferen Laute stampfender Schritte, von keuchendem Atem und dazwischen das Flirren von Magie in allen Farben und Formen. Wie orientierte sich irgendjemand hier überhaupt? Die Angreifer trugen eine einheitliche Uniform: Schwarz und Orange, das machte es zumindest einfacher sie zu identifizieren, während die Verteidiger einen bunten Haufen darstellten, so gegensätzlich wie nur möglich in Erscheinungsbild, Auftreten und Strategie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dennoch, so zumindest Fels Eindruck, während sie sich hinter einen Heuballen duckte, schien jeder hier irgendwie eine Ahnung zu haben, von dem was zu tun war. Es war Chaos, aber mit einem Muster darin, das an ihren Sinnen kitzelte: Sichtbar, ja. Aber nicht so deutlich, dass sie in der Lage gewesen wäre sich daran anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein fehlgeleiteter Pfeil durchschlug den Heuballen ohne Mühe, bohrte sich nur eine Schulterbreite hinter Fel in die Wand des schon lange geräumten Stalls und beendete damit die unschlüssige Tatenlosigkeit. Es gab keinen sicheren Ort hier, nicht einmal am Rande des Getümmels. Die kleine Gruppe in deren Kielwasser sie hierher gekommen war, war schon längst zersprengt, aus den Augen verloren faktisch im ersten Moment des ausbrechenden Kampfes. Vielleicht verletzt irgendwo. Vielleicht tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde es bei den Zelten sicherer sein? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Lärm steigerte sich zu einem Crescendo, der Fel die Ohren klingeln ließ, aber die Bewegung auf dem Schlachtfeld verhieß eine Strömung in Richtung Norden und sie nahm die Gelegenheit war um geduckt in Richtung Osten zu eilen, über die kleine Brücke in Richtung des Hafens. Das plötzliche flaue Gefühl im Magen, der Moment des Zögerns und der Blick über die Schulter zurück, retteten ihr Leben: Ein Pfeil, der zielsicher die Luft dort durchschnitt, wo sie nur einen Moment später gewesen wäre, riss nur den Stoff des Hemdes an der Schulter entzwei, das Zischen der schwarzen Federn lautlos im brodelnden Lärm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gnadenlose Augen nahmen Maß, ein weiterer Pfeil wurde auf die Sehne gelegt in einer einzigen, flüssigen Bewegung und Fel riss die Hände hoch, die Geste ausführend, die in den letzten Wochen, noch während der Ereignisse um Hornblume, eingeübt worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;An Ex Por!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zauber griff bevor der Bogen vollkommen gespannt war, lähmte alle Bewegungen des hünenhaften Bogenschützen und als Fel zurückwich, spürte sie neben der Erleichterung eine andere, schwerer zu greifende Zufriedenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich bin keine Mörderin.&amp;quot; - das hatte sie Ba&#039;thal entgegengeschleudert und die Wahrheit darin glühte wie ein warmer Punkt in der Mitte ihrer Seele. Auch jetzt, hier, nutzlos auf einem Schlachtfeld, würde sie davon nicht ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gestalt in dunkelgrauem Leder nahm die Gelegenheit war, schlang einen Arm um den Kopf des noch immer gelähmten Schützen und zog eine gebogene Klinge so fest am Halsschutz vorbei über die Kehle, dass Fel hätte schwören können die Knochen zu sehen. Nur einen Lidschlag später war es schon vorbei: Noch während die Fontäne aus Blut in Richtung der Brücke sprühte, war der Ledergerüstete schon weiter, wob mit einer Agilität und einem Geschick durch das Kampfgeschehen, als wäre das hier ein natürliches Zuhause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon bekam Fel nichts mehr mit: Ihr sich umdrehender Magen forderte für das nächste Dutzend Herzschläge all ihre Aufmerksamkeit ein, der gute Kanincheneintopf letztlich doch verschwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein winziger, eigenwillig abgekoppelter Teil von ihr war amüsiert: Jetzt sahen die Fleischbröckchen in der Tat viel mehr nach Ratte aus.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Bei Nacht sind alle Katzen grau|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die ersten Rot des neuen Tages zeichnete sich bereits als dünne Linie am Horizont ab, als Fel endlich den Kopf aus ihren Aufzeichnungen hob und damit begann die im Laufe der Nacht verstreuten Blätter wieder einzusammeln und zu ordnen. Wie so oft hatte die Inspiration sich rar gemacht, Raum gelassen für die wesentlich behäbigeren Geschwister namens  Verbissenheit und Starrsinn. Eine ganze Zeit lang war das genug gewesen, hatte die Gedanken abgelenkt und ihnen vertraute Bahnen geboten - wenn schon keine neuen Einsichten, dann doch zumindest der Trost von Ordnung im Chaos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Die Illusion von Ordnung im Chaos. Wobei selbst das seine Muster hat.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Bemühen, so sinnierte Fel, während sie mit müden Augen die eigenen Ausführungen zum Wort der Macht AN überflog, ergänzt um einen ebenfalls aus eigener Hand stammenden, kaum einen Mond alten Kommentar, zog sich wie ein roter Faden durch alles, was sie berührte: Die Notwendigkeit zu begreifen, zu definieren, zu beschreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Nur, was einen Namen hat, ist wirklich. Die Aufmerksamkeit zieht es aus der Ungewissheit des Möglichen in die kalte Realität und dorthin verblasst es letztlich auch wieder. Nichts ist beständig.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gedanken hüteten sich die Ereignisse des letzten Abends zu streifen, überwanden stattdessen eine Kluft von vier Jahren und zerrten die Erinnerung an das erste Zusammentreffen mit Arngrimm Jerwalson zurück an die Oberfläche. Dieses Zusammentreffen war geprägt gewesen von ohnmächtiger Machtlosigkeit, erschüttert durch die Hinrichtung von Fels vorheriger Lehrmeisterin im Innenhof der Kaserne, ausgeführt von Soldaten, die die gleiche Uniform trugen, wie sie nun auch. Selbst im Blick zurück fand Fel es unmöglich das Gefühl von Verbitterung und Zorn abzuschütteln, das alle Eindrücke färbte wie getöntes Glas. Die Monate danach waren nicht viel besser gewesen, auch wenn .. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du scheiterst, weil du dich selbst von Zweifeln zerfrisst.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Satz war kein Teil der Vergangenheit, sondern ein Relikt des letzten Abends, emporgestreckt nun wie ein mahnender Zeigefinger. Anderes umgab ihn wie einen Mantel: Die Vergleiche. Die Komplimente. Der Trost. Die bestimmten Berührungen an ihrem Rücken, den Schultern, Armen, nahe der Kehle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du hast eine Familie. Eine, die dich liebt, so wie du bist.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und irgendwie, all den Lehren der Vergangenheit zum Trotz, glaubte sie daran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Stunden später, schmeckte die Erinnerung bereits nach Asche. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Umarmung war dem Impuls einer überwältigenden Hoffnung und Zuversicht gefolgt, eine törichte Ignorenz gegen alle inneren Warnungen und für einen zeitlosen langen Moment schien es genug. Unvermeidlich, dass es das nicht war, nicht sein konnte: Die Ernüchterung war allzu rasch gefolgt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Das .. wirst du .. nicht wiederholen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ein einfacher Satz, der noch eine halbe Stunde zuvor harmlos an Fel abgeglitten wären, vielleicht mit mehr Verwunderung als Irritation zur Kenntnis genommen. Natürlich. Was auch sonst? Aber jetzt stach es geradewegs durch den vorher weich geklopften Panzer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lächeln. Nicken. Funktionieren. Fel hatte Ärgeres überstanden, aber dennoch blieb der Schmerz in den folgenden Stunden ein treuer Begleiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zumindest einen Lichtblick gab es dabei: Er würde die Sache diskret behandeln. Kein Mensch würde je davon erfahren.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Hello darkness my old friend|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Hände brauchten nicht viel Aufmerksamkeit für ihre Arbeit, das erlaubte den Gedanken ganz frei zu fliessen, ganz anders als es noch beim Verfassen des letzten Protokolls der Fall gewesen war. Nun war die Stunde bereits so weit fortgeschritten, dass die Dunkelheit vor dem Zelt nahezu undurchdringlich erschien, nur gestört durch die falschen Sterne des Lichtscheins von der anderen Seite. Von Primus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie die andere Seite wohl war? Welche Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten hatten sich dort miteinander verbunden, um die Geschicke der Welt in eine andere Richtung zu beugen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Name, so entschied die Halbelfe, während Pergamente glattgestrichen, dann sorgsam zwischen Klemmbretter geordnet wurden, war gut gewählt: Mit Primus musste alles begonnen haben, der erste Trieb, der schliesslich zurückgewuchert war, um eine andere Wirklichkeit zu zeugen, durch Interferenz eine Variante zu erzeugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Ab welchem Punkt haben wir tatsächlich begonnen zu existieren? Ich hätte mich wirklich einmal an die Skala machen sollten. Alles wäre einfacher mit meßbaren, quantifizierbaren Aussagen zur Abweichung und Ähnlichkeit.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke hätte zu einem anderen Zeitpunkt den Eifer Fels angestachelt, aber nicht heute. Nicht hier in einem menschenverlassenen Zelt unter dem erdrückenden Joch der Nacht. Nicht mit einem Gefühl von Bitterkeit auf den Lippen, das sein lächelndes Haupt hob wie zu einem Gruß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Willkommen zurück. Hast du mich vermisst?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere Begleiter kamen und gingen, aber das Gefühl war stetig. Nie für wirklich lange fort, immer im Hintergrund der Aufmerksamkeit lauernd. Unmöglich davor davon zu laufen, unmöglich sich davor zu verstecken. Und gerade nun streckte es sich zu allzu vertrauter Pracht, flüsterte von vergangenen Entscheidungen, von Fehlschlägen und Enttäuschungen. Aber auch vom Überleben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banden. Die Straßen Breitenbachs. Haus Telketh und die dort wartenden Konflikte. Die blinde Seherin. Die Armee und der Handel mit Jerwalson. Der Schiffsbruch schliesslich, der Neuanfang und die damit einhergehenden Anstöße hier und dort. Final die Kollision des letzten, gerade zurückliegenden Abends.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Muster war zu vertraut und die Antwort in gleicher Weise, hatte Fel all die Jahre nicht weniger getreu begleitet als die nun würgende Enge im Hals, während Gurte festgezurrt wurden. Es war mehr Gepäck als jemals zuvor, aber nicht soviel, als dass es sich nicht würde bewältigen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der dunkle Nachthimmel öffnete sich über der Halbelfe, Ungewissheit verheissend. Aber letztlich würde sich ein Weg finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Zelt im Hafen Nebelhafens blieb zurück - fast unverändert für das eilige Auge. Nur die persönlichen Gegenstände und die Bettstatt Fels fehlten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Kein Weg zurück|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und so schließt sich der Kreis.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man genau hinsah, wenn man in der Unruhe des fordernden Alltags genug Zeit fand, um tatsächlich einfach einmal hinzusehen, waren die Zeichen überdeutlich. Und jetzt, im letzten Licht der untergehenden Sonne, mit baumelnden Füßen, die fast die Kämme der hier in den Docks auslaufenden Wellen berührten, war Zeit kein echtes Hindernis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war friedlich. Nicht .. still. Es gab immer etwas zu tun, auch jetzt wurde unweit an Reparaturen gearbeitet, noch ein Stück weiter war ein schwitzender Matrose dabei das Deck eines sonst verlassen daliegenden Kutters von etwas zu befreien, das einen gigantischen Berg von Dung erinnerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich hätte es sehen können.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lag kein Bedauern in diesem Gedanken, nur eine gewisse Nüchternheit, während Fel die Augen zusammenkniff um die ferne Horizontlinie zu beobachten. Zwei Wochen der Suche, zwei Wochen zunehmenden Unglaubens, der sich mehr und mehr mit Frustration mischte. &lt;br /&gt;
Die Flucht nach vorn war eine, vielleicht die einzige Konstante im Leben der Halbelfe gewesen, eine Möglichkeit sich auftürmenden Hindernissen auszuweichen und hatte sie in neue Städte, in fremde Gesellschaft, schliesslich sogar über das Meer getragen. Aber nun, so schien es, gab es keinen weiteren Weg mehr: Die eingeholten Antworten auf Anfragen hier in Nebelhafen, in Solgard, sogar in Surom waren letztlich - teilweise über Umwege - alle auf das Gleiche hinausgelaufen. Es gab, zumindest im Augenblick, keinen für Fel verfügbaren Weg von der Insel herunter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Eingeständnis dessen lag neben der zu erwartenden Enttäuschung auch eine gewisse Befreiung. Wenn alle Wege versperrt waren, dann mussten einfach neue Wege gefunden werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und eines zumindest - das verhieß der sich schließende Riss am Himmel - schien klar: Diese Welt würde doch weiterleben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Natürlich. Es wäre zu enttäuschend, wenn nicht. Aber was fange ich damit an?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Fel_Maris&amp;diff=474</id>
		<title>Fel Maris</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Fel_Maris&amp;diff=474"/>
		<updated>2025-11-30T07:24:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Fel.jpeg|left|frame]] Die Körpergrösse von ungefähr &#039;&#039;&#039;165 Halbfingern&#039;&#039;&#039; ist von unaufälliger Normalität, die gesamte Gestalt wirkt recht filigran, die Züge erscheinen prägnant geschnitten und verraten bereits das gemischte Erbe, das sich in den fein angespitzen Ohren noch deutlicher ausdrückt: &#039;&#039;&#039;Fel ist ohne Mühe als Halbblut eines menschlichen und eines hochelfischen Elternteils zu identifizieren.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den &#039;&#039;&#039;blauen Augen&#039;&#039;&#039; findet sich offenes Interesse, gemildert durch Wachsamkeit. Wenngleich nicht unangemessen nervös, wirkt sie wie jemand, der gern über die eigene Schulter sieht, stets getrieben von immer präsentem schlechten Gewissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;rotblonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; wird nur selten offen getragen und lockt sich bei der geringsten Feuchtigkeit, formt damit einen ungehorsamen Gegensatz zur moderat unaufälligen Kleiderwahl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemischte Erbe macht es schwer durch das Aussehen allein ihr Alter einzuschätzen: Sie ist ohne Zweifel erwachsen, darüber hinaus erlaubt weitere Beobachtung von Verhalten und Gebaren die Einschätzung, dass sie sich irgendwo im Bereich &#039;&#039;&#039;zwischen Anfang und Mitte Zwanzig&#039;&#039;&#039; befinden sollte.&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die linke Hand gehorcht merklich schlechter, die Finger sind unflexibel&lt;br /&gt;
* Furcht vor engen und dunklen Räumen, bisweilen Alpträume die auf ihre Zwangsarbeit im Bergwerk zurückgehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 417 geboren in [[Breitenbach]]&lt;br /&gt;
* 428 bis 429: Arbeitsdienst im Strafbergwerk Breitenbach &lt;br /&gt;
* 433 Verbannung aus Breitenbach und Ansiedlung in [[Grauhafen]]&lt;br /&gt;
* 436 Anstellung im Handelshaus [[Telketh]] für einfachste Hilfsarbeiten&lt;br /&gt;
* 440 Übersiedlung nach [[Rossensprung]] im Dienste des Hauses Telketh&lt;br /&gt;
* 443 Beginn der magischen Ausbildung bei der blinden Seherin [[Myra]]&lt;br /&gt;
* 447 Zwangsrekrutierung für die Armee entsprechend lokaler Gesetzgebung, Ausbildung durch [[Arngrimm Jerwalson]]&lt;br /&gt;
* 450 Überfahrt im Zuge regulärer Dienstverpflichtungen, Schiffsbruch vor der neuen Insel, Spielbeginn&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vater &amp;quot;Gil Melethron&amp;quot; (Alter unbekannt, Verbleib unbekannt seit 416)&lt;br /&gt;
* Mutter Lia Maris (* 385, Verbleib unbekannt seit 424)&lt;br /&gt;
* Bruder Themon (* 410, Verbleib unbekannt seit 424)&lt;br /&gt;
* Bruder Jasser (413 - 429)&lt;br /&gt;
* Bruder Fihan (414 - 428)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Notizensammlung|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Fel Maris&#039; Notizen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Dramatis Personae|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Myra]]&lt;br /&gt;
* [[Arngrimm Jerwalson]]&lt;br /&gt;
* [[Ludwig Springer]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschichte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Vergangenheit: Ussaria|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Magische Momente|SUBTITLE=Rossensprung, 445 (vor 5 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich verstehe das Problem nicht richtig. Die Worte haben eine ihnen innewohnende Kraft. Du musst dich einfach darauf einstimmen, dich ihrer Führung übergeben, während du gleichzeitig das Ziel des Zaubers selbst fest und bestimmt vor Augen hälst. Ich hätte geglaubt, dass gerade du damit keine Probleme hast.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig machte sich nicht die Mühe die Irritation aus seiner Stimme zu verdrängen. Er mochte Fel, aber sie war manchmal geradezu nervtötend begriffsstutzig, vor allem bei so einfachen Dingen wie den Worten der Macht. Das allein war noch kein Grund für Verärgerung, aber die Zeit für diese Art von Ausbildung war knapp bemessen und wertvoll: In den reichen Häusern Rossensprungs mochte es ja so sein, dass jemand mit der Gabe von allen Pflichten und Aufgaben freigestellt wurde, um sich ganz dem Studium dieser Kräfte zu widmen, aber das galt nicht dort, wo das Kopfsteinpflaster löchrig, die Dächer undicht und die Umgangsformen rauer wurden. Ludwigs war ein Schusterlehrling im dritten Jahr und das war es, was Essen auf den Tisch brachte. Diese Abende unter der Anleitung der alten Seherin fielen unter ein Siegel der Verschwiegenheit, zwangsläufig verborgen nicht nur vor der Obrigkeit, die mit harter Hand Loyalität und Dienst aller Zauberkundigen innerhalb der Grenzen der Stadtmauern einforderte, sondern eben auch vor dem knauserigen Schustermeister, der keine Gelegenheit ausließ um seine Lehrlinge zu schinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich hätte gedacht, dass gerade du das verstehen solltest. Es sind nicht einfach nur Buchstaben auf Pergament, Fel. Du musst fühlen, was dahinter ist.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel war älter als Ludwig und schon länger eine Schülerin der alten blinden Seherin, die ihre windschiefe Hütte im Schatten der alten Mauer hatte. Rossensprung war auf unsicherem, sumpfigen Grund errichtet, die alte Mauer war ein Teil der ursprünglichen Kernsiedlung und dieser Tage zu weiten Teilen entweder versunken oder für Steine zerlegt. Nur hier und dort gab es noch Reste, die sich wie verbleibende Zähne in einem zertrümmerten Gebiss dem endgültigen Verfall entgegen stemmten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wer hier lebte, der tat es selten freiwillig, die Eltern in den hübscheren Viertel der florierenden Hafenstadt warnten ihre Kinder vor der Brache und den Krankheiten, die man sich dort einfangen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Geschichten war Ludwig aufgewachsen und auch jetzt schauderte er noch regelmäßig, wann immer er die schiefen Reste des Fischertors durchschritt und den allmählich verrottenden Planken und Hängebrücken folgte, die bis zum Haus seiner zweiten, inoffiziellen Lehrmeisterin führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Du bist zu unbeweglich. Das System funktioniert nicht so. Du kannst nicht einfach nach strikten Gegensätzen schauen und diese einander zuordnen. Denk an die Brücken hier in der Brache: Sie biegen sich und schwanken, sind krumm und schief, aber sie führen dennoch meistens zum Ziel.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magische Theorie auf dieser Ebene war für Ludwig vollkommen einsichtig, vielleicht weil er während seines gewöhnlichen Tagewerks so viel Zeit hatte, die Gedanken wandern zu lassen. Während die Finger mit Ahle, Falzzange, Klopfstein und Knieriemen beschäftigt waren, ließen sich die unverhandelbaren Komponenten der Zauber im Geist bestens zusammensetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fels Stimme ließ ihre Frustration durchklingen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich verstehe einfach nicht, warum es abweicht. Jeder der drei einfachen Schwächungszauber benutzt Nachtschatten als eine Reagenz. Jeder der drei einfachen Stärkungszauber benutzt Alraune als eine Reagenz. DES MANI zum Schwächen, UUS MANI zum Stärken. UUS WIS zum Schärfen des Geistes, aber REL WIS anstelle von DES WIS? UUS JUX meinetwegen um das Ungeschick zu erhöhen, aber dann wiederum weder DES JUX noch REL JUX, sondern EX UUS! Das letzte Paar benutzt dann immerhin passend jeweils Blutmoos, auch beim Zauber für die Geistesschärfe und die Dummheit findet sich gleichartig die Spinnenseide, aber ausgerechnet bei der Stärkung und Schwächung bricht das ganze System auf: Alraune und Schwarze Perle? Warum bitte?&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das waren Fragen, die die alte Seherin normalerweise unbeantwortet ließ, mit einem Schulterzucken abtat, wann immer sie einem ihrer Schüler in die Quere kamen. Neugier brachte ihrer Meinung nach gar nichts: Wem half es schon zu wissen, warum genau nun bestimmte Bestandteile eines Zaubers zusammenwirkten, solange sie es taten? Zeit für solchen Firlefanz hatten nur reiche Schnösel, die nichts zu tun hatten, als über die Welt und den erstaunlichen Mangel an Frauen in ihrem Leben nachzudenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Ludwig hatte schon früh gelernt sich keine überflüssigen Fragen zu stellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich weiß es nicht, Fel. Aber es braucht auch keine vollkommene Ordnung. Darüber hinaus hast du übersehen, dass der Schwächungszauber ebenfalls die Alraune verwendet. Das heisst in der ganz einfachen Umkehrung mit der Ersetzung von Nachtschatten durch eine Alraune, hättest du plötzlich deren zwei in Verwendung. Du brauchst also etwas anderes - oder um genauer zu sein ..&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig ließ die Worte ausklingen, kapitulierend vor dem verwirrten Blick seiner Mitschülerin.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie sollte er etwas erklären, das sich nicht in offensichtliche starre Regeln einfügen ließ? Alles spielte zusammen, die Flexibilität des Systems bestätigte sich durch seine Wirksamkeit selbst. Wenn es scheinbar gegen hergeleitete Regeln verstieß, dann war das einfach ein Problem der Regeln, nicht das Systems selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Du wirst hier in der Brache keine Antwort darauf bekommen, Fel. Wir halten den Kopf unten und lernen was wir können. Und sobald die Alte uns für bereit hält, können wir unser Glück andernorts machen.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange würde das dauern?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ludwig hatte keine Zweifel, dass er in wenigen Monaten alles gelernt haben würde, was die Seherin ihm anzubieten hatte. Selbst jetzt war für ihn bereits offensichtlich wie löchrig das Fundament ihrer Kenntnisse war, wie gering ihr Interesse die Magie wirklich zu verstehen. Fel dagegen hatte - unbegreiflich für ihn - Mühe selbst diese kleine Barriere zu nehmen. Sie war schlau genug und darüber hinaus bereits erwachsen, das alles hätte ihr einen Vorteil geben sollen, aber ein um das andere Mal fand Ludwig sich dabei Erklärungen abzugeben, die in ihrer Tiefe auch seine Erfahrungen letztlich überstiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht, dass es ihn störte: Er mochte Fel und ihre Aufmerksamkeit war angenehm. Beflügelnd. Trotz ihrer hartnäckigen Schwierigkeiten mit der Flexibilität und Beweglichkeit des Systems der Magie. Er würde das, daran hatte er keinen Zweifel, schon noch zu schätzen wissen. Genau wie ihn.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Armeekarriere|SUBTITLE=Rossensprung, Februar 447 (vor 3 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Uniformstoff war steif und kratzig, unbequem zu tragen und darüber hinaus verpflichtend für alle Rekruten im ersten Jahr. Die Kleiderordnung nahm dabei keine Rücksicht auf die Jahreszeiten oder besondere Gegebenheiten wie in Rossensprung, wo die schweren Stiefel allzu gern in saftig schmatzendem Schlamm steckenblieben oder dafür sorgten, dass der Halt auf schwankenden Hängebrücken verloren ging. &lt;br /&gt;
Die Kleiderordnung scherte sich auch nicht darum, ob ein Rekrut den Versprechungen der Werber gefolgt und darum sein Kreuz unter einen Dienstvertrag gesetzt hatte, oder ob diese Verpflichtung als Teil einer angeborenen Gabe vorausgesetzt und dann eingefordert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regeln und Gesetze waren jedenfalls eindeutig: Jeder Anwohner der Stadt hatte eventuelle magische Fähigkeiten zu registrieren und war darüber hinaus verpflichtet, eine fünfjährige Dienstpflicht in der Armee abzuleisten. Der ewigen Regel von Aktion und Reaktion folgend, hatte diese Gesetzgebung zur Entstehung eines Schwarzmarktes ganz besonderer Art geführt: Heimliche Ausbildung in den Künsten abseits des wachsamen Auges des Gesetzes. Damit war die Eskalationsspirale in Gang gesetzt: Auf das Ausweichen folgten verschärfte Gesetze und die Androhung strengerer Strafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor Wochenfrist war das für Fel eine zwar präsente, gleichzeitig aber abstrakte Sorge gewesen. Vier Tage später hatte sich die Welt auf den Kopf gestellt. &lt;br /&gt;
Es war nicht so, als wären Fel die Gesetze nicht bekannt gewesen, aber erst als sie gezwungen wurde im drögen, halb unter Wasser stehenden Innenhof des gräflichen Gerichts der Hinrichtung ihrer mehrjährigen Lehrmeisterin zuzusehen, begriff sie wirklich, was sie bedeuteten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer hatte die Büttel auf die Spur gebracht, wer war bereit gewesen, mit dem stehenden Kopfgeld von 50 Silbermünzen das eigene Gewissen zu erschlagen? Oder war es ein erbarmungsloser Zufall gewesen, der dem langjährigen verborgenen Treiben der blinden Seherin schließlich ein Ende bereitet hatte? Unter dem trüben Nachmittagshimmel voller tiefhängender grauer Wolke ballte Fel ihre Fäuste und schwor im Stillen Vergeltung für den Verrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hinrichtung beizuwohnen war nicht einmal eine geplante Strafe, sondern schlichter, gedankenloser Zufall: Die gesamte im Südflügel des Gerichtsgebäudes untergebrachte Kompanie wurde zum Zeugen der Vollstreckung des gräflichen Rechts, so wollte es die Tradition. Und jene Kompanie würde für die nächsten fünf Jahre Fels Heimat sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Magier zu finden, der die Ausbildung unwilliger Jungmagier ertrug, konnte keine leichte Aufgabe sein: Die Armee war nicht dafür bekannt, gut zu zahlen, wer seine Dienstjahre hinter sich gebracht hatte, der konnte leichte, sehr viel besser honorierte Arbeit ohne Mühe überall finden. Nach Fels Einschätzung konnte eine solche Person also nur ein inbrünstiger Karrierist sein, der leichtgläubig dem Irrglauben erleben war, sich mit dieser Art von Dienst einen besonders warmen Platz im Hinterteil des Grafen zu verdienen - oder ein Versager, der es außerhalb der Mauern der Kaserne noch nicht einmal fertig brachte die Stiefel zu schnüren ohne dazu aufgefordert worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kleine Büro im höchsten Geschoss des Westturms war nur über eine knarrende Holztreppe mit verzogenen Stufen zu erreichen, ein unvermeidlicher Tribut an das sumpfige Erbe Rossensprungs und die Feuchtigkeit, die auch jetzt langsam von allen Wänden im engen Aufgang tropfte. Vermutlich war all das hier einmal weiß getüncht gewesen, aber das Wasser hatte im Laufe der Jahre dunkle Streifen hinterlassen und eigenwillige Muster in die ehemals nüchterne Kargheit geprägt. Sichtbare Nägel und Querstangen aus Metall waren gleichermaßen von Rost gezeichnet. Alles war klamm und feucht, jede der krummen Stufen eine lauernde Falle für die noch nicht eingelaufenen Stiefel mit den noch viel zu dicken Sohlen und steifen Schäften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Arbeitszimmer machte keinen wesentlich besseren Eindruck, der Geruch nach Schimmel war so übermächtig, dass Fel mit dem Hustenreiz kämpfte, kaum, dass sie die Türe hinter sich geschlossen hatte.&lt;br /&gt;
Also kein Streber. Gut. Mit Abschaum hatte sie im Laufe der Jahre umzugehen gelernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Rekrut Fel Maris. Mir wurde befohlen, mich hier zu melden.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum ersten Mal sah der Mann hinter dem wuchtigen, eigenwillig deformiert wirkenden Schreibtisch auf und Fel konnte exakt den Moment bestimmen, an dem der Mann der “Anomalie” bewußt wurde - allzu verräterisch flackern der Blick der wasserblauen Augen, bevor die Lippen sich zu einer dünnen, unwilligen Linie verzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich bin Arngrimm Jerwalson, Magier-Feldwebel der zweiten Kompanie und Euer zugeordneter Ausbilder für alle magischen Themen. Ihr habt offenbar bereits eine gewisse, illegale Vorbildung erhalten. Vermutlich bedeutet das, dass Euer Kopf mit gefährlichem Halbwissen vollgestopft ist. Es wird meine Aufgabe sein, dieses Problem zu korrigieren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die noch offen gehaltene Akte wurde geschlossen - das Papier bereits gewellt durch die unvermeidliche Feuchtigkeit - dann setzte der Mann nach:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Hübsche Ohren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel spürte, wie ihr die Hitze in die Wangen kroch. Das war plump, selbst für einen armseligen Wicht in einem traurigen Büro mit einem undankbaren Tagewerk. Es hätte keinen Grund geben sollen, sich peinlich berührt zu fühlen, aber dennoch kämpfte sie für lange Sekunden mit einer Antwort und bevor sie etwas herauswürgen konnte, hob der Mann schon wieder seine Stimme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich habe hier euren Dienstplan, der in einigen wesentlichen Punkten von dem anderer Rekruten abweicht. Es ist Eure Verantwortlich pünktlich zu allen angesetzten Terminen zu erscheinen - kein Gefreiter wird Euch an die Hand nehmen und hierher führen. Bringt Ihr es fertig Eure Ausbildung zu versäumen, werden diese Tage Eurer Dienstpflicht oben aufgeschlagen. Es ist also in Eurem besten Interesse, stets pünktlich zu sein. Es gibt derzeit nur drei Schüler, was bereits zwei mehr sind als meine Geduld her gibt. Eine erste Einführung zu den Worten der Macht beginnt in einer Stunde. Wegtreten.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Abschied aus Breitenbach|SUBTITLE=Breitenbach, 433 (vor 17 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Breitenbach, dieser Tage die größte Stadt der Grafschaft Siebensteig, war mit den acht Tugenden im Kopf gegründet worden. Davon zeugten auch dieser Tage noch die acht Türme der inneren Mauer, die jeweils die Namen eines der Erzengel trugen. In den Jahrhunderten seit der Grundsteinlegung war die Stadt weit über die Grenzen dieses Kern hinaus gewachsen, hatte die anliegende Furt vollkommen gezähmt und überbaut, auch das andere Seite des Ufers der Usser mit einverleibt um schließlich selbst die Grafenstadt Beiring in den Schatten zu stellen - zumindest wenn man allein die Einwohner zählte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Spaltung hatte Breitenbach zum wichtigsten Verbündeten Beirings gemacht und damit zu einem konservativen Vertreter einer Ordnung von Recht und Gesetz. Aus dem Sinnbild der acht Erzengel waren im Laufe der Jahre Posten gewachsen, die mit der tatsächlichen Kirche des Herrn nur sehr, sehr lose verbunden waren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus der Gründerzeit blieb jedoch die Tradition erhalten, dass diese “Wahrer” nicht nur spezielle Aufgabengebiete in der Stadt zu erfüllen hatten, sondern darüber hinaus aus den Reihen ihrer Gefolgschaft legitimiert, erhoben - also gewählt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der “Wahrer der Ordnung Havriels”, verpflichtet der Tugend der Rechtschaffenheit, war immer abwechselnd mit dem “Wahrer der Ordnung Gabriels” dazu verpflichtet, die Gesetze der Stadt auszulegen und Urteile zu sprechen. In einer idealen Welt hätte es keinen Unterschied zwischen einer Auslegung zwischen “Rechtschaffenheit” und “Gerechtigkeit” geben sollen, aber die Wirklichkeit sah einfach anders aus. Insbesondere aufsehenerregende Prozesse wurden denn auch von beiden Seiten gleichermaßen dafür instrumentalisiert, ihre Anhänger für die nächste Wahl zu motivieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganze Bande von Herumtreibern, Tunichtguten und Dieben in eine Falle zu locken und festzusetzen, war bereits ein Spektakel gewesen, das eigentliche Schaustück folgte dann jedoch mit dem Prozess bei dem letztlich Recht auf traditionelle Weise gesprochen wurde: Jeder der Ertappten, der schon früher einmal bei einem Diebstahl ertappt worden war, würde seine linke Hand verlieren. &lt;br /&gt;
Jene, die in der Vergangenheit dem Gesetz entkommen waren, würden ein Jahr lang ihre Schuld gegenüber der Gesellschaft und den Tugenden n den Bergwerken abarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren sinnierte Fel in den dunkleren Stunden bisweilen darüber, welche Richtung ihr Leben wohl eingeschlagen hätte, wenn sie damals geistesgegenwärtig genug gewesen wäre, um bei der Angabe ihres Namens zu lügen: Hätte sie ein weiteres Jahr in den engen Tiefen durchgestanden, stets mit dem drückenden Gefühl endlosen, zerquetschenden Gewichts über dem Kopf, stets der Tatsache bewusst, dass Jasser, der letzte überlebende ihrer Brüder, sein Leben für den immer hungrigen Groll der grimmigen Stollen gegeben hatte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den modernen Zeiten geschuldet, schlug man im fortschrittlichen Jahr 433 nach der Gründung in Breitenbach keine Hände mehr ab, sondern zermalmte sie stattdessen. Das machte die ganze öffentlich durchgeführte Prozedur weniger blutig, aber nicht weniger beeindruckend: Nach dem fünften auf diese Weise gestraften Bandenmitglied kehrte unruhige Stille in die zuvor frohlockende Menge ein. Der Wahrer der Ordnung war es zufrieden: Er hatte vor allem im Angesicht des schwelenden Konflikts mit dem ewigen Konkurrenten Auenstein Entschlossenheit und Härte demonstriert, ohne sich zu unvernünftiger Rachsucht hinreißen zu lassen. Dem Gesetz - und der Gerechtigkeit - waren Genüge getan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Fel, die die zuvor in ihrem Leben die Stadt auch nur verlassen hatte, war das hier draußen eine unbekannt  Weite voller unklarer Gefahren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie eine bittere Ironie des Schicksals, war es gerade der nahezu unerträgliche Schmerz der verstümmelten, nutzlosen Linken, die sie davon abhielt auf irgendwelchen Umwegen den Rückweg hinter die feindseligen Mauern Breitenbachs zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie begann die Reise nicht allein, aber als sie Wochen später die Gestade Grauhafens an der Usser erreichte, war auch der letzte ihrer früheren Begleiter, Kameraden und Verbündeten verschwunden. Mit dem ersten Schritt hinein in die florierende Hafenstadt schwor sie sich von nun an ein neuer Mensch zu sein, den verhängnisvollen Pfaden der Vergangenheit nicht länger zu folgen. Wie eine Raupe, die sich verpuppte, um schließlich als Schmetterling ganz neue Horizonte zu entdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollte keinen ganzen Tag bis zum ersten Diebstahl brauchen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ausbildungsalltag|SUBTITLE=Rossensprung, April 447 (vor 3 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Rivalität zwischen den beiden Grafschaften Auenstein und Siebensteig, ausgelöst durch die Absplitterung Auensteins im Jahr 42 nach der Gründung, hatte nach Fels Ermessen zu einer ganzen Anzahl von Kuriositäten im Laufe der Zeit geführt. Anekdoten, die manchmal vergessen ließen, wie ernst der Konflikt tatsächlich war. Aus dem stetigen Schwelen wurde immer wieder einmal ein abrupter Brand, ein gewalttätiges Ringen, das selbst jetzt, gute vierhundert Jahre nach dem Anfang noch niemand als tatsächlicher Sieger hervorgegangen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine dieser Kuriositäten war, dass Auenstein Frauen im Militärdienst erlaubte und ihnen sogar Zugang zu Offiziersrängen ermöglichte. Natürlich nicht uneingeschränkt: Fortschritt und Aufgeschlossenheit hin oder her, die 422 eingeführte große Reform bezog sich ausschließlich auf Magier (solange diese nicht auf einem Schiff dienten) und kürzte die Karriereleiter zudem auf den Rang eines Leutnants. Weibliche Kompetenz hin oder her, niemand wollte eine ganze Kompanie tatsächlich einer Frau ohne männliche Oberaufsicht anvertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenngleich die allgemeine Einschätzung war, dass Magier zu wertvoll waren, um als einfache Soldaten verschwendet zu werden, war eine Grundausbildung unumgänglich, wenn man sich einen Rang nicht direkt erkaufen konnte. Und das wiederum war die Ursache dafür, dass Fel nun mit einer ganzen Gruppe anderer Rekruten über schlammigen Grund kroch, um danach in klitschnasser, vollkommen verdreckter Uniform die hohe Kunst des Exerzierens zu üben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auensteins Militärphilosophie, zumindest soweit es den Teil in Rossensprung betraf, glaubte an Drill, Gehorsam und Drill. In ganzen Büchern wurde darüber lamentiert, wie es notwendig war neue Soldaten durch eine Hölle von Demütigung und Erniedrigung zu peitschen, bis aus dem gemeinsamen Schmerz der Gruppe schließlich ein Gemeinschaftsgefühl erwuchs, das letztlich bereit war auf einen feindlichen Pikenwall zu zu stürmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Doktrin erlaubte an diesem Punkt der Ausbildung keine Reagenzien oder andere Hilfsmittel für Magier, nichts, was es Fel ermöglichte hätte, mit den anderen Rekruten zumindest gleichzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade jetzt, in der Mitte einer sumpfigen Strecke mit knöchelhoch stehendem Wasser über saftigem, schlammigen Grund fühlte Fel sich dem Tode nah: Die Erschöpfung hing so tief in ihren Knochen, dass jeder einzelne Schritt sich wie eine Qual anfühlte und die geflüsterten Flüche ihrer Begleiter waren voller wütender Ressentiments: Eine Gruppe, so hatte der Ausbilder doziert, war nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Niemand durfte zurückgelassen werden, aktive Unterstützung war aber ebenfalls untersagt: Dies war schließlich die Grundausbildung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo die schnellste Gruppe sich Lob und den besten Platz bei der Mittagsverpflegung erhalten würde, blieb für die Verlierer in diesem Wettrennen vielleicht nicht einmal genug Zeit, um überhaupt den Magen zu füllen, bevor bereits das Üben von Formationen im Gelände anstand. Zuckerbrot und Peitsche, alles für das Wohl der Armee und zur Motivation einer stetigen Verbesserung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur, dass das System für Fel einfach nicht funktionierte: Allein ihretwegen hing die Gruppe weit hinter allen Anderen zurück und das entfachte nicht etwa das warme Feuer gemeinschaftlicher Verbundenheit sondern kalter Verachtung und Wut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Los, verdammt nochmal, vorwärts Maris!”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Elendes Weib, warum mussten wir das Pech haben, sie zu bekommen.”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dreckiges Halbblut ist für nichts Nutze, wir sollten sie hier ersaufen lassen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gepressten Flüche wandelten sich in Fels Wahrnehmung in ein gleichförmiges Summen, unbedeutend vor der Erschöpfung. Nur einen Moment ausruhen. Innehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kam zu sich, als ihr Gesicht in das brackige Wasser getaucht wurde, eine unnachgiebige Hand im Nacken, die es ihr in Verbindung mit dem matschigen Untergrund unmöglich machte, irgendwo Halt zu finden. Die um sich schlagenden Arme fanden nur zähen Schlamm, die Füße steckten ohnehin noch tief genug im Matsch, dass die Gefahr bestand die Stiefel zu verlieren und die gesamte getragene Ausrüstung schränkte die verbleibende Beweglichkeit soweit ein, dass selbst ein auf den Rücken geworfener Käfer bessere Chancen gehabt hätte wieder auf die Füße zu kommen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das heiße Aufwallen von Panik erschöpfte sich binnen Sekunden und Fel spürte ihren ganzen Körper schwerer werden, während die Wahrnehmung sich eigenartig entfernte, schrumpfte. Das war es. Ersäuft wie ein junges Kätzchen im Sumpf von ihren eigenen Kameraden.&lt;br /&gt;
Der Gedanke war nicht mehr genug, um die bleischwere Gleichgültigkeit abzustreifen, die sich ihrer bemächtigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas, vielleicht ein Stiefel, traf ihre Flanke hart genug, um die Rippen nachgeben zu lassen, dann zerrte die feste Hand im Nacken ihren Kopf wieder aus dem schlammigen Nass. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;hr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vier Stunden später saß Fel im längst schon vertrauten Büro Jerwalsons, der sie wie stets betrachtete: Ein Ärgernis, das ihn zwang, seine Zeit und Aufmerksamkeit für wichtigere Dinge einzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe ihn gewarnt. Aber Leutnant Caimbeul ist ein Patriot. Er ist einer dieser Männer, die ihren ganzen Stolz in ihre hohen Maßstäbe stecken und sich persönlich beleidigt fühlen, wenn etwas - oder jemand - nicht in der Lage ist, diese Maßstäbe zu erfüllen. Das funktioniert leidlich mit dem normalerweise vorhandenen Material, aber es war abzusehen, dass du ihn enttäuschen werden würdest. Wessen Schuld ist es also?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Lächeln des Mannes war dünn, die unehrliche Maske eines Zyniker, der ohne die kleinste Scheu Fallen stellte und Fel fragte sich nicht zum ersten Mal, was Jerwalson hierher verschlagen, welches Schicksal ihn gezwungen hatte als Feldwebel der Auensteiner Armee zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem kalkulierenden Blick des Ausbilders war sie sich ihrer eigenen Erscheinung nur zu bewußt: Das kurzgeschorene Haar betonte die Fremdartigkeit ihrer Gesichtszüge nur noch, die feinen Ohrspitzen waren ebenso unübersehbar, wie die filigrane Schmalheit der ganzen Statur. In der Stadt hatte es nie die Notwendigkeit gegeben Kraft oder Ausdauer zu entwickeln: Schnelle Reflexe und die Fähigkeit sich rasch wegzuducken waren selbst in Fels Jahren auf der Straße immer ausreichend gewesen und ihre Zeit im Dienst des Hauses Telketh hatte auch jenen Fähigkeiten die Schärfe genommen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Uniform verbarg die straff um die Rippen gezogenen Verbände, aber natürlich würden sie im Einsatzbericht erwähnt sein, der sich vor Jerwalson auf dem Schreibtisch wellte. Die verdammte Feuchtigkeit war einfach überall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Es gibt keine Möglichkeit für Euch, in irgendwie angemessener Zeit diese Anforderungen zu erfüllen. Die beiden angebrochenen Rippen sind dahingehend ein Segen: Ihr seid für die nächsten Wochen vom regulären Außendienst befreit, könnt - und werdet - aber in dieser Zeit mit den regulären Studien fortfahren. Militärgeschichte, Strategie, Taktik und natürlich Magie. Macht Euch in der Zeit einen Kopf, wie Ihr mit der Situation umgehen wollt. Sitzt es aus, und ihr seid in einem Mond wieder in diesem Sumpf, nur dass es dieses Mal vielleicht niemanden gibt, der einen ..”&#039;&#039; - er blickte auf den Bericht hinab - &#039;&#039;“.. unglücklichen Unfall vermeiden kann.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist nicht gerecht.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Momente starrte Jerwalson nur, mehr Erstaunen als Verachtung in den wasserblauen Augen, dann lehnte er sich zurück in den abgewetzten Sessel um Fel zu studieren wie einen besonders absonderliche Fliege, die es gerade gewagt hatte ein Bad in seinem Weinglas zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin erstaunt. Gerechtigkeit. Von Euch. Ein Mann, der die richtigen Fragen stellt, hat es nicht allzu schwer, die Herkunft eines Halbbluts nachzuvollziehen, auch wenn die Finger mich beinahe von der Fährte geworfen hätten.” &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Er deutete beiläufig auf die linke Hand Fels, die sich unter der Geste ganz unwillkürlich zur Faust ballte. Nur ein scharfes Auge war in der Lage zu bemerken, dass sie nicht ganz gleichmäßig reagierten, nicht ganz so schnell, wie man es vielleicht erwarten sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was wollt Ihr damit sagen?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dass ich kein Schauspiel schätze. Ich bin sicher, dass Ihr besser als die meisten Rekruten dieser Armee wisst, dass man nichts geschenkt bekommt. Alles hat seinen Preis, auch wenn er manchmal erst später präsentiert wird. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schön. Aus gegebenem Anlass werden wir Theorien und Übung zu heilender Magie vorziehen. Wir werden gleich sehen, wie gut ihr meine Anweisungen zur Anweisung des Ginsengsirups befolgt habt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ludwigs Abschied|SUBTITLE=Rossensprung, August 446 (vor 4 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Vor dem Aufstieg zur großen Handels- und Hafenstadt, war Rossensprung eine unbedeutende Ansiedlung gewesen, nicht einmal interessant genug für einen abgeordneten Ritter um die sumpfige Landschaft der hier in viele Finger zerfasernden Usser im Auge zu behalten. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch hatte es schon recht früh am Hauptlauf des Flusses ein paar einzelne Hütten gegeben: Ein Umschlagplatz für flussaufwärts geschlagenes Holz, das hierher geflößt und dann weiter in Richtung anderer Städte verschifft wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine frühe Beschreibung der Ansiedlung aus dem Jahr 37 nach der Gründung beschrieb bereits den traurigen Alltag von Torfstechen, die mit dem unsicheren Grund und den heißen Quellen zu kämpfen hatten, erwähnte auch die stets präsente Feuchtigkeit die allzeit über der Stadt hing wie eine unerfreuliche Glocke. Rossensprung stank nach Schwefel, Fäulnis und Verfall, genug um den Autoren wettern zu lassen, dass es keine weiteren zwei Dutzend Jahre dauern würde, bis diese Brutstätte für Krankheiten und Niedergeschlagenheit menschenverlassen sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schicksal wollte es anders, auch wenn in den kommenden Jahrzehnten eines vollkommen klar wurde: Was auch immer aus Stein gebaut wurde, das versank langsam im Schlamm und trieb damit ganze Generationen von Architekten in den Wahnsinn, denn jeder Versuch ein Fundament irgendwo im Untergrund zu verankern, erwies sich letztlich als fruchtlos. Ganz gleich wie viel Mühe, Sorgfalt und Planung auch aufgewendet wurde: War es aus Stein, wurde es irgendwann vom Sumpf geschluckt. Im Falle von Gebäuden führte das zu einem gewissen schulterzuckendem Pragmatismus: Jede Generation musste einfach das Dach abtragen, ein neues Stockwerk obenauf setzen und die tiefsten Keller aufgeben, die irgendwann selbst einmal ein Dachboden gewesen waren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Was dagegen aus Holz gefertigt wurde, das fiel unvermeidlich eher früher als später der Feuchtigkeit zum Opfer. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Art war das Leben: Ein stetiger, langsamer Wandel und die immer präsente Erinnerung an die Vergänglichkeit alles Seins. Würden alle Menschen von einem Tag auf den anderen aus Rossensprung verschwinden, dann würde es keine 30 Jahre dauern, bis von ihrer vorherigen Präsenz nichts mehr zu sehen sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Abend hing auch Fel ähnlichen Gedanken nach, während sie ganz im Westen der Stadt über faulende Hängebrücken balancierte um die letzten windschiefen Katen zu erreichen. Die alte Hütte der blinden Seherin hatte das Schicksal ereilt, war gemeinsam mit einem Rest der alten Stadtmauer kollabiert und das hatte sie gänzlich in die Peripherie der Siedlung getrieben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Alles änderte sich, nur Fel fühlte sich, als wäre sie kein Teil dieses Stroms, trieb so langsam, als wäre ein Anker an ihr befestigt, während alle anderen ihr Potential entfalteten und erblühten. Ludwig, der ihr für zwei Jahre ein getreuer, liebgewonnener Begleiter als geheimer Lehrling der Seherin gewesen war, hatte vor nunmehr Wochenfrist seine eigentliche Schusterlehre abgeschlossen und war nun ein Geselle, bereit mit Brief und Siegel seines Meisters in die Welt hinaus zu ziehen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nur, dass er nicht davon träumte ein Schuster zu werden: Ludwigs Wissen und Fähigkeiten im Umgang mit der Magie hatten das von Fel binnen Monaten überholt und nach zwei Jahren der Unterweisung hier am Rande von Rossensprung, stets in der Sorge, dass das strafende Auge des Gesetzes irgendwann aufmerksam werden würde, gab es für ihn nichts mehr zu lernen. Sich der Armee für fünf Jahre zu verpflichten, kam für Ludwig nicht in Frage und außerhalb der Grafschaft Auenstein würde man einem Magier ganz andere Möglichkeiten bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Ich beneide ihn.’ &#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam ungerufen, während Fel die letzte Planke überquerte und sich dann der Führung eines gespannten Seils anvertraute. Soweit draußen war es unvermeidlich, sich die Füße schmutzig zu machen, durch den zähen Schlamm zu waten. Es war gefährlich, von der durch das Seil vorgegebenen Linie abzuweichen: An manchen Stellen gab es regelrechte Löcher im Untergrund, unsichtbar durch das trübe Wasser, bis man hinein trat. Manche waren nur unbequem, durchnässten die Beinkleider und beschädigten die Würde. Andere konnten einen Spaziergänger im Nu verschlucken. Wie die meisten Anwohner Rossensprungs, hatte auch Fel nie gelernt zu schwimmen.. Rein theoretisch konnte die Magie ihr in einer solchen Situation zu Hilfe kommen, aber sie zweifelte, ob sie im Falle des Falles die notwendige Geistesgegenwart und Entschlossenheit aufbringen konnte, um die Panik zurückzudrängen und einen Zauber zustande zu bekommen. Von anderen logistischen Schwierigkeiten ganz zu schweigen. Besser also vorsichtig zu sein, jeden Schritt zu planen und sich nie allein der linken Hand anzuvertrauen, deren Finger niemals ganz ihre frühere Kraft und Geschicklichkeit zurückgewonnen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Alltag war das eine nur gelegentlich zu bemerkende Einschränkung, unbedeutend für die Arbeit im Kontor des Hauses Telketh, in dessen Gefolge sie vor nunmehr sechs Jahren nach Rossensprung gekommen war. Grauhafen war schöner, interessanter und vor allen Dingen trockener gewesen, aber diese Stadt hier hatte zwei sehr verschiedene Möglichkeiten geboten. Beide hatten sich auf ihre Art und Weise erfüllt: Im Laufe der Jahre waren Fels Aufgaben gewachsen, bis zu jenen einer vollwertigen Schreiberin, die ohne weitere Anweisungen Teile der Buchführung des Kontors erledigen konnte. Andere wurden vielleicht auch hier rascher befördert, aber sie kamen und sie gingen. Rossensprung war hart für jene, die den einfachen Luxus einer normalen Stadt gewohnt waren, nicht wenige entwickelten mit der Zeit einen hartnäckigen Husten oder eine nervöse Haut als Tribut an die immerwährende Feuchtigkeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach den sechs Jahren war Fel das am längsten hier arbeitende Mitglied des Handelshauses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An den zweiten Vorteil, den die Umsiedlung nach Rossensprung mit sich gebracht hatte, dachte Fel ungern zurück, denn das gemahnte sie immer an eine Vergangenheit, die sie seit der Ankunft in dieser faulenden Stadt endgültig hinter sich zurückgelassen glaubte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Aber so ist es nicht. Die Dinge verschwinden nur aus der Sicht, wie eine der aus Stein gefügten Mauern hier. Aber das bedeutet zunächst nur, dass man sie nicht mehr ohne Weiteres bemerken kann. Wer unaufmerksam ist, kann sich dennoch den Zeh daran stoßen.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke - so beiläufig er eigentlich auch sein mochte - sorgte dafür, dass ihr Herzschlag sich beflügelte, die Stimmung mit dunklen Wolken driftenden Unbehagens füllte, bis sie endlich das Ende des markierten Pfades erreichte und damit auch eine kleine, zumindest halbwegs feste Insel inmitten der trügerisch ruhigen Brache. Von hier aus waren es kaum noch zwei Dutzend Schritt bis zum halb vermoderten, mittlerweile gänzlich von Moos und Krimmalgen überwucherten Rumpf einer hier aufgegebenen Barke und direkt daneben befand sich eine daran vertäute, schwimmende Plattform aus zusammengenagelten Brettern, jetzt besetzt von einer einzelnen, hockenden Gestalt, die in Richtung der Ankommenden spähte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz des trüben Zwielichts hatte Fel keine Schwierigkeit damit Ludwig zu erkennen, zu vertraut war seine Haltung. Viel hatte sich sonst in den letzten beiden Jahren verändert: Aus dem schlaksigen Jüngling war schon fast ein Mann geworden, der sie mittlerweile um einen halben Kopf überragte. Als sie sich neben ihn hockte, hatte sie keine Schwierigkeiten den dunklen Bartschatten auf seinen Wangen zu erkennen: Diese offene Rebellion hatte warten müssen bis zum offiziellen Abschluss der Schusterlehre. Die Veränderung hatte bereits begonnen. Und morgen würde er Rossensprung verlassen, vielleicht für immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als hätte er diese Gedanken aufgefangen, lehnte Ludwig sich leicht zur Seite, eben weit genug, dass seine Schulter die der neugewonnenen Nachbarin berührte und hob die Stimme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“In einem Jahr bin ich wieder zurück. Ich habe bereits alles durchgeplant, weißt du? Ich folge der Usser in Richtung ihres Oberlaufs, vorbei an Grauhafen, bis zur Grenze zwischen Auenstein und Siebensteig. Von dort aus komme ich mühelos weiter: Breitenbach ist dann der richtige Platz um einen neuen Lehrmeister zu finden. Ich erwarte ungefähr sechs Monate, vielleicht ein wenig schneller, wenn dein Vertrauen in mich begründet ist. Mit dem Beginn des Sommers werde ich dann einfach eines der Schiffe besteigen und hierher zur Mündung kommen, vielleicht reise ich sogar mit ein paar Flößern, was denkst du? Sie sind eine raue Bande, heißt es, aber überaus herzlich und ich denke, sie haben nichts gegen die Begleitung eines Magiers.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel wollte widersprechen, darauf hinweisen wie abergläubisch solches Volk im Allgemeinen auf jeden Anwender von Magie reagierte, aber sie brachte es einfach nicht über das Herz. Nicht, weil Ludwig keine Korrektur vertragen hätte, sondern schlicht, weil er nur redete, um die Stille zu füllen, um die Decke von Wehmut abzuwehren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nichts bleibt. Alles ändert sich.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas wie ein Wellenschlag lief durch das Begreifen - für einen Moment war die Welt ganz fern, distanziert und unberührbar, in vollkommene Stille getaucht, durch die allein das Geräusch unbestimmbar ferner Atemzüge kroch. Gewaltig. Als würde ein Berg selbst seine Lungen füllen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel erschauderte, sich zusammenduckend, während Ludwig den Kopf hob wie ein Jagdhund, dem eben gerade eine ganz eigenartige Witterung in die Nase gestiegen war. Warme Begeisterung fand Eingang in seine sich hebende Stimme:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Hast du das gespürt Fel? Das war eine Störung im astralen Gewebe, darauf verwette ich meinen Gesellenbrief. Wie ein Reflex, ein Echo. Ich frage mich wirklich, was das ausgelöst hat. Kannst du dir überhaupt vorstellen, was das ausgelöst haben könnte? Irgendetwas.. Großes muss passiert sein!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, begriff Fel, war der eigentliche Unterschied zwischen ihnen beiden: Ludwig schaute erwartungsvoll in die Zukunft, zuversichtlich und entschlossen, bereit Wagnisse einzugehen und sich zu beweisen. Er würde an seinen Herausforderungen wachsen, während Fel blühte wie Nachtschatten: Verborgen und zurückhaltend, darauf wartend irgendwann von einer unbedachten Hand geknickt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe es bemerkt, ja. Und es muss etwas sehr starkes gewesen sein, dass wir es bis hierher spüren konnten. Myra wird fluchen: All ihre Tränke werden verdorben sein.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dann lass sie fluchen! Sie ist ohnehin nie zufrieden. Komm, wir staken ein Stück tiefer in den Sumpf, bis zur Anhöhe der Glühwürmchen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Stunden später schlich Fel sich im ersten Licht des neuen Morgen zurück in ihre Heimat. Erschöpft, wehmütig und dennoch von einer eigenartigen Zuversicht erfüllt. Sie würde auf Ludwig warten - ein Jahr war nicht so lang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie von selbst schrieben ihre Finger jene Worte nieder, die seit dem Moment der Störung im Hintergrund ihrer Gedanken brodelten, gab den Silben Form und sich selbst damit Frieden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die blinde Seherin|SUBTITLE=Rossensprung, April 443 (vor 7 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Bislang hatte es Fel nur selten in den Südwesten Rossensprungs verschlagen, aber natürlich kannte sie all die Geschichten. Man konnte nicht Schreiber im Kontor eines Handelshauses sein, ohne das Geschwätz mitzubekommen und ohne seinen eigenen Teil dazu beizutragen. Und das war in gewisser Weise auch der Anlass für ihre Anwesenheit hier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursprünglich war die Ansiedlung genau hier entstanden und dann entlang der vielen Arme der Usser gewachsen, den unsicheren, nachgiebigen Grund Stück für Stück erobernd. Oder zumindest für eine Zeitlang zähmend, denn eine wirklich finale Schlacht gab es in diesem endlosen Krieg einfach nicht: Jeder Tag aufs neue war ein Kampf gegen die allgegenwärtige Feuchtigkeit, gegen Schimmel und Fäulnis die gemeinsam Holz verschlangen und den Rost, der das Eisen zerfraß. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gepflasterten Wege in der Oberstadt standen gewiss in der Hälfte aller Tage eines Jahres mehr oder weniger tief unter Wasser. Das hatte zu einigen interessanten kulturellen Eigenheiten geführt: Schuhwerk wurde entweder überhaupt nicht getragen, oder in Form von kniehohen Lederstiefeln. Eleganz war einfach kein Faktor, der lange in solch widrigen Umständen überlebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier, abseits der gutbetuchten Viertel, gab es keine Wege dieser Art: Anwohner und Besucher gleichermaßen, balancierten über ausgelegte Planken, folgten teilweise auch nur gespannten Halteleinen, als hätten sie keine Sorge, dass der schlammige Untergrund sich jederzeit öffnen und sie verschlingen könnte. Für Fel war das nahezu unbegreiflich: Sie selbst hatte nie gelernt zu schwimmen und das traf auf den allergrößten Teil der Rossensprunger gewiss ebenfalls zu. Ein einziger Fehltritt konnte über Leben und Tod entscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das tat dem regen Treiben auf dem Jahrmarkt keinen Abbruch: Unzählige Händler hatten hölzerne Plattformen herangeschafft und dort ihre Zelte aufgeschlagen, priesen nun lautstark Waren an, feilschten um jeden Groschen, während nur ein Stück weiter ein paar Akrobaten zur Begeisterung der Zuschauer mit Äxten jonglierten. Es wurde gekocht und gebraten, gespielt und gesungen, ein Stück weiter flogen Fäuste in einem Kampf, auf dessen Ausgang eifrige Wetten abgeliefert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An einem anderen Tag hätte Fel sich unter die Menge gemischt, ein Teil des Ganzen. Aber heute war ihr Ziel das fleckige Zelt ganz am Rande des Jahrmarktes. Irgendwann war die Leinwand gefärbt gewesen, darauf wiesen Spuren an den Nähten noch immer hin, aber selbst beim besten Willen war Fel nicht in der Lage, die ursprüngliche Farbe zu identifizieren. Was wie die halb verblassten Reste geheimnisvoller Siegel wirkten, konnte auch einfach getrocknetes Schmutzwasser sein, vielleicht Schimmel, der nie vollständig aus dem Gewebe gewichen war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Drinnen herrschte ein Zwielicht, das bereits an Halbdunkel grenzte, das einzige Licht entstammte einem halbes Dutzend niedrig brennender Talgkerzen, deren scharfer Geruch sich mit anderen Akzenten mischte: Salbei. Knoblauch. Irgendein anderes Kraut, das Fel nicht zu identifizieren vermochte, aber dass ihr die Tränen in die Augen trieb und die Lunge zum Husten reizte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Willkommen. Ich bin Myra. Blind, wo andere sehen. Sehend, wo ihr blind seid. Was ist dein Begehr, Kind?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel Platz war im Inneren nicht und der verfügbare Raum wurde von dem ovalen Tisch beherrscht, hinter dem die Seherin sich verschanzt hatte, wie hinter der Mauer einer Festung. Überall waren Kisten und andere Behälter aufgestellt, das Licht der Kerzen brach sich an einer Vielzahl an glänzenden Schmuckstücken aus Glas oder Zinn. Alles wirkte billig, heruntergewirtschaftet. In einigen Fällen war es leicht den Finger darauf zu legen: Der Tisch besaß nur noch ein einzelnes seiner ursprünglich gedrechselten Beine, die anderen Drei waren irgendwann durch minderwertige Stecken ersetzt worden, die ihren Dienst zwar erfüllten, aber jedem Gefühl für Ästhetik einen rücksichtslosen Dolch direkt ins Gesicht trieben. &amp;lt;br&amp;gt;An anderen Stellen waren die Zeichen subtiler. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin Fel. Kommen nicht alle aus dem gleichen Grund hierher? Um etwas über ihre Zukunft zu erfahren?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Du wärst überrascht, Kind. Setz dich.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Frau fixierte Fel aus milchig-trüben Augen - ein Blick, der gerade unfokussiert genug war, um warmes Unbehagen in ihr hervorzurufen. Vielleicht war es keine gute Idee gewesen, hierher zu kommen. Was auch immer der Volksmund murmelte, es war offensichtlich, dass diese Frau ein Scharlatan war, jemand, der seinen Lebensunterhalt mit der Dummheit anderer verdiente. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin kein Kind. Und ich glaube nicht, dass du mir etwas sagen könntest, dass ich nicht bereits weiß.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch fand Fel sich dabei einen Platz auf dem wackeligen Schemel zu suchen. Letztlich hatte sie bereits all die Mühe auf sich genommen, um hierher zu kommen. Was konnten ein paar zusätzliche Minuten da schon schaden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte ließ sich jedenfalls von der Herausforderung nicht stören, mischte mit noch immer geschickten Händen übergroße Karten, die irgendwann ebenfalls reich verziert gewesen waren. Die Feuchtigkeit hatte auch hier ihre Spuren hinterlassen. Schliesslich platzierte sie drei davon in der Mitte des ovalen Tisches, gerade auf halben Wege zwischen Fel und ihr selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Wen suchst du?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war schwer, den ersten Impuls herunterzuschlucken, den Wunsch direkt mit der Frage herausplatzen. Das war etwas .. Neues, eine Schwäche, die mit den Jahren in der Sicherheit eines regulären Lebens erwachsen war. Es war leicht, sich an Vertrauensseligkeit zu gewöhnen, wenn man sich keine Gedanken um die nächste Mahlzeit oder um in der Dunkelheit lauernde Messer zu machen hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Frage war gestellt und letztlich, tatsächlich auch der Grund für ihre ganze Anwesenheit hier. Die Gelegenheit nicht beim Schopfe zu packen würde Verschwendung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Meinen Vater. Gil Melethron. Der Name ist fast das Einzige, was ich über ihn weiß.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In gewisser Weise, wurde Fel in diesem Moment bewusst, war der Name auch das Einzige, was von ihrer Kindheit geblieben war: Das Gesicht ihrer Mutter hatte im Laufe der Jahre an Schärfe verloren, soweit verblasst, dass selbst der verzweifelte Zorn letztlich in mürbe Resignation gereift war. Lia hatte nie aufgehört von ihm zu sprechen und sich dann irgendwann aufgemacht, um ihren verlorenen Geliebten wiederzufinden. Die drei Kinder, alle von verschiedenen Vätern gezeugt, blieben zurück, sich selbst überlassen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ihr ältester Halbbruder war nahezu genauso lange verschwunden, die anderen beiden schon längst in das kalte Zwielicht der Schattenwelt eingetaucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist kein Name, Kind.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die krächzende Stimme der blinden Seherin riss Fel zurück in das Hier und Jetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Bestenfalls ist es ein Kosename. der ungefähr die Bedeutung von ‘geliebter Stern’ hat. Deine Aussprache und Betonung sind jedoch furchterregend. &#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Willst du meinen Rat, Kind? Vergiss den Namen und höre auf, nach deinem Vater zu suchen. Es gibt Leidenschaften, die dich voranbringen und erfüllen, diese hier ist aber nur fruchtlose Vergeudung. Solche Dinge passieren. Ich vermute, dass dein Vater in seinem Volk selbst ein Ausgestoßener ist, verachtet für den leichtfertigen Umgang mit den Menschen. Es ist denkbar, dass du Dutzende von Halbgeschwistern hast, spitzohrige Bastarde, die nirgendwo wirklich willkommen sind. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich kann dir die Karten legen, wenn du von der Vergangenheit träumst, aber sie flüstern wenigstens auch von der Zukunft. Und wen kümmert schon, was gestern war?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen langen Moment schmerzte alles wie eine eigentlich schon lange vernarbte Wunde, aufgerissen durch eine unbedachte Bewegung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Das ist, was ich bin. Nirgendwo wirklich willkommen.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sich streckenden Finger berührten den verblassenden Rücken der ersten Karte, um sie dann zu wenden. Ganz beiläufig strich die Hand der Seherin einmal über die Fratze der abgebildeten Schreckensgestalt, bevor sie ihre Stimme hob.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Dämon. Das ist deine Vergangenheit - ein Hinweis auf unerwartete Schwierigkeiten, auf Unglück oder Pech, die dein Schicksal an bestimmten Stellen umgelenkt haben in neue Bahnen. Auch wenn diese Karte ungern gesehen wird, ist sie nicht als solche negativ, vor allem in der Vergangenheit. Vermutlich ist ihr Einfluss nun abgeklungen. Zwei Karten nun für deine Gegenwart.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schmerz wandelte sich, vertraut wie die Dunkelheit am Ende jedes Tages und Fel folgte der Weisung der Seherin, um zwei weitere Karten umzudrehen. Dieses Mal realisierte sie, dass die Alte die Karten allein durch ein beiläufiges Tasten zu erkennen vermochte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Mond und die Sonne. Das .. ist eine sehr interessante Kombination. Die Gegenwart besteht in diesem Legemuster immer aus zwei Teilen: Der Wirklichkeit und dem Traum. Der Mond ist deine Wirklichkeit: Er steht gewöhnlich für Einsicht und Selbsterkenntnis, auch Nachdenklichkeit und Intuition. Die Sonne repräsentiert den Traum, das, was du willst: Schaffenskraft und Freude. Licht schaffen und Wärme. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Art und Weise, wie sie hier zusammenstehen, sind sie sehr viel wörtlicher zu verstehen, Kind. Du wärst gern jemand. Aber dir fehlen der Mut und die Fähigkeiten. Du bist eifersüchtig, neidisch und das prägt deinen Alltag. Vergangenheit und Gegenwart sind benannt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte mischte alle offenen Karten zurück in den Stapel, ihre Finger bewegten sich mit einer Routine, die auf jahrelange Erfahrung schließen ließ. Die Frau mochte blind sein, aber das tat ihrer Geschicklichkeit keinen Abbruch und nach einer endlos anmutenden Minute breitete sie schliesslich drei verdeckt liegende Karten vor Fel aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist der wahrscheinlichste Pfad deiner Zukunft. Eine Karte beschreibt das Schicksal. Eine zweite beschreibt, was dir dabei hilft. Die dritte schliesslich ist das größte Hindernis auf deinem Weg. Deck auf.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Woher weiss ich, welche der drei für was steht?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Seherin lachte nur, anerkennend und gutmütig.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist fast die beste Frage die ich in diesem Zelt in diesem Jahr gehört habe. Nun decke auf, Kind. Ich werde es für dich erläutern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Mal gehorchte Fel und deckte die drei Karten nacheinander auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein zweites Mal wurden die erste und die letzte Karte befüllt, als wäre die Seherin selbst überrascht davon, was das Schicksal offenbarte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Interessant. Ich habe selten eine so klare Kombination gesehen: Deine Zukunft ist der Stern: Du wirst dein Glück, deine Bestimmung finden. Der Stern ist ein machtvolles Zeichen der Hoffnung und Erfüllung. Interessanterweise steht er auch für das Elfenvolk. Das ist überaus gut und könnte bedeuten, dass du letztlich auch hier dein Schicksal findest.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dir zur Seite steht dafür der Magier, dessen Anleitung und Weisung dich auf den richtigen Weg bringt. Hüten musst du dich vor dem Gehängten, der hier fast schon wortwörtlich genommen werden muss: Das ist das argwöhnische Auge des Gesetzes, das alles verderben kann, was dir der Stern verheißt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel konnte den plötzlichen Enthusiasmus der Alten nicht teilen: Das alles roch ein wenig zu sehr wie ein billiger Trick, wie etwas, das sich jemand mit dem Geschick der Alten und ihrer Fähigkeit Karten offenbar mit einer Berührung zu identifizieren, ausdenken konnte. Fast noch wichtiger: Beim Starren auf die drei Karten und die dort zu sehenden Gestalten &#039;&#039;fühlte&#039;&#039; sie regelrecht die Disharmonie. Vielleicht war die Reihenfolge einfach nicht korrekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich kenne nur einen einzigen Magier und der ist zu arrogant, um jemandem wie mir auch nur einen Seitenblick zu gönnen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Jemandem wie dir, Kind? Wir sind in Rossensprung, daher darf man solche Dinge nicht laut ausspreche, aber ist dir nicht bewusst, was dein Erbe bedeutet? Du trägst diese Gabe in dir. Du brauchst nur die Hilfe eines anderen Magiers, um diese Möglichkeiten für dich zu öffnen, jemand, der dich schult - möglichst vorbei am wachsamen Auge des Gesetzes, das alles verderben kann.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die knorrigen Finger der Seherin tippten ganz beiläufig auf das Abbild des Gehängten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Lass mich dir von einer Möglichkeit erzählen, Kind. Aber ich sehe bereits, wie die Zukunft dabei ist sich zu entfalten.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;hr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahre später, im Bauch eines  schaukelnden Schiffs, schrieb Fel die Erinnerung an dieses erste Zusammentreffen mit der alten Seherin nieder, die ihre erste Lehrmeisterin werden würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich spürte es schon damals. Die Diskrepanz. Ich bin mehr als je davon überzeugt, dass sie die Karten bewusst in diese Reihenfolge brachte, um mich als Schülerin zu gewinnen. Aber es bleibt dieser Zweifel: Was, wenn da etwas war? Mehr als nur ein Taschenspielertrick? Ich kann nicht aufhören darüber nachzudenken, wie die richtige Reihenfolge der Karten ist. Ich kann die Erinnerung nicht abschütteln an dieses Zusammentreffen mit Ludwig. Es gibt eine Wahrheit dahinter, die noch darauf wartet mir ins Gesicht zu springen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Echos|SUBTITLE=Rossensprung, 448 (vor 2 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der große Markt im Südwesten von Rossensprung hatte sich über die Jahre hinweg nicht geändert. Gewiss, die Zelte wechselten und damit auch die dominierenden Farben, aber noch immer war er geprägt von den halb schwimmenden Holzplattformen und den unzähligen zeitweiligen Brücken, die dazwischen geschlagen worden waren. Es gab, so sinnierte Fel, während sie sich zwischen einigen wild gestikulierenden Interessenten für die Ware eines Töpfers hindurchdrückte, nur voller als zu anderen Zeiten. Das war keine Folge eines weiteren wirtschaftlichen Aufschwungs, sondern Ausdruck der unsicheren Zeiten: Die langen Spannungen zwischen Auenstein und Siebensteig hatten sich einmal mehr in einen offenen Konflikt entladen, das ganze Land entlang der Usser schien in Waffen zu stehen und es gab keinen Tag an dem sich am Horizont nicht qualmende, dunkle Rauchwolken ausmachen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch: Rossensprung war so weit von der Front entfernt, wie überhaupt nur möglich, der einzige echte Überseehafen von ganz Ussaria. Kein Wunder also, dass es Flüchtlinge und Opportunisten gleichermaßen in die Stadt trieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die immerwährende Unstetigkeit der treibenden Plattformen war eine Konstante, mit der die Anwohner Rossensprung mit der Zeit zu leben lernten, aber es erforderte Zeit und Gewohnheit. Selbst gestandene Seeleute, eigentlich an unsicheren Boden unter den Füßen gewohnt, fluchten über den abrupt ruckelnden Grund und hier, gerade vor dem Stand eines Kesselflickers, der eine ganze Auswahl hübscher kupfergetriebener Töpfe und Pfannen ausgestellt hatte, kämpfte nun ein Halbdutzend Matrosen mit dieser Unbille. Einer von ihnen war, vertieft in Austausch mit seinen Kameraden, gegen Fel getaumelt, die zuvor in seiner Hand gehaltene Kanne war zu Boden gefallen und ein kleines Stück gerollt, bis der Fuß eines Anderen sie aufhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Pass auf, wo du deine verdammten Füße hinsetzt, Spitzohr!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Instinkt war den Kopf einzuziehen, sich kleiner zu machen und in der Menge unterzutauchen. Der Konfrontation ausweichen, die gewiss keinen Gewinn, sicherlich aber unerwünschte Aufmerksamkeit bringen würde. Stattdessen biss sie die Zähne zusammen und wandte sich um, fixierte den erzürnten Mann. Die eben noch erhobenen Fäuste wurden widerwillig gesenkt, als er die Uniforminsignien auf der Brust identifizierte und Fel konnte einen Ablauf allzu vertrauter Gedanken über sein Antlitz huschen sehen: Der cholerische Ausbruch war bereits dabei abzukühlen und machte Raum für zwei wesentlich kühlere Beobachtungen. Das Spitzohr war nicht nur eine Frau, sondern zu allem Unglück auch noch Teil der ohnehin bereits angespannten Streitkräfte Auensteins. Und der Mann war noch lange nicht betrunken genug, um diese Hinweise zu ignorieren. Drei, vier Sekunden währte das gegenseitige Starren, bevor der Matrose sich nach seiner Kanne bückte und dann mitsamt seiner grinsenden Begleiter die kleine Plattform verließ. Er würde sich, dessen war Fel sicher, über Tage hinweg den Spott anzuhören haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Fel?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stimme war schmerzhaft vertraut, auch wenn sie anders klang als beim letzten Zusammentreffen vor nunmehr bald zwei Jahren. Die eine Silbe war genug um heissen, längst begraben geglaubten Schmerz in der Brust wieder aufflammen zu lassen. Was war aus den damals ausgetauschten Versprechen geworden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nichts.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ludwig.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ehemalige Schusterlehrling hatte sich verändert und das in fast allen auf den ersten Blick zu fassenden Eigenheiten: Jetzt überragte er Fel um mehr als einen Kopf, die vormals glatt rasierten Wangen verschwunden nun beinahe unter den sorgsam gestutzten Formen eines kurz getragenen Vollbarts. Die nervöse Unruhe, die in den Jahren der Lehre unter der blinden Seherin eine markante Eigenheit gewesen war, hatte sich in selbstbewusste Zuversicht gewandelt, unterstrichen durch die geschmackvolle Wahl an Kleidung, die keinen Zweifel an der gewählten Berufung ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich sehe du hast einen Lehrmeister gefunden. Meine Glückwunsche.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war der Schmerz in den Augen, das fast unmerkliche Zusammenzucken, bevor die Haltung sich wieder begradigte, die verlorene Fassung mit einer Schnelligkeit zurückgewonnen wurde, die Fel in gleicher Weise beeindruckte und betrübte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ja. Nicht alles lief, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber ich fand einen Meister und wurde einer von sieben Lehrlingen. Es waren aufregende, lehrreiche zwei Jahre für mich und ich bedaure nur, dass ich nicht eher die Möglichkeit hatte, nach Rossensprung zurückzukehren.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er zögerte für einen Moment, ausreichend, dass sie sich einmal mehr der eigenen Erscheinung vollkommen bewusst wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Du hast dich nicht verändert, Fel.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist eine Lüge, Ludwig, aber ich nehme es.”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zwei Finger berührten die Insignien der Uniform direkt über der Brust - das geöffnete dreistrahlige Auge in Bronze und direkt daneben die geschwungene Linie. Für das geschulte Auge verriet das erste ihre Zugehörigkeit zur Profession der Magier, das zweite den Rang als Fähnrich in der Auensteiner Armee. Das früher üppig getragene Schopfhaar war mit der zwangsweisen Verpflichtung in die Streitkräfte der Grafschaft kurzgeschorenen worden, aber mit dem Ende der regulären Rekrutenzeit waren die Regeln nicht mehr so streng. Es fiel dennoch noch nicht lang genug, um die leicht gespitzten Ohren zu verdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich war in der Brache. Von Myras Haus gibt es keine Spur mehr. Ich habe gehört, was ihr passiert ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen einfachen drei Sätzen hörte Fel eine ganze Anzahl von Fragen, zusammengepresst auf die Form dieses simplen, fast neutralen Geplänkels. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Sie haben uns erwischt, ungefähr ein halbes Jahr nach deinem Weggang aus Rossensprung. Irgendjemand hat sich ein Kopfgeld verdient und ist hoffentlich daran erstickt. Du weisst, wie die Regeln sind: Ich bekam die fünf Jahre Dienstverpflichtung im Austausch für eine Ausbildung. Myra ..”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel ließ den Satz unvollendet: Ludwig kannte die Regeln ebenso gut wie sie selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich war seitdem nur ein einziges Mal wieder in der Brache. Es sind keine schönen Erinnerungen mehr.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform schwankte unter dem Gewicht anderer Marktbesucher, die kurzzeitig geschlagene Lücke in der lärmenden Gleichförmigkeit war rasch wieder geschlossen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Warum bist du zurückgekommen, Ludwig? Im ersten Jahr war ich voller Hoffnung, malte mir aus, wie du zurückkommen und mir von der Welt erzählen würdest, von deinen Abenteuern und den Dingen, die du gelernt hast. Anfang des zweiten Jahr fühlte ich mich bitter: Betrogen und vergessen, zurückgelassen in einem Elend, gefangen zwischen Mühlsteinen, die stetig darauf aus waren - und es noch sind - mich zwischen sich zu zermalmen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich verstehe, Ludwig. Alles verändert sich, nur ich fühle mich manchmal, als wäre ich davon ausgenommen, ein Beobachter, der sich im Sumpf verirrt hat und alle anderen an sich vorbeieilen sieht. Sieh dich an: Ich kann dich kaum wiedererkennen. Du bist deinen Schuhen längst entwachsen, ein Mann, wo ein Jüngling damals aufbrach. Warum bist du zurückgekommen?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war der Schmerz wieder, die Schuld zwischen der zur Schau getragenen Selbstsicherheit und Fel spürte eine bittersüße Befriedigung bei der Beobachtung, eine vorwurfsvolle Genugtuung, die schon an Rachsucht grenzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe viel gelernt Fel. Ich weiss nicht, was sie dir in der Armee beibringen, aber ich bin sicher, es kann nicht viel sein. Ja, ich bin viel zu spät, aber das ist der Unterschied zwischen törichter Planung und der Erfahrung, die man draussen im Leben macht: Die Dinge sind nie so einfach, wie sie erscheinen. Ich kam, sobald es mir möglich war. Und ich habe dich nicht vergessen. Wenn du willst, können wir schon diesen Abend fort sein aus Rossensprung, unterwegs. Niemand wird dich finden, niemand wird dich entdecken. Ich kenne genau die richtige Magie dafür.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Moment lang vermochte Fel nicht zu atmen, ein Gefühl wie von Eiswasser in ihren Adern brachte alle Glieder zum schütteln und die Zähne zum klappern. Ein Teil von ihr, gut behütet unter dem Alltag allzu pragmatischer Lehre, krümmte sich wie ein waidwund geschossene Fähe in plötzlichem, atemlosem Grauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was heißt das?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war eine Geschichte, die Fel ihm niemals anvertraut hatte: Die Details ihres ersten Zusammentreffens mit der blinden Seherin waren immer verborgen geblieben, gehütet wie peinliche Anekdoten der Kindheit, die in gut gesicherten Schubladen verstaubten. Also schwieg sie, zu sehr damit beschäftigt nicht einfach zu flüchten, um eine Antwort geben zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Habe ich etwas Falsches gesagt, Fel?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Nein.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Entsetzen verflog, auch wenn das Herz weiterhin gegen die Brust hämmerte, der schwere Uniformstoff nun zusätzlich noch klamm durch schweisskalte Feuchtigkeit. Ein Teil von ihr erkannte ganz kühl, dass die Panikattacke vorbei war und fragte sich befremdet nach dem Grund dafür, ohne eine Antwort zu finden. Etwas an der Formulierung Ludwigs musste einen Zusammenhang hergestellt haben zu den vor Jahren gelegten Karten der Seherin. Aber was, das blieb dem rational ausgreifenden Verstand schleierhaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Nein. Das Risiko ist zu hoch. Für dich. Für mich. Wir sind keine Kinder mehr - ich schon lange, du seit mindestens einem Jahr. Und ich denke an den allermeisten Tagen benimmst du dich auch so. Du hast etwas aus dir gemacht - gut! Ich habe immer gewünscht, dass du aus diesem Loch entkommst. Aber das werde ich auch, spätestens wenn meine Zeit um ist. Und dann will ich diese Stadt hoch erhobenen Hauptes zurücklassen, noch ein letztes Mal in das Hafenwasser spucken, um dann nie mehr hierher zurückzukehren.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Momente stand Ludwig nur wie vom Schlag getroffen, die Maske welterfahrener Nonchalance fortgewischt und gegen eine Mischung aus Überforderung, Schmerz und schlechtem Gewissen ausgetauscht. Und, wie Fel nicht ohne eine gewisse bittere Zufriedenheit bemerkte, auch ein Quäntchen von Erleichterung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er ging, war es wie eine Flucht, eilig, noch immer mit der durch lange Jahre erworbenen Sicherheit bei der Bewegung über schwankende Planken und driftende Plattformen hier im sumpfigsten Teil Rossensprungs. Manche Eigenheiten blieben erhalten, selbst wenn sie nicht mehr benutzt wurden, wartend und schlummernd, bis die Notwendigkeit wieder nach ihnen rief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel starrte ihm nach, bis seine Gestalt im Alltag verschwunden war, selbst der Lärm wie eine Decke, die sich über alle allzu betäubenden Gedanken legte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Das ist es eben. Nichts bleibt wie es ist. Darauf zu hoffen, ist töricht. Darauf zu vertrauen ist Selbstmord.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was ist nun? Wollt ihr es kaufen? Ich habe auch noch andere Interessenten.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nachfrage des Mannes hinter dem Stand mit all den blank polierten Kupferteilen erinnerte Fel an den eigentlichen Grund ihrer Anwesenheit hier: Mitten in der bunten Mischung aus Töpfen und Tiegeln, Messern und Gabeln, kleinen Dosen, einem Käfig, verzierten Tellern und grösseren Platten, befand sich auch eine kleine, kaum mehr als fingerlange Statue. Elfische Handwerkskunst hatte der Mann ihr hoch und heilig versichert. Von seinem Großvater erworben und weitergegeben an den Vater als Glücksbringer, nun in Anbetracht der Umstände aber dennoch zu einem günstigen Preis abzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Höchstwahrscheinlich eine Fälschung.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also solche würde sich die kleine Figur nur zu der Sammlung anderer kleiner Kinkerlitzchen gesellen, die Fel im Laufe der letzten Jahre angesammelt hatte. Sie alle verband ein vermeintlich elfisches Erbe, sie alle waren günstig genug gewesen, um für ihre äußerst beschränkten Mittel greifbar zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nur sie sind ewig. Unveränderlich wie die Sterne selbst. Warum muss ich hier festsitzen?’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel später war sie auf dem Rückweg in die Kaserne, die kleine, vermeintlich elfische Statue gut behütet in der Tasche.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Interludium: Die Insel der Nebel|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|CONTENT=Die Insel der Nebel ist der Tutorialbereich von DNW, eine vom eigentlichen Spielgeschehen isolierte Insel. Obwohl alle Elfenvölker frei erstellt werden können, sind Halbelfen aber kein frei verfügbares Volk. Das bedeutet: Um Fel tatsächlich ins Spiel bringen zu können, musste ich einen entsprechenden Antrag stellen. Dieses Interludium entstand während der Wartezeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da die Insel der Nebel nicht tatsächlich existiert - es ist eben nur ein Tutorialbereich - können die dort gemachten Erfahrungen nicht ins Spiel einfließen. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 14|CONTENT=&lt;br /&gt;
In der gleichförmigen Stasis dieser Insel ist die Ankunft anderer Reisender die einzige Abwechslung, die einzige Abweichung von einer täglichen Routine. Selbst das ist, wenn man es korrekt betrachtet, gleichbleibend: Ihr Kommen und ihr unvermeidliches Gehen ist zwar unregelmässig aber doch vorhersehbar: Sie alle ziehen weiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich noch an die Aufregung des ersten Tages, gleich gefolgt von der Erleichterung direkt nach der Ankunft, an deren Details ich mich nicht erinnern kann. Das ist etwas, was mich mit den allermeisten der Reisenden verbindet: Eine bestimmte Ungewissheit, über die Art und Weise wie dieser Ort erreicht wurde. Selbst jene die voller Überzeugung davon berichten, wie sie von einem Schiff hier abgesetzt wurden, verdrängen vielleicht einfach die Realität, denn ich habe abgesehen vom Fährmann niemals jemanden hier angelegen sehen. Und - um korrekt zu sein - nicht einmal diesen. Er liegt einfach jeden Morgen aufs Neue vor Anker, unvermeidlich wartend wie das finale Schicksal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen ersten Tagen war ich dankbar für mein Leben und stellte nicht zu viele Fragen, aber je länger ich hier verweile, desto mehr Zweifel verdichten sich zu schweren Klumpen in meinem Hinterkopf: Was ist das für ein Ort? Was bedeutet meine Anwesenheit hier? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine im Moment bevorzugte Theorie habe ich nach vielen Gesprächen mit anderen Reisenden herausgeformt: Ich denke diese Insel ist kein echter Ort, sondern eine geteilte Traumrealität, ein unechter Platz, den jene erreichen, die gerade bei sind ihr Leben zu verlieren oder ihren letzten Atemzug bereits getan haben. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist ein Ruheplatz um sich zu sammeln, um Frieden zu schließen. Wer dann bereit ist für die Weiterreise, der vertraut sich dem Fährmann an, der keine Bezahlung verlangt und niemals jemanden hierher zurückgebracht hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fürchte seine Verlockung genau wie die hölzernen Planken seines Schiffes. Und wer will es mir verdenken?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich sah, wie die Magie sich verformte, verdrehte, wie die Realität selbst aus der Fuge zu geraten schien. Was Holz war wurde zu Luft, was Metall war, transformierte zu Wasser. Mir ist selbst jetzt unbegreiflich, auf welche Weise das passierte, welches Prinzip dahinter steht. Es passt zu keiner der Lehren, die mir nahegelegt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was fange ich also an mit den Tagen, die alle gleich beginnen und nahezu identisch enden?&lt;br /&gt;
Weniger, als ich sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine bescheidenen Fähigkeiten bemüht um zu prüfen, ob sie irgendwelche permanenten Veränderungen durchlaufen haben, aber das scheint nicht der Fall zu sein, denn die mir bekannten Zauber funktionieren wie immer, die Grundprinzipien scheinen identisch soweit es sich durch mich beurteilen lässt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich habe Notizen hinterlegt, flüchtig bislang nur: Zu den verschiedenen Gebäuden, zu den Personen hier, zum Fährmann und auch zu den anderen Reisenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sollte ich all das ein wenig ordnen. Vielleicht ist es genau das, was ich brauche um jenen Ruhepunkt zu finden, den ich benötige, um mich dem Fährmann anzuvertrauen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann nicht aufhören mich zu fragen: Was wenn meine ganze Existenz nur ein eingefrorener Moment ist, der sich in dem Moment auflöst, in dem ich mich entschliesse weiterzuziehen? &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 24|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich nicht mehr genau, was das Erste war, dass mein Misstrauen erregte, aber ich glaube es waren die Bewohner dieser Insel. Damit meine ich nicht die Reisenden, die allesamt - genau wie ich - auf irgendeine Weise hier ankamen und - anders als ich - nicht viel später dann auch schon der Verlockung des Fährmanns folgen und die Weiterreise antraten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kontakt war .. glaubhaft, die oberflächlichen Gespräche die man eben so führt, wenn man an unbekannte Gestade gespült wird mit nicht mehr als ein paar Fetzen am Leib, genau das was man eben erwartet. An jenem ersten Abend war ich zufrieden zumindest einen provisorischen Schlafplatz ergattert zu haben. Ich will nicht behaupten, dass ich glücklich war, aber die Sorgen und das Bedauern sollten erst in den Wochen danach allmählich Einzug halten, vertraut in ihrer kühlen Hartnäckigkeit. Aber damals war ich froh noch am Leben zu sein. Fragen konnten warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Katzenjammer kam mit dem nächsten Morgen, mit der klaren Einsicht, dass mein bisheriges Leben ein abruptes, ungeplantes Ende erfahren hatte. Meine Verpflichtungen, meine Aufgaben, meine dünnen Freundschaften und vor allem auch mein Lehrmeister: Einfach davongewischt wie ein unbedeutendes Staubkorn auf einer nun in Ordnung gebrachten Tischplatte. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während die Sonne gemächlich aufging und die Insel mit Farben und Wärme füllte, realisierte ich, dass ich zum ersten Mal seit meiner Flucht aus Breitenbach wirklich allein war. Wohin ich von hieraus auch aufbrechen würde: Niemand würde meinen Namen kennen. Niemand die Umstände meines Aufwachsens, niemand die ungetilgte Schuld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war ein eigenartiger, machtvoller, wenn auch bittersüßer Gedanke: Ich hatte die Möglichkeit mich selbst neu zu erfinden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Wochen später, stelle ich fest, dass der Käfig etwas ist, was man mit sich trägt und selbst ein Schiffsuntergang wischt ihn nicht einfach fort. Es ist so leicht, so verführerisch in vertraute Gewohnheiten zu fallen, die über die Jahre wie Atemzüge wurden: Unwillkürlich und vertraut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich schweife ab.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es brauchte drei Tage bis ich wirklich verstand, dass die Bewohner dieser Insel sich nicht an mich erinnerten: Wenn ein Tag neu anbrach, dann waren sie selbst wie erneuert, aller Eindrücke der vorherigen Stunden beraubt. Erst mit dieser Beobachtung verstand ich, dass es nicht nur die Bewohner waren, sondern die ganze Insel: Welche Spuren ich auch hinterlassen hatte, sie waren verblasst, sobald der neue Tag begann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da verstand ich: Das hier ist kein echter Ort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und damit kamen auch die Zweifel: Was bin ich dann?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 26|CONTENT=&lt;br /&gt;
Was bin ich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein verwirrter Traum, der sich gerade auf der Schwelle zwischen Schlaf und Erwachen wälzt, unfähig das Eine oder das Andere zu umarmen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Gedanken einer Sterbenden, die in nachtblauer Tiefe einem eiskalten Grab am Boden der See entgegensinkt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reste einer Seele, die die Schwelle bereits überschritten hat und nun nur noch darauf wartet das Urteil zu akzeptieren, Frieden zu machen mit sich, bevor sie bereit ist für die Weiterreise an einen Ort von dem noch niemand zurückgekehrt ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Morgen verspricht mir aufs Neue: Nein. Das ist ist normal. Du hast überlebt. Sieh dich um und sammle, erhole dich, bevor du weiterziehst. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann die Augen nicht davor verschliessen, wie ich das gleiche Gespräch ein weiteres Mal mit der Frau hinter dem Tresen in der kleinen Markthalle führe, wieder die gleichen Anekdoten vernehmend, die ich bereits zwei Dutzend Mal vernommen habe. Sie sind mir bald so vertraut, wie die Stationen meines eigenen Lebens und ich lächle pflichtschuldig, während ich ein weiteres Mal um Material handle. Tinte. Papier.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es wird höchste Zeit, dass ich mich aufraffe, das Beste aus diesem Ort hier mache, Hausaufgaben erledige, die schon viel zu lange darauf warten, abgeschlossen zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anlass für diesen Entschluss war fast schon banal: Das Zusammentreffen mit einem Reisenden, der die Magie gerade erst zufällig für sich entdeckt hatte und nun mit der staunenden Zuversicht eines Welpen den Vorgaben in dem zerfledderten Buch folgte. &lt;br /&gt;
Mir fehlen die Worte, um genau zu beschreiben, wie ich mich fühlte, als er Reagenzien zerrieb, Worte rief und eine Wirkung manifestierte, als wäre es gar nichts. Einfach so. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann mir vorstellen, dass ich gelb im Gesicht wurde vor Eifersucht und Neid. Welches Recht hatte dieser Mann ohne die geringsten Studien, ohne Stunden über Stunden an Meditation und erschöpfenden Übungen einen solchen Effekt einfach aus dem Ärmel zu schütteln? Wo war die Gerechtigkeit dabei?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Gedanke riss mich aus dem schäumenden Selbstmitleid - die Erinnerung daran, wie Jerwalson mich für eine sehr ähnliche Frage höhnisch verlacht hatte, war auch jetzt, Jahre später, noch wie eine nicht verheilte Wunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Gerechtigkeit für mich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieses Zusammentreffen war ausreichend, um den Entschluss in mir reifen zu lassen, meine gesammelten Kenntnisse einmal zu ordnen, zu prüfen, sie niederzuschreiben. Meine eigenen Notizen, die - hoffentlich - mit mir gemeinsam wachsen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wenn ich nur ein zuckender Gedanke kurz vor dem Verlöschen sein sollte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mehr Licht! &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 28|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Mach die Augen auf.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein neuer Tag. Eine vertraute Routine. Es ist eigenartig, wie präsent die stetige Gleichförmigkeit dieser kleinen Insel wird, wenn einem diese Eigenheit erst einmal bewusst geworden ist. Wieviele Monate meines Lebens habe ich mit eintöniger, langweiliger Arbeit verbracht ohne mich über gewöhnlichen Groll hinaus zu beschweren? Wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, dann kann der Unterschied zu meinem Erlebnis hier nicht besonders groß gewesen sein: Immer der gleiche Tagesablauf, feindselige oder gelangweilte Blicke von Fremden, bestenfalls vom Sehen vertraut. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dazu ein Gewicht, dass es hier nicht gibt: Wenn ich meiner Verärgerung hier freien Lauf lasse und der geizigen Kräuterhändlerin meine Meinung geige, wird sie mich am nächsten Tag doch begrüßen, als hätte sie mich noch nie vorher gesehen.&lt;br /&gt;
In gewisser Weise, denke ich, dass exakt das auch der Fall ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jerwalson, daran hege ich keinen Zweifel, wäre enttäuscht und das ist ein Gedanke der mich mehr bedrückt, als er sollte. Der Mann war mein Lehrmeister, aber kein Freund. Niemand, dem ich mich anvertraut hätte über die Alltäglichkeiten der Ausbildung hinaus. Er trug, denke ich, die Uniform mit noch mehr Verachtung als ich. Ein weiteres offenes Rätsel, eines, das nun nicht mehr drängt und vermutlich nie gelöst werden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das ist Vergangenheit. Ich sollte froh sein über diese Herausforderung. Die Wahrheit ist, dass ich jeden Tag ein wenig entnervter erwache, mich in meiner eigenen Routine festbeisse: Muscheln sammeln, die Beete bestellen, Gemüse verkaufen und gegen Reagenzien, Tinte und Papier eintauschen. Und dann schreiben: Es ist frappierend, wieviel ich bereits vergessen habe: Ich bekomme den Enigmatischen Dualismus Jerwalsons kaum noch zur Hälfte zusammen: POR und ZAN als Gegenstücke, aber stand NOX nun gegensätzlich zu XEN oder MANI? Es ist genau wie vor einem Jahr: Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger habe ich den Eindruck davon zu verstehen. Das System, was er darin sah - oder vorgab zu sehen - erschließt sich mir einfach nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht morgen. Ich habe das Gefühl ich bin reich an Tagen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 32|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Sieh dich um.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigenartig, wie mit den Jahren manche Erinnerungen vollkommen ausgewaschen sind, dünner und fadenscheiniger noch als die von der Armee Auensteins gestellte Unterwäsche. Andere dagegen haben ihre Leuchtkraft bewahrt, oder - wie Jerwalson stets zynisch bemerkte, wann immer sich Gespräche in diese Richtung entwickelten - sie haben sich allmählich verwandelt und erwecken damit fälschlich einen Anschein von Authentizität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich denke noch immer, dass er sich darin irrt, dass es Eindrücke gibt, deren Wahrhaftigkeit mühelos dem Zahn der Zeit widersteht, so prägend und machtvoll, dass sie selbst nach Jahrzehnten nichts von ihrer Schärfe verloren haben. Ich wünschte ich könnte das Gesicht meiner Mutter dazuzählen, aber wenngleich ich mich mühelos an ihre letzten Worte an mich erinnern kann, ist ihr Gesicht selbst ins Vergessen geraten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich auch an die Trauer, an den Schrecken, an das Gefühl von Schuld und Verrat. Sie ging um einem Traum nachzujagen, auf der Suche nach ihrem Geliebten, der - wie ich sehr viel später erfahren sollte - nicht einmal seinen richtigen Namen genannt hatte. Mein Vater. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
An manchen Tagen frage ich mich, wie weit weit ihre Suche sie gebracht hat, ob sie vielleicht noch immer irgendwo da draussen ist. Ob es eine neue Familie gibt, andere Halbgeschwister, die den Luxus hatten mit einer Familie aufzuwachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert ist verstrichen und vielleicht hat sie ihr Glück gefunden. Aber ein Teil von mir, der sich in der Erinnerung an diese ersten Tage zusammenduckt und unzulänglich fühlt, hofft, dass sie noch immer wandert und sucht, vergeblich von einem Ort zum anderen treibend, wie ein welkes, schon lange dem Baum entrissenes Blatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sollte einen ähnlichen Groll auch gegenüber diesem Fremden hegen, diesem umherziehenden Elfen. Aber ich habe ihn nie kennengelernt, es gibt keine Erinnerungen, an die ich meine Gedanken heften kann. Aber ich denke auch er ist noch irgendwo da draussen, alterlos wie alle seines Volkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alterlos.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie diese Insel, wo jeder Tag seinem Vorgänger gleicht. Ich habe mich begonnen zu fragen, ob es hier ohne Reisende überhaupt Tage gibt. Oder: Ob das hier überhaupt existiert ohne einen Besucher. Wenn ja: Wird irgendwann jemand nachsehen, warum ich hier verweile ohne mich dem Fährmann anzuvertrauen? An manchen Abenden habe ich das Gefühl von unsichtbaren Geistern angestarrt und verurteilt zu werden, namenlosen Schemen aus Quecksilber, die sich zwischen den Schatten bewegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jerwalson würde lachen und lästern. Aber ich kann den Schauder nicht abschütteln, der mich in diesen Momenten überfällt. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 33|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Gleichförmigkeit der Insel lädt dazu ein sich treiben zu lassen und jeden Morgen, direkt nach dem Erwachen, gebe ich diesem Gefühl nach, bleibe liegen und lausche mit geschlossenen Augen auf das Geschrei der Vögel, auf das Plätschern des Regengusses, der sich zuverlässig jeden Morgen einfindet und auch auf Gespräch der beiden Händler, das ebenfalls immer gleich abläuft. Sie haben Erinnerungen, aber es ist für mich unmöglich zu ergründen, ob sie sich auf tatsächliche Ereignisse beziehen, oder nur dünne Tünche über eine spärlich gedeckten Leinwand sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Personen bin ich eine Fremde und ein Tag ist nicht genug um daran etwas zu ändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Frage ist, ob ich meinen Erinnerungen tatsächlich trauen kann. Die reine Existenz beweist noch gar nichts - genau wie die Händler sich an ein &amp;quot;gestern&amp;quot; erinnern, tue ich das eben auch. Niemand garantiert, dass nicht 1 Tag dazwischenlag, der ohne Spuren wieder verschwunden ist. Ein Tag, oder deren Einhundert. Ein Jahr. Würde ich den Unterschied bemerken?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für meinen Seelenfrieden bilde ich mir ein, dass ich einen kontinuierlichen Verlauf an meinen persönlichen Gegenständen ablesen kann, die - wie ich auch - vermutlich einem anderen Gesetz unterworfen sind: Meine Aufzeichnungen bleiben, die erhandelte Kleidung bleibt ebenso. Sofern das System nicht in einer Art und Weise gebaut ist, um auch solche Details zufriedenstellend fälschen zu können, kann ich mich weitgehend sicher fühlen: Das was ich als Tage empfinde, sind tatsächlich auch Tage. &lt;br /&gt;
Weitgehend. Nicht vollkommen, natürlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein System kann unmöglich vollständig verstanden werden, solange man selbst ein Teil des Systems und auf dessen Werkzeuge angewiesen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ironischerweise erinnere ich mich an diese Lektion noch gut, daran wie Jerwalson dieses Zitat nach einer Expedition benutzte, die als einfache Übung für die Rekruten gedacht war und darin endete, dass sich zwei eigentlich freundliche Kompanien gegenseitig beschlichen. Damals war der Anlass - natürlich - die vollkommene Verwirrtheit der führenden Offiziere. Aber es passt auch sehr gut auf diese meine aktuelle Situation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun: Genug geträumt. Es gibts nichts zu tun, aber das will erledigt werden. Ich habe Sorge ich könnte mich sonst in der Zwischenheit doch noch in einen der Anwohner hier verwandeln.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 35|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein weiterer Morgen folgt einem Abend ohne andere Reisende. Es ist nun Tage her, dass ich ein anderes menschliches Gesicht als die Händler zu sehen bekommen habe und ich kann spüren, wie das an mir nagt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist aus sich heraus bereits eine interessante Beobachtung: Während meiner Zeit auf den Strassen Grauhafens war ich die allermeiste Zeit mir selbst überlassen, scheute auch vor den Banden von Dieben und Trickbetrügern zurück, unter denen ich mich in Breitenbach noch so selbstverständlich bewegt hatte. Aber damals war die Einsamkeit selbst gewählt, kein Fakt der mir von aussen aufgedrückt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier, auf der Insel der Nebel, ist sie unvermeidlich und ich spüre jeden Tag ein mehr wenig Widerwillen die immer gleichen Gespräche zu führen. Nach den ersten Tagen peinlicher Berührtheit, spüre ich ein eigenartiges Ressentiment, eine frustrierte Verachtung für diese Menschen. Es wäre zu einfach nun kleinen Grausamkeiten Raum zu gewähren, Grobheiten aus Langeweile oder Ärger zu führen, immer in der Gewissheit, dass alles was man tut am nächsten Morgen ausgelöscht sein wird. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Teil von mir _ist_ neugierig: Würde ein neuer Tag noch immer so unverändert beginnen nachdem ein Feuer die Häuser hier verschlungen hat? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind beunruhigende Gedanken und ich konzentriere mich lieber auf die Arbeiten: Nach meinem Scheitern den Enigmatischen Dualismus Jerwalsons präzise zu beschreiben, habe ich mit etwas Einfacherem begonnen: Eine Auflistung der Worte der Macht, jeweils mit Erläuterungen und Kommentaren. Die Form ist armselig: Das Papier ist minderwertig und teilweise muss ich auf Ränder schreiben, aber .. es ist besser als nichts. Es ist ein Fortschritt und damit wertvoll und lieb auf einer Insel auf der die Zeit sonst stillzustehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sollte ich ja beten. Wer weiss.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 38|CONTENT=&lt;br /&gt;
Breitenbach, die Stadt in der ich die ersten Jahre meines Lebens verbrachte, war mit den Tugenden im Kopf gegründet worden. Die innere Mauer, auch dieser Tage noch weitgehend unbeschädigt erhalten wenngleich die Stadt sich längst über ihre Begrenzung hinaus ausgedehnt hat, besitzt insgesamt acht Türme. Jeder dieser Türme trägt den Namen eines der Erzengel und ist entsprechend auch einer der acht Tugenden gewidmet. Es ist nun siebzehn Jahre her, aber ich erinnere mich noch immer lebhaft an die bemalten, mit Ornamenten, Plastiken und Sinnsprüchen verzierten Fassaden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich hatte im Zuge meiner erzwungenen Dienstpflicht einige Gelegenheit mehr über die inneren Strukturen Breitenbachs zu erfahren: Zumindest nominell sind die Türme der Erzengel auch der Sitz von je einem &amp;quot;Wahrer der Ordnung&amp;quot; einer Tugend, jeweils gewählt aus den Reihen ihrer Gefolgschaft. Das alles hat mit dem Glauben an den Herren sehr wenig zu tun, die Verbindung ist bestenfalls lose und im Laufe der Jahrzehnte scheint mir der ursprüngliche Gedanke sehr in Richtung reiner politischer Masche verwandelt worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie dem auch sei: Die allermeisten Bewohner Breitenbachs ordnen sich zumindest formell einer Tugend zu und sind dann eben auch dafür verantwortlich den Wahrer zu wählen. Ich erinnere mich nicht welcher Tugend meiner Mutter folgte und ich hatte sehr wenig Kontakt mit dem Glauben über die oberflächlichen Symbole des Alltags hinaus. Nachdem sie sich auf die Suche nach ihrem verlorenen Geliebten gemacht hatte, waren alle zarten Ansätze von Religiosität ohenhin zum Verkümmern verdammt: Auf der Straße wurden die Tugenden bestenfalls benutzt, um ein paar Münzen von den Devoten zu erbetteln, der einzige echte Glaube war der an einen gefüllten Magen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lernte wenig über die richtigen Gebete, dafür viel darüber den Kopf unten zu halten, sich vor Autoritäten zu beugen, wann immer es notwendig war und schamlos zuzugreifen, wann immer möglich. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als ich Breitenbach schliesslich verließ: Verbannt, meine zerschmetterte linke Hand eine Strafe für mich und eine Warnung für alle, die meiner ansichtig wurden, fluchte ich ausgiebig im Namen der Erzengel. Das, denke ich heute, ist das Gleichgewicht aller Dinge: Aktion und Reaktion, Bewegung und Gegenbewegung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es liegt eine furchtbare Kraft in der Entschlossenheit eines Mannes, der sein Tun als gerechtfertig ansieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Grauhafen hätte ich, dieser Dynamik folgend, irgendwann ein trauriges Ende nehmen können, aber ich hatte Glück und fand den Weg zum Handelshaus Telketh. Das hatte seinen ganz eigenen Preis, aber es brachte mich auch zum ersten Mal seit den frühen Jahren meiner Kindheit wieder in Kontakt mit dem Glauben an den Herren.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich saugte die Gebete und Rituale auf, die Lebensweise, die sich auf ganz andere Art und Weise an den Tugenden (und den Sünden) orientierte, als ich es noch vage von früher in Erinnerung hatte. Aber ich blieb opportunistisch distanziert: Das hier war was man von mir erwartete, insbesondere nachdem man mir eine so außergewöhnliche Chance gegeben hatte und ich war absolut bereit das Notwendige zu tun für einen gefüllten Magen, ein echtes Bett und ein kleines Zimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch: Mit der Zeit wurden die kleinen Rituale zur Gewohnheit, prägten sich in den Alltag ein mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie sie auch für Essen und Trinken aufgebracht wurde. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin bis heute unsicher, ob das tatsächlich als &amp;quot;Glaube&amp;quot; gilt. Mein einziger Versuch diese Thematik mit Jerwalson zu besprechen, endete in einer nahezu endlosen Tirade an deren Ende er schliesslich das bekannte System von Worten der Macht und Reagenzien mit den Handlungen von betenden Priestern verglich: Beide auf ihre Weise vollkommen ahnungslos, abhängig von einer höheren Autorität, die das eigentliche &amp;quot;Tun&amp;quot; nach der Opfergabe dann in Angriff nimmt. Das erstickte all meine Ambition Glaube mit ihm zu besprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber letztlich denke ich, dass Religion für die allermeisten Menschen außer einem kleinen Zirkel von tatsächlich Erwählten, sehr abstrakt und entfernt ist: Rituale und Vorgaben, die von einer höheren Stelle angewiesen werden und denen man dann eben folgt. Ja, man bittet den Herren um Beistand, um Einsicht, um günstige Winde oder dumme Kunden, die man über das Ohr hauen kann, aber nach meiner Erfahrung erwartet niemand tatsächlich, dass der Herr tätig wird und etwas tut. Aber: Es ist besser den kleinen, allgemein akzeptierten Aufwand zu betreiben und sei es allein aus abergläubischer Versicherung, dass man nicht versehentlich den Zorn durch Unterlassung erweckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat das alles mit dem Hier und Heute zu tun?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand hat diese Insel in den Nebeln geschaffen, hat die Regeln definiert und dafür Sorge getragen, dass jeder Tag unverändert neu beginnt. Aber wer? Und wozu? Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ein solcher Ort nicht einfach als grausame Spielerei existiert, sondern zu einem ganz bestimmten Zweck, eine Funktion innehat. Vielleicht ist es genau das, was ich zuerst vermutete: Der Übergang zum Nachleben, eine kurze Pause für die erschöpfte Seele um sich zu sammeln, um Kraft zu schöpfen, bevor die Reise hinter die Schleier ansteht. Um zu akzeptieren und das Angebot des Fährmanns schliesslich anzunehmen, der nichts über das Ziel verraten möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeden Tag schrecke ich davor aufs Neue zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht wäre es einfacher, wenn ich den Glauben in meinem Herzen tragen würde, statt nur wie ein Gewand, das man eben überstreift, wo es bequem und passend ist. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber das ist nicht, wie ich aufwuchs.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist nicht, was ich lernte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist nicht, wer ich bin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht bedeutet das aber auch, dass ich hier auf ewig gestrandet bin.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 39|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein weiterer Tag eintönige Gleichförmigkeit auf der Insel. Auch heute, so scheint es, wird es keine Reisende an diese Gestade spülen, aber ich denke ich habe mich - zumindest für den Moment - damit arrangiert. Ich muss mir einfach meine eigene Abwechslung schaffen und die kann nicht ausschliesslich aus Arbeit bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Insel ist, wenngleich zu Fuß binnen weniger Minuten umrundet, ein ganz hübsches Fleckchen, eine interessante Mischung von Eindrücken, die sich auf engem Raum zusammendrängen. Das Wetter ist, vom morgendlichen Regen einmal abgesehen, auch durchaus angenehm, sobald die aufsteigende Sonne die Feuchtigkeit vom Sand geleckt hat, lädt der Strand regelrecht zum Verweilen ein und erlaubt einen Blick über die offene Wasserfläche überall umher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Breitenbach, Grauhafen und Rossensprung liegen allesamt am Lauf der Usser, ein schiffbarer Fluss, der jeden Frühling noch ein Stück weit anschwillt und bisweilen sogar die Auen großflächig überschwemmt. Rossensprung liegt direkt an der Mündung der Usser zum Meer hin, oder besser: Die Stadt wuchert im sumpfigen Delta.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin also durchaus mit dem Anblick eines großen Wassers vertraut - aber dieser Anblick ist einfach etwas anderes, als ich von der müßigen Betrachtung des Horizonts gewohnt sind: Hier gibt es keinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Himmel, der hier jeden Tag die gleichen Wolkenmuster trägt, geht mit der Entfernung von der Insel ohne scharfen Übergang in dichte, träge driftende Nebel über. Dieser Nebel ist genauso statisch in seiner Natur wie die gesamte Insel und damit vermutlich das gesamte Areal: Nichts verändert sich. Nach einem Tag beginnen alle Abläufe wieder von vorn.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unabhängig von Wetter und Uhrzeit bleibt der Nebel bestehen, beschreibt eine Grenze ausserhalb meiner Reichweite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht so als würde ich keine Neugierde verspüren, aber mich schaudert weiterhin beim Gedanken mich hölzernen Planken für eine Reise ins Ungewisse anzuvertrauen. Und ich habe niemals gelernt zu schwimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemals gelernt zu schwimmen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und doch bin ich hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Erinnerung, der ich mich nicht stellen möchte, aber sie hängt über mir, wie meine eigene schwere Gewitterwolke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die “Siebentrutz” hatte ihre Reise von Rossensprung aus angetreten, Teil jüngerer Bemühungen der Grafschaft diplomatische Kontakte jenseits des eigenen Terrains zu erschließen - immer mit dem Gedanken den langjährigen Konkurrenten Siebensteig damit endlich ausstechen und die geforderte Einheit wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Armee war neben dem Schutz des Botschafters auch die allgemeine Präsentation und aus irgendeiner Laune des Schicksals war meine Kompanie für diese Aufgabe ausgewählt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und abgesehen vom abergläubischen Gemurmel der Matrosen, die mir stets schele Blicke zuwerfen, war die Reise auch ereignislos verlaufen - bis zu jenem Abend.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während der Rest meiner Kameraden sich mit Kartenspielen die Zeit vertrieb, hatte ich das Glück, die eingeschränkte Laune Jerwalsons ertragen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zu jenem Abend, als die Regeln sich änderten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Mal demonstrierte er mir Sammlung, Verdichtung und Konzentration von Mana, die Bindung in Objekte hinein - etwas, was sich bis dahin vollkommen meinem Verständnis entzog (und es noch heute tut). Und dann .. geschah etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann es kaum in konkrete Eindrücke fassen, aber ich erinnere mich an das ungläubige Entsetzen in den Augen meines Lehrmeisters, die vollkommen konfuse Verwirrung, ein Ausdruck der endlich einmal das selbstzufriedene zynische Lächeln von seinem Antlitz wischte. Ich hätte Genugtuung in diesem Augenblick finden können, aber ich war selbst dabei um Atem zu ringen, gebeutelt von unsichtbar bleibenden Mächten, deren Vorbeiziehen meinen Geist wirbeln ließ. Für einen Moment, ich bin bereit darauf zu schwören, konnte ich die Magie sehen und die absurde Art und Weise, wie sie sich in eine unmögliche Richtung verbog. Das, wurde mir bewusst, musste die transitive Eigenschaft der astralen Ebene sein. Oder auch nur eine aus Panik geborene Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles .. bewegte sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe keine bessere Erklärung dafür, keine passenden Worte für die Transformation, die ihre Kraft aus der ungebundenen Kraft meines Lehrmeisters zog. Holz wurde zu Wasser, Metall wandelte sich in Luft, eine Kerzenflamme transformierte vor meinen ungläubigen Augen in eine sich windende Ranke.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Fassungslosigkeit ist das Letzte, an das ich mich erinnere, während die “Siebentrutz” um mich herum auseinanderbrach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach gab es nichts, bis ich die Augen am Strand dieser Insel wieder öffnete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 41|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Geschichte Ussarias - des Landes das zwischen zwei Gebirgszüge im Norden und Süden eingeklemmt liegt und dem Lauf der Usser bis zur Mündung folgt - erstreckt sich über einen Zeitpunkt von mittlerweile 450 Jahren. Will man der offiziellen Geschichtsschreibung glauben, dann wurde das Land damals von unerschrockenen Siedlern erobert, die vom Meer kommend, das lange Tal in Besitz nahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleiben ein paar Fragen offen, vor allem über die Dinge, die nicht erwähnt werden: Woher kamen diese Siedler? Es gibt keinerlei Erwähnung ihrer ursprünglichen Herkunft, dann und wann zu findende Details machen eher den Eindruck nachdrücklich erdachter Rechtfertigung als fundierter Forschung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Außer Frage steht, dass die Siedler hier recht bald auf ein paar Stämme von kleinwüchsigen und schwächlichen Orks stießen - zumindest wird der Name gebraucht, auch wenn die Beschreibung des Massakers an dem primitiven Volk mich zweifeln lässt: Das kann kaum mit dem modernen Bild eines Orks, wie es mir während meiner Ausbildung vermittelt wurde, in Verbindung gebracht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie dem auch sei, das ganze langgestreckte Tal wurde schließlich erobert und besiedelt, Siedlungen wie Breitenbach, Beiring, Grauhafen und Rossensprung begründet, um letztlich zu unterschiedlich beeindruckenden Städten zu wachsen. Die offizielle Geschichtsschreibung Ussarias beginnt mit der Anlandung der Siedler, im Jahr 73 kam es dann zu der großen Spaltung, ein Ereignis, das auch heute noch bestimmenden Einfluss über die ganze Region hat: Der Erbfolgestreit zwischen zwei Brüdern über die Grafenkrone Ussarias eskalierte und mündete in einem Bürgerkrieg. An dessen Ende stand die Aufspaltung Ussarias in zwei sich gegenseitig nicht anerkennende neue Grafschaft, die offiziell beide noch immer den Namen “Ussaria” führen, heute aber viel mehr als “Siebensteig” und “Auenstein” bekannt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die isolierte Lage des Tals, begrenzt durch Gebirge auf 3 Seiten und durch das Meer auf der vierten, erlaubte es nun über die kommenden Jahrhunderte hinweg dieser Fehde ungestört zu frönen - die politische Situation ist auch heute noch weitgehend unverändert. Die zahlreichen Kleinkriege haben die Grenze oft ein Stück in diese oder jene Richtung verschoben, aber letztlich vermochte es keine Seite die Oberhand zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rossensprung ist der einzige nennenswerte Hafen in Richtung des Meeres, konkurrenzlos trotz der Nachteile die sich durch die Lage im Sumpfdelta der Usser ergeben: Feuchtigkeit ist allgegenwärtig, liegt so dick in der Luft, dass beständig Wasser an den Wänden kondensiert oder von den Fenstern perlt. Nicht zu vergessen, dass die Stadt immer dabei ist im Boden zu versinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das ist gar nicht worauf ich hinaus möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ganze Landstrich brät seit Jahrhunderten im eigenen Saft mit nur geringem Austausch mit anderen Ländern. Kultureller Austausch findet nach meiner Einschätzung nahezu ausschließlich in Rossensprung selbst statt, einfach über hier anlegende Schiffe. Es darf also nicht verwundern, dass ich während meiner Zeit in Breitenbach oder Grauhafen keinen einzigen Nichtmenschen zu Gesicht bekam, erst in Rossensprung kam es zu einigen wenigen Begegnungen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich scheue mich fast, es überhaupt so zu nennen: “Sichtungen” ist ein vermutlich passenderes Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen fremden Völkern ist das der Elfen eindeutig am häufigsten anzutreffen: Es gibt eine kleine Gemeinschaft von Zwergen in Beiring - aber ich habe die Hauptstadt Siebensteigs nie mit eigenen Augen gesehen. Einem Schiff scheint dieses Volk sich aber nur sehr selten anvertrauen zu wollen. Orks kann man bestenfalls in Käfigen bewundern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elfen besuchen die Region häufig genug, dass es zwar so gut wie keine mir bekannten festen Einwohner dieses Volkes gibt, aber dafür einiges an Aberglauben - einiger lächerlich ehrfürchtig, anderer offen feindselig oder herabwertend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein eigenes Erbe war für lange Jahre etwas abstraktes, bedeutungsloses im Hintergrund: Natürlich wusste ich durch die schwärmerischen Erzählungen meiner Mutter von diesem Elfen, der - vermutlich - mein Vater sein musste. Aber ich besaß keine magischen Augen, keine spitzen Ohren, keine angeborene, majestätische Eleganz. Ganz im Gegenteil: Ich war ein Kind, das rasch hinter anderen Kindern meines Alters zurückfiel. Meine Erinnerungen an diese Zeit sind so gut wie nicht vorhanden, einiges existiert nur durch Erzählungen meiner älteren Halbbrüder (die nun selbst schon nahezu vergessen sind), aber das scheint ein durchgehendes Thema gewesen zu sein: Ich lernte später laufen und sprechen, ich war länger eine hilflose Bürde als meine Geschwister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während meine Gefährten der späteren Jahre allmählich zu Erwachsenen heranwuchsen, blieb ich noch ein Kind.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zurückblickend lässt sich das leichter einschätzen, zumindest was die ersten Jahre in Grauhafen angeht: Das war 433, ich war bereits sechzehn Jahre alt, passte aber körperlich und auch geistig viel eher in ein Rudel von Zwölfjährigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnerte mich erst wieder bewusst an meine Herkunft, als ich tatsächlich aufhörte ein Kind zu sein: Zu den sichtbaren Veränderungen gehörten auch die dezenten Ohrspitzen, Aspekte in meinem Antlitz die schon immer dagewesen waren, prägten sich deutlicher hinaus.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich stelle mir vor, dass das in einer anderen, mehr offenen Gesellschaft nahezu unbeachtet geblieben wäre, aber die allermeisten Menschen in Auenstein hatten Elfen so selten einmal gesehen, dass mein Anblick trotz der eher subtilen Anzeichen fälschlich als vollständiges Elfenblut verstanden wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In gewisser Weise amüsant: Mein einziges Zusammentreffen mit einem echten Elfen schlug mir die Unterschiede regelrecht ins Gesicht: Die beeindruckende Größe im Vergleich zu mir, die ungewöhnliche Hautfarbe, die fremdartigen Züge und die Sprache. Nie in meinem Leben war ich mir selbst meiner Unzulänglichkeiten und Makel so bewusst, wie vor dem scharfen Auge des elfischen Händlers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war nicht einmal unfreundlich. Aber die Mischung aus Mitleid und offener Verachtung stach.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 43|CONTENT=&lt;br /&gt;
Vor Jahren fragte Ludwig mich einmal, was ich mit meinem Leben vorhätte. Was die Pläne und Ziele wären, die sich darin finden, die mich beflügeln und motivieren würden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich gut an den Abend: Wir hatten unsere heimlichen Unterweisungen bei der blinden Seherin gerade hinter uns gelassen und waren auf ein paar zusammengenagelten Planken mit einer Laterne in der Hand in die westlichen Sumpfwiesen hinausgestakt. Die meiste Zeit des Jahres stand das Wasser hier eine gute Hand über dem Boden, aber &amp;quot;Boden&amp;quot; war eine irreführende Bezeichnung für eine Sammlung von Schlick, toten Ästen, Blättern und ähnlichem. Er erweckte den Eindruck von Solidität, solange man nicht dumm genug war seinen Fuß darauf zu setzen um diesen Eindruck zu prüfen. Wer dieses Wagnis doch einging, der versank sogleich bis zum Hals ohne je tatsächlich festen Grund unter die Schuhe zu bekommen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Masse zu schwimmen war faktisch unmöglich, selbst für jene, die diese Fertigkeit erlernt hatten - aber solange man nicht zappelte, würde man auch nicht weiter untergehen, sondern im Gleichgewicht treiben. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Entwürdigend, aber nicht sonderlich gefährlich, solange es noch einen Begleiter gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne einen Begleiter sah es anders aus: Dieses Areal hier war die Brutstätte von Brackwasserkrebsen und diese betrachteten alles als Beute, was sich in ihre Reichweite begab. Eben diese Krebse waren aber auch ihrerseits begehrtes Gut: sie wuchsen bis zu doppelter Fingerlänge heran und waren zwar nicht gerade als Delikatesse bekannt, aber dafür in scheinbar unerschöpflicher Menge vorhanden: Wer hier zur Abendstunde hinausfuhr, der konnte immer irgendwo die Lichter anderer Krebssammler sehen. Insbesondere wenn dann Nebel aufzog, streute das Licht der Laternen weit, zeichnete weiche Aureolen, die den halben Sumpf zum glühen brachten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals dachte ich mir nicht viel bei der Frage, aber das Gefühl von Befremdung ist noch immer deutlich im Blick zurück. Was bedeutete diese Frage? Für mich war der Blick nach vorn immer ein sehr kurzer gewesen. Zunächst konzentriert darauf etwas im Magen zu haben oder einen trockenen Platz zum schlafen. Später dann darauf meinen Status zu halten, sich abzeichnenden Gefahren auszuweichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es gab keinen Plan dahinter, keinen Antrieb. Ich ließ mich einfach tragen wie ein Blatt, das der Herbstwind auf eine Reise entführte. Wie farblos war das neben der sprudelnden Vorstellungskraft Ludwigs, der mir bereits im Detail beschreiben konnte, welche Schritte in den kommenden Jahren auf ihn warteten, der voller Zuversicht bereit war sich diese noch ungeformte Zukunft Untertan zu machen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sein Weg schien bereits vorgezeichnet: Abschluss der Schusterlehre, dann Auszug als Geselle aus Rossensprung, danach andernorts formelle Ausbildung zum Jungmagier. Während er mir all das in glühenden Farben beschrieb, hegte ich keinen Zweifel daran, dass es genau so kommen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konnte ich neben dieser überströmenden, schöpferischen Kraft nun einfach die Schultern zucken und zugeben, dass ich ganz zufrieden mit meiner Stelle als Schreiber für Haus Telketh war, dass mich der Sumpf gar nicht so sehr störte, wie die Klagen es manchmal erscheinen ließen, dass selbst die Magie zu mir gekommen war, wie eine unerwartete zusätzliche Hausarbeit auf einer bereits ausführlichen Liste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Sobald ich hier herauskomme, werde ich das Elfenvolk suchen. Nicht einmal um meinen Vater zu finden, sondern einfach um mehr über mein Erbe zu lernen, darüber, wer ich bin und wer ich sein kann.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er strahlte. Und ich fühlte mich .. interessant. Ich lauschte seinen Plänen, fasziniert und erstaunt zu gleichen Teilen über seine Fähigkeit die noch ferne Zukunft mit kraftvollen Worten zu fassen, wie ein Schreiber, der zum ersten Mal Tinte auf noch jungfräuliches Pergament ausbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühlte kein schlechtes Gewissen wegen der rasch gesponnenen Lüge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Jahre später, verstehe ich die Vergeblichkeit dieser frohen Pläne. Ich habe gesehen, wie die Karten sich ausspielten. Das ist es, denke ich, was es bedeutet aufzuwachsen: Zu erkennen, dass man am Ende doch nur ein Blatt ist, das stärkere Winde herumwirbeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt haben sich mich auf diese Insel hier getragen, an einen Platz dessen Eintönigkeit wie ein Spiegel für mich selbst ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht wird es Zeit, dass ich aus einer alten Lüge endlich eine Wahrheit mache, auch wenn Ludwigs eigene Pläne schon lange nicht mehr das sind, was sie damals waren. Wenigstens einer von uns kann sein Wort halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 49|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein neuer Tag. Ein alter Tag. Der Regen fällt und die Gespräche laufen, festgefahren in ihren Bahnen wie ein Bach, der sich mit den Jahrhunderten ein Bett in den Fels grub. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum bin ich hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum bin ich noch immer hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wanderung über die ruhig liegende Insel offenbart nichts Neues, selbst im Muster der gegen den Strand laufenden Wellen glaube ich mittlerweile ein Muster zu finden. Das ist irrational, aber allein der Gedanke zerrt bereits an meinen Nerven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin dieses Ortes müde. Wieviele Tage?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich habe aufgehört zu zählen, aber aus den einzelnen Blättern ist ein ganzer Stapel geworden, hastig hingeworfene Erinnerungen an die Lektionen aus dem Mund einer Blinden und eines zynischen Säufers. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenartig, wieviel Trost darin liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde ich dahin zurückkehren, wenn ich könnte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage begleitet mich durch den Tag, bleibt ein treuer Gefährte, während ich auch heute ein neues Blatt Papier eintausche und dem Schneider einmal mehr dabei helfe seine Schere zu schleifen. Die Frage ist an meiner Seite als die Sonne am Nachmittag ihr Gesicht hinter grauen Wolken verbirgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann - unversehens, ungeplant - finde ich mich vor dem scharfen Blick des Fährmanns, der mich fixiert und .. misst. Als wäre er hier nicht Dienstbote, sondern König. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum ersten Mal spüre ich wie die klamme Furcht von mir fällt als er spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;b&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du hast dir viel Zeit gelassen, Fel.&amp;quot;&amp;lt;/b&amp;gt;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich an diese Stimme. Sie ist ..&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gegenwart: Die Neue Welt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gedanken und Meinungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Ba&#039;thal|CONTENT=&lt;br /&gt;
Er hat keine Gelegenheit ausgelassen um mich daran zu erinnern, was ich bin.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich kann ihm sein Sentiment nicht verübeln: Seine Perspektive ist eine, die sich über mehr Zeit erstreckt als ich mir vorstellen kann. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun macht er gute (oder zumindest neutrale) Miene zum bösen Spiel, aber ich denke er wartet nur darauf die kleinste Verfehlung anklagend gegen mich zu wenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist, das versprechen mir seine Augen, ein Geschöpf dessen Gnade von den Gestaden der Zeit fortgewaschen wurde. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Cillian Lindhain|CONTENT=&lt;br /&gt;
Hinter der lächelnden Fassade versteckt sich ein Mann, der alles daran setzt sich selbst davon zu überzeugen, dass er nichts Ernst nimmt. Ich glaube, er wäre gern ein Zyniker, der für die Welt und ihre Anwohner nurmehr Spott und Verachtung übrig hat. Aber das ist er nicht und ich denke, dass er sich trotz allem jeden Tag ein wenig mehr davon entfernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenartigerweise, trotz profunder Unterschiede, fühle ich mich ihm mehr verbunden als allen anderen Mitgliedern der Hafengruppe. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin nicht ganz sicher warum: Erinnert er mich an das, was Jerwalson in seiner Jugend hätte sein können?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Elira Raureif|CONTENT=&lt;br /&gt;
Sie ist .. befremdlich. In ihrer Weltsicht, die so tut als gäbe es kein Grau zwischen Schwarz und Weiss. In der Art und Weise, wie sie Entscheidungen trifft und zwar sehr viel robuster, als man meinen sollte, mit einer Unverblümtheit, die keinen Raum für Zweifel lässt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
An manchen Tagen denke ich, sie hätte unter anderen Umständen einen formidablen Paladin abgeben können und dann sind da die Momente, in denen meine Paranoia mir zuflüstert, dass sie uns alle - und mich im Besonderen - an der Nase herumführt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal frage ich mich, was Fenrik und sie aneinander finden. Und dann ist es wieder so offensichtlich wie ein Faustschlag ins Gesicht und ebenso schmerzhaft.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Fenrik Wintal|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Mann ist mir ein Rätsel. An der Oberfläche ist alles klar: Ein robuster Raufbold und Tunichtgut, unbekümmert und rasch entschlossen. Unhöflich, handgreiflich, gierig. Ohne Elira als ständiger Quell bedingungsloser Bewunderung und Bestätigung wäre er gewiss eine Gefahr für jede atmende Kreatur in seinem Weg.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Warum ist er hier? Ich nehme ihm seine Liebe nicht für einen halben Herzschlag ab. Aber was plant er? Und wer bezahlt ihn? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie lange wird das noch gutgehen?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Lin Schlehendorn|CONTENT=&lt;br /&gt;
An den meisten Tagen denke ich, dass Lin das einzige wirklich aufrichtige Mitglied der kleinen Hafengruppe ist. Auch wenn ich relativ sicher bin, dass ihr schon diese Einordnung nicht gefallen würde. Sie hat Ambitionen, daraus macht sie keinen Hehl und alles was sie tut ist in irgendeiner Art und Weise diesen fernen Zielen untergeordnet. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist etwas, was ich nur bewundern kann: Sie lässt sich nicht einschüchtern, ganz gleich wie weit entfernt ein Palast und das tägliche Bad in frischer Stutenmilch aus sein mögen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Vermutung ist daher auch, dass sie an Cillian aus aktueller Bequemlichkeit festhält und nur genau so lange, wie seine Kurzweiligkeit und Nützlichkeit den Aufwand wert sind. Sobald sich am Horizont der Anschein etwas Besseren ergibt, wird sie ihn fallen lassen, wie eine heisse Kartoffel. Ich vermute, das ist ihnen Beiden auch durchaus bewusst.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Livius Quintus|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich dachte ich würde ihn verstehen: Ein Mann der seine besten Jahre bereits hinter sich hat, noch immer hadernd mit dem unvermeidlichen Niedergang. Das ist nichts, was ich nicht zuvor schon andernorts gesehen hätte: Ein Mann gerade balancierend zwischen Selbstverleugnung und Akzeptanz, jemand, der das Versprechen des drohenden Endes bereits am Horizont erahnt und weiss: Es bleibt nicht mehr soviel Zeit, wie man einst dachte. Es wird Zeit die Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Das Haus zu richten. Erben zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nichts davon geschieht. Was bedeutet das? Und welche Rolle spielt Shira dabei?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Shira|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich weiss nicht, was sie ist. Ich verstehe nicht, was sie motiviert. Ich habe nicht einmal einen Maßstab, um ihre Existenz einzuordnen. Bis vor wenigen Tagen glaubte ich diese Beziehung zu Livius wäre eine von einseitiger Abhängigkeit: Eine mit einem Lächeln angezogene Kette um den Hals des Magiers. Aber nun habe ich meine Zweifel. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschichte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ankunft in Nebelhafen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Morgen war kühl genug, dass Fel unter der dünnen Decke fröstelte, die sie am gestrigen Abend an den Docks Nebelhafens halb erkauft, halb erbettelt hatte. Eine Schiffsbrüchige konnte nicht wählerisch sein, daran erinnerte sie genauso auch das Knurren des Magens - die eigenartige Frucht, die sie am Feuer unter der Anleitung Noa Feldspans verspeist hatte, war schon lange verdaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hunger war gut. Hunger bedeutete Antrieb und Motivation, solange man ihn nicht soweit wachsen ließ, dass er schließlich am Bewusstein selbst zehrte. In gewisser Weise war all das vertraut: Das Nächtigen an zufällig ausgewählten Plätzen in notdürftig zurechtgemachten Lagern, das Grummeln im Magen zu Beginn jedes Morgen, verlässlicher als selbst das Aufgehen der Sonne, die sich gerade heute hinter einer dichten Wolkendecke verbarg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiss: Die letzten Jahre hatten wenig davon gesehen, aber die Erinnerungen an damals waren präsent, wie tiefe Kerben in Holz, die wieder sichtbar wurden, wenn man die dünne Schicht an Farbe darüber abscheuerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Aber ich bin nicht mehr, wer ich damals war.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam mit einem Fetzen von Reue: Die Ankunft hier in Nebelhafen nach dem Ende der &amp;quot;Siebentrutz&amp;quot; hatte die Möglichkeit eines vollkommenen Neuanfangs geboten, aber ohne den rechten Kopf um damit zu planen, war ihr die Möglichkeit eines falschen, eines neuen Namens nicht in den Sinn gekommen. Nun war es bereits zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wenn Namen Identität sind, dann bin ich allein dadurch an meine Vergangenheit gebunden, wie eine Marionette an ihre Fäden.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Spaziergangs an den Docks entlang, spielte Fel mit dem Gedanken, was ein passender Name gewesen wäre, steigerte sich schließlich in mehr und mehr lächerliche Konstrukte, die sich durch eine Vielzahl von Apostrophen und Zwischensilben auszeichneten, bis der knurrende Magen beinahe vergessen war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese neue Welt .. das war Potenzial. Ein einziger Abend hatte bereits ausgereicht um das zu verdeutlichen: Nicht einmal war sie auf Anhieb auf eine Elfe gestoßen - und eine andere Gestalt, bei der es sich möglicherweise ebenfalls um eine Elfe handelte - noch dazu hatte sich gezeigt, dass es eine Varianz in den Worten der Macht gab: Das stabile Fundament auf dem Fel ihre Ausbildung bis dahin erbaut sah, begann bereits zu bröckeln in Anbetracht dieser neuen Informationen. In Ussaria gab es nur einen einzigen Pfad der Magier - hier gleich deren vier. Was hatte das zu bedeuten? Welche Ordnung ließ sich dahinter ausmachen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Sonne sich endlich aus der Umklammerung der Wolken befreite, erkundete Fel weiter Nebelhafen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Aller Anfang ist schwer|CONTENT=&lt;br /&gt;
Letztlich war Fel nicht vollkommen sicher, wie weit es mit der Gastfreundschaft der Schneiderin tatsächlich her war, aber für den Moment war es ausreichend ein richtiges, wenn auch einfaches Bett zu fühlen, die Möglichkeit zu haben die Türe hinter sich zu schliessen. Die &amp;quot;Siebentrutz&amp;quot; hatte solchen Luxus nicht einmal für ihren Kapitän geboten, umso weniger für mitreisende Gäste, die sich die knappen Schlagplätze in Schichten teilten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Warnung war unverzüglich erfolgt: Nur für zwei Nächte. Aber das waren Sorgen für morgen oder übermorgen. Bis dahin konnte sich bereits alles geändert haben. Schon ein einziger Tag hatte gewaltige Unterschiede gemacht, hatte Fel erlaubt Bekanntschaften zu knüpfen, erste vorsichtige Bande zu flechten - speziell zu dem argwöhnischen Lama, das nun irgendwie zu ihrem Haustier geworden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gleichen Maße hatte Fel aber auch erkannt, wie abgeschieden vom Fortschritt Ussaria mit seinen Jahrhunderten von Eigenbrödelei und Bürgerkrieg war, wie viele Einsichten und Wunder die Welt drumherum kannte. Tränke, mit denen sich Lebewesen zusammenschrumpfen ließen? Sie konnte auf Anhieb nicht einmal ein Prinzip formulieren, um diese erstaunliche Wirkung in Spruchzauberei zu übersetzen.&lt;br /&gt;
Gleich fünf Pfade der Magie warteten hier, erlaubten eine bislang unbekannte Spezialisierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Eindrücke mussten niedergeschrieben, fixiert werden, solange sie noch frisch waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Rückseite eines abgerissenen Aushangs formulierte Fel schliesslich im kargen Licht der einzelnen Talgkerze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;Bislang war für mich die Wirkung und Funktionsweise von Reagenzien simpel: Sie liefern eine spezifische Form von Energie, die bei ausreichender Kompatibilität genutzt werden kann, um einen Zauber zu wirken. Sie sind damit eine der absolut unerlässlichen Grundbedingungen neben den Worten der Macht, Mana und dem Intent. Wenngleich die Wirkungsweise der Reagenzien bisweilen Raum zur Diskussion lässt, war bislang eines zumindest für mich vollkommen klar: Sie liefern eine objektive, theoretisch sogar meßbare Menge an Energie, verlässlich, weitgehend reproduzierbar und gänzlich unabhängig von den Eigenheiten des Zauberwirkers.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Ausführungen von Soryia Schwarz haben mich nun auf die Spur von vier, mir bislang unbekannten Reagenzien gesetzt: Obsidian, Molchaugen, Knochen und Fruchtbare Erde. Diese vier Reagenzien stehen in engem Zusammenhang zu den mir bislang ebenfalls unbekannt gewesenen fünf Pfaden - vieren eben dieser Pfade wird genau eine dieser neuen Reagenzien zugeordnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war noch nicht genau in der Lage zu evaluieren, ob die reine Möglichkeit Energie aus den Rwagenzien zu ziehen, bereits pfadgebunden ist. Falls ja ermöglicht das einige weitere Spekulationen über die dahinterstehenden Prinzipien und damit vielleicht auch eine Erklärung, warum die bekannten acht Reagenzien überhaupt funktionieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seien wir ehrlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir unter den Tausenden und Abertausenden an Stoffen und Teilen dieser Welt ausgerechnet die einzigen acht gefunden hätten, die für Magie geeignet sind, ist so gering, dass es keiner Diskussion wert ist. Ich habe mich daher stets gefragt, ob es nicht noch Unmengen an anderen potentiellen Reagenzien gibt, die sich uns schlicht noch nicht erschlossen haben und - falls ja - was uns daran hindert sie zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik mit den Pfaden lässt mich nun nachdenken, ob noch mehr dahintersteht: Kann es sein, dass etwas an uns Zauberwirkern schlicht mit der richtigen Reagenzie resoniert? Falls ja müsste das aber bedeuten, dass fremdartige Völker oder Rassen dann auch Zugriff auf andere, für uns nutzlose Reagenzien haben könnten.&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Kammer|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die kleine Kammer unter dem Dach des Gasthauses war ursprünglich Teil eines weit grösseren Raums gewesen. Findiges Geschäftsinteresse hatte den zuvor brachliegenden Dachboden allerdings rasch als mögliche Goldgrube erkannt: Direkt nach der ersten Welle von Ankömmlingen hier auf dem neuen Kontinent, waren dünne Zwischenwände eingefügt worden, teilten den verfügbaren Platz in präzise, knappe Rechtecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ein wenig wie die Koben eines Schweinestalls.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz zu Beginn - so hatte Fel sich zumindest erzählen lassen - gab es nur Vorhänge aus muffig riechendem Segeltuch jeweils vor den Ausgängen. Dieser Tage versprachen abschließbare Türen zumindest ein wenig private Abgeschiedenheit in den fensterlosen kleinen Kammern, gerade eben gross genug für ein schmales Bett und ein Nachtschränkchen an dessen Kopfende. Bislang war die Enge nur an den heissen Tagen des Sommers ein Problem gewesen: Wenn das Dach sich aufheizte, gab es für die Luft selbst bei geöffneter Türe so gut wie keine Möglichkeit mehr zu entkommen. Aber gutes Wetter versprach eben auch die Möglichkeit von hier zu fortzugehen, auswärts zu schlafen wie viele der Glücklosen, die keine feste Bleibe gefunden hatten und sich mit einem Zelt oder auch nur einer Plane glücklich schätzten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie die Tage aber kürzer und kürzer wurden, stieg der Bedarf an einem festen Dach über dem Kopf und das wiederum trieb die wochenweise zu zahlende Miete für die Unterkunft in stetig neue Höhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Fel verhieß das nichts Gutes: Das Auskommen für Hilfsarbeiten beim Hafen, bei der Korrektur von Büchern und dem Verfassen von Briefen war unregelmässig und gering, gerade eben genug um bislang mit den Preisen für das Leben als solches mitzuhalten. Selbst das Sammeln von Kräutern erwies sich jeden Tag als ein wenig schwieriger, unproduktiver: Die nähere Umgebung Nebelhafens war schon lange abgegrast, dass es nun langwierigere Wege brauchte und damit auch die stetige Gefahr gefährlichen Wildtieren über den Weg zu laufen. Mit der Ahnung des Winters am Horizont schien klar, dass auch diese kargen Einkünfte nicht sehr viel länger halten würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Zumindest hätte ich dann wieder mehr Zeit um etwas zu lernen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Galgenhumor an diesem Gedanken schmeckte ein wenig zu bitter wegen der Wahrheit darin: Die Studien hatten gelitten und die verfügbaren Mittel erlaubten ihr schon länger nicht mehr über Theorien und Worte zu schreiben - weder Papier noch Feder oder Tinte gab es für umsonst und das hieß die begonnene Zusammenfassung einst erworbenen Wissens war zu diesem Zeitpunkt kaum mehr als eine Absichtserklärung. Nicht genug um irgendjemanden von Potential zu überzeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst jetzt gehörten die kostbaren Abendstunden der Arbeit, beugten sich der Notwendigkeit Wäsche zu erledigen, gesammelte Kräuter und Pilzen an aufgespannten Leinen quer durch die kleine Kammer aufzuhängen und die Beute früherer Tage sorgsam zu trocknen und auf mögliche Schäden zu untersuchen. Eine ganze Anzahl Alraunen warteten unter dem Bett nur auf den nächsten Mondwechsel für die weitere Verarbeitung und der schon länger wartende Ginseng war kurz davor in klebrige Paste verarbeitet zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Alles hängt davon ab, dass ich wenigstens diese Kammer hier halten kann. Wo sollte ich das sonst aufgewahren?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei - das hatte sich unverhofft gefügt - war dieser letzte Abend ein erstaunlicher Erfolg in verschiedener Hinsicht gewesen: Zum Einen hatte Fel es fertiggebracht den ersten Teil ihrer Wäsche fertigzustellen ohne den mitgenommenen Stoff weiter zu beschädigen, zum anderen hatte sich ein wenn auch wackeliges Arbeitsangebot ergeben - fast schon genug, um die Warnungen des Magiers in den Hintergrund treten zu lassen. Dessen Anspielungen ließen erahnen, dass es sich bei dem rotbeschopften Barden um einen eher zwielichtigen Gesellen handeln musste: Vielleicht ein Trickbetrüger oder tatsächlich ein an Land gespülter Pirat. Das Gespräch war auf jeden Fall kurzweilig gewesen, eine willkommene Abwechslung zu viel eintönigeren Pflichten und Notwendigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und am Ende: Der Ork. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die geforderte Botschaft zu übermitteln war eine Kleinigkeit gewesen und die dafür gezahlte Belohnung versetzte Fel einen regelrechten Stich: Das so beiläufig ausgeschüttete Handgeld war genug um die Miete der kleinen Kammer für die kommenden zwei Wochen zu zahlen und der Ork schenkte es mit einem barbarischen Grinsen fort, als wäre es bedeutungslos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war ein Gedanke, der bei Fel blieb, während sie noch Stunden später nach oben auf die kreuz und quer verlaufenden Schnüre durch ihr winziges Zimmerchen starrte, darauf wartend, dass die Nachbarn endlich ihren täglichen Streit beendeten und dem Geschrei nicht weniger laute, aber zumindest absehbare Tätigkeit folgen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Gedanken und dem Bild eines lächelnden Dunkelelfen vor Augen tauchte Fel schließlich in das nächtliche Vergessen ein.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Geist und die Dunkelheit|CONTENT=&lt;br /&gt;
Mitten in der Nacht war der Regen gekommen: Unverhofft und unangekündigt, ein Wolkenbruch wie der Wutausbruch eines Kindes, dessen Zorn sich binnen weniger Minuten wieder erschöpfte. Das Trommeln des Wassers auf dem Dach hätte Fel unter anderen Umständen aus dem Schlummer gerissen, aber heute war der tosende Lärm des auf hohl liegende Schindeln fallenden Wassers eine willkommene Abwechslung in schlafloser Unruhe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem vorausgegangen waren Stunden des Starrens auf die kreuz und quer gespannten Fäden, das Blättern in der wilden Sammlung mitgenommener Papiere. Selbst an der Ergänzung der eigenen Notizen mit den Hinweisen und Korrekturen der zufällig besuchten Unterweisung zu den Worten der Macht hatte Fel sich bereits versucht, aber ein um das andere Mal ertappte sie sich dabei, wie die Hand verharrte und die Gedanken zu dem Zusammentreffen des letzten Abends zurückkehrten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hatte der Abend allzu gewöhnlich begonnen: Eine Konfrontation mit dem trübäugigen Nachbarn aus der Nebenkammer, dessen Schnarchen sich später selbst gegen das Tosen des Regens behaupten sollte. Die Zahlung der Miete für die nächste Woche - der Anblick der mühsam verdienten Münzen, die in der Tasche der spröde lächelnden Vermieterin verschwanden, brach Fel schier das Herz. Und natürlich all die kleinen Aufgaben, die zu ergattern sie in der Lage gewesen war: Heu wenden auf einem der Felder, die Fütterung übernehmen für ein ganzes Rudel kläffender Hunde, Wäsche sortieren für besser betuchte Haushalte. Nichts davon war an sich herausfordernd - Zeit war letztlich die einzig notwendige Ressource, die es einzusetzen gab. Besser bezahlte Aufgaben hatte es einige, aber sowohl die Arbeit in einem der Holzfällertrupps als auch die Unterstützung im Bergwerk erforderten mehr Kraft und Durchhaltevermögen als Fel ihr eigen nannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann die Dunkelelfen, das Gespräch in tiefen Schatten vor bröckelnden feuchten Ziegelmauern: süße Versprechen, zusammengewoben mit scharfen Drohungen. Zuckerbrot und Peitsche, die gebende und die bestrafende Hand, beide jeweils ausgestreckt in der vermeintlichen Verheissung einer Wahlmöglichkeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Gefahr, obgleich sie das Herz Fels zur Eile trieb, hatte etwas eigenartig Vertrautes, rührte an fast verblassten, ungeliebten Erinnerungen früher Tage. Damals schien jeder Tag von Giganten beherrscht, die aus einer Laune heraus Leben oder Tod brachten. Meist war es besser sich zu ducken, in den Schatten zu verweilen, unaufällig bis die prüfende Aufmerksamkeit vorübergezogen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Aber nicht hier. Nicht mit Kreaturen, die in die Schatten verbannt wurden und darin lebten, bis sie selbst ein Teil davon wurden.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch, nun, da die Gedanken ruhelos über die Ereignisse, die gewechselten Worte und die Eindrücke des Abends kreisten, vermochten sie nicht anders als sich auf Details zu fokussieren, Muster und Möglichkeiten gleichermaßen an die Oberfläche zu zerren. Die Umstände waren .. ähnlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich bin nicht mehr, wer ich damals war. Nicht ganz.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der vermeintlich glatten Front hatte es Spannungen gegeben. Noch keine Sprünge, noch keine Risse, aber vielleicht, wenn an der richtigen Stelle ein wenig gebohrt, ein wenig erprobt wurde ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schlaf mochte auch nach dem Ende des Regens nicht kommen, aber Fel träumte nichtsdestotrotz.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Hoffnungsvolle Suchen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Jeden Tag wurden die Nächte ein wenig länger: Was im Sommer nach ein gemütlicher Spaziergang bequem nach Sonnenaufgang gewesen war, hatte sich spätestes mit der Ankunft des Herbstes gewandelt: Dieser Tage schlich Fel in einen dicken Mantel gewickelt noch vor dem ersten Licht aus dem Tor Nebelhafens, fröstelnd in der klammen Kälte und darauf hoffend, dass die Stiefel einen weiteren Übergriff von Tau überstehen würden. &lt;br /&gt;
Es war immerhin die richtige Jahreszeit für die Suche nach gewissen Moosen und Pilzen, die sich im abgeworfenen Laub der Bäume versteckten - aber dieses offene Geheimnis trieb auch genug Konkurrenz an, dass die zurückzulegenden Wege jeden Tag ein Stück weiter wurden. Nur abseits der ausgetretenen Pfade und der bequemen Wildwechsel ließ sich noch ergiebige Beute machen aber das wiederum zog die Stiefel zusätzlich in Mitleidenschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere, dessen war Fel sich nur zu bewusst, drehten sich zu dieser Stunde noch einmal im Bett um. Das war eine Lektion, die sie bereits früh gelernt hatte: Manche besaßen eine Begabung aus der sie - im übertragenen Sinne - Geld machen konnten: Geschickte Hände, blitzschnelle Auffassungsgabe, eine robuste Natur oder natürliche Streitlust. Andere hatten eifrige Lehrmeister, bemühte Tutoren und geduldige Patrone. Einige vereinten gleich Beides miteinander und vermochten auf diese Weise über sich und ihre Anlagen hinauszuwachsen, reiften zu inspirierenden Koryphäen, zu bedeutenden Anführern oder zumindest bewunderten Handwerkern heran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Gedanken lag eine Erkenntnis, die auch jetzt, Jahre nach dem ersten Bewusstwerden noch immer stach: All das war ausserhalb von Fels Reichweite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei, so sinnierte sie, während sie sich unter dichten Brombeergestrüpp duckte und taufeuchtes Moos behutsam von einem toten Baumstamm entfernte der beinahe vollkommen überwuchert worden war, war das weniger eine Frage der Bereitschaft, als schlicht eine Frage des fehlenden Talents: Kein Geschick für Handwerk, eine gewisse Zielstrebigkeit aber ohne die brilliante Auffassungsgabe, die Andere auszeichnete, generell eine gewisse .. Langsamkeit, vermutlich irgendwo auf den Anteil des elfischen Erbes zurückgehend: Für das alte Volk spielten ein paar Jahre oder sogar Jahrzehnte vermutlich keine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Es ist als hätte ich das Schlechteste von beiden Seiten bekommen. Kein Fisch und kein Fleisch, irgendetwas in der Mitte.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem dichten Moos verbarg sich dichtes, weissliches Pilzgeflecht, dem Fel nun sorgsam zuleibe rückte: Die Berührung von Metall, so hatte man es ihr eingeschärft, würde die besonderen Eigenschaften ebenso ruinieren wie der Einfluss direkten Sonnenlichts. Genauso verboten war jedoch auch der direkte Kontakt mit der Haut, in diesem Falle jedoch nicht wegen eines etwaigen Schadens für den Pilz: Der &amp;quot;austreibende Bortenträger&amp;quot; war berüchtigt dafür auch lebendes Gewebe zu befallen und die farbigen Schilderungen hatten Fel beinahe genug abgeschreckt. Beinahe. Aber die Miete zahlte sich eben nicht allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fund blieb an diesem Morgen der Einzige dieser Art, aber der freie Streifzug hätte sich dennoch ausgezahlt, wenn Fel dann nicht ein Loch in der Sohle ihrer Stiefel entdeckt hätte. Das ruinierte die Bilanz des Tages bereits nachhaltig und gemahnte sie einmal mehr daran, dass es im Wettrennen gegen den kommenden Winter nur einen Sieger geben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Also alles auf eine Karte.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Knappe drei Stunden später wurde in der Bank von Solgard ein Schreiben hinterlegt, die letzten Münzen investiert in frische Tinte und ein neues Stück Pergament.&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=|CONTENT=&lt;br /&gt;
An Livius Quintus,&lt;br /&gt;
Oberster Hüter der Bewahrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Euren Antwort auf meine Aushänge mit Aufmerksamkeit studiert. Vielen Dank dafür: Die Ausführungen haben mir bereits erlaubt einiges an meinen Schlüssen bezüglich der Pfade und ihrer Eigenschaften zu korrigieren und zu ergänzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr habt das Interesse ausgedrückt solche Gespräche auch auf andere Themen auszuweiten. Ich würde Euch hier gern beim Wort nehmen und erbitte hiermit Eure Zeit für eine persänliche Unterredung - zunächst einfach um Erwartungen und Möglichkeiten kurz zu diskutieren. Ich bin mir bewusst, dass Eure Zeit wertvoll ist, würde mich bezüglich eines Termins - und Treffpunktes daher ganz nach Euch richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den besten Grüssen&lt;br /&gt;
Fel Maris&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Im Herzen des Sturms|CONTENT=&lt;br /&gt;
Den ganzen Tag über hatte der Sturm bereits am Horizont gegrollt: Ein dumpfes, beleidigt wirkendes Rumpeln wie von unterdrückter Wut, gefangen in einem Band dunkler Wolken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Betrieb am Hafen tat das keinen Abbruch, nur dann und wann äugten Seeleute herüber, um abzuschätzen, wie viel Zeit noch blieb, um Ladung zu löschen oder einzubringen. Der Sturm, so hatten sie gelernt, war letztlich eine Kraft wie die Gezeiten oder die Strömungen - vielleicht etwas unberechenbarer, aber letztlich in gleicher Weise unvermeidbar. Das hinderte sie nicht daran Gesichter in den sich zusammenballenden Wolken zu suchen, einen Willen hinter den Winden, dem trommelnden Regen und den zuckenden Blitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seeleute, so dass Fel stets gefunden, waren ein abergläubisches Volk, immer bereit Geschichten zu spinnen über zürnende Geister des Meeres, über verfluchte Schiffe und rastlose Suchen nach Schatzkisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Früher, in einer Zeit, die ihr nun wie ein anderes Leben erschien, war das mehr von Bedeutung gewesen als dieser Tage, da sie sich hütete, einen Fuß auf irgendein Schiff zu setzen. Nicht wegen Aberglaube natürlich - nur aus einem gesunden Gefühl von Respekt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und doch bin ich hier.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gewöhnlich war der Tag von Pflichten gefüllt gewesen: Die Prüfung von Ladungslisten in einem schäbigen kleinen Kontor ganz am Rande des Hafens, das den Eindruck erweckte aus Treibholz und Trümmern zusammengesetzt worden zu sein und nun nur dank störrischer Hoffnungen des Eigners von einem Tag auf den Anderen überlebte. Die Aufsicht über einen vertätschelten winzigen und überaus schlechterzogenen Hund, der in selbstmörderischer Kühnheit alles ankläffte, was sich ihm näherte und mit bemerkenswerter Aggression nach Stöckchen, Fingern und Steinen schnappte. Der Transport ganzer Körbe mit Wäsche, die nur darauf wartete, anschließend gefaltet und gelegt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazwischen hatte es wenig Zeit gegeben, über die Wendungen und Ereignisse der letzten Tage nachzusinnen, über den Impuls von Veränderung, der sich heute - so war zumindest der Plan - in einem vorläufigen Höhepunkt entladen würde. Dabei waren diese Entwicklungen von überwältigender, den ganzen Alltag bestimmender Bedeutung: Das kleine Zimmerchen, welches sie sich nun mit Veronica teilte, war nicht sehr viel günstiger als die winzige Dachkammer, aber es erlaubte eine gewisse Luft zum atmen, war geräumig genug für einen richtigen Tisch und ein paar Stühle. Bis jetzt hatte sich die kleine Wohngemeinschaft als unkompliziert erwiesen, auch wenn die raue Nachbarschaft künftige Probleme erahnen ließ. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Gespräch mit Livius Quintus war schließlich der letzte Anstoß gewesen, hatte den entscheidenden Impuls für den Entschluss geliefert, der dazu führte, dass Fel nun, während die Sturmfront nahte, auf einem winzigen Ruderboot im Hafenbecken Nebelhafens ausharrte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich, dessen war sie sich nur zu bewusst, hätte dies eine Konfrontation auf hoher See sein müssen, heroisch auf Deck eines größeren Schiffes, das sich wagemutig - und trotzig - in den Einflussbereich des Sturms wagte. Das kleine Ruderboot im Hafenbecken war die realistische und halbwegs kostengünstige Variation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Irgendwann sollte ich lernen zu schwimmen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Ausläufer der Sturmfront wühlten das Wasser auf, sprühten Gischt und trugen Regen mit sich, der Fel binnen weniger Momente bis auf die Knochen durchnässte. Es war kalt, kälter als sie erwartet hatte, aber nun war es zu spät für einen Rückzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich war es nicht der Sturm gewesen, der die “Siebentrutz” ihre Existenz gekostet hatte, sondern etwas darin, eine Kraft, die die Magie Jerwalsons verbog und deformierte, sie ausschlagen ließ, bis ihre Berührung Metall zu Wasser und Holz zu Nebel wandelte. Auch jetzt, Monate später, war Fel unbegreiflich, welche Prinzipien dahinter standen, welche Mechanik eine solche Verschiebung verantworten konnte. Aber diese Fragen konnten warten: Damals hatte sie überlebt, willkürlich und zufällig, eine Laune des Schicksals, die in erbarmungsloser Gelassenheit eines von einhundert Leben verschont hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute war sie zurückgekommen, um einen Pakt zu schließen und schrie die Herausforderung, das Angebot gegen das Heulen des Sturms und das Donnern der Blitzschläge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ich wähle diesen Pfad! Den Weg zwischen den Wegen! Zu verstehen und aufzudecken, zu erforschen und zu begreifen. Nie zufrieden zu sein und nie innezuhalten. Nicht allein für mich, sondern für jene, die nach mir kommen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu kalt. Andere Worte, sorgsam vorbereitet und auswendig gelernt, erstarben auf zitternden Lippen und schnatternden Zähnen - im Herzen des Sturms, sich an die Wände des schwankenden Ruderbootes klammernd und überschüttet von eisigem Regen verstand Fel, dass sie ihren vorbereiteten Vertrag nicht loswerden würde: Der Sturm war zu überwältigend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Furcht dämmerte Einsicht und ein Moment von Inspiration. Vier weitere kurze Sätze wurden gegen das Grollen geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Weisheit über Willkür!&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Fortschritt über Tradition!&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wahrheit über Täuschung!&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Gemeinsinn über Eigennutz!&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas funkelte in der Dunkelheit des Sturms, blaues Elmsfeuer das knisternd erwachte, auf den hochgezogenen Bordwänden des kleinen Ruderbootes tanzend. &lt;br /&gt;
Und für einen Moment, während sie auf die unruhigen, sich dem Sturm widersetzenden Funken starrte, sich weiter mit aller Kraft am Holz festklammernd, glaubte sie von irgendwo aus dem Sturm die Stimme ihres früheren Mentors zu vernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;b&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Diese Worte .. werden angenommen.&amp;quot;&amp;lt;/b&amp;gt;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Am Anfang aller Fragen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Fels Vorahnungen hatten sich bestätigt: Mit dem Voranschreiten des Herbstes waren die Preise gestiegen und die Greifen zeigten keine Ambition dieser Entwicklung in irgendeiner Weise Einhalt zu gebieten. In Teilen war das nicht verwunderlich: Sie waren – letztlich – eine an Gewinn interessierte Organisation und mit den nach oben wandernden Kosten waren eben auch entsprechende Abgaben, Steuern und Gebühren verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verschlechterte Wetter ließ im gleichen Zug die Nachfrage nach Arbeit sinken und mit steigendem Mangel und wachsendem Druck ging die Bezahlung der Tagelöhner nur zurück. Das, so notierte die Halbelfe ganz nüchtern im Licht einer unruhig flackernden Talgkerze, wäre schon vor mehr als zwei Wochen genug gewesen, um eine harte Entscheidung einzufordern: Entweder wohnen mit einem Dach über dem Kopf – oder Essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Oder Solgard.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass sich die Frage nicht akut gestellt hatte, war nicht etwa Fel selbst zu verdanken, sondern einer puren Laune von Glück, die – natürlich – ganz unvermeidlich mit dem Unglück eines Anderen einherzugehen hatte. Nur der Tod von Meister Konstantin Pherendanz hatte dafür gesorgt, dass aus der flüchtigen Bekanntschaft mit Veronica eine behutsame Freundschaft zu sprießen begann, dass die erstaunlichen Gemeinsamkeiten und die sehr viel weniger verwunderlichen Unterschiede auf eine Art und Weise zusammenpassten, die dafür sorgte, dass es nun ein gemeinsam bewohntes Zimmer in der kleinen Arbeitersiedlung gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kosten dafür waren nicht zu vernachlässigen, aber immerhin stabil und drohten nicht länger jede Woche neue, dieses Mal unerreichbare Höhen zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung ging aber darüber hinaus: Auch wenn die Tage weiterhin von harter, ungeliebter Arbeit gefüllt waren, blieb damit dann doch noch Raum dafür einmal durchzuatmen, um die eigenen Aufzeichnungen zu sichten, die viel zu lange keine Ergänzungen und Korrekturen erfahren hatte, um neue Texte in die Notizen aufzunehmen. Jeder Morgen brachte neue Fragen und die Möglichkeit von Antworten, oft ausgedrückt durch Fragezeichen hinter umkringelten Worten auf geduldigem Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem, so musste Fel anerkennen, hatte sich ihre Lage beträchtlich verbessert: Die Wohnstatt gesichert, der regelmäßige Kontakt mit dem Herren Quintus zur Diskussion allfälliger Fragen, eine kleine Gruppe von .. Bekannten, die von anderer Seite bereits als „Freunde“ bezeichnet worden waren. Die letztliche Wahl eines Pfades.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All die Möglichkeiten, die aus diesem vereinten Bodensatz wuchsen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
All die Gefahren aus den weniger offensichtlichen Nebenbedingungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Untersuchung des Drachenherzens und des Drachenblutes hatte sich als interessant, aber wenig ergiebig erwiesen: Ein fähiger Alchemist hätte etwas aus beiden Materialien schaffen können, aber Fels Kenntnisse dieser Kunst waren so gering, dass sie kaum über das Verkochen von Wasser über einem Brenner hinausgingen. Die Literatur hatte sich hier als interessanter erwiesen und letztlich zu völlig anderen Fragen geführt, wie alle angeführt von einem &amp;quot;Warum?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum funktionierte all das? Warum gab es so viele unbedeutend erscheinende Abweichungen in Details, die aber – wenn man sie dann ganz genau betrachtete – geradezu auf systematische Unverträglichkeiten hindeuteten? Wer hatte all das bereits einmal erforscht und bewertet?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Je mehr Fel über solchen Details brütete, desto mehr verdichtete sich alles auf eine Frage hin:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Warum funktioniert das überhaupt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Wenn der Wald erwacht|CONTENT=&lt;br /&gt;
Zumindest in der Theorie vermochte Fel den Umfang des Feenwaldes zu erfassen: Im Süden begrenzt durch die schroffen Kanten der Trollschluchten, im Osten bis an das Ufer der Nebelbucht ragend, im Westen begrenzt durch das in Sumpf übergehende Jagdrevier der Orks. Auf einem Pergament machten die Linien und schraffierten Farben durchaus Sinn: Wege. Wald. Lichtungen. Eine alte Ruine, hübsch illustriert mit dem Symbol eines geborstenen Helms.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karten versprachen Ordnung. Karten verkündeten den Sieg des Forschers über das Ungebändigte, über das Ungemessene und Unbekannte durch das Anlegen von Maßstäben und die Vergabe von Namen. Die Zähmung der Wildnis war in dem Moment vollkommen, in dem der letzte verwinkelte Strom bis zu seiner Quelle zurückverfolgt und dann in einem glorreichen Moment, für die Geschichtsbücher verewigten Moment, &amp;quot;Bierbach&amp;quot; getauft wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts davon war geeignet gewesen, um Fel auf das Naherlebnis des Feenwaldes vorzubereiten. Alles hier war Chaos, übergangslos ineinander übergehendes Grün, das ohne Plan und Ziel wucherte. Wege öffneten sich nur um später als Wildwechsel im Schatten des allgegenwärtigen Grüns zu versickern, dichtes Gesträuch reckte sich auf Lichtungen, trieb Blüten aus, die dem Lauf der Sonne folgten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und es war laut: Eine nie ferne Kakophonie ungezählter Stimmen, gewoben aus Triumphen und Niederlagen, so vielgestaltig und gleichzeitig beständig wie das Grün selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wenigstens ein Teil von mir sollte etwas drin finden. Muster. Vertrautheit. Gewissheit.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit spürte Fel nichts davon, während sie durch das Zwielicht des Waldes stolperte, über gefallene und moosbewachsene Baumriesen kletterte, vergeblich den Ursprung eines kleinen Bachs suchte, nur um dann, nach gefühlten Stunden des verwirrten Herumirrens mit dem ersten Schritt zurück wieder dort zu stehen, wo sie ihre Reise begonnen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wie kann das sein? Das widerspricht jeder Logik. Ich sollte einen Vorteil hier haben und stattdessen bin ich noch unbeholfener als Fenrik.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam mit einem allzu vertrauten Gefühl von Scham, ergänzt durch einen Funken von Zorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor einem Jahr hätte Fel hier aufgegeben, sich die Niederlage eingestanden und dann reumütig nach Hilfe gesucht. Diese Fel hätte akzeptiert und sich bescheidet, geschluckt und gelächelt, wo Tränen angebrachter gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Heute nicht. Du wirst mir das nicht madig machen. Das ist ein besonderer Tag, einer, den ich in Erinnerung behalten werde. Der Tag an dem ich nicht aufgebe, mich nicht entmutigen, mich nicht verscheuchen lasse. Ich werde die Knospe finden!&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Feenwald war es ein Samstag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er blieb indifferent, unbeirrt, unbeeindruckt, unverändert im stetigen Wandel, selbst über den Moment hinaus, als die zornige Halbelfe schließlich doch aufgab, zu erschöpft um weiter zu versuchen diese spezielle Lichtung zu finden und sich, genau wie zuvor, nur ein Halbdutzend Schritte vom Reisepunkt entfernt wiederfand.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Ausweisung|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Eure Anwesenheit ist hier generell nicht erwünscht. Geht zu den Edain, doch meidet unsere Länder. Ihr gehört nicht hierher.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trüber Nieselregen versprühte eben genug Feuchtigkeit um die Dächer im Nebelhafen feucht glänzen zu lassen. Aufgeweichte Wege erinnerten unglückliche Passanten bei jedem Schritt daran, dass dies keine Metropole war, keine Stadt, die solchen Wetter die spröde Schulter sorgsam gepflasterter Straßen und Gassen zeigte, sondern ein auf älteren Fundamenten erbauter und ein wenig ausgeuferter Handelsposten. Zumindest theoretisch war eine solche Ansiedlung auf Effizienz und die Bedürfnisse des Handels hin ausgerichtet, was gemeinhin bedeutete, dass das ganze Leben und Handeln der Stadt um Hafen, Marktplatz und Hauptwege herum rotierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch lag der Hafen, der der ganzen Siedlung ihren Namen verliehen hatte, zu dieser Stunde nahezu vollkommen still, kaum ein Licht schien aus den verschiedenen Hütten, Zelten und Wägen unweit, die immer ein wenig den Eindruck erweckten, als hätte die letzte Flut sie hier einfach ungeordnet an Land gespült. Alles atmete den Charme eines Provisoriums kurz vor dem Zusammenbruch aus, zur Permanenz verpflichtet in der Erwartung einer Ablösung, einer Verbesserung, die nie kommen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Selbst sie haben darin eine Bestimmung.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst jetzt, Stunden später, lange nach der stillen, beschämten Flucht aus den Tiefen des Feenwaldes, stachen die Worte des Lichtelfen. Wie eine weißglühende Klinge hatten sie sich tief in das Herz gebohrt, altes, vernarbtes Gewebe aufgerissen, das nun ohne Unterlass zu bluten schien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Als hätte ich nur darauf gewartet. Verdammter B....&#039; &amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst in Gedanken vermochte Fel die Beleidigung nicht zu vollenden, scheute zurück vor der Grobheit, vor dem drohenden Ausbruch und starrte stattdessen auf die vom Nieselregel eigenwillig geglättete Oberfläche des Meeres. Und selbst jetzt wunderte sich ein Teil von ihr darüber, welchen Namen dieses Wasser wohl auf den offiziellen Karten tragen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Neugier hatte sie auf allen Irrwegen durch den Feenwald begleitet, war bei ihr gewesen bei jedem Schritt auf der Suche nach Shiras Knospe und der Lichtung darum. Als sich Fehlschlag an Fehlschlag reihte, war es aber nicht die Neugier gewesen, die ihr verboten hatte nach Hilfe zu suchen, die gefordert hatte nicht aufzugeben. Purer Trotz hatte den Verstand abgeriegelt, die Emotionen aufgebauscht. Noch ein Versuch. Nur noch einer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich vergeblich: Es hatte die Ankunft Eliras und Cillians gebraucht, dazu die Begleitung einer bislang gänzlich unvertrauten Hochelfe namens Nyriel, damit Fel den Platz schliesslich wiederfand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Eure Anwesenheit ist hier generell nicht erwünscht. Geht zu den Edain, doch meidet unsere Länder. Ihr gehört nicht hierher.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte, das hatte sie bereits früh gelernt, waren aus sich selbst heraus bedeutungslos, nur mit der Macht beseelt, die ihnen eingeräumt wurde: Sowohl von dem, der ein Ultimatum aussprach oder Gefolge einforderte, als auch von dem, der sein Haupt beugte oder nach einer Zurückweisung erzitterte. Die Zeit auf den Straßen Breitenbachs war ein kalter Lehrmeister gewesen, ungnädig und erbarmungslos, hatte Fel ein um das andere Mal gezeigt, wie Worte und Taten einen Einklang erforderten und wie sich mit dem Einen das Andere vortäuschen ließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dennoch: Der Schmerz war nicht zu leugnen, ließ sich nicht davonlächeln oder überspielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Weil es wahr ist. Selbst der Wald wusste es: Ich gehöre nicht dorthin. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich gehöre auch nicht hierher.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Es gibt keinen Platz für mich.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und während der Regen über Nebelhafen allmählich stärker wurden, richteten die Gedanken der Halbelfe sich in die Vergangenheit, streiften erneut den Tag an dem die kleine Hütte leer gewesen war. Den Tag an dem die blinde Seherin dem Galgen überantwortet wurde. Den Tag eines Handels mit einem Mann, dessen Selbstverachtung seine Brillianz noch überstieg. Den Tag eines stillen Verrats an allzu lang gepflegter Hoffnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas .. regte sich in Fel, ein unwillkürlicher Reflex, der die Gedanken aus der selbstgewählten Trübheit riss und zu einem anderen Tag zurückführte, einer, der voller Verheissung und Versprechen gewesen war, zurück in ein Zelt, in dem eine alte Frau Karten mischte und sie verdeckt vor Fel auslegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Vergangenheit und Gegenwart sind benannt. Das hier ist der wahrscheinlichste Pfad deiner Zukunft. Eine Karte beschreibt das Schicksal. Eine zweite beschreibt, was dir dabei hilft. Die dritte schliesslich ist das größte Hindernis auf deinem Weg. Deck auf.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Woher weiss ich, welche der drei für was steht?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Das ist fast die beste Frage die ich in diesem Zelt in diesem Jahr gehört habe. Nun decke auf, Kind. Ich werde es für dich erläutern.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Mal gehorchte Fel und deckte die drei Karten nacheinander auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Interessant. Ich habe selten eine so klare Kombination gesehen: Deine Zukunft ist der Stern: Du wirst dein Glück, deine Bestimmung finden. Der Stern ist ein machtvolles Zeichen der Hoffnung und Erfüllung. Interessanterweise steht er auch für das Elfenvolk. Das ist überaus gut und könnte bedeuten, dass du letztlich auch hier dein Schicksal findest.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dir zur Seite steht dafür der Magier, dessen Anleitung und Weisung dich auf den richtigen Weg bringt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hüten musst du dich vor dem Gehängten, der hier fast schon wortwörtlich genommen werden muss: Das ist das argwöhnische Auge des Gesetzes, das alles verderben kann, was dir der Stern verheißt.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erinnerung trieb zurück in das Zwielicht ungeformter Gedanken und möglicher Ideen, umrankt von anderen, daran geknüpfter Gedanken, hinterlassen in Aufzeichnungen, die dem Zorn des Meeres zum Opfer gefallen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich habe es nie geglaubt. Schon damals spürte ich die Diskrepanz, die Ungewissheit. Denk nach. Es gibt nicht so viele mögliche Kombinationen. Welche davon ist die Richtige? Welche ist die Richtige?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es regnete weiter und der trübe, wolkenverhangene Nachthimmel Nebelhafens sah gleichmütig hinab auf die erschöpfte, schon lange durchweichte Halbelfe am äußersten Rand des ins Meer führenden Stegs, die verbissen versuchte ein Rätsel zu lösen, das sich dem Begreifen immer entziehen würde. Und hätte dieser Nachthimmel ein Numen besessen, dann hätte dieses sich vielleicht dazu bewegt gefühlt (mit der Stimme eines gewissen L.Q.) einen spöttischen Kommentar abzugeben über Menschen - und Menschenähnliche - die sich selbst zu ernst nahmen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Im Dunkel|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Bringt mir nur den Kopf von Golga von Assuan. Oder, noch besser, ihn lebend. Dann lasse ich Euch sogar nach Caladlorn ein.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scham folgte dem Zorn bereits in dem Moment als Fel die Füße über die Schwelle des Gasthauses setzte, hinausfloh in den winterkalten Abend Nebelhafens und den trüben Nebel, der träge über mit Raureif überzogenen Wegen hing. Die Wolken, die noch am späten Nachmittag Regen angedroht hatten, waren abgezogen, hatten den Himmel aufklaren lassen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu einem anderen Zeitpunkt hätte die Halbelfe den vielfachen Glanz der Sterne sicherlich mit einer gewissen Neugier honoriert, aber jetzt führten rasche Schritte sie weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur kleinen, mit Veronica geteilten Wohnung? Unmöglich.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu den Docks und den dort dem Wetter trotzenden Zelten, wo alle dieser Tage andere, eigene Sorgen hatten? In gleicher Weise mehr als unangemessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also führte die Flucht sie in die Tiefe, hinab durch den Keller der Falkenrast in die klamme Feuchtigkeit der Unterwelt Nebelhafens - Eingeweide, die schon lange vor dem Handelsposten hier gewesen waren und vermutlich auch nach ihm noch da sein würden. Manche der tropfenden Gänge waren hoch und so breit wie schiffbare Kanäle, andere duckten sich sehr viel enger zusammen, boten Moosen und Algen allerlei Lebensraum. Kaum ein Platz, an dem sich nicht die Schritte von Ratten vernehmen ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das war Fel auf schwer zu greifende Art und Weise .. vertraut. Nicht, weil sie bereits viel Zeit hier unten zugebracht hätte, sondern in der Art, wie sich ähnliche Erfahrungen auf neue, unbekannte Umstände übertragen ließen. Auch im Berg hatte es Feuchtigkeit gegeben, stetig von der Decke tropfend, Ratten und anderes Getier durchwanderten die steinernen Gedärme der längst aufgegebenen Bergwerksbereiche hinab in jene Tiefen, in denen auch dieser Tage noch gearbeitet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Berg hatten die Verurteilten die Steine gebrochen und nach oben gekarrt, ohne bis zum Ablauf ihrer Strafe je wieder das Tageslicht zu sehen. Hier, in den Tiefen unter Nebelhafen, wurde weder nach Quarzen noch nach Metallen geschürft, aber trotzdem gab es hier Menschen: Glücklose und Verzweifelte, Gierige und Unangepasste. Manche, die ein Sturm hier hinab gespült hatte und Andere, die hier freiwillig lauerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und trotz des Gefühls der brennenden Demütigung, erbaut aus dem Zusammenwirken gleich dreier so grundverschieden wirkender Männer, erinnerte sich an Teil von Fel an eine nicht unähnliche Flucht vor mehr als einem Vierteljahrhundert, an die Panik in den enger und enger werdenden Stollen und schliesslich Rissen im Felsen, durch die sich selbst ein für die Jahre ungewöhnlich kleines Kind letztlich nicht mehr zu quetschen vermochte. Wie damals trug sie auch heute weder Fackel noch Laterne bei sich, aber dieser Tage war die Magie ein vertrauter Begleiter, der die Dunkelheit zurückhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wie habe ich damals etwas gesehen? Magie? Aber das war vor meinem Erwachen, war es?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gang, dem Fel gefolgt war, geduckt auf den letzten zwanzig Schritten, öffnete sich in eine Kreuzung mit drei abgehenden Kanälen, alle nicht breiter als die Schultern eines Mannes und nur halb so hoch. Ein Funke von Licht aus dem Rechten versprach irgendeine Form von menschlicher Präsenz, also duckte Fel sich nach links, folgte dem Lauf gurgelnden Wassers in diese Tiefe und wartete darauf, dass der zähe Klumpen ohnmächtiger Demütigung sich allmählich in klamme Resignation verwandelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kalte Abweisung des Lichtelfen war nach dem letzten Zusammentreffen nicht unerwartet gekommen, aber heute hatte sich eine besondere, fast schon persönliche Qualität dazugesellt. Jede einzelne seiner spitzen Bemerkungen war wie der Stoß eines Rapiers - immer auf die Schwachstellen zielend, nicht darauf aus zu töten, sondern zu verwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Zu demütigen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das allein - so redete sich sich zumindest ein, während sie einen halb aufrechtführenden Gang emporkletterte, hinweg über von Algen bewachsene Stufen und vorbei an in die Wände eingelassenen Bronzerohren, die ins Nirgendwo zu führen schienen - wäre kaum ausreichend gewesen um ihre Beherrschung zu brechen, aber dass die Herren Feldspan und Tyladriel sich schliesslich gefallen hatten noch selbst in bereits gerissene Wunden zu stechen: Das hatte das Faß zum überlaufen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dem Moment war Flucht die einzige Lösung vor dem aufkochenden Zorn und der unmittelbar folgenden Schuld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich hätte darüber stehen sollen. Ein paar seichte Scherze, eine Flasche Wein. Ist das nicht, was ich gelernt habe? Die Lügen sind leicht. Nur die Wahrheit schmerzt.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu spät wurde Fel bewusst, dass sie, sich den Kopf zerbrechend, unwillkürlich doch einem der vagen Lichter gefolgt sein musste bis hier zu dieser Kammer, in die sie aus der Wandöffnung heraus stolperte in ein behelfsmässiges Lager voller Kisten und Säcke. Hehlerware, zur Seite geschafft unter Umgehung der Greifen, vorbei an der ohnehin schon laxen Hafenaufsicht. Drei Augenpaare starrten herüber auf die durchnässte Gestalt, im ersten Moment verplex, dann alarmiert. Eben noch zwischen den Fingern gehaltene Karten fielen auf ausgelegte Bretter hinab, während nach einem Messer gegriffen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Fel spürte, noch während sie einen halben Schritt zurückwich, wie aller Schmerz und alle Scham sich lösten. Das hier war, in vielerlei Hinsicht, so vertraut wie die Rückseite der eigenen Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Kalle sagt in der Drecksbude findet man nichts.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Was?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Moment der Irritation war genug, um ihr den eiligen Rückzug zu ermöglich, zurück in das enge Rohr, zunächst nur gefolgt von einem Fluch, bevor die drei sich an die Verfolgung machten. Schon nach einem Halbdutzend Schritten war Fel sich gewiss, dass keiner der Häscher sie hier einholen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Vielleicht ist das ja der richtige Ort für mich. Im Dunkel, wo die Sonne mich nicht sehen muss.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Kampf um Nebelhafen, Tag 1|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Lärm des Schlachtfeldes war genau so, wie Fel sich das Aufeinandertreffen wütender Götter vorstellte: Eine kolossale Kakophonie an Schreien und Befehlen, das ununterbrochene Klirren von Stahl auf Stahl, die dumpferen Laute stampfender Schritte, von keuchendem Atem und dazwischen das Flirren von Magie in allen Farben und Formen. Wie orientierte sich irgendjemand hier überhaupt? Die Angreifer trugen eine einheitliche Uniform: Schwarz und Orange, das machte es zumindest einfacher sie zu identifizieren, während die Verteidiger einen bunten Haufen darstellten, so gegensätzlich wie nur möglich in Erscheinungsbild, Auftreten und Strategie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dennoch, so zumindest Fels Eindruck, während sie sich hinter einen Heuballen duckte, schien jeder hier irgendwie eine Ahnung zu haben, von dem was zu tun war. Es war Chaos, aber mit einem Muster darin, das an ihren Sinnen kitzelte: Sichtbar, ja. Aber nicht so deutlich, dass sie in der Lage gewesen wäre sich daran anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein fehlgeleiteter Pfeil durchschlug den Heuballen ohne Mühe, bohrte sich nur eine Schulterbreite hinter Fel in die Wand des schon lange geräumten Stalls und beendete damit die unschlüssige Tatenlosigkeit. Es gab keinen sicheren Ort hier, nicht einmal am Rande des Getümmels. Die kleine Gruppe in deren Kielwasser sie hierher gekommen war, war schon längst zersprengt, aus den Augen verloren faktisch im ersten Moment des ausbrechenden Kampfes. Vielleicht verletzt irgendwo. Vielleicht tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde es bei den Zelten sicherer sein? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Lärm steigerte sich zu einem Crescendo, der Fel die Ohren klingeln ließ, aber die Bewegung auf dem Schlachtfeld verhieß eine Strömung in Richtung Norden und sie nahm die Gelegenheit war um geduckt in Richtung Osten zu eilen, über die kleine Brücke in Richtung des Hafens. Das plötzliche flaue Gefühl im Magen, der Moment des Zögerns und der Blick über die Schulter zurück, retteten ihr Leben: Ein Pfeil, der zielsicher die Luft dort durchschnitt, wo sie nur einen Moment später gewesen wäre, riss nur den Stoff des Hemdes an der Schulter entzwei, das Zischen der schwarzen Federn lautlos im brodelnden Lärm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gnadenlose Augen nahmen Maß, ein weiterer Pfeil wurde auf die Sehne gelegt in einer einzigen, flüssigen Bewegung und Fel riss die Hände hoch, die Geste ausführend, die in den letzten Wochen, noch während der Ereignisse um Hornblume, eingeübt worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;An Ex Por!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zauber griff bevor der Bogen vollkommen gespannt war, lähmte alle Bewegungen des hünenhaften Bogenschützen und als Fel zurückwich, spürte sie neben der Erleichterung eine andere, schwerer zu greifende Zufriedenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich bin keine Mörderin.&amp;quot; - das hatte sie Ba&#039;thal entgegengeschleudert und die Wahrheit darin glühte wie ein warmer Punkt in der Mitte ihrer Seele. Auch jetzt, hier, nutzlos auf einem Schlachtfeld, würde sie davon nicht ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gestalt in dunkelgrauem Leder nahm die Gelegenheit war, schlang einen Arm um den Kopf des noch immer gelähmten Schützen und zog eine gebogene Klinge so fest am Halsschutz vorbei über die Kehle, dass Fel hätte schwören können die Knochen zu sehen. Nur einen Lidschlag später war es schon vorbei: Noch während die Fontäne aus Blut in Richtung der Brücke sprühte, war der Ledergerüstete schon weiter, wob mit einer Agilität und einem Geschick durch das Kampfgeschehen, als wäre das hier ein natürliches Zuhause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon bekam Fel nichts mehr mit: Ihr sich umdrehender Magen forderte für das nächste Dutzend Herzschläge all ihre Aufmerksamkeit ein, der gute Kanincheneintopf letztlich doch verschwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein winziger, eigenwillig abgekoppelter Teil von ihr war amüsiert: Jetzt sahen die Fleischbröckchen in der Tat viel mehr nach Ratte aus.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Bei Nacht sind alle Katzen grau|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die ersten Rot des neuen Tages zeichnete sich bereits als dünne Linie am Horizont ab, als Fel endlich den Kopf aus ihren Aufzeichnungen hob und damit begann die im Laufe der Nacht verstreuten Blätter wieder einzusammeln und zu ordnen. Wie so oft hatte die Inspiration sich rar gemacht, Raum gelassen für die wesentlich behäbigeren Geschwister namens  Verbissenheit und Starrsinn. Eine ganze Zeit lang war das genug gewesen, hatte die Gedanken abgelenkt und ihnen vertraute Bahnen geboten - wenn schon keine neuen Einsichten, dann doch zumindest der Trost von Ordnung im Chaos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Die Illusion von Ordnung im Chaos. Wobei selbst das seine Muster hat.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Bemühen, so sinnierte Fel, während sie mit müden Augen die eigenen Ausführungen zum Wort der Macht AN überflog, ergänzt um einen ebenfalls aus eigener Hand stammenden, kaum einen Mond alten Kommentar, zog sich wie ein roter Faden durch alles, was sie berührte: Die Notwendigkeit zu begreifen, zu definieren, zu beschreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Nur, was einen Namen hat, ist wirklich. Die Aufmerksamkeit zieht es aus der Ungewissheit des Möglichen in die kalte Realität und dorthin verblasst es letztlich auch wieder. Nichts ist beständig.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gedanken hüteten sich die Ereignisse des letzten Abends zu streifen, überwanden stattdessen eine Kluft von vier Jahren und zerrten die Erinnerung an das erste Zusammentreffen mit Arngrimm Jerwalson zurück an die Oberfläche. Dieses Zusammentreffen war geprägt gewesen von ohnmächtiger Machtlosigkeit, erschüttert durch die Hinrichtung von Fels vorheriger Lehrmeisterin im Innenhof der Kaserne, ausgeführt von Soldaten, die die gleiche Uniform trugen, wie sie nun auch. Selbst im Blick zurück fand Fel es unmöglich das Gefühl von Verbitterung und Zorn abzuschütteln, das alle Eindrücke färbte wie getöntes Glas. Die Monate danach waren nicht viel besser gewesen, auch wenn .. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du scheiterst, weil du dich selbst von Zweifeln zerfrisst.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Satz war kein Teil der Vergangenheit, sondern ein Relikt des letzten Abends, emporgestreckt nun wie ein mahnender Zeigefinger. Anderes umgab ihn wie einen Mantel: Die Vergleiche. Die Komplimente. Der Trost. Die bestimmten Berührungen an ihrem Rücken, den Schultern, Armen, nahe der Kehle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du hast eine Familie. Eine, die dich liebt, so wie du bist.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und irgendwie, all den Lehren der Vergangenheit zum Trotz, glaubte sie daran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Stunden später, schmeckte die Erinnerung bereits nach Asche. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Umarmung war dem Impuls einer überwältigenden Hoffnung und Zuversicht gefolgt, eine törichte Ignorenz gegen alle inneren Warnungen und für einen zeitlosen langen Moment schien es genug. Unvermeidlich, dass es das nicht war, nicht sein konnte: Die Ernüchterung war allzu rasch gefolgt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Das .. wirst du .. nicht wiederholen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ein einfacher Satz, der noch eine halbe Stunde zuvor harmlos an Fel abgeglitten wären, vielleicht mit mehr Verwunderung als Irritation zur Kenntnis genommen. Natürlich. Was auch sonst? Aber jetzt stach es geradewegs durch den vorher weich geklopften Panzer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lächeln. Nicken. Funktionieren. Fel hatte Ärgeres überstanden, aber dennoch blieb der Schmerz in den folgenden Stunden ein treuer Begleiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zumindest einen Lichtblick gab es dabei: Er würde die Sache diskret behandeln. Kein Mensch würde je davon erfahren.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Hello darkness my old friend|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Hände brauchten nicht viel Aufmerksamkeit für ihre Arbeit, das erlaubte den Gedanken ganz frei zu fliessen, ganz anders als es noch beim Verfassen des letzten Protokolls der Fall gewesen war. Nun war die Stunde bereits so weit fortgeschritten, dass die Dunkelheit vor dem Zelt nahezu undurchdringlich erschien, nur gestört durch die falschen Sterne des Lichtscheins von der anderen Seite. Von Primus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie die andere Seite wohl war? Welche Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten hatten sich dort miteinander verbunden, um die Geschicke der Welt in eine andere Richtung zu beugen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Name, so entschied die Halbelfe, während Pergamente glattgestrichen, dann sorgsam zwischen Klemmbretter geordnet wurden, war gut gewählt: Mit Primus musste alles begonnen haben, der erste Trieb, der schliesslich zurückgewuchert war, um eine andere Wirklichkeit zu zeugen, durch Interferenz eine Variante zu erzeugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Ab welchem Punkt haben wir tatsächlich begonnen zu existieren? Ich hätte mich wirklich einmal an die Skala machen sollten. Alles wäre einfacher mit meßbaren, quantifizierbaren Aussagen zur Abweichung und Ähnlichkeit.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke hätte zu einem anderen Zeitpunkt den Eifer Fels angestachelt, aber nicht heute. Nicht hier in einem menschenverlassenen Zelt unter dem erdrückenden Joch der Nacht. Nicht mit einem Gefühl von Bitterkeit auf den Lippen, das sein lächelndes Haupt hob wie zu einem Gruß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Willkommen zurück. Hast du mich vermisst?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere Begleiter kamen und gingen, aber das Gefühl war stetig. Nie für wirklich lange fort, immer im Hintergrund der Aufmerksamkeit lauernd. Unmöglich davor davon zu laufen, unmöglich sich davor zu verstecken. Und gerade nun streckte es sich zu allzu vertrauter Pracht, flüsterte von vergangenen Entscheidungen, von Fehlschlägen und Enttäuschungen. Aber auch vom Überleben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banden. Die Straßen Breitenbachs. Haus Telketh und die dort wartenden Konflikte. Die blinde Seherin. Die Armee und der Handel mit Jerwalson. Der Schiffsbruch schliesslich, der Neuanfang und die damit einhergehenden Anstöße hier und dort. Final die Kollision des letzten, gerade zurückliegenden Abends.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Muster war zu vertraut und die Antwort in gleicher Weise, hatte Fel all die Jahre nicht weniger getreu begleitet als die nun würgende Enge im Hals, während Gurte festgezurrt wurden. Es war mehr Gepäck als jemals zuvor, aber nicht soviel, als dass es sich nicht würde bewältigen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der dunkle Nachthimmel öffnete sich über der Halbelfe, Ungewissheit verheissend. Aber letztlich würde sich ein Weg finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Zelt im Hafen Nebelhafens blieb zurück - fast unverändert für das eilige Auge. Nur die persönlichen Gegenstände und die Bettstatt Fels fehlten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Kein Weg zurück|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und so schließt sich der Kreis.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man genau hinsah, wenn man in der Unruhe des fordernden Alltags genug Zeit fand, um tatsächlich einfach einmal hinzusehen, waren die Zeichen überdeutlich. Und jetzt, im letzten Licht der untergehenden Sonne, mit baumelnden Füßen, die fast die Kämme der hier in den Docks auslaufenden Wellen berührten, war Zeit kein echtes Hindernis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war friedlich. Nicht .. still. Es gab immer etwas zu tun, auch jetzt wurde unweit an Reparaturen gearbeitet, noch ein Stück weiter war ein schwitzender Matrose dabei das Deck eines sonst verlassen daliegenden Kutters von etwas zu befreien, das einen gigantischen Berg von Dung erinnerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich hätte es sehen können.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lag kein Bedauern in diesem Gedanken, nur eine gewisse Nüchternheit, während Fel die Augen zusammenkniff um die ferne Horizontlinie zu beobachten. Zwei Wochen der Suche, zwei Wochen zunehmenden Unglaubens, der sich mehr und mehr mit Frustration mischte. &lt;br /&gt;
Die Flucht nach vorn war eine, vielleicht die einzige Konstante im Leben der Halbelfe gewesen, eine Möglichkeit sich auftürmenden Hindernissen auszuweichen und hatte sie in neue Städte, in fremde Gesellschaft, schliesslich sogar über das Meer getragen. Aber nun, so schien es, gab es keinen weiteren Weg mehr: Die eingeholten Antworten auf Anfragen hier in Nebelhafen, in Solgard, sogar in Surom waren letztlich - teilweise über Umwege - alle auf das Gleiche hinausgelaufen. Es gab, zumindest im Augenblick, keinen für Fel verfügbaren Weg von der Insel herunter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Eingeständnis dessen lag neben der zu erwartenden Enttäuschung auch eine gewisse Befreiung. Wenn alle Wege versperrt waren, dann mussten einfach neue Wege gefunden werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und eines zumindest - das verhieß der sich schließende Riss am Himmel - schien klar: Diese Welt würde doch weiterleben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Natürlich. Es wäre zu enttäuschend, wenn nicht. Aber was fange ich damit an?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Fel_Maris&amp;diff=473</id>
		<title>Fel Maris</title>
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		<updated>2025-11-30T07:22:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Fel.jpeg|left|frame]] Die Körpergrösse von ungefähr &#039;&#039;&#039;165 Halbfingern&#039;&#039;&#039; ist von unaufälliger Normalität, die gesamte Gestalt wirkt recht filigran, die Züge erscheinen prägnant geschnitten und verraten bereits das gemischte Erbe, das sich in den fein angespitzen Ohren noch deutlicher ausdrückt: &#039;&#039;&#039;Fel ist ohne Mühe als Halbblut eines menschlichen und eines hochelfischen Elternteils zu identifizieren.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den &#039;&#039;&#039;blauen Augen&#039;&#039;&#039; findet sich offenes Interesse, gemildert durch Wachsamkeit. Wenngleich nicht unangemessen nervös, wirkt sie wie jemand, der gern über die eigene Schulter sieht, stets getrieben von immer präsentem schlechten Gewissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;rotblonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; wird nur selten offen getragen und lockt sich bei der geringsten Feuchtigkeit, formt damit einen ungehorsamen Gegensatz zur moderat unaufälligen Kleiderwahl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemischte Erbe macht es schwer durch das Aussehen allein ihr Alter einzuschätzen: Sie ist ohne Zweifel erwachsen, darüber hinaus erlaubt weitere Beobachtung von Verhalten und Gebaren die Einschätzung, dass sie sich irgendwo im Bereich &#039;&#039;&#039;zwischen Anfang und Mitte Zwanzig&#039;&#039;&#039; befinden sollte.&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die linke Hand gehorcht merklich schlechter, die Finger sind unflexibel&lt;br /&gt;
* Furcht vor engen und dunklen Räumen, bisweilen Alpträume die auf ihre Zwangsarbeit im Bergwerk zurückgehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 417 geboren in [[Breitenbach]]&lt;br /&gt;
* 428 bis 429: Arbeitsdienst im Strafbergwerk Breitenbach &lt;br /&gt;
* 433 Verbannung aus Breitenbach und Ansiedlung in [[Grauhafen]]&lt;br /&gt;
* 436 Anstellung im Handelshaus [[Telketh]] für einfachste Hilfsarbeiten&lt;br /&gt;
* 440 Übersiedlung nach [[Rossensprung]] im Dienste des Hauses Telketh&lt;br /&gt;
* 443 Beginn der magischen Ausbildung bei der blinden Seherin [[Myra]]&lt;br /&gt;
* 447 Zwangsrekrutierung für die Armee entsprechend lokaler Gesetzgebung, Ausbildung durch [[Arngrimm Jerwalson]]&lt;br /&gt;
* 450 Überfahrt im Zuge regulärer Dienstverpflichtungen, Schiffsbruch vor der neuen Insel, Spielbeginn&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vater &amp;quot;Gil Melethron&amp;quot; (Alter unbekannt, Verbleib unbekannt seit 416)&lt;br /&gt;
* Mutter Lia Maris (* 385, Verbleib unbekannt seit 424)&lt;br /&gt;
* Bruder Themon (* 410, Verbleib unbekannt seit 424)&lt;br /&gt;
* Bruder Jasser (413 - 429)&lt;br /&gt;
* Bruder Fihan (414 - 428)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Notizensammlung|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Fel Maris&#039; Notizen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Dramatis Personae|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Myra]]&lt;br /&gt;
* [[Arngrimm Jerwalson]]&lt;br /&gt;
* [[Ludwig Springer]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschichte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Vergangenheit: Ussaria|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Magische Momente|SUBTITLE=Rossensprung, 445 (vor 5 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich verstehe das Problem nicht richtig. Die Worte haben eine ihnen innewohnende Kraft. Du musst dich einfach darauf einstimmen, dich ihrer Führung übergeben, während du gleichzeitig das Ziel des Zaubers selbst fest und bestimmt vor Augen hälst. Ich hätte geglaubt, dass gerade du damit keine Probleme hast.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig machte sich nicht die Mühe die Irritation aus seiner Stimme zu verdrängen. Er mochte Fel, aber sie war manchmal geradezu nervtötend begriffsstutzig, vor allem bei so einfachen Dingen wie den Worten der Macht. Das allein war noch kein Grund für Verärgerung, aber die Zeit für diese Art von Ausbildung war knapp bemessen und wertvoll: In den reichen Häusern Rossensprungs mochte es ja so sein, dass jemand mit der Gabe von allen Pflichten und Aufgaben freigestellt wurde, um sich ganz dem Studium dieser Kräfte zu widmen, aber das galt nicht dort, wo das Kopfsteinpflaster löchrig, die Dächer undicht und die Umgangsformen rauer wurden. Ludwigs war ein Schusterlehrling im dritten Jahr und das war es, was Essen auf den Tisch brachte. Diese Abende unter der Anleitung der alten Seherin fielen unter ein Siegel der Verschwiegenheit, zwangsläufig verborgen nicht nur vor der Obrigkeit, die mit harter Hand Loyalität und Dienst aller Zauberkundigen innerhalb der Grenzen der Stadtmauern einforderte, sondern eben auch vor dem knauserigen Schustermeister, der keine Gelegenheit ausließ um seine Lehrlinge zu schinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich hätte gedacht, dass gerade du das verstehen solltest. Es sind nicht einfach nur Buchstaben auf Pergament, Fel. Du musst fühlen, was dahinter ist.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel war älter als Ludwig und schon länger eine Schülerin der alten blinden Seherin, die ihre windschiefe Hütte im Schatten der alten Mauer hatte. Rossensprung war auf unsicherem, sumpfigen Grund errichtet, die alte Mauer war ein Teil der ursprünglichen Kernsiedlung und dieser Tage zu weiten Teilen entweder versunken oder für Steine zerlegt. Nur hier und dort gab es noch Reste, die sich wie verbleibende Zähne in einem zertrümmerten Gebiss dem endgültigen Verfall entgegen stemmten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wer hier lebte, der tat es selten freiwillig, die Eltern in den hübscheren Viertel der florierenden Hafenstadt warnten ihre Kinder vor der Brache und den Krankheiten, die man sich dort einfangen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Geschichten war Ludwig aufgewachsen und auch jetzt schauderte er noch regelmäßig, wann immer er die schiefen Reste des Fischertors durchschritt und den allmählich verrottenden Planken und Hängebrücken folgte, die bis zum Haus seiner zweiten, inoffiziellen Lehrmeisterin führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Du bist zu unbeweglich. Das System funktioniert nicht so. Du kannst nicht einfach nach strikten Gegensätzen schauen und diese einander zuordnen. Denk an die Brücken hier in der Brache: Sie biegen sich und schwanken, sind krumm und schief, aber sie führen dennoch meistens zum Ziel.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magische Theorie auf dieser Ebene war für Ludwig vollkommen einsichtig, vielleicht weil er während seines gewöhnlichen Tagewerks so viel Zeit hatte, die Gedanken wandern zu lassen. Während die Finger mit Ahle, Falzzange, Klopfstein und Knieriemen beschäftigt waren, ließen sich die unverhandelbaren Komponenten der Zauber im Geist bestens zusammensetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fels Stimme ließ ihre Frustration durchklingen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich verstehe einfach nicht, warum es abweicht. Jeder der drei einfachen Schwächungszauber benutzt Nachtschatten als eine Reagenz. Jeder der drei einfachen Stärkungszauber benutzt Alraune als eine Reagenz. DES MANI zum Schwächen, UUS MANI zum Stärken. UUS WIS zum Schärfen des Geistes, aber REL WIS anstelle von DES WIS? UUS JUX meinetwegen um das Ungeschick zu erhöhen, aber dann wiederum weder DES JUX noch REL JUX, sondern EX UUS! Das letzte Paar benutzt dann immerhin passend jeweils Blutmoos, auch beim Zauber für die Geistesschärfe und die Dummheit findet sich gleichartig die Spinnenseide, aber ausgerechnet bei der Stärkung und Schwächung bricht das ganze System auf: Alraune und Schwarze Perle? Warum bitte?&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das waren Fragen, die die alte Seherin normalerweise unbeantwortet ließ, mit einem Schulterzucken abtat, wann immer sie einem ihrer Schüler in die Quere kamen. Neugier brachte ihrer Meinung nach gar nichts: Wem half es schon zu wissen, warum genau nun bestimmte Bestandteile eines Zaubers zusammenwirkten, solange sie es taten? Zeit für solchen Firlefanz hatten nur reiche Schnösel, die nichts zu tun hatten, als über die Welt und den erstaunlichen Mangel an Frauen in ihrem Leben nachzudenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Ludwig hatte schon früh gelernt sich keine überflüssigen Fragen zu stellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich weiß es nicht, Fel. Aber es braucht auch keine vollkommene Ordnung. Darüber hinaus hast du übersehen, dass der Schwächungszauber ebenfalls die Alraune verwendet. Das heisst in der ganz einfachen Umkehrung mit der Ersetzung von Nachtschatten durch eine Alraune, hättest du plötzlich deren zwei in Verwendung. Du brauchst also etwas anderes - oder um genauer zu sein ..&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig ließ die Worte ausklingen, kapitulierend vor dem verwirrten Blick seiner Mitschülerin.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie sollte er etwas erklären, das sich nicht in offensichtliche starre Regeln einfügen ließ? Alles spielte zusammen, die Flexibilität des Systems bestätigte sich durch seine Wirksamkeit selbst. Wenn es scheinbar gegen hergeleitete Regeln verstieß, dann war das einfach ein Problem der Regeln, nicht das Systems selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Du wirst hier in der Brache keine Antwort darauf bekommen, Fel. Wir halten den Kopf unten und lernen was wir können. Und sobald die Alte uns für bereit hält, können wir unser Glück andernorts machen.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange würde das dauern?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ludwig hatte keine Zweifel, dass er in wenigen Monaten alles gelernt haben würde, was die Seherin ihm anzubieten hatte. Selbst jetzt war für ihn bereits offensichtlich wie löchrig das Fundament ihrer Kenntnisse war, wie gering ihr Interesse die Magie wirklich zu verstehen. Fel dagegen hatte - unbegreiflich für ihn - Mühe selbst diese kleine Barriere zu nehmen. Sie war schlau genug und darüber hinaus bereits erwachsen, das alles hätte ihr einen Vorteil geben sollen, aber ein um das andere Mal fand Ludwig sich dabei Erklärungen abzugeben, die in ihrer Tiefe auch seine Erfahrungen letztlich überstiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht, dass es ihn störte: Er mochte Fel und ihre Aufmerksamkeit war angenehm. Beflügelnd. Trotz ihrer hartnäckigen Schwierigkeiten mit der Flexibilität und Beweglichkeit des Systems der Magie. Er würde das, daran hatte er keinen Zweifel, schon noch zu schätzen wissen. Genau wie ihn.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Armeekarriere|SUBTITLE=Rossensprung, Februar 447 (vor 3 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Uniformstoff war steif und kratzig, unbequem zu tragen und darüber hinaus verpflichtend für alle Rekruten im ersten Jahr. Die Kleiderordnung nahm dabei keine Rücksicht auf die Jahreszeiten oder besondere Gegebenheiten wie in Rossensprung, wo die schweren Stiefel allzu gern in saftig schmatzendem Schlamm steckenblieben oder dafür sorgten, dass der Halt auf schwankenden Hängebrücken verloren ging. &lt;br /&gt;
Die Kleiderordnung scherte sich auch nicht darum, ob ein Rekrut den Versprechungen der Werber gefolgt und darum sein Kreuz unter einen Dienstvertrag gesetzt hatte, oder ob diese Verpflichtung als Teil einer angeborenen Gabe vorausgesetzt und dann eingefordert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regeln und Gesetze waren jedenfalls eindeutig: Jeder Anwohner der Stadt hatte eventuelle magische Fähigkeiten zu registrieren und war darüber hinaus verpflichtet, eine fünfjährige Dienstpflicht in der Armee abzuleisten. Der ewigen Regel von Aktion und Reaktion folgend, hatte diese Gesetzgebung zur Entstehung eines Schwarzmarktes ganz besonderer Art geführt: Heimliche Ausbildung in den Künsten abseits des wachsamen Auges des Gesetzes. Damit war die Eskalationsspirale in Gang gesetzt: Auf das Ausweichen folgten verschärfte Gesetze und die Androhung strengerer Strafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor Wochenfrist war das für Fel eine zwar präsente, gleichzeitig aber abstrakte Sorge gewesen. Vier Tage später hatte sich die Welt auf den Kopf gestellt. &lt;br /&gt;
Es war nicht so, als wären Fel die Gesetze nicht bekannt gewesen, aber erst als sie gezwungen wurde im drögen, halb unter Wasser stehenden Innenhof des gräflichen Gerichts der Hinrichtung ihrer mehrjährigen Lehrmeisterin zuzusehen, begriff sie wirklich, was sie bedeuteten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer hatte die Büttel auf die Spur gebracht, wer war bereit gewesen, mit dem stehenden Kopfgeld von 50 Silbermünzen das eigene Gewissen zu erschlagen? Oder war es ein erbarmungsloser Zufall gewesen, der dem langjährigen verborgenen Treiben der blinden Seherin schließlich ein Ende bereitet hatte? Unter dem trüben Nachmittagshimmel voller tiefhängender grauer Wolke ballte Fel ihre Fäuste und schwor im Stillen Vergeltung für den Verrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hinrichtung beizuwohnen war nicht einmal eine geplante Strafe, sondern schlichter, gedankenloser Zufall: Die gesamte im Südflügel des Gerichtsgebäudes untergebrachte Kompanie wurde zum Zeugen der Vollstreckung des gräflichen Rechts, so wollte es die Tradition. Und jene Kompanie würde für die nächsten fünf Jahre Fels Heimat sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Magier zu finden, der die Ausbildung unwilliger Jungmagier ertrug, konnte keine leichte Aufgabe sein: Die Armee war nicht dafür bekannt, gut zu zahlen, wer seine Dienstjahre hinter sich gebracht hatte, der konnte leichte, sehr viel besser honorierte Arbeit ohne Mühe überall finden. Nach Fels Einschätzung konnte eine solche Person also nur ein inbrünstiger Karrierist sein, der leichtgläubig dem Irrglauben erleben war, sich mit dieser Art von Dienst einen besonders warmen Platz im Hinterteil des Grafen zu verdienen - oder ein Versager, der es außerhalb der Mauern der Kaserne noch nicht einmal fertig brachte die Stiefel zu schnüren ohne dazu aufgefordert worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kleine Büro im höchsten Geschoss des Westturms war nur über eine knarrende Holztreppe mit verzogenen Stufen zu erreichen, ein unvermeidlicher Tribut an das sumpfige Erbe Rossensprungs und die Feuchtigkeit, die auch jetzt langsam von allen Wänden im engen Aufgang tropfte. Vermutlich war all das hier einmal weiß getüncht gewesen, aber das Wasser hatte im Laufe der Jahre dunkle Streifen hinterlassen und eigenwillige Muster in die ehemals nüchterne Kargheit geprägt. Sichtbare Nägel und Querstangen aus Metall waren gleichermaßen von Rost gezeichnet. Alles war klamm und feucht, jede der krummen Stufen eine lauernde Falle für die noch nicht eingelaufenen Stiefel mit den noch viel zu dicken Sohlen und steifen Schäften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Arbeitszimmer machte keinen wesentlich besseren Eindruck, der Geruch nach Schimmel war so übermächtig, dass Fel mit dem Hustenreiz kämpfte, kaum, dass sie die Türe hinter sich geschlossen hatte.&lt;br /&gt;
Also kein Streber. Gut. Mit Abschaum hatte sie im Laufe der Jahre umzugehen gelernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Rekrut Fel Maris. Mir wurde befohlen, mich hier zu melden.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum ersten Mal sah der Mann hinter dem wuchtigen, eigenwillig deformiert wirkenden Schreibtisch auf und Fel konnte exakt den Moment bestimmen, an dem der Mann der “Anomalie” bewußt wurde - allzu verräterisch flackern der Blick der wasserblauen Augen, bevor die Lippen sich zu einer dünnen, unwilligen Linie verzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich bin Arngrimm Jerwalson, Magier-Feldwebel der zweiten Kompanie und Euer zugeordneter Ausbilder für alle magischen Themen. Ihr habt offenbar bereits eine gewisse, illegale Vorbildung erhalten. Vermutlich bedeutet das, dass Euer Kopf mit gefährlichem Halbwissen vollgestopft ist. Es wird meine Aufgabe sein, dieses Problem zu korrigieren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die noch offen gehaltene Akte wurde geschlossen - das Papier bereits gewellt durch die unvermeidliche Feuchtigkeit - dann setzte der Mann nach:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Hübsche Ohren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel spürte, wie ihr die Hitze in die Wangen kroch. Das war plump, selbst für einen armseligen Wicht in einem traurigen Büro mit einem undankbaren Tagewerk. Es hätte keinen Grund geben sollen, sich peinlich berührt zu fühlen, aber dennoch kämpfte sie für lange Sekunden mit einer Antwort und bevor sie etwas herauswürgen konnte, hob der Mann schon wieder seine Stimme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich habe hier euren Dienstplan, der in einigen wesentlichen Punkten von dem anderer Rekruten abweicht. Es ist Eure Verantwortlich pünktlich zu allen angesetzten Terminen zu erscheinen - kein Gefreiter wird Euch an die Hand nehmen und hierher führen. Bringt Ihr es fertig Eure Ausbildung zu versäumen, werden diese Tage Eurer Dienstpflicht oben aufgeschlagen. Es ist also in Eurem besten Interesse, stets pünktlich zu sein. Es gibt derzeit nur drei Schüler, was bereits zwei mehr sind als meine Geduld her gibt. Eine erste Einführung zu den Worten der Macht beginnt in einer Stunde. Wegtreten.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Abschied aus Breitenbach|SUBTITLE=Breitenbach, 433 (vor 17 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Breitenbach, dieser Tage die größte Stadt der Grafschaft Siebensteig, war mit den acht Tugenden im Kopf gegründet worden. Davon zeugten auch dieser Tage noch die acht Türme der inneren Mauer, die jeweils die Namen eines der Erzengel trugen. In den Jahrhunderten seit der Grundsteinlegung war die Stadt weit über die Grenzen dieses Kern hinaus gewachsen, hatte die anliegende Furt vollkommen gezähmt und überbaut, auch das andere Seite des Ufers der Usser mit einverleibt um schließlich selbst die Grafenstadt Beiring in den Schatten zu stellen - zumindest wenn man allein die Einwohner zählte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Spaltung hatte Breitenbach zum wichtigsten Verbündeten Beirings gemacht und damit zu einem konservativen Vertreter einer Ordnung von Recht und Gesetz. Aus dem Sinnbild der acht Erzengel waren im Laufe der Jahre Posten gewachsen, die mit der tatsächlichen Kirche des Herrn nur sehr, sehr lose verbunden waren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus der Gründerzeit blieb jedoch die Tradition erhalten, dass diese “Wahrer” nicht nur spezielle Aufgabengebiete in der Stadt zu erfüllen hatten, sondern darüber hinaus aus den Reihen ihrer Gefolgschaft legitimiert, erhoben - also gewählt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der “Wahrer der Ordnung Havriels”, verpflichtet der Tugend der Rechtschaffenheit, war immer abwechselnd mit dem “Wahrer der Ordnung Gabriels” dazu verpflichtet, die Gesetze der Stadt auszulegen und Urteile zu sprechen. In einer idealen Welt hätte es keinen Unterschied zwischen einer Auslegung zwischen “Rechtschaffenheit” und “Gerechtigkeit” geben sollen, aber die Wirklichkeit sah einfach anders aus. Insbesondere aufsehenerregende Prozesse wurden denn auch von beiden Seiten gleichermaßen dafür instrumentalisiert, ihre Anhänger für die nächste Wahl zu motivieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganze Bande von Herumtreibern, Tunichtguten und Dieben in eine Falle zu locken und festzusetzen, war bereits ein Spektakel gewesen, das eigentliche Schaustück folgte dann jedoch mit dem Prozess bei dem letztlich Recht auf traditionelle Weise gesprochen wurde: Jeder der Ertappten, der schon früher einmal bei einem Diebstahl ertappt worden war, würde seine linke Hand verlieren. &lt;br /&gt;
Jene, die in der Vergangenheit dem Gesetz entkommen waren, würden ein Jahr lang ihre Schuld gegenüber der Gesellschaft und den Tugenden n den Bergwerken abarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren sinnierte Fel in den dunkleren Stunden bisweilen darüber, welche Richtung ihr Leben wohl eingeschlagen hätte, wenn sie damals geistesgegenwärtig genug gewesen wäre, um bei der Angabe ihres Namens zu lügen: Hätte sie ein weiteres Jahr in den engen Tiefen durchgestanden, stets mit dem drückenden Gefühl endlosen, zerquetschenden Gewichts über dem Kopf, stets der Tatsache bewusst, dass Jasser, der letzte überlebende ihrer Brüder, sein Leben für den immer hungrigen Groll der grimmigen Stollen gegeben hatte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den modernen Zeiten geschuldet, schlug man im fortschrittlichen Jahr 433 nach der Gründung in Breitenbach keine Hände mehr ab, sondern zermalmte sie stattdessen. Das machte die ganze öffentlich durchgeführte Prozedur weniger blutig, aber nicht weniger beeindruckend: Nach dem fünften auf diese Weise gestraften Bandenmitglied kehrte unruhige Stille in die zuvor frohlockende Menge ein. Der Wahrer der Ordnung war es zufrieden: Er hatte vor allem im Angesicht des schwelenden Konflikts mit dem ewigen Konkurrenten Auenstein Entschlossenheit und Härte demonstriert, ohne sich zu unvernünftiger Rachsucht hinreißen zu lassen. Dem Gesetz - und der Gerechtigkeit - waren Genüge getan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Fel, die die zuvor in ihrem Leben die Stadt auch nur verlassen hatte, war das hier draußen eine unbekannt  Weite voller unklarer Gefahren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie eine bittere Ironie des Schicksals, war es gerade der nahezu unerträgliche Schmerz der verstümmelten, nutzlosen Linken, die sie davon abhielt auf irgendwelchen Umwegen den Rückweg hinter die feindseligen Mauern Breitenbachs zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie begann die Reise nicht allein, aber als sie Wochen später die Gestade Grauhafens an der Usser erreichte, war auch der letzte ihrer früheren Begleiter, Kameraden und Verbündeten verschwunden. Mit dem ersten Schritt hinein in die florierende Hafenstadt schwor sie sich von nun an ein neuer Mensch zu sein, den verhängnisvollen Pfaden der Vergangenheit nicht länger zu folgen. Wie eine Raupe, die sich verpuppte, um schließlich als Schmetterling ganz neue Horizonte zu entdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollte keinen ganzen Tag bis zum ersten Diebstahl brauchen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ausbildungsalltag|SUBTITLE=Rossensprung, April 447 (vor 3 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Rivalität zwischen den beiden Grafschaften Auenstein und Siebensteig, ausgelöst durch die Absplitterung Auensteins im Jahr 42 nach der Gründung, hatte nach Fels Ermessen zu einer ganzen Anzahl von Kuriositäten im Laufe der Zeit geführt. Anekdoten, die manchmal vergessen ließen, wie ernst der Konflikt tatsächlich war. Aus dem stetigen Schwelen wurde immer wieder einmal ein abrupter Brand, ein gewalttätiges Ringen, das selbst jetzt, gute vierhundert Jahre nach dem Anfang noch niemand als tatsächlicher Sieger hervorgegangen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine dieser Kuriositäten war, dass Auenstein Frauen im Militärdienst erlaubte und ihnen sogar Zugang zu Offiziersrängen ermöglichte. Natürlich nicht uneingeschränkt: Fortschritt und Aufgeschlossenheit hin oder her, die 422 eingeführte große Reform bezog sich ausschließlich auf Magier (solange diese nicht auf einem Schiff dienten) und kürzte die Karriereleiter zudem auf den Rang eines Leutnants. Weibliche Kompetenz hin oder her, niemand wollte eine ganze Kompanie tatsächlich einer Frau ohne männliche Oberaufsicht anvertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenngleich die allgemeine Einschätzung war, dass Magier zu wertvoll waren, um als einfache Soldaten verschwendet zu werden, war eine Grundausbildung unumgänglich, wenn man sich einen Rang nicht direkt erkaufen konnte. Und das wiederum war die Ursache dafür, dass Fel nun mit einer ganzen Gruppe anderer Rekruten über schlammigen Grund kroch, um danach in klitschnasser, vollkommen verdreckter Uniform die hohe Kunst des Exerzierens zu üben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auensteins Militärphilosophie, zumindest soweit es den Teil in Rossensprung betraf, glaubte an Drill, Gehorsam und Drill. In ganzen Büchern wurde darüber lamentiert, wie es notwendig war neue Soldaten durch eine Hölle von Demütigung und Erniedrigung zu peitschen, bis aus dem gemeinsamen Schmerz der Gruppe schließlich ein Gemeinschaftsgefühl erwuchs, das letztlich bereit war auf einen feindlichen Pikenwall zu zu stürmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Doktrin erlaubte an diesem Punkt der Ausbildung keine Reagenzien oder andere Hilfsmittel für Magier, nichts, was es Fel ermöglichte hätte, mit den anderen Rekruten zumindest gleichzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade jetzt, in der Mitte einer sumpfigen Strecke mit knöchelhoch stehendem Wasser über saftigem, schlammigen Grund fühlte Fel sich dem Tode nah: Die Erschöpfung hing so tief in ihren Knochen, dass jeder einzelne Schritt sich wie eine Qual anfühlte und die geflüsterten Flüche ihrer Begleiter waren voller wütender Ressentiments: Eine Gruppe, so hatte der Ausbilder doziert, war nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Niemand durfte zurückgelassen werden, aktive Unterstützung war aber ebenfalls untersagt: Dies war schließlich die Grundausbildung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo die schnellste Gruppe sich Lob und den besten Platz bei der Mittagsverpflegung erhalten würde, blieb für die Verlierer in diesem Wettrennen vielleicht nicht einmal genug Zeit, um überhaupt den Magen zu füllen, bevor bereits das Üben von Formationen im Gelände anstand. Zuckerbrot und Peitsche, alles für das Wohl der Armee und zur Motivation einer stetigen Verbesserung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur, dass das System für Fel einfach nicht funktionierte: Allein ihretwegen hing die Gruppe weit hinter allen Anderen zurück und das entfachte nicht etwa das warme Feuer gemeinschaftlicher Verbundenheit sondern kalter Verachtung und Wut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Los, verdammt nochmal, vorwärts Maris!”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Elendes Weib, warum mussten wir das Pech haben, sie zu bekommen.”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dreckiges Halbblut ist für nichts Nutze, wir sollten sie hier ersaufen lassen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gepressten Flüche wandelten sich in Fels Wahrnehmung in ein gleichförmiges Summen, unbedeutend vor der Erschöpfung. Nur einen Moment ausruhen. Innehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kam zu sich, als ihr Gesicht in das brackige Wasser getaucht wurde, eine unnachgiebige Hand im Nacken, die es ihr in Verbindung mit dem matschigen Untergrund unmöglich machte, irgendwo Halt zu finden. Die um sich schlagenden Arme fanden nur zähen Schlamm, die Füße steckten ohnehin noch tief genug im Matsch, dass die Gefahr bestand die Stiefel zu verlieren und die gesamte getragene Ausrüstung schränkte die verbleibende Beweglichkeit soweit ein, dass selbst ein auf den Rücken geworfener Käfer bessere Chancen gehabt hätte wieder auf die Füße zu kommen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das heiße Aufwallen von Panik erschöpfte sich binnen Sekunden und Fel spürte ihren ganzen Körper schwerer werden, während die Wahrnehmung sich eigenartig entfernte, schrumpfte. Das war es. Ersäuft wie ein junges Kätzchen im Sumpf von ihren eigenen Kameraden.&lt;br /&gt;
Der Gedanke war nicht mehr genug, um die bleischwere Gleichgültigkeit abzustreifen, die sich ihrer bemächtigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas, vielleicht ein Stiefel, traf ihre Flanke hart genug, um die Rippen nachgeben zu lassen, dann zerrte die feste Hand im Nacken ihren Kopf wieder aus dem schlammigen Nass. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;hr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vier Stunden später saß Fel im längst schon vertrauten Büro Jerwalsons, der sie wie stets betrachtete: Ein Ärgernis, das ihn zwang, seine Zeit und Aufmerksamkeit für wichtigere Dinge einzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe ihn gewarnt. Aber Leutnant Caimbeul ist ein Patriot. Er ist einer dieser Männer, die ihren ganzen Stolz in ihre hohen Maßstäbe stecken und sich persönlich beleidigt fühlen, wenn etwas - oder jemand - nicht in der Lage ist, diese Maßstäbe zu erfüllen. Das funktioniert leidlich mit dem normalerweise vorhandenen Material, aber es war abzusehen, dass du ihn enttäuschen werden würdest. Wessen Schuld ist es also?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Lächeln des Mannes war dünn, die unehrliche Maske eines Zyniker, der ohne die kleinste Scheu Fallen stellte und Fel fragte sich nicht zum ersten Mal, was Jerwalson hierher verschlagen, welches Schicksal ihn gezwungen hatte als Feldwebel der Auensteiner Armee zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem kalkulierenden Blick des Ausbilders war sie sich ihrer eigenen Erscheinung nur zu bewußt: Das kurzgeschorene Haar betonte die Fremdartigkeit ihrer Gesichtszüge nur noch, die feinen Ohrspitzen waren ebenso unübersehbar, wie die filigrane Schmalheit der ganzen Statur. In der Stadt hatte es nie die Notwendigkeit gegeben Kraft oder Ausdauer zu entwickeln: Schnelle Reflexe und die Fähigkeit sich rasch wegzuducken waren selbst in Fels Jahren auf der Straße immer ausreichend gewesen und ihre Zeit im Dienst des Hauses Telketh hatte auch jenen Fähigkeiten die Schärfe genommen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Uniform verbarg die straff um die Rippen gezogenen Verbände, aber natürlich würden sie im Einsatzbericht erwähnt sein, der sich vor Jerwalson auf dem Schreibtisch wellte. Die verdammte Feuchtigkeit war einfach überall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Es gibt keine Möglichkeit für Euch, in irgendwie angemessener Zeit diese Anforderungen zu erfüllen. Die beiden angebrochenen Rippen sind dahingehend ein Segen: Ihr seid für die nächsten Wochen vom regulären Außendienst befreit, könnt - und werdet - aber in dieser Zeit mit den regulären Studien fortfahren. Militärgeschichte, Strategie, Taktik und natürlich Magie. Macht Euch in der Zeit einen Kopf, wie Ihr mit der Situation umgehen wollt. Sitzt es aus, und ihr seid in einem Mond wieder in diesem Sumpf, nur dass es dieses Mal vielleicht niemanden gibt, der einen ..”&#039;&#039; - er blickte auf den Bericht hinab - &#039;&#039;“.. unglücklichen Unfall vermeiden kann.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist nicht gerecht.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Momente starrte Jerwalson nur, mehr Erstaunen als Verachtung in den wasserblauen Augen, dann lehnte er sich zurück in den abgewetzten Sessel um Fel zu studieren wie einen besonders absonderliche Fliege, die es gerade gewagt hatte ein Bad in seinem Weinglas zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin erstaunt. Gerechtigkeit. Von Euch. Ein Mann, der die richtigen Fragen stellt, hat es nicht allzu schwer, die Herkunft eines Halbbluts nachzuvollziehen, auch wenn die Finger mich beinahe von der Fährte geworfen hätten.” &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Er deutete beiläufig auf die linke Hand Fels, die sich unter der Geste ganz unwillkürlich zur Faust ballte. Nur ein scharfes Auge war in der Lage zu bemerken, dass sie nicht ganz gleichmäßig reagierten, nicht ganz so schnell, wie man es vielleicht erwarten sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was wollt Ihr damit sagen?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dass ich kein Schauspiel schätze. Ich bin sicher, dass Ihr besser als die meisten Rekruten dieser Armee wisst, dass man nichts geschenkt bekommt. Alles hat seinen Preis, auch wenn er manchmal erst später präsentiert wird. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schön. Aus gegebenem Anlass werden wir Theorien und Übung zu heilender Magie vorziehen. Wir werden gleich sehen, wie gut ihr meine Anweisungen zur Anweisung des Ginsengsirups befolgt habt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ludwigs Abschied|SUBTITLE=Rossensprung, August 446 (vor 4 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Vor dem Aufstieg zur großen Handels- und Hafenstadt, war Rossensprung eine unbedeutende Ansiedlung gewesen, nicht einmal interessant genug für einen abgeordneten Ritter um die sumpfige Landschaft der hier in viele Finger zerfasernden Usser im Auge zu behalten. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch hatte es schon recht früh am Hauptlauf des Flusses ein paar einzelne Hütten gegeben: Ein Umschlagplatz für flussaufwärts geschlagenes Holz, das hierher geflößt und dann weiter in Richtung anderer Städte verschifft wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine frühe Beschreibung der Ansiedlung aus dem Jahr 37 nach der Gründung beschrieb bereits den traurigen Alltag von Torfstechen, die mit dem unsicheren Grund und den heißen Quellen zu kämpfen hatten, erwähnte auch die stets präsente Feuchtigkeit die allzeit über der Stadt hing wie eine unerfreuliche Glocke. Rossensprung stank nach Schwefel, Fäulnis und Verfall, genug um den Autoren wettern zu lassen, dass es keine weiteren zwei Dutzend Jahre dauern würde, bis diese Brutstätte für Krankheiten und Niedergeschlagenheit menschenverlassen sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schicksal wollte es anders, auch wenn in den kommenden Jahrzehnten eines vollkommen klar wurde: Was auch immer aus Stein gebaut wurde, das versank langsam im Schlamm und trieb damit ganze Generationen von Architekten in den Wahnsinn, denn jeder Versuch ein Fundament irgendwo im Untergrund zu verankern, erwies sich letztlich als fruchtlos. Ganz gleich wie viel Mühe, Sorgfalt und Planung auch aufgewendet wurde: War es aus Stein, wurde es irgendwann vom Sumpf geschluckt. Im Falle von Gebäuden führte das zu einem gewissen schulterzuckendem Pragmatismus: Jede Generation musste einfach das Dach abtragen, ein neues Stockwerk obenauf setzen und die tiefsten Keller aufgeben, die irgendwann selbst einmal ein Dachboden gewesen waren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Was dagegen aus Holz gefertigt wurde, das fiel unvermeidlich eher früher als später der Feuchtigkeit zum Opfer. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Art war das Leben: Ein stetiger, langsamer Wandel und die immer präsente Erinnerung an die Vergänglichkeit alles Seins. Würden alle Menschen von einem Tag auf den anderen aus Rossensprung verschwinden, dann würde es keine 30 Jahre dauern, bis von ihrer vorherigen Präsenz nichts mehr zu sehen sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Abend hing auch Fel ähnlichen Gedanken nach, während sie ganz im Westen der Stadt über faulende Hängebrücken balancierte um die letzten windschiefen Katen zu erreichen. Die alte Hütte der blinden Seherin hatte das Schicksal ereilt, war gemeinsam mit einem Rest der alten Stadtmauer kollabiert und das hatte sie gänzlich in die Peripherie der Siedlung getrieben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Alles änderte sich, nur Fel fühlte sich, als wäre sie kein Teil dieses Stroms, trieb so langsam, als wäre ein Anker an ihr befestigt, während alle anderen ihr Potential entfalteten und erblühten. Ludwig, der ihr für zwei Jahre ein getreuer, liebgewonnener Begleiter als geheimer Lehrling der Seherin gewesen war, hatte vor nunmehr Wochenfrist seine eigentliche Schusterlehre abgeschlossen und war nun ein Geselle, bereit mit Brief und Siegel seines Meisters in die Welt hinaus zu ziehen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nur, dass er nicht davon träumte ein Schuster zu werden: Ludwigs Wissen und Fähigkeiten im Umgang mit der Magie hatten das von Fel binnen Monaten überholt und nach zwei Jahren der Unterweisung hier am Rande von Rossensprung, stets in der Sorge, dass das strafende Auge des Gesetzes irgendwann aufmerksam werden würde, gab es für ihn nichts mehr zu lernen. Sich der Armee für fünf Jahre zu verpflichten, kam für Ludwig nicht in Frage und außerhalb der Grafschaft Auenstein würde man einem Magier ganz andere Möglichkeiten bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Ich beneide ihn.’ &#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam ungerufen, während Fel die letzte Planke überquerte und sich dann der Führung eines gespannten Seils anvertraute. Soweit draußen war es unvermeidlich, sich die Füße schmutzig zu machen, durch den zähen Schlamm zu waten. Es war gefährlich, von der durch das Seil vorgegebenen Linie abzuweichen: An manchen Stellen gab es regelrechte Löcher im Untergrund, unsichtbar durch das trübe Wasser, bis man hinein trat. Manche waren nur unbequem, durchnässten die Beinkleider und beschädigten die Würde. Andere konnten einen Spaziergänger im Nu verschlucken. Wie die meisten Anwohner Rossensprungs, hatte auch Fel nie gelernt zu schwimmen.. Rein theoretisch konnte die Magie ihr in einer solchen Situation zu Hilfe kommen, aber sie zweifelte, ob sie im Falle des Falles die notwendige Geistesgegenwart und Entschlossenheit aufbringen konnte, um die Panik zurückzudrängen und einen Zauber zustande zu bekommen. Von anderen logistischen Schwierigkeiten ganz zu schweigen. Besser also vorsichtig zu sein, jeden Schritt zu planen und sich nie allein der linken Hand anzuvertrauen, deren Finger niemals ganz ihre frühere Kraft und Geschicklichkeit zurückgewonnen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Alltag war das eine nur gelegentlich zu bemerkende Einschränkung, unbedeutend für die Arbeit im Kontor des Hauses Telketh, in dessen Gefolge sie vor nunmehr sechs Jahren nach Rossensprung gekommen war. Grauhafen war schöner, interessanter und vor allen Dingen trockener gewesen, aber diese Stadt hier hatte zwei sehr verschiedene Möglichkeiten geboten. Beide hatten sich auf ihre Art und Weise erfüllt: Im Laufe der Jahre waren Fels Aufgaben gewachsen, bis zu jenen einer vollwertigen Schreiberin, die ohne weitere Anweisungen Teile der Buchführung des Kontors erledigen konnte. Andere wurden vielleicht auch hier rascher befördert, aber sie kamen und sie gingen. Rossensprung war hart für jene, die den einfachen Luxus einer normalen Stadt gewohnt waren, nicht wenige entwickelten mit der Zeit einen hartnäckigen Husten oder eine nervöse Haut als Tribut an die immerwährende Feuchtigkeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach den sechs Jahren war Fel das am längsten hier arbeitende Mitglied des Handelshauses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An den zweiten Vorteil, den die Umsiedlung nach Rossensprung mit sich gebracht hatte, dachte Fel ungern zurück, denn das gemahnte sie immer an eine Vergangenheit, die sie seit der Ankunft in dieser faulenden Stadt endgültig hinter sich zurückgelassen glaubte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Aber so ist es nicht. Die Dinge verschwinden nur aus der Sicht, wie eine der aus Stein gefügten Mauern hier. Aber das bedeutet zunächst nur, dass man sie nicht mehr ohne Weiteres bemerken kann. Wer unaufmerksam ist, kann sich dennoch den Zeh daran stoßen.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke - so beiläufig er eigentlich auch sein mochte - sorgte dafür, dass ihr Herzschlag sich beflügelte, die Stimmung mit dunklen Wolken driftenden Unbehagens füllte, bis sie endlich das Ende des markierten Pfades erreichte und damit auch eine kleine, zumindest halbwegs feste Insel inmitten der trügerisch ruhigen Brache. Von hier aus waren es kaum noch zwei Dutzend Schritt bis zum halb vermoderten, mittlerweile gänzlich von Moos und Krimmalgen überwucherten Rumpf einer hier aufgegebenen Barke und direkt daneben befand sich eine daran vertäute, schwimmende Plattform aus zusammengenagelten Brettern, jetzt besetzt von einer einzelnen, hockenden Gestalt, die in Richtung der Ankommenden spähte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz des trüben Zwielichts hatte Fel keine Schwierigkeit damit Ludwig zu erkennen, zu vertraut war seine Haltung. Viel hatte sich sonst in den letzten beiden Jahren verändert: Aus dem schlaksigen Jüngling war schon fast ein Mann geworden, der sie mittlerweile um einen halben Kopf überragte. Als sie sich neben ihn hockte, hatte sie keine Schwierigkeiten den dunklen Bartschatten auf seinen Wangen zu erkennen: Diese offene Rebellion hatte warten müssen bis zum offiziellen Abschluss der Schusterlehre. Die Veränderung hatte bereits begonnen. Und morgen würde er Rossensprung verlassen, vielleicht für immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als hätte er diese Gedanken aufgefangen, lehnte Ludwig sich leicht zur Seite, eben weit genug, dass seine Schulter die der neugewonnenen Nachbarin berührte und hob die Stimme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“In einem Jahr bin ich wieder zurück. Ich habe bereits alles durchgeplant, weißt du? Ich folge der Usser in Richtung ihres Oberlaufs, vorbei an Grauhafen, bis zur Grenze zwischen Auenstein und Siebensteig. Von dort aus komme ich mühelos weiter: Breitenbach ist dann der richtige Platz um einen neuen Lehrmeister zu finden. Ich erwarte ungefähr sechs Monate, vielleicht ein wenig schneller, wenn dein Vertrauen in mich begründet ist. Mit dem Beginn des Sommers werde ich dann einfach eines der Schiffe besteigen und hierher zur Mündung kommen, vielleicht reise ich sogar mit ein paar Flößern, was denkst du? Sie sind eine raue Bande, heißt es, aber überaus herzlich und ich denke, sie haben nichts gegen die Begleitung eines Magiers.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel wollte widersprechen, darauf hinweisen wie abergläubisch solches Volk im Allgemeinen auf jeden Anwender von Magie reagierte, aber sie brachte es einfach nicht über das Herz. Nicht, weil Ludwig keine Korrektur vertragen hätte, sondern schlicht, weil er nur redete, um die Stille zu füllen, um die Decke von Wehmut abzuwehren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nichts bleibt. Alles ändert sich.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas wie ein Wellenschlag lief durch das Begreifen - für einen Moment war die Welt ganz fern, distanziert und unberührbar, in vollkommene Stille getaucht, durch die allein das Geräusch unbestimmbar ferner Atemzüge kroch. Gewaltig. Als würde ein Berg selbst seine Lungen füllen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel erschauderte, sich zusammenduckend, während Ludwig den Kopf hob wie ein Jagdhund, dem eben gerade eine ganz eigenartige Witterung in die Nase gestiegen war. Warme Begeisterung fand Eingang in seine sich hebende Stimme:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Hast du das gespürt Fel? Das war eine Störung im astralen Gewebe, darauf verwette ich meinen Gesellenbrief. Wie ein Reflex, ein Echo. Ich frage mich wirklich, was das ausgelöst hat. Kannst du dir überhaupt vorstellen, was das ausgelöst haben könnte? Irgendetwas.. Großes muss passiert sein!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, begriff Fel, war der eigentliche Unterschied zwischen ihnen beiden: Ludwig schaute erwartungsvoll in die Zukunft, zuversichtlich und entschlossen, bereit Wagnisse einzugehen und sich zu beweisen. Er würde an seinen Herausforderungen wachsen, während Fel blühte wie Nachtschatten: Verborgen und zurückhaltend, darauf wartend irgendwann von einer unbedachten Hand geknickt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe es bemerkt, ja. Und es muss etwas sehr starkes gewesen sein, dass wir es bis hierher spüren konnten. Myra wird fluchen: All ihre Tränke werden verdorben sein.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dann lass sie fluchen! Sie ist ohnehin nie zufrieden. Komm, wir staken ein Stück tiefer in den Sumpf, bis zur Anhöhe der Glühwürmchen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Stunden später schlich Fel sich im ersten Licht des neuen Morgen zurück in ihre Heimat. Erschöpft, wehmütig und dennoch von einer eigenartigen Zuversicht erfüllt. Sie würde auf Ludwig warten - ein Jahr war nicht so lang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie von selbst schrieben ihre Finger jene Worte nieder, die seit dem Moment der Störung im Hintergrund ihrer Gedanken brodelten, gab den Silben Form und sich selbst damit Frieden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die blinde Seherin|SUBTITLE=Rossensprung, April 443 (vor 7 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Bislang hatte es Fel nur selten in den Südwesten Rossensprungs verschlagen, aber natürlich kannte sie all die Geschichten. Man konnte nicht Schreiber im Kontor eines Handelshauses sein, ohne das Geschwätz mitzubekommen und ohne seinen eigenen Teil dazu beizutragen. Und das war in gewisser Weise auch der Anlass für ihre Anwesenheit hier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursprünglich war die Ansiedlung genau hier entstanden und dann entlang der vielen Arme der Usser gewachsen, den unsicheren, nachgiebigen Grund Stück für Stück erobernd. Oder zumindest für eine Zeitlang zähmend, denn eine wirklich finale Schlacht gab es in diesem endlosen Krieg einfach nicht: Jeder Tag aufs neue war ein Kampf gegen die allgegenwärtige Feuchtigkeit, gegen Schimmel und Fäulnis die gemeinsam Holz verschlangen und den Rost, der das Eisen zerfraß. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gepflasterten Wege in der Oberstadt standen gewiss in der Hälfte aller Tage eines Jahres mehr oder weniger tief unter Wasser. Das hatte zu einigen interessanten kulturellen Eigenheiten geführt: Schuhwerk wurde entweder überhaupt nicht getragen, oder in Form von kniehohen Lederstiefeln. Eleganz war einfach kein Faktor, der lange in solch widrigen Umständen überlebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier, abseits der gutbetuchten Viertel, gab es keine Wege dieser Art: Anwohner und Besucher gleichermaßen, balancierten über ausgelegte Planken, folgten teilweise auch nur gespannten Halteleinen, als hätten sie keine Sorge, dass der schlammige Untergrund sich jederzeit öffnen und sie verschlingen könnte. Für Fel war das nahezu unbegreiflich: Sie selbst hatte nie gelernt zu schwimmen und das traf auf den allergrößten Teil der Rossensprunger gewiss ebenfalls zu. Ein einziger Fehltritt konnte über Leben und Tod entscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das tat dem regen Treiben auf dem Jahrmarkt keinen Abbruch: Unzählige Händler hatten hölzerne Plattformen herangeschafft und dort ihre Zelte aufgeschlagen, priesen nun lautstark Waren an, feilschten um jeden Groschen, während nur ein Stück weiter ein paar Akrobaten zur Begeisterung der Zuschauer mit Äxten jonglierten. Es wurde gekocht und gebraten, gespielt und gesungen, ein Stück weiter flogen Fäuste in einem Kampf, auf dessen Ausgang eifrige Wetten abgeliefert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An einem anderen Tag hätte Fel sich unter die Menge gemischt, ein Teil des Ganzen. Aber heute war ihr Ziel das fleckige Zelt ganz am Rande des Jahrmarktes. Irgendwann war die Leinwand gefärbt gewesen, darauf wiesen Spuren an den Nähten noch immer hin, aber selbst beim besten Willen war Fel nicht in der Lage, die ursprüngliche Farbe zu identifizieren. Was wie die halb verblassten Reste geheimnisvoller Siegel wirkten, konnte auch einfach getrocknetes Schmutzwasser sein, vielleicht Schimmel, der nie vollständig aus dem Gewebe gewichen war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Drinnen herrschte ein Zwielicht, das bereits an Halbdunkel grenzte, das einzige Licht entstammte einem halbes Dutzend niedrig brennender Talgkerzen, deren scharfer Geruch sich mit anderen Akzenten mischte: Salbei. Knoblauch. Irgendein anderes Kraut, das Fel nicht zu identifizieren vermochte, aber dass ihr die Tränen in die Augen trieb und die Lunge zum Husten reizte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Willkommen. Ich bin Myra. Blind, wo andere sehen. Sehend, wo ihr blind seid. Was ist dein Begehr, Kind?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel Platz war im Inneren nicht und der verfügbare Raum wurde von dem ovalen Tisch beherrscht, hinter dem die Seherin sich verschanzt hatte, wie hinter der Mauer einer Festung. Überall waren Kisten und andere Behälter aufgestellt, das Licht der Kerzen brach sich an einer Vielzahl an glänzenden Schmuckstücken aus Glas oder Zinn. Alles wirkte billig, heruntergewirtschaftet. In einigen Fällen war es leicht den Finger darauf zu legen: Der Tisch besaß nur noch ein einzelnes seiner ursprünglich gedrechselten Beine, die anderen Drei waren irgendwann durch minderwertige Stecken ersetzt worden, die ihren Dienst zwar erfüllten, aber jedem Gefühl für Ästhetik einen rücksichtslosen Dolch direkt ins Gesicht trieben. &amp;lt;br&amp;gt;An anderen Stellen waren die Zeichen subtiler. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin Fel. Kommen nicht alle aus dem gleichen Grund hierher? Um etwas über ihre Zukunft zu erfahren?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Du wärst überrascht, Kind. Setz dich.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Frau fixierte Fel aus milchig-trüben Augen - ein Blick, der gerade unfokussiert genug war, um warmes Unbehagen in ihr hervorzurufen. Vielleicht war es keine gute Idee gewesen, hierher zu kommen. Was auch immer der Volksmund murmelte, es war offensichtlich, dass diese Frau ein Scharlatan war, jemand, der seinen Lebensunterhalt mit der Dummheit anderer verdiente. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin kein Kind. Und ich glaube nicht, dass du mir etwas sagen könntest, dass ich nicht bereits weiß.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch fand Fel sich dabei einen Platz auf dem wackeligen Schemel zu suchen. Letztlich hatte sie bereits all die Mühe auf sich genommen, um hierher zu kommen. Was konnten ein paar zusätzliche Minuten da schon schaden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte ließ sich jedenfalls von der Herausforderung nicht stören, mischte mit noch immer geschickten Händen übergroße Karten, die irgendwann ebenfalls reich verziert gewesen waren. Die Feuchtigkeit hatte auch hier ihre Spuren hinterlassen. Schliesslich platzierte sie drei davon in der Mitte des ovalen Tisches, gerade auf halben Wege zwischen Fel und ihr selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Wen suchst du?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war schwer, den ersten Impuls herunterzuschlucken, den Wunsch direkt mit der Frage herausplatzen. Das war etwas .. Neues, eine Schwäche, die mit den Jahren in der Sicherheit eines regulären Lebens erwachsen war. Es war leicht, sich an Vertrauensseligkeit zu gewöhnen, wenn man sich keine Gedanken um die nächste Mahlzeit oder um in der Dunkelheit lauernde Messer zu machen hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Frage war gestellt und letztlich, tatsächlich auch der Grund für ihre ganze Anwesenheit hier. Die Gelegenheit nicht beim Schopfe zu packen würde Verschwendung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Meinen Vater. Gil Melethron. Der Name ist fast das Einzige, was ich über ihn weiß.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In gewisser Weise, wurde Fel in diesem Moment bewusst, war der Name auch das Einzige, was von ihrer Kindheit geblieben war: Das Gesicht ihrer Mutter hatte im Laufe der Jahre an Schärfe verloren, soweit verblasst, dass selbst der verzweifelte Zorn letztlich in mürbe Resignation gereift war. Lia hatte nie aufgehört von ihm zu sprechen und sich dann irgendwann aufgemacht, um ihren verlorenen Geliebten wiederzufinden. Die drei Kinder, alle von verschiedenen Vätern gezeugt, blieben zurück, sich selbst überlassen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ihr ältester Halbbruder war nahezu genauso lange verschwunden, die anderen beiden schon längst in das kalte Zwielicht der Schattenwelt eingetaucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist kein Name, Kind.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die krächzende Stimme der blinden Seherin riss Fel zurück in das Hier und Jetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Bestenfalls ist es ein Kosename. der ungefähr die Bedeutung von ‘geliebter Stern’ hat. Deine Aussprache und Betonung sind jedoch furchterregend. &#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Willst du meinen Rat, Kind? Vergiss den Namen und höre auf, nach deinem Vater zu suchen. Es gibt Leidenschaften, die dich voranbringen und erfüllen, diese hier ist aber nur fruchtlose Vergeudung. Solche Dinge passieren. Ich vermute, dass dein Vater in seinem Volk selbst ein Ausgestoßener ist, verachtet für den leichtfertigen Umgang mit den Menschen. Es ist denkbar, dass du Dutzende von Halbgeschwistern hast, spitzohrige Bastarde, die nirgendwo wirklich willkommen sind. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich kann dir die Karten legen, wenn du von der Vergangenheit träumst, aber sie flüstern wenigstens auch von der Zukunft. Und wen kümmert schon, was gestern war?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen langen Moment schmerzte alles wie eine eigentlich schon lange vernarbte Wunde, aufgerissen durch eine unbedachte Bewegung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Das ist, was ich bin. Nirgendwo wirklich willkommen.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sich streckenden Finger berührten den verblassenden Rücken der ersten Karte, um sie dann zu wenden. Ganz beiläufig strich die Hand der Seherin einmal über die Fratze der abgebildeten Schreckensgestalt, bevor sie ihre Stimme hob.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Dämon. Das ist deine Vergangenheit - ein Hinweis auf unerwartete Schwierigkeiten, auf Unglück oder Pech, die dein Schicksal an bestimmten Stellen umgelenkt haben in neue Bahnen. Auch wenn diese Karte ungern gesehen wird, ist sie nicht als solche negativ, vor allem in der Vergangenheit. Vermutlich ist ihr Einfluss nun abgeklungen. Zwei Karten nun für deine Gegenwart.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schmerz wandelte sich, vertraut wie die Dunkelheit am Ende jedes Tages und Fel folgte der Weisung der Seherin, um zwei weitere Karten umzudrehen. Dieses Mal realisierte sie, dass die Alte die Karten allein durch ein beiläufiges Tasten zu erkennen vermochte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Mond und die Sonne. Das .. ist eine sehr interessante Kombination. Die Gegenwart besteht in diesem Legemuster immer aus zwei Teilen: Der Wirklichkeit und dem Traum. Der Mond ist deine Wirklichkeit: Er steht gewöhnlich für Einsicht und Selbsterkenntnis, auch Nachdenklichkeit und Intuition. Die Sonne repräsentiert den Traum, das, was du willst: Schaffenskraft und Freude. Licht schaffen und Wärme. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Art und Weise, wie sie hier zusammenstehen, sind sie sehr viel wörtlicher zu verstehen, Kind. Du wärst gern jemand. Aber dir fehlen der Mut und die Fähigkeiten. Du bist eifersüchtig, neidisch und das prägt deinen Alltag. Vergangenheit und Gegenwart sind benannt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte mischte alle offenen Karten zurück in den Stapel, ihre Finger bewegten sich mit einer Routine, die auf jahrelange Erfahrung schließen ließ. Die Frau mochte blind sein, aber das tat ihrer Geschicklichkeit keinen Abbruch und nach einer endlos anmutenden Minute breitete sie schliesslich drei verdeckt liegende Karten vor Fel aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist der wahrscheinlichste Pfad deiner Zukunft. Eine Karte beschreibt das Schicksal. Eine zweite beschreibt, was dir dabei hilft. Die dritte schliesslich ist das größte Hindernis auf deinem Weg. Deck auf.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Woher weiss ich, welche der drei für was steht?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Seherin lachte nur, anerkennend und gutmütig.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist fast die beste Frage die ich in diesem Zelt in diesem Jahr gehört habe. Nun decke auf, Kind. Ich werde es für dich erläutern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Mal gehorchte Fel und deckte die drei Karten nacheinander auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein zweites Mal wurden die erste und die letzte Karte befüllt, als wäre die Seherin selbst überrascht davon, was das Schicksal offenbarte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Interessant. Ich habe selten eine so klare Kombination gesehen: Deine Zukunft ist der Stern: Du wirst dein Glück, deine Bestimmung finden. Der Stern ist ein machtvolles Zeichen der Hoffnung und Erfüllung. Interessanterweise steht er auch für das Elfenvolk. Das ist überaus gut und könnte bedeuten, dass du letztlich auch hier dein Schicksal findest.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dir zur Seite steht dafür der Magier, dessen Anleitung und Weisung dich auf den richtigen Weg bringt. Hüten musst du dich vor dem Gehängten, der hier fast schon wortwörtlich genommen werden muss: Das ist das argwöhnische Auge des Gesetzes, das alles verderben kann, was dir der Stern verheißt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel konnte den plötzlichen Enthusiasmus der Alten nicht teilen: Das alles roch ein wenig zu sehr wie ein billiger Trick, wie etwas, das sich jemand mit dem Geschick der Alten und ihrer Fähigkeit Karten offenbar mit einer Berührung zu identifizieren, ausdenken konnte. Fast noch wichtiger: Beim Starren auf die drei Karten und die dort zu sehenden Gestalten &#039;&#039;fühlte&#039;&#039; sie regelrecht die Disharmonie. Vielleicht war die Reihenfolge einfach nicht korrekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich kenne nur einen einzigen Magier und der ist zu arrogant, um jemandem wie mir auch nur einen Seitenblick zu gönnen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Jemandem wie dir, Kind? Wir sind in Rossensprung, daher darf man solche Dinge nicht laut ausspreche, aber ist dir nicht bewusst, was dein Erbe bedeutet? Du trägst diese Gabe in dir. Du brauchst nur die Hilfe eines anderen Magiers, um diese Möglichkeiten für dich zu öffnen, jemand, der dich schult - möglichst vorbei am wachsamen Auge des Gesetzes, das alles verderben kann.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die knorrigen Finger der Seherin tippten ganz beiläufig auf das Abbild des Gehängten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Lass mich dir von einer Möglichkeit erzählen, Kind. Aber ich sehe bereits, wie die Zukunft dabei ist sich zu entfalten.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;hr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahre später, im Bauch eines  schaukelnden Schiffs, schrieb Fel die Erinnerung an dieses erste Zusammentreffen mit der alten Seherin nieder, die ihre erste Lehrmeisterin werden würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich spürte es schon damals. Die Diskrepanz. Ich bin mehr als je davon überzeugt, dass sie die Karten bewusst in diese Reihenfolge brachte, um mich als Schülerin zu gewinnen. Aber es bleibt dieser Zweifel: Was, wenn da etwas war? Mehr als nur ein Taschenspielertrick? Ich kann nicht aufhören darüber nachzudenken, wie die richtige Reihenfolge der Karten ist. Ich kann die Erinnerung nicht abschütteln an dieses Zusammentreffen mit Ludwig. Es gibt eine Wahrheit dahinter, die noch darauf wartet mir ins Gesicht zu springen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Echos|SUBTITLE=Rossensprung, 448 (vor 2 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der große Markt im Südwesten von Rossensprung hatte sich über die Jahre hinweg nicht geändert. Gewiss, die Zelte wechselten und damit auch die dominierenden Farben, aber noch immer war er geprägt von den halb schwimmenden Holzplattformen und den unzähligen zeitweiligen Brücken, die dazwischen geschlagen worden waren. Es gab, so sinnierte Fel, während sie sich zwischen einigen wild gestikulierenden Interessenten für die Ware eines Töpfers hindurchdrückte, nur voller als zu anderen Zeiten. Das war keine Folge eines weiteren wirtschaftlichen Aufschwungs, sondern Ausdruck der unsicheren Zeiten: Die langen Spannungen zwischen Auenstein und Siebensteig hatten sich einmal mehr in einen offenen Konflikt entladen, das ganze Land entlang der Usser schien in Waffen zu stehen und es gab keinen Tag an dem sich am Horizont nicht qualmende, dunkle Rauchwolken ausmachen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch: Rossensprung war so weit von der Front entfernt, wie überhaupt nur möglich, der einzige echte Überseehafen von ganz Ussaria. Kein Wunder also, dass es Flüchtlinge und Opportunisten gleichermaßen in die Stadt trieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die immerwährende Unstetigkeit der treibenden Plattformen war eine Konstante, mit der die Anwohner Rossensprung mit der Zeit zu leben lernten, aber es erforderte Zeit und Gewohnheit. Selbst gestandene Seeleute, eigentlich an unsicheren Boden unter den Füßen gewohnt, fluchten über den abrupt ruckelnden Grund und hier, gerade vor dem Stand eines Kesselflickers, der eine ganze Auswahl hübscher kupfergetriebener Töpfe und Pfannen ausgestellt hatte, kämpfte nun ein Halbdutzend Matrosen mit dieser Unbille. Einer von ihnen war, vertieft in Austausch mit seinen Kameraden, gegen Fel getaumelt, die zuvor in seiner Hand gehaltene Kanne war zu Boden gefallen und ein kleines Stück gerollt, bis der Fuß eines Anderen sie aufhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Pass auf, wo du deine verdammten Füße hinsetzt, Spitzohr!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Instinkt war den Kopf einzuziehen, sich kleiner zu machen und in der Menge unterzutauchen. Der Konfrontation ausweichen, die gewiss keinen Gewinn, sicherlich aber unerwünschte Aufmerksamkeit bringen würde. Stattdessen biss sie die Zähne zusammen und wandte sich um, fixierte den erzürnten Mann. Die eben noch erhobenen Fäuste wurden widerwillig gesenkt, als er die Uniforminsignien auf der Brust identifizierte und Fel konnte einen Ablauf allzu vertrauter Gedanken über sein Antlitz huschen sehen: Der cholerische Ausbruch war bereits dabei abzukühlen und machte Raum für zwei wesentlich kühlere Beobachtungen. Das Spitzohr war nicht nur eine Frau, sondern zu allem Unglück auch noch Teil der ohnehin bereits angespannten Streitkräfte Auensteins. Und der Mann war noch lange nicht betrunken genug, um diese Hinweise zu ignorieren. Drei, vier Sekunden währte das gegenseitige Starren, bevor der Matrose sich nach seiner Kanne bückte und dann mitsamt seiner grinsenden Begleiter die kleine Plattform verließ. Er würde sich, dessen war Fel sicher, über Tage hinweg den Spott anzuhören haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Fel?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stimme war schmerzhaft vertraut, auch wenn sie anders klang als beim letzten Zusammentreffen vor nunmehr bald zwei Jahren. Die eine Silbe war genug um heissen, längst begraben geglaubten Schmerz in der Brust wieder aufflammen zu lassen. Was war aus den damals ausgetauschten Versprechen geworden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nichts.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ludwig.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ehemalige Schusterlehrling hatte sich verändert und das in fast allen auf den ersten Blick zu fassenden Eigenheiten: Jetzt überragte er Fel um mehr als einen Kopf, die vormals glatt rasierten Wangen verschwunden nun beinahe unter den sorgsam gestutzten Formen eines kurz getragenen Vollbarts. Die nervöse Unruhe, die in den Jahren der Lehre unter der blinden Seherin eine markante Eigenheit gewesen war, hatte sich in selbstbewusste Zuversicht gewandelt, unterstrichen durch die geschmackvolle Wahl an Kleidung, die keinen Zweifel an der gewählten Berufung ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich sehe du hast einen Lehrmeister gefunden. Meine Glückwunsche.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war der Schmerz in den Augen, das fast unmerkliche Zusammenzucken, bevor die Haltung sich wieder begradigte, die verlorene Fassung mit einer Schnelligkeit zurückgewonnen wurde, die Fel in gleicher Weise beeindruckte und betrübte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ja. Nicht alles lief, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber ich fand einen Meister und wurde einer von sieben Lehrlingen. Es waren aufregende, lehrreiche zwei Jahre für mich und ich bedaure nur, dass ich nicht eher die Möglichkeit hatte, nach Rossensprung zurückzukehren.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er zögerte für einen Moment, ausreichend, dass sie sich einmal mehr der eigenen Erscheinung vollkommen bewusst wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Du hast dich nicht verändert, Fel.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist eine Lüge, Ludwig, aber ich nehme es.”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zwei Finger berührten die Insignien der Uniform direkt über der Brust - das geöffnete dreistrahlige Auge in Bronze und direkt daneben die geschwungene Linie. Für das geschulte Auge verriet das erste ihre Zugehörigkeit zur Profession der Magier, das zweite den Rang als Fähnrich in der Auensteiner Armee. Das früher üppig getragene Schopfhaar war mit der zwangsweisen Verpflichtung in die Streitkräfte der Grafschaft kurzgeschorenen worden, aber mit dem Ende der regulären Rekrutenzeit waren die Regeln nicht mehr so streng. Es fiel dennoch noch nicht lang genug, um die leicht gespitzten Ohren zu verdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich war in der Brache. Von Myras Haus gibt es keine Spur mehr. Ich habe gehört, was ihr passiert ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen einfachen drei Sätzen hörte Fel eine ganze Anzahl von Fragen, zusammengepresst auf die Form dieses simplen, fast neutralen Geplänkels. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Sie haben uns erwischt, ungefähr ein halbes Jahr nach deinem Weggang aus Rossensprung. Irgendjemand hat sich ein Kopfgeld verdient und ist hoffentlich daran erstickt. Du weisst, wie die Regeln sind: Ich bekam die fünf Jahre Dienstverpflichtung im Austausch für eine Ausbildung. Myra ..”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel ließ den Satz unvollendet: Ludwig kannte die Regeln ebenso gut wie sie selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich war seitdem nur ein einziges Mal wieder in der Brache. Es sind keine schönen Erinnerungen mehr.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform schwankte unter dem Gewicht anderer Marktbesucher, die kurzzeitig geschlagene Lücke in der lärmenden Gleichförmigkeit war rasch wieder geschlossen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Warum bist du zurückgekommen, Ludwig? Im ersten Jahr war ich voller Hoffnung, malte mir aus, wie du zurückkommen und mir von der Welt erzählen würdest, von deinen Abenteuern und den Dingen, die du gelernt hast. Anfang des zweiten Jahr fühlte ich mich bitter: Betrogen und vergessen, zurückgelassen in einem Elend, gefangen zwischen Mühlsteinen, die stetig darauf aus waren - und es noch sind - mich zwischen sich zu zermalmen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich verstehe, Ludwig. Alles verändert sich, nur ich fühle mich manchmal, als wäre ich davon ausgenommen, ein Beobachter, der sich im Sumpf verirrt hat und alle anderen an sich vorbeieilen sieht. Sieh dich an: Ich kann dich kaum wiedererkennen. Du bist deinen Schuhen längst entwachsen, ein Mann, wo ein Jüngling damals aufbrach. Warum bist du zurückgekommen?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war der Schmerz wieder, die Schuld zwischen der zur Schau getragenen Selbstsicherheit und Fel spürte eine bittersüße Befriedigung bei der Beobachtung, eine vorwurfsvolle Genugtuung, die schon an Rachsucht grenzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe viel gelernt Fel. Ich weiss nicht, was sie dir in der Armee beibringen, aber ich bin sicher, es kann nicht viel sein. Ja, ich bin viel zu spät, aber das ist der Unterschied zwischen törichter Planung und der Erfahrung, die man draussen im Leben macht: Die Dinge sind nie so einfach, wie sie erscheinen. Ich kam, sobald es mir möglich war. Und ich habe dich nicht vergessen. Wenn du willst, können wir schon diesen Abend fort sein aus Rossensprung, unterwegs. Niemand wird dich finden, niemand wird dich entdecken. Ich kenne genau die richtige Magie dafür.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Moment lang vermochte Fel nicht zu atmen, ein Gefühl wie von Eiswasser in ihren Adern brachte alle Glieder zum schütteln und die Zähne zum klappern. Ein Teil von ihr, gut behütet unter dem Alltag allzu pragmatischer Lehre, krümmte sich wie ein waidwund geschossene Fähe in plötzlichem, atemlosem Grauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was heißt das?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war eine Geschichte, die Fel ihm niemals anvertraut hatte: Die Details ihres ersten Zusammentreffens mit der blinden Seherin waren immer verborgen geblieben, gehütet wie peinliche Anekdoten der Kindheit, die in gut gesicherten Schubladen verstaubten. Also schwieg sie, zu sehr damit beschäftigt nicht einfach zu flüchten, um eine Antwort geben zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Habe ich etwas Falsches gesagt, Fel?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Nein.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Entsetzen verflog, auch wenn das Herz weiterhin gegen die Brust hämmerte, der schwere Uniformstoff nun zusätzlich noch klamm durch schweisskalte Feuchtigkeit. Ein Teil von ihr erkannte ganz kühl, dass die Panikattacke vorbei war und fragte sich befremdet nach dem Grund dafür, ohne eine Antwort zu finden. Etwas an der Formulierung Ludwigs musste einen Zusammenhang hergestellt haben zu den vor Jahren gelegten Karten der Seherin. Aber was, das blieb dem rational ausgreifenden Verstand schleierhaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Nein. Das Risiko ist zu hoch. Für dich. Für mich. Wir sind keine Kinder mehr - ich schon lange, du seit mindestens einem Jahr. Und ich denke an den allermeisten Tagen benimmst du dich auch so. Du hast etwas aus dir gemacht - gut! Ich habe immer gewünscht, dass du aus diesem Loch entkommst. Aber das werde ich auch, spätestens wenn meine Zeit um ist. Und dann will ich diese Stadt hoch erhobenen Hauptes zurücklassen, noch ein letztes Mal in das Hafenwasser spucken, um dann nie mehr hierher zurückzukehren.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Momente stand Ludwig nur wie vom Schlag getroffen, die Maske welterfahrener Nonchalance fortgewischt und gegen eine Mischung aus Überforderung, Schmerz und schlechtem Gewissen ausgetauscht. Und, wie Fel nicht ohne eine gewisse bittere Zufriedenheit bemerkte, auch ein Quäntchen von Erleichterung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er ging, war es wie eine Flucht, eilig, noch immer mit der durch lange Jahre erworbenen Sicherheit bei der Bewegung über schwankende Planken und driftende Plattformen hier im sumpfigsten Teil Rossensprungs. Manche Eigenheiten blieben erhalten, selbst wenn sie nicht mehr benutzt wurden, wartend und schlummernd, bis die Notwendigkeit wieder nach ihnen rief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel starrte ihm nach, bis seine Gestalt im Alltag verschwunden war, selbst der Lärm wie eine Decke, die sich über alle allzu betäubenden Gedanken legte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Das ist es eben. Nichts bleibt wie es ist. Darauf zu hoffen, ist töricht. Darauf zu vertrauen ist Selbstmord.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was ist nun? Wollt ihr es kaufen? Ich habe auch noch andere Interessenten.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nachfrage des Mannes hinter dem Stand mit all den blank polierten Kupferteilen erinnerte Fel an den eigentlichen Grund ihrer Anwesenheit hier: Mitten in der bunten Mischung aus Töpfen und Tiegeln, Messern und Gabeln, kleinen Dosen, einem Käfig, verzierten Tellern und grösseren Platten, befand sich auch eine kleine, kaum mehr als fingerlange Statue. Elfische Handwerkskunst hatte der Mann ihr hoch und heilig versichert. Von seinem Großvater erworben und weitergegeben an den Vater als Glücksbringer, nun in Anbetracht der Umstände aber dennoch zu einem günstigen Preis abzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Höchstwahrscheinlich eine Fälschung.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also solche würde sich die kleine Figur nur zu der Sammlung anderer kleiner Kinkerlitzchen gesellen, die Fel im Laufe der letzten Jahre angesammelt hatte. Sie alle verband ein vermeintlich elfisches Erbe, sie alle waren günstig genug gewesen, um für ihre äußerst beschränkten Mittel greifbar zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nur sie sind ewig. Unveränderlich wie die Sterne selbst. Warum muss ich hier festsitzen?’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel später war sie auf dem Rückweg in die Kaserne, die kleine, vermeintlich elfische Statue gut behütet in der Tasche.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Interludium: Die Insel der Nebel|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|CONTENT=Die Insel der Nebel ist der Tutorialbereich von DNW, eine vom eigentlichen Spielgeschehen isolierte Insel. Obwohl alle Elfenvölker frei erstellt werden können, sind Halbelfen aber kein frei verfügbares Volk. Das bedeutet: Um Fel tatsächlich ins Spiel bringen zu können, musste ich einen entsprechenden Antrag stellen. Dieses Interludium entstand während der Wartezeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da die Insel der Nebel nicht tatsächlich existiert - es ist eben nur ein Tutorialbereich - können die dort gemachten Erfahrungen nicht ins Spiel einfließen. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 14|CONTENT=&lt;br /&gt;
In der gleichförmigen Stasis dieser Insel ist die Ankunft anderer Reisender die einzige Abwechslung, die einzige Abweichung von einer täglichen Routine. Selbst das ist, wenn man es korrekt betrachtet, gleichbleibend: Ihr Kommen und ihr unvermeidliches Gehen ist zwar unregelmässig aber doch vorhersehbar: Sie alle ziehen weiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich noch an die Aufregung des ersten Tages, gleich gefolgt von der Erleichterung direkt nach der Ankunft, an deren Details ich mich nicht erinnern kann. Das ist etwas, was mich mit den allermeisten der Reisenden verbindet: Eine bestimmte Ungewissheit, über die Art und Weise wie dieser Ort erreicht wurde. Selbst jene die voller Überzeugung davon berichten, wie sie von einem Schiff hier abgesetzt wurden, verdrängen vielleicht einfach die Realität, denn ich habe abgesehen vom Fährmann niemals jemanden hier angelegen sehen. Und - um korrekt zu sein - nicht einmal diesen. Er liegt einfach jeden Morgen aufs Neue vor Anker, unvermeidlich wartend wie das finale Schicksal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen ersten Tagen war ich dankbar für mein Leben und stellte nicht zu viele Fragen, aber je länger ich hier verweile, desto mehr Zweifel verdichten sich zu schweren Klumpen in meinem Hinterkopf: Was ist das für ein Ort? Was bedeutet meine Anwesenheit hier? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine im Moment bevorzugte Theorie habe ich nach vielen Gesprächen mit anderen Reisenden herausgeformt: Ich denke diese Insel ist kein echter Ort, sondern eine geteilte Traumrealität, ein unechter Platz, den jene erreichen, die gerade bei sind ihr Leben zu verlieren oder ihren letzten Atemzug bereits getan haben. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist ein Ruheplatz um sich zu sammeln, um Frieden zu schließen. Wer dann bereit ist für die Weiterreise, der vertraut sich dem Fährmann an, der keine Bezahlung verlangt und niemals jemanden hierher zurückgebracht hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fürchte seine Verlockung genau wie die hölzernen Planken seines Schiffes. Und wer will es mir verdenken?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich sah, wie die Magie sich verformte, verdrehte, wie die Realität selbst aus der Fuge zu geraten schien. Was Holz war wurde zu Luft, was Metall war, transformierte zu Wasser. Mir ist selbst jetzt unbegreiflich, auf welche Weise das passierte, welches Prinzip dahinter steht. Es passt zu keiner der Lehren, die mir nahegelegt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was fange ich also an mit den Tagen, die alle gleich beginnen und nahezu identisch enden?&lt;br /&gt;
Weniger, als ich sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine bescheidenen Fähigkeiten bemüht um zu prüfen, ob sie irgendwelche permanenten Veränderungen durchlaufen haben, aber das scheint nicht der Fall zu sein, denn die mir bekannten Zauber funktionieren wie immer, die Grundprinzipien scheinen identisch soweit es sich durch mich beurteilen lässt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich habe Notizen hinterlegt, flüchtig bislang nur: Zu den verschiedenen Gebäuden, zu den Personen hier, zum Fährmann und auch zu den anderen Reisenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sollte ich all das ein wenig ordnen. Vielleicht ist es genau das, was ich brauche um jenen Ruhepunkt zu finden, den ich benötige, um mich dem Fährmann anzuvertrauen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann nicht aufhören mich zu fragen: Was wenn meine ganze Existenz nur ein eingefrorener Moment ist, der sich in dem Moment auflöst, in dem ich mich entschliesse weiterzuziehen? &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 24|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich nicht mehr genau, was das Erste war, dass mein Misstrauen erregte, aber ich glaube es waren die Bewohner dieser Insel. Damit meine ich nicht die Reisenden, die allesamt - genau wie ich - auf irgendeine Weise hier ankamen und - anders als ich - nicht viel später dann auch schon der Verlockung des Fährmanns folgen und die Weiterreise antraten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kontakt war .. glaubhaft, die oberflächlichen Gespräche die man eben so führt, wenn man an unbekannte Gestade gespült wird mit nicht mehr als ein paar Fetzen am Leib, genau das was man eben erwartet. An jenem ersten Abend war ich zufrieden zumindest einen provisorischen Schlafplatz ergattert zu haben. Ich will nicht behaupten, dass ich glücklich war, aber die Sorgen und das Bedauern sollten erst in den Wochen danach allmählich Einzug halten, vertraut in ihrer kühlen Hartnäckigkeit. Aber damals war ich froh noch am Leben zu sein. Fragen konnten warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Katzenjammer kam mit dem nächsten Morgen, mit der klaren Einsicht, dass mein bisheriges Leben ein abruptes, ungeplantes Ende erfahren hatte. Meine Verpflichtungen, meine Aufgaben, meine dünnen Freundschaften und vor allem auch mein Lehrmeister: Einfach davongewischt wie ein unbedeutendes Staubkorn auf einer nun in Ordnung gebrachten Tischplatte. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während die Sonne gemächlich aufging und die Insel mit Farben und Wärme füllte, realisierte ich, dass ich zum ersten Mal seit meiner Flucht aus Breitenbach wirklich allein war. Wohin ich von hieraus auch aufbrechen würde: Niemand würde meinen Namen kennen. Niemand die Umstände meines Aufwachsens, niemand die ungetilgte Schuld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war ein eigenartiger, machtvoller, wenn auch bittersüßer Gedanke: Ich hatte die Möglichkeit mich selbst neu zu erfinden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Wochen später, stelle ich fest, dass der Käfig etwas ist, was man mit sich trägt und selbst ein Schiffsuntergang wischt ihn nicht einfach fort. Es ist so leicht, so verführerisch in vertraute Gewohnheiten zu fallen, die über die Jahre wie Atemzüge wurden: Unwillkürlich und vertraut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich schweife ab.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es brauchte drei Tage bis ich wirklich verstand, dass die Bewohner dieser Insel sich nicht an mich erinnerten: Wenn ein Tag neu anbrach, dann waren sie selbst wie erneuert, aller Eindrücke der vorherigen Stunden beraubt. Erst mit dieser Beobachtung verstand ich, dass es nicht nur die Bewohner waren, sondern die ganze Insel: Welche Spuren ich auch hinterlassen hatte, sie waren verblasst, sobald der neue Tag begann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da verstand ich: Das hier ist kein echter Ort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und damit kamen auch die Zweifel: Was bin ich dann?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 26|CONTENT=&lt;br /&gt;
Was bin ich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein verwirrter Traum, der sich gerade auf der Schwelle zwischen Schlaf und Erwachen wälzt, unfähig das Eine oder das Andere zu umarmen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Gedanken einer Sterbenden, die in nachtblauer Tiefe einem eiskalten Grab am Boden der See entgegensinkt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reste einer Seele, die die Schwelle bereits überschritten hat und nun nur noch darauf wartet das Urteil zu akzeptieren, Frieden zu machen mit sich, bevor sie bereit ist für die Weiterreise an einen Ort von dem noch niemand zurückgekehrt ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Morgen verspricht mir aufs Neue: Nein. Das ist ist normal. Du hast überlebt. Sieh dich um und sammle, erhole dich, bevor du weiterziehst. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann die Augen nicht davor verschliessen, wie ich das gleiche Gespräch ein weiteres Mal mit der Frau hinter dem Tresen in der kleinen Markthalle führe, wieder die gleichen Anekdoten vernehmend, die ich bereits zwei Dutzend Mal vernommen habe. Sie sind mir bald so vertraut, wie die Stationen meines eigenen Lebens und ich lächle pflichtschuldig, während ich ein weiteres Mal um Material handle. Tinte. Papier.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es wird höchste Zeit, dass ich mich aufraffe, das Beste aus diesem Ort hier mache, Hausaufgaben erledige, die schon viel zu lange darauf warten, abgeschlossen zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anlass für diesen Entschluss war fast schon banal: Das Zusammentreffen mit einem Reisenden, der die Magie gerade erst zufällig für sich entdeckt hatte und nun mit der staunenden Zuversicht eines Welpen den Vorgaben in dem zerfledderten Buch folgte. &lt;br /&gt;
Mir fehlen die Worte, um genau zu beschreiben, wie ich mich fühlte, als er Reagenzien zerrieb, Worte rief und eine Wirkung manifestierte, als wäre es gar nichts. Einfach so. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann mir vorstellen, dass ich gelb im Gesicht wurde vor Eifersucht und Neid. Welches Recht hatte dieser Mann ohne die geringsten Studien, ohne Stunden über Stunden an Meditation und erschöpfenden Übungen einen solchen Effekt einfach aus dem Ärmel zu schütteln? Wo war die Gerechtigkeit dabei?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Gedanke riss mich aus dem schäumenden Selbstmitleid - die Erinnerung daran, wie Jerwalson mich für eine sehr ähnliche Frage höhnisch verlacht hatte, war auch jetzt, Jahre später, noch wie eine nicht verheilte Wunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Gerechtigkeit für mich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieses Zusammentreffen war ausreichend, um den Entschluss in mir reifen zu lassen, meine gesammelten Kenntnisse einmal zu ordnen, zu prüfen, sie niederzuschreiben. Meine eigenen Notizen, die - hoffentlich - mit mir gemeinsam wachsen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wenn ich nur ein zuckender Gedanke kurz vor dem Verlöschen sein sollte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mehr Licht! &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 28|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Mach die Augen auf.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein neuer Tag. Eine vertraute Routine. Es ist eigenartig, wie präsent die stetige Gleichförmigkeit dieser kleinen Insel wird, wenn einem diese Eigenheit erst einmal bewusst geworden ist. Wieviele Monate meines Lebens habe ich mit eintöniger, langweiliger Arbeit verbracht ohne mich über gewöhnlichen Groll hinaus zu beschweren? Wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, dann kann der Unterschied zu meinem Erlebnis hier nicht besonders groß gewesen sein: Immer der gleiche Tagesablauf, feindselige oder gelangweilte Blicke von Fremden, bestenfalls vom Sehen vertraut. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dazu ein Gewicht, dass es hier nicht gibt: Wenn ich meiner Verärgerung hier freien Lauf lasse und der geizigen Kräuterhändlerin meine Meinung geige, wird sie mich am nächsten Tag doch begrüßen, als hätte sie mich noch nie vorher gesehen.&lt;br /&gt;
In gewisser Weise, denke ich, dass exakt das auch der Fall ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jerwalson, daran hege ich keinen Zweifel, wäre enttäuscht und das ist ein Gedanke der mich mehr bedrückt, als er sollte. Der Mann war mein Lehrmeister, aber kein Freund. Niemand, dem ich mich anvertraut hätte über die Alltäglichkeiten der Ausbildung hinaus. Er trug, denke ich, die Uniform mit noch mehr Verachtung als ich. Ein weiteres offenes Rätsel, eines, das nun nicht mehr drängt und vermutlich nie gelöst werden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das ist Vergangenheit. Ich sollte froh sein über diese Herausforderung. Die Wahrheit ist, dass ich jeden Tag ein wenig entnervter erwache, mich in meiner eigenen Routine festbeisse: Muscheln sammeln, die Beete bestellen, Gemüse verkaufen und gegen Reagenzien, Tinte und Papier eintauschen. Und dann schreiben: Es ist frappierend, wieviel ich bereits vergessen habe: Ich bekomme den Enigmatischen Dualismus Jerwalsons kaum noch zur Hälfte zusammen: POR und ZAN als Gegenstücke, aber stand NOX nun gegensätzlich zu XEN oder MANI? Es ist genau wie vor einem Jahr: Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger habe ich den Eindruck davon zu verstehen. Das System, was er darin sah - oder vorgab zu sehen - erschließt sich mir einfach nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht morgen. Ich habe das Gefühl ich bin reich an Tagen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 32|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Sieh dich um.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigenartig, wie mit den Jahren manche Erinnerungen vollkommen ausgewaschen sind, dünner und fadenscheiniger noch als die von der Armee Auensteins gestellte Unterwäsche. Andere dagegen haben ihre Leuchtkraft bewahrt, oder - wie Jerwalson stets zynisch bemerkte, wann immer sich Gespräche in diese Richtung entwickelten - sie haben sich allmählich verwandelt und erwecken damit fälschlich einen Anschein von Authentizität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich denke noch immer, dass er sich darin irrt, dass es Eindrücke gibt, deren Wahrhaftigkeit mühelos dem Zahn der Zeit widersteht, so prägend und machtvoll, dass sie selbst nach Jahrzehnten nichts von ihrer Schärfe verloren haben. Ich wünschte ich könnte das Gesicht meiner Mutter dazuzählen, aber wenngleich ich mich mühelos an ihre letzten Worte an mich erinnern kann, ist ihr Gesicht selbst ins Vergessen geraten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich auch an die Trauer, an den Schrecken, an das Gefühl von Schuld und Verrat. Sie ging um einem Traum nachzujagen, auf der Suche nach ihrem Geliebten, der - wie ich sehr viel später erfahren sollte - nicht einmal seinen richtigen Namen genannt hatte. Mein Vater. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
An manchen Tagen frage ich mich, wie weit weit ihre Suche sie gebracht hat, ob sie vielleicht noch immer irgendwo da draussen ist. Ob es eine neue Familie gibt, andere Halbgeschwister, die den Luxus hatten mit einer Familie aufzuwachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert ist verstrichen und vielleicht hat sie ihr Glück gefunden. Aber ein Teil von mir, der sich in der Erinnerung an diese ersten Tage zusammenduckt und unzulänglich fühlt, hofft, dass sie noch immer wandert und sucht, vergeblich von einem Ort zum anderen treibend, wie ein welkes, schon lange dem Baum entrissenes Blatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sollte einen ähnlichen Groll auch gegenüber diesem Fremden hegen, diesem umherziehenden Elfen. Aber ich habe ihn nie kennengelernt, es gibt keine Erinnerungen, an die ich meine Gedanken heften kann. Aber ich denke auch er ist noch irgendwo da draussen, alterlos wie alle seines Volkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alterlos.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie diese Insel, wo jeder Tag seinem Vorgänger gleicht. Ich habe mich begonnen zu fragen, ob es hier ohne Reisende überhaupt Tage gibt. Oder: Ob das hier überhaupt existiert ohne einen Besucher. Wenn ja: Wird irgendwann jemand nachsehen, warum ich hier verweile ohne mich dem Fährmann anzuvertrauen? An manchen Abenden habe ich das Gefühl von unsichtbaren Geistern angestarrt und verurteilt zu werden, namenlosen Schemen aus Quecksilber, die sich zwischen den Schatten bewegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jerwalson würde lachen und lästern. Aber ich kann den Schauder nicht abschütteln, der mich in diesen Momenten überfällt. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 33|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Gleichförmigkeit der Insel lädt dazu ein sich treiben zu lassen und jeden Morgen, direkt nach dem Erwachen, gebe ich diesem Gefühl nach, bleibe liegen und lausche mit geschlossenen Augen auf das Geschrei der Vögel, auf das Plätschern des Regengusses, der sich zuverlässig jeden Morgen einfindet und auch auf Gespräch der beiden Händler, das ebenfalls immer gleich abläuft. Sie haben Erinnerungen, aber es ist für mich unmöglich zu ergründen, ob sie sich auf tatsächliche Ereignisse beziehen, oder nur dünne Tünche über eine spärlich gedeckten Leinwand sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Personen bin ich eine Fremde und ein Tag ist nicht genug um daran etwas zu ändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Frage ist, ob ich meinen Erinnerungen tatsächlich trauen kann. Die reine Existenz beweist noch gar nichts - genau wie die Händler sich an ein &amp;quot;gestern&amp;quot; erinnern, tue ich das eben auch. Niemand garantiert, dass nicht 1 Tag dazwischenlag, der ohne Spuren wieder verschwunden ist. Ein Tag, oder deren Einhundert. Ein Jahr. Würde ich den Unterschied bemerken?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für meinen Seelenfrieden bilde ich mir ein, dass ich einen kontinuierlichen Verlauf an meinen persönlichen Gegenständen ablesen kann, die - wie ich auch - vermutlich einem anderen Gesetz unterworfen sind: Meine Aufzeichnungen bleiben, die erhandelte Kleidung bleibt ebenso. Sofern das System nicht in einer Art und Weise gebaut ist, um auch solche Details zufriedenstellend fälschen zu können, kann ich mich weitgehend sicher fühlen: Das was ich als Tage empfinde, sind tatsächlich auch Tage. &lt;br /&gt;
Weitgehend. Nicht vollkommen, natürlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein System kann unmöglich vollständig verstanden werden, solange man selbst ein Teil des Systems und auf dessen Werkzeuge angewiesen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ironischerweise erinnere ich mich an diese Lektion noch gut, daran wie Jerwalson dieses Zitat nach einer Expedition benutzte, die als einfache Übung für die Rekruten gedacht war und darin endete, dass sich zwei eigentlich freundliche Kompanien gegenseitig beschlichen. Damals war der Anlass - natürlich - die vollkommene Verwirrtheit der führenden Offiziere. Aber es passt auch sehr gut auf diese meine aktuelle Situation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun: Genug geträumt. Es gibts nichts zu tun, aber das will erledigt werden. Ich habe Sorge ich könnte mich sonst in der Zwischenheit doch noch in einen der Anwohner hier verwandeln.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 35|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein weiterer Morgen folgt einem Abend ohne andere Reisende. Es ist nun Tage her, dass ich ein anderes menschliches Gesicht als die Händler zu sehen bekommen habe und ich kann spüren, wie das an mir nagt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist aus sich heraus bereits eine interessante Beobachtung: Während meiner Zeit auf den Strassen Grauhafens war ich die allermeiste Zeit mir selbst überlassen, scheute auch vor den Banden von Dieben und Trickbetrügern zurück, unter denen ich mich in Breitenbach noch so selbstverständlich bewegt hatte. Aber damals war die Einsamkeit selbst gewählt, kein Fakt der mir von aussen aufgedrückt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier, auf der Insel der Nebel, ist sie unvermeidlich und ich spüre jeden Tag ein mehr wenig Widerwillen die immer gleichen Gespräche zu führen. Nach den ersten Tagen peinlicher Berührtheit, spüre ich ein eigenartiges Ressentiment, eine frustrierte Verachtung für diese Menschen. Es wäre zu einfach nun kleinen Grausamkeiten Raum zu gewähren, Grobheiten aus Langeweile oder Ärger zu führen, immer in der Gewissheit, dass alles was man tut am nächsten Morgen ausgelöscht sein wird. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Teil von mir _ist_ neugierig: Würde ein neuer Tag noch immer so unverändert beginnen nachdem ein Feuer die Häuser hier verschlungen hat? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind beunruhigende Gedanken und ich konzentriere mich lieber auf die Arbeiten: Nach meinem Scheitern den Enigmatischen Dualismus Jerwalsons präzise zu beschreiben, habe ich mit etwas Einfacherem begonnen: Eine Auflistung der Worte der Macht, jeweils mit Erläuterungen und Kommentaren. Die Form ist armselig: Das Papier ist minderwertig und teilweise muss ich auf Ränder schreiben, aber .. es ist besser als nichts. Es ist ein Fortschritt und damit wertvoll und lieb auf einer Insel auf der die Zeit sonst stillzustehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sollte ich ja beten. Wer weiss.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 38|CONTENT=&lt;br /&gt;
Breitenbach, die Stadt in der ich die ersten Jahre meines Lebens verbrachte, war mit den Tugenden im Kopf gegründet worden. Die innere Mauer, auch dieser Tage noch weitgehend unbeschädigt erhalten wenngleich die Stadt sich längst über ihre Begrenzung hinaus ausgedehnt hat, besitzt insgesamt acht Türme. Jeder dieser Türme trägt den Namen eines der Erzengel und ist entsprechend auch einer der acht Tugenden gewidmet. Es ist nun siebzehn Jahre her, aber ich erinnere mich noch immer lebhaft an die bemalten, mit Ornamenten, Plastiken und Sinnsprüchen verzierten Fassaden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich hatte im Zuge meiner erzwungenen Dienstpflicht einige Gelegenheit mehr über die inneren Strukturen Breitenbachs zu erfahren: Zumindest nominell sind die Türme der Erzengel auch der Sitz von je einem &amp;quot;Wahrer der Ordnung&amp;quot; einer Tugend, jeweils gewählt aus den Reihen ihrer Gefolgschaft. Das alles hat mit dem Glauben an den Herren sehr wenig zu tun, die Verbindung ist bestenfalls lose und im Laufe der Jahrzehnte scheint mir der ursprüngliche Gedanke sehr in Richtung reiner politischer Masche verwandelt worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie dem auch sei: Die allermeisten Bewohner Breitenbachs ordnen sich zumindest formell einer Tugend zu und sind dann eben auch dafür verantwortlich den Wahrer zu wählen. Ich erinnere mich nicht welcher Tugend meiner Mutter folgte und ich hatte sehr wenig Kontakt mit dem Glauben über die oberflächlichen Symbole des Alltags hinaus. Nachdem sie sich auf die Suche nach ihrem verlorenen Geliebten gemacht hatte, waren alle zarten Ansätze von Religiosität ohenhin zum Verkümmern verdammt: Auf der Straße wurden die Tugenden bestenfalls benutzt, um ein paar Münzen von den Devoten zu erbetteln, der einzige echte Glaube war der an einen gefüllten Magen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lernte wenig über die richtigen Gebete, dafür viel darüber den Kopf unten zu halten, sich vor Autoritäten zu beugen, wann immer es notwendig war und schamlos zuzugreifen, wann immer möglich. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als ich Breitenbach schliesslich verließ: Verbannt, meine zerschmetterte linke Hand eine Strafe für mich und eine Warnung für alle, die meiner ansichtig wurden, fluchte ich ausgiebig im Namen der Erzengel. Das, denke ich heute, ist das Gleichgewicht aller Dinge: Aktion und Reaktion, Bewegung und Gegenbewegung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es liegt eine furchtbare Kraft in der Entschlossenheit eines Mannes, der sein Tun als gerechtfertig ansieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Grauhafen hätte ich, dieser Dynamik folgend, irgendwann ein trauriges Ende nehmen können, aber ich hatte Glück und fand den Weg zum Handelshaus Telketh. Das hatte seinen ganz eigenen Preis, aber es brachte mich auch zum ersten Mal seit den frühen Jahren meiner Kindheit wieder in Kontakt mit dem Glauben an den Herren.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich saugte die Gebete und Rituale auf, die Lebensweise, die sich auf ganz andere Art und Weise an den Tugenden (und den Sünden) orientierte, als ich es noch vage von früher in Erinnerung hatte. Aber ich blieb opportunistisch distanziert: Das hier war was man von mir erwartete, insbesondere nachdem man mir eine so außergewöhnliche Chance gegeben hatte und ich war absolut bereit das Notwendige zu tun für einen gefüllten Magen, ein echtes Bett und ein kleines Zimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch: Mit der Zeit wurden die kleinen Rituale zur Gewohnheit, prägten sich in den Alltag ein mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie sie auch für Essen und Trinken aufgebracht wurde. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin bis heute unsicher, ob das tatsächlich als &amp;quot;Glaube&amp;quot; gilt. Mein einziger Versuch diese Thematik mit Jerwalson zu besprechen, endete in einer nahezu endlosen Tirade an deren Ende er schliesslich das bekannte System von Worten der Macht und Reagenzien mit den Handlungen von betenden Priestern verglich: Beide auf ihre Weise vollkommen ahnungslos, abhängig von einer höheren Autorität, die das eigentliche &amp;quot;Tun&amp;quot; nach der Opfergabe dann in Angriff nimmt. Das erstickte all meine Ambition Glaube mit ihm zu besprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber letztlich denke ich, dass Religion für die allermeisten Menschen außer einem kleinen Zirkel von tatsächlich Erwählten, sehr abstrakt und entfernt ist: Rituale und Vorgaben, die von einer höheren Stelle angewiesen werden und denen man dann eben folgt. Ja, man bittet den Herren um Beistand, um Einsicht, um günstige Winde oder dumme Kunden, die man über das Ohr hauen kann, aber nach meiner Erfahrung erwartet niemand tatsächlich, dass der Herr tätig wird und etwas tut. Aber: Es ist besser den kleinen, allgemein akzeptierten Aufwand zu betreiben und sei es allein aus abergläubischer Versicherung, dass man nicht versehentlich den Zorn durch Unterlassung erweckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat das alles mit dem Hier und Heute zu tun?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand hat diese Insel in den Nebeln geschaffen, hat die Regeln definiert und dafür Sorge getragen, dass jeder Tag unverändert neu beginnt. Aber wer? Und wozu? Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ein solcher Ort nicht einfach als grausame Spielerei existiert, sondern zu einem ganz bestimmten Zweck, eine Funktion innehat. Vielleicht ist es genau das, was ich zuerst vermutete: Der Übergang zum Nachleben, eine kurze Pause für die erschöpfte Seele um sich zu sammeln, um Kraft zu schöpfen, bevor die Reise hinter die Schleier ansteht. Um zu akzeptieren und das Angebot des Fährmanns schliesslich anzunehmen, der nichts über das Ziel verraten möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeden Tag schrecke ich davor aufs Neue zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht wäre es einfacher, wenn ich den Glauben in meinem Herzen tragen würde, statt nur wie ein Gewand, das man eben überstreift, wo es bequem und passend ist. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber das ist nicht, wie ich aufwuchs.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist nicht, was ich lernte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist nicht, wer ich bin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht bedeutet das aber auch, dass ich hier auf ewig gestrandet bin.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 39|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein weiterer Tag eintönige Gleichförmigkeit auf der Insel. Auch heute, so scheint es, wird es keine Reisende an diese Gestade spülen, aber ich denke ich habe mich - zumindest für den Moment - damit arrangiert. Ich muss mir einfach meine eigene Abwechslung schaffen und die kann nicht ausschliesslich aus Arbeit bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Insel ist, wenngleich zu Fuß binnen weniger Minuten umrundet, ein ganz hübsches Fleckchen, eine interessante Mischung von Eindrücken, die sich auf engem Raum zusammendrängen. Das Wetter ist, vom morgendlichen Regen einmal abgesehen, auch durchaus angenehm, sobald die aufsteigende Sonne die Feuchtigkeit vom Sand geleckt hat, lädt der Strand regelrecht zum Verweilen ein und erlaubt einen Blick über die offene Wasserfläche überall umher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Breitenbach, Grauhafen und Rossensprung liegen allesamt am Lauf der Usser, ein schiffbarer Fluss, der jeden Frühling noch ein Stück weit anschwillt und bisweilen sogar die Auen großflächig überschwemmt. Rossensprung liegt direkt an der Mündung der Usser zum Meer hin, oder besser: Die Stadt wuchert im sumpfigen Delta.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin also durchaus mit dem Anblick eines großen Wassers vertraut - aber dieser Anblick ist einfach etwas anderes, als ich von der müßigen Betrachtung des Horizonts gewohnt sind: Hier gibt es keinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Himmel, der hier jeden Tag die gleichen Wolkenmuster trägt, geht mit der Entfernung von der Insel ohne scharfen Übergang in dichte, träge driftende Nebel über. Dieser Nebel ist genauso statisch in seiner Natur wie die gesamte Insel und damit vermutlich das gesamte Areal: Nichts verändert sich. Nach einem Tag beginnen alle Abläufe wieder von vorn.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unabhängig von Wetter und Uhrzeit bleibt der Nebel bestehen, beschreibt eine Grenze ausserhalb meiner Reichweite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht so als würde ich keine Neugierde verspüren, aber mich schaudert weiterhin beim Gedanken mich hölzernen Planken für eine Reise ins Ungewisse anzuvertrauen. Und ich habe niemals gelernt zu schwimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemals gelernt zu schwimmen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und doch bin ich hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Erinnerung, der ich mich nicht stellen möchte, aber sie hängt über mir, wie meine eigene schwere Gewitterwolke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die “Siebentrutz” hatte ihre Reise von Rossensprung aus angetreten, Teil jüngerer Bemühungen der Grafschaft diplomatische Kontakte jenseits des eigenen Terrains zu erschließen - immer mit dem Gedanken den langjährigen Konkurrenten Siebensteig damit endlich ausstechen und die geforderte Einheit wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Armee war neben dem Schutz des Botschafters auch die allgemeine Präsentation und aus irgendeiner Laune des Schicksals war meine Kompanie für diese Aufgabe ausgewählt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und abgesehen vom abergläubischen Gemurmel der Matrosen, die mir stets schele Blicke zuwerfen, war die Reise auch ereignislos verlaufen - bis zu jenem Abend.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während der Rest meiner Kameraden sich mit Kartenspielen die Zeit vertrieb, hatte ich das Glück, die eingeschränkte Laune Jerwalsons ertragen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zu jenem Abend, als die Regeln sich änderten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Mal demonstrierte er mir Sammlung, Verdichtung und Konzentration von Mana, die Bindung in Objekte hinein - etwas, was sich bis dahin vollkommen meinem Verständnis entzog (und es noch heute tut). Und dann .. geschah etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann es kaum in konkrete Eindrücke fassen, aber ich erinnere mich an das ungläubige Entsetzen in den Augen meines Lehrmeisters, die vollkommen konfuse Verwirrung, ein Ausdruck der endlich einmal das selbstzufriedene zynische Lächeln von seinem Antlitz wischte. Ich hätte Genugtuung in diesem Augenblick finden können, aber ich war selbst dabei um Atem zu ringen, gebeutelt von unsichtbar bleibenden Mächten, deren Vorbeiziehen meinen Geist wirbeln ließ. Für einen Moment, ich bin bereit darauf zu schwören, konnte ich die Magie sehen und die absurde Art und Weise, wie sie sich in eine unmögliche Richtung verbog. Das, wurde mir bewusst, musste die transitive Eigenschaft der astralen Ebene sein. Oder auch nur eine aus Panik geborene Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles .. bewegte sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe keine bessere Erklärung dafür, keine passenden Worte für die Transformation, die ihre Kraft aus der ungebundenen Kraft meines Lehrmeisters zog. Holz wurde zu Wasser, Metall wandelte sich in Luft, eine Kerzenflamme transformierte vor meinen ungläubigen Augen in eine sich windende Ranke.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Fassungslosigkeit ist das Letzte, an das ich mich erinnere, während die “Siebentrutz” um mich herum auseinanderbrach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach gab es nichts, bis ich die Augen am Strand dieser Insel wieder öffnete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 41|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Geschichte Ussarias - des Landes das zwischen zwei Gebirgszüge im Norden und Süden eingeklemmt liegt und dem Lauf der Usser bis zur Mündung folgt - erstreckt sich über einen Zeitpunkt von mittlerweile 450 Jahren. Will man der offiziellen Geschichtsschreibung glauben, dann wurde das Land damals von unerschrockenen Siedlern erobert, die vom Meer kommend, das lange Tal in Besitz nahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleiben ein paar Fragen offen, vor allem über die Dinge, die nicht erwähnt werden: Woher kamen diese Siedler? Es gibt keinerlei Erwähnung ihrer ursprünglichen Herkunft, dann und wann zu findende Details machen eher den Eindruck nachdrücklich erdachter Rechtfertigung als fundierter Forschung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Außer Frage steht, dass die Siedler hier recht bald auf ein paar Stämme von kleinwüchsigen und schwächlichen Orks stießen - zumindest wird der Name gebraucht, auch wenn die Beschreibung des Massakers an dem primitiven Volk mich zweifeln lässt: Das kann kaum mit dem modernen Bild eines Orks, wie es mir während meiner Ausbildung vermittelt wurde, in Verbindung gebracht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie dem auch sei, das ganze langgestreckte Tal wurde schließlich erobert und besiedelt, Siedlungen wie Breitenbach, Beiring, Grauhafen und Rossensprung begründet, um letztlich zu unterschiedlich beeindruckenden Städten zu wachsen. Die offizielle Geschichtsschreibung Ussarias beginnt mit der Anlandung der Siedler, im Jahr 73 kam es dann zu der großen Spaltung, ein Ereignis, das auch heute noch bestimmenden Einfluss über die ganze Region hat: Der Erbfolgestreit zwischen zwei Brüdern über die Grafenkrone Ussarias eskalierte und mündete in einem Bürgerkrieg. An dessen Ende stand die Aufspaltung Ussarias in zwei sich gegenseitig nicht anerkennende neue Grafschaft, die offiziell beide noch immer den Namen “Ussaria” führen, heute aber viel mehr als “Siebensteig” und “Auenstein” bekannt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die isolierte Lage des Tals, begrenzt durch Gebirge auf 3 Seiten und durch das Meer auf der vierten, erlaubte es nun über die kommenden Jahrhunderte hinweg dieser Fehde ungestört zu frönen - die politische Situation ist auch heute noch weitgehend unverändert. Die zahlreichen Kleinkriege haben die Grenze oft ein Stück in diese oder jene Richtung verschoben, aber letztlich vermochte es keine Seite die Oberhand zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rossensprung ist der einzige nennenswerte Hafen in Richtung des Meeres, konkurrenzlos trotz der Nachteile die sich durch die Lage im Sumpfdelta der Usser ergeben: Feuchtigkeit ist allgegenwärtig, liegt so dick in der Luft, dass beständig Wasser an den Wänden kondensiert oder von den Fenstern perlt. Nicht zu vergessen, dass die Stadt immer dabei ist im Boden zu versinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das ist gar nicht worauf ich hinaus möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ganze Landstrich brät seit Jahrhunderten im eigenen Saft mit nur geringem Austausch mit anderen Ländern. Kultureller Austausch findet nach meiner Einschätzung nahezu ausschließlich in Rossensprung selbst statt, einfach über hier anlegende Schiffe. Es darf also nicht verwundern, dass ich während meiner Zeit in Breitenbach oder Grauhafen keinen einzigen Nichtmenschen zu Gesicht bekam, erst in Rossensprung kam es zu einigen wenigen Begegnungen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich scheue mich fast, es überhaupt so zu nennen: “Sichtungen” ist ein vermutlich passenderes Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen fremden Völkern ist das der Elfen eindeutig am häufigsten anzutreffen: Es gibt eine kleine Gemeinschaft von Zwergen in Beiring - aber ich habe die Hauptstadt Siebensteigs nie mit eigenen Augen gesehen. Einem Schiff scheint dieses Volk sich aber nur sehr selten anvertrauen zu wollen. Orks kann man bestenfalls in Käfigen bewundern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elfen besuchen die Region häufig genug, dass es zwar so gut wie keine mir bekannten festen Einwohner dieses Volkes gibt, aber dafür einiges an Aberglauben - einiger lächerlich ehrfürchtig, anderer offen feindselig oder herabwertend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein eigenes Erbe war für lange Jahre etwas abstraktes, bedeutungsloses im Hintergrund: Natürlich wusste ich durch die schwärmerischen Erzählungen meiner Mutter von diesem Elfen, der - vermutlich - mein Vater sein musste. Aber ich besaß keine magischen Augen, keine spitzen Ohren, keine angeborene, majestätische Eleganz. Ganz im Gegenteil: Ich war ein Kind, das rasch hinter anderen Kindern meines Alters zurückfiel. Meine Erinnerungen an diese Zeit sind so gut wie nicht vorhanden, einiges existiert nur durch Erzählungen meiner älteren Halbbrüder (die nun selbst schon nahezu vergessen sind), aber das scheint ein durchgehendes Thema gewesen zu sein: Ich lernte später laufen und sprechen, ich war länger eine hilflose Bürde als meine Geschwister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während meine Gefährten der späteren Jahre allmählich zu Erwachsenen heranwuchsen, blieb ich noch ein Kind.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zurückblickend lässt sich das leichter einschätzen, zumindest was die ersten Jahre in Grauhafen angeht: Das war 433, ich war bereits sechzehn Jahre alt, passte aber körperlich und auch geistig viel eher in ein Rudel von Zwölfjährigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnerte mich erst wieder bewusst an meine Herkunft, als ich tatsächlich aufhörte ein Kind zu sein: Zu den sichtbaren Veränderungen gehörten auch die dezenten Ohrspitzen, Aspekte in meinem Antlitz die schon immer dagewesen waren, prägten sich deutlicher hinaus.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich stelle mir vor, dass das in einer anderen, mehr offenen Gesellschaft nahezu unbeachtet geblieben wäre, aber die allermeisten Menschen in Auenstein hatten Elfen so selten einmal gesehen, dass mein Anblick trotz der eher subtilen Anzeichen fälschlich als vollständiges Elfenblut verstanden wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In gewisser Weise amüsant: Mein einziges Zusammentreffen mit einem echten Elfen schlug mir die Unterschiede regelrecht ins Gesicht: Die beeindruckende Größe im Vergleich zu mir, die ungewöhnliche Hautfarbe, die fremdartigen Züge und die Sprache. Nie in meinem Leben war ich mir selbst meiner Unzulänglichkeiten und Makel so bewusst, wie vor dem scharfen Auge des elfischen Händlers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war nicht einmal unfreundlich. Aber die Mischung aus Mitleid und offener Verachtung stach.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 43|CONTENT=&lt;br /&gt;
Vor Jahren fragte Ludwig mich einmal, was ich mit meinem Leben vorhätte. Was die Pläne und Ziele wären, die sich darin finden, die mich beflügeln und motivieren würden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich gut an den Abend: Wir hatten unsere heimlichen Unterweisungen bei der blinden Seherin gerade hinter uns gelassen und waren auf ein paar zusammengenagelten Planken mit einer Laterne in der Hand in die westlichen Sumpfwiesen hinausgestakt. Die meiste Zeit des Jahres stand das Wasser hier eine gute Hand über dem Boden, aber &amp;quot;Boden&amp;quot; war eine irreführende Bezeichnung für eine Sammlung von Schlick, toten Ästen, Blättern und ähnlichem. Er erweckte den Eindruck von Solidität, solange man nicht dumm genug war seinen Fuß darauf zu setzen um diesen Eindruck zu prüfen. Wer dieses Wagnis doch einging, der versank sogleich bis zum Hals ohne je tatsächlich festen Grund unter die Schuhe zu bekommen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Masse zu schwimmen war faktisch unmöglich, selbst für jene, die diese Fertigkeit erlernt hatten - aber solange man nicht zappelte, würde man auch nicht weiter untergehen, sondern im Gleichgewicht treiben. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Entwürdigend, aber nicht sonderlich gefährlich, solange es noch einen Begleiter gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne einen Begleiter sah es anders aus: Dieses Areal hier war die Brutstätte von Brackwasserkrebsen und diese betrachteten alles als Beute, was sich in ihre Reichweite begab. Eben diese Krebse waren aber auch ihrerseits begehrtes Gut: sie wuchsen bis zu doppelter Fingerlänge heran und waren zwar nicht gerade als Delikatesse bekannt, aber dafür in scheinbar unerschöpflicher Menge vorhanden: Wer hier zur Abendstunde hinausfuhr, der konnte immer irgendwo die Lichter anderer Krebssammler sehen. Insbesondere wenn dann Nebel aufzog, streute das Licht der Laternen weit, zeichnete weiche Aureolen, die den halben Sumpf zum glühen brachten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals dachte ich mir nicht viel bei der Frage, aber das Gefühl von Befremdung ist noch immer deutlich im Blick zurück. Was bedeutete diese Frage? Für mich war der Blick nach vorn immer ein sehr kurzer gewesen. Zunächst konzentriert darauf etwas im Magen zu haben oder einen trockenen Platz zum schlafen. Später dann darauf meinen Status zu halten, sich abzeichnenden Gefahren auszuweichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es gab keinen Plan dahinter, keinen Antrieb. Ich ließ mich einfach tragen wie ein Blatt, das der Herbstwind auf eine Reise entführte. Wie farblos war das neben der sprudelnden Vorstellungskraft Ludwigs, der mir bereits im Detail beschreiben konnte, welche Schritte in den kommenden Jahren auf ihn warteten, der voller Zuversicht bereit war sich diese noch ungeformte Zukunft Untertan zu machen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sein Weg schien bereits vorgezeichnet: Abschluss der Schusterlehre, dann Auszug als Geselle aus Rossensprung, danach andernorts formelle Ausbildung zum Jungmagier. Während er mir all das in glühenden Farben beschrieb, hegte ich keinen Zweifel daran, dass es genau so kommen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konnte ich neben dieser überströmenden, schöpferischen Kraft nun einfach die Schultern zucken und zugeben, dass ich ganz zufrieden mit meiner Stelle als Schreiber für Haus Telketh war, dass mich der Sumpf gar nicht so sehr störte, wie die Klagen es manchmal erscheinen ließen, dass selbst die Magie zu mir gekommen war, wie eine unerwartete zusätzliche Hausarbeit auf einer bereits ausführlichen Liste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Sobald ich hier herauskomme, werde ich das Elfenvolk suchen. Nicht einmal um meinen Vater zu finden, sondern einfach um mehr über mein Erbe zu lernen, darüber, wer ich bin und wer ich sein kann.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er strahlte. Und ich fühlte mich .. interessant. Ich lauschte seinen Plänen, fasziniert und erstaunt zu gleichen Teilen über seine Fähigkeit die noch ferne Zukunft mit kraftvollen Worten zu fassen, wie ein Schreiber, der zum ersten Mal Tinte auf noch jungfräuliches Pergament ausbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühlte kein schlechtes Gewissen wegen der rasch gesponnenen Lüge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Jahre später, verstehe ich die Vergeblichkeit dieser frohen Pläne. Ich habe gesehen, wie die Karten sich ausspielten. Das ist es, denke ich, was es bedeutet aufzuwachsen: Zu erkennen, dass man am Ende doch nur ein Blatt ist, das stärkere Winde herumwirbeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt haben sich mich auf diese Insel hier getragen, an einen Platz dessen Eintönigkeit wie ein Spiegel für mich selbst ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht wird es Zeit, dass ich aus einer alten Lüge endlich eine Wahrheit mache, auch wenn Ludwigs eigene Pläne schon lange nicht mehr das sind, was sie damals waren. Wenigstens einer von uns kann sein Wort halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 49|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein neuer Tag. Ein alter Tag. Der Regen fällt und die Gespräche laufen, festgefahren in ihren Bahnen wie ein Bach, der sich mit den Jahrhunderten ein Bett in den Fels grub. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum bin ich hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum bin ich noch immer hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wanderung über die ruhig liegende Insel offenbart nichts Neues, selbst im Muster der gegen den Strand laufenden Wellen glaube ich mittlerweile ein Muster zu finden. Das ist irrational, aber allein der Gedanke zerrt bereits an meinen Nerven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin dieses Ortes müde. Wieviele Tage?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich habe aufgehört zu zählen, aber aus den einzelnen Blättern ist ein ganzer Stapel geworden, hastig hingeworfene Erinnerungen an die Lektionen aus dem Mund einer Blinden und eines zynischen Säufers. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenartig, wieviel Trost darin liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde ich dahin zurückkehren, wenn ich könnte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage begleitet mich durch den Tag, bleibt ein treuer Gefährte, während ich auch heute ein neues Blatt Papier eintausche und dem Schneider einmal mehr dabei helfe seine Schere zu schleifen. Die Frage ist an meiner Seite als die Sonne am Nachmittag ihr Gesicht hinter grauen Wolken verbirgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann - unversehens, ungeplant - finde ich mich vor dem scharfen Blick des Fährmanns, der mich fixiert und .. misst. Als wäre er hier nicht Dienstbote, sondern König. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum ersten Mal spüre ich wie die klamme Furcht von mir fällt als er spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;b&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du hast dir viel Zeit gelassen, Fel.&amp;quot;&amp;lt;/b&amp;gt;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich an diese Stimme. Sie ist ..&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gegenwart: Die Neue Welt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gedanken und Meinungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Ba&#039;thal|CONTENT=&lt;br /&gt;
Er hat keine Gelegenheit ausgelassen um mich daran zu erinnern, was ich bin.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich kann ihm sein Sentiment nicht verübeln: Seine Perspektive ist eine, die sich über mehr Zeit erstreckt als ich mir vorstellen kann. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun macht er gute (oder zumindest neutrale) Miene zum bösen Spiel, aber ich denke er wartet nur darauf die kleinste Verfehlung anklagend gegen mich zu wenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist, das versprechen mir seine Augen, ein Geschöpf dessen Gnade von den Gestaden der Zeit fortgewaschen wurde. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Cillian Lindhain|CONTENT=&lt;br /&gt;
Hinter der lächelnden Fassade versteckt sich ein Mann, der alles daran setzt sich selbst davon zu überzeugen, dass er nichts Ernst nimmt. Ich glaube, er wäre gern ein Zyniker, der für die Welt und ihre Anwohner nurmehr Spott und Verachtung übrig hat. Aber das ist er nicht und ich denke, dass er sich trotz allem jeden Tag ein wenig mehr davon entfernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenartigerweise, trotz profunder Unterschiede, fühle ich mich ihm mehr verbunden als allen anderen Mitgliedern der Hafengruppe. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin nicht ganz sicher warum: Erinnert er mich an das, was Jerwalson in seiner Jugend hätte sein können?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Elira Raureif|CONTENT=&lt;br /&gt;
Sie ist .. befremdlich. In ihrer Weltsicht, die so tut als gäbe es kein Grau zwischen Schwarz und Weiss. In der Art und Weise, wie sie Entscheidungen trifft und zwar sehr viel robuster, als man meinen sollte, mit einer Unverblümtheit, die keinen Raum für Zweifel lässt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
An manchen Tagen denke ich, sie hätte unter anderen Umständen einen formidablen Paladin abgeben können und dann sind da die Momente, in denen meine Paranoia mir zuflüstert, dass sie uns alle - und mich im Besonderen - an der Nase herumführt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal frage ich mich, was Fenrik und sie aneinander finden. Und dann ist es wieder so offensichtlich wie ein Faustschlag ins Gesicht und ebenso schmerzhaft.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Fenrik Wintal|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Mann ist mir ein Rätsel. An der Oberfläche ist alles klar: Ein robuster Raufbold und Tunichtgut, unbekümmert und rasch entschlossen. Unhöflich, handgreiflich, gierig. Ohne Elira als ständiger Quell bedingungsloser Bewunderung und Bestätigung wäre er gewiss eine Gefahr für jede atmende Kreatur in seinem Weg.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Warum ist er hier? Ich nehme ihm seine Liebe nicht für einen halben Herzschlag ab. Aber was plant er? Und wer bezahlt ihn? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie lange wird das noch gutgehen?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Lin Schlehendorn|CONTENT=&lt;br /&gt;
An den meisten Tagen denke ich, dass Lin das einzige wirklich aufrichtige Mitglied der kleinen Hafengruppe ist. Auch wenn ich relativ sicher bin, dass ihr schon diese Einordnung nicht gefallen würde. Sie hat Ambitionen, daraus macht sie keinen Hehl und alles was sie tut ist in irgendeiner Art und Weise diesen fernen Zielen untergeordnet. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist etwas, was ich nur bewundern kann: Sie lässt sich nicht einschüchtern, ganz gleich wie weit entfernt ein Palast und das tägliche Bad in frischer Stutenmilch aus sein mögen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Vermutung ist daher auch, dass sie an Cillian aus aktueller Bequemlichkeit festhält und nur genau so lange, wie seine Kurzweiligkeit und Nützlichkeit den Aufwand wert sind. Sobald sich am Horizont der Anschein etwas Besseren ergibt, wird sie ihn fallen lassen, wie eine heisse Kartoffel. Ich vermute, das ist ihnen Beiden auch durchaus bewusst.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Livius Quintus|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich dachte ich würde ihn verstehen: Ein Mann der seine besten Jahre bereits hinter sich hat, noch immer hadernd mit dem unvermeidlichen Niedergang. Das ist nichts, was ich nicht zuvor schon andernorts gesehen hätte: Ein Mann gerade balancierend zwischen Selbstverleugnung und Akzeptanz, jemand, der das Versprechen des drohenden Endes bereits am Horizont erahnt und weiss: Es bleibt nicht mehr soviel Zeit, wie man einst dachte. Es wird Zeit die Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Das Haus zu richten. Erben zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nichts davon geschieht. Was bedeutet das? Und welche Rolle spielt Shira dabei?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Shira|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich weiss nicht, was sie ist. Ich verstehe nicht, was sie motiviert. Ich habe nicht einmal einen Maßstab, um ihre Existenz einzuordnen. Bis vor wenigen Tagen glaubte ich diese Beziehung zu Livius wäre eine von einseitiger Abhängigkeit: Eine mit einem Lächeln angezogene Kette um den Hals des Magiers. Aber nun habe ich meine Zweifel. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschichte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ankunft in Nebelhafen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Morgen war kühl genug, dass Fel unter der dünnen Decke fröstelte, die sie am gestrigen Abend an den Docks Nebelhafens halb erkauft, halb erbettelt hatte. Eine Schiffsbrüchige konnte nicht wählerisch sein, daran erinnerte sie genauso auch das Knurren des Magens - die eigenartige Frucht, die sie am Feuer unter der Anleitung Noa Feldspans verspeist hatte, war schon lange verdaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hunger war gut. Hunger bedeutete Antrieb und Motivation, solange man ihn nicht soweit wachsen ließ, dass er schließlich am Bewusstein selbst zehrte. In gewisser Weise war all das vertraut: Das Nächtigen an zufällig ausgewählten Plätzen in notdürftig zurechtgemachten Lagern, das Grummeln im Magen zu Beginn jedes Morgen, verlässlicher als selbst das Aufgehen der Sonne, die sich gerade heute hinter einer dichten Wolkendecke verbarg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiss: Die letzten Jahre hatten wenig davon gesehen, aber die Erinnerungen an damals waren präsent, wie tiefe Kerben in Holz, die wieder sichtbar wurden, wenn man die dünne Schicht an Farbe darüber abscheuerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Aber ich bin nicht mehr, wer ich damals war.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam mit einem Fetzen von Reue: Die Ankunft hier in Nebelhafen nach dem Ende der &amp;quot;Siebentrutz&amp;quot; hatte die Möglichkeit eines vollkommenen Neuanfangs geboten, aber ohne den rechten Kopf um damit zu planen, war ihr die Möglichkeit eines falschen, eines neuen Namens nicht in den Sinn gekommen. Nun war es bereits zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wenn Namen Identität sind, dann bin ich allein dadurch an meine Vergangenheit gebunden, wie eine Marionette an ihre Fäden.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Spaziergangs an den Docks entlang, spielte Fel mit dem Gedanken, was ein passender Name gewesen wäre, steigerte sich schließlich in mehr und mehr lächerliche Konstrukte, die sich durch eine Vielzahl von Apostrophen und Zwischensilben auszeichneten, bis der knurrende Magen beinahe vergessen war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese neue Welt .. das war Potenzial. Ein einziger Abend hatte bereits ausgereicht um das zu verdeutlichen: Nicht einmal war sie auf Anhieb auf eine Elfe gestoßen - und eine andere Gestalt, bei der es sich möglicherweise ebenfalls um eine Elfe handelte - noch dazu hatte sich gezeigt, dass es eine Varianz in den Worten der Macht gab: Das stabile Fundament auf dem Fel ihre Ausbildung bis dahin erbaut sah, begann bereits zu bröckeln in Anbetracht dieser neuen Informationen. In Ussaria gab es nur einen einzigen Pfad der Magier - hier gleich deren vier. Was hatte das zu bedeuten? Welche Ordnung ließ sich dahinter ausmachen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Sonne sich endlich aus der Umklammerung der Wolken befreite, erkundete Fel weiter Nebelhafen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Aller Anfang ist schwer|CONTENT=&lt;br /&gt;
Letztlich war Fel nicht vollkommen sicher, wie weit es mit der Gastfreundschaft der Schneiderin tatsächlich her war, aber für den Moment war es ausreichend ein richtiges, wenn auch einfaches Bett zu fühlen, die Möglichkeit zu haben die Türe hinter sich zu schliessen. Die &amp;quot;Siebentrutz&amp;quot; hatte solchen Luxus nicht einmal für ihren Kapitän geboten, umso weniger für mitreisende Gäste, die sich die knappen Schlagplätze in Schichten teilten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Warnung war unverzüglich erfolgt: Nur für zwei Nächte. Aber das waren Sorgen für morgen oder übermorgen. Bis dahin konnte sich bereits alles geändert haben. Schon ein einziger Tag hatte gewaltige Unterschiede gemacht, hatte Fel erlaubt Bekanntschaften zu knüpfen, erste vorsichtige Bande zu flechten - speziell zu dem argwöhnischen Lama, das nun irgendwie zu ihrem Haustier geworden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gleichen Maße hatte Fel aber auch erkannt, wie abgeschieden vom Fortschritt Ussaria mit seinen Jahrhunderten von Eigenbrödelei und Bürgerkrieg war, wie viele Einsichten und Wunder die Welt drumherum kannte. Tränke, mit denen sich Lebewesen zusammenschrumpfen ließen? Sie konnte auf Anhieb nicht einmal ein Prinzip formulieren, um diese erstaunliche Wirkung in Spruchzauberei zu übersetzen.&lt;br /&gt;
Gleich fünf Pfade der Magie warteten hier, erlaubten eine bislang unbekannte Spezialisierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Eindrücke mussten niedergeschrieben, fixiert werden, solange sie noch frisch waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Rückseite eines abgerissenen Aushangs formulierte Fel schliesslich im kargen Licht der einzelnen Talgkerze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;Bislang war für mich die Wirkung und Funktionsweise von Reagenzien simpel: Sie liefern eine spezifische Form von Energie, die bei ausreichender Kompatibilität genutzt werden kann, um einen Zauber zu wirken. Sie sind damit eine der absolut unerlässlichen Grundbedingungen neben den Worten der Macht, Mana und dem Intent. Wenngleich die Wirkungsweise der Reagenzien bisweilen Raum zur Diskussion lässt, war bislang eines zumindest für mich vollkommen klar: Sie liefern eine objektive, theoretisch sogar meßbare Menge an Energie, verlässlich, weitgehend reproduzierbar und gänzlich unabhängig von den Eigenheiten des Zauberwirkers.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Ausführungen von Soryia Schwarz haben mich nun auf die Spur von vier, mir bislang unbekannten Reagenzien gesetzt: Obsidian, Molchaugen, Knochen und Fruchtbare Erde. Diese vier Reagenzien stehen in engem Zusammenhang zu den mir bislang ebenfalls unbekannt gewesenen fünf Pfaden - vieren eben dieser Pfade wird genau eine dieser neuen Reagenzien zugeordnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war noch nicht genau in der Lage zu evaluieren, ob die reine Möglichkeit Energie aus den Rwagenzien zu ziehen, bereits pfadgebunden ist. Falls ja ermöglicht das einige weitere Spekulationen über die dahinterstehenden Prinzipien und damit vielleicht auch eine Erklärung, warum die bekannten acht Reagenzien überhaupt funktionieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seien wir ehrlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir unter den Tausenden und Abertausenden an Stoffen und Teilen dieser Welt ausgerechnet die einzigen acht gefunden hätten, die für Magie geeignet sind, ist so gering, dass es keiner Diskussion wert ist. Ich habe mich daher stets gefragt, ob es nicht noch Unmengen an anderen potentiellen Reagenzien gibt, die sich uns schlicht noch nicht erschlossen haben und - falls ja - was uns daran hindert sie zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik mit den Pfaden lässt mich nun nachdenken, ob noch mehr dahintersteht: Kann es sein, dass etwas an uns Zauberwirkern schlicht mit der richtigen Reagenzie resoniert? Falls ja müsste das aber bedeuten, dass fremdartige Völker oder Rassen dann auch Zugriff auf andere, für uns nutzlose Reagenzien haben könnten.&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Kammer|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die kleine Kammer unter dem Dach des Gasthauses war ursprünglich Teil eines weit grösseren Raums gewesen. Findiges Geschäftsinteresse hatte den zuvor brachliegenden Dachboden allerdings rasch als mögliche Goldgrube erkannt: Direkt nach der ersten Welle von Ankömmlingen hier auf dem neuen Kontinent, waren dünne Zwischenwände eingefügt worden, teilten den verfügbaren Platz in präzise, knappe Rechtecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ein wenig wie die Koben eines Schweinestalls.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz zu Beginn - so hatte Fel sich zumindest erzählen lassen - gab es nur Vorhänge aus muffig riechendem Segeltuch jeweils vor den Ausgängen. Dieser Tage versprachen abschließbare Türen zumindest ein wenig private Abgeschiedenheit in den fensterlosen kleinen Kammern, gerade eben gross genug für ein schmales Bett und ein Nachtschränkchen an dessen Kopfende. Bislang war die Enge nur an den heissen Tagen des Sommers ein Problem gewesen: Wenn das Dach sich aufheizte, gab es für die Luft selbst bei geöffneter Türe so gut wie keine Möglichkeit mehr zu entkommen. Aber gutes Wetter versprach eben auch die Möglichkeit von hier zu fortzugehen, auswärts zu schlafen wie viele der Glücklosen, die keine feste Bleibe gefunden hatten und sich mit einem Zelt oder auch nur einer Plane glücklich schätzten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie die Tage aber kürzer und kürzer wurden, stieg der Bedarf an einem festen Dach über dem Kopf und das wiederum trieb die wochenweise zu zahlende Miete für die Unterkunft in stetig neue Höhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Fel verhieß das nichts Gutes: Das Auskommen für Hilfsarbeiten beim Hafen, bei der Korrektur von Büchern und dem Verfassen von Briefen war unregelmässig und gering, gerade eben genug um bislang mit den Preisen für das Leben als solches mitzuhalten. Selbst das Sammeln von Kräutern erwies sich jeden Tag als ein wenig schwieriger, unproduktiver: Die nähere Umgebung Nebelhafens war schon lange abgegrast, dass es nun langwierigere Wege brauchte und damit auch die stetige Gefahr gefährlichen Wildtieren über den Weg zu laufen. Mit der Ahnung des Winters am Horizont schien klar, dass auch diese kargen Einkünfte nicht sehr viel länger halten würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Zumindest hätte ich dann wieder mehr Zeit um etwas zu lernen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Galgenhumor an diesem Gedanken schmeckte ein wenig zu bitter wegen der Wahrheit darin: Die Studien hatten gelitten und die verfügbaren Mittel erlaubten ihr schon länger nicht mehr über Theorien und Worte zu schreiben - weder Papier noch Feder oder Tinte gab es für umsonst und das hieß die begonnene Zusammenfassung einst erworbenen Wissens war zu diesem Zeitpunkt kaum mehr als eine Absichtserklärung. Nicht genug um irgendjemanden von Potential zu überzeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst jetzt gehörten die kostbaren Abendstunden der Arbeit, beugten sich der Notwendigkeit Wäsche zu erledigen, gesammelte Kräuter und Pilzen an aufgespannten Leinen quer durch die kleine Kammer aufzuhängen und die Beute früherer Tage sorgsam zu trocknen und auf mögliche Schäden zu untersuchen. Eine ganze Anzahl Alraunen warteten unter dem Bett nur auf den nächsten Mondwechsel für die weitere Verarbeitung und der schon länger wartende Ginseng war kurz davor in klebrige Paste verarbeitet zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Alles hängt davon ab, dass ich wenigstens diese Kammer hier halten kann. Wo sollte ich das sonst aufgewahren?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei - das hatte sich unverhofft gefügt - war dieser letzte Abend ein erstaunlicher Erfolg in verschiedener Hinsicht gewesen: Zum Einen hatte Fel es fertiggebracht den ersten Teil ihrer Wäsche fertigzustellen ohne den mitgenommenen Stoff weiter zu beschädigen, zum anderen hatte sich ein wenn auch wackeliges Arbeitsangebot ergeben - fast schon genug, um die Warnungen des Magiers in den Hintergrund treten zu lassen. Dessen Anspielungen ließen erahnen, dass es sich bei dem rotbeschopften Barden um einen eher zwielichtigen Gesellen handeln musste: Vielleicht ein Trickbetrüger oder tatsächlich ein an Land gespülter Pirat. Das Gespräch war auf jeden Fall kurzweilig gewesen, eine willkommene Abwechslung zu viel eintönigeren Pflichten und Notwendigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und am Ende: Der Ork. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die geforderte Botschaft zu übermitteln war eine Kleinigkeit gewesen und die dafür gezahlte Belohnung versetzte Fel einen regelrechten Stich: Das so beiläufig ausgeschüttete Handgeld war genug um die Miete der kleinen Kammer für die kommenden zwei Wochen zu zahlen und der Ork schenkte es mit einem barbarischen Grinsen fort, als wäre es bedeutungslos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war ein Gedanke, der bei Fel blieb, während sie noch Stunden später nach oben auf die kreuz und quer verlaufenden Schnüre durch ihr winziges Zimmerchen starrte, darauf wartend, dass die Nachbarn endlich ihren täglichen Streit beendeten und dem Geschrei nicht weniger laute, aber zumindest absehbare Tätigkeit folgen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Gedanken und dem Bild eines lächelnden Dunkelelfen vor Augen tauchte Fel schließlich in das nächtliche Vergessen ein.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Geist und die Dunkelheit|CONTENT=&lt;br /&gt;
Mitten in der Nacht war der Regen gekommen: Unverhofft und unangekündigt, ein Wolkenbruch wie der Wutausbruch eines Kindes, dessen Zorn sich binnen weniger Minuten wieder erschöpfte. Das Trommeln des Wassers auf dem Dach hätte Fel unter anderen Umständen aus dem Schlummer gerissen, aber heute war der tosende Lärm des auf hohl liegende Schindeln fallenden Wassers eine willkommene Abwechslung in schlafloser Unruhe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem vorausgegangen waren Stunden des Starrens auf die kreuz und quer gespannten Fäden, das Blättern in der wilden Sammlung mitgenommener Papiere. Selbst an der Ergänzung der eigenen Notizen mit den Hinweisen und Korrekturen der zufällig besuchten Unterweisung zu den Worten der Macht hatte Fel sich bereits versucht, aber ein um das andere Mal ertappte sie sich dabei, wie die Hand verharrte und die Gedanken zu dem Zusammentreffen des letzten Abends zurückkehrten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hatte der Abend allzu gewöhnlich begonnen: Eine Konfrontation mit dem trübäugigen Nachbarn aus der Nebenkammer, dessen Schnarchen sich später selbst gegen das Tosen des Regens behaupten sollte. Die Zahlung der Miete für die nächste Woche - der Anblick der mühsam verdienten Münzen, die in der Tasche der spröde lächelnden Vermieterin verschwanden, brach Fel schier das Herz. Und natürlich all die kleinen Aufgaben, die zu ergattern sie in der Lage gewesen war: Heu wenden auf einem der Felder, die Fütterung übernehmen für ein ganzes Rudel kläffender Hunde, Wäsche sortieren für besser betuchte Haushalte. Nichts davon war an sich herausfordernd - Zeit war letztlich die einzig notwendige Ressource, die es einzusetzen gab. Besser bezahlte Aufgaben hatte es einige, aber sowohl die Arbeit in einem der Holzfällertrupps als auch die Unterstützung im Bergwerk erforderten mehr Kraft und Durchhaltevermögen als Fel ihr eigen nannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann die Dunkelelfen, das Gespräch in tiefen Schatten vor bröckelnden feuchten Ziegelmauern: süße Versprechen, zusammengewoben mit scharfen Drohungen. Zuckerbrot und Peitsche, die gebende und die bestrafende Hand, beide jeweils ausgestreckt in der vermeintlichen Verheissung einer Wahlmöglichkeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Gefahr, obgleich sie das Herz Fels zur Eile trieb, hatte etwas eigenartig Vertrautes, rührte an fast verblassten, ungeliebten Erinnerungen früher Tage. Damals schien jeder Tag von Giganten beherrscht, die aus einer Laune heraus Leben oder Tod brachten. Meist war es besser sich zu ducken, in den Schatten zu verweilen, unaufällig bis die prüfende Aufmerksamkeit vorübergezogen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Aber nicht hier. Nicht mit Kreaturen, die in die Schatten verbannt wurden und darin lebten, bis sie selbst ein Teil davon wurden.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch, nun, da die Gedanken ruhelos über die Ereignisse, die gewechselten Worte und die Eindrücke des Abends kreisten, vermochten sie nicht anders als sich auf Details zu fokussieren, Muster und Möglichkeiten gleichermaßen an die Oberfläche zu zerren. Die Umstände waren .. ähnlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich bin nicht mehr, wer ich damals war. Nicht ganz.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der vermeintlich glatten Front hatte es Spannungen gegeben. Noch keine Sprünge, noch keine Risse, aber vielleicht, wenn an der richtigen Stelle ein wenig gebohrt, ein wenig erprobt wurde ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schlaf mochte auch nach dem Ende des Regens nicht kommen, aber Fel träumte nichtsdestotrotz.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Hoffnungsvolle Suchen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Jeden Tag wurden die Nächte ein wenig länger: Was im Sommer nach ein gemütlicher Spaziergang bequem nach Sonnenaufgang gewesen war, hatte sich spätestes mit der Ankunft des Herbstes gewandelt: Dieser Tage schlich Fel in einen dicken Mantel gewickelt noch vor dem ersten Licht aus dem Tor Nebelhafens, fröstelnd in der klammen Kälte und darauf hoffend, dass die Stiefel einen weiteren Übergriff von Tau überstehen würden. &lt;br /&gt;
Es war immerhin die richtige Jahreszeit für die Suche nach gewissen Moosen und Pilzen, die sich im abgeworfenen Laub der Bäume versteckten - aber dieses offene Geheimnis trieb auch genug Konkurrenz an, dass die zurückzulegenden Wege jeden Tag ein Stück weiter wurden. Nur abseits der ausgetretenen Pfade und der bequemen Wildwechsel ließ sich noch ergiebige Beute machen aber das wiederum zog die Stiefel zusätzlich in Mitleidenschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere, dessen war Fel sich nur zu bewusst, drehten sich zu dieser Stunde noch einmal im Bett um. Das war eine Lektion, die sie bereits früh gelernt hatte: Manche besaßen eine Begabung aus der sie - im übertragenen Sinne - Geld machen konnten: Geschickte Hände, blitzschnelle Auffassungsgabe, eine robuste Natur oder natürliche Streitlust. Andere hatten eifrige Lehrmeister, bemühte Tutoren und geduldige Patrone. Einige vereinten gleich Beides miteinander und vermochten auf diese Weise über sich und ihre Anlagen hinauszuwachsen, reiften zu inspirierenden Koryphäen, zu bedeutenden Anführern oder zumindest bewunderten Handwerkern heran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Gedanken lag eine Erkenntnis, die auch jetzt, Jahre nach dem ersten Bewusstwerden noch immer stach: All das war ausserhalb von Fels Reichweite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei, so sinnierte sie, während sie sich unter dichten Brombeergestrüpp duckte und taufeuchtes Moos behutsam von einem toten Baumstamm entfernte der beinahe vollkommen überwuchert worden war, war das weniger eine Frage der Bereitschaft, als schlicht eine Frage des fehlenden Talents: Kein Geschick für Handwerk, eine gewisse Zielstrebigkeit aber ohne die brilliante Auffassungsgabe, die Andere auszeichnete, generell eine gewisse .. Langsamkeit, vermutlich irgendwo auf den Anteil des elfischen Erbes zurückgehend: Für das alte Volk spielten ein paar Jahre oder sogar Jahrzehnte vermutlich keine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Es ist als hätte ich das Schlechteste von beiden Seiten bekommen. Kein Fisch und kein Fleisch, irgendetwas in der Mitte.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem dichten Moos verbarg sich dichtes, weissliches Pilzgeflecht, dem Fel nun sorgsam zuleibe rückte: Die Berührung von Metall, so hatte man es ihr eingeschärft, würde die besonderen Eigenschaften ebenso ruinieren wie der Einfluss direkten Sonnenlichts. Genauso verboten war jedoch auch der direkte Kontakt mit der Haut, in diesem Falle jedoch nicht wegen eines etwaigen Schadens für den Pilz: Der &amp;quot;austreibende Bortenträger&amp;quot; war berüchtigt dafür auch lebendes Gewebe zu befallen und die farbigen Schilderungen hatten Fel beinahe genug abgeschreckt. Beinahe. Aber die Miete zahlte sich eben nicht allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fund blieb an diesem Morgen der Einzige dieser Art, aber der freie Streifzug hätte sich dennoch ausgezahlt, wenn Fel dann nicht ein Loch in der Sohle ihrer Stiefel entdeckt hätte. Das ruinierte die Bilanz des Tages bereits nachhaltig und gemahnte sie einmal mehr daran, dass es im Wettrennen gegen den kommenden Winter nur einen Sieger geben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Also alles auf eine Karte.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Knappe drei Stunden später wurde in der Bank von Solgard ein Schreiben hinterlegt, die letzten Münzen investiert in frische Tinte und ein neues Stück Pergament.&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=|CONTENT=&lt;br /&gt;
An Livius Quintus,&lt;br /&gt;
Oberster Hüter der Bewahrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Euren Antwort auf meine Aushänge mit Aufmerksamkeit studiert. Vielen Dank dafür: Die Ausführungen haben mir bereits erlaubt einiges an meinen Schlüssen bezüglich der Pfade und ihrer Eigenschaften zu korrigieren und zu ergänzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr habt das Interesse ausgedrückt solche Gespräche auch auf andere Themen auszuweiten. Ich würde Euch hier gern beim Wort nehmen und erbitte hiermit Eure Zeit für eine persänliche Unterredung - zunächst einfach um Erwartungen und Möglichkeiten kurz zu diskutieren. Ich bin mir bewusst, dass Eure Zeit wertvoll ist, würde mich bezüglich eines Termins - und Treffpunktes daher ganz nach Euch richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den besten Grüssen&lt;br /&gt;
Fel Maris&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Im Herzen des Sturms|CONTENT=&lt;br /&gt;
Den ganzen Tag über hatte der Sturm bereits am Horizont gegrollt: Ein dumpfes, beleidigt wirkendes Rumpeln wie von unterdrückter Wut, gefangen in einem Band dunkler Wolken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Betrieb am Hafen tat das keinen Abbruch, nur dann und wann äugten Seeleute herüber, um abzuschätzen, wie viel Zeit noch blieb, um Ladung zu löschen oder einzubringen. Der Sturm, so hatten sie gelernt, war letztlich eine Kraft wie die Gezeiten oder die Strömungen - vielleicht etwas unberechenbarer, aber letztlich in gleicher Weise unvermeidbar. Das hinderte sie nicht daran Gesichter in den sich zusammenballenden Wolken zu suchen, einen Willen hinter den Winden, dem trommelnden Regen und den zuckenden Blitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seeleute, so dass Fel stets gefunden, waren ein abergläubisches Volk, immer bereit Geschichten zu spinnen über zürnende Geister des Meeres, über verfluchte Schiffe und rastlose Suchen nach Schatzkisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Früher, in einer Zeit, die ihr nun wie ein anderes Leben erschien, war das mehr von Bedeutung gewesen als dieser Tage, da sie sich hütete, einen Fuß auf irgendein Schiff zu setzen. Nicht wegen Aberglaube natürlich - nur aus einem gesunden Gefühl von Respekt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und doch bin ich hier.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gewöhnlich war der Tag von Pflichten gefüllt gewesen: Die Prüfung von Ladungslisten in einem schäbigen kleinen Kontor ganz am Rande des Hafens, das den Eindruck erweckte aus Treibholz und Trümmern zusammengesetzt worden zu sein und nun nur dank störrischer Hoffnungen des Eigners von einem Tag auf den Anderen überlebte. Die Aufsicht über einen vertätschelten winzigen und überaus schlechterzogenen Hund, der in selbstmörderischer Kühnheit alles ankläffte, was sich ihm näherte und mit bemerkenswerter Aggression nach Stöckchen, Fingern und Steinen schnappte. Der Transport ganzer Körbe mit Wäsche, die nur darauf wartete, anschließend gefaltet und gelegt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazwischen hatte es wenig Zeit gegeben, über die Wendungen und Ereignisse der letzten Tage nachzusinnen, über den Impuls von Veränderung, der sich heute - so war zumindest der Plan - in einem vorläufigen Höhepunkt entladen würde. Dabei waren diese Entwicklungen von überwältigender, den ganzen Alltag bestimmender Bedeutung: Das kleine Zimmerchen, welches sie sich nun mit Veronica teilte, war nicht sehr viel günstiger als die winzige Dachkammer, aber es erlaubte eine gewisse Luft zum atmen, war geräumig genug für einen richtigen Tisch und ein paar Stühle. Bis jetzt hatte sich die kleine Wohngemeinschaft als unkompliziert erwiesen, auch wenn die raue Nachbarschaft künftige Probleme erahnen ließ. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Gespräch mit Livius Quintus war schließlich der letzte Anstoß gewesen, hatte den entscheidenden Impuls für den Entschluss geliefert, der dazu führte, dass Fel nun, während die Sturmfront nahte, auf einem winzigen Ruderboot im Hafenbecken Nebelhafens ausharrte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich, dessen war sie sich nur zu bewusst, hätte dies eine Konfrontation auf hoher See sein müssen, heroisch auf Deck eines größeren Schiffes, das sich wagemutig - und trotzig - in den Einflussbereich des Sturms wagte. Das kleine Ruderboot im Hafenbecken war die realistische und halbwegs kostengünstige Variation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Irgendwann sollte ich lernen zu schwimmen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Ausläufer der Sturmfront wühlten das Wasser auf, sprühten Gischt und trugen Regen mit sich, der Fel binnen weniger Momente bis auf die Knochen durchnässte. Es war kalt, kälter als sie erwartet hatte, aber nun war es zu spät für einen Rückzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich war es nicht der Sturm gewesen, der die “Siebentrutz” ihre Existenz gekostet hatte, sondern etwas darin, eine Kraft, die die Magie Jerwalsons verbog und deformierte, sie ausschlagen ließ, bis ihre Berührung Metall zu Wasser und Holz zu Nebel wandelte. Auch jetzt, Monate später, war Fel unbegreiflich, welche Prinzipien dahinter standen, welche Mechanik eine solche Verschiebung verantworten konnte. Aber diese Fragen konnten warten: Damals hatte sie überlebt, willkürlich und zufällig, eine Laune des Schicksals, die in erbarmungsloser Gelassenheit eines von einhundert Leben verschont hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute war sie zurückgekommen, um einen Pakt zu schließen und schrie die Herausforderung, das Angebot gegen das Heulen des Sturms und das Donnern der Blitzschläge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ich wähle diesen Pfad! Den Weg zwischen den Wegen! Zu verstehen und aufzudecken, zu erforschen und zu begreifen. Nie zufrieden zu sein und nie innezuhalten. Nicht allein für mich, sondern für jene, die nach mir kommen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu kalt. Andere Worte, sorgsam vorbereitet und auswendig gelernt, erstarben auf zitternden Lippen und schnatternden Zähnen - im Herzen des Sturms, sich an die Wände des schwankenden Ruderbootes klammernd und überschüttet von eisigem Regen verstand Fel, dass sie ihren vorbereiteten Vertrag nicht loswerden würde: Der Sturm war zu überwältigend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Furcht dämmerte Einsicht und ein Moment von Inspiration. Vier weitere kurze Sätze wurden gegen das Grollen geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Weisheit über Willkür!&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Fortschritt über Tradition!&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wahrheit über Täuschung!&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Gemeinsinn über Eigennutz!&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas funkelte in der Dunkelheit des Sturms, blaues Elmsfeuer das knisternd erwachte, auf den hochgezogenen Bordwänden des kleinen Ruderbootes tanzend. &lt;br /&gt;
Und für einen Moment, während sie auf die unruhigen, sich dem Sturm widersetzenden Funken starrte, sich weiter mit aller Kraft am Holz festklammernd, glaubte sie von irgendwo aus dem Sturm die Stimme ihres früheren Mentors zu vernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;b&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Diese Worte .. werden angenommen.&amp;quot;&amp;lt;/b&amp;gt;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Am Anfang aller Fragen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Fels Vorahnungen hatten sich bestätigt: Mit dem Voranschreiten des Herbstes waren die Preise gestiegen und die Greifen zeigten keine Ambition dieser Entwicklung in irgendeiner Weise Einhalt zu gebieten. In Teilen war das nicht verwunderlich: Sie waren – letztlich – eine an Gewinn interessierte Organisation und mit den nach oben wandernden Kosten waren eben auch entsprechende Abgaben, Steuern und Gebühren verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verschlechterte Wetter ließ im gleichen Zug die Nachfrage nach Arbeit sinken und mit steigendem Mangel und wachsendem Druck ging die Bezahlung der Tagelöhner nur zurück. Das, so notierte die Halbelfe ganz nüchtern im Licht einer unruhig flackernden Talgkerze, wäre schon vor mehr als zwei Wochen genug gewesen, um eine harte Entscheidung einzufordern: Entweder wohnen mit einem Dach über dem Kopf – oder Essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Oder Solgard.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass sich die Frage nicht akut gestellt hatte, war nicht etwa Fel selbst zu verdanken, sondern einer puren Laune von Glück, die – natürlich – ganz unvermeidlich mit dem Unglück eines Anderen einherzugehen hatte. Nur der Tod von Meister Konstantin Pherendanz hatte dafür gesorgt, dass aus der flüchtigen Bekanntschaft mit Veronica eine behutsame Freundschaft zu sprießen begann, dass die erstaunlichen Gemeinsamkeiten und die sehr viel weniger verwunderlichen Unterschiede auf eine Art und Weise zusammenpassten, die dafür sorgte, dass es nun ein gemeinsam bewohntes Zimmer in der kleinen Arbeitersiedlung gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kosten dafür waren nicht zu vernachlässigen, aber immerhin stabil und drohten nicht länger jede Woche neue, dieses Mal unerreichbare Höhen zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung ging aber darüber hinaus: Auch wenn die Tage weiterhin von harter, ungeliebter Arbeit gefüllt waren, blieb damit dann doch noch Raum dafür einmal durchzuatmen, um die eigenen Aufzeichnungen zu sichten, die viel zu lange keine Ergänzungen und Korrekturen erfahren hatte, um neue Texte in die Notizen aufzunehmen. Jeder Morgen brachte neue Fragen und die Möglichkeit von Antworten, oft ausgedrückt durch Fragezeichen hinter umkringelten Worten auf geduldigem Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem, so musste Fel anerkennen, hatte sich ihre Lage beträchtlich verbessert: Die Wohnstatt gesichert, der regelmäßige Kontakt mit dem Herren Quintus zur Diskussion allfälliger Fragen, eine kleine Gruppe von .. Bekannten, die von anderer Seite bereits als „Freunde“ bezeichnet worden waren. Die letztliche Wahl eines Pfades.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All die Möglichkeiten, die aus diesem vereinten Bodensatz wuchsen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
All die Gefahren aus den weniger offensichtlichen Nebenbedingungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Untersuchung des Drachenherzens und des Drachenblutes hatte sich als interessant, aber wenig ergiebig erwiesen: Ein fähiger Alchemist hätte etwas aus beiden Materialien schaffen können, aber Fels Kenntnisse dieser Kunst waren so gering, dass sie kaum über das Verkochen von Wasser über einem Brenner hinausgingen. Die Literatur hatte sich hier als interessanter erwiesen und letztlich zu völlig anderen Fragen geführt, wie alle angeführt von einem &amp;quot;Warum?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum funktionierte all das? Warum gab es so viele unbedeutend erscheinende Abweichungen in Details, die aber – wenn man sie dann ganz genau betrachtete – geradezu auf systematische Unverträglichkeiten hindeuteten? Wer hatte all das bereits einmal erforscht und bewertet?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Je mehr Fel über solchen Details brütete, desto mehr verdichtete sich alles auf eine Frage hin:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Warum funktioniert das überhaupt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Wenn der Wald erwacht|CONTENT=&lt;br /&gt;
Zumindest in der Theorie vermochte Fel den Umfang des Feenwaldes zu erfassen: Im Süden begrenzt durch die schroffen Kanten der Trollschluchten, im Osten bis an das Ufer der Nebelbucht ragend, im Westen begrenzt durch das in Sumpf übergehende Jagdrevier der Orks. Auf einem Pergament machten die Linien und schraffierten Farben durchaus Sinn: Wege. Wald. Lichtungen. Eine alte Ruine, hübsch illustriert mit dem Symbol eines geborstenen Helms.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karten versprachen Ordnung. Karten verkündeten den Sieg des Forschers über das Ungebändigte, über das Ungemessene und Unbekannte durch das Anlegen von Maßstäben und die Vergabe von Namen. Die Zähmung der Wildnis war in dem Moment vollkommen, in dem der letzte verwinkelte Strom bis zu seiner Quelle zurückverfolgt und dann in einem glorreichen Moment, für die Geschichtsbücher verewigten Moment, &amp;quot;Bierbach&amp;quot; getauft wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts davon war geeignet gewesen, um Fel auf das Naherlebnis des Feenwaldes vorzubereiten. Alles hier war Chaos, übergangslos ineinander übergehendes Grün, das ohne Plan und Ziel wucherte. Wege öffneten sich nur um später als Wildwechsel im Schatten des allgegenwärtigen Grüns zu versickern, dichtes Gesträuch reckte sich auf Lichtungen, trieb Blüten aus, die dem Lauf der Sonne folgten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und es war laut: Eine nie ferne Kakophonie ungezählter Stimmen, gewoben aus Triumphen und Niederlagen, so vielgestaltig und gleichzeitig beständig wie das Grün selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wenigstens ein Teil von mir sollte etwas drin finden. Muster. Vertrautheit. Gewissheit.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit spürte Fel nichts davon, während sie durch das Zwielicht des Waldes stolperte, über gefallene und moosbewachsene Baumriesen kletterte, vergeblich den Ursprung eines kleinen Bachs suchte, nur um dann, nach gefühlten Stunden des verwirrten Herumirrens mit dem ersten Schritt zurück wieder dort zu stehen, wo sie ihre Reise begonnen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wie kann das sein? Das widerspricht jeder Logik. Ich sollte einen Vorteil hier haben und stattdessen bin ich noch unbeholfener als Fenrik.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam mit einem allzu vertrauten Gefühl von Scham, ergänzt durch einen Funken von Zorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor einem Jahr hätte Fel hier aufgegeben, sich die Niederlage eingestanden und dann reumütig nach Hilfe gesucht. Diese Fel hätte akzeptiert und sich bescheidet, geschluckt und gelächelt, wo Tränen angebrachter gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Heute nicht. Du wirst mir das nicht madig machen. Das ist ein besonderer Tag, einer, den ich in Erinnerung behalten werde. Der Tag an dem ich nicht aufgebe, mich nicht entmutigen, mich nicht verscheuchen lasse. Ich werde die Knospe finden!&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Feenwald war es ein Samstag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er blieb indifferent, unbeirrt, unbeeindruckt, unverändert im stetigen Wandel, selbst über den Moment hinaus, als die zornige Halbelfe schließlich doch aufgab, zu erschöpft um weiter zu versuchen diese spezielle Lichtung zu finden und sich, genau wie zuvor, nur ein Halbdutzend Schritte vom Reisepunkt entfernt wiederfand.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Ausweisung|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Eure Anwesenheit ist hier generell nicht erwünscht. Geht zu den Edain, doch meidet unsere Länder. Ihr gehört nicht hierher.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trüber Nieselregen versprühte eben genug Feuchtigkeit um die Dächer im Nebelhafen feucht glänzen zu lassen. Aufgeweichte Wege erinnerten unglückliche Passanten bei jedem Schritt daran, dass dies keine Metropole war, keine Stadt, die solchen Wetter die spröde Schulter sorgsam gepflasterter Straßen und Gassen zeigte, sondern ein auf älteren Fundamenten erbauter und ein wenig ausgeuferter Handelsposten. Zumindest theoretisch war eine solche Ansiedlung auf Effizienz und die Bedürfnisse des Handels hin ausgerichtet, was gemeinhin bedeutete, dass das ganze Leben und Handeln der Stadt um Hafen, Marktplatz und Hauptwege herum rotierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch lag der Hafen, der der ganzen Siedlung ihren Namen verliehen hatte, zu dieser Stunde nahezu vollkommen still, kaum ein Licht schien aus den verschiedenen Hütten, Zelten und Wägen unweit, die immer ein wenig den Eindruck erweckten, als hätte die letzte Flut sie hier einfach ungeordnet an Land gespült. Alles atmete den Charme eines Provisoriums kurz vor dem Zusammenbruch aus, zur Permanenz verpflichtet in der Erwartung einer Ablösung, einer Verbesserung, die nie kommen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Selbst sie haben darin eine Bestimmung.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst jetzt, Stunden später, lange nach der stillen, beschämten Flucht aus den Tiefen des Feenwaldes, stachen die Worte des Lichtelfen. Wie eine weißglühende Klinge hatten sie sich tief in das Herz gebohrt, altes, vernarbtes Gewebe aufgerissen, das nun ohne Unterlass zu bluten schien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Als hätte ich nur darauf gewartet. Verdammter B....&#039; &amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst in Gedanken vermochte Fel die Beleidigung nicht zu vollenden, scheute zurück vor der Grobheit, vor dem drohenden Ausbruch und starrte stattdessen auf die vom Nieselregel eigenwillig geglättete Oberfläche des Meeres. Und selbst jetzt wunderte sich ein Teil von ihr darüber, welchen Namen dieses Wasser wohl auf den offiziellen Karten tragen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Neugier hatte sie auf allen Irrwegen durch den Feenwald begleitet, war bei ihr gewesen bei jedem Schritt auf der Suche nach Shiras Knospe und der Lichtung darum. Als sich Fehlschlag an Fehlschlag reihte, war es aber nicht die Neugier gewesen, die ihr verboten hatte nach Hilfe zu suchen, die gefordert hatte nicht aufzugeben. Purer Trotz hatte den Verstand abgeriegelt, die Emotionen aufgebauscht. Noch ein Versuch. Nur noch einer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich vergeblich: Es hatte die Ankunft Eliras und Cillians gebraucht, dazu die Begleitung einer bislang gänzlich unvertrauten Hochelfe namens Nyriel, damit Fel den Platz schliesslich wiederfand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Eure Anwesenheit ist hier generell nicht erwünscht. Geht zu den Edain, doch meidet unsere Länder. Ihr gehört nicht hierher.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte, das hatte sie bereits früh gelernt, waren aus sich selbst heraus bedeutungslos, nur mit der Macht beseelt, die ihnen eingeräumt wurde: Sowohl von dem, der ein Ultimatum aussprach oder Gefolge einforderte, als auch von dem, der sein Haupt beugte oder nach einer Zurückweisung erzitterte. Die Zeit auf den Straßen Breitenbachs war ein kalter Lehrmeister gewesen, ungnädig und erbarmungslos, hatte Fel ein um das andere Mal gezeigt, wie Worte und Taten einen Einklang erforderten und wie sich mit dem Einen das Andere vortäuschen ließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dennoch: Der Schmerz war nicht zu leugnen, ließ sich nicht davonlächeln oder überspielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Weil es wahr ist. Selbst der Wald wusste es: Ich gehöre nicht dorthin. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich gehöre auch nicht hierher.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Es gibt keinen Platz für mich.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und während der Regen über Nebelhafen allmählich stärker wurden, richteten die Gedanken der Halbelfe sich in die Vergangenheit, streiften erneut den Tag an dem die kleine Hütte leer gewesen war. Den Tag an dem die blinde Seherin dem Galgen überantwortet wurde. Den Tag eines Handels mit einem Mann, dessen Selbstverachtung seine Brillianz noch überstieg. Den Tag eines stillen Verrats an allzu lang gepflegter Hoffnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas .. regte sich in Fel, ein unwillkürlicher Reflex, der die Gedanken aus der selbstgewählten Trübheit riss und zu einem anderen Tag zurückführte, einer, der voller Verheissung und Versprechen gewesen war, zurück in ein Zelt, in dem eine alte Frau Karten mischte und sie verdeckt vor Fel auslegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Vergangenheit und Gegenwart sind benannt. Das hier ist der wahrscheinlichste Pfad deiner Zukunft. Eine Karte beschreibt das Schicksal. Eine zweite beschreibt, was dir dabei hilft. Die dritte schliesslich ist das größte Hindernis auf deinem Weg. Deck auf.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Woher weiss ich, welche der drei für was steht?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Das ist fast die beste Frage die ich in diesem Zelt in diesem Jahr gehört habe. Nun decke auf, Kind. Ich werde es für dich erläutern.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Mal gehorchte Fel und deckte die drei Karten nacheinander auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Interessant. Ich habe selten eine so klare Kombination gesehen: Deine Zukunft ist der Stern: Du wirst dein Glück, deine Bestimmung finden. Der Stern ist ein machtvolles Zeichen der Hoffnung und Erfüllung. Interessanterweise steht er auch für das Elfenvolk. Das ist überaus gut und könnte bedeuten, dass du letztlich auch hier dein Schicksal findest.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dir zur Seite steht dafür der Magier, dessen Anleitung und Weisung dich auf den richtigen Weg bringt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hüten musst du dich vor dem Gehängten, der hier fast schon wortwörtlich genommen werden muss: Das ist das argwöhnische Auge des Gesetzes, das alles verderben kann, was dir der Stern verheißt.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erinnerung trieb zurück in das Zwielicht ungeformter Gedanken und möglicher Ideen, umrankt von anderen, daran geknüpfter Gedanken, hinterlassen in Aufzeichnungen, die dem Zorn des Meeres zum Opfer gefallen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich habe es nie geglaubt. Schon damals spürte ich die Diskrepanz, die Ungewissheit. Denk nach. Es gibt nicht so viele mögliche Kombinationen. Welche davon ist die Richtige? Welche ist die Richtige?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es regnete weiter und der trübe, wolkenverhangene Nachthimmel Nebelhafens sah gleichmütig hinab auf die erschöpfte, schon lange durchweichte Halbelfe am äußersten Rand des ins Meer führenden Stegs, die verbissen versuchte ein Rätsel zu lösen, das sich dem Begreifen immer entziehen würde. Und hätte dieser Nachthimmel ein Numen besessen, dann hätte dieses sich vielleicht dazu bewegt gefühlt (mit der Stimme eines gewissen L.Q.) einen spöttischen Kommentar abzugeben über Menschen - und Menschenähnliche - die sich selbst zu ernst nahmen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Im Dunkel|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Bringt mir nur den Kopf von Golga von Assuan. Oder, noch besser, ihn lebend. Dann lasse ich Euch sogar nach Caladlorn ein.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scham folgte dem Zorn bereits in dem Moment als Fel die Füße über die Schwelle des Gasthauses setzte, hinausfloh in den winterkalten Abend Nebelhafens und den trüben Nebel, der träge über mit Raureif überzogenen Wegen hing. Die Wolken, die noch am späten Nachmittag Regen angedroht hatten, waren abgezogen, hatten den Himmel aufklaren lassen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu einem anderen Zeitpunkt hätte die Halbelfe den vielfachen Glanz der Sterne sicherlich mit einer gewissen Neugier honoriert, aber jetzt führten rasche Schritte sie weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur kleinen, mit Veronica geteilten Wohnung? Unmöglich.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu den Docks und den dort dem Wetter trotzenden Zelten, wo alle dieser Tage andere, eigene Sorgen hatten? In gleicher Weise mehr als unangemessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also führte die Flucht sie in die Tiefe, hinab durch den Keller der Falkenrast in die klamme Feuchtigkeit der Unterwelt Nebelhafens - Eingeweide, die schon lange vor dem Handelsposten hier gewesen waren und vermutlich auch nach ihm noch da sein würden. Manche der tropfenden Gänge waren hoch und so breit wie schiffbare Kanäle, andere duckten sich sehr viel enger zusammen, boten Moosen und Algen allerlei Lebensraum. Kaum ein Platz, an dem sich nicht die Schritte von Ratten vernehmen ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das war Fel auf schwer zu greifende Art und Weise .. vertraut. Nicht, weil sie bereits viel Zeit hier unten zugebracht hätte, sondern in der Art, wie sich ähnliche Erfahrungen auf neue, unbekannte Umstände übertragen ließen. Auch im Berg hatte es Feuchtigkeit gegeben, stetig von der Decke tropfend, Ratten und anderes Getier durchwanderten die steinernen Gedärme der längst aufgegebenen Bergwerksbereiche hinab in jene Tiefen, in denen auch dieser Tage noch gearbeitet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Berg hatten die Verurteilten die Steine gebrochen und nach oben gekarrt, ohne bis zum Ablauf ihrer Strafe je wieder das Tageslicht zu sehen. Hier, in den Tiefen unter Nebelhafen, wurde weder nach Quarzen noch nach Metallen geschürft, aber trotzdem gab es hier Menschen: Glücklose und Verzweifelte, Gierige und Unangepasste. Manche, die ein Sturm hier hinab gespült hatte und Andere, die hier freiwillig lauerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und trotz des Gefühls der brennenden Demütigung, erbaut aus dem Zusammenwirken gleich dreier so grundverschieden wirkender Männer, erinnerte sich an Teil von Fel an eine nicht unähnliche Flucht vor mehr als einem Vierteljahrhundert, an die Panik in den enger und enger werdenden Stollen und schliesslich Rissen im Felsen, durch die sich selbst ein für die Jahre ungewöhnlich kleines Kind letztlich nicht mehr zu quetschen vermochte. Wie damals trug sie auch heute weder Fackel noch Laterne bei sich, aber dieser Tage war die Magie ein vertrauter Begleiter, der die Dunkelheit zurückhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wie habe ich damals etwas gesehen? Magie? Aber das war vor meinem Erwachen, war es?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gang, dem Fel gefolgt war, geduckt auf den letzten zwanzig Schritten, öffnete sich in eine Kreuzung mit drei abgehenden Kanälen, alle nicht breiter als die Schultern eines Mannes und nur halb so hoch. Ein Funke von Licht aus dem Rechten versprach irgendeine Form von menschlicher Präsenz, also duckte Fel sich nach links, folgte dem Lauf gurgelnden Wassers in diese Tiefe und wartete darauf, dass der zähe Klumpen ohnmächtiger Demütigung sich allmählich in klamme Resignation verwandelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kalte Abweisung des Lichtelfen war nach dem letzten Zusammentreffen nicht unerwartet gekommen, aber heute hatte sich eine besondere, fast schon persönliche Qualität dazugesellt. Jede einzelne seiner spitzen Bemerkungen war wie der Stoß eines Rapiers - immer auf die Schwachstellen zielend, nicht darauf aus zu töten, sondern zu verwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Zu demütigen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das allein - so redete sich sich zumindest ein, während sie einen halb aufrechtführenden Gang emporkletterte, hinweg über von Algen bewachsene Stufen und vorbei an in die Wände eingelassenen Bronzerohren, die ins Nirgendwo zu führen schienen - wäre kaum ausreichend gewesen um ihre Beherrschung zu brechen, aber dass die Herren Feldspan und Tyladriel sich schliesslich gefallen hatten noch selbst in bereits gerissene Wunden zu stechen: Das hatte das Faß zum überlaufen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dem Moment war Flucht die einzige Lösung vor dem aufkochenden Zorn und der unmittelbar folgenden Schuld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich hätte darüber stehen sollen. Ein paar seichte Scherze, eine Flasche Wein. Ist das nicht, was ich gelernt habe? Die Lügen sind leicht. Nur die Wahrheit schmerzt.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu spät wurde Fel bewusst, dass sie, sich den Kopf zerbrechend, unwillkürlich doch einem der vagen Lichter gefolgt sein musste bis hier zu dieser Kammer, in die sie aus der Wandöffnung heraus stolperte in ein behelfsmässiges Lager voller Kisten und Säcke. Hehlerware, zur Seite geschafft unter Umgehung der Greifen, vorbei an der ohnehin schon laxen Hafenaufsicht. Drei Augenpaare starrten herüber auf die durchnässte Gestalt, im ersten Moment verplex, dann alarmiert. Eben noch zwischen den Fingern gehaltene Karten fielen auf ausgelegte Bretter hinab, während nach einem Messer gegriffen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Fel spürte, noch während sie einen halben Schritt zurückwich, wie aller Schmerz und alle Scham sich lösten. Das hier war, in vielerlei Hinsicht, so vertraut wie die Rückseite der eigenen Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Kalle sagt in der Drecksbude findet man nichts.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Was?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Moment der Irritation war genug, um ihr den eiligen Rückzug zu ermöglich, zurück in das enge Rohr, zunächst nur gefolgt von einem Fluch, bevor die drei sich an die Verfolgung machten. Schon nach einem Halbdutzend Schritten war Fel sich gewiss, dass keiner der Häscher sie hier einholen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Vielleicht ist das ja der richtige Ort für mich. Im Dunkel, wo die Sonne mich nicht sehen muss.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Kampf um Nebelhafen, Tag 1|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Lärm des Schlachtfeldes war genau so, wie Fel sich das Aufeinandertreffen wütender Götter vorstellte: Eine kolossale Kakophonie an Schreien und Befehlen, das ununterbrochene Klirren von Stahl auf Stahl, die dumpferen Laute stampfender Schritte, von keuchendem Atem und dazwischen das Flirren von Magie in allen Farben und Formen. Wie orientierte sich irgendjemand hier überhaupt? Die Angreifer trugen eine einheitliche Uniform: Schwarz und Orange, das machte es zumindest einfacher sie zu identifizieren, während die Verteidiger einen bunten Haufen darstellten, so gegensätzlich wie nur möglich in Erscheinungsbild, Auftreten und Strategie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dennoch, so zumindest Fels Eindruck, während sie sich hinter einen Heuballen duckte, schien jeder hier irgendwie eine Ahnung zu haben, von dem was zu tun war. Es war Chaos, aber mit einem Muster darin, das an ihren Sinnen kitzelte: Sichtbar, ja. Aber nicht so deutlich, dass sie in der Lage gewesen wäre sich daran anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein fehlgeleiteter Pfeil durchschlug den Heuballen ohne Mühe, bohrte sich nur eine Schulterbreite hinter Fel in die Wand des schon lange geräumten Stalls und beendete damit die unschlüssige Tatenlosigkeit. Es gab keinen sicheren Ort hier, nicht einmal am Rande des Getümmels. Die kleine Gruppe in deren Kielwasser sie hierher gekommen war, war schon längst zersprengt, aus den Augen verloren faktisch im ersten Moment des ausbrechenden Kampfes. Vielleicht verletzt irgendwo. Vielleicht tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde es bei den Zelten sicherer sein? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Lärm steigerte sich zu einem Crescendo, der Fel die Ohren klingeln ließ, aber die Bewegung auf dem Schlachtfeld verhieß eine Strömung in Richtung Norden und sie nahm die Gelegenheit war um geduckt in Richtung Osten zu eilen, über die kleine Brücke in Richtung des Hafens. Das plötzliche flaue Gefühl im Magen, der Moment des Zögerns und der Blick über die Schulter zurück, retteten ihr Leben: Ein Pfeil, der zielsicher die Luft dort durchschnitt, wo sie nur einen Moment später gewesen wäre, riss nur den Stoff des Hemdes an der Schulter entzwei, das Zischen der schwarzen Federn lautlos im brodelnden Lärm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gnadenlose Augen nahmen Maß, ein weiterer Pfeil wurde auf die Sehne gelegt in einer einzigen, flüssigen Bewegung und Fel riss die Hände hoch, die Geste ausführend, die in den letzten Wochen, noch während der Ereignisse um Hornblume, eingeübt worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;An Ex Por!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zauber griff bevor der Bogen vollkommen gespannt war, lähmte alle Bewegungen des hünenhaften Bogenschützen und als Fel zurückwich, spürte sie neben der Erleichterung eine andere, schwerer zu greifende Zufriedenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich bin keine Mörderin.&amp;quot; - das hatte sie Ba&#039;thal entgegengeschleudert und die Wahrheit darin glühte wie ein warmer Punkt in der Mitte ihrer Seele. Auch jetzt, hier, nutzlos auf einem Schlachtfeld, würde sie davon nicht ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gestalt in dunkelgrauem Leder nahm die Gelegenheit war, schlang einen Arm um den Kopf des noch immer gelähmten Schützen und zog eine gebogene Klinge so fest am Halsschutz vorbei über die Kehle, dass Fel hätte schwören können die Knochen zu sehen. Nur einen Lidschlag später war es schon vorbei: Noch während die Fontäne aus Blut in Richtung der Brücke sprühte, war der Ledergerüstete schon weiter, wob mit einer Agilität und einem Geschick durch das Kampfgeschehen, als wäre das hier ein natürliches Zuhause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon bekam Fel nichts mehr mit: Ihr sich umdrehender Magen forderte für das nächste Dutzend Herzschläge all ihre Aufmerksamkeit ein, der gute Kanincheneintopf letztlich doch verschwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein winziger, eigenwillig abgekoppelter Teil von ihr war amüsiert: Jetzt sahen die Fleischbröckchen in der Tat viel mehr nach Ratte aus.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Bei Nacht sind alle Katzen grau|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die ersten Rot des neuen Tages zeichnete sich bereits als dünne Linie am Horizont ab, als Fel endlich den Kopf aus ihren Aufzeichnungen hob und damit begann die im Laufe der Nacht verstreuten Blätter wieder einzusammeln und zu ordnen. Wie so oft hatte die Inspiration sich rar gemacht, Raum gelassen für die wesentlich behäbigeren Geschwister namens  Verbissenheit und Starrsinn. Eine ganze Zeit lang war das genug gewesen, hatte die Gedanken abgelenkt und ihnen vertraute Bahnen geboten - wenn schon keine neuen Einsichten, dann doch zumindest der Trost von Ordnung im Chaos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Die Illusion von Ordnung im Chaos. Wobei selbst das seine Muster hat.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Bemühen, so sinnierte Fel, während sie mit müden Augen die eigenen Ausführungen zum Wort der Macht AN überflog, ergänzt um einen ebenfalls aus eigener Hand stammenden, kaum einen Mond alten Kommentar, zog sich wie ein roter Faden durch alles, was sie berührte: Die Notwendigkeit zu begreifen, zu definieren, zu beschreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Nur, was einen Namen hat, ist wirklich. Die Aufmerksamkeit zieht es aus der Ungewissheit des Möglichen in die kalte Realität und dorthin verblasst es letztlich auch wieder. Nichts ist beständig.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gedanken hüteten sich die Ereignisse des letzten Abends zu streifen, überwanden stattdessen eine Kluft von vier Jahren und zerrten die Erinnerung an das erste Zusammentreffen mit Arngrimm Jerwalson zurück an die Oberfläche. Dieses Zusammentreffen war geprägt gewesen von ohnmächtiger Machtlosigkeit, erschüttert durch die Hinrichtung von Fels vorheriger Lehrmeisterin im Innenhof der Kaserne, ausgeführt von Soldaten, die die gleiche Uniform trugen, wie sie nun auch. Selbst im Blick zurück fand Fel es unmöglich das Gefühl von Verbitterung und Zorn abzuschütteln, das alle Eindrücke färbte wie getöntes Glas. Die Monate danach waren nicht viel besser gewesen, auch wenn .. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du scheiterst, weil du dich selbst von Zweifeln zerfrisst.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Satz war kein Teil der Vergangenheit, sondern ein Relikt des letzten Abends, emporgestreckt nun wie ein mahnender Zeigefinger. Anderes umgab ihn wie einen Mantel: Die Vergleiche. Die Komplimente. Der Trost. Die bestimmten Berührungen an ihrem Rücken, den Schultern, Armen, nahe der Kehle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du hast eine Familie. Eine, die dich liebt, so wie du bist.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und irgendwie, all den Lehren der Vergangenheit zum Trotz, glaubte sie daran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Stunden später, schmeckte die Erinnerung bereits nach Asche. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Umarmung war dem Impuls einer überwältigenden Hoffnung und Zuversicht gefolgt, eine törichte Ignorenz gegen alle inneren Warnungen und für einen zeitlosen langen Moment schien es genug. Unvermeidlich, dass es das nicht war, nicht sein konnte: Die Ernüchterung war allzu rasch gefolgt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Das .. wirst du .. nicht wiederholen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ein einfacher Satz, der noch eine halbe Stunde zuvor harmlos an Fel abgeglitten wären, vielleicht mit mehr Verwunderung als Irritation zur Kenntnis genommen. Natürlich. Was auch sonst? Aber jetzt stach es geradewegs durch den vorher weich geklopften Panzer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lächeln. Nicken. Funktionieren. Fel hatte Ärgeres überstanden, aber dennoch blieb der Schmerz in den folgenden Stunden ein treuer Begleiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zumindest einen Lichtblick gab es dabei: Er würde die Sache diskret behandeln. Kein Mensch würde je davon erfahren.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Hello darkness my old friend|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Hände brauchten nicht viel Aufmerksamkeit für ihre Arbeit, das erlaubte den Gedanken ganz frei zu fliessen, ganz anders als es noch beim Verfassen des letzten Protokolls der Fall gewesen war. Nun war die Stunde bereits so weit fortgeschritten, dass die Dunkelheit vor dem Zelt nahezu undurchdringlich erschien, nur gestört durch die falschen Sterne des Lichtscheins von der anderen Seite. Von Primus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie die andere Seite wohl war? Welche Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten hatten sich dort miteinander verbunden, um die Geschicke der Welt in eine andere Richtung zu beugen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Name, so entschied die Halbelfe, während Pergamente glattgestrichen, dann sorgsam zwischen Klemmbretter geordnet wurden, war gut gewählt: Mit Primus musste alles begonnen haben, der erste Trieb, der schliesslich zurückgewuchert war, um eine andere Wirklichkeit zu zeugen, durch Interferenz eine Variante zu erzeugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Ab welchem Punkt haben wir tatsächlich begonnen zu existieren? Ich hätte mich wirklich einmal an die Skala machen sollten. Alles wäre einfacher mit meßbaren, quantifizierbaren Aussagen zur Abweichung und Ähnlichkeit.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke hätte zu einem anderen Zeitpunkt den Eifer Fels angestachelt, aber nicht heute. Nicht hier in einem menschenverlassenen Zelt unter dem erdrückenden Joch der Nacht. Nicht mit einem Gefühl von Bitterkeit auf den Lippen, das sein lächelndes Haupt hob wie zu einem Gruß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Willkommen zurück. Hast du mich vermisst?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere Begleiter kamen und gingen, aber das Gefühl war stetig. Nie für wirklich lange fort, immer im Hintergrund der Aufmerksamkeit lauernd. Unmöglich davor davon zu laufen, unmöglich sich davor zu verstecken. Und gerade nun streckte es sich zu allzu vertrauter Pracht, flüsterte von vergangenen Entscheidungen, von Fehlschlägen und Enttäuschungen. Aber auch vom Überleben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banden. Die Straßen Breitenbachs. Haus Telketh und die dort wartenden Konflikte. Die blinde Seherin. Die Armee und der Handel mit Jerwalson. Der Schiffsbruch schliesslich, der Neuanfang und die damit einhergehenden Anstöße hier und dort. Final die Kollision des letzten, gerade zurückliegenden Abends.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Muster war zu vertraut und die Antwort in gleicher Weise, hatte Fel all die Jahre nicht weniger getreu begleitet als die nun würgende Enge im Hals, während Gurte festgezurrt wurden. Es war mehr Gepäck als jemals zuvor, aber nicht soviel, als dass es sich nicht würde bewältigen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der dunkle Nachthimmel öffnete sich über der Halbelfe, Ungewissheit verheissend. Aber letztlich würde sich ein Weg finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Zelt im Hafen Nebelhafens blieb zurück - fast unverändert für das eilige Auge. Nur die persönlichen Gegenstände und die Bettstatt Fels fehlten.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Fel_Maris&amp;diff=472</id>
		<title>Fel Maris</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Fel_Maris&amp;diff=472"/>
		<updated>2025-11-30T07:21:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Fel.jpeg|left|frame]] Die Körpergrösse von ungefähr &#039;&#039;&#039;165 Halbfingern&#039;&#039;&#039; ist von unaufälliger Normalität, die gesamte Gestalt wirkt recht filigran, die Züge erscheinen prägnant geschnitten und verraten bereits das gemischte Erbe, das sich in den fein angespitzen Ohren noch deutlicher ausdrückt: &#039;&#039;&#039;Fel ist ohne Mühe als Halbblut eines menschlichen und eines hochelfischen Elternteils zu identifizieren.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den &#039;&#039;&#039;blauen Augen&#039;&#039;&#039; findet sich offenes Interesse, gemildert durch Wachsamkeit. Wenngleich nicht unangemessen nervös, wirkt sie wie jemand, der gern über die eigene Schulter sieht, stets getrieben von immer präsentem schlechten Gewissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;rotblonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; wird nur selten offen getragen und lockt sich bei der geringsten Feuchtigkeit, formt damit einen ungehorsamen Gegensatz zur moderat unaufälligen Kleiderwahl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemischte Erbe macht es schwer durch das Aussehen allein ihr Alter einzuschätzen: Sie ist ohne Zweifel erwachsen, darüber hinaus erlaubt weitere Beobachtung von Verhalten und Gebaren die Einschätzung, dass sie sich irgendwo im Bereich &#039;&#039;&#039;zwischen Anfang und Mitte Zwanzig&#039;&#039;&#039; befinden sollte.&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die linke Hand gehorcht merklich schlechter, die Finger sind unflexibel&lt;br /&gt;
* Furcht vor engen und dunklen Räumen, bisweilen Alpträume die auf ihre Zwangsarbeit im Bergwerk zurückgehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 417 geboren in [[Breitenbach]]&lt;br /&gt;
* 428 bis 429: Arbeitsdienst im Strafbergwerk Breitenbach &lt;br /&gt;
* 433 Verbannung aus Breitenbach und Ansiedlung in [[Grauhafen]]&lt;br /&gt;
* 436 Anstellung im Handelshaus [[Telketh]] für einfachste Hilfsarbeiten&lt;br /&gt;
* 440 Übersiedlung nach [[Rossensprung]] im Dienste des Hauses Telketh&lt;br /&gt;
* 443 Beginn der magischen Ausbildung bei der blinden Seherin [[Myra]]&lt;br /&gt;
* 447 Zwangsrekrutierung für die Armee entsprechend lokaler Gesetzgebung, Ausbildung durch [[Arngrimm Jerwalson]]&lt;br /&gt;
* 450 Überfahrt im Zuge regulärer Dienstverpflichtungen, Schiffsbruch vor der neuen Insel, Spielbeginn&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vater &amp;quot;Gil Melethron&amp;quot; (Alter unbekannt, Verbleib unbekannt seit 416)&lt;br /&gt;
* Mutter Lia Maris (* 385, Verbleib unbekannt seit 424)&lt;br /&gt;
* Bruder Themon (* 410, Verbleib unbekannt seit 424)&lt;br /&gt;
* Bruder Jasser (413 - 429)&lt;br /&gt;
* Bruder Fihan (414 - 428)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Notizensammlung|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Fel Maris&#039; Notizen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Dramatis Personae|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Myra]]&lt;br /&gt;
* [[Arngrimm Jerwalson]]&lt;br /&gt;
* [[Ludwig Springer]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschichte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Vergangenheit: Ussaria|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Magische Momente|SUBTITLE=Rossensprung, 445 (vor 5 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich verstehe das Problem nicht richtig. Die Worte haben eine ihnen innewohnende Kraft. Du musst dich einfach darauf einstimmen, dich ihrer Führung übergeben, während du gleichzeitig das Ziel des Zaubers selbst fest und bestimmt vor Augen hälst. Ich hätte geglaubt, dass gerade du damit keine Probleme hast.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig machte sich nicht die Mühe die Irritation aus seiner Stimme zu verdrängen. Er mochte Fel, aber sie war manchmal geradezu nervtötend begriffsstutzig, vor allem bei so einfachen Dingen wie den Worten der Macht. Das allein war noch kein Grund für Verärgerung, aber die Zeit für diese Art von Ausbildung war knapp bemessen und wertvoll: In den reichen Häusern Rossensprungs mochte es ja so sein, dass jemand mit der Gabe von allen Pflichten und Aufgaben freigestellt wurde, um sich ganz dem Studium dieser Kräfte zu widmen, aber das galt nicht dort, wo das Kopfsteinpflaster löchrig, die Dächer undicht und die Umgangsformen rauer wurden. Ludwigs war ein Schusterlehrling im dritten Jahr und das war es, was Essen auf den Tisch brachte. Diese Abende unter der Anleitung der alten Seherin fielen unter ein Siegel der Verschwiegenheit, zwangsläufig verborgen nicht nur vor der Obrigkeit, die mit harter Hand Loyalität und Dienst aller Zauberkundigen innerhalb der Grenzen der Stadtmauern einforderte, sondern eben auch vor dem knauserigen Schustermeister, der keine Gelegenheit ausließ um seine Lehrlinge zu schinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich hätte gedacht, dass gerade du das verstehen solltest. Es sind nicht einfach nur Buchstaben auf Pergament, Fel. Du musst fühlen, was dahinter ist.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel war älter als Ludwig und schon länger eine Schülerin der alten blinden Seherin, die ihre windschiefe Hütte im Schatten der alten Mauer hatte. Rossensprung war auf unsicherem, sumpfigen Grund errichtet, die alte Mauer war ein Teil der ursprünglichen Kernsiedlung und dieser Tage zu weiten Teilen entweder versunken oder für Steine zerlegt. Nur hier und dort gab es noch Reste, die sich wie verbleibende Zähne in einem zertrümmerten Gebiss dem endgültigen Verfall entgegen stemmten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wer hier lebte, der tat es selten freiwillig, die Eltern in den hübscheren Viertel der florierenden Hafenstadt warnten ihre Kinder vor der Brache und den Krankheiten, die man sich dort einfangen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Geschichten war Ludwig aufgewachsen und auch jetzt schauderte er noch regelmäßig, wann immer er die schiefen Reste des Fischertors durchschritt und den allmählich verrottenden Planken und Hängebrücken folgte, die bis zum Haus seiner zweiten, inoffiziellen Lehrmeisterin führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Du bist zu unbeweglich. Das System funktioniert nicht so. Du kannst nicht einfach nach strikten Gegensätzen schauen und diese einander zuordnen. Denk an die Brücken hier in der Brache: Sie biegen sich und schwanken, sind krumm und schief, aber sie führen dennoch meistens zum Ziel.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magische Theorie auf dieser Ebene war für Ludwig vollkommen einsichtig, vielleicht weil er während seines gewöhnlichen Tagewerks so viel Zeit hatte, die Gedanken wandern zu lassen. Während die Finger mit Ahle, Falzzange, Klopfstein und Knieriemen beschäftigt waren, ließen sich die unverhandelbaren Komponenten der Zauber im Geist bestens zusammensetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fels Stimme ließ ihre Frustration durchklingen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich verstehe einfach nicht, warum es abweicht. Jeder der drei einfachen Schwächungszauber benutzt Nachtschatten als eine Reagenz. Jeder der drei einfachen Stärkungszauber benutzt Alraune als eine Reagenz. DES MANI zum Schwächen, UUS MANI zum Stärken. UUS WIS zum Schärfen des Geistes, aber REL WIS anstelle von DES WIS? UUS JUX meinetwegen um das Ungeschick zu erhöhen, aber dann wiederum weder DES JUX noch REL JUX, sondern EX UUS! Das letzte Paar benutzt dann immerhin passend jeweils Blutmoos, auch beim Zauber für die Geistesschärfe und die Dummheit findet sich gleichartig die Spinnenseide, aber ausgerechnet bei der Stärkung und Schwächung bricht das ganze System auf: Alraune und Schwarze Perle? Warum bitte?&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das waren Fragen, die die alte Seherin normalerweise unbeantwortet ließ, mit einem Schulterzucken abtat, wann immer sie einem ihrer Schüler in die Quere kamen. Neugier brachte ihrer Meinung nach gar nichts: Wem half es schon zu wissen, warum genau nun bestimmte Bestandteile eines Zaubers zusammenwirkten, solange sie es taten? Zeit für solchen Firlefanz hatten nur reiche Schnösel, die nichts zu tun hatten, als über die Welt und den erstaunlichen Mangel an Frauen in ihrem Leben nachzudenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Ludwig hatte schon früh gelernt sich keine überflüssigen Fragen zu stellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich weiß es nicht, Fel. Aber es braucht auch keine vollkommene Ordnung. Darüber hinaus hast du übersehen, dass der Schwächungszauber ebenfalls die Alraune verwendet. Das heisst in der ganz einfachen Umkehrung mit der Ersetzung von Nachtschatten durch eine Alraune, hättest du plötzlich deren zwei in Verwendung. Du brauchst also etwas anderes - oder um genauer zu sein ..&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig ließ die Worte ausklingen, kapitulierend vor dem verwirrten Blick seiner Mitschülerin.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie sollte er etwas erklären, das sich nicht in offensichtliche starre Regeln einfügen ließ? Alles spielte zusammen, die Flexibilität des Systems bestätigte sich durch seine Wirksamkeit selbst. Wenn es scheinbar gegen hergeleitete Regeln verstieß, dann war das einfach ein Problem der Regeln, nicht das Systems selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Du wirst hier in der Brache keine Antwort darauf bekommen, Fel. Wir halten den Kopf unten und lernen was wir können. Und sobald die Alte uns für bereit hält, können wir unser Glück andernorts machen.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange würde das dauern?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ludwig hatte keine Zweifel, dass er in wenigen Monaten alles gelernt haben würde, was die Seherin ihm anzubieten hatte. Selbst jetzt war für ihn bereits offensichtlich wie löchrig das Fundament ihrer Kenntnisse war, wie gering ihr Interesse die Magie wirklich zu verstehen. Fel dagegen hatte - unbegreiflich für ihn - Mühe selbst diese kleine Barriere zu nehmen. Sie war schlau genug und darüber hinaus bereits erwachsen, das alles hätte ihr einen Vorteil geben sollen, aber ein um das andere Mal fand Ludwig sich dabei Erklärungen abzugeben, die in ihrer Tiefe auch seine Erfahrungen letztlich überstiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht, dass es ihn störte: Er mochte Fel und ihre Aufmerksamkeit war angenehm. Beflügelnd. Trotz ihrer hartnäckigen Schwierigkeiten mit der Flexibilität und Beweglichkeit des Systems der Magie. Er würde das, daran hatte er keinen Zweifel, schon noch zu schätzen wissen. Genau wie ihn.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Armeekarriere|SUBTITLE=Rossensprung, Februar 447 (vor 3 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Uniformstoff war steif und kratzig, unbequem zu tragen und darüber hinaus verpflichtend für alle Rekruten im ersten Jahr. Die Kleiderordnung nahm dabei keine Rücksicht auf die Jahreszeiten oder besondere Gegebenheiten wie in Rossensprung, wo die schweren Stiefel allzu gern in saftig schmatzendem Schlamm steckenblieben oder dafür sorgten, dass der Halt auf schwankenden Hängebrücken verloren ging. &lt;br /&gt;
Die Kleiderordnung scherte sich auch nicht darum, ob ein Rekrut den Versprechungen der Werber gefolgt und darum sein Kreuz unter einen Dienstvertrag gesetzt hatte, oder ob diese Verpflichtung als Teil einer angeborenen Gabe vorausgesetzt und dann eingefordert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regeln und Gesetze waren jedenfalls eindeutig: Jeder Anwohner der Stadt hatte eventuelle magische Fähigkeiten zu registrieren und war darüber hinaus verpflichtet, eine fünfjährige Dienstpflicht in der Armee abzuleisten. Der ewigen Regel von Aktion und Reaktion folgend, hatte diese Gesetzgebung zur Entstehung eines Schwarzmarktes ganz besonderer Art geführt: Heimliche Ausbildung in den Künsten abseits des wachsamen Auges des Gesetzes. Damit war die Eskalationsspirale in Gang gesetzt: Auf das Ausweichen folgten verschärfte Gesetze und die Androhung strengerer Strafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor Wochenfrist war das für Fel eine zwar präsente, gleichzeitig aber abstrakte Sorge gewesen. Vier Tage später hatte sich die Welt auf den Kopf gestellt. &lt;br /&gt;
Es war nicht so, als wären Fel die Gesetze nicht bekannt gewesen, aber erst als sie gezwungen wurde im drögen, halb unter Wasser stehenden Innenhof des gräflichen Gerichts der Hinrichtung ihrer mehrjährigen Lehrmeisterin zuzusehen, begriff sie wirklich, was sie bedeuteten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer hatte die Büttel auf die Spur gebracht, wer war bereit gewesen, mit dem stehenden Kopfgeld von 50 Silbermünzen das eigene Gewissen zu erschlagen? Oder war es ein erbarmungsloser Zufall gewesen, der dem langjährigen verborgenen Treiben der blinden Seherin schließlich ein Ende bereitet hatte? Unter dem trüben Nachmittagshimmel voller tiefhängender grauer Wolke ballte Fel ihre Fäuste und schwor im Stillen Vergeltung für den Verrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hinrichtung beizuwohnen war nicht einmal eine geplante Strafe, sondern schlichter, gedankenloser Zufall: Die gesamte im Südflügel des Gerichtsgebäudes untergebrachte Kompanie wurde zum Zeugen der Vollstreckung des gräflichen Rechts, so wollte es die Tradition. Und jene Kompanie würde für die nächsten fünf Jahre Fels Heimat sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Magier zu finden, der die Ausbildung unwilliger Jungmagier ertrug, konnte keine leichte Aufgabe sein: Die Armee war nicht dafür bekannt, gut zu zahlen, wer seine Dienstjahre hinter sich gebracht hatte, der konnte leichte, sehr viel besser honorierte Arbeit ohne Mühe überall finden. Nach Fels Einschätzung konnte eine solche Person also nur ein inbrünstiger Karrierist sein, der leichtgläubig dem Irrglauben erleben war, sich mit dieser Art von Dienst einen besonders warmen Platz im Hinterteil des Grafen zu verdienen - oder ein Versager, der es außerhalb der Mauern der Kaserne noch nicht einmal fertig brachte die Stiefel zu schnüren ohne dazu aufgefordert worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kleine Büro im höchsten Geschoss des Westturms war nur über eine knarrende Holztreppe mit verzogenen Stufen zu erreichen, ein unvermeidlicher Tribut an das sumpfige Erbe Rossensprungs und die Feuchtigkeit, die auch jetzt langsam von allen Wänden im engen Aufgang tropfte. Vermutlich war all das hier einmal weiß getüncht gewesen, aber das Wasser hatte im Laufe der Jahre dunkle Streifen hinterlassen und eigenwillige Muster in die ehemals nüchterne Kargheit geprägt. Sichtbare Nägel und Querstangen aus Metall waren gleichermaßen von Rost gezeichnet. Alles war klamm und feucht, jede der krummen Stufen eine lauernde Falle für die noch nicht eingelaufenen Stiefel mit den noch viel zu dicken Sohlen und steifen Schäften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Arbeitszimmer machte keinen wesentlich besseren Eindruck, der Geruch nach Schimmel war so übermächtig, dass Fel mit dem Hustenreiz kämpfte, kaum, dass sie die Türe hinter sich geschlossen hatte.&lt;br /&gt;
Also kein Streber. Gut. Mit Abschaum hatte sie im Laufe der Jahre umzugehen gelernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Rekrut Fel Maris. Mir wurde befohlen, mich hier zu melden.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum ersten Mal sah der Mann hinter dem wuchtigen, eigenwillig deformiert wirkenden Schreibtisch auf und Fel konnte exakt den Moment bestimmen, an dem der Mann der “Anomalie” bewußt wurde - allzu verräterisch flackern der Blick der wasserblauen Augen, bevor die Lippen sich zu einer dünnen, unwilligen Linie verzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich bin Arngrimm Jerwalson, Magier-Feldwebel der zweiten Kompanie und Euer zugeordneter Ausbilder für alle magischen Themen. Ihr habt offenbar bereits eine gewisse, illegale Vorbildung erhalten. Vermutlich bedeutet das, dass Euer Kopf mit gefährlichem Halbwissen vollgestopft ist. Es wird meine Aufgabe sein, dieses Problem zu korrigieren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die noch offen gehaltene Akte wurde geschlossen - das Papier bereits gewellt durch die unvermeidliche Feuchtigkeit - dann setzte der Mann nach:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Hübsche Ohren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel spürte, wie ihr die Hitze in die Wangen kroch. Das war plump, selbst für einen armseligen Wicht in einem traurigen Büro mit einem undankbaren Tagewerk. Es hätte keinen Grund geben sollen, sich peinlich berührt zu fühlen, aber dennoch kämpfte sie für lange Sekunden mit einer Antwort und bevor sie etwas herauswürgen konnte, hob der Mann schon wieder seine Stimme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich habe hier euren Dienstplan, der in einigen wesentlichen Punkten von dem anderer Rekruten abweicht. Es ist Eure Verantwortlich pünktlich zu allen angesetzten Terminen zu erscheinen - kein Gefreiter wird Euch an die Hand nehmen und hierher führen. Bringt Ihr es fertig Eure Ausbildung zu versäumen, werden diese Tage Eurer Dienstpflicht oben aufgeschlagen. Es ist also in Eurem besten Interesse, stets pünktlich zu sein. Es gibt derzeit nur drei Schüler, was bereits zwei mehr sind als meine Geduld her gibt. Eine erste Einführung zu den Worten der Macht beginnt in einer Stunde. Wegtreten.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Abschied aus Breitenbach|SUBTITLE=Breitenbach, 433 (vor 17 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Breitenbach, dieser Tage die größte Stadt der Grafschaft Siebensteig, war mit den acht Tugenden im Kopf gegründet worden. Davon zeugten auch dieser Tage noch die acht Türme der inneren Mauer, die jeweils die Namen eines der Erzengel trugen. In den Jahrhunderten seit der Grundsteinlegung war die Stadt weit über die Grenzen dieses Kern hinaus gewachsen, hatte die anliegende Furt vollkommen gezähmt und überbaut, auch das andere Seite des Ufers der Usser mit einverleibt um schließlich selbst die Grafenstadt Beiring in den Schatten zu stellen - zumindest wenn man allein die Einwohner zählte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Spaltung hatte Breitenbach zum wichtigsten Verbündeten Beirings gemacht und damit zu einem konservativen Vertreter einer Ordnung von Recht und Gesetz. Aus dem Sinnbild der acht Erzengel waren im Laufe der Jahre Posten gewachsen, die mit der tatsächlichen Kirche des Herrn nur sehr, sehr lose verbunden waren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus der Gründerzeit blieb jedoch die Tradition erhalten, dass diese “Wahrer” nicht nur spezielle Aufgabengebiete in der Stadt zu erfüllen hatten, sondern darüber hinaus aus den Reihen ihrer Gefolgschaft legitimiert, erhoben - also gewählt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der “Wahrer der Ordnung Havriels”, verpflichtet der Tugend der Rechtschaffenheit, war immer abwechselnd mit dem “Wahrer der Ordnung Gabriels” dazu verpflichtet, die Gesetze der Stadt auszulegen und Urteile zu sprechen. In einer idealen Welt hätte es keinen Unterschied zwischen einer Auslegung zwischen “Rechtschaffenheit” und “Gerechtigkeit” geben sollen, aber die Wirklichkeit sah einfach anders aus. Insbesondere aufsehenerregende Prozesse wurden denn auch von beiden Seiten gleichermaßen dafür instrumentalisiert, ihre Anhänger für die nächste Wahl zu motivieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganze Bande von Herumtreibern, Tunichtguten und Dieben in eine Falle zu locken und festzusetzen, war bereits ein Spektakel gewesen, das eigentliche Schaustück folgte dann jedoch mit dem Prozess bei dem letztlich Recht auf traditionelle Weise gesprochen wurde: Jeder der Ertappten, der schon früher einmal bei einem Diebstahl ertappt worden war, würde seine linke Hand verlieren. &lt;br /&gt;
Jene, die in der Vergangenheit dem Gesetz entkommen waren, würden ein Jahr lang ihre Schuld gegenüber der Gesellschaft und den Tugenden n den Bergwerken abarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren sinnierte Fel in den dunkleren Stunden bisweilen darüber, welche Richtung ihr Leben wohl eingeschlagen hätte, wenn sie damals geistesgegenwärtig genug gewesen wäre, um bei der Angabe ihres Namens zu lügen: Hätte sie ein weiteres Jahr in den engen Tiefen durchgestanden, stets mit dem drückenden Gefühl endlosen, zerquetschenden Gewichts über dem Kopf, stets der Tatsache bewusst, dass Jasser, der letzte überlebende ihrer Brüder, sein Leben für den immer hungrigen Groll der grimmigen Stollen gegeben hatte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den modernen Zeiten geschuldet, schlug man im fortschrittlichen Jahr 433 nach der Gründung in Breitenbach keine Hände mehr ab, sondern zermalmte sie stattdessen. Das machte die ganze öffentlich durchgeführte Prozedur weniger blutig, aber nicht weniger beeindruckend: Nach dem fünften auf diese Weise gestraften Bandenmitglied kehrte unruhige Stille in die zuvor frohlockende Menge ein. Der Wahrer der Ordnung war es zufrieden: Er hatte vor allem im Angesicht des schwelenden Konflikts mit dem ewigen Konkurrenten Auenstein Entschlossenheit und Härte demonstriert, ohne sich zu unvernünftiger Rachsucht hinreißen zu lassen. Dem Gesetz - und der Gerechtigkeit - waren Genüge getan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Fel, die die zuvor in ihrem Leben die Stadt auch nur verlassen hatte, war das hier draußen eine unbekannt  Weite voller unklarer Gefahren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie eine bittere Ironie des Schicksals, war es gerade der nahezu unerträgliche Schmerz der verstümmelten, nutzlosen Linken, die sie davon abhielt auf irgendwelchen Umwegen den Rückweg hinter die feindseligen Mauern Breitenbachs zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie begann die Reise nicht allein, aber als sie Wochen später die Gestade Grauhafens an der Usser erreichte, war auch der letzte ihrer früheren Begleiter, Kameraden und Verbündeten verschwunden. Mit dem ersten Schritt hinein in die florierende Hafenstadt schwor sie sich von nun an ein neuer Mensch zu sein, den verhängnisvollen Pfaden der Vergangenheit nicht länger zu folgen. Wie eine Raupe, die sich verpuppte, um schließlich als Schmetterling ganz neue Horizonte zu entdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollte keinen ganzen Tag bis zum ersten Diebstahl brauchen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ausbildungsalltag|SUBTITLE=Rossensprung, April 447 (vor 3 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Rivalität zwischen den beiden Grafschaften Auenstein und Siebensteig, ausgelöst durch die Absplitterung Auensteins im Jahr 42 nach der Gründung, hatte nach Fels Ermessen zu einer ganzen Anzahl von Kuriositäten im Laufe der Zeit geführt. Anekdoten, die manchmal vergessen ließen, wie ernst der Konflikt tatsächlich war. Aus dem stetigen Schwelen wurde immer wieder einmal ein abrupter Brand, ein gewalttätiges Ringen, das selbst jetzt, gute vierhundert Jahre nach dem Anfang noch niemand als tatsächlicher Sieger hervorgegangen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine dieser Kuriositäten war, dass Auenstein Frauen im Militärdienst erlaubte und ihnen sogar Zugang zu Offiziersrängen ermöglichte. Natürlich nicht uneingeschränkt: Fortschritt und Aufgeschlossenheit hin oder her, die 422 eingeführte große Reform bezog sich ausschließlich auf Magier (solange diese nicht auf einem Schiff dienten) und kürzte die Karriereleiter zudem auf den Rang eines Leutnants. Weibliche Kompetenz hin oder her, niemand wollte eine ganze Kompanie tatsächlich einer Frau ohne männliche Oberaufsicht anvertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenngleich die allgemeine Einschätzung war, dass Magier zu wertvoll waren, um als einfache Soldaten verschwendet zu werden, war eine Grundausbildung unumgänglich, wenn man sich einen Rang nicht direkt erkaufen konnte. Und das wiederum war die Ursache dafür, dass Fel nun mit einer ganzen Gruppe anderer Rekruten über schlammigen Grund kroch, um danach in klitschnasser, vollkommen verdreckter Uniform die hohe Kunst des Exerzierens zu üben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auensteins Militärphilosophie, zumindest soweit es den Teil in Rossensprung betraf, glaubte an Drill, Gehorsam und Drill. In ganzen Büchern wurde darüber lamentiert, wie es notwendig war neue Soldaten durch eine Hölle von Demütigung und Erniedrigung zu peitschen, bis aus dem gemeinsamen Schmerz der Gruppe schließlich ein Gemeinschaftsgefühl erwuchs, das letztlich bereit war auf einen feindlichen Pikenwall zu zu stürmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Doktrin erlaubte an diesem Punkt der Ausbildung keine Reagenzien oder andere Hilfsmittel für Magier, nichts, was es Fel ermöglichte hätte, mit den anderen Rekruten zumindest gleichzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade jetzt, in der Mitte einer sumpfigen Strecke mit knöchelhoch stehendem Wasser über saftigem, schlammigen Grund fühlte Fel sich dem Tode nah: Die Erschöpfung hing so tief in ihren Knochen, dass jeder einzelne Schritt sich wie eine Qual anfühlte und die geflüsterten Flüche ihrer Begleiter waren voller wütender Ressentiments: Eine Gruppe, so hatte der Ausbilder doziert, war nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Niemand durfte zurückgelassen werden, aktive Unterstützung war aber ebenfalls untersagt: Dies war schließlich die Grundausbildung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo die schnellste Gruppe sich Lob und den besten Platz bei der Mittagsverpflegung erhalten würde, blieb für die Verlierer in diesem Wettrennen vielleicht nicht einmal genug Zeit, um überhaupt den Magen zu füllen, bevor bereits das Üben von Formationen im Gelände anstand. Zuckerbrot und Peitsche, alles für das Wohl der Armee und zur Motivation einer stetigen Verbesserung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur, dass das System für Fel einfach nicht funktionierte: Allein ihretwegen hing die Gruppe weit hinter allen Anderen zurück und das entfachte nicht etwa das warme Feuer gemeinschaftlicher Verbundenheit sondern kalter Verachtung und Wut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Los, verdammt nochmal, vorwärts Maris!”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Elendes Weib, warum mussten wir das Pech haben, sie zu bekommen.”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dreckiges Halbblut ist für nichts Nutze, wir sollten sie hier ersaufen lassen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gepressten Flüche wandelten sich in Fels Wahrnehmung in ein gleichförmiges Summen, unbedeutend vor der Erschöpfung. Nur einen Moment ausruhen. Innehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kam zu sich, als ihr Gesicht in das brackige Wasser getaucht wurde, eine unnachgiebige Hand im Nacken, die es ihr in Verbindung mit dem matschigen Untergrund unmöglich machte, irgendwo Halt zu finden. Die um sich schlagenden Arme fanden nur zähen Schlamm, die Füße steckten ohnehin noch tief genug im Matsch, dass die Gefahr bestand die Stiefel zu verlieren und die gesamte getragene Ausrüstung schränkte die verbleibende Beweglichkeit soweit ein, dass selbst ein auf den Rücken geworfener Käfer bessere Chancen gehabt hätte wieder auf die Füße zu kommen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das heiße Aufwallen von Panik erschöpfte sich binnen Sekunden und Fel spürte ihren ganzen Körper schwerer werden, während die Wahrnehmung sich eigenartig entfernte, schrumpfte. Das war es. Ersäuft wie ein junges Kätzchen im Sumpf von ihren eigenen Kameraden.&lt;br /&gt;
Der Gedanke war nicht mehr genug, um die bleischwere Gleichgültigkeit abzustreifen, die sich ihrer bemächtigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas, vielleicht ein Stiefel, traf ihre Flanke hart genug, um die Rippen nachgeben zu lassen, dann zerrte die feste Hand im Nacken ihren Kopf wieder aus dem schlammigen Nass. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;hr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vier Stunden später saß Fel im längst schon vertrauten Büro Jerwalsons, der sie wie stets betrachtete: Ein Ärgernis, das ihn zwang, seine Zeit und Aufmerksamkeit für wichtigere Dinge einzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe ihn gewarnt. Aber Leutnant Caimbeul ist ein Patriot. Er ist einer dieser Männer, die ihren ganzen Stolz in ihre hohen Maßstäbe stecken und sich persönlich beleidigt fühlen, wenn etwas - oder jemand - nicht in der Lage ist, diese Maßstäbe zu erfüllen. Das funktioniert leidlich mit dem normalerweise vorhandenen Material, aber es war abzusehen, dass du ihn enttäuschen werden würdest. Wessen Schuld ist es also?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Lächeln des Mannes war dünn, die unehrliche Maske eines Zyniker, der ohne die kleinste Scheu Fallen stellte und Fel fragte sich nicht zum ersten Mal, was Jerwalson hierher verschlagen, welches Schicksal ihn gezwungen hatte als Feldwebel der Auensteiner Armee zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem kalkulierenden Blick des Ausbilders war sie sich ihrer eigenen Erscheinung nur zu bewußt: Das kurzgeschorene Haar betonte die Fremdartigkeit ihrer Gesichtszüge nur noch, die feinen Ohrspitzen waren ebenso unübersehbar, wie die filigrane Schmalheit der ganzen Statur. In der Stadt hatte es nie die Notwendigkeit gegeben Kraft oder Ausdauer zu entwickeln: Schnelle Reflexe und die Fähigkeit sich rasch wegzuducken waren selbst in Fels Jahren auf der Straße immer ausreichend gewesen und ihre Zeit im Dienst des Hauses Telketh hatte auch jenen Fähigkeiten die Schärfe genommen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Uniform verbarg die straff um die Rippen gezogenen Verbände, aber natürlich würden sie im Einsatzbericht erwähnt sein, der sich vor Jerwalson auf dem Schreibtisch wellte. Die verdammte Feuchtigkeit war einfach überall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Es gibt keine Möglichkeit für Euch, in irgendwie angemessener Zeit diese Anforderungen zu erfüllen. Die beiden angebrochenen Rippen sind dahingehend ein Segen: Ihr seid für die nächsten Wochen vom regulären Außendienst befreit, könnt - und werdet - aber in dieser Zeit mit den regulären Studien fortfahren. Militärgeschichte, Strategie, Taktik und natürlich Magie. Macht Euch in der Zeit einen Kopf, wie Ihr mit der Situation umgehen wollt. Sitzt es aus, und ihr seid in einem Mond wieder in diesem Sumpf, nur dass es dieses Mal vielleicht niemanden gibt, der einen ..”&#039;&#039; - er blickte auf den Bericht hinab - &#039;&#039;“.. unglücklichen Unfall vermeiden kann.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist nicht gerecht.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Momente starrte Jerwalson nur, mehr Erstaunen als Verachtung in den wasserblauen Augen, dann lehnte er sich zurück in den abgewetzten Sessel um Fel zu studieren wie einen besonders absonderliche Fliege, die es gerade gewagt hatte ein Bad in seinem Weinglas zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin erstaunt. Gerechtigkeit. Von Euch. Ein Mann, der die richtigen Fragen stellt, hat es nicht allzu schwer, die Herkunft eines Halbbluts nachzuvollziehen, auch wenn die Finger mich beinahe von der Fährte geworfen hätten.” &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Er deutete beiläufig auf die linke Hand Fels, die sich unter der Geste ganz unwillkürlich zur Faust ballte. Nur ein scharfes Auge war in der Lage zu bemerken, dass sie nicht ganz gleichmäßig reagierten, nicht ganz so schnell, wie man es vielleicht erwarten sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was wollt Ihr damit sagen?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dass ich kein Schauspiel schätze. Ich bin sicher, dass Ihr besser als die meisten Rekruten dieser Armee wisst, dass man nichts geschenkt bekommt. Alles hat seinen Preis, auch wenn er manchmal erst später präsentiert wird. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schön. Aus gegebenem Anlass werden wir Theorien und Übung zu heilender Magie vorziehen. Wir werden gleich sehen, wie gut ihr meine Anweisungen zur Anweisung des Ginsengsirups befolgt habt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ludwigs Abschied|SUBTITLE=Rossensprung, August 446 (vor 4 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Vor dem Aufstieg zur großen Handels- und Hafenstadt, war Rossensprung eine unbedeutende Ansiedlung gewesen, nicht einmal interessant genug für einen abgeordneten Ritter um die sumpfige Landschaft der hier in viele Finger zerfasernden Usser im Auge zu behalten. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch hatte es schon recht früh am Hauptlauf des Flusses ein paar einzelne Hütten gegeben: Ein Umschlagplatz für flussaufwärts geschlagenes Holz, das hierher geflößt und dann weiter in Richtung anderer Städte verschifft wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine frühe Beschreibung der Ansiedlung aus dem Jahr 37 nach der Gründung beschrieb bereits den traurigen Alltag von Torfstechen, die mit dem unsicheren Grund und den heißen Quellen zu kämpfen hatten, erwähnte auch die stets präsente Feuchtigkeit die allzeit über der Stadt hing wie eine unerfreuliche Glocke. Rossensprung stank nach Schwefel, Fäulnis und Verfall, genug um den Autoren wettern zu lassen, dass es keine weiteren zwei Dutzend Jahre dauern würde, bis diese Brutstätte für Krankheiten und Niedergeschlagenheit menschenverlassen sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schicksal wollte es anders, auch wenn in den kommenden Jahrzehnten eines vollkommen klar wurde: Was auch immer aus Stein gebaut wurde, das versank langsam im Schlamm und trieb damit ganze Generationen von Architekten in den Wahnsinn, denn jeder Versuch ein Fundament irgendwo im Untergrund zu verankern, erwies sich letztlich als fruchtlos. Ganz gleich wie viel Mühe, Sorgfalt und Planung auch aufgewendet wurde: War es aus Stein, wurde es irgendwann vom Sumpf geschluckt. Im Falle von Gebäuden führte das zu einem gewissen schulterzuckendem Pragmatismus: Jede Generation musste einfach das Dach abtragen, ein neues Stockwerk obenauf setzen und die tiefsten Keller aufgeben, die irgendwann selbst einmal ein Dachboden gewesen waren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Was dagegen aus Holz gefertigt wurde, das fiel unvermeidlich eher früher als später der Feuchtigkeit zum Opfer. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Art war das Leben: Ein stetiger, langsamer Wandel und die immer präsente Erinnerung an die Vergänglichkeit alles Seins. Würden alle Menschen von einem Tag auf den anderen aus Rossensprung verschwinden, dann würde es keine 30 Jahre dauern, bis von ihrer vorherigen Präsenz nichts mehr zu sehen sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Abend hing auch Fel ähnlichen Gedanken nach, während sie ganz im Westen der Stadt über faulende Hängebrücken balancierte um die letzten windschiefen Katen zu erreichen. Die alte Hütte der blinden Seherin hatte das Schicksal ereilt, war gemeinsam mit einem Rest der alten Stadtmauer kollabiert und das hatte sie gänzlich in die Peripherie der Siedlung getrieben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Alles änderte sich, nur Fel fühlte sich, als wäre sie kein Teil dieses Stroms, trieb so langsam, als wäre ein Anker an ihr befestigt, während alle anderen ihr Potential entfalteten und erblühten. Ludwig, der ihr für zwei Jahre ein getreuer, liebgewonnener Begleiter als geheimer Lehrling der Seherin gewesen war, hatte vor nunmehr Wochenfrist seine eigentliche Schusterlehre abgeschlossen und war nun ein Geselle, bereit mit Brief und Siegel seines Meisters in die Welt hinaus zu ziehen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nur, dass er nicht davon träumte ein Schuster zu werden: Ludwigs Wissen und Fähigkeiten im Umgang mit der Magie hatten das von Fel binnen Monaten überholt und nach zwei Jahren der Unterweisung hier am Rande von Rossensprung, stets in der Sorge, dass das strafende Auge des Gesetzes irgendwann aufmerksam werden würde, gab es für ihn nichts mehr zu lernen. Sich der Armee für fünf Jahre zu verpflichten, kam für Ludwig nicht in Frage und außerhalb der Grafschaft Auenstein würde man einem Magier ganz andere Möglichkeiten bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Ich beneide ihn.’ &#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam ungerufen, während Fel die letzte Planke überquerte und sich dann der Führung eines gespannten Seils anvertraute. Soweit draußen war es unvermeidlich, sich die Füße schmutzig zu machen, durch den zähen Schlamm zu waten. Es war gefährlich, von der durch das Seil vorgegebenen Linie abzuweichen: An manchen Stellen gab es regelrechte Löcher im Untergrund, unsichtbar durch das trübe Wasser, bis man hinein trat. Manche waren nur unbequem, durchnässten die Beinkleider und beschädigten die Würde. Andere konnten einen Spaziergänger im Nu verschlucken. Wie die meisten Anwohner Rossensprungs, hatte auch Fel nie gelernt zu schwimmen.. Rein theoretisch konnte die Magie ihr in einer solchen Situation zu Hilfe kommen, aber sie zweifelte, ob sie im Falle des Falles die notwendige Geistesgegenwart und Entschlossenheit aufbringen konnte, um die Panik zurückzudrängen und einen Zauber zustande zu bekommen. Von anderen logistischen Schwierigkeiten ganz zu schweigen. Besser also vorsichtig zu sein, jeden Schritt zu planen und sich nie allein der linken Hand anzuvertrauen, deren Finger niemals ganz ihre frühere Kraft und Geschicklichkeit zurückgewonnen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Alltag war das eine nur gelegentlich zu bemerkende Einschränkung, unbedeutend für die Arbeit im Kontor des Hauses Telketh, in dessen Gefolge sie vor nunmehr sechs Jahren nach Rossensprung gekommen war. Grauhafen war schöner, interessanter und vor allen Dingen trockener gewesen, aber diese Stadt hier hatte zwei sehr verschiedene Möglichkeiten geboten. Beide hatten sich auf ihre Art und Weise erfüllt: Im Laufe der Jahre waren Fels Aufgaben gewachsen, bis zu jenen einer vollwertigen Schreiberin, die ohne weitere Anweisungen Teile der Buchführung des Kontors erledigen konnte. Andere wurden vielleicht auch hier rascher befördert, aber sie kamen und sie gingen. Rossensprung war hart für jene, die den einfachen Luxus einer normalen Stadt gewohnt waren, nicht wenige entwickelten mit der Zeit einen hartnäckigen Husten oder eine nervöse Haut als Tribut an die immerwährende Feuchtigkeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach den sechs Jahren war Fel das am längsten hier arbeitende Mitglied des Handelshauses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An den zweiten Vorteil, den die Umsiedlung nach Rossensprung mit sich gebracht hatte, dachte Fel ungern zurück, denn das gemahnte sie immer an eine Vergangenheit, die sie seit der Ankunft in dieser faulenden Stadt endgültig hinter sich zurückgelassen glaubte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Aber so ist es nicht. Die Dinge verschwinden nur aus der Sicht, wie eine der aus Stein gefügten Mauern hier. Aber das bedeutet zunächst nur, dass man sie nicht mehr ohne Weiteres bemerken kann. Wer unaufmerksam ist, kann sich dennoch den Zeh daran stoßen.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke - so beiläufig er eigentlich auch sein mochte - sorgte dafür, dass ihr Herzschlag sich beflügelte, die Stimmung mit dunklen Wolken driftenden Unbehagens füllte, bis sie endlich das Ende des markierten Pfades erreichte und damit auch eine kleine, zumindest halbwegs feste Insel inmitten der trügerisch ruhigen Brache. Von hier aus waren es kaum noch zwei Dutzend Schritt bis zum halb vermoderten, mittlerweile gänzlich von Moos und Krimmalgen überwucherten Rumpf einer hier aufgegebenen Barke und direkt daneben befand sich eine daran vertäute, schwimmende Plattform aus zusammengenagelten Brettern, jetzt besetzt von einer einzelnen, hockenden Gestalt, die in Richtung der Ankommenden spähte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz des trüben Zwielichts hatte Fel keine Schwierigkeit damit Ludwig zu erkennen, zu vertraut war seine Haltung. Viel hatte sich sonst in den letzten beiden Jahren verändert: Aus dem schlaksigen Jüngling war schon fast ein Mann geworden, der sie mittlerweile um einen halben Kopf überragte. Als sie sich neben ihn hockte, hatte sie keine Schwierigkeiten den dunklen Bartschatten auf seinen Wangen zu erkennen: Diese offene Rebellion hatte warten müssen bis zum offiziellen Abschluss der Schusterlehre. Die Veränderung hatte bereits begonnen. Und morgen würde er Rossensprung verlassen, vielleicht für immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als hätte er diese Gedanken aufgefangen, lehnte Ludwig sich leicht zur Seite, eben weit genug, dass seine Schulter die der neugewonnenen Nachbarin berührte und hob die Stimme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“In einem Jahr bin ich wieder zurück. Ich habe bereits alles durchgeplant, weißt du? Ich folge der Usser in Richtung ihres Oberlaufs, vorbei an Grauhafen, bis zur Grenze zwischen Auenstein und Siebensteig. Von dort aus komme ich mühelos weiter: Breitenbach ist dann der richtige Platz um einen neuen Lehrmeister zu finden. Ich erwarte ungefähr sechs Monate, vielleicht ein wenig schneller, wenn dein Vertrauen in mich begründet ist. Mit dem Beginn des Sommers werde ich dann einfach eines der Schiffe besteigen und hierher zur Mündung kommen, vielleicht reise ich sogar mit ein paar Flößern, was denkst du? Sie sind eine raue Bande, heißt es, aber überaus herzlich und ich denke, sie haben nichts gegen die Begleitung eines Magiers.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel wollte widersprechen, darauf hinweisen wie abergläubisch solches Volk im Allgemeinen auf jeden Anwender von Magie reagierte, aber sie brachte es einfach nicht über das Herz. Nicht, weil Ludwig keine Korrektur vertragen hätte, sondern schlicht, weil er nur redete, um die Stille zu füllen, um die Decke von Wehmut abzuwehren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nichts bleibt. Alles ändert sich.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas wie ein Wellenschlag lief durch das Begreifen - für einen Moment war die Welt ganz fern, distanziert und unberührbar, in vollkommene Stille getaucht, durch die allein das Geräusch unbestimmbar ferner Atemzüge kroch. Gewaltig. Als würde ein Berg selbst seine Lungen füllen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel erschauderte, sich zusammenduckend, während Ludwig den Kopf hob wie ein Jagdhund, dem eben gerade eine ganz eigenartige Witterung in die Nase gestiegen war. Warme Begeisterung fand Eingang in seine sich hebende Stimme:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Hast du das gespürt Fel? Das war eine Störung im astralen Gewebe, darauf verwette ich meinen Gesellenbrief. Wie ein Reflex, ein Echo. Ich frage mich wirklich, was das ausgelöst hat. Kannst du dir überhaupt vorstellen, was das ausgelöst haben könnte? Irgendetwas.. Großes muss passiert sein!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, begriff Fel, war der eigentliche Unterschied zwischen ihnen beiden: Ludwig schaute erwartungsvoll in die Zukunft, zuversichtlich und entschlossen, bereit Wagnisse einzugehen und sich zu beweisen. Er würde an seinen Herausforderungen wachsen, während Fel blühte wie Nachtschatten: Verborgen und zurückhaltend, darauf wartend irgendwann von einer unbedachten Hand geknickt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe es bemerkt, ja. Und es muss etwas sehr starkes gewesen sein, dass wir es bis hierher spüren konnten. Myra wird fluchen: All ihre Tränke werden verdorben sein.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dann lass sie fluchen! Sie ist ohnehin nie zufrieden. Komm, wir staken ein Stück tiefer in den Sumpf, bis zur Anhöhe der Glühwürmchen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Stunden später schlich Fel sich im ersten Licht des neuen Morgen zurück in ihre Heimat. Erschöpft, wehmütig und dennoch von einer eigenartigen Zuversicht erfüllt. Sie würde auf Ludwig warten - ein Jahr war nicht so lang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie von selbst schrieben ihre Finger jene Worte nieder, die seit dem Moment der Störung im Hintergrund ihrer Gedanken brodelten, gab den Silben Form und sich selbst damit Frieden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die blinde Seherin|SUBTITLE=Rossensprung, April 443 (vor 7 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Bislang hatte es Fel nur selten in den Südwesten Rossensprungs verschlagen, aber natürlich kannte sie all die Geschichten. Man konnte nicht Schreiber im Kontor eines Handelshauses sein, ohne das Geschwätz mitzubekommen und ohne seinen eigenen Teil dazu beizutragen. Und das war in gewisser Weise auch der Anlass für ihre Anwesenheit hier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursprünglich war die Ansiedlung genau hier entstanden und dann entlang der vielen Arme der Usser gewachsen, den unsicheren, nachgiebigen Grund Stück für Stück erobernd. Oder zumindest für eine Zeitlang zähmend, denn eine wirklich finale Schlacht gab es in diesem endlosen Krieg einfach nicht: Jeder Tag aufs neue war ein Kampf gegen die allgegenwärtige Feuchtigkeit, gegen Schimmel und Fäulnis die gemeinsam Holz verschlangen und den Rost, der das Eisen zerfraß. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gepflasterten Wege in der Oberstadt standen gewiss in der Hälfte aller Tage eines Jahres mehr oder weniger tief unter Wasser. Das hatte zu einigen interessanten kulturellen Eigenheiten geführt: Schuhwerk wurde entweder überhaupt nicht getragen, oder in Form von kniehohen Lederstiefeln. Eleganz war einfach kein Faktor, der lange in solch widrigen Umständen überlebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier, abseits der gutbetuchten Viertel, gab es keine Wege dieser Art: Anwohner und Besucher gleichermaßen, balancierten über ausgelegte Planken, folgten teilweise auch nur gespannten Halteleinen, als hätten sie keine Sorge, dass der schlammige Untergrund sich jederzeit öffnen und sie verschlingen könnte. Für Fel war das nahezu unbegreiflich: Sie selbst hatte nie gelernt zu schwimmen und das traf auf den allergrößten Teil der Rossensprunger gewiss ebenfalls zu. Ein einziger Fehltritt konnte über Leben und Tod entscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das tat dem regen Treiben auf dem Jahrmarkt keinen Abbruch: Unzählige Händler hatten hölzerne Plattformen herangeschafft und dort ihre Zelte aufgeschlagen, priesen nun lautstark Waren an, feilschten um jeden Groschen, während nur ein Stück weiter ein paar Akrobaten zur Begeisterung der Zuschauer mit Äxten jonglierten. Es wurde gekocht und gebraten, gespielt und gesungen, ein Stück weiter flogen Fäuste in einem Kampf, auf dessen Ausgang eifrige Wetten abgeliefert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An einem anderen Tag hätte Fel sich unter die Menge gemischt, ein Teil des Ganzen. Aber heute war ihr Ziel das fleckige Zelt ganz am Rande des Jahrmarktes. Irgendwann war die Leinwand gefärbt gewesen, darauf wiesen Spuren an den Nähten noch immer hin, aber selbst beim besten Willen war Fel nicht in der Lage, die ursprüngliche Farbe zu identifizieren. Was wie die halb verblassten Reste geheimnisvoller Siegel wirkten, konnte auch einfach getrocknetes Schmutzwasser sein, vielleicht Schimmel, der nie vollständig aus dem Gewebe gewichen war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Drinnen herrschte ein Zwielicht, das bereits an Halbdunkel grenzte, das einzige Licht entstammte einem halbes Dutzend niedrig brennender Talgkerzen, deren scharfer Geruch sich mit anderen Akzenten mischte: Salbei. Knoblauch. Irgendein anderes Kraut, das Fel nicht zu identifizieren vermochte, aber dass ihr die Tränen in die Augen trieb und die Lunge zum Husten reizte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Willkommen. Ich bin Myra. Blind, wo andere sehen. Sehend, wo ihr blind seid. Was ist dein Begehr, Kind?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel Platz war im Inneren nicht und der verfügbare Raum wurde von dem ovalen Tisch beherrscht, hinter dem die Seherin sich verschanzt hatte, wie hinter der Mauer einer Festung. Überall waren Kisten und andere Behälter aufgestellt, das Licht der Kerzen brach sich an einer Vielzahl an glänzenden Schmuckstücken aus Glas oder Zinn. Alles wirkte billig, heruntergewirtschaftet. In einigen Fällen war es leicht den Finger darauf zu legen: Der Tisch besaß nur noch ein einzelnes seiner ursprünglich gedrechselten Beine, die anderen Drei waren irgendwann durch minderwertige Stecken ersetzt worden, die ihren Dienst zwar erfüllten, aber jedem Gefühl für Ästhetik einen rücksichtslosen Dolch direkt ins Gesicht trieben. &amp;lt;br&amp;gt;An anderen Stellen waren die Zeichen subtiler. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin Fel. Kommen nicht alle aus dem gleichen Grund hierher? Um etwas über ihre Zukunft zu erfahren?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Du wärst überrascht, Kind. Setz dich.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Frau fixierte Fel aus milchig-trüben Augen - ein Blick, der gerade unfokussiert genug war, um warmes Unbehagen in ihr hervorzurufen. Vielleicht war es keine gute Idee gewesen, hierher zu kommen. Was auch immer der Volksmund murmelte, es war offensichtlich, dass diese Frau ein Scharlatan war, jemand, der seinen Lebensunterhalt mit der Dummheit anderer verdiente. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin kein Kind. Und ich glaube nicht, dass du mir etwas sagen könntest, dass ich nicht bereits weiß.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch fand Fel sich dabei einen Platz auf dem wackeligen Schemel zu suchen. Letztlich hatte sie bereits all die Mühe auf sich genommen, um hierher zu kommen. Was konnten ein paar zusätzliche Minuten da schon schaden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte ließ sich jedenfalls von der Herausforderung nicht stören, mischte mit noch immer geschickten Händen übergroße Karten, die irgendwann ebenfalls reich verziert gewesen waren. Die Feuchtigkeit hatte auch hier ihre Spuren hinterlassen. Schliesslich platzierte sie drei davon in der Mitte des ovalen Tisches, gerade auf halben Wege zwischen Fel und ihr selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Wen suchst du?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war schwer, den ersten Impuls herunterzuschlucken, den Wunsch direkt mit der Frage herausplatzen. Das war etwas .. Neues, eine Schwäche, die mit den Jahren in der Sicherheit eines regulären Lebens erwachsen war. Es war leicht, sich an Vertrauensseligkeit zu gewöhnen, wenn man sich keine Gedanken um die nächste Mahlzeit oder um in der Dunkelheit lauernde Messer zu machen hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Frage war gestellt und letztlich, tatsächlich auch der Grund für ihre ganze Anwesenheit hier. Die Gelegenheit nicht beim Schopfe zu packen würde Verschwendung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Meinen Vater. Gil Melethron. Der Name ist fast das Einzige, was ich über ihn weiß.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In gewisser Weise, wurde Fel in diesem Moment bewusst, war der Name auch das Einzige, was von ihrer Kindheit geblieben war: Das Gesicht ihrer Mutter hatte im Laufe der Jahre an Schärfe verloren, soweit verblasst, dass selbst der verzweifelte Zorn letztlich in mürbe Resignation gereift war. Lia hatte nie aufgehört von ihm zu sprechen und sich dann irgendwann aufgemacht, um ihren verlorenen Geliebten wiederzufinden. Die drei Kinder, alle von verschiedenen Vätern gezeugt, blieben zurück, sich selbst überlassen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ihr ältester Halbbruder war nahezu genauso lange verschwunden, die anderen beiden schon längst in das kalte Zwielicht der Schattenwelt eingetaucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist kein Name, Kind.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die krächzende Stimme der blinden Seherin riss Fel zurück in das Hier und Jetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Bestenfalls ist es ein Kosename. der ungefähr die Bedeutung von ‘geliebter Stern’ hat. Deine Aussprache und Betonung sind jedoch furchterregend. &#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Willst du meinen Rat, Kind? Vergiss den Namen und höre auf, nach deinem Vater zu suchen. Es gibt Leidenschaften, die dich voranbringen und erfüllen, diese hier ist aber nur fruchtlose Vergeudung. Solche Dinge passieren. Ich vermute, dass dein Vater in seinem Volk selbst ein Ausgestoßener ist, verachtet für den leichtfertigen Umgang mit den Menschen. Es ist denkbar, dass du Dutzende von Halbgeschwistern hast, spitzohrige Bastarde, die nirgendwo wirklich willkommen sind. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich kann dir die Karten legen, wenn du von der Vergangenheit träumst, aber sie flüstern wenigstens auch von der Zukunft. Und wen kümmert schon, was gestern war?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen langen Moment schmerzte alles wie eine eigentlich schon lange vernarbte Wunde, aufgerissen durch eine unbedachte Bewegung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Das ist, was ich bin. Nirgendwo wirklich willkommen.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sich streckenden Finger berührten den verblassenden Rücken der ersten Karte, um sie dann zu wenden. Ganz beiläufig strich die Hand der Seherin einmal über die Fratze der abgebildeten Schreckensgestalt, bevor sie ihre Stimme hob.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Dämon. Das ist deine Vergangenheit - ein Hinweis auf unerwartete Schwierigkeiten, auf Unglück oder Pech, die dein Schicksal an bestimmten Stellen umgelenkt haben in neue Bahnen. Auch wenn diese Karte ungern gesehen wird, ist sie nicht als solche negativ, vor allem in der Vergangenheit. Vermutlich ist ihr Einfluss nun abgeklungen. Zwei Karten nun für deine Gegenwart.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schmerz wandelte sich, vertraut wie die Dunkelheit am Ende jedes Tages und Fel folgte der Weisung der Seherin, um zwei weitere Karten umzudrehen. Dieses Mal realisierte sie, dass die Alte die Karten allein durch ein beiläufiges Tasten zu erkennen vermochte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Mond und die Sonne. Das .. ist eine sehr interessante Kombination. Die Gegenwart besteht in diesem Legemuster immer aus zwei Teilen: Der Wirklichkeit und dem Traum. Der Mond ist deine Wirklichkeit: Er steht gewöhnlich für Einsicht und Selbsterkenntnis, auch Nachdenklichkeit und Intuition. Die Sonne repräsentiert den Traum, das, was du willst: Schaffenskraft und Freude. Licht schaffen und Wärme. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Art und Weise, wie sie hier zusammenstehen, sind sie sehr viel wörtlicher zu verstehen, Kind. Du wärst gern jemand. Aber dir fehlen der Mut und die Fähigkeiten. Du bist eifersüchtig, neidisch und das prägt deinen Alltag. Vergangenheit und Gegenwart sind benannt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte mischte alle offenen Karten zurück in den Stapel, ihre Finger bewegten sich mit einer Routine, die auf jahrelange Erfahrung schließen ließ. Die Frau mochte blind sein, aber das tat ihrer Geschicklichkeit keinen Abbruch und nach einer endlos anmutenden Minute breitete sie schliesslich drei verdeckt liegende Karten vor Fel aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist der wahrscheinlichste Pfad deiner Zukunft. Eine Karte beschreibt das Schicksal. Eine zweite beschreibt, was dir dabei hilft. Die dritte schliesslich ist das größte Hindernis auf deinem Weg. Deck auf.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Woher weiss ich, welche der drei für was steht?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Seherin lachte nur, anerkennend und gutmütig.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist fast die beste Frage die ich in diesem Zelt in diesem Jahr gehört habe. Nun decke auf, Kind. Ich werde es für dich erläutern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Mal gehorchte Fel und deckte die drei Karten nacheinander auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein zweites Mal wurden die erste und die letzte Karte befüllt, als wäre die Seherin selbst überrascht davon, was das Schicksal offenbarte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Interessant. Ich habe selten eine so klare Kombination gesehen: Deine Zukunft ist der Stern: Du wirst dein Glück, deine Bestimmung finden. Der Stern ist ein machtvolles Zeichen der Hoffnung und Erfüllung. Interessanterweise steht er auch für das Elfenvolk. Das ist überaus gut und könnte bedeuten, dass du letztlich auch hier dein Schicksal findest.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dir zur Seite steht dafür der Magier, dessen Anleitung und Weisung dich auf den richtigen Weg bringt. Hüten musst du dich vor dem Gehängten, der hier fast schon wortwörtlich genommen werden muss: Das ist das argwöhnische Auge des Gesetzes, das alles verderben kann, was dir der Stern verheißt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel konnte den plötzlichen Enthusiasmus der Alten nicht teilen: Das alles roch ein wenig zu sehr wie ein billiger Trick, wie etwas, das sich jemand mit dem Geschick der Alten und ihrer Fähigkeit Karten offenbar mit einer Berührung zu identifizieren, ausdenken konnte. Fast noch wichtiger: Beim Starren auf die drei Karten und die dort zu sehenden Gestalten &#039;&#039;fühlte&#039;&#039; sie regelrecht die Disharmonie. Vielleicht war die Reihenfolge einfach nicht korrekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich kenne nur einen einzigen Magier und der ist zu arrogant, um jemandem wie mir auch nur einen Seitenblick zu gönnen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Jemandem wie dir, Kind? Wir sind in Rossensprung, daher darf man solche Dinge nicht laut ausspreche, aber ist dir nicht bewusst, was dein Erbe bedeutet? Du trägst diese Gabe in dir. Du brauchst nur die Hilfe eines anderen Magiers, um diese Möglichkeiten für dich zu öffnen, jemand, der dich schult - möglichst vorbei am wachsamen Auge des Gesetzes, das alles verderben kann.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die knorrigen Finger der Seherin tippten ganz beiläufig auf das Abbild des Gehängten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Lass mich dir von einer Möglichkeit erzählen, Kind. Aber ich sehe bereits, wie die Zukunft dabei ist sich zu entfalten.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;hr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahre später, im Bauch eines  schaukelnden Schiffs, schrieb Fel die Erinnerung an dieses erste Zusammentreffen mit der alten Seherin nieder, die ihre erste Lehrmeisterin werden würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich spürte es schon damals. Die Diskrepanz. Ich bin mehr als je davon überzeugt, dass sie die Karten bewusst in diese Reihenfolge brachte, um mich als Schülerin zu gewinnen. Aber es bleibt dieser Zweifel: Was, wenn da etwas war? Mehr als nur ein Taschenspielertrick? Ich kann nicht aufhören darüber nachzudenken, wie die richtige Reihenfolge der Karten ist. Ich kann die Erinnerung nicht abschütteln an dieses Zusammentreffen mit Ludwig. Es gibt eine Wahrheit dahinter, die noch darauf wartet mir ins Gesicht zu springen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Echos|SUBTITLE=Rossensprung, 448 (vor 2 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der große Markt im Südwesten von Rossensprung hatte sich über die Jahre hinweg nicht geändert. Gewiss, die Zelte wechselten und damit auch die dominierenden Farben, aber noch immer war er geprägt von den halb schwimmenden Holzplattformen und den unzähligen zeitweiligen Brücken, die dazwischen geschlagen worden waren. Es gab, so sinnierte Fel, während sie sich zwischen einigen wild gestikulierenden Interessenten für die Ware eines Töpfers hindurchdrückte, nur voller als zu anderen Zeiten. Das war keine Folge eines weiteren wirtschaftlichen Aufschwungs, sondern Ausdruck der unsicheren Zeiten: Die langen Spannungen zwischen Auenstein und Siebensteig hatten sich einmal mehr in einen offenen Konflikt entladen, das ganze Land entlang der Usser schien in Waffen zu stehen und es gab keinen Tag an dem sich am Horizont nicht qualmende, dunkle Rauchwolken ausmachen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch: Rossensprung war so weit von der Front entfernt, wie überhaupt nur möglich, der einzige echte Überseehafen von ganz Ussaria. Kein Wunder also, dass es Flüchtlinge und Opportunisten gleichermaßen in die Stadt trieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die immerwährende Unstetigkeit der treibenden Plattformen war eine Konstante, mit der die Anwohner Rossensprung mit der Zeit zu leben lernten, aber es erforderte Zeit und Gewohnheit. Selbst gestandene Seeleute, eigentlich an unsicheren Boden unter den Füßen gewohnt, fluchten über den abrupt ruckelnden Grund und hier, gerade vor dem Stand eines Kesselflickers, der eine ganze Auswahl hübscher kupfergetriebener Töpfe und Pfannen ausgestellt hatte, kämpfte nun ein Halbdutzend Matrosen mit dieser Unbille. Einer von ihnen war, vertieft in Austausch mit seinen Kameraden, gegen Fel getaumelt, die zuvor in seiner Hand gehaltene Kanne war zu Boden gefallen und ein kleines Stück gerollt, bis der Fuß eines Anderen sie aufhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Pass auf, wo du deine verdammten Füße hinsetzt, Spitzohr!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Instinkt war den Kopf einzuziehen, sich kleiner zu machen und in der Menge unterzutauchen. Der Konfrontation ausweichen, die gewiss keinen Gewinn, sicherlich aber unerwünschte Aufmerksamkeit bringen würde. Stattdessen biss sie die Zähne zusammen und wandte sich um, fixierte den erzürnten Mann. Die eben noch erhobenen Fäuste wurden widerwillig gesenkt, als er die Uniforminsignien auf der Brust identifizierte und Fel konnte einen Ablauf allzu vertrauter Gedanken über sein Antlitz huschen sehen: Der cholerische Ausbruch war bereits dabei abzukühlen und machte Raum für zwei wesentlich kühlere Beobachtungen. Das Spitzohr war nicht nur eine Frau, sondern zu allem Unglück auch noch Teil der ohnehin bereits angespannten Streitkräfte Auensteins. Und der Mann war noch lange nicht betrunken genug, um diese Hinweise zu ignorieren. Drei, vier Sekunden währte das gegenseitige Starren, bevor der Matrose sich nach seiner Kanne bückte und dann mitsamt seiner grinsenden Begleiter die kleine Plattform verließ. Er würde sich, dessen war Fel sicher, über Tage hinweg den Spott anzuhören haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Fel?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stimme war schmerzhaft vertraut, auch wenn sie anders klang als beim letzten Zusammentreffen vor nunmehr bald zwei Jahren. Die eine Silbe war genug um heissen, längst begraben geglaubten Schmerz in der Brust wieder aufflammen zu lassen. Was war aus den damals ausgetauschten Versprechen geworden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nichts.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ludwig.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ehemalige Schusterlehrling hatte sich verändert und das in fast allen auf den ersten Blick zu fassenden Eigenheiten: Jetzt überragte er Fel um mehr als einen Kopf, die vormals glatt rasierten Wangen verschwunden nun beinahe unter den sorgsam gestutzten Formen eines kurz getragenen Vollbarts. Die nervöse Unruhe, die in den Jahren der Lehre unter der blinden Seherin eine markante Eigenheit gewesen war, hatte sich in selbstbewusste Zuversicht gewandelt, unterstrichen durch die geschmackvolle Wahl an Kleidung, die keinen Zweifel an der gewählten Berufung ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich sehe du hast einen Lehrmeister gefunden. Meine Glückwunsche.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war der Schmerz in den Augen, das fast unmerkliche Zusammenzucken, bevor die Haltung sich wieder begradigte, die verlorene Fassung mit einer Schnelligkeit zurückgewonnen wurde, die Fel in gleicher Weise beeindruckte und betrübte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ja. Nicht alles lief, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber ich fand einen Meister und wurde einer von sieben Lehrlingen. Es waren aufregende, lehrreiche zwei Jahre für mich und ich bedaure nur, dass ich nicht eher die Möglichkeit hatte, nach Rossensprung zurückzukehren.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er zögerte für einen Moment, ausreichend, dass sie sich einmal mehr der eigenen Erscheinung vollkommen bewusst wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Du hast dich nicht verändert, Fel.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist eine Lüge, Ludwig, aber ich nehme es.”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zwei Finger berührten die Insignien der Uniform direkt über der Brust - das geöffnete dreistrahlige Auge in Bronze und direkt daneben die geschwungene Linie. Für das geschulte Auge verriet das erste ihre Zugehörigkeit zur Profession der Magier, das zweite den Rang als Fähnrich in der Auensteiner Armee. Das früher üppig getragene Schopfhaar war mit der zwangsweisen Verpflichtung in die Streitkräfte der Grafschaft kurzgeschorenen worden, aber mit dem Ende der regulären Rekrutenzeit waren die Regeln nicht mehr so streng. Es fiel dennoch noch nicht lang genug, um die leicht gespitzten Ohren zu verdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich war in der Brache. Von Myras Haus gibt es keine Spur mehr. Ich habe gehört, was ihr passiert ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen einfachen drei Sätzen hörte Fel eine ganze Anzahl von Fragen, zusammengepresst auf die Form dieses simplen, fast neutralen Geplänkels. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Sie haben uns erwischt, ungefähr ein halbes Jahr nach deinem Weggang aus Rossensprung. Irgendjemand hat sich ein Kopfgeld verdient und ist hoffentlich daran erstickt. Du weisst, wie die Regeln sind: Ich bekam die fünf Jahre Dienstverpflichtung im Austausch für eine Ausbildung. Myra ..”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel ließ den Satz unvollendet: Ludwig kannte die Regeln ebenso gut wie sie selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich war seitdem nur ein einziges Mal wieder in der Brache. Es sind keine schönen Erinnerungen mehr.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform schwankte unter dem Gewicht anderer Marktbesucher, die kurzzeitig geschlagene Lücke in der lärmenden Gleichförmigkeit war rasch wieder geschlossen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Warum bist du zurückgekommen, Ludwig? Im ersten Jahr war ich voller Hoffnung, malte mir aus, wie du zurückkommen und mir von der Welt erzählen würdest, von deinen Abenteuern und den Dingen, die du gelernt hast. Anfang des zweiten Jahr fühlte ich mich bitter: Betrogen und vergessen, zurückgelassen in einem Elend, gefangen zwischen Mühlsteinen, die stetig darauf aus waren - und es noch sind - mich zwischen sich zu zermalmen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich verstehe, Ludwig. Alles verändert sich, nur ich fühle mich manchmal, als wäre ich davon ausgenommen, ein Beobachter, der sich im Sumpf verirrt hat und alle anderen an sich vorbeieilen sieht. Sieh dich an: Ich kann dich kaum wiedererkennen. Du bist deinen Schuhen längst entwachsen, ein Mann, wo ein Jüngling damals aufbrach. Warum bist du zurückgekommen?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war der Schmerz wieder, die Schuld zwischen der zur Schau getragenen Selbstsicherheit und Fel spürte eine bittersüße Befriedigung bei der Beobachtung, eine vorwurfsvolle Genugtuung, die schon an Rachsucht grenzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe viel gelernt Fel. Ich weiss nicht, was sie dir in der Armee beibringen, aber ich bin sicher, es kann nicht viel sein. Ja, ich bin viel zu spät, aber das ist der Unterschied zwischen törichter Planung und der Erfahrung, die man draussen im Leben macht: Die Dinge sind nie so einfach, wie sie erscheinen. Ich kam, sobald es mir möglich war. Und ich habe dich nicht vergessen. Wenn du willst, können wir schon diesen Abend fort sein aus Rossensprung, unterwegs. Niemand wird dich finden, niemand wird dich entdecken. Ich kenne genau die richtige Magie dafür.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Moment lang vermochte Fel nicht zu atmen, ein Gefühl wie von Eiswasser in ihren Adern brachte alle Glieder zum schütteln und die Zähne zum klappern. Ein Teil von ihr, gut behütet unter dem Alltag allzu pragmatischer Lehre, krümmte sich wie ein waidwund geschossene Fähe in plötzlichem, atemlosem Grauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was heißt das?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war eine Geschichte, die Fel ihm niemals anvertraut hatte: Die Details ihres ersten Zusammentreffens mit der blinden Seherin waren immer verborgen geblieben, gehütet wie peinliche Anekdoten der Kindheit, die in gut gesicherten Schubladen verstaubten. Also schwieg sie, zu sehr damit beschäftigt nicht einfach zu flüchten, um eine Antwort geben zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Habe ich etwas Falsches gesagt, Fel?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Nein.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Entsetzen verflog, auch wenn das Herz weiterhin gegen die Brust hämmerte, der schwere Uniformstoff nun zusätzlich noch klamm durch schweisskalte Feuchtigkeit. Ein Teil von ihr erkannte ganz kühl, dass die Panikattacke vorbei war und fragte sich befremdet nach dem Grund dafür, ohne eine Antwort zu finden. Etwas an der Formulierung Ludwigs musste einen Zusammenhang hergestellt haben zu den vor Jahren gelegten Karten der Seherin. Aber was, das blieb dem rational ausgreifenden Verstand schleierhaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Nein. Das Risiko ist zu hoch. Für dich. Für mich. Wir sind keine Kinder mehr - ich schon lange, du seit mindestens einem Jahr. Und ich denke an den allermeisten Tagen benimmst du dich auch so. Du hast etwas aus dir gemacht - gut! Ich habe immer gewünscht, dass du aus diesem Loch entkommst. Aber das werde ich auch, spätestens wenn meine Zeit um ist. Und dann will ich diese Stadt hoch erhobenen Hauptes zurücklassen, noch ein letztes Mal in das Hafenwasser spucken, um dann nie mehr hierher zurückzukehren.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Momente stand Ludwig nur wie vom Schlag getroffen, die Maske welterfahrener Nonchalance fortgewischt und gegen eine Mischung aus Überforderung, Schmerz und schlechtem Gewissen ausgetauscht. Und, wie Fel nicht ohne eine gewisse bittere Zufriedenheit bemerkte, auch ein Quäntchen von Erleichterung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er ging, war es wie eine Flucht, eilig, noch immer mit der durch lange Jahre erworbenen Sicherheit bei der Bewegung über schwankende Planken und driftende Plattformen hier im sumpfigsten Teil Rossensprungs. Manche Eigenheiten blieben erhalten, selbst wenn sie nicht mehr benutzt wurden, wartend und schlummernd, bis die Notwendigkeit wieder nach ihnen rief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel starrte ihm nach, bis seine Gestalt im Alltag verschwunden war, selbst der Lärm wie eine Decke, die sich über alle allzu betäubenden Gedanken legte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Das ist es eben. Nichts bleibt wie es ist. Darauf zu hoffen, ist töricht. Darauf zu vertrauen ist Selbstmord.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was ist nun? Wollt ihr es kaufen? Ich habe auch noch andere Interessenten.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nachfrage des Mannes hinter dem Stand mit all den blank polierten Kupferteilen erinnerte Fel an den eigentlichen Grund ihrer Anwesenheit hier: Mitten in der bunten Mischung aus Töpfen und Tiegeln, Messern und Gabeln, kleinen Dosen, einem Käfig, verzierten Tellern und grösseren Platten, befand sich auch eine kleine, kaum mehr als fingerlange Statue. Elfische Handwerkskunst hatte der Mann ihr hoch und heilig versichert. Von seinem Großvater erworben und weitergegeben an den Vater als Glücksbringer, nun in Anbetracht der Umstände aber dennoch zu einem günstigen Preis abzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Höchstwahrscheinlich eine Fälschung.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also solche würde sich die kleine Figur nur zu der Sammlung anderer kleiner Kinkerlitzchen gesellen, die Fel im Laufe der letzten Jahre angesammelt hatte. Sie alle verband ein vermeintlich elfisches Erbe, sie alle waren günstig genug gewesen, um für ihre äußerst beschränkten Mittel greifbar zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nur sie sind ewig. Unveränderlich wie die Sterne selbst. Warum muss ich hier festsitzen?’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel später war sie auf dem Rückweg in die Kaserne, die kleine, vermeintlich elfische Statue gut behütet in der Tasche.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Interludium: Die Insel der Nebel|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|CONTENT=Die Insel der Nebel ist der Tutorialbereich von DNW, eine vom eigentlichen Spielgeschehen isolierte Insel. Obwohl alle Elfenvölker frei erstellt werden können, sind Halbelfen aber kein frei verfügbares Volk. Das bedeutet: Um Fel tatsächlich ins Spiel bringen zu können, musste ich einen entsprechenden Antrag stellen. Dieses Interludium entstand während der Wartezeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da die Insel der Nebel nicht tatsächlich existiert - es ist eben nur ein Tutorialbereich - können die dort gemachten Erfahrungen nicht ins Spiel einfließen. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 14|CONTENT=&lt;br /&gt;
In der gleichförmigen Stasis dieser Insel ist die Ankunft anderer Reisender die einzige Abwechslung, die einzige Abweichung von einer täglichen Routine. Selbst das ist, wenn man es korrekt betrachtet, gleichbleibend: Ihr Kommen und ihr unvermeidliches Gehen ist zwar unregelmässig aber doch vorhersehbar: Sie alle ziehen weiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich noch an die Aufregung des ersten Tages, gleich gefolgt von der Erleichterung direkt nach der Ankunft, an deren Details ich mich nicht erinnern kann. Das ist etwas, was mich mit den allermeisten der Reisenden verbindet: Eine bestimmte Ungewissheit, über die Art und Weise wie dieser Ort erreicht wurde. Selbst jene die voller Überzeugung davon berichten, wie sie von einem Schiff hier abgesetzt wurden, verdrängen vielleicht einfach die Realität, denn ich habe abgesehen vom Fährmann niemals jemanden hier angelegen sehen. Und - um korrekt zu sein - nicht einmal diesen. Er liegt einfach jeden Morgen aufs Neue vor Anker, unvermeidlich wartend wie das finale Schicksal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen ersten Tagen war ich dankbar für mein Leben und stellte nicht zu viele Fragen, aber je länger ich hier verweile, desto mehr Zweifel verdichten sich zu schweren Klumpen in meinem Hinterkopf: Was ist das für ein Ort? Was bedeutet meine Anwesenheit hier? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine im Moment bevorzugte Theorie habe ich nach vielen Gesprächen mit anderen Reisenden herausgeformt: Ich denke diese Insel ist kein echter Ort, sondern eine geteilte Traumrealität, ein unechter Platz, den jene erreichen, die gerade bei sind ihr Leben zu verlieren oder ihren letzten Atemzug bereits getan haben. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist ein Ruheplatz um sich zu sammeln, um Frieden zu schließen. Wer dann bereit ist für die Weiterreise, der vertraut sich dem Fährmann an, der keine Bezahlung verlangt und niemals jemanden hierher zurückgebracht hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fürchte seine Verlockung genau wie die hölzernen Planken seines Schiffes. Und wer will es mir verdenken?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich sah, wie die Magie sich verformte, verdrehte, wie die Realität selbst aus der Fuge zu geraten schien. Was Holz war wurde zu Luft, was Metall war, transformierte zu Wasser. Mir ist selbst jetzt unbegreiflich, auf welche Weise das passierte, welches Prinzip dahinter steht. Es passt zu keiner der Lehren, die mir nahegelegt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was fange ich also an mit den Tagen, die alle gleich beginnen und nahezu identisch enden?&lt;br /&gt;
Weniger, als ich sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine bescheidenen Fähigkeiten bemüht um zu prüfen, ob sie irgendwelche permanenten Veränderungen durchlaufen haben, aber das scheint nicht der Fall zu sein, denn die mir bekannten Zauber funktionieren wie immer, die Grundprinzipien scheinen identisch soweit es sich durch mich beurteilen lässt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich habe Notizen hinterlegt, flüchtig bislang nur: Zu den verschiedenen Gebäuden, zu den Personen hier, zum Fährmann und auch zu den anderen Reisenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sollte ich all das ein wenig ordnen. Vielleicht ist es genau das, was ich brauche um jenen Ruhepunkt zu finden, den ich benötige, um mich dem Fährmann anzuvertrauen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann nicht aufhören mich zu fragen: Was wenn meine ganze Existenz nur ein eingefrorener Moment ist, der sich in dem Moment auflöst, in dem ich mich entschliesse weiterzuziehen? &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 24|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich nicht mehr genau, was das Erste war, dass mein Misstrauen erregte, aber ich glaube es waren die Bewohner dieser Insel. Damit meine ich nicht die Reisenden, die allesamt - genau wie ich - auf irgendeine Weise hier ankamen und - anders als ich - nicht viel später dann auch schon der Verlockung des Fährmanns folgen und die Weiterreise antraten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kontakt war .. glaubhaft, die oberflächlichen Gespräche die man eben so führt, wenn man an unbekannte Gestade gespült wird mit nicht mehr als ein paar Fetzen am Leib, genau das was man eben erwartet. An jenem ersten Abend war ich zufrieden zumindest einen provisorischen Schlafplatz ergattert zu haben. Ich will nicht behaupten, dass ich glücklich war, aber die Sorgen und das Bedauern sollten erst in den Wochen danach allmählich Einzug halten, vertraut in ihrer kühlen Hartnäckigkeit. Aber damals war ich froh noch am Leben zu sein. Fragen konnten warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Katzenjammer kam mit dem nächsten Morgen, mit der klaren Einsicht, dass mein bisheriges Leben ein abruptes, ungeplantes Ende erfahren hatte. Meine Verpflichtungen, meine Aufgaben, meine dünnen Freundschaften und vor allem auch mein Lehrmeister: Einfach davongewischt wie ein unbedeutendes Staubkorn auf einer nun in Ordnung gebrachten Tischplatte. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während die Sonne gemächlich aufging und die Insel mit Farben und Wärme füllte, realisierte ich, dass ich zum ersten Mal seit meiner Flucht aus Breitenbach wirklich allein war. Wohin ich von hieraus auch aufbrechen würde: Niemand würde meinen Namen kennen. Niemand die Umstände meines Aufwachsens, niemand die ungetilgte Schuld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war ein eigenartiger, machtvoller, wenn auch bittersüßer Gedanke: Ich hatte die Möglichkeit mich selbst neu zu erfinden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Wochen später, stelle ich fest, dass der Käfig etwas ist, was man mit sich trägt und selbst ein Schiffsuntergang wischt ihn nicht einfach fort. Es ist so leicht, so verführerisch in vertraute Gewohnheiten zu fallen, die über die Jahre wie Atemzüge wurden: Unwillkürlich und vertraut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich schweife ab.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es brauchte drei Tage bis ich wirklich verstand, dass die Bewohner dieser Insel sich nicht an mich erinnerten: Wenn ein Tag neu anbrach, dann waren sie selbst wie erneuert, aller Eindrücke der vorherigen Stunden beraubt. Erst mit dieser Beobachtung verstand ich, dass es nicht nur die Bewohner waren, sondern die ganze Insel: Welche Spuren ich auch hinterlassen hatte, sie waren verblasst, sobald der neue Tag begann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da verstand ich: Das hier ist kein echter Ort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und damit kamen auch die Zweifel: Was bin ich dann?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 26|CONTENT=&lt;br /&gt;
Was bin ich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein verwirrter Traum, der sich gerade auf der Schwelle zwischen Schlaf und Erwachen wälzt, unfähig das Eine oder das Andere zu umarmen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Gedanken einer Sterbenden, die in nachtblauer Tiefe einem eiskalten Grab am Boden der See entgegensinkt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reste einer Seele, die die Schwelle bereits überschritten hat und nun nur noch darauf wartet das Urteil zu akzeptieren, Frieden zu machen mit sich, bevor sie bereit ist für die Weiterreise an einen Ort von dem noch niemand zurückgekehrt ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Morgen verspricht mir aufs Neue: Nein. Das ist ist normal. Du hast überlebt. Sieh dich um und sammle, erhole dich, bevor du weiterziehst. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann die Augen nicht davor verschliessen, wie ich das gleiche Gespräch ein weiteres Mal mit der Frau hinter dem Tresen in der kleinen Markthalle führe, wieder die gleichen Anekdoten vernehmend, die ich bereits zwei Dutzend Mal vernommen habe. Sie sind mir bald so vertraut, wie die Stationen meines eigenen Lebens und ich lächle pflichtschuldig, während ich ein weiteres Mal um Material handle. Tinte. Papier.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es wird höchste Zeit, dass ich mich aufraffe, das Beste aus diesem Ort hier mache, Hausaufgaben erledige, die schon viel zu lange darauf warten, abgeschlossen zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anlass für diesen Entschluss war fast schon banal: Das Zusammentreffen mit einem Reisenden, der die Magie gerade erst zufällig für sich entdeckt hatte und nun mit der staunenden Zuversicht eines Welpen den Vorgaben in dem zerfledderten Buch folgte. &lt;br /&gt;
Mir fehlen die Worte, um genau zu beschreiben, wie ich mich fühlte, als er Reagenzien zerrieb, Worte rief und eine Wirkung manifestierte, als wäre es gar nichts. Einfach so. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann mir vorstellen, dass ich gelb im Gesicht wurde vor Eifersucht und Neid. Welches Recht hatte dieser Mann ohne die geringsten Studien, ohne Stunden über Stunden an Meditation und erschöpfenden Übungen einen solchen Effekt einfach aus dem Ärmel zu schütteln? Wo war die Gerechtigkeit dabei?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Gedanke riss mich aus dem schäumenden Selbstmitleid - die Erinnerung daran, wie Jerwalson mich für eine sehr ähnliche Frage höhnisch verlacht hatte, war auch jetzt, Jahre später, noch wie eine nicht verheilte Wunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Gerechtigkeit für mich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieses Zusammentreffen war ausreichend, um den Entschluss in mir reifen zu lassen, meine gesammelten Kenntnisse einmal zu ordnen, zu prüfen, sie niederzuschreiben. Meine eigenen Notizen, die - hoffentlich - mit mir gemeinsam wachsen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wenn ich nur ein zuckender Gedanke kurz vor dem Verlöschen sein sollte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mehr Licht! &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 28|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Mach die Augen auf.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein neuer Tag. Eine vertraute Routine. Es ist eigenartig, wie präsent die stetige Gleichförmigkeit dieser kleinen Insel wird, wenn einem diese Eigenheit erst einmal bewusst geworden ist. Wieviele Monate meines Lebens habe ich mit eintöniger, langweiliger Arbeit verbracht ohne mich über gewöhnlichen Groll hinaus zu beschweren? Wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, dann kann der Unterschied zu meinem Erlebnis hier nicht besonders groß gewesen sein: Immer der gleiche Tagesablauf, feindselige oder gelangweilte Blicke von Fremden, bestenfalls vom Sehen vertraut. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dazu ein Gewicht, dass es hier nicht gibt: Wenn ich meiner Verärgerung hier freien Lauf lasse und der geizigen Kräuterhändlerin meine Meinung geige, wird sie mich am nächsten Tag doch begrüßen, als hätte sie mich noch nie vorher gesehen.&lt;br /&gt;
In gewisser Weise, denke ich, dass exakt das auch der Fall ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jerwalson, daran hege ich keinen Zweifel, wäre enttäuscht und das ist ein Gedanke der mich mehr bedrückt, als er sollte. Der Mann war mein Lehrmeister, aber kein Freund. Niemand, dem ich mich anvertraut hätte über die Alltäglichkeiten der Ausbildung hinaus. Er trug, denke ich, die Uniform mit noch mehr Verachtung als ich. Ein weiteres offenes Rätsel, eines, das nun nicht mehr drängt und vermutlich nie gelöst werden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das ist Vergangenheit. Ich sollte froh sein über diese Herausforderung. Die Wahrheit ist, dass ich jeden Tag ein wenig entnervter erwache, mich in meiner eigenen Routine festbeisse: Muscheln sammeln, die Beete bestellen, Gemüse verkaufen und gegen Reagenzien, Tinte und Papier eintauschen. Und dann schreiben: Es ist frappierend, wieviel ich bereits vergessen habe: Ich bekomme den Enigmatischen Dualismus Jerwalsons kaum noch zur Hälfte zusammen: POR und ZAN als Gegenstücke, aber stand NOX nun gegensätzlich zu XEN oder MANI? Es ist genau wie vor einem Jahr: Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger habe ich den Eindruck davon zu verstehen. Das System, was er darin sah - oder vorgab zu sehen - erschließt sich mir einfach nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht morgen. Ich habe das Gefühl ich bin reich an Tagen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 32|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Sieh dich um.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigenartig, wie mit den Jahren manche Erinnerungen vollkommen ausgewaschen sind, dünner und fadenscheiniger noch als die von der Armee Auensteins gestellte Unterwäsche. Andere dagegen haben ihre Leuchtkraft bewahrt, oder - wie Jerwalson stets zynisch bemerkte, wann immer sich Gespräche in diese Richtung entwickelten - sie haben sich allmählich verwandelt und erwecken damit fälschlich einen Anschein von Authentizität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich denke noch immer, dass er sich darin irrt, dass es Eindrücke gibt, deren Wahrhaftigkeit mühelos dem Zahn der Zeit widersteht, so prägend und machtvoll, dass sie selbst nach Jahrzehnten nichts von ihrer Schärfe verloren haben. Ich wünschte ich könnte das Gesicht meiner Mutter dazuzählen, aber wenngleich ich mich mühelos an ihre letzten Worte an mich erinnern kann, ist ihr Gesicht selbst ins Vergessen geraten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich auch an die Trauer, an den Schrecken, an das Gefühl von Schuld und Verrat. Sie ging um einem Traum nachzujagen, auf der Suche nach ihrem Geliebten, der - wie ich sehr viel später erfahren sollte - nicht einmal seinen richtigen Namen genannt hatte. Mein Vater. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
An manchen Tagen frage ich mich, wie weit weit ihre Suche sie gebracht hat, ob sie vielleicht noch immer irgendwo da draussen ist. Ob es eine neue Familie gibt, andere Halbgeschwister, die den Luxus hatten mit einer Familie aufzuwachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert ist verstrichen und vielleicht hat sie ihr Glück gefunden. Aber ein Teil von mir, der sich in der Erinnerung an diese ersten Tage zusammenduckt und unzulänglich fühlt, hofft, dass sie noch immer wandert und sucht, vergeblich von einem Ort zum anderen treibend, wie ein welkes, schon lange dem Baum entrissenes Blatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sollte einen ähnlichen Groll auch gegenüber diesem Fremden hegen, diesem umherziehenden Elfen. Aber ich habe ihn nie kennengelernt, es gibt keine Erinnerungen, an die ich meine Gedanken heften kann. Aber ich denke auch er ist noch irgendwo da draussen, alterlos wie alle seines Volkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alterlos.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie diese Insel, wo jeder Tag seinem Vorgänger gleicht. Ich habe mich begonnen zu fragen, ob es hier ohne Reisende überhaupt Tage gibt. Oder: Ob das hier überhaupt existiert ohne einen Besucher. Wenn ja: Wird irgendwann jemand nachsehen, warum ich hier verweile ohne mich dem Fährmann anzuvertrauen? An manchen Abenden habe ich das Gefühl von unsichtbaren Geistern angestarrt und verurteilt zu werden, namenlosen Schemen aus Quecksilber, die sich zwischen den Schatten bewegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jerwalson würde lachen und lästern. Aber ich kann den Schauder nicht abschütteln, der mich in diesen Momenten überfällt. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 33|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Gleichförmigkeit der Insel lädt dazu ein sich treiben zu lassen und jeden Morgen, direkt nach dem Erwachen, gebe ich diesem Gefühl nach, bleibe liegen und lausche mit geschlossenen Augen auf das Geschrei der Vögel, auf das Plätschern des Regengusses, der sich zuverlässig jeden Morgen einfindet und auch auf Gespräch der beiden Händler, das ebenfalls immer gleich abläuft. Sie haben Erinnerungen, aber es ist für mich unmöglich zu ergründen, ob sie sich auf tatsächliche Ereignisse beziehen, oder nur dünne Tünche über eine spärlich gedeckten Leinwand sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Personen bin ich eine Fremde und ein Tag ist nicht genug um daran etwas zu ändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Frage ist, ob ich meinen Erinnerungen tatsächlich trauen kann. Die reine Existenz beweist noch gar nichts - genau wie die Händler sich an ein &amp;quot;gestern&amp;quot; erinnern, tue ich das eben auch. Niemand garantiert, dass nicht 1 Tag dazwischenlag, der ohne Spuren wieder verschwunden ist. Ein Tag, oder deren Einhundert. Ein Jahr. Würde ich den Unterschied bemerken?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für meinen Seelenfrieden bilde ich mir ein, dass ich einen kontinuierlichen Verlauf an meinen persönlichen Gegenständen ablesen kann, die - wie ich auch - vermutlich einem anderen Gesetz unterworfen sind: Meine Aufzeichnungen bleiben, die erhandelte Kleidung bleibt ebenso. Sofern das System nicht in einer Art und Weise gebaut ist, um auch solche Details zufriedenstellend fälschen zu können, kann ich mich weitgehend sicher fühlen: Das was ich als Tage empfinde, sind tatsächlich auch Tage. &lt;br /&gt;
Weitgehend. Nicht vollkommen, natürlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein System kann unmöglich vollständig verstanden werden, solange man selbst ein Teil des Systems und auf dessen Werkzeuge angewiesen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ironischerweise erinnere ich mich an diese Lektion noch gut, daran wie Jerwalson dieses Zitat nach einer Expedition benutzte, die als einfache Übung für die Rekruten gedacht war und darin endete, dass sich zwei eigentlich freundliche Kompanien gegenseitig beschlichen. Damals war der Anlass - natürlich - die vollkommene Verwirrtheit der führenden Offiziere. Aber es passt auch sehr gut auf diese meine aktuelle Situation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun: Genug geträumt. Es gibts nichts zu tun, aber das will erledigt werden. Ich habe Sorge ich könnte mich sonst in der Zwischenheit doch noch in einen der Anwohner hier verwandeln.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 35|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein weiterer Morgen folgt einem Abend ohne andere Reisende. Es ist nun Tage her, dass ich ein anderes menschliches Gesicht als die Händler zu sehen bekommen habe und ich kann spüren, wie das an mir nagt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist aus sich heraus bereits eine interessante Beobachtung: Während meiner Zeit auf den Strassen Grauhafens war ich die allermeiste Zeit mir selbst überlassen, scheute auch vor den Banden von Dieben und Trickbetrügern zurück, unter denen ich mich in Breitenbach noch so selbstverständlich bewegt hatte. Aber damals war die Einsamkeit selbst gewählt, kein Fakt der mir von aussen aufgedrückt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier, auf der Insel der Nebel, ist sie unvermeidlich und ich spüre jeden Tag ein mehr wenig Widerwillen die immer gleichen Gespräche zu führen. Nach den ersten Tagen peinlicher Berührtheit, spüre ich ein eigenartiges Ressentiment, eine frustrierte Verachtung für diese Menschen. Es wäre zu einfach nun kleinen Grausamkeiten Raum zu gewähren, Grobheiten aus Langeweile oder Ärger zu führen, immer in der Gewissheit, dass alles was man tut am nächsten Morgen ausgelöscht sein wird. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Teil von mir _ist_ neugierig: Würde ein neuer Tag noch immer so unverändert beginnen nachdem ein Feuer die Häuser hier verschlungen hat? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind beunruhigende Gedanken und ich konzentriere mich lieber auf die Arbeiten: Nach meinem Scheitern den Enigmatischen Dualismus Jerwalsons präzise zu beschreiben, habe ich mit etwas Einfacherem begonnen: Eine Auflistung der Worte der Macht, jeweils mit Erläuterungen und Kommentaren. Die Form ist armselig: Das Papier ist minderwertig und teilweise muss ich auf Ränder schreiben, aber .. es ist besser als nichts. Es ist ein Fortschritt und damit wertvoll und lieb auf einer Insel auf der die Zeit sonst stillzustehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sollte ich ja beten. Wer weiss.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 38|CONTENT=&lt;br /&gt;
Breitenbach, die Stadt in der ich die ersten Jahre meines Lebens verbrachte, war mit den Tugenden im Kopf gegründet worden. Die innere Mauer, auch dieser Tage noch weitgehend unbeschädigt erhalten wenngleich die Stadt sich längst über ihre Begrenzung hinaus ausgedehnt hat, besitzt insgesamt acht Türme. Jeder dieser Türme trägt den Namen eines der Erzengel und ist entsprechend auch einer der acht Tugenden gewidmet. Es ist nun siebzehn Jahre her, aber ich erinnere mich noch immer lebhaft an die bemalten, mit Ornamenten, Plastiken und Sinnsprüchen verzierten Fassaden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich hatte im Zuge meiner erzwungenen Dienstpflicht einige Gelegenheit mehr über die inneren Strukturen Breitenbachs zu erfahren: Zumindest nominell sind die Türme der Erzengel auch der Sitz von je einem &amp;quot;Wahrer der Ordnung&amp;quot; einer Tugend, jeweils gewählt aus den Reihen ihrer Gefolgschaft. Das alles hat mit dem Glauben an den Herren sehr wenig zu tun, die Verbindung ist bestenfalls lose und im Laufe der Jahrzehnte scheint mir der ursprüngliche Gedanke sehr in Richtung reiner politischer Masche verwandelt worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie dem auch sei: Die allermeisten Bewohner Breitenbachs ordnen sich zumindest formell einer Tugend zu und sind dann eben auch dafür verantwortlich den Wahrer zu wählen. Ich erinnere mich nicht welcher Tugend meiner Mutter folgte und ich hatte sehr wenig Kontakt mit dem Glauben über die oberflächlichen Symbole des Alltags hinaus. Nachdem sie sich auf die Suche nach ihrem verlorenen Geliebten gemacht hatte, waren alle zarten Ansätze von Religiosität ohenhin zum Verkümmern verdammt: Auf der Straße wurden die Tugenden bestenfalls benutzt, um ein paar Münzen von den Devoten zu erbetteln, der einzige echte Glaube war der an einen gefüllten Magen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lernte wenig über die richtigen Gebete, dafür viel darüber den Kopf unten zu halten, sich vor Autoritäten zu beugen, wann immer es notwendig war und schamlos zuzugreifen, wann immer möglich. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als ich Breitenbach schliesslich verließ: Verbannt, meine zerschmetterte linke Hand eine Strafe für mich und eine Warnung für alle, die meiner ansichtig wurden, fluchte ich ausgiebig im Namen der Erzengel. Das, denke ich heute, ist das Gleichgewicht aller Dinge: Aktion und Reaktion, Bewegung und Gegenbewegung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es liegt eine furchtbare Kraft in der Entschlossenheit eines Mannes, der sein Tun als gerechtfertig ansieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Grauhafen hätte ich, dieser Dynamik folgend, irgendwann ein trauriges Ende nehmen können, aber ich hatte Glück und fand den Weg zum Handelshaus Telketh. Das hatte seinen ganz eigenen Preis, aber es brachte mich auch zum ersten Mal seit den frühen Jahren meiner Kindheit wieder in Kontakt mit dem Glauben an den Herren.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich saugte die Gebete und Rituale auf, die Lebensweise, die sich auf ganz andere Art und Weise an den Tugenden (und den Sünden) orientierte, als ich es noch vage von früher in Erinnerung hatte. Aber ich blieb opportunistisch distanziert: Das hier war was man von mir erwartete, insbesondere nachdem man mir eine so außergewöhnliche Chance gegeben hatte und ich war absolut bereit das Notwendige zu tun für einen gefüllten Magen, ein echtes Bett und ein kleines Zimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch: Mit der Zeit wurden die kleinen Rituale zur Gewohnheit, prägten sich in den Alltag ein mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie sie auch für Essen und Trinken aufgebracht wurde. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin bis heute unsicher, ob das tatsächlich als &amp;quot;Glaube&amp;quot; gilt. Mein einziger Versuch diese Thematik mit Jerwalson zu besprechen, endete in einer nahezu endlosen Tirade an deren Ende er schliesslich das bekannte System von Worten der Macht und Reagenzien mit den Handlungen von betenden Priestern verglich: Beide auf ihre Weise vollkommen ahnungslos, abhängig von einer höheren Autorität, die das eigentliche &amp;quot;Tun&amp;quot; nach der Opfergabe dann in Angriff nimmt. Das erstickte all meine Ambition Glaube mit ihm zu besprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber letztlich denke ich, dass Religion für die allermeisten Menschen außer einem kleinen Zirkel von tatsächlich Erwählten, sehr abstrakt und entfernt ist: Rituale und Vorgaben, die von einer höheren Stelle angewiesen werden und denen man dann eben folgt. Ja, man bittet den Herren um Beistand, um Einsicht, um günstige Winde oder dumme Kunden, die man über das Ohr hauen kann, aber nach meiner Erfahrung erwartet niemand tatsächlich, dass der Herr tätig wird und etwas tut. Aber: Es ist besser den kleinen, allgemein akzeptierten Aufwand zu betreiben und sei es allein aus abergläubischer Versicherung, dass man nicht versehentlich den Zorn durch Unterlassung erweckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat das alles mit dem Hier und Heute zu tun?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand hat diese Insel in den Nebeln geschaffen, hat die Regeln definiert und dafür Sorge getragen, dass jeder Tag unverändert neu beginnt. Aber wer? Und wozu? Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ein solcher Ort nicht einfach als grausame Spielerei existiert, sondern zu einem ganz bestimmten Zweck, eine Funktion innehat. Vielleicht ist es genau das, was ich zuerst vermutete: Der Übergang zum Nachleben, eine kurze Pause für die erschöpfte Seele um sich zu sammeln, um Kraft zu schöpfen, bevor die Reise hinter die Schleier ansteht. Um zu akzeptieren und das Angebot des Fährmanns schliesslich anzunehmen, der nichts über das Ziel verraten möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeden Tag schrecke ich davor aufs Neue zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht wäre es einfacher, wenn ich den Glauben in meinem Herzen tragen würde, statt nur wie ein Gewand, das man eben überstreift, wo es bequem und passend ist. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber das ist nicht, wie ich aufwuchs.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist nicht, was ich lernte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist nicht, wer ich bin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht bedeutet das aber auch, dass ich hier auf ewig gestrandet bin.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 39|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein weiterer Tag eintönige Gleichförmigkeit auf der Insel. Auch heute, so scheint es, wird es keine Reisende an diese Gestade spülen, aber ich denke ich habe mich - zumindest für den Moment - damit arrangiert. Ich muss mir einfach meine eigene Abwechslung schaffen und die kann nicht ausschliesslich aus Arbeit bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Insel ist, wenngleich zu Fuß binnen weniger Minuten umrundet, ein ganz hübsches Fleckchen, eine interessante Mischung von Eindrücken, die sich auf engem Raum zusammendrängen. Das Wetter ist, vom morgendlichen Regen einmal abgesehen, auch durchaus angenehm, sobald die aufsteigende Sonne die Feuchtigkeit vom Sand geleckt hat, lädt der Strand regelrecht zum Verweilen ein und erlaubt einen Blick über die offene Wasserfläche überall umher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Breitenbach, Grauhafen und Rossensprung liegen allesamt am Lauf der Usser, ein schiffbarer Fluss, der jeden Frühling noch ein Stück weit anschwillt und bisweilen sogar die Auen großflächig überschwemmt. Rossensprung liegt direkt an der Mündung der Usser zum Meer hin, oder besser: Die Stadt wuchert im sumpfigen Delta.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin also durchaus mit dem Anblick eines großen Wassers vertraut - aber dieser Anblick ist einfach etwas anderes, als ich von der müßigen Betrachtung des Horizonts gewohnt sind: Hier gibt es keinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Himmel, der hier jeden Tag die gleichen Wolkenmuster trägt, geht mit der Entfernung von der Insel ohne scharfen Übergang in dichte, träge driftende Nebel über. Dieser Nebel ist genauso statisch in seiner Natur wie die gesamte Insel und damit vermutlich das gesamte Areal: Nichts verändert sich. Nach einem Tag beginnen alle Abläufe wieder von vorn.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unabhängig von Wetter und Uhrzeit bleibt der Nebel bestehen, beschreibt eine Grenze ausserhalb meiner Reichweite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht so als würde ich keine Neugierde verspüren, aber mich schaudert weiterhin beim Gedanken mich hölzernen Planken für eine Reise ins Ungewisse anzuvertrauen. Und ich habe niemals gelernt zu schwimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemals gelernt zu schwimmen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und doch bin ich hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Erinnerung, der ich mich nicht stellen möchte, aber sie hängt über mir, wie meine eigene schwere Gewitterwolke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die “Siebentrutz” hatte ihre Reise von Rossensprung aus angetreten, Teil jüngerer Bemühungen der Grafschaft diplomatische Kontakte jenseits des eigenen Terrains zu erschließen - immer mit dem Gedanken den langjährigen Konkurrenten Siebensteig damit endlich ausstechen und die geforderte Einheit wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Armee war neben dem Schutz des Botschafters auch die allgemeine Präsentation und aus irgendeiner Laune des Schicksals war meine Kompanie für diese Aufgabe ausgewählt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und abgesehen vom abergläubischen Gemurmel der Matrosen, die mir stets schele Blicke zuwerfen, war die Reise auch ereignislos verlaufen - bis zu jenem Abend.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während der Rest meiner Kameraden sich mit Kartenspielen die Zeit vertrieb, hatte ich das Glück, die eingeschränkte Laune Jerwalsons ertragen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zu jenem Abend, als die Regeln sich änderten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Mal demonstrierte er mir Sammlung, Verdichtung und Konzentration von Mana, die Bindung in Objekte hinein - etwas, was sich bis dahin vollkommen meinem Verständnis entzog (und es noch heute tut). Und dann .. geschah etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann es kaum in konkrete Eindrücke fassen, aber ich erinnere mich an das ungläubige Entsetzen in den Augen meines Lehrmeisters, die vollkommen konfuse Verwirrung, ein Ausdruck der endlich einmal das selbstzufriedene zynische Lächeln von seinem Antlitz wischte. Ich hätte Genugtuung in diesem Augenblick finden können, aber ich war selbst dabei um Atem zu ringen, gebeutelt von unsichtbar bleibenden Mächten, deren Vorbeiziehen meinen Geist wirbeln ließ. Für einen Moment, ich bin bereit darauf zu schwören, konnte ich die Magie sehen und die absurde Art und Weise, wie sie sich in eine unmögliche Richtung verbog. Das, wurde mir bewusst, musste die transitive Eigenschaft der astralen Ebene sein. Oder auch nur eine aus Panik geborene Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles .. bewegte sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe keine bessere Erklärung dafür, keine passenden Worte für die Transformation, die ihre Kraft aus der ungebundenen Kraft meines Lehrmeisters zog. Holz wurde zu Wasser, Metall wandelte sich in Luft, eine Kerzenflamme transformierte vor meinen ungläubigen Augen in eine sich windende Ranke.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Fassungslosigkeit ist das Letzte, an das ich mich erinnere, während die “Siebentrutz” um mich herum auseinanderbrach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach gab es nichts, bis ich die Augen am Strand dieser Insel wieder öffnete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 41|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Geschichte Ussarias - des Landes das zwischen zwei Gebirgszüge im Norden und Süden eingeklemmt liegt und dem Lauf der Usser bis zur Mündung folgt - erstreckt sich über einen Zeitpunkt von mittlerweile 450 Jahren. Will man der offiziellen Geschichtsschreibung glauben, dann wurde das Land damals von unerschrockenen Siedlern erobert, die vom Meer kommend, das lange Tal in Besitz nahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleiben ein paar Fragen offen, vor allem über die Dinge, die nicht erwähnt werden: Woher kamen diese Siedler? Es gibt keinerlei Erwähnung ihrer ursprünglichen Herkunft, dann und wann zu findende Details machen eher den Eindruck nachdrücklich erdachter Rechtfertigung als fundierter Forschung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Außer Frage steht, dass die Siedler hier recht bald auf ein paar Stämme von kleinwüchsigen und schwächlichen Orks stießen - zumindest wird der Name gebraucht, auch wenn die Beschreibung des Massakers an dem primitiven Volk mich zweifeln lässt: Das kann kaum mit dem modernen Bild eines Orks, wie es mir während meiner Ausbildung vermittelt wurde, in Verbindung gebracht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie dem auch sei, das ganze langgestreckte Tal wurde schließlich erobert und besiedelt, Siedlungen wie Breitenbach, Beiring, Grauhafen und Rossensprung begründet, um letztlich zu unterschiedlich beeindruckenden Städten zu wachsen. Die offizielle Geschichtsschreibung Ussarias beginnt mit der Anlandung der Siedler, im Jahr 73 kam es dann zu der großen Spaltung, ein Ereignis, das auch heute noch bestimmenden Einfluss über die ganze Region hat: Der Erbfolgestreit zwischen zwei Brüdern über die Grafenkrone Ussarias eskalierte und mündete in einem Bürgerkrieg. An dessen Ende stand die Aufspaltung Ussarias in zwei sich gegenseitig nicht anerkennende neue Grafschaft, die offiziell beide noch immer den Namen “Ussaria” führen, heute aber viel mehr als “Siebensteig” und “Auenstein” bekannt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die isolierte Lage des Tals, begrenzt durch Gebirge auf 3 Seiten und durch das Meer auf der vierten, erlaubte es nun über die kommenden Jahrhunderte hinweg dieser Fehde ungestört zu frönen - die politische Situation ist auch heute noch weitgehend unverändert. Die zahlreichen Kleinkriege haben die Grenze oft ein Stück in diese oder jene Richtung verschoben, aber letztlich vermochte es keine Seite die Oberhand zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rossensprung ist der einzige nennenswerte Hafen in Richtung des Meeres, konkurrenzlos trotz der Nachteile die sich durch die Lage im Sumpfdelta der Usser ergeben: Feuchtigkeit ist allgegenwärtig, liegt so dick in der Luft, dass beständig Wasser an den Wänden kondensiert oder von den Fenstern perlt. Nicht zu vergessen, dass die Stadt immer dabei ist im Boden zu versinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das ist gar nicht worauf ich hinaus möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ganze Landstrich brät seit Jahrhunderten im eigenen Saft mit nur geringem Austausch mit anderen Ländern. Kultureller Austausch findet nach meiner Einschätzung nahezu ausschließlich in Rossensprung selbst statt, einfach über hier anlegende Schiffe. Es darf also nicht verwundern, dass ich während meiner Zeit in Breitenbach oder Grauhafen keinen einzigen Nichtmenschen zu Gesicht bekam, erst in Rossensprung kam es zu einigen wenigen Begegnungen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich scheue mich fast, es überhaupt so zu nennen: “Sichtungen” ist ein vermutlich passenderes Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen fremden Völkern ist das der Elfen eindeutig am häufigsten anzutreffen: Es gibt eine kleine Gemeinschaft von Zwergen in Beiring - aber ich habe die Hauptstadt Siebensteigs nie mit eigenen Augen gesehen. Einem Schiff scheint dieses Volk sich aber nur sehr selten anvertrauen zu wollen. Orks kann man bestenfalls in Käfigen bewundern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elfen besuchen die Region häufig genug, dass es zwar so gut wie keine mir bekannten festen Einwohner dieses Volkes gibt, aber dafür einiges an Aberglauben - einiger lächerlich ehrfürchtig, anderer offen feindselig oder herabwertend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein eigenes Erbe war für lange Jahre etwas abstraktes, bedeutungsloses im Hintergrund: Natürlich wusste ich durch die schwärmerischen Erzählungen meiner Mutter von diesem Elfen, der - vermutlich - mein Vater sein musste. Aber ich besaß keine magischen Augen, keine spitzen Ohren, keine angeborene, majestätische Eleganz. Ganz im Gegenteil: Ich war ein Kind, das rasch hinter anderen Kindern meines Alters zurückfiel. Meine Erinnerungen an diese Zeit sind so gut wie nicht vorhanden, einiges existiert nur durch Erzählungen meiner älteren Halbbrüder (die nun selbst schon nahezu vergessen sind), aber das scheint ein durchgehendes Thema gewesen zu sein: Ich lernte später laufen und sprechen, ich war länger eine hilflose Bürde als meine Geschwister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während meine Gefährten der späteren Jahre allmählich zu Erwachsenen heranwuchsen, blieb ich noch ein Kind.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zurückblickend lässt sich das leichter einschätzen, zumindest was die ersten Jahre in Grauhafen angeht: Das war 433, ich war bereits sechzehn Jahre alt, passte aber körperlich und auch geistig viel eher in ein Rudel von Zwölfjährigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnerte mich erst wieder bewusst an meine Herkunft, als ich tatsächlich aufhörte ein Kind zu sein: Zu den sichtbaren Veränderungen gehörten auch die dezenten Ohrspitzen, Aspekte in meinem Antlitz die schon immer dagewesen waren, prägten sich deutlicher hinaus.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich stelle mir vor, dass das in einer anderen, mehr offenen Gesellschaft nahezu unbeachtet geblieben wäre, aber die allermeisten Menschen in Auenstein hatten Elfen so selten einmal gesehen, dass mein Anblick trotz der eher subtilen Anzeichen fälschlich als vollständiges Elfenblut verstanden wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In gewisser Weise amüsant: Mein einziges Zusammentreffen mit einem echten Elfen schlug mir die Unterschiede regelrecht ins Gesicht: Die beeindruckende Größe im Vergleich zu mir, die ungewöhnliche Hautfarbe, die fremdartigen Züge und die Sprache. Nie in meinem Leben war ich mir selbst meiner Unzulänglichkeiten und Makel so bewusst, wie vor dem scharfen Auge des elfischen Händlers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war nicht einmal unfreundlich. Aber die Mischung aus Mitleid und offener Verachtung stach.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 43|CONTENT=&lt;br /&gt;
Vor Jahren fragte Ludwig mich einmal, was ich mit meinem Leben vorhätte. Was die Pläne und Ziele wären, die sich darin finden, die mich beflügeln und motivieren würden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich gut an den Abend: Wir hatten unsere heimlichen Unterweisungen bei der blinden Seherin gerade hinter uns gelassen und waren auf ein paar zusammengenagelten Planken mit einer Laterne in der Hand in die westlichen Sumpfwiesen hinausgestakt. Die meiste Zeit des Jahres stand das Wasser hier eine gute Hand über dem Boden, aber &amp;quot;Boden&amp;quot; war eine irreführende Bezeichnung für eine Sammlung von Schlick, toten Ästen, Blättern und ähnlichem. Er erweckte den Eindruck von Solidität, solange man nicht dumm genug war seinen Fuß darauf zu setzen um diesen Eindruck zu prüfen. Wer dieses Wagnis doch einging, der versank sogleich bis zum Hals ohne je tatsächlich festen Grund unter die Schuhe zu bekommen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Masse zu schwimmen war faktisch unmöglich, selbst für jene, die diese Fertigkeit erlernt hatten - aber solange man nicht zappelte, würde man auch nicht weiter untergehen, sondern im Gleichgewicht treiben. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Entwürdigend, aber nicht sonderlich gefährlich, solange es noch einen Begleiter gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne einen Begleiter sah es anders aus: Dieses Areal hier war die Brutstätte von Brackwasserkrebsen und diese betrachteten alles als Beute, was sich in ihre Reichweite begab. Eben diese Krebse waren aber auch ihrerseits begehrtes Gut: sie wuchsen bis zu doppelter Fingerlänge heran und waren zwar nicht gerade als Delikatesse bekannt, aber dafür in scheinbar unerschöpflicher Menge vorhanden: Wer hier zur Abendstunde hinausfuhr, der konnte immer irgendwo die Lichter anderer Krebssammler sehen. Insbesondere wenn dann Nebel aufzog, streute das Licht der Laternen weit, zeichnete weiche Aureolen, die den halben Sumpf zum glühen brachten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals dachte ich mir nicht viel bei der Frage, aber das Gefühl von Befremdung ist noch immer deutlich im Blick zurück. Was bedeutete diese Frage? Für mich war der Blick nach vorn immer ein sehr kurzer gewesen. Zunächst konzentriert darauf etwas im Magen zu haben oder einen trockenen Platz zum schlafen. Später dann darauf meinen Status zu halten, sich abzeichnenden Gefahren auszuweichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es gab keinen Plan dahinter, keinen Antrieb. Ich ließ mich einfach tragen wie ein Blatt, das der Herbstwind auf eine Reise entführte. Wie farblos war das neben der sprudelnden Vorstellungskraft Ludwigs, der mir bereits im Detail beschreiben konnte, welche Schritte in den kommenden Jahren auf ihn warteten, der voller Zuversicht bereit war sich diese noch ungeformte Zukunft Untertan zu machen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sein Weg schien bereits vorgezeichnet: Abschluss der Schusterlehre, dann Auszug als Geselle aus Rossensprung, danach andernorts formelle Ausbildung zum Jungmagier. Während er mir all das in glühenden Farben beschrieb, hegte ich keinen Zweifel daran, dass es genau so kommen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konnte ich neben dieser überströmenden, schöpferischen Kraft nun einfach die Schultern zucken und zugeben, dass ich ganz zufrieden mit meiner Stelle als Schreiber für Haus Telketh war, dass mich der Sumpf gar nicht so sehr störte, wie die Klagen es manchmal erscheinen ließen, dass selbst die Magie zu mir gekommen war, wie eine unerwartete zusätzliche Hausarbeit auf einer bereits ausführlichen Liste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Sobald ich hier herauskomme, werde ich das Elfenvolk suchen. Nicht einmal um meinen Vater zu finden, sondern einfach um mehr über mein Erbe zu lernen, darüber, wer ich bin und wer ich sein kann.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er strahlte. Und ich fühlte mich .. interessant. Ich lauschte seinen Plänen, fasziniert und erstaunt zu gleichen Teilen über seine Fähigkeit die noch ferne Zukunft mit kraftvollen Worten zu fassen, wie ein Schreiber, der zum ersten Mal Tinte auf noch jungfräuliches Pergament ausbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühlte kein schlechtes Gewissen wegen der rasch gesponnenen Lüge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Jahre später, verstehe ich die Vergeblichkeit dieser frohen Pläne. Ich habe gesehen, wie die Karten sich ausspielten. Das ist es, denke ich, was es bedeutet aufzuwachsen: Zu erkennen, dass man am Ende doch nur ein Blatt ist, das stärkere Winde herumwirbeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt haben sich mich auf diese Insel hier getragen, an einen Platz dessen Eintönigkeit wie ein Spiegel für mich selbst ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht wird es Zeit, dass ich aus einer alten Lüge endlich eine Wahrheit mache, auch wenn Ludwigs eigene Pläne schon lange nicht mehr das sind, was sie damals waren. Wenigstens einer von uns kann sein Wort halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 49|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein neuer Tag. Ein alter Tag. Der Regen fällt und die Gespräche laufen, festgefahren in ihren Bahnen wie ein Bach, der sich mit den Jahrhunderten ein Bett in den Fels grub. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum bin ich hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum bin ich noch immer hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wanderung über die ruhig liegende Insel offenbart nichts Neues, selbst im Muster der gegen den Strand laufenden Wellen glaube ich mittlerweile ein Muster zu finden. Das ist irrational, aber allein der Gedanke zerrt bereits an meinen Nerven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin dieses Ortes müde. Wieviele Tage?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich habe aufgehört zu zählen, aber aus den einzelnen Blättern ist ein ganzer Stapel geworden, hastig hingeworfene Erinnerungen an die Lektionen aus dem Mund einer Blinden und eines zynischen Säufers. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenartig, wieviel Trost darin liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde ich dahin zurückkehren, wenn ich könnte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage begleitet mich durch den Tag, bleibt ein treuer Gefährte, während ich auch heute ein neues Blatt Papier eintausche und dem Schneider einmal mehr dabei helfe seine Schere zu schleifen. Die Frage ist an meiner Seite als die Sonne am Nachmittag ihr Gesicht hinter grauen Wolken verbirgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann - unversehens, ungeplant - finde ich mich vor dem scharfen Blick des Fährmanns, der mich fixiert und .. misst. Als wäre er hier nicht Dienstbote, sondern König. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum ersten Mal spüre ich wie die klamme Furcht von mir fällt als er spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;b&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du hast dir viel Zeit gelassen, Fel.&amp;quot;&amp;lt;/b&amp;gt;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich an diese Stimme. Sie ist ..&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gegenwart: Die Neue Welt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gedanken und Meinungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Ba&#039;thal|CONTENT=&lt;br /&gt;
Er hat keine Gelegenheit ausgelassen um mich daran zu erinnern, was ich bin.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich kann ihm sein Sentiment nicht verübeln: Seine Perspektive ist eine, die sich über mehr Zeit erstreckt als ich mir vorstellen kann. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun macht er gute (oder zumindest neutrale) Miene zum bösen Spiel, aber ich denke er wartet nur darauf die kleinste Verfehlung anklagend gegen mich zu wenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist, das versprechen mir seine Augen, ein Geschöpf dessen Gnade von den Gestaden der Zeit fortgewaschen wurde. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Cillian Lindhain|CONTENT=&lt;br /&gt;
Hinter der lächelnden Fassade versteckt sich ein Mann, der alles daran setzt sich selbst davon zu überzeugen, dass er nichts Ernst nimmt. Ich glaube, er wäre gern ein Zyniker, der für die Welt und ihre Anwohner nurmehr Spott und Verachtung übrig hat. Aber das ist er nicht und ich denke, dass er sich trotz allem jeden Tag ein wenig mehr davon entfernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenartigerweise, trotz profunder Unterschiede, fühle ich mich ihm mehr verbunden als allen anderen Mitgliedern der Hafengruppe. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin nicht ganz sicher warum: Erinnert er mich an das, was Jerwalson in seiner Jugend hätte sein können?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Elira Raureif|CONTENT=&lt;br /&gt;
Sie ist .. befremdlich. In ihrer Weltsicht, die so tut als gäbe es kein Grau zwischen Schwarz und Weiss. In der Art und Weise, wie sie Entscheidungen trifft und zwar sehr viel robuster, als man meinen sollte, mit einer Unverblümtheit, die keinen Raum für Zweifel lässt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
An manchen Tagen denke ich, sie hätte unter anderen Umständen einen formidablen Paladin abgeben können und dann sind da die Momente, in denen meine Paranoia mir zuflüstert, dass sie uns alle - und mich im Besonderen - an der Nase herumführt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal frage ich mich, was Fenrik und sie aneinander finden. Und dann ist es wieder so offensichtlich wie ein Faustschlag ins Gesicht und ebenso schmerzhaft.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Fenrik Wintal|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Mann ist mir ein Rätsel. An der Oberfläche ist alles klar: Ein robuster Raufbold und Tunichtgut, unbekümmert und rasch entschlossen. Unhöflich, handgreiflich, gierig. Ohne Elira als ständiger Quell bedingungsloser Bewunderung und Bestätigung wäre er gewiss eine Gefahr für jede atmende Kreatur in seinem Weg.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Warum ist er hier? Ich nehme ihm seine Liebe nicht für einen halben Herzschlag ab. Aber was plant er? Und wer bezahlt ihn? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie lange wird das noch gutgehen?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Lin Schlehendorn|CONTENT=&lt;br /&gt;
An den meisten Tagen denke ich, dass Lin das einzige wirklich aufrichtige Mitglied der kleinen Hafengruppe ist. Auch wenn ich relativ sicher bin, dass ihr schon diese Einordnung nicht gefallen würde. Sie hat Ambitionen, daraus macht sie keinen Hehl und alles was sie tut ist in irgendeiner Art und Weise diesen fernen Zielen untergeordnet. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist etwas, was ich nur bewundern kann: Sie lässt sich nicht einschüchtern, ganz gleich wie weit entfernt ein Palast und das tägliche Bad in frischer Stutenmilch aus sein mögen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Vermutung ist daher auch, dass sie an Cillian aus aktueller Bequemlichkeit festhält und nur genau so lange, wie seine Kurzweiligkeit und Nützlichkeit den Aufwand wert sind. Sobald sich am Horizont der Anschein etwas Besseren ergibt, wird sie ihn fallen lassen, wie eine heisse Kartoffel. Ich vermute, das ist ihnen Beiden auch durchaus bewusst.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Livius Quintus|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich dachte ich würde ihn verstehen: Ein Mann der seine besten Jahre bereits hinter sich hat, noch immer hadernd mit dem unvermeidlichen Niedergang. Das ist nichts, was ich nicht zuvor schon andernorts gesehen hätte: Ein Mann gerade balancierend zwischen Selbstverleugnung und Akzeptanz, jemand, der das Versprechen des drohenden Endes bereits am Horizont erahnt und weiss: Es bleibt nicht mehr soviel Zeit, wie man einst dachte. Es wird Zeit die Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Das Haus zu richten. Erben zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nichts davon geschieht. Was bedeutet das? Und welche Rolle spielt Shira dabei?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Shira|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich weiss nicht, was sie ist. Ich verstehe nicht, was sie motiviert. Ich habe nicht einmal einen Maßstab, um ihre Existenz einzuordnen. Bis vor wenigen Tagen glaubte ich diese Beziehung zu Livius wäre eine von einseitiger Abhängigkeit: Eine mit einem Lächeln angezogene Kette um den Hals des Magiers. Aber nun habe ich meine Zweifel. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschichte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ankunft in Nebelhafen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Morgen war kühl genug, dass Fel unter der dünnen Decke fröstelte, die sie am gestrigen Abend an den Docks Nebelhafens halb erkauft, halb erbettelt hatte. Eine Schiffsbrüchige konnte nicht wählerisch sein, daran erinnerte sie genauso auch das Knurren des Magens - die eigenartige Frucht, die sie am Feuer unter der Anleitung Noa Feldspans verspeist hatte, war schon lange verdaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hunger war gut. Hunger bedeutete Antrieb und Motivation, solange man ihn nicht soweit wachsen ließ, dass er schließlich am Bewusstein selbst zehrte. In gewisser Weise war all das vertraut: Das Nächtigen an zufällig ausgewählten Plätzen in notdürftig zurechtgemachten Lagern, das Grummeln im Magen zu Beginn jedes Morgen, verlässlicher als selbst das Aufgehen der Sonne, die sich gerade heute hinter einer dichten Wolkendecke verbarg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiss: Die letzten Jahre hatten wenig davon gesehen, aber die Erinnerungen an damals waren präsent, wie tiefe Kerben in Holz, die wieder sichtbar wurden, wenn man die dünne Schicht an Farbe darüber abscheuerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Aber ich bin nicht mehr, wer ich damals war.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam mit einem Fetzen von Reue: Die Ankunft hier in Nebelhafen nach dem Ende der &amp;quot;Siebentrutz&amp;quot; hatte die Möglichkeit eines vollkommenen Neuanfangs geboten, aber ohne den rechten Kopf um damit zu planen, war ihr die Möglichkeit eines falschen, eines neuen Namens nicht in den Sinn gekommen. Nun war es bereits zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wenn Namen Identität sind, dann bin ich allein dadurch an meine Vergangenheit gebunden, wie eine Marionette an ihre Fäden.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Spaziergangs an den Docks entlang, spielte Fel mit dem Gedanken, was ein passender Name gewesen wäre, steigerte sich schließlich in mehr und mehr lächerliche Konstrukte, die sich durch eine Vielzahl von Apostrophen und Zwischensilben auszeichneten, bis der knurrende Magen beinahe vergessen war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese neue Welt .. das war Potenzial. Ein einziger Abend hatte bereits ausgereicht um das zu verdeutlichen: Nicht einmal war sie auf Anhieb auf eine Elfe gestoßen - und eine andere Gestalt, bei der es sich möglicherweise ebenfalls um eine Elfe handelte - noch dazu hatte sich gezeigt, dass es eine Varianz in den Worten der Macht gab: Das stabile Fundament auf dem Fel ihre Ausbildung bis dahin erbaut sah, begann bereits zu bröckeln in Anbetracht dieser neuen Informationen. In Ussaria gab es nur einen einzigen Pfad der Magier - hier gleich deren vier. Was hatte das zu bedeuten? Welche Ordnung ließ sich dahinter ausmachen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Sonne sich endlich aus der Umklammerung der Wolken befreite, erkundete Fel weiter Nebelhafen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Aller Anfang ist schwer|CONTENT=&lt;br /&gt;
Letztlich war Fel nicht vollkommen sicher, wie weit es mit der Gastfreundschaft der Schneiderin tatsächlich her war, aber für den Moment war es ausreichend ein richtiges, wenn auch einfaches Bett zu fühlen, die Möglichkeit zu haben die Türe hinter sich zu schliessen. Die &amp;quot;Siebentrutz&amp;quot; hatte solchen Luxus nicht einmal für ihren Kapitän geboten, umso weniger für mitreisende Gäste, die sich die knappen Schlagplätze in Schichten teilten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Warnung war unverzüglich erfolgt: Nur für zwei Nächte. Aber das waren Sorgen für morgen oder übermorgen. Bis dahin konnte sich bereits alles geändert haben. Schon ein einziger Tag hatte gewaltige Unterschiede gemacht, hatte Fel erlaubt Bekanntschaften zu knüpfen, erste vorsichtige Bande zu flechten - speziell zu dem argwöhnischen Lama, das nun irgendwie zu ihrem Haustier geworden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gleichen Maße hatte Fel aber auch erkannt, wie abgeschieden vom Fortschritt Ussaria mit seinen Jahrhunderten von Eigenbrödelei und Bürgerkrieg war, wie viele Einsichten und Wunder die Welt drumherum kannte. Tränke, mit denen sich Lebewesen zusammenschrumpfen ließen? Sie konnte auf Anhieb nicht einmal ein Prinzip formulieren, um diese erstaunliche Wirkung in Spruchzauberei zu übersetzen.&lt;br /&gt;
Gleich fünf Pfade der Magie warteten hier, erlaubten eine bislang unbekannte Spezialisierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Eindrücke mussten niedergeschrieben, fixiert werden, solange sie noch frisch waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Rückseite eines abgerissenen Aushangs formulierte Fel schliesslich im kargen Licht der einzelnen Talgkerze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;Bislang war für mich die Wirkung und Funktionsweise von Reagenzien simpel: Sie liefern eine spezifische Form von Energie, die bei ausreichender Kompatibilität genutzt werden kann, um einen Zauber zu wirken. Sie sind damit eine der absolut unerlässlichen Grundbedingungen neben den Worten der Macht, Mana und dem Intent. Wenngleich die Wirkungsweise der Reagenzien bisweilen Raum zur Diskussion lässt, war bislang eines zumindest für mich vollkommen klar: Sie liefern eine objektive, theoretisch sogar meßbare Menge an Energie, verlässlich, weitgehend reproduzierbar und gänzlich unabhängig von den Eigenheiten des Zauberwirkers.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Ausführungen von Soryia Schwarz haben mich nun auf die Spur von vier, mir bislang unbekannten Reagenzien gesetzt: Obsidian, Molchaugen, Knochen und Fruchtbare Erde. Diese vier Reagenzien stehen in engem Zusammenhang zu den mir bislang ebenfalls unbekannt gewesenen fünf Pfaden - vieren eben dieser Pfade wird genau eine dieser neuen Reagenzien zugeordnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war noch nicht genau in der Lage zu evaluieren, ob die reine Möglichkeit Energie aus den Rwagenzien zu ziehen, bereits pfadgebunden ist. Falls ja ermöglicht das einige weitere Spekulationen über die dahinterstehenden Prinzipien und damit vielleicht auch eine Erklärung, warum die bekannten acht Reagenzien überhaupt funktionieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seien wir ehrlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir unter den Tausenden und Abertausenden an Stoffen und Teilen dieser Welt ausgerechnet die einzigen acht gefunden hätten, die für Magie geeignet sind, ist so gering, dass es keiner Diskussion wert ist. Ich habe mich daher stets gefragt, ob es nicht noch Unmengen an anderen potentiellen Reagenzien gibt, die sich uns schlicht noch nicht erschlossen haben und - falls ja - was uns daran hindert sie zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik mit den Pfaden lässt mich nun nachdenken, ob noch mehr dahintersteht: Kann es sein, dass etwas an uns Zauberwirkern schlicht mit der richtigen Reagenzie resoniert? Falls ja müsste das aber bedeuten, dass fremdartige Völker oder Rassen dann auch Zugriff auf andere, für uns nutzlose Reagenzien haben könnten.&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Kammer|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die kleine Kammer unter dem Dach des Gasthauses war ursprünglich Teil eines weit grösseren Raums gewesen. Findiges Geschäftsinteresse hatte den zuvor brachliegenden Dachboden allerdings rasch als mögliche Goldgrube erkannt: Direkt nach der ersten Welle von Ankömmlingen hier auf dem neuen Kontinent, waren dünne Zwischenwände eingefügt worden, teilten den verfügbaren Platz in präzise, knappe Rechtecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ein wenig wie die Koben eines Schweinestalls.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz zu Beginn - so hatte Fel sich zumindest erzählen lassen - gab es nur Vorhänge aus muffig riechendem Segeltuch jeweils vor den Ausgängen. Dieser Tage versprachen abschließbare Türen zumindest ein wenig private Abgeschiedenheit in den fensterlosen kleinen Kammern, gerade eben gross genug für ein schmales Bett und ein Nachtschränkchen an dessen Kopfende. Bislang war die Enge nur an den heissen Tagen des Sommers ein Problem gewesen: Wenn das Dach sich aufheizte, gab es für die Luft selbst bei geöffneter Türe so gut wie keine Möglichkeit mehr zu entkommen. Aber gutes Wetter versprach eben auch die Möglichkeit von hier zu fortzugehen, auswärts zu schlafen wie viele der Glücklosen, die keine feste Bleibe gefunden hatten und sich mit einem Zelt oder auch nur einer Plane glücklich schätzten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie die Tage aber kürzer und kürzer wurden, stieg der Bedarf an einem festen Dach über dem Kopf und das wiederum trieb die wochenweise zu zahlende Miete für die Unterkunft in stetig neue Höhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Fel verhieß das nichts Gutes: Das Auskommen für Hilfsarbeiten beim Hafen, bei der Korrektur von Büchern und dem Verfassen von Briefen war unregelmässig und gering, gerade eben genug um bislang mit den Preisen für das Leben als solches mitzuhalten. Selbst das Sammeln von Kräutern erwies sich jeden Tag als ein wenig schwieriger, unproduktiver: Die nähere Umgebung Nebelhafens war schon lange abgegrast, dass es nun langwierigere Wege brauchte und damit auch die stetige Gefahr gefährlichen Wildtieren über den Weg zu laufen. Mit der Ahnung des Winters am Horizont schien klar, dass auch diese kargen Einkünfte nicht sehr viel länger halten würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Zumindest hätte ich dann wieder mehr Zeit um etwas zu lernen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Galgenhumor an diesem Gedanken schmeckte ein wenig zu bitter wegen der Wahrheit darin: Die Studien hatten gelitten und die verfügbaren Mittel erlaubten ihr schon länger nicht mehr über Theorien und Worte zu schreiben - weder Papier noch Feder oder Tinte gab es für umsonst und das hieß die begonnene Zusammenfassung einst erworbenen Wissens war zu diesem Zeitpunkt kaum mehr als eine Absichtserklärung. Nicht genug um irgendjemanden von Potential zu überzeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst jetzt gehörten die kostbaren Abendstunden der Arbeit, beugten sich der Notwendigkeit Wäsche zu erledigen, gesammelte Kräuter und Pilzen an aufgespannten Leinen quer durch die kleine Kammer aufzuhängen und die Beute früherer Tage sorgsam zu trocknen und auf mögliche Schäden zu untersuchen. Eine ganze Anzahl Alraunen warteten unter dem Bett nur auf den nächsten Mondwechsel für die weitere Verarbeitung und der schon länger wartende Ginseng war kurz davor in klebrige Paste verarbeitet zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Alles hängt davon ab, dass ich wenigstens diese Kammer hier halten kann. Wo sollte ich das sonst aufgewahren?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei - das hatte sich unverhofft gefügt - war dieser letzte Abend ein erstaunlicher Erfolg in verschiedener Hinsicht gewesen: Zum Einen hatte Fel es fertiggebracht den ersten Teil ihrer Wäsche fertigzustellen ohne den mitgenommenen Stoff weiter zu beschädigen, zum anderen hatte sich ein wenn auch wackeliges Arbeitsangebot ergeben - fast schon genug, um die Warnungen des Magiers in den Hintergrund treten zu lassen. Dessen Anspielungen ließen erahnen, dass es sich bei dem rotbeschopften Barden um einen eher zwielichtigen Gesellen handeln musste: Vielleicht ein Trickbetrüger oder tatsächlich ein an Land gespülter Pirat. Das Gespräch war auf jeden Fall kurzweilig gewesen, eine willkommene Abwechslung zu viel eintönigeren Pflichten und Notwendigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und am Ende: Der Ork. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die geforderte Botschaft zu übermitteln war eine Kleinigkeit gewesen und die dafür gezahlte Belohnung versetzte Fel einen regelrechten Stich: Das so beiläufig ausgeschüttete Handgeld war genug um die Miete der kleinen Kammer für die kommenden zwei Wochen zu zahlen und der Ork schenkte es mit einem barbarischen Grinsen fort, als wäre es bedeutungslos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war ein Gedanke, der bei Fel blieb, während sie noch Stunden später nach oben auf die kreuz und quer verlaufenden Schnüre durch ihr winziges Zimmerchen starrte, darauf wartend, dass die Nachbarn endlich ihren täglichen Streit beendeten und dem Geschrei nicht weniger laute, aber zumindest absehbare Tätigkeit folgen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Gedanken und dem Bild eines lächelnden Dunkelelfen vor Augen tauchte Fel schließlich in das nächtliche Vergessen ein.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Geist und die Dunkelheit|CONTENT=&lt;br /&gt;
Mitten in der Nacht war der Regen gekommen: Unverhofft und unangekündigt, ein Wolkenbruch wie der Wutausbruch eines Kindes, dessen Zorn sich binnen weniger Minuten wieder erschöpfte. Das Trommeln des Wassers auf dem Dach hätte Fel unter anderen Umständen aus dem Schlummer gerissen, aber heute war der tosende Lärm des auf hohl liegende Schindeln fallenden Wassers eine willkommene Abwechslung in schlafloser Unruhe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem vorausgegangen waren Stunden des Starrens auf die kreuz und quer gespannten Fäden, das Blättern in der wilden Sammlung mitgenommener Papiere. Selbst an der Ergänzung der eigenen Notizen mit den Hinweisen und Korrekturen der zufällig besuchten Unterweisung zu den Worten der Macht hatte Fel sich bereits versucht, aber ein um das andere Mal ertappte sie sich dabei, wie die Hand verharrte und die Gedanken zu dem Zusammentreffen des letzten Abends zurückkehrten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hatte der Abend allzu gewöhnlich begonnen: Eine Konfrontation mit dem trübäugigen Nachbarn aus der Nebenkammer, dessen Schnarchen sich später selbst gegen das Tosen des Regens behaupten sollte. Die Zahlung der Miete für die nächste Woche - der Anblick der mühsam verdienten Münzen, die in der Tasche der spröde lächelnden Vermieterin verschwanden, brach Fel schier das Herz. Und natürlich all die kleinen Aufgaben, die zu ergattern sie in der Lage gewesen war: Heu wenden auf einem der Felder, die Fütterung übernehmen für ein ganzes Rudel kläffender Hunde, Wäsche sortieren für besser betuchte Haushalte. Nichts davon war an sich herausfordernd - Zeit war letztlich die einzig notwendige Ressource, die es einzusetzen gab. Besser bezahlte Aufgaben hatte es einige, aber sowohl die Arbeit in einem der Holzfällertrupps als auch die Unterstützung im Bergwerk erforderten mehr Kraft und Durchhaltevermögen als Fel ihr eigen nannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann die Dunkelelfen, das Gespräch in tiefen Schatten vor bröckelnden feuchten Ziegelmauern: süße Versprechen, zusammengewoben mit scharfen Drohungen. Zuckerbrot und Peitsche, die gebende und die bestrafende Hand, beide jeweils ausgestreckt in der vermeintlichen Verheissung einer Wahlmöglichkeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Gefahr, obgleich sie das Herz Fels zur Eile trieb, hatte etwas eigenartig Vertrautes, rührte an fast verblassten, ungeliebten Erinnerungen früher Tage. Damals schien jeder Tag von Giganten beherrscht, die aus einer Laune heraus Leben oder Tod brachten. Meist war es besser sich zu ducken, in den Schatten zu verweilen, unaufällig bis die prüfende Aufmerksamkeit vorübergezogen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Aber nicht hier. Nicht mit Kreaturen, die in die Schatten verbannt wurden und darin lebten, bis sie selbst ein Teil davon wurden.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch, nun, da die Gedanken ruhelos über die Ereignisse, die gewechselten Worte und die Eindrücke des Abends kreisten, vermochten sie nicht anders als sich auf Details zu fokussieren, Muster und Möglichkeiten gleichermaßen an die Oberfläche zu zerren. Die Umstände waren .. ähnlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich bin nicht mehr, wer ich damals war. Nicht ganz.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der vermeintlich glatten Front hatte es Spannungen gegeben. Noch keine Sprünge, noch keine Risse, aber vielleicht, wenn an der richtigen Stelle ein wenig gebohrt, ein wenig erprobt wurde ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schlaf mochte auch nach dem Ende des Regens nicht kommen, aber Fel träumte nichtsdestotrotz.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Hoffnungsvolle Suchen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Jeden Tag wurden die Nächte ein wenig länger: Was im Sommer nach ein gemütlicher Spaziergang bequem nach Sonnenaufgang gewesen war, hatte sich spätestes mit der Ankunft des Herbstes gewandelt: Dieser Tage schlich Fel in einen dicken Mantel gewickelt noch vor dem ersten Licht aus dem Tor Nebelhafens, fröstelnd in der klammen Kälte und darauf hoffend, dass die Stiefel einen weiteren Übergriff von Tau überstehen würden. &lt;br /&gt;
Es war immerhin die richtige Jahreszeit für die Suche nach gewissen Moosen und Pilzen, die sich im abgeworfenen Laub der Bäume versteckten - aber dieses offene Geheimnis trieb auch genug Konkurrenz an, dass die zurückzulegenden Wege jeden Tag ein Stück weiter wurden. Nur abseits der ausgetretenen Pfade und der bequemen Wildwechsel ließ sich noch ergiebige Beute machen aber das wiederum zog die Stiefel zusätzlich in Mitleidenschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere, dessen war Fel sich nur zu bewusst, drehten sich zu dieser Stunde noch einmal im Bett um. Das war eine Lektion, die sie bereits früh gelernt hatte: Manche besaßen eine Begabung aus der sie - im übertragenen Sinne - Geld machen konnten: Geschickte Hände, blitzschnelle Auffassungsgabe, eine robuste Natur oder natürliche Streitlust. Andere hatten eifrige Lehrmeister, bemühte Tutoren und geduldige Patrone. Einige vereinten gleich Beides miteinander und vermochten auf diese Weise über sich und ihre Anlagen hinauszuwachsen, reiften zu inspirierenden Koryphäen, zu bedeutenden Anführern oder zumindest bewunderten Handwerkern heran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Gedanken lag eine Erkenntnis, die auch jetzt, Jahre nach dem ersten Bewusstwerden noch immer stach: All das war ausserhalb von Fels Reichweite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei, so sinnierte sie, während sie sich unter dichten Brombeergestrüpp duckte und taufeuchtes Moos behutsam von einem toten Baumstamm entfernte der beinahe vollkommen überwuchert worden war, war das weniger eine Frage der Bereitschaft, als schlicht eine Frage des fehlenden Talents: Kein Geschick für Handwerk, eine gewisse Zielstrebigkeit aber ohne die brilliante Auffassungsgabe, die Andere auszeichnete, generell eine gewisse .. Langsamkeit, vermutlich irgendwo auf den Anteil des elfischen Erbes zurückgehend: Für das alte Volk spielten ein paar Jahre oder sogar Jahrzehnte vermutlich keine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Es ist als hätte ich das Schlechteste von beiden Seiten bekommen. Kein Fisch und kein Fleisch, irgendetwas in der Mitte.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem dichten Moos verbarg sich dichtes, weissliches Pilzgeflecht, dem Fel nun sorgsam zuleibe rückte: Die Berührung von Metall, so hatte man es ihr eingeschärft, würde die besonderen Eigenschaften ebenso ruinieren wie der Einfluss direkten Sonnenlichts. Genauso verboten war jedoch auch der direkte Kontakt mit der Haut, in diesem Falle jedoch nicht wegen eines etwaigen Schadens für den Pilz: Der &amp;quot;austreibende Bortenträger&amp;quot; war berüchtigt dafür auch lebendes Gewebe zu befallen und die farbigen Schilderungen hatten Fel beinahe genug abgeschreckt. Beinahe. Aber die Miete zahlte sich eben nicht allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fund blieb an diesem Morgen der Einzige dieser Art, aber der freie Streifzug hätte sich dennoch ausgezahlt, wenn Fel dann nicht ein Loch in der Sohle ihrer Stiefel entdeckt hätte. Das ruinierte die Bilanz des Tages bereits nachhaltig und gemahnte sie einmal mehr daran, dass es im Wettrennen gegen den kommenden Winter nur einen Sieger geben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Also alles auf eine Karte.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Knappe drei Stunden später wurde in der Bank von Solgard ein Schreiben hinterlegt, die letzten Münzen investiert in frische Tinte und ein neues Stück Pergament.&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=|CONTENT=&lt;br /&gt;
An Livius Quintus,&lt;br /&gt;
Oberster Hüter der Bewahrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Euren Antwort auf meine Aushänge mit Aufmerksamkeit studiert. Vielen Dank dafür: Die Ausführungen haben mir bereits erlaubt einiges an meinen Schlüssen bezüglich der Pfade und ihrer Eigenschaften zu korrigieren und zu ergänzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr habt das Interesse ausgedrückt solche Gespräche auch auf andere Themen auszuweiten. Ich würde Euch hier gern beim Wort nehmen und erbitte hiermit Eure Zeit für eine persänliche Unterredung - zunächst einfach um Erwartungen und Möglichkeiten kurz zu diskutieren. Ich bin mir bewusst, dass Eure Zeit wertvoll ist, würde mich bezüglich eines Termins - und Treffpunktes daher ganz nach Euch richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den besten Grüssen&lt;br /&gt;
Fel Maris&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Im Herzen des Sturms|CONTENT=&lt;br /&gt;
Den ganzen Tag über hatte der Sturm bereits am Horizont gegrollt: Ein dumpfes, beleidigt wirkendes Rumpeln wie von unterdrückter Wut, gefangen in einem Band dunkler Wolken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Betrieb am Hafen tat das keinen Abbruch, nur dann und wann äugten Seeleute herüber, um abzuschätzen, wie viel Zeit noch blieb, um Ladung zu löschen oder einzubringen. Der Sturm, so hatten sie gelernt, war letztlich eine Kraft wie die Gezeiten oder die Strömungen - vielleicht etwas unberechenbarer, aber letztlich in gleicher Weise unvermeidbar. Das hinderte sie nicht daran Gesichter in den sich zusammenballenden Wolken zu suchen, einen Willen hinter den Winden, dem trommelnden Regen und den zuckenden Blitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seeleute, so dass Fel stets gefunden, waren ein abergläubisches Volk, immer bereit Geschichten zu spinnen über zürnende Geister des Meeres, über verfluchte Schiffe und rastlose Suchen nach Schatzkisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Früher, in einer Zeit, die ihr nun wie ein anderes Leben erschien, war das mehr von Bedeutung gewesen als dieser Tage, da sie sich hütete, einen Fuß auf irgendein Schiff zu setzen. Nicht wegen Aberglaube natürlich - nur aus einem gesunden Gefühl von Respekt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und doch bin ich hier.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gewöhnlich war der Tag von Pflichten gefüllt gewesen: Die Prüfung von Ladungslisten in einem schäbigen kleinen Kontor ganz am Rande des Hafens, das den Eindruck erweckte aus Treibholz und Trümmern zusammengesetzt worden zu sein und nun nur dank störrischer Hoffnungen des Eigners von einem Tag auf den Anderen überlebte. Die Aufsicht über einen vertätschelten winzigen und überaus schlechterzogenen Hund, der in selbstmörderischer Kühnheit alles ankläffte, was sich ihm näherte und mit bemerkenswerter Aggression nach Stöckchen, Fingern und Steinen schnappte. Der Transport ganzer Körbe mit Wäsche, die nur darauf wartete, anschließend gefaltet und gelegt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazwischen hatte es wenig Zeit gegeben, über die Wendungen und Ereignisse der letzten Tage nachzusinnen, über den Impuls von Veränderung, der sich heute - so war zumindest der Plan - in einem vorläufigen Höhepunkt entladen würde. Dabei waren diese Entwicklungen von überwältigender, den ganzen Alltag bestimmender Bedeutung: Das kleine Zimmerchen, welches sie sich nun mit Veronica teilte, war nicht sehr viel günstiger als die winzige Dachkammer, aber es erlaubte eine gewisse Luft zum atmen, war geräumig genug für einen richtigen Tisch und ein paar Stühle. Bis jetzt hatte sich die kleine Wohngemeinschaft als unkompliziert erwiesen, auch wenn die raue Nachbarschaft künftige Probleme erahnen ließ. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Gespräch mit Livius Quintus war schließlich der letzte Anstoß gewesen, hatte den entscheidenden Impuls für den Entschluss geliefert, der dazu führte, dass Fel nun, während die Sturmfront nahte, auf einem winzigen Ruderboot im Hafenbecken Nebelhafens ausharrte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich, dessen war sie sich nur zu bewusst, hätte dies eine Konfrontation auf hoher See sein müssen, heroisch auf Deck eines größeren Schiffes, das sich wagemutig - und trotzig - in den Einflussbereich des Sturms wagte. Das kleine Ruderboot im Hafenbecken war die realistische und halbwegs kostengünstige Variation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Irgendwann sollte ich lernen zu schwimmen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Ausläufer der Sturmfront wühlten das Wasser auf, sprühten Gischt und trugen Regen mit sich, der Fel binnen weniger Momente bis auf die Knochen durchnässte. Es war kalt, kälter als sie erwartet hatte, aber nun war es zu spät für einen Rückzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich war es nicht der Sturm gewesen, der die “Siebentrutz” ihre Existenz gekostet hatte, sondern etwas darin, eine Kraft, die die Magie Jerwalsons verbog und deformierte, sie ausschlagen ließ, bis ihre Berührung Metall zu Wasser und Holz zu Nebel wandelte. Auch jetzt, Monate später, war Fel unbegreiflich, welche Prinzipien dahinter standen, welche Mechanik eine solche Verschiebung verantworten konnte. Aber diese Fragen konnten warten: Damals hatte sie überlebt, willkürlich und zufällig, eine Laune des Schicksals, die in erbarmungsloser Gelassenheit eines von einhundert Leben verschont hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute war sie zurückgekommen, um einen Pakt zu schließen und schrie die Herausforderung, das Angebot gegen das Heulen des Sturms und das Donnern der Blitzschläge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ich wähle diesen Pfad! Den Weg zwischen den Wegen! Zu verstehen und aufzudecken, zu erforschen und zu begreifen. Nie zufrieden zu sein und nie innezuhalten. Nicht allein für mich, sondern für jene, die nach mir kommen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu kalt. Andere Worte, sorgsam vorbereitet und auswendig gelernt, erstarben auf zitternden Lippen und schnatternden Zähnen - im Herzen des Sturms, sich an die Wände des schwankenden Ruderbootes klammernd und überschüttet von eisigem Regen verstand Fel, dass sie ihren vorbereiteten Vertrag nicht loswerden würde: Der Sturm war zu überwältigend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Furcht dämmerte Einsicht und ein Moment von Inspiration. Vier weitere kurze Sätze wurden gegen das Grollen geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Weisheit über Willkür!&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Fortschritt über Tradition!&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wahrheit über Täuschung!&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Gemeinsinn über Eigennutz!&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas funkelte in der Dunkelheit des Sturms, blaues Elmsfeuer das knisternd erwachte, auf den hochgezogenen Bordwänden des kleinen Ruderbootes tanzend. &lt;br /&gt;
Und für einen Moment, während sie auf die unruhigen, sich dem Sturm widersetzenden Funken starrte, sich weiter mit aller Kraft am Holz festklammernd, glaubte sie von irgendwo aus dem Sturm die Stimme ihres früheren Mentors zu vernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;b&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Diese Worte .. werden angenommen.&amp;quot;&amp;lt;/b&amp;gt;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Am Anfang aller Fragen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Fels Vorahnungen hatten sich bestätigt: Mit dem Voranschreiten des Herbstes waren die Preise gestiegen und die Greifen zeigten keine Ambition dieser Entwicklung in irgendeiner Weise Einhalt zu gebieten. In Teilen war das nicht verwunderlich: Sie waren – letztlich – eine an Gewinn interessierte Organisation und mit den nach oben wandernden Kosten waren eben auch entsprechende Abgaben, Steuern und Gebühren verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verschlechterte Wetter ließ im gleichen Zug die Nachfrage nach Arbeit sinken und mit steigendem Mangel und wachsendem Druck ging die Bezahlung der Tagelöhner nur zurück. Das, so notierte die Halbelfe ganz nüchtern im Licht einer unruhig flackernden Talgkerze, wäre schon vor mehr als zwei Wochen genug gewesen, um eine harte Entscheidung einzufordern: Entweder wohnen mit einem Dach über dem Kopf – oder Essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Oder Solgard.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass sich die Frage nicht akut gestellt hatte, war nicht etwa Fel selbst zu verdanken, sondern einer puren Laune von Glück, die – natürlich – ganz unvermeidlich mit dem Unglück eines Anderen einherzugehen hatte. Nur der Tod von Meister Konstantin Pherendanz hatte dafür gesorgt, dass aus der flüchtigen Bekanntschaft mit Veronica eine behutsame Freundschaft zu sprießen begann, dass die erstaunlichen Gemeinsamkeiten und die sehr viel weniger verwunderlichen Unterschiede auf eine Art und Weise zusammenpassten, die dafür sorgte, dass es nun ein gemeinsam bewohntes Zimmer in der kleinen Arbeitersiedlung gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kosten dafür waren nicht zu vernachlässigen, aber immerhin stabil und drohten nicht länger jede Woche neue, dieses Mal unerreichbare Höhen zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung ging aber darüber hinaus: Auch wenn die Tage weiterhin von harter, ungeliebter Arbeit gefüllt waren, blieb damit dann doch noch Raum dafür einmal durchzuatmen, um die eigenen Aufzeichnungen zu sichten, die viel zu lange keine Ergänzungen und Korrekturen erfahren hatte, um neue Texte in die Notizen aufzunehmen. Jeder Morgen brachte neue Fragen und die Möglichkeit von Antworten, oft ausgedrückt durch Fragezeichen hinter umkringelten Worten auf geduldigem Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem, so musste Fel anerkennen, hatte sich ihre Lage beträchtlich verbessert: Die Wohnstatt gesichert, der regelmäßige Kontakt mit dem Herren Quintus zur Diskussion allfälliger Fragen, eine kleine Gruppe von .. Bekannten, die von anderer Seite bereits als „Freunde“ bezeichnet worden waren. Die letztliche Wahl eines Pfades.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All die Möglichkeiten, die aus diesem vereinten Bodensatz wuchsen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
All die Gefahren aus den weniger offensichtlichen Nebenbedingungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Untersuchung des Drachenherzens und des Drachenblutes hatte sich als interessant, aber wenig ergiebig erwiesen: Ein fähiger Alchemist hätte etwas aus beiden Materialien schaffen können, aber Fels Kenntnisse dieser Kunst waren so gering, dass sie kaum über das Verkochen von Wasser über einem Brenner hinausgingen. Die Literatur hatte sich hier als interessanter erwiesen und letztlich zu völlig anderen Fragen geführt, wie alle angeführt von einem &amp;quot;Warum?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum funktionierte all das? Warum gab es so viele unbedeutend erscheinende Abweichungen in Details, die aber – wenn man sie dann ganz genau betrachtete – geradezu auf systematische Unverträglichkeiten hindeuteten? Wer hatte all das bereits einmal erforscht und bewertet?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Je mehr Fel über solchen Details brütete, desto mehr verdichtete sich alles auf eine Frage hin:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Warum funktioniert das überhaupt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Wenn der Wald erwacht|CONTENT=&lt;br /&gt;
Zumindest in der Theorie vermochte Fel den Umfang des Feenwaldes zu erfassen: Im Süden begrenzt durch die schroffen Kanten der Trollschluchten, im Osten bis an das Ufer der Nebelbucht ragend, im Westen begrenzt durch das in Sumpf übergehende Jagdrevier der Orks. Auf einem Pergament machten die Linien und schraffierten Farben durchaus Sinn: Wege. Wald. Lichtungen. Eine alte Ruine, hübsch illustriert mit dem Symbol eines geborstenen Helms.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karten versprachen Ordnung. Karten verkündeten den Sieg des Forschers über das Ungebändigte, über das Ungemessene und Unbekannte durch das Anlegen von Maßstäben und die Vergabe von Namen. Die Zähmung der Wildnis war in dem Moment vollkommen, in dem der letzte verwinkelte Strom bis zu seiner Quelle zurückverfolgt und dann in einem glorreichen Moment, für die Geschichtsbücher verewigten Moment, &amp;quot;Bierbach&amp;quot; getauft wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts davon war geeignet gewesen, um Fel auf das Naherlebnis des Feenwaldes vorzubereiten. Alles hier war Chaos, übergangslos ineinander übergehendes Grün, das ohne Plan und Ziel wucherte. Wege öffneten sich nur um später als Wildwechsel im Schatten des allgegenwärtigen Grüns zu versickern, dichtes Gesträuch reckte sich auf Lichtungen, trieb Blüten aus, die dem Lauf der Sonne folgten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und es war laut: Eine nie ferne Kakophonie ungezählter Stimmen, gewoben aus Triumphen und Niederlagen, so vielgestaltig und gleichzeitig beständig wie das Grün selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wenigstens ein Teil von mir sollte etwas drin finden. Muster. Vertrautheit. Gewissheit.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit spürte Fel nichts davon, während sie durch das Zwielicht des Waldes stolperte, über gefallene und moosbewachsene Baumriesen kletterte, vergeblich den Ursprung eines kleinen Bachs suchte, nur um dann, nach gefühlten Stunden des verwirrten Herumirrens mit dem ersten Schritt zurück wieder dort zu stehen, wo sie ihre Reise begonnen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wie kann das sein? Das widerspricht jeder Logik. Ich sollte einen Vorteil hier haben und stattdessen bin ich noch unbeholfener als Fenrik.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam mit einem allzu vertrauten Gefühl von Scham, ergänzt durch einen Funken von Zorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor einem Jahr hätte Fel hier aufgegeben, sich die Niederlage eingestanden und dann reumütig nach Hilfe gesucht. Diese Fel hätte akzeptiert und sich bescheidet, geschluckt und gelächelt, wo Tränen angebrachter gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Heute nicht. Du wirst mir das nicht madig machen. Das ist ein besonderer Tag, einer, den ich in Erinnerung behalten werde. Der Tag an dem ich nicht aufgebe, mich nicht entmutigen, mich nicht verscheuchen lasse. Ich werde die Knospe finden!&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Feenwald war es ein Samstag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er blieb indifferent, unbeirrt, unbeeindruckt, unverändert im stetigen Wandel, selbst über den Moment hinaus, als die zornige Halbelfe schließlich doch aufgab, zu erschöpft um weiter zu versuchen diese spezielle Lichtung zu finden und sich, genau wie zuvor, nur ein Halbdutzend Schritte vom Reisepunkt entfernt wiederfand.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Ausweisung|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Eure Anwesenheit ist hier generell nicht erwünscht. Geht zu den Edain, doch meidet unsere Länder. Ihr gehört nicht hierher.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trüber Nieselregen versprühte eben genug Feuchtigkeit um die Dächer im Nebelhafen feucht glänzen zu lassen. Aufgeweichte Wege erinnerten unglückliche Passanten bei jedem Schritt daran, dass dies keine Metropole war, keine Stadt, die solchen Wetter die spröde Schulter sorgsam gepflasterter Straßen und Gassen zeigte, sondern ein auf älteren Fundamenten erbauter und ein wenig ausgeuferter Handelsposten. Zumindest theoretisch war eine solche Ansiedlung auf Effizienz und die Bedürfnisse des Handels hin ausgerichtet, was gemeinhin bedeutete, dass das ganze Leben und Handeln der Stadt um Hafen, Marktplatz und Hauptwege herum rotierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch lag der Hafen, der der ganzen Siedlung ihren Namen verliehen hatte, zu dieser Stunde nahezu vollkommen still, kaum ein Licht schien aus den verschiedenen Hütten, Zelten und Wägen unweit, die immer ein wenig den Eindruck erweckten, als hätte die letzte Flut sie hier einfach ungeordnet an Land gespült. Alles atmete den Charme eines Provisoriums kurz vor dem Zusammenbruch aus, zur Permanenz verpflichtet in der Erwartung einer Ablösung, einer Verbesserung, die nie kommen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Selbst sie haben darin eine Bestimmung.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst jetzt, Stunden später, lange nach der stillen, beschämten Flucht aus den Tiefen des Feenwaldes, stachen die Worte des Lichtelfen. Wie eine weißglühende Klinge hatten sie sich tief in das Herz gebohrt, altes, vernarbtes Gewebe aufgerissen, das nun ohne Unterlass zu bluten schien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Als hätte ich nur darauf gewartet. Verdammter B....&#039; &amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst in Gedanken vermochte Fel die Beleidigung nicht zu vollenden, scheute zurück vor der Grobheit, vor dem drohenden Ausbruch und starrte stattdessen auf die vom Nieselregel eigenwillig geglättete Oberfläche des Meeres. Und selbst jetzt wunderte sich ein Teil von ihr darüber, welchen Namen dieses Wasser wohl auf den offiziellen Karten tragen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Neugier hatte sie auf allen Irrwegen durch den Feenwald begleitet, war bei ihr gewesen bei jedem Schritt auf der Suche nach Shiras Knospe und der Lichtung darum. Als sich Fehlschlag an Fehlschlag reihte, war es aber nicht die Neugier gewesen, die ihr verboten hatte nach Hilfe zu suchen, die gefordert hatte nicht aufzugeben. Purer Trotz hatte den Verstand abgeriegelt, die Emotionen aufgebauscht. Noch ein Versuch. Nur noch einer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich vergeblich: Es hatte die Ankunft Eliras und Cillians gebraucht, dazu die Begleitung einer bislang gänzlich unvertrauten Hochelfe namens Nyriel, damit Fel den Platz schliesslich wiederfand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Eure Anwesenheit ist hier generell nicht erwünscht. Geht zu den Edain, doch meidet unsere Länder. Ihr gehört nicht hierher.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte, das hatte sie bereits früh gelernt, waren aus sich selbst heraus bedeutungslos, nur mit der Macht beseelt, die ihnen eingeräumt wurde: Sowohl von dem, der ein Ultimatum aussprach oder Gefolge einforderte, als auch von dem, der sein Haupt beugte oder nach einer Zurückweisung erzitterte. Die Zeit auf den Straßen Breitenbachs war ein kalter Lehrmeister gewesen, ungnädig und erbarmungslos, hatte Fel ein um das andere Mal gezeigt, wie Worte und Taten einen Einklang erforderten und wie sich mit dem Einen das Andere vortäuschen ließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dennoch: Der Schmerz war nicht zu leugnen, ließ sich nicht davonlächeln oder überspielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Weil es wahr ist. Selbst der Wald wusste es: Ich gehöre nicht dorthin. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich gehöre auch nicht hierher.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Es gibt keinen Platz für mich.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und während der Regen über Nebelhafen allmählich stärker wurden, richteten die Gedanken der Halbelfe sich in die Vergangenheit, streiften erneut den Tag an dem die kleine Hütte leer gewesen war. Den Tag an dem die blinde Seherin dem Galgen überantwortet wurde. Den Tag eines Handels mit einem Mann, dessen Selbstverachtung seine Brillianz noch überstieg. Den Tag eines stillen Verrats an allzu lang gepflegter Hoffnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas .. regte sich in Fel, ein unwillkürlicher Reflex, der die Gedanken aus der selbstgewählten Trübheit riss und zu einem anderen Tag zurückführte, einer, der voller Verheissung und Versprechen gewesen war, zurück in ein Zelt, in dem eine alte Frau Karten mischte und sie verdeckt vor Fel auslegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Vergangenheit und Gegenwart sind benannt. Das hier ist der wahrscheinlichste Pfad deiner Zukunft. Eine Karte beschreibt das Schicksal. Eine zweite beschreibt, was dir dabei hilft. Die dritte schliesslich ist das größte Hindernis auf deinem Weg. Deck auf.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Woher weiss ich, welche der drei für was steht?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Das ist fast die beste Frage die ich in diesem Zelt in diesem Jahr gehört habe. Nun decke auf, Kind. Ich werde es für dich erläutern.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Mal gehorchte Fel und deckte die drei Karten nacheinander auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Interessant. Ich habe selten eine so klare Kombination gesehen: Deine Zukunft ist der Stern: Du wirst dein Glück, deine Bestimmung finden. Der Stern ist ein machtvolles Zeichen der Hoffnung und Erfüllung. Interessanterweise steht er auch für das Elfenvolk. Das ist überaus gut und könnte bedeuten, dass du letztlich auch hier dein Schicksal findest.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dir zur Seite steht dafür der Magier, dessen Anleitung und Weisung dich auf den richtigen Weg bringt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hüten musst du dich vor dem Gehängten, der hier fast schon wortwörtlich genommen werden muss: Das ist das argwöhnische Auge des Gesetzes, das alles verderben kann, was dir der Stern verheißt.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erinnerung trieb zurück in das Zwielicht ungeformter Gedanken und möglicher Ideen, umrankt von anderen, daran geknüpfter Gedanken, hinterlassen in Aufzeichnungen, die dem Zorn des Meeres zum Opfer gefallen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich habe es nie geglaubt. Schon damals spürte ich die Diskrepanz, die Ungewissheit. Denk nach. Es gibt nicht so viele mögliche Kombinationen. Welche davon ist die Richtige? Welche ist die Richtige?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es regnete weiter und der trübe, wolkenverhangene Nachthimmel Nebelhafens sah gleichmütig hinab auf die erschöpfte, schon lange durchweichte Halbelfe am äußersten Rand des ins Meer führenden Stegs, die verbissen versuchte ein Rätsel zu lösen, das sich dem Begreifen immer entziehen würde. Und hätte dieser Nachthimmel ein Numen besessen, dann hätte dieses sich vielleicht dazu bewegt gefühlt (mit der Stimme eines gewissen L.Q.) einen spöttischen Kommentar abzugeben über Menschen - und Menschenähnliche - die sich selbst zu ernst nahmen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Im Dunkel|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Bringt mir nur den Kopf von Golga von Assuan. Oder, noch besser, ihn lebend. Dann lasse ich Euch sogar nach Caladlorn ein.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scham folgte dem Zorn bereits in dem Moment als Fel die Füße über die Schwelle des Gasthauses setzte, hinausfloh in den winterkalten Abend Nebelhafens und den trüben Nebel, der träge über mit Raureif überzogenen Wegen hing. Die Wolken, die noch am späten Nachmittag Regen angedroht hatten, waren abgezogen, hatten den Himmel aufklaren lassen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu einem anderen Zeitpunkt hätte die Halbelfe den vielfachen Glanz der Sterne sicherlich mit einer gewissen Neugier honoriert, aber jetzt führten rasche Schritte sie weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur kleinen, mit Veronica geteilten Wohnung? Unmöglich.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu den Docks und den dort dem Wetter trotzenden Zelten, wo alle dieser Tage andere, eigene Sorgen hatten? In gleicher Weise mehr als unangemessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also führte die Flucht sie in die Tiefe, hinab durch den Keller der Falkenrast in die klamme Feuchtigkeit der Unterwelt Nebelhafens - Eingeweide, die schon lange vor dem Handelsposten hier gewesen waren und vermutlich auch nach ihm noch da sein würden. Manche der tropfenden Gänge waren hoch und so breit wie schiffbare Kanäle, andere duckten sich sehr viel enger zusammen, boten Moosen und Algen allerlei Lebensraum. Kaum ein Platz, an dem sich nicht die Schritte von Ratten vernehmen ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das war Fel auf schwer zu greifende Art und Weise .. vertraut. Nicht, weil sie bereits viel Zeit hier unten zugebracht hätte, sondern in der Art, wie sich ähnliche Erfahrungen auf neue, unbekannte Umstände übertragen ließen. Auch im Berg hatte es Feuchtigkeit gegeben, stetig von der Decke tropfend, Ratten und anderes Getier durchwanderten die steinernen Gedärme der längst aufgegebenen Bergwerksbereiche hinab in jene Tiefen, in denen auch dieser Tage noch gearbeitet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Berg hatten die Verurteilten die Steine gebrochen und nach oben gekarrt, ohne bis zum Ablauf ihrer Strafe je wieder das Tageslicht zu sehen. Hier, in den Tiefen unter Nebelhafen, wurde weder nach Quarzen noch nach Metallen geschürft, aber trotzdem gab es hier Menschen: Glücklose und Verzweifelte, Gierige und Unangepasste. Manche, die ein Sturm hier hinab gespült hatte und Andere, die hier freiwillig lauerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und trotz des Gefühls der brennenden Demütigung, erbaut aus dem Zusammenwirken gleich dreier so grundverschieden wirkender Männer, erinnerte sich an Teil von Fel an eine nicht unähnliche Flucht vor mehr als einem Vierteljahrhundert, an die Panik in den enger und enger werdenden Stollen und schliesslich Rissen im Felsen, durch die sich selbst ein für die Jahre ungewöhnlich kleines Kind letztlich nicht mehr zu quetschen vermochte. Wie damals trug sie auch heute weder Fackel noch Laterne bei sich, aber dieser Tage war die Magie ein vertrauter Begleiter, der die Dunkelheit zurückhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wie habe ich damals etwas gesehen? Magie? Aber das war vor meinem Erwachen, war es?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gang, dem Fel gefolgt war, geduckt auf den letzten zwanzig Schritten, öffnete sich in eine Kreuzung mit drei abgehenden Kanälen, alle nicht breiter als die Schultern eines Mannes und nur halb so hoch. Ein Funke von Licht aus dem Rechten versprach irgendeine Form von menschlicher Präsenz, also duckte Fel sich nach links, folgte dem Lauf gurgelnden Wassers in diese Tiefe und wartete darauf, dass der zähe Klumpen ohnmächtiger Demütigung sich allmählich in klamme Resignation verwandelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kalte Abweisung des Lichtelfen war nach dem letzten Zusammentreffen nicht unerwartet gekommen, aber heute hatte sich eine besondere, fast schon persönliche Qualität dazugesellt. Jede einzelne seiner spitzen Bemerkungen war wie der Stoß eines Rapiers - immer auf die Schwachstellen zielend, nicht darauf aus zu töten, sondern zu verwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Zu demütigen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das allein - so redete sich sich zumindest ein, während sie einen halb aufrechtführenden Gang emporkletterte, hinweg über von Algen bewachsene Stufen und vorbei an in die Wände eingelassenen Bronzerohren, die ins Nirgendwo zu führen schienen - wäre kaum ausreichend gewesen um ihre Beherrschung zu brechen, aber dass die Herren Feldspan und Tyladriel sich schliesslich gefallen hatten noch selbst in bereits gerissene Wunden zu stechen: Das hatte das Faß zum überlaufen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dem Moment war Flucht die einzige Lösung vor dem aufkochenden Zorn und der unmittelbar folgenden Schuld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich hätte darüber stehen sollen. Ein paar seichte Scherze, eine Flasche Wein. Ist das nicht, was ich gelernt habe? Die Lügen sind leicht. Nur die Wahrheit schmerzt.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu spät wurde Fel bewusst, dass sie, sich den Kopf zerbrechend, unwillkürlich doch einem der vagen Lichter gefolgt sein musste bis hier zu dieser Kammer, in die sie aus der Wandöffnung heraus stolperte in ein behelfsmässiges Lager voller Kisten und Säcke. Hehlerware, zur Seite geschafft unter Umgehung der Greifen, vorbei an der ohnehin schon laxen Hafenaufsicht. Drei Augenpaare starrten herüber auf die durchnässte Gestalt, im ersten Moment verplex, dann alarmiert. Eben noch zwischen den Fingern gehaltene Karten fielen auf ausgelegte Bretter hinab, während nach einem Messer gegriffen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Fel spürte, noch während sie einen halben Schritt zurückwich, wie aller Schmerz und alle Scham sich lösten. Das hier war, in vielerlei Hinsicht, so vertraut wie die Rückseite der eigenen Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Kalle sagt in der Drecksbude findet man nichts.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Was?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Moment der Irritation war genug, um ihr den eiligen Rückzug zu ermöglich, zurück in das enge Rohr, zunächst nur gefolgt von einem Fluch, bevor die drei sich an die Verfolgung machten. Schon nach einem Halbdutzend Schritten war Fel sich gewiss, dass keiner der Häscher sie hier einholen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Vielleicht ist das ja der richtige Ort für mich. Im Dunkel, wo die Sonne mich nicht sehen muss.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Kampf um Nebelhafen, Tag 1|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Lärm des Schlachtfeldes war genau so, wie Fel sich das Aufeinandertreffen wütender Götter vorstellte: Eine kolossale Kakophonie an Schreien und Befehlen, das ununterbrochene Klirren von Stahl auf Stahl, die dumpferen Laute stampfender Schritte, von keuchendem Atem und dazwischen das Flirren von Magie in allen Farben und Formen. Wie orientierte sich irgendjemand hier überhaupt? Die Angreifer trugen eine einheitliche Uniform: Schwarz und Orange, das machte es zumindest einfacher sie zu identifizieren, während die Verteidiger einen bunten Haufen darstellten, so gegensätzlich wie nur möglich in Erscheinungsbild, Auftreten und Strategie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dennoch, so zumindest Fels Eindruck, während sie sich hinter einen Heuballen duckte, schien jeder hier irgendwie eine Ahnung zu haben, von dem was zu tun war. Es war Chaos, aber mit einem Muster darin, das an ihren Sinnen kitzelte: Sichtbar, ja. Aber nicht so deutlich, dass sie in der Lage gewesen wäre sich daran anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein fehlgeleiteter Pfeil durchschlug den Heuballen ohne Mühe, bohrte sich nur eine Schulterbreite hinter Fel in die Wand des schon lange geräumten Stalls und beendete damit die unschlüssige Tatenlosigkeit. Es gab keinen sicheren Ort hier, nicht einmal am Rande des Getümmels. Die kleine Gruppe in deren Kielwasser sie hierher gekommen war, war schon längst zersprengt, aus den Augen verloren faktisch im ersten Moment des ausbrechenden Kampfes. Vielleicht verletzt irgendwo. Vielleicht tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde es bei den Zelten sicherer sein? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Lärm steigerte sich zu einem Crescendo, der Fel die Ohren klingeln ließ, aber die Bewegung auf dem Schlachtfeld verhieß eine Strömung in Richtung Norden und sie nahm die Gelegenheit war um geduckt in Richtung Osten zu eilen, über die kleine Brücke in Richtung des Hafens. Das plötzliche flaue Gefühl im Magen, der Moment des Zögerns und der Blick über die Schulter zurück, retteten ihr Leben: Ein Pfeil, der zielsicher die Luft dort durchschnitt, wo sie nur einen Moment später gewesen wäre, riss nur den Stoff des Hemdes an der Schulter entzwei, das Zischen der schwarzen Federn lautlos im brodelnden Lärm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gnadenlose Augen nahmen Maß, ein weiterer Pfeil wurde auf die Sehne gelegt in einer einzigen, flüssigen Bewegung und Fel riss die Hände hoch, die Geste ausführend, die in den letzten Wochen, noch während der Ereignisse um Hornblume, eingeübt worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;An Ex Por!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zauber griff bevor der Bogen vollkommen gespannt war, lähmte alle Bewegungen des hünenhaften Bogenschützen und als Fel zurückwich, spürte sie neben der Erleichterung eine andere, schwerer zu greifende Zufriedenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich bin keine Mörderin.&amp;quot; - das hatte sie Ba&#039;thal entgegengeschleudert und die Wahrheit darin glühte wie ein warmer Punkt in der Mitte ihrer Seele. Auch jetzt, hier, nutzlos auf einem Schlachtfeld, würde sie davon nicht ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gestalt in dunkelgrauem Leder nahm die Gelegenheit war, schlang einen Arm um den Kopf des noch immer gelähmten Schützen und zog eine gebogene Klinge so fest am Halsschutz vorbei über die Kehle, dass Fel hätte schwören können die Knochen zu sehen. Nur einen Lidschlag später war es schon vorbei: Noch während die Fontäne aus Blut in Richtung der Brücke sprühte, war der Ledergerüstete schon weiter, wob mit einer Agilität und einem Geschick durch das Kampfgeschehen, als wäre das hier ein natürliches Zuhause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon bekam Fel nichts mehr mit: Ihr sich umdrehender Magen forderte für das nächste Dutzend Herzschläge all ihre Aufmerksamkeit ein, der gute Kanincheneintopf letztlich doch verschwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein winziger, eigenwillig abgekoppelter Teil von ihr war amüsiert: Jetzt sahen die Fleischbröckchen in der Tat viel mehr nach Ratte aus.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Bei Nacht sind alle Katzen grau|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die ersten Rot des neuen Tages zeichnete sich bereits als dünne Linie am Horizont ab, als Fel endlich den Kopf aus ihren Aufzeichnungen hob und damit begann die im Laufe der Nacht verstreuten Blätter wieder einzusammeln und zu ordnen. Wie so oft hatte die Inspiration sich rar gemacht, Raum gelassen für die wesentlich behäbigeren Geschwister namens  Verbissenheit und Starrsinn. Eine ganze Zeit lang war das genug gewesen, hatte die Gedanken abgelenkt und ihnen vertraute Bahnen geboten - wenn schon keine neuen Einsichten, dann doch zumindest der Trost von Ordnung im Chaos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Die Illusion von Ordnung im Chaos. Wobei selbst das seine Muster hat.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Bemühen, so sinnierte Fel, während sie mit müden Augen die eigenen Ausführungen zum Wort der Macht AN überflog, ergänzt um einen ebenfalls aus eigener Hand stammenden, kaum einen Mond alten Kommentar, zog sich wie ein roter Faden durch alles, was sie berührte: Die Notwendigkeit zu begreifen, zu definieren, zu beschreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Nur, was einen Namen hat, ist wirklich. Die Aufmerksamkeit zieht es aus der Ungewissheit des Möglichen in die kalte Realität und dorthin verblasst es letztlich auch wieder. Nichts ist beständig.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gedanken hüteten sich die Ereignisse des letzten Abends zu streifen, überwanden stattdessen eine Kluft von vier Jahren und zerrten die Erinnerung an das erste Zusammentreffen mit Arngrimm Jerwalson zurück an die Oberfläche. Dieses Zusammentreffen war geprägt gewesen von ohnmächtiger Machtlosigkeit, erschüttert durch die Hinrichtung von Fels vorheriger Lehrmeisterin im Innenhof der Kaserne, ausgeführt von Soldaten, die die gleiche Uniform trugen, wie sie nun auch. Selbst im Blick zurück fand Fel es unmöglich das Gefühl von Verbitterung und Zorn abzuschütteln, das alle Eindrücke färbte wie getöntes Glas. Die Monate danach waren nicht viel besser gewesen, auch wenn .. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du scheiterst, weil du dich selbst von Zweifeln zerfrisst.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Satz war kein Teil der Vergangenheit, sondern ein Relikt des letzten Abends, emporgestreckt nun wie ein mahnender Zeigefinger. Anderes umgab ihn wie einen Mantel: Die Vergleiche. Die Komplimente. Der Trost. Die bestimmten Berührungen an ihrem Rücken, den Schultern, Armen, nahe der Kehle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du hast eine Familie. Eine, die dich liebt, so wie du bist.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und irgendwie, all den Lehren der Vergangenheit zum Trotz, glaubte sie daran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Stunden später, schmeckte die Erinnerung bereits nach Asche. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Umarmung war dem Impuls einer überwältigenden Hoffnung und Zuversicht gefolgt, eine törichte Ignorenz gegen alle inneren Warnungen und für einen zeitlosen langen Moment schien es genug. Unvermeidlich, dass es das nicht war, nicht sein konnte: Die Ernüchterung war allzu rasch gefolgt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Das .. wirst du .. nicht wiederholen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ein einfacher Satz, der noch eine halbe Stunde zuvor harmlos an Fel abgeglitten wären, vielleicht mit mehr Verwunderung als Irritation zur Kenntnis genommen. Natürlich. Was auch sonst? Aber jetzt stach es geradewegs durch den vorher weich geklopften Panzer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lächeln. Nicken. Funktionieren. Fel hatte Ärgeres überstanden, aber dennoch blieb der Schmerz in den folgenden Stunden ein treuer Begleiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zumindest einen Lichtblick gab es dabei: Er würde die Sache diskret behandeln. Kein Mensch würde je davon erfahren.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Fel_Maris&amp;diff=471</id>
		<title>Fel Maris</title>
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		<updated>2025-11-30T07:19:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Fel.jpeg|left|frame]] Die Körpergrösse von ungefähr &#039;&#039;&#039;165 Halbfingern&#039;&#039;&#039; ist von unaufälliger Normalität, die gesamte Gestalt wirkt recht filigran, die Züge erscheinen prägnant geschnitten und verraten bereits das gemischte Erbe, das sich in den fein angespitzen Ohren noch deutlicher ausdrückt: &#039;&#039;&#039;Fel ist ohne Mühe als Halbblut eines menschlichen und eines hochelfischen Elternteils zu identifizieren.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den &#039;&#039;&#039;blauen Augen&#039;&#039;&#039; findet sich offenes Interesse, gemildert durch Wachsamkeit. Wenngleich nicht unangemessen nervös, wirkt sie wie jemand, der gern über die eigene Schulter sieht, stets getrieben von immer präsentem schlechten Gewissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;rotblonde Schopfhaar&#039;&#039;&#039; wird nur selten offen getragen und lockt sich bei der geringsten Feuchtigkeit, formt damit einen ungehorsamen Gegensatz zur moderat unaufälligen Kleiderwahl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemischte Erbe macht es schwer durch das Aussehen allein ihr Alter einzuschätzen: Sie ist ohne Zweifel erwachsen, darüber hinaus erlaubt weitere Beobachtung von Verhalten und Gebaren die Einschätzung, dass sie sich irgendwo im Bereich &#039;&#039;&#039;zwischen Anfang und Mitte Zwanzig&#039;&#039;&#039; befinden sollte.&lt;br /&gt;
{{Clear}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenheiten und Merkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die linke Hand gehorcht merklich schlechter, die Finger sind unflexibel&lt;br /&gt;
* Furcht vor engen und dunklen Räumen, bisweilen Alpträume die auf ihre Zwangsarbeit im Bergwerk zurückgehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Lebenslauf|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 417 geboren in [[Breitenbach]]&lt;br /&gt;
* 428 bis 429: Arbeitsdienst im Strafbergwerk Breitenbach &lt;br /&gt;
* 433 Verbannung aus Breitenbach und Ansiedlung in [[Grauhafen]]&lt;br /&gt;
* 436 Anstellung im Handelshaus [[Telketh]] für einfachste Hilfsarbeiten&lt;br /&gt;
* 440 Übersiedlung nach [[Rossensprung]] im Dienste des Hauses Telketh&lt;br /&gt;
* 443 Beginn der magischen Ausbildung bei der blinden Seherin [[Myra]]&lt;br /&gt;
* 447 Zwangsrekrutierung für die Armee entsprechend lokaler Gesetzgebung, Ausbildung durch [[Arngrimm Jerwalson]]&lt;br /&gt;
* 450 Überfahrt im Zuge regulärer Dienstverpflichtungen, Schiffsbruch vor der neuen Insel, Spielbeginn&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Familie|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vater &amp;quot;Gil Melethron&amp;quot; (Alter unbekannt, Verbleib unbekannt seit 416)&lt;br /&gt;
* Mutter Lia Maris (* 385, Verbleib unbekannt seit 424)&lt;br /&gt;
* Bruder Themon (* 410, Verbleib unbekannt seit 424)&lt;br /&gt;
* Bruder Jasser (413 - 429)&lt;br /&gt;
* Bruder Fihan (414 - 428)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Notizensammlung|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Fel Maris&#039; Notizen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Dramatis Personae|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Myra]]&lt;br /&gt;
* [[Arngrimm Jerwalson]]&lt;br /&gt;
* [[Ludwig Springer]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschichte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Vergangenheit: Ussaria|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Magische Momente|SUBTITLE=Rossensprung, 445 (vor 5 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich verstehe das Problem nicht richtig. Die Worte haben eine ihnen innewohnende Kraft. Du musst dich einfach darauf einstimmen, dich ihrer Führung übergeben, während du gleichzeitig das Ziel des Zaubers selbst fest und bestimmt vor Augen hälst. Ich hätte geglaubt, dass gerade du damit keine Probleme hast.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig machte sich nicht die Mühe die Irritation aus seiner Stimme zu verdrängen. Er mochte Fel, aber sie war manchmal geradezu nervtötend begriffsstutzig, vor allem bei so einfachen Dingen wie den Worten der Macht. Das allein war noch kein Grund für Verärgerung, aber die Zeit für diese Art von Ausbildung war knapp bemessen und wertvoll: In den reichen Häusern Rossensprungs mochte es ja so sein, dass jemand mit der Gabe von allen Pflichten und Aufgaben freigestellt wurde, um sich ganz dem Studium dieser Kräfte zu widmen, aber das galt nicht dort, wo das Kopfsteinpflaster löchrig, die Dächer undicht und die Umgangsformen rauer wurden. Ludwigs war ein Schusterlehrling im dritten Jahr und das war es, was Essen auf den Tisch brachte. Diese Abende unter der Anleitung der alten Seherin fielen unter ein Siegel der Verschwiegenheit, zwangsläufig verborgen nicht nur vor der Obrigkeit, die mit harter Hand Loyalität und Dienst aller Zauberkundigen innerhalb der Grenzen der Stadtmauern einforderte, sondern eben auch vor dem knauserigen Schustermeister, der keine Gelegenheit ausließ um seine Lehrlinge zu schinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich hätte gedacht, dass gerade du das verstehen solltest. Es sind nicht einfach nur Buchstaben auf Pergament, Fel. Du musst fühlen, was dahinter ist.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel war älter als Ludwig und schon länger eine Schülerin der alten blinden Seherin, die ihre windschiefe Hütte im Schatten der alten Mauer hatte. Rossensprung war auf unsicherem, sumpfigen Grund errichtet, die alte Mauer war ein Teil der ursprünglichen Kernsiedlung und dieser Tage zu weiten Teilen entweder versunken oder für Steine zerlegt. Nur hier und dort gab es noch Reste, die sich wie verbleibende Zähne in einem zertrümmerten Gebiss dem endgültigen Verfall entgegen stemmten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wer hier lebte, der tat es selten freiwillig, die Eltern in den hübscheren Viertel der florierenden Hafenstadt warnten ihre Kinder vor der Brache und den Krankheiten, die man sich dort einfangen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Geschichten war Ludwig aufgewachsen und auch jetzt schauderte er noch regelmäßig, wann immer er die schiefen Reste des Fischertors durchschritt und den allmählich verrottenden Planken und Hängebrücken folgte, die bis zum Haus seiner zweiten, inoffiziellen Lehrmeisterin führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Du bist zu unbeweglich. Das System funktioniert nicht so. Du kannst nicht einfach nach strikten Gegensätzen schauen und diese einander zuordnen. Denk an die Brücken hier in der Brache: Sie biegen sich und schwanken, sind krumm und schief, aber sie führen dennoch meistens zum Ziel.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magische Theorie auf dieser Ebene war für Ludwig vollkommen einsichtig, vielleicht weil er während seines gewöhnlichen Tagewerks so viel Zeit hatte, die Gedanken wandern zu lassen. Während die Finger mit Ahle, Falzzange, Klopfstein und Knieriemen beschäftigt waren, ließen sich die unverhandelbaren Komponenten der Zauber im Geist bestens zusammensetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fels Stimme ließ ihre Frustration durchklingen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich verstehe einfach nicht, warum es abweicht. Jeder der drei einfachen Schwächungszauber benutzt Nachtschatten als eine Reagenz. Jeder der drei einfachen Stärkungszauber benutzt Alraune als eine Reagenz. DES MANI zum Schwächen, UUS MANI zum Stärken. UUS WIS zum Schärfen des Geistes, aber REL WIS anstelle von DES WIS? UUS JUX meinetwegen um das Ungeschick zu erhöhen, aber dann wiederum weder DES JUX noch REL JUX, sondern EX UUS! Das letzte Paar benutzt dann immerhin passend jeweils Blutmoos, auch beim Zauber für die Geistesschärfe und die Dummheit findet sich gleichartig die Spinnenseide, aber ausgerechnet bei der Stärkung und Schwächung bricht das ganze System auf: Alraune und Schwarze Perle? Warum bitte?&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das waren Fragen, die die alte Seherin normalerweise unbeantwortet ließ, mit einem Schulterzucken abtat, wann immer sie einem ihrer Schüler in die Quere kamen. Neugier brachte ihrer Meinung nach gar nichts: Wem half es schon zu wissen, warum genau nun bestimmte Bestandteile eines Zaubers zusammenwirkten, solange sie es taten? Zeit für solchen Firlefanz hatten nur reiche Schnösel, die nichts zu tun hatten, als über die Welt und den erstaunlichen Mangel an Frauen in ihrem Leben nachzudenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Ludwig hatte schon früh gelernt sich keine überflüssigen Fragen zu stellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich weiß es nicht, Fel. Aber es braucht auch keine vollkommene Ordnung. Darüber hinaus hast du übersehen, dass der Schwächungszauber ebenfalls die Alraune verwendet. Das heisst in der ganz einfachen Umkehrung mit der Ersetzung von Nachtschatten durch eine Alraune, hättest du plötzlich deren zwei in Verwendung. Du brauchst also etwas anderes - oder um genauer zu sein ..&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig ließ die Worte ausklingen, kapitulierend vor dem verwirrten Blick seiner Mitschülerin.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie sollte er etwas erklären, das sich nicht in offensichtliche starre Regeln einfügen ließ? Alles spielte zusammen, die Flexibilität des Systems bestätigte sich durch seine Wirksamkeit selbst. Wenn es scheinbar gegen hergeleitete Regeln verstieß, dann war das einfach ein Problem der Regeln, nicht das Systems selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Du wirst hier in der Brache keine Antwort darauf bekommen, Fel. Wir halten den Kopf unten und lernen was wir können. Und sobald die Alte uns für bereit hält, können wir unser Glück andernorts machen.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange würde das dauern?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ludwig hatte keine Zweifel, dass er in wenigen Monaten alles gelernt haben würde, was die Seherin ihm anzubieten hatte. Selbst jetzt war für ihn bereits offensichtlich wie löchrig das Fundament ihrer Kenntnisse war, wie gering ihr Interesse die Magie wirklich zu verstehen. Fel dagegen hatte - unbegreiflich für ihn - Mühe selbst diese kleine Barriere zu nehmen. Sie war schlau genug und darüber hinaus bereits erwachsen, das alles hätte ihr einen Vorteil geben sollen, aber ein um das andere Mal fand Ludwig sich dabei Erklärungen abzugeben, die in ihrer Tiefe auch seine Erfahrungen letztlich überstiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht, dass es ihn störte: Er mochte Fel und ihre Aufmerksamkeit war angenehm. Beflügelnd. Trotz ihrer hartnäckigen Schwierigkeiten mit der Flexibilität und Beweglichkeit des Systems der Magie. Er würde das, daran hatte er keinen Zweifel, schon noch zu schätzen wissen. Genau wie ihn.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Armeekarriere|SUBTITLE=Rossensprung, Februar 447 (vor 3 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Uniformstoff war steif und kratzig, unbequem zu tragen und darüber hinaus verpflichtend für alle Rekruten im ersten Jahr. Die Kleiderordnung nahm dabei keine Rücksicht auf die Jahreszeiten oder besondere Gegebenheiten wie in Rossensprung, wo die schweren Stiefel allzu gern in saftig schmatzendem Schlamm steckenblieben oder dafür sorgten, dass der Halt auf schwankenden Hängebrücken verloren ging. &lt;br /&gt;
Die Kleiderordnung scherte sich auch nicht darum, ob ein Rekrut den Versprechungen der Werber gefolgt und darum sein Kreuz unter einen Dienstvertrag gesetzt hatte, oder ob diese Verpflichtung als Teil einer angeborenen Gabe vorausgesetzt und dann eingefordert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regeln und Gesetze waren jedenfalls eindeutig: Jeder Anwohner der Stadt hatte eventuelle magische Fähigkeiten zu registrieren und war darüber hinaus verpflichtet, eine fünfjährige Dienstpflicht in der Armee abzuleisten. Der ewigen Regel von Aktion und Reaktion folgend, hatte diese Gesetzgebung zur Entstehung eines Schwarzmarktes ganz besonderer Art geführt: Heimliche Ausbildung in den Künsten abseits des wachsamen Auges des Gesetzes. Damit war die Eskalationsspirale in Gang gesetzt: Auf das Ausweichen folgten verschärfte Gesetze und die Androhung strengerer Strafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor Wochenfrist war das für Fel eine zwar präsente, gleichzeitig aber abstrakte Sorge gewesen. Vier Tage später hatte sich die Welt auf den Kopf gestellt. &lt;br /&gt;
Es war nicht so, als wären Fel die Gesetze nicht bekannt gewesen, aber erst als sie gezwungen wurde im drögen, halb unter Wasser stehenden Innenhof des gräflichen Gerichts der Hinrichtung ihrer mehrjährigen Lehrmeisterin zuzusehen, begriff sie wirklich, was sie bedeuteten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer hatte die Büttel auf die Spur gebracht, wer war bereit gewesen, mit dem stehenden Kopfgeld von 50 Silbermünzen das eigene Gewissen zu erschlagen? Oder war es ein erbarmungsloser Zufall gewesen, der dem langjährigen verborgenen Treiben der blinden Seherin schließlich ein Ende bereitet hatte? Unter dem trüben Nachmittagshimmel voller tiefhängender grauer Wolke ballte Fel ihre Fäuste und schwor im Stillen Vergeltung für den Verrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hinrichtung beizuwohnen war nicht einmal eine geplante Strafe, sondern schlichter, gedankenloser Zufall: Die gesamte im Südflügel des Gerichtsgebäudes untergebrachte Kompanie wurde zum Zeugen der Vollstreckung des gräflichen Rechts, so wollte es die Tradition. Und jene Kompanie würde für die nächsten fünf Jahre Fels Heimat sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Magier zu finden, der die Ausbildung unwilliger Jungmagier ertrug, konnte keine leichte Aufgabe sein: Die Armee war nicht dafür bekannt, gut zu zahlen, wer seine Dienstjahre hinter sich gebracht hatte, der konnte leichte, sehr viel besser honorierte Arbeit ohne Mühe überall finden. Nach Fels Einschätzung konnte eine solche Person also nur ein inbrünstiger Karrierist sein, der leichtgläubig dem Irrglauben erleben war, sich mit dieser Art von Dienst einen besonders warmen Platz im Hinterteil des Grafen zu verdienen - oder ein Versager, der es außerhalb der Mauern der Kaserne noch nicht einmal fertig brachte die Stiefel zu schnüren ohne dazu aufgefordert worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kleine Büro im höchsten Geschoss des Westturms war nur über eine knarrende Holztreppe mit verzogenen Stufen zu erreichen, ein unvermeidlicher Tribut an das sumpfige Erbe Rossensprungs und die Feuchtigkeit, die auch jetzt langsam von allen Wänden im engen Aufgang tropfte. Vermutlich war all das hier einmal weiß getüncht gewesen, aber das Wasser hatte im Laufe der Jahre dunkle Streifen hinterlassen und eigenwillige Muster in die ehemals nüchterne Kargheit geprägt. Sichtbare Nägel und Querstangen aus Metall waren gleichermaßen von Rost gezeichnet. Alles war klamm und feucht, jede der krummen Stufen eine lauernde Falle für die noch nicht eingelaufenen Stiefel mit den noch viel zu dicken Sohlen und steifen Schäften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Arbeitszimmer machte keinen wesentlich besseren Eindruck, der Geruch nach Schimmel war so übermächtig, dass Fel mit dem Hustenreiz kämpfte, kaum, dass sie die Türe hinter sich geschlossen hatte.&lt;br /&gt;
Also kein Streber. Gut. Mit Abschaum hatte sie im Laufe der Jahre umzugehen gelernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Rekrut Fel Maris. Mir wurde befohlen, mich hier zu melden.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum ersten Mal sah der Mann hinter dem wuchtigen, eigenwillig deformiert wirkenden Schreibtisch auf und Fel konnte exakt den Moment bestimmen, an dem der Mann der “Anomalie” bewußt wurde - allzu verräterisch flackern der Blick der wasserblauen Augen, bevor die Lippen sich zu einer dünnen, unwilligen Linie verzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich bin Arngrimm Jerwalson, Magier-Feldwebel der zweiten Kompanie und Euer zugeordneter Ausbilder für alle magischen Themen. Ihr habt offenbar bereits eine gewisse, illegale Vorbildung erhalten. Vermutlich bedeutet das, dass Euer Kopf mit gefährlichem Halbwissen vollgestopft ist. Es wird meine Aufgabe sein, dieses Problem zu korrigieren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die noch offen gehaltene Akte wurde geschlossen - das Papier bereits gewellt durch die unvermeidliche Feuchtigkeit - dann setzte der Mann nach:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Hübsche Ohren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel spürte, wie ihr die Hitze in die Wangen kroch. Das war plump, selbst für einen armseligen Wicht in einem traurigen Büro mit einem undankbaren Tagewerk. Es hätte keinen Grund geben sollen, sich peinlich berührt zu fühlen, aber dennoch kämpfte sie für lange Sekunden mit einer Antwort und bevor sie etwas herauswürgen konnte, hob der Mann schon wieder seine Stimme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Ich habe hier euren Dienstplan, der in einigen wesentlichen Punkten von dem anderer Rekruten abweicht. Es ist Eure Verantwortlich pünktlich zu allen angesetzten Terminen zu erscheinen - kein Gefreiter wird Euch an die Hand nehmen und hierher führen. Bringt Ihr es fertig Eure Ausbildung zu versäumen, werden diese Tage Eurer Dienstpflicht oben aufgeschlagen. Es ist also in Eurem besten Interesse, stets pünktlich zu sein. Es gibt derzeit nur drei Schüler, was bereits zwei mehr sind als meine Geduld her gibt. Eine erste Einführung zu den Worten der Macht beginnt in einer Stunde. Wegtreten.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Abschied aus Breitenbach|SUBTITLE=Breitenbach, 433 (vor 17 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Breitenbach, dieser Tage die größte Stadt der Grafschaft Siebensteig, war mit den acht Tugenden im Kopf gegründet worden. Davon zeugten auch dieser Tage noch die acht Türme der inneren Mauer, die jeweils die Namen eines der Erzengel trugen. In den Jahrhunderten seit der Grundsteinlegung war die Stadt weit über die Grenzen dieses Kern hinaus gewachsen, hatte die anliegende Furt vollkommen gezähmt und überbaut, auch das andere Seite des Ufers der Usser mit einverleibt um schließlich selbst die Grafenstadt Beiring in den Schatten zu stellen - zumindest wenn man allein die Einwohner zählte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Spaltung hatte Breitenbach zum wichtigsten Verbündeten Beirings gemacht und damit zu einem konservativen Vertreter einer Ordnung von Recht und Gesetz. Aus dem Sinnbild der acht Erzengel waren im Laufe der Jahre Posten gewachsen, die mit der tatsächlichen Kirche des Herrn nur sehr, sehr lose verbunden waren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus der Gründerzeit blieb jedoch die Tradition erhalten, dass diese “Wahrer” nicht nur spezielle Aufgabengebiete in der Stadt zu erfüllen hatten, sondern darüber hinaus aus den Reihen ihrer Gefolgschaft legitimiert, erhoben - also gewählt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der “Wahrer der Ordnung Havriels”, verpflichtet der Tugend der Rechtschaffenheit, war immer abwechselnd mit dem “Wahrer der Ordnung Gabriels” dazu verpflichtet, die Gesetze der Stadt auszulegen und Urteile zu sprechen. In einer idealen Welt hätte es keinen Unterschied zwischen einer Auslegung zwischen “Rechtschaffenheit” und “Gerechtigkeit” geben sollen, aber die Wirklichkeit sah einfach anders aus. Insbesondere aufsehenerregende Prozesse wurden denn auch von beiden Seiten gleichermaßen dafür instrumentalisiert, ihre Anhänger für die nächste Wahl zu motivieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganze Bande von Herumtreibern, Tunichtguten und Dieben in eine Falle zu locken und festzusetzen, war bereits ein Spektakel gewesen, das eigentliche Schaustück folgte dann jedoch mit dem Prozess bei dem letztlich Recht auf traditionelle Weise gesprochen wurde: Jeder der Ertappten, der schon früher einmal bei einem Diebstahl ertappt worden war, würde seine linke Hand verlieren. &lt;br /&gt;
Jene, die in der Vergangenheit dem Gesetz entkommen waren, würden ein Jahr lang ihre Schuld gegenüber der Gesellschaft und den Tugenden n den Bergwerken abarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren sinnierte Fel in den dunkleren Stunden bisweilen darüber, welche Richtung ihr Leben wohl eingeschlagen hätte, wenn sie damals geistesgegenwärtig genug gewesen wäre, um bei der Angabe ihres Namens zu lügen: Hätte sie ein weiteres Jahr in den engen Tiefen durchgestanden, stets mit dem drückenden Gefühl endlosen, zerquetschenden Gewichts über dem Kopf, stets der Tatsache bewusst, dass Jasser, der letzte überlebende ihrer Brüder, sein Leben für den immer hungrigen Groll der grimmigen Stollen gegeben hatte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den modernen Zeiten geschuldet, schlug man im fortschrittlichen Jahr 433 nach der Gründung in Breitenbach keine Hände mehr ab, sondern zermalmte sie stattdessen. Das machte die ganze öffentlich durchgeführte Prozedur weniger blutig, aber nicht weniger beeindruckend: Nach dem fünften auf diese Weise gestraften Bandenmitglied kehrte unruhige Stille in die zuvor frohlockende Menge ein. Der Wahrer der Ordnung war es zufrieden: Er hatte vor allem im Angesicht des schwelenden Konflikts mit dem ewigen Konkurrenten Auenstein Entschlossenheit und Härte demonstriert, ohne sich zu unvernünftiger Rachsucht hinreißen zu lassen. Dem Gesetz - und der Gerechtigkeit - waren Genüge getan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Fel, die die zuvor in ihrem Leben die Stadt auch nur verlassen hatte, war das hier draußen eine unbekannt  Weite voller unklarer Gefahren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie eine bittere Ironie des Schicksals, war es gerade der nahezu unerträgliche Schmerz der verstümmelten, nutzlosen Linken, die sie davon abhielt auf irgendwelchen Umwegen den Rückweg hinter die feindseligen Mauern Breitenbachs zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie begann die Reise nicht allein, aber als sie Wochen später die Gestade Grauhafens an der Usser erreichte, war auch der letzte ihrer früheren Begleiter, Kameraden und Verbündeten verschwunden. Mit dem ersten Schritt hinein in die florierende Hafenstadt schwor sie sich von nun an ein neuer Mensch zu sein, den verhängnisvollen Pfaden der Vergangenheit nicht länger zu folgen. Wie eine Raupe, die sich verpuppte, um schließlich als Schmetterling ganz neue Horizonte zu entdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollte keinen ganzen Tag bis zum ersten Diebstahl brauchen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ausbildungsalltag|SUBTITLE=Rossensprung, April 447 (vor 3 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Rivalität zwischen den beiden Grafschaften Auenstein und Siebensteig, ausgelöst durch die Absplitterung Auensteins im Jahr 42 nach der Gründung, hatte nach Fels Ermessen zu einer ganzen Anzahl von Kuriositäten im Laufe der Zeit geführt. Anekdoten, die manchmal vergessen ließen, wie ernst der Konflikt tatsächlich war. Aus dem stetigen Schwelen wurde immer wieder einmal ein abrupter Brand, ein gewalttätiges Ringen, das selbst jetzt, gute vierhundert Jahre nach dem Anfang noch niemand als tatsächlicher Sieger hervorgegangen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine dieser Kuriositäten war, dass Auenstein Frauen im Militärdienst erlaubte und ihnen sogar Zugang zu Offiziersrängen ermöglichte. Natürlich nicht uneingeschränkt: Fortschritt und Aufgeschlossenheit hin oder her, die 422 eingeführte große Reform bezog sich ausschließlich auf Magier (solange diese nicht auf einem Schiff dienten) und kürzte die Karriereleiter zudem auf den Rang eines Leutnants. Weibliche Kompetenz hin oder her, niemand wollte eine ganze Kompanie tatsächlich einer Frau ohne männliche Oberaufsicht anvertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenngleich die allgemeine Einschätzung war, dass Magier zu wertvoll waren, um als einfache Soldaten verschwendet zu werden, war eine Grundausbildung unumgänglich, wenn man sich einen Rang nicht direkt erkaufen konnte. Und das wiederum war die Ursache dafür, dass Fel nun mit einer ganzen Gruppe anderer Rekruten über schlammigen Grund kroch, um danach in klitschnasser, vollkommen verdreckter Uniform die hohe Kunst des Exerzierens zu üben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auensteins Militärphilosophie, zumindest soweit es den Teil in Rossensprung betraf, glaubte an Drill, Gehorsam und Drill. In ganzen Büchern wurde darüber lamentiert, wie es notwendig war neue Soldaten durch eine Hölle von Demütigung und Erniedrigung zu peitschen, bis aus dem gemeinsamen Schmerz der Gruppe schließlich ein Gemeinschaftsgefühl erwuchs, das letztlich bereit war auf einen feindlichen Pikenwall zu zu stürmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Doktrin erlaubte an diesem Punkt der Ausbildung keine Reagenzien oder andere Hilfsmittel für Magier, nichts, was es Fel ermöglichte hätte, mit den anderen Rekruten zumindest gleichzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade jetzt, in der Mitte einer sumpfigen Strecke mit knöchelhoch stehendem Wasser über saftigem, schlammigen Grund fühlte Fel sich dem Tode nah: Die Erschöpfung hing so tief in ihren Knochen, dass jeder einzelne Schritt sich wie eine Qual anfühlte und die geflüsterten Flüche ihrer Begleiter waren voller wütender Ressentiments: Eine Gruppe, so hatte der Ausbilder doziert, war nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Niemand durfte zurückgelassen werden, aktive Unterstützung war aber ebenfalls untersagt: Dies war schließlich die Grundausbildung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo die schnellste Gruppe sich Lob und den besten Platz bei der Mittagsverpflegung erhalten würde, blieb für die Verlierer in diesem Wettrennen vielleicht nicht einmal genug Zeit, um überhaupt den Magen zu füllen, bevor bereits das Üben von Formationen im Gelände anstand. Zuckerbrot und Peitsche, alles für das Wohl der Armee und zur Motivation einer stetigen Verbesserung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur, dass das System für Fel einfach nicht funktionierte: Allein ihretwegen hing die Gruppe weit hinter allen Anderen zurück und das entfachte nicht etwa das warme Feuer gemeinschaftlicher Verbundenheit sondern kalter Verachtung und Wut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Los, verdammt nochmal, vorwärts Maris!”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Elendes Weib, warum mussten wir das Pech haben, sie zu bekommen.”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dreckiges Halbblut ist für nichts Nutze, wir sollten sie hier ersaufen lassen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gepressten Flüche wandelten sich in Fels Wahrnehmung in ein gleichförmiges Summen, unbedeutend vor der Erschöpfung. Nur einen Moment ausruhen. Innehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kam zu sich, als ihr Gesicht in das brackige Wasser getaucht wurde, eine unnachgiebige Hand im Nacken, die es ihr in Verbindung mit dem matschigen Untergrund unmöglich machte, irgendwo Halt zu finden. Die um sich schlagenden Arme fanden nur zähen Schlamm, die Füße steckten ohnehin noch tief genug im Matsch, dass die Gefahr bestand die Stiefel zu verlieren und die gesamte getragene Ausrüstung schränkte die verbleibende Beweglichkeit soweit ein, dass selbst ein auf den Rücken geworfener Käfer bessere Chancen gehabt hätte wieder auf die Füße zu kommen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das heiße Aufwallen von Panik erschöpfte sich binnen Sekunden und Fel spürte ihren ganzen Körper schwerer werden, während die Wahrnehmung sich eigenartig entfernte, schrumpfte. Das war es. Ersäuft wie ein junges Kätzchen im Sumpf von ihren eigenen Kameraden.&lt;br /&gt;
Der Gedanke war nicht mehr genug, um die bleischwere Gleichgültigkeit abzustreifen, die sich ihrer bemächtigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas, vielleicht ein Stiefel, traf ihre Flanke hart genug, um die Rippen nachgeben zu lassen, dann zerrte die feste Hand im Nacken ihren Kopf wieder aus dem schlammigen Nass. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;hr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vier Stunden später saß Fel im längst schon vertrauten Büro Jerwalsons, der sie wie stets betrachtete: Ein Ärgernis, das ihn zwang, seine Zeit und Aufmerksamkeit für wichtigere Dinge einzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe ihn gewarnt. Aber Leutnant Caimbeul ist ein Patriot. Er ist einer dieser Männer, die ihren ganzen Stolz in ihre hohen Maßstäbe stecken und sich persönlich beleidigt fühlen, wenn etwas - oder jemand - nicht in der Lage ist, diese Maßstäbe zu erfüllen. Das funktioniert leidlich mit dem normalerweise vorhandenen Material, aber es war abzusehen, dass du ihn enttäuschen werden würdest. Wessen Schuld ist es also?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Lächeln des Mannes war dünn, die unehrliche Maske eines Zyniker, der ohne die kleinste Scheu Fallen stellte und Fel fragte sich nicht zum ersten Mal, was Jerwalson hierher verschlagen, welches Schicksal ihn gezwungen hatte als Feldwebel der Auensteiner Armee zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem kalkulierenden Blick des Ausbilders war sie sich ihrer eigenen Erscheinung nur zu bewußt: Das kurzgeschorene Haar betonte die Fremdartigkeit ihrer Gesichtszüge nur noch, die feinen Ohrspitzen waren ebenso unübersehbar, wie die filigrane Schmalheit der ganzen Statur. In der Stadt hatte es nie die Notwendigkeit gegeben Kraft oder Ausdauer zu entwickeln: Schnelle Reflexe und die Fähigkeit sich rasch wegzuducken waren selbst in Fels Jahren auf der Straße immer ausreichend gewesen und ihre Zeit im Dienst des Hauses Telketh hatte auch jenen Fähigkeiten die Schärfe genommen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Uniform verbarg die straff um die Rippen gezogenen Verbände, aber natürlich würden sie im Einsatzbericht erwähnt sein, der sich vor Jerwalson auf dem Schreibtisch wellte. Die verdammte Feuchtigkeit war einfach überall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Es gibt keine Möglichkeit für Euch, in irgendwie angemessener Zeit diese Anforderungen zu erfüllen. Die beiden angebrochenen Rippen sind dahingehend ein Segen: Ihr seid für die nächsten Wochen vom regulären Außendienst befreit, könnt - und werdet - aber in dieser Zeit mit den regulären Studien fortfahren. Militärgeschichte, Strategie, Taktik und natürlich Magie. Macht Euch in der Zeit einen Kopf, wie Ihr mit der Situation umgehen wollt. Sitzt es aus, und ihr seid in einem Mond wieder in diesem Sumpf, nur dass es dieses Mal vielleicht niemanden gibt, der einen ..”&#039;&#039; - er blickte auf den Bericht hinab - &#039;&#039;“.. unglücklichen Unfall vermeiden kann.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist nicht gerecht.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Momente starrte Jerwalson nur, mehr Erstaunen als Verachtung in den wasserblauen Augen, dann lehnte er sich zurück in den abgewetzten Sessel um Fel zu studieren wie einen besonders absonderliche Fliege, die es gerade gewagt hatte ein Bad in seinem Weinglas zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin erstaunt. Gerechtigkeit. Von Euch. Ein Mann, der die richtigen Fragen stellt, hat es nicht allzu schwer, die Herkunft eines Halbbluts nachzuvollziehen, auch wenn die Finger mich beinahe von der Fährte geworfen hätten.” &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Er deutete beiläufig auf die linke Hand Fels, die sich unter der Geste ganz unwillkürlich zur Faust ballte. Nur ein scharfes Auge war in der Lage zu bemerken, dass sie nicht ganz gleichmäßig reagierten, nicht ganz so schnell, wie man es vielleicht erwarten sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was wollt Ihr damit sagen?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dass ich kein Schauspiel schätze. Ich bin sicher, dass Ihr besser als die meisten Rekruten dieser Armee wisst, dass man nichts geschenkt bekommt. Alles hat seinen Preis, auch wenn er manchmal erst später präsentiert wird. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schön. Aus gegebenem Anlass werden wir Theorien und Übung zu heilender Magie vorziehen. Wir werden gleich sehen, wie gut ihr meine Anweisungen zur Anweisung des Ginsengsirups befolgt habt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ludwigs Abschied|SUBTITLE=Rossensprung, August 446 (vor 4 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Vor dem Aufstieg zur großen Handels- und Hafenstadt, war Rossensprung eine unbedeutende Ansiedlung gewesen, nicht einmal interessant genug für einen abgeordneten Ritter um die sumpfige Landschaft der hier in viele Finger zerfasernden Usser im Auge zu behalten. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch hatte es schon recht früh am Hauptlauf des Flusses ein paar einzelne Hütten gegeben: Ein Umschlagplatz für flussaufwärts geschlagenes Holz, das hierher geflößt und dann weiter in Richtung anderer Städte verschifft wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine frühe Beschreibung der Ansiedlung aus dem Jahr 37 nach der Gründung beschrieb bereits den traurigen Alltag von Torfstechen, die mit dem unsicheren Grund und den heißen Quellen zu kämpfen hatten, erwähnte auch die stets präsente Feuchtigkeit die allzeit über der Stadt hing wie eine unerfreuliche Glocke. Rossensprung stank nach Schwefel, Fäulnis und Verfall, genug um den Autoren wettern zu lassen, dass es keine weiteren zwei Dutzend Jahre dauern würde, bis diese Brutstätte für Krankheiten und Niedergeschlagenheit menschenverlassen sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schicksal wollte es anders, auch wenn in den kommenden Jahrzehnten eines vollkommen klar wurde: Was auch immer aus Stein gebaut wurde, das versank langsam im Schlamm und trieb damit ganze Generationen von Architekten in den Wahnsinn, denn jeder Versuch ein Fundament irgendwo im Untergrund zu verankern, erwies sich letztlich als fruchtlos. Ganz gleich wie viel Mühe, Sorgfalt und Planung auch aufgewendet wurde: War es aus Stein, wurde es irgendwann vom Sumpf geschluckt. Im Falle von Gebäuden führte das zu einem gewissen schulterzuckendem Pragmatismus: Jede Generation musste einfach das Dach abtragen, ein neues Stockwerk obenauf setzen und die tiefsten Keller aufgeben, die irgendwann selbst einmal ein Dachboden gewesen waren. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Was dagegen aus Holz gefertigt wurde, das fiel unvermeidlich eher früher als später der Feuchtigkeit zum Opfer. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Art war das Leben: Ein stetiger, langsamer Wandel und die immer präsente Erinnerung an die Vergänglichkeit alles Seins. Würden alle Menschen von einem Tag auf den anderen aus Rossensprung verschwinden, dann würde es keine 30 Jahre dauern, bis von ihrer vorherigen Präsenz nichts mehr zu sehen sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Abend hing auch Fel ähnlichen Gedanken nach, während sie ganz im Westen der Stadt über faulende Hängebrücken balancierte um die letzten windschiefen Katen zu erreichen. Die alte Hütte der blinden Seherin hatte das Schicksal ereilt, war gemeinsam mit einem Rest der alten Stadtmauer kollabiert und das hatte sie gänzlich in die Peripherie der Siedlung getrieben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Alles änderte sich, nur Fel fühlte sich, als wäre sie kein Teil dieses Stroms, trieb so langsam, als wäre ein Anker an ihr befestigt, während alle anderen ihr Potential entfalteten und erblühten. Ludwig, der ihr für zwei Jahre ein getreuer, liebgewonnener Begleiter als geheimer Lehrling der Seherin gewesen war, hatte vor nunmehr Wochenfrist seine eigentliche Schusterlehre abgeschlossen und war nun ein Geselle, bereit mit Brief und Siegel seines Meisters in die Welt hinaus zu ziehen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nur, dass er nicht davon träumte ein Schuster zu werden: Ludwigs Wissen und Fähigkeiten im Umgang mit der Magie hatten das von Fel binnen Monaten überholt und nach zwei Jahren der Unterweisung hier am Rande von Rossensprung, stets in der Sorge, dass das strafende Auge des Gesetzes irgendwann aufmerksam werden würde, gab es für ihn nichts mehr zu lernen. Sich der Armee für fünf Jahre zu verpflichten, kam für Ludwig nicht in Frage und außerhalb der Grafschaft Auenstein würde man einem Magier ganz andere Möglichkeiten bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Ich beneide ihn.’ &#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam ungerufen, während Fel die letzte Planke überquerte und sich dann der Führung eines gespannten Seils anvertraute. Soweit draußen war es unvermeidlich, sich die Füße schmutzig zu machen, durch den zähen Schlamm zu waten. Es war gefährlich, von der durch das Seil vorgegebenen Linie abzuweichen: An manchen Stellen gab es regelrechte Löcher im Untergrund, unsichtbar durch das trübe Wasser, bis man hinein trat. Manche waren nur unbequem, durchnässten die Beinkleider und beschädigten die Würde. Andere konnten einen Spaziergänger im Nu verschlucken. Wie die meisten Anwohner Rossensprungs, hatte auch Fel nie gelernt zu schwimmen.. Rein theoretisch konnte die Magie ihr in einer solchen Situation zu Hilfe kommen, aber sie zweifelte, ob sie im Falle des Falles die notwendige Geistesgegenwart und Entschlossenheit aufbringen konnte, um die Panik zurückzudrängen und einen Zauber zustande zu bekommen. Von anderen logistischen Schwierigkeiten ganz zu schweigen. Besser also vorsichtig zu sein, jeden Schritt zu planen und sich nie allein der linken Hand anzuvertrauen, deren Finger niemals ganz ihre frühere Kraft und Geschicklichkeit zurückgewonnen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Alltag war das eine nur gelegentlich zu bemerkende Einschränkung, unbedeutend für die Arbeit im Kontor des Hauses Telketh, in dessen Gefolge sie vor nunmehr sechs Jahren nach Rossensprung gekommen war. Grauhafen war schöner, interessanter und vor allen Dingen trockener gewesen, aber diese Stadt hier hatte zwei sehr verschiedene Möglichkeiten geboten. Beide hatten sich auf ihre Art und Weise erfüllt: Im Laufe der Jahre waren Fels Aufgaben gewachsen, bis zu jenen einer vollwertigen Schreiberin, die ohne weitere Anweisungen Teile der Buchführung des Kontors erledigen konnte. Andere wurden vielleicht auch hier rascher befördert, aber sie kamen und sie gingen. Rossensprung war hart für jene, die den einfachen Luxus einer normalen Stadt gewohnt waren, nicht wenige entwickelten mit der Zeit einen hartnäckigen Husten oder eine nervöse Haut als Tribut an die immerwährende Feuchtigkeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach den sechs Jahren war Fel das am längsten hier arbeitende Mitglied des Handelshauses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An den zweiten Vorteil, den die Umsiedlung nach Rossensprung mit sich gebracht hatte, dachte Fel ungern zurück, denn das gemahnte sie immer an eine Vergangenheit, die sie seit der Ankunft in dieser faulenden Stadt endgültig hinter sich zurückgelassen glaubte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Aber so ist es nicht. Die Dinge verschwinden nur aus der Sicht, wie eine der aus Stein gefügten Mauern hier. Aber das bedeutet zunächst nur, dass man sie nicht mehr ohne Weiteres bemerken kann. Wer unaufmerksam ist, kann sich dennoch den Zeh daran stoßen.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke - so beiläufig er eigentlich auch sein mochte - sorgte dafür, dass ihr Herzschlag sich beflügelte, die Stimmung mit dunklen Wolken driftenden Unbehagens füllte, bis sie endlich das Ende des markierten Pfades erreichte und damit auch eine kleine, zumindest halbwegs feste Insel inmitten der trügerisch ruhigen Brache. Von hier aus waren es kaum noch zwei Dutzend Schritt bis zum halb vermoderten, mittlerweile gänzlich von Moos und Krimmalgen überwucherten Rumpf einer hier aufgegebenen Barke und direkt daneben befand sich eine daran vertäute, schwimmende Plattform aus zusammengenagelten Brettern, jetzt besetzt von einer einzelnen, hockenden Gestalt, die in Richtung der Ankommenden spähte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz des trüben Zwielichts hatte Fel keine Schwierigkeit damit Ludwig zu erkennen, zu vertraut war seine Haltung. Viel hatte sich sonst in den letzten beiden Jahren verändert: Aus dem schlaksigen Jüngling war schon fast ein Mann geworden, der sie mittlerweile um einen halben Kopf überragte. Als sie sich neben ihn hockte, hatte sie keine Schwierigkeiten den dunklen Bartschatten auf seinen Wangen zu erkennen: Diese offene Rebellion hatte warten müssen bis zum offiziellen Abschluss der Schusterlehre. Die Veränderung hatte bereits begonnen. Und morgen würde er Rossensprung verlassen, vielleicht für immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als hätte er diese Gedanken aufgefangen, lehnte Ludwig sich leicht zur Seite, eben weit genug, dass seine Schulter die der neugewonnenen Nachbarin berührte und hob die Stimme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“In einem Jahr bin ich wieder zurück. Ich habe bereits alles durchgeplant, weißt du? Ich folge der Usser in Richtung ihres Oberlaufs, vorbei an Grauhafen, bis zur Grenze zwischen Auenstein und Siebensteig. Von dort aus komme ich mühelos weiter: Breitenbach ist dann der richtige Platz um einen neuen Lehrmeister zu finden. Ich erwarte ungefähr sechs Monate, vielleicht ein wenig schneller, wenn dein Vertrauen in mich begründet ist. Mit dem Beginn des Sommers werde ich dann einfach eines der Schiffe besteigen und hierher zur Mündung kommen, vielleicht reise ich sogar mit ein paar Flößern, was denkst du? Sie sind eine raue Bande, heißt es, aber überaus herzlich und ich denke, sie haben nichts gegen die Begleitung eines Magiers.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel wollte widersprechen, darauf hinweisen wie abergläubisch solches Volk im Allgemeinen auf jeden Anwender von Magie reagierte, aber sie brachte es einfach nicht über das Herz. Nicht, weil Ludwig keine Korrektur vertragen hätte, sondern schlicht, weil er nur redete, um die Stille zu füllen, um die Decke von Wehmut abzuwehren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nichts bleibt. Alles ändert sich.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas wie ein Wellenschlag lief durch das Begreifen - für einen Moment war die Welt ganz fern, distanziert und unberührbar, in vollkommene Stille getaucht, durch die allein das Geräusch unbestimmbar ferner Atemzüge kroch. Gewaltig. Als würde ein Berg selbst seine Lungen füllen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel erschauderte, sich zusammenduckend, während Ludwig den Kopf hob wie ein Jagdhund, dem eben gerade eine ganz eigenartige Witterung in die Nase gestiegen war. Warme Begeisterung fand Eingang in seine sich hebende Stimme:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Hast du das gespürt Fel? Das war eine Störung im astralen Gewebe, darauf verwette ich meinen Gesellenbrief. Wie ein Reflex, ein Echo. Ich frage mich wirklich, was das ausgelöst hat. Kannst du dir überhaupt vorstellen, was das ausgelöst haben könnte? Irgendetwas.. Großes muss passiert sein!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, begriff Fel, war der eigentliche Unterschied zwischen ihnen beiden: Ludwig schaute erwartungsvoll in die Zukunft, zuversichtlich und entschlossen, bereit Wagnisse einzugehen und sich zu beweisen. Er würde an seinen Herausforderungen wachsen, während Fel blühte wie Nachtschatten: Verborgen und zurückhaltend, darauf wartend irgendwann von einer unbedachten Hand geknickt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe es bemerkt, ja. Und es muss etwas sehr starkes gewesen sein, dass wir es bis hierher spüren konnten. Myra wird fluchen: All ihre Tränke werden verdorben sein.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Dann lass sie fluchen! Sie ist ohnehin nie zufrieden. Komm, wir staken ein Stück tiefer in den Sumpf, bis zur Anhöhe der Glühwürmchen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Stunden später schlich Fel sich im ersten Licht des neuen Morgen zurück in ihre Heimat. Erschöpft, wehmütig und dennoch von einer eigenartigen Zuversicht erfüllt. Sie würde auf Ludwig warten - ein Jahr war nicht so lang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie von selbst schrieben ihre Finger jene Worte nieder, die seit dem Moment der Störung im Hintergrund ihrer Gedanken brodelten, gab den Silben Form und sich selbst damit Frieden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die blinde Seherin|SUBTITLE=Rossensprung, April 443 (vor 7 Jahren)&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
Bislang hatte es Fel nur selten in den Südwesten Rossensprungs verschlagen, aber natürlich kannte sie all die Geschichten. Man konnte nicht Schreiber im Kontor eines Handelshauses sein, ohne das Geschwätz mitzubekommen und ohne seinen eigenen Teil dazu beizutragen. Und das war in gewisser Weise auch der Anlass für ihre Anwesenheit hier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursprünglich war die Ansiedlung genau hier entstanden und dann entlang der vielen Arme der Usser gewachsen, den unsicheren, nachgiebigen Grund Stück für Stück erobernd. Oder zumindest für eine Zeitlang zähmend, denn eine wirklich finale Schlacht gab es in diesem endlosen Krieg einfach nicht: Jeder Tag aufs neue war ein Kampf gegen die allgegenwärtige Feuchtigkeit, gegen Schimmel und Fäulnis die gemeinsam Holz verschlangen und den Rost, der das Eisen zerfraß. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gepflasterten Wege in der Oberstadt standen gewiss in der Hälfte aller Tage eines Jahres mehr oder weniger tief unter Wasser. Das hatte zu einigen interessanten kulturellen Eigenheiten geführt: Schuhwerk wurde entweder überhaupt nicht getragen, oder in Form von kniehohen Lederstiefeln. Eleganz war einfach kein Faktor, der lange in solch widrigen Umständen überlebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier, abseits der gutbetuchten Viertel, gab es keine Wege dieser Art: Anwohner und Besucher gleichermaßen, balancierten über ausgelegte Planken, folgten teilweise auch nur gespannten Halteleinen, als hätten sie keine Sorge, dass der schlammige Untergrund sich jederzeit öffnen und sie verschlingen könnte. Für Fel war das nahezu unbegreiflich: Sie selbst hatte nie gelernt zu schwimmen und das traf auf den allergrößten Teil der Rossensprunger gewiss ebenfalls zu. Ein einziger Fehltritt konnte über Leben und Tod entscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das tat dem regen Treiben auf dem Jahrmarkt keinen Abbruch: Unzählige Händler hatten hölzerne Plattformen herangeschafft und dort ihre Zelte aufgeschlagen, priesen nun lautstark Waren an, feilschten um jeden Groschen, während nur ein Stück weiter ein paar Akrobaten zur Begeisterung der Zuschauer mit Äxten jonglierten. Es wurde gekocht und gebraten, gespielt und gesungen, ein Stück weiter flogen Fäuste in einem Kampf, auf dessen Ausgang eifrige Wetten abgeliefert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An einem anderen Tag hätte Fel sich unter die Menge gemischt, ein Teil des Ganzen. Aber heute war ihr Ziel das fleckige Zelt ganz am Rande des Jahrmarktes. Irgendwann war die Leinwand gefärbt gewesen, darauf wiesen Spuren an den Nähten noch immer hin, aber selbst beim besten Willen war Fel nicht in der Lage, die ursprüngliche Farbe zu identifizieren. Was wie die halb verblassten Reste geheimnisvoller Siegel wirkten, konnte auch einfach getrocknetes Schmutzwasser sein, vielleicht Schimmel, der nie vollständig aus dem Gewebe gewichen war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Drinnen herrschte ein Zwielicht, das bereits an Halbdunkel grenzte, das einzige Licht entstammte einem halbes Dutzend niedrig brennender Talgkerzen, deren scharfer Geruch sich mit anderen Akzenten mischte: Salbei. Knoblauch. Irgendein anderes Kraut, das Fel nicht zu identifizieren vermochte, aber dass ihr die Tränen in die Augen trieb und die Lunge zum Husten reizte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Willkommen. Ich bin Myra. Blind, wo andere sehen. Sehend, wo ihr blind seid. Was ist dein Begehr, Kind?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel Platz war im Inneren nicht und der verfügbare Raum wurde von dem ovalen Tisch beherrscht, hinter dem die Seherin sich verschanzt hatte, wie hinter der Mauer einer Festung. Überall waren Kisten und andere Behälter aufgestellt, das Licht der Kerzen brach sich an einer Vielzahl an glänzenden Schmuckstücken aus Glas oder Zinn. Alles wirkte billig, heruntergewirtschaftet. In einigen Fällen war es leicht den Finger darauf zu legen: Der Tisch besaß nur noch ein einzelnes seiner ursprünglich gedrechselten Beine, die anderen Drei waren irgendwann durch minderwertige Stecken ersetzt worden, die ihren Dienst zwar erfüllten, aber jedem Gefühl für Ästhetik einen rücksichtslosen Dolch direkt ins Gesicht trieben. &amp;lt;br&amp;gt;An anderen Stellen waren die Zeichen subtiler. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin Fel. Kommen nicht alle aus dem gleichen Grund hierher? Um etwas über ihre Zukunft zu erfahren?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Du wärst überrascht, Kind. Setz dich.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Frau fixierte Fel aus milchig-trüben Augen - ein Blick, der gerade unfokussiert genug war, um warmes Unbehagen in ihr hervorzurufen. Vielleicht war es keine gute Idee gewesen, hierher zu kommen. Was auch immer der Volksmund murmelte, es war offensichtlich, dass diese Frau ein Scharlatan war, jemand, der seinen Lebensunterhalt mit der Dummheit anderer verdiente. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich bin kein Kind. Und ich glaube nicht, dass du mir etwas sagen könntest, dass ich nicht bereits weiß.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch fand Fel sich dabei einen Platz auf dem wackeligen Schemel zu suchen. Letztlich hatte sie bereits all die Mühe auf sich genommen, um hierher zu kommen. Was konnten ein paar zusätzliche Minuten da schon schaden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte ließ sich jedenfalls von der Herausforderung nicht stören, mischte mit noch immer geschickten Händen übergroße Karten, die irgendwann ebenfalls reich verziert gewesen waren. Die Feuchtigkeit hatte auch hier ihre Spuren hinterlassen. Schliesslich platzierte sie drei davon in der Mitte des ovalen Tisches, gerade auf halben Wege zwischen Fel und ihr selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Wen suchst du?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war schwer, den ersten Impuls herunterzuschlucken, den Wunsch direkt mit der Frage herausplatzen. Das war etwas .. Neues, eine Schwäche, die mit den Jahren in der Sicherheit eines regulären Lebens erwachsen war. Es war leicht, sich an Vertrauensseligkeit zu gewöhnen, wenn man sich keine Gedanken um die nächste Mahlzeit oder um in der Dunkelheit lauernde Messer zu machen hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Frage war gestellt und letztlich, tatsächlich auch der Grund für ihre ganze Anwesenheit hier. Die Gelegenheit nicht beim Schopfe zu packen würde Verschwendung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Meinen Vater. Gil Melethron. Der Name ist fast das Einzige, was ich über ihn weiß.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In gewisser Weise, wurde Fel in diesem Moment bewusst, war der Name auch das Einzige, was von ihrer Kindheit geblieben war: Das Gesicht ihrer Mutter hatte im Laufe der Jahre an Schärfe verloren, soweit verblasst, dass selbst der verzweifelte Zorn letztlich in mürbe Resignation gereift war. Lia hatte nie aufgehört von ihm zu sprechen und sich dann irgendwann aufgemacht, um ihren verlorenen Geliebten wiederzufinden. Die drei Kinder, alle von verschiedenen Vätern gezeugt, blieben zurück, sich selbst überlassen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ihr ältester Halbbruder war nahezu genauso lange verschwunden, die anderen beiden schon längst in das kalte Zwielicht der Schattenwelt eingetaucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist kein Name, Kind.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die krächzende Stimme der blinden Seherin riss Fel zurück in das Hier und Jetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Bestenfalls ist es ein Kosename. der ungefähr die Bedeutung von ‘geliebter Stern’ hat. Deine Aussprache und Betonung sind jedoch furchterregend. &#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Willst du meinen Rat, Kind? Vergiss den Namen und höre auf, nach deinem Vater zu suchen. Es gibt Leidenschaften, die dich voranbringen und erfüllen, diese hier ist aber nur fruchtlose Vergeudung. Solche Dinge passieren. Ich vermute, dass dein Vater in seinem Volk selbst ein Ausgestoßener ist, verachtet für den leichtfertigen Umgang mit den Menschen. Es ist denkbar, dass du Dutzende von Halbgeschwistern hast, spitzohrige Bastarde, die nirgendwo wirklich willkommen sind. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich kann dir die Karten legen, wenn du von der Vergangenheit träumst, aber sie flüstern wenigstens auch von der Zukunft. Und wen kümmert schon, was gestern war?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen langen Moment schmerzte alles wie eine eigentlich schon lange vernarbte Wunde, aufgerissen durch eine unbedachte Bewegung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Das ist, was ich bin. Nirgendwo wirklich willkommen.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sich streckenden Finger berührten den verblassenden Rücken der ersten Karte, um sie dann zu wenden. Ganz beiläufig strich die Hand der Seherin einmal über die Fratze der abgebildeten Schreckensgestalt, bevor sie ihre Stimme hob.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Dämon. Das ist deine Vergangenheit - ein Hinweis auf unerwartete Schwierigkeiten, auf Unglück oder Pech, die dein Schicksal an bestimmten Stellen umgelenkt haben in neue Bahnen. Auch wenn diese Karte ungern gesehen wird, ist sie nicht als solche negativ, vor allem in der Vergangenheit. Vermutlich ist ihr Einfluss nun abgeklungen. Zwei Karten nun für deine Gegenwart.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schmerz wandelte sich, vertraut wie die Dunkelheit am Ende jedes Tages und Fel folgte der Weisung der Seherin, um zwei weitere Karten umzudrehen. Dieses Mal realisierte sie, dass die Alte die Karten allein durch ein beiläufiges Tasten zu erkennen vermochte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Mond und die Sonne. Das .. ist eine sehr interessante Kombination. Die Gegenwart besteht in diesem Legemuster immer aus zwei Teilen: Der Wirklichkeit und dem Traum. Der Mond ist deine Wirklichkeit: Er steht gewöhnlich für Einsicht und Selbsterkenntnis, auch Nachdenklichkeit und Intuition. Die Sonne repräsentiert den Traum, das, was du willst: Schaffenskraft und Freude. Licht schaffen und Wärme. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Art und Weise, wie sie hier zusammenstehen, sind sie sehr viel wörtlicher zu verstehen, Kind. Du wärst gern jemand. Aber dir fehlen der Mut und die Fähigkeiten. Du bist eifersüchtig, neidisch und das prägt deinen Alltag. Vergangenheit und Gegenwart sind benannt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte mischte alle offenen Karten zurück in den Stapel, ihre Finger bewegten sich mit einer Routine, die auf jahrelange Erfahrung schließen ließ. Die Frau mochte blind sein, aber das tat ihrer Geschicklichkeit keinen Abbruch und nach einer endlos anmutenden Minute breitete sie schliesslich drei verdeckt liegende Karten vor Fel aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist der wahrscheinlichste Pfad deiner Zukunft. Eine Karte beschreibt das Schicksal. Eine zweite beschreibt, was dir dabei hilft. Die dritte schliesslich ist das größte Hindernis auf deinem Weg. Deck auf.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Woher weiss ich, welche der drei für was steht?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Seherin lachte nur, anerkennend und gutmütig.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist fast die beste Frage die ich in diesem Zelt in diesem Jahr gehört habe. Nun decke auf, Kind. Ich werde es für dich erläutern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Mal gehorchte Fel und deckte die drei Karten nacheinander auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein zweites Mal wurden die erste und die letzte Karte befüllt, als wäre die Seherin selbst überrascht davon, was das Schicksal offenbarte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Interessant. Ich habe selten eine so klare Kombination gesehen: Deine Zukunft ist der Stern: Du wirst dein Glück, deine Bestimmung finden. Der Stern ist ein machtvolles Zeichen der Hoffnung und Erfüllung. Interessanterweise steht er auch für das Elfenvolk. Das ist überaus gut und könnte bedeuten, dass du letztlich auch hier dein Schicksal findest.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dir zur Seite steht dafür der Magier, dessen Anleitung und Weisung dich auf den richtigen Weg bringt. Hüten musst du dich vor dem Gehängten, der hier fast schon wortwörtlich genommen werden muss: Das ist das argwöhnische Auge des Gesetzes, das alles verderben kann, was dir der Stern verheißt.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel konnte den plötzlichen Enthusiasmus der Alten nicht teilen: Das alles roch ein wenig zu sehr wie ein billiger Trick, wie etwas, das sich jemand mit dem Geschick der Alten und ihrer Fähigkeit Karten offenbar mit einer Berührung zu identifizieren, ausdenken konnte. Fast noch wichtiger: Beim Starren auf die drei Karten und die dort zu sehenden Gestalten &#039;&#039;fühlte&#039;&#039; sie regelrecht die Disharmonie. Vielleicht war die Reihenfolge einfach nicht korrekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich kenne nur einen einzigen Magier und der ist zu arrogant, um jemandem wie mir auch nur einen Seitenblick zu gönnen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Jemandem wie dir, Kind? Wir sind in Rossensprung, daher darf man solche Dinge nicht laut ausspreche, aber ist dir nicht bewusst, was dein Erbe bedeutet? Du trägst diese Gabe in dir. Du brauchst nur die Hilfe eines anderen Magiers, um diese Möglichkeiten für dich zu öffnen, jemand, der dich schult - möglichst vorbei am wachsamen Auge des Gesetzes, das alles verderben kann.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die knorrigen Finger der Seherin tippten ganz beiläufig auf das Abbild des Gehängten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Lass mich dir von einer Möglichkeit erzählen, Kind. Aber ich sehe bereits, wie die Zukunft dabei ist sich zu entfalten.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;hr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahre später, im Bauch eines  schaukelnden Schiffs, schrieb Fel die Erinnerung an dieses erste Zusammentreffen mit der alten Seherin nieder, die ihre erste Lehrmeisterin werden würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich spürte es schon damals. Die Diskrepanz. Ich bin mehr als je davon überzeugt, dass sie die Karten bewusst in diese Reihenfolge brachte, um mich als Schülerin zu gewinnen. Aber es bleibt dieser Zweifel: Was, wenn da etwas war? Mehr als nur ein Taschenspielertrick? Ich kann nicht aufhören darüber nachzudenken, wie die richtige Reihenfolge der Karten ist. Ich kann die Erinnerung nicht abschütteln an dieses Zusammentreffen mit Ludwig. Es gibt eine Wahrheit dahinter, die noch darauf wartet mir ins Gesicht zu springen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Echos|SUBTITLE=Rossensprung, 448 (vor 2 Jahren)|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der große Markt im Südwesten von Rossensprung hatte sich über die Jahre hinweg nicht geändert. Gewiss, die Zelte wechselten und damit auch die dominierenden Farben, aber noch immer war er geprägt von den halb schwimmenden Holzplattformen und den unzähligen zeitweiligen Brücken, die dazwischen geschlagen worden waren. Es gab, so sinnierte Fel, während sie sich zwischen einigen wild gestikulierenden Interessenten für die Ware eines Töpfers hindurchdrückte, nur voller als zu anderen Zeiten. Das war keine Folge eines weiteren wirtschaftlichen Aufschwungs, sondern Ausdruck der unsicheren Zeiten: Die langen Spannungen zwischen Auenstein und Siebensteig hatten sich einmal mehr in einen offenen Konflikt entladen, das ganze Land entlang der Usser schien in Waffen zu stehen und es gab keinen Tag an dem sich am Horizont nicht qualmende, dunkle Rauchwolken ausmachen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch: Rossensprung war so weit von der Front entfernt, wie überhaupt nur möglich, der einzige echte Überseehafen von ganz Ussaria. Kein Wunder also, dass es Flüchtlinge und Opportunisten gleichermaßen in die Stadt trieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die immerwährende Unstetigkeit der treibenden Plattformen war eine Konstante, mit der die Anwohner Rossensprung mit der Zeit zu leben lernten, aber es erforderte Zeit und Gewohnheit. Selbst gestandene Seeleute, eigentlich an unsicheren Boden unter den Füßen gewohnt, fluchten über den abrupt ruckelnden Grund und hier, gerade vor dem Stand eines Kesselflickers, der eine ganze Auswahl hübscher kupfergetriebener Töpfe und Pfannen ausgestellt hatte, kämpfte nun ein Halbdutzend Matrosen mit dieser Unbille. Einer von ihnen war, vertieft in Austausch mit seinen Kameraden, gegen Fel getaumelt, die zuvor in seiner Hand gehaltene Kanne war zu Boden gefallen und ein kleines Stück gerollt, bis der Fuß eines Anderen sie aufhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Pass auf, wo du deine verdammten Füße hinsetzt, Spitzohr!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Instinkt war den Kopf einzuziehen, sich kleiner zu machen und in der Menge unterzutauchen. Der Konfrontation ausweichen, die gewiss keinen Gewinn, sicherlich aber unerwünschte Aufmerksamkeit bringen würde. Stattdessen biss sie die Zähne zusammen und wandte sich um, fixierte den erzürnten Mann. Die eben noch erhobenen Fäuste wurden widerwillig gesenkt, als er die Uniforminsignien auf der Brust identifizierte und Fel konnte einen Ablauf allzu vertrauter Gedanken über sein Antlitz huschen sehen: Der cholerische Ausbruch war bereits dabei abzukühlen und machte Raum für zwei wesentlich kühlere Beobachtungen. Das Spitzohr war nicht nur eine Frau, sondern zu allem Unglück auch noch Teil der ohnehin bereits angespannten Streitkräfte Auensteins. Und der Mann war noch lange nicht betrunken genug, um diese Hinweise zu ignorieren. Drei, vier Sekunden währte das gegenseitige Starren, bevor der Matrose sich nach seiner Kanne bückte und dann mitsamt seiner grinsenden Begleiter die kleine Plattform verließ. Er würde sich, dessen war Fel sicher, über Tage hinweg den Spott anzuhören haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Fel?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stimme war schmerzhaft vertraut, auch wenn sie anders klang als beim letzten Zusammentreffen vor nunmehr bald zwei Jahren. Die eine Silbe war genug um heissen, längst begraben geglaubten Schmerz in der Brust wieder aufflammen zu lassen. Was war aus den damals ausgetauschten Versprechen geworden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nichts.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ludwig.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ehemalige Schusterlehrling hatte sich verändert und das in fast allen auf den ersten Blick zu fassenden Eigenheiten: Jetzt überragte er Fel um mehr als einen Kopf, die vormals glatt rasierten Wangen verschwunden nun beinahe unter den sorgsam gestutzten Formen eines kurz getragenen Vollbarts. Die nervöse Unruhe, die in den Jahren der Lehre unter der blinden Seherin eine markante Eigenheit gewesen war, hatte sich in selbstbewusste Zuversicht gewandelt, unterstrichen durch die geschmackvolle Wahl an Kleidung, die keinen Zweifel an der gewählten Berufung ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich sehe du hast einen Lehrmeister gefunden. Meine Glückwunsche.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war der Schmerz in den Augen, das fast unmerkliche Zusammenzucken, bevor die Haltung sich wieder begradigte, die verlorene Fassung mit einer Schnelligkeit zurückgewonnen wurde, die Fel in gleicher Weise beeindruckte und betrübte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ja. Nicht alles lief, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber ich fand einen Meister und wurde einer von sieben Lehrlingen. Es waren aufregende, lehrreiche zwei Jahre für mich und ich bedaure nur, dass ich nicht eher die Möglichkeit hatte, nach Rossensprung zurückzukehren.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er zögerte für einen Moment, ausreichend, dass sie sich einmal mehr der eigenen Erscheinung vollkommen bewusst wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Du hast dich nicht verändert, Fel.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Das ist eine Lüge, Ludwig, aber ich nehme es.”&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zwei Finger berührten die Insignien der Uniform direkt über der Brust - das geöffnete dreistrahlige Auge in Bronze und direkt daneben die geschwungene Linie. Für das geschulte Auge verriet das erste ihre Zugehörigkeit zur Profession der Magier, das zweite den Rang als Fähnrich in der Auensteiner Armee. Das früher üppig getragene Schopfhaar war mit der zwangsweisen Verpflichtung in die Streitkräfte der Grafschaft kurzgeschorenen worden, aber mit dem Ende der regulären Rekrutenzeit waren die Regeln nicht mehr so streng. Es fiel dennoch noch nicht lang genug, um die leicht gespitzten Ohren zu verdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich war in der Brache. Von Myras Haus gibt es keine Spur mehr. Ich habe gehört, was ihr passiert ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen einfachen drei Sätzen hörte Fel eine ganze Anzahl von Fragen, zusammengepresst auf die Form dieses simplen, fast neutralen Geplänkels. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Sie haben uns erwischt, ungefähr ein halbes Jahr nach deinem Weggang aus Rossensprung. Irgendjemand hat sich ein Kopfgeld verdient und ist hoffentlich daran erstickt. Du weisst, wie die Regeln sind: Ich bekam die fünf Jahre Dienstverpflichtung im Austausch für eine Ausbildung. Myra ..”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel ließ den Satz unvollendet: Ludwig kannte die Regeln ebenso gut wie sie selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich war seitdem nur ein einziges Mal wieder in der Brache. Es sind keine schönen Erinnerungen mehr.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform schwankte unter dem Gewicht anderer Marktbesucher, die kurzzeitig geschlagene Lücke in der lärmenden Gleichförmigkeit war rasch wieder geschlossen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Warum bist du zurückgekommen, Ludwig? Im ersten Jahr war ich voller Hoffnung, malte mir aus, wie du zurückkommen und mir von der Welt erzählen würdest, von deinen Abenteuern und den Dingen, die du gelernt hast. Anfang des zweiten Jahr fühlte ich mich bitter: Betrogen und vergessen, zurückgelassen in einem Elend, gefangen zwischen Mühlsteinen, die stetig darauf aus waren - und es noch sind - mich zwischen sich zu zermalmen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich verstehe, Ludwig. Alles verändert sich, nur ich fühle mich manchmal, als wäre ich davon ausgenommen, ein Beobachter, der sich im Sumpf verirrt hat und alle anderen an sich vorbeieilen sieht. Sieh dich an: Ich kann dich kaum wiedererkennen. Du bist deinen Schuhen längst entwachsen, ein Mann, wo ein Jüngling damals aufbrach. Warum bist du zurückgekommen?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war der Schmerz wieder, die Schuld zwischen der zur Schau getragenen Selbstsicherheit und Fel spürte eine bittersüße Befriedigung bei der Beobachtung, eine vorwurfsvolle Genugtuung, die schon an Rachsucht grenzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Ich habe viel gelernt Fel. Ich weiss nicht, was sie dir in der Armee beibringen, aber ich bin sicher, es kann nicht viel sein. Ja, ich bin viel zu spät, aber das ist der Unterschied zwischen törichter Planung und der Erfahrung, die man draussen im Leben macht: Die Dinge sind nie so einfach, wie sie erscheinen. Ich kam, sobald es mir möglich war. Und ich habe dich nicht vergessen. Wenn du willst, können wir schon diesen Abend fort sein aus Rossensprung, unterwegs. Niemand wird dich finden, niemand wird dich entdecken. Ich kenne genau die richtige Magie dafür.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Moment lang vermochte Fel nicht zu atmen, ein Gefühl wie von Eiswasser in ihren Adern brachte alle Glieder zum schütteln und die Zähne zum klappern. Ein Teil von ihr, gut behütet unter dem Alltag allzu pragmatischer Lehre, krümmte sich wie ein waidwund geschossene Fähe in plötzlichem, atemlosem Grauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was heißt das?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war eine Geschichte, die Fel ihm niemals anvertraut hatte: Die Details ihres ersten Zusammentreffens mit der blinden Seherin waren immer verborgen geblieben, gehütet wie peinliche Anekdoten der Kindheit, die in gut gesicherten Schubladen verstaubten. Also schwieg sie, zu sehr damit beschäftigt nicht einfach zu flüchten, um eine Antwort geben zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Habe ich etwas Falsches gesagt, Fel?”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Nein.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Entsetzen verflog, auch wenn das Herz weiterhin gegen die Brust hämmerte, der schwere Uniformstoff nun zusätzlich noch klamm durch schweisskalte Feuchtigkeit. Ein Teil von ihr erkannte ganz kühl, dass die Panikattacke vorbei war und fragte sich befremdet nach dem Grund dafür, ohne eine Antwort zu finden. Etwas an der Formulierung Ludwigs musste einen Zusammenhang hergestellt haben zu den vor Jahren gelegten Karten der Seherin. Aber was, das blieb dem rational ausgreifenden Verstand schleierhaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Nein. Das Risiko ist zu hoch. Für dich. Für mich. Wir sind keine Kinder mehr - ich schon lange, du seit mindestens einem Jahr. Und ich denke an den allermeisten Tagen benimmst du dich auch so. Du hast etwas aus dir gemacht - gut! Ich habe immer gewünscht, dass du aus diesem Loch entkommst. Aber das werde ich auch, spätestens wenn meine Zeit um ist. Und dann will ich diese Stadt hoch erhobenen Hauptes zurücklassen, noch ein letztes Mal in das Hafenwasser spucken, um dann nie mehr hierher zurückzukehren.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für lange Momente stand Ludwig nur wie vom Schlag getroffen, die Maske welterfahrener Nonchalance fortgewischt und gegen eine Mischung aus Überforderung, Schmerz und schlechtem Gewissen ausgetauscht. Und, wie Fel nicht ohne eine gewisse bittere Zufriedenheit bemerkte, auch ein Quäntchen von Erleichterung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er ging, war es wie eine Flucht, eilig, noch immer mit der durch lange Jahre erworbenen Sicherheit bei der Bewegung über schwankende Planken und driftende Plattformen hier im sumpfigsten Teil Rossensprungs. Manche Eigenheiten blieben erhalten, selbst wenn sie nicht mehr benutzt wurden, wartend und schlummernd, bis die Notwendigkeit wieder nach ihnen rief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fel starrte ihm nach, bis seine Gestalt im Alltag verschwunden war, selbst der Lärm wie eine Decke, die sich über alle allzu betäubenden Gedanken legte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Das ist es eben. Nichts bleibt wie es ist. Darauf zu hoffen, ist töricht. Darauf zu vertrauen ist Selbstmord.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;“Was ist nun? Wollt ihr es kaufen? Ich habe auch noch andere Interessenten.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nachfrage des Mannes hinter dem Stand mit all den blank polierten Kupferteilen erinnerte Fel an den eigentlichen Grund ihrer Anwesenheit hier: Mitten in der bunten Mischung aus Töpfen und Tiegeln, Messern und Gabeln, kleinen Dosen, einem Käfig, verzierten Tellern und grösseren Platten, befand sich auch eine kleine, kaum mehr als fingerlange Statue. Elfische Handwerkskunst hatte der Mann ihr hoch und heilig versichert. Von seinem Großvater erworben und weitergegeben an den Vater als Glücksbringer, nun in Anbetracht der Umstände aber dennoch zu einem günstigen Preis abzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Höchstwahrscheinlich eine Fälschung.’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also solche würde sich die kleine Figur nur zu der Sammlung anderer kleiner Kinkerlitzchen gesellen, die Fel im Laufe der letzten Jahre angesammelt hatte. Sie alle verband ein vermeintlich elfisches Erbe, sie alle waren günstig genug gewesen, um für ihre äußerst beschränkten Mittel greifbar zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‘Nur sie sind ewig. Unveränderlich wie die Sterne selbst. Warum muss ich hier festsitzen?’&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel später war sie auf dem Rückweg in die Kaserne, die kleine, vermeintlich elfische Statue gut behütet in der Tasche.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Interludium: Die Insel der Nebel|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|CONTENT=Die Insel der Nebel ist der Tutorialbereich von DNW, eine vom eigentlichen Spielgeschehen isolierte Insel. Obwohl alle Elfenvölker frei erstellt werden können, sind Halbelfen aber kein frei verfügbares Volk. Das bedeutet: Um Fel tatsächlich ins Spiel bringen zu können, musste ich einen entsprechenden Antrag stellen. Dieses Interludium entstand während der Wartezeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da die Insel der Nebel nicht tatsächlich existiert - es ist eben nur ein Tutorialbereich - können die dort gemachten Erfahrungen nicht ins Spiel einfließen. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 14|CONTENT=&lt;br /&gt;
In der gleichförmigen Stasis dieser Insel ist die Ankunft anderer Reisender die einzige Abwechslung, die einzige Abweichung von einer täglichen Routine. Selbst das ist, wenn man es korrekt betrachtet, gleichbleibend: Ihr Kommen und ihr unvermeidliches Gehen ist zwar unregelmässig aber doch vorhersehbar: Sie alle ziehen weiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich noch an die Aufregung des ersten Tages, gleich gefolgt von der Erleichterung direkt nach der Ankunft, an deren Details ich mich nicht erinnern kann. Das ist etwas, was mich mit den allermeisten der Reisenden verbindet: Eine bestimmte Ungewissheit, über die Art und Weise wie dieser Ort erreicht wurde. Selbst jene die voller Überzeugung davon berichten, wie sie von einem Schiff hier abgesetzt wurden, verdrängen vielleicht einfach die Realität, denn ich habe abgesehen vom Fährmann niemals jemanden hier angelegen sehen. Und - um korrekt zu sein - nicht einmal diesen. Er liegt einfach jeden Morgen aufs Neue vor Anker, unvermeidlich wartend wie das finale Schicksal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen ersten Tagen war ich dankbar für mein Leben und stellte nicht zu viele Fragen, aber je länger ich hier verweile, desto mehr Zweifel verdichten sich zu schweren Klumpen in meinem Hinterkopf: Was ist das für ein Ort? Was bedeutet meine Anwesenheit hier? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine im Moment bevorzugte Theorie habe ich nach vielen Gesprächen mit anderen Reisenden herausgeformt: Ich denke diese Insel ist kein echter Ort, sondern eine geteilte Traumrealität, ein unechter Platz, den jene erreichen, die gerade bei sind ihr Leben zu verlieren oder ihren letzten Atemzug bereits getan haben. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist ein Ruheplatz um sich zu sammeln, um Frieden zu schließen. Wer dann bereit ist für die Weiterreise, der vertraut sich dem Fährmann an, der keine Bezahlung verlangt und niemals jemanden hierher zurückgebracht hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fürchte seine Verlockung genau wie die hölzernen Planken seines Schiffes. Und wer will es mir verdenken?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich sah, wie die Magie sich verformte, verdrehte, wie die Realität selbst aus der Fuge zu geraten schien. Was Holz war wurde zu Luft, was Metall war, transformierte zu Wasser. Mir ist selbst jetzt unbegreiflich, auf welche Weise das passierte, welches Prinzip dahinter steht. Es passt zu keiner der Lehren, die mir nahegelegt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was fange ich also an mit den Tagen, die alle gleich beginnen und nahezu identisch enden?&lt;br /&gt;
Weniger, als ich sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine bescheidenen Fähigkeiten bemüht um zu prüfen, ob sie irgendwelche permanenten Veränderungen durchlaufen haben, aber das scheint nicht der Fall zu sein, denn die mir bekannten Zauber funktionieren wie immer, die Grundprinzipien scheinen identisch soweit es sich durch mich beurteilen lässt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich habe Notizen hinterlegt, flüchtig bislang nur: Zu den verschiedenen Gebäuden, zu den Personen hier, zum Fährmann und auch zu den anderen Reisenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sollte ich all das ein wenig ordnen. Vielleicht ist es genau das, was ich brauche um jenen Ruhepunkt zu finden, den ich benötige, um mich dem Fährmann anzuvertrauen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann nicht aufhören mich zu fragen: Was wenn meine ganze Existenz nur ein eingefrorener Moment ist, der sich in dem Moment auflöst, in dem ich mich entschliesse weiterzuziehen? &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 24|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich nicht mehr genau, was das Erste war, dass mein Misstrauen erregte, aber ich glaube es waren die Bewohner dieser Insel. Damit meine ich nicht die Reisenden, die allesamt - genau wie ich - auf irgendeine Weise hier ankamen und - anders als ich - nicht viel später dann auch schon der Verlockung des Fährmanns folgen und die Weiterreise antraten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kontakt war .. glaubhaft, die oberflächlichen Gespräche die man eben so führt, wenn man an unbekannte Gestade gespült wird mit nicht mehr als ein paar Fetzen am Leib, genau das was man eben erwartet. An jenem ersten Abend war ich zufrieden zumindest einen provisorischen Schlafplatz ergattert zu haben. Ich will nicht behaupten, dass ich glücklich war, aber die Sorgen und das Bedauern sollten erst in den Wochen danach allmählich Einzug halten, vertraut in ihrer kühlen Hartnäckigkeit. Aber damals war ich froh noch am Leben zu sein. Fragen konnten warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Katzenjammer kam mit dem nächsten Morgen, mit der klaren Einsicht, dass mein bisheriges Leben ein abruptes, ungeplantes Ende erfahren hatte. Meine Verpflichtungen, meine Aufgaben, meine dünnen Freundschaften und vor allem auch mein Lehrmeister: Einfach davongewischt wie ein unbedeutendes Staubkorn auf einer nun in Ordnung gebrachten Tischplatte. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während die Sonne gemächlich aufging und die Insel mit Farben und Wärme füllte, realisierte ich, dass ich zum ersten Mal seit meiner Flucht aus Breitenbach wirklich allein war. Wohin ich von hieraus auch aufbrechen würde: Niemand würde meinen Namen kennen. Niemand die Umstände meines Aufwachsens, niemand die ungetilgte Schuld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war ein eigenartiger, machtvoller, wenn auch bittersüßer Gedanke: Ich hatte die Möglichkeit mich selbst neu zu erfinden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Wochen später, stelle ich fest, dass der Käfig etwas ist, was man mit sich trägt und selbst ein Schiffsuntergang wischt ihn nicht einfach fort. Es ist so leicht, so verführerisch in vertraute Gewohnheiten zu fallen, die über die Jahre wie Atemzüge wurden: Unwillkürlich und vertraut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich schweife ab.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es brauchte drei Tage bis ich wirklich verstand, dass die Bewohner dieser Insel sich nicht an mich erinnerten: Wenn ein Tag neu anbrach, dann waren sie selbst wie erneuert, aller Eindrücke der vorherigen Stunden beraubt. Erst mit dieser Beobachtung verstand ich, dass es nicht nur die Bewohner waren, sondern die ganze Insel: Welche Spuren ich auch hinterlassen hatte, sie waren verblasst, sobald der neue Tag begann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da verstand ich: Das hier ist kein echter Ort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und damit kamen auch die Zweifel: Was bin ich dann?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 26|CONTENT=&lt;br /&gt;
Was bin ich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein verwirrter Traum, der sich gerade auf der Schwelle zwischen Schlaf und Erwachen wälzt, unfähig das Eine oder das Andere zu umarmen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Gedanken einer Sterbenden, die in nachtblauer Tiefe einem eiskalten Grab am Boden der See entgegensinkt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reste einer Seele, die die Schwelle bereits überschritten hat und nun nur noch darauf wartet das Urteil zu akzeptieren, Frieden zu machen mit sich, bevor sie bereit ist für die Weiterreise an einen Ort von dem noch niemand zurückgekehrt ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Morgen verspricht mir aufs Neue: Nein. Das ist ist normal. Du hast überlebt. Sieh dich um und sammle, erhole dich, bevor du weiterziehst. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann die Augen nicht davor verschliessen, wie ich das gleiche Gespräch ein weiteres Mal mit der Frau hinter dem Tresen in der kleinen Markthalle führe, wieder die gleichen Anekdoten vernehmend, die ich bereits zwei Dutzend Mal vernommen habe. Sie sind mir bald so vertraut, wie die Stationen meines eigenen Lebens und ich lächle pflichtschuldig, während ich ein weiteres Mal um Material handle. Tinte. Papier.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es wird höchste Zeit, dass ich mich aufraffe, das Beste aus diesem Ort hier mache, Hausaufgaben erledige, die schon viel zu lange darauf warten, abgeschlossen zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anlass für diesen Entschluss war fast schon banal: Das Zusammentreffen mit einem Reisenden, der die Magie gerade erst zufällig für sich entdeckt hatte und nun mit der staunenden Zuversicht eines Welpen den Vorgaben in dem zerfledderten Buch folgte. &lt;br /&gt;
Mir fehlen die Worte, um genau zu beschreiben, wie ich mich fühlte, als er Reagenzien zerrieb, Worte rief und eine Wirkung manifestierte, als wäre es gar nichts. Einfach so. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich kann mir vorstellen, dass ich gelb im Gesicht wurde vor Eifersucht und Neid. Welches Recht hatte dieser Mann ohne die geringsten Studien, ohne Stunden über Stunden an Meditation und erschöpfenden Übungen einen solchen Effekt einfach aus dem Ärmel zu schütteln? Wo war die Gerechtigkeit dabei?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Gedanke riss mich aus dem schäumenden Selbstmitleid - die Erinnerung daran, wie Jerwalson mich für eine sehr ähnliche Frage höhnisch verlacht hatte, war auch jetzt, Jahre später, noch wie eine nicht verheilte Wunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Gerechtigkeit für mich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieses Zusammentreffen war ausreichend, um den Entschluss in mir reifen zu lassen, meine gesammelten Kenntnisse einmal zu ordnen, zu prüfen, sie niederzuschreiben. Meine eigenen Notizen, die - hoffentlich - mit mir gemeinsam wachsen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wenn ich nur ein zuckender Gedanke kurz vor dem Verlöschen sein sollte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mehr Licht! &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 28|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Mach die Augen auf.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein neuer Tag. Eine vertraute Routine. Es ist eigenartig, wie präsent die stetige Gleichförmigkeit dieser kleinen Insel wird, wenn einem diese Eigenheit erst einmal bewusst geworden ist. Wieviele Monate meines Lebens habe ich mit eintöniger, langweiliger Arbeit verbracht ohne mich über gewöhnlichen Groll hinaus zu beschweren? Wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, dann kann der Unterschied zu meinem Erlebnis hier nicht besonders groß gewesen sein: Immer der gleiche Tagesablauf, feindselige oder gelangweilte Blicke von Fremden, bestenfalls vom Sehen vertraut. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dazu ein Gewicht, dass es hier nicht gibt: Wenn ich meiner Verärgerung hier freien Lauf lasse und der geizigen Kräuterhändlerin meine Meinung geige, wird sie mich am nächsten Tag doch begrüßen, als hätte sie mich noch nie vorher gesehen.&lt;br /&gt;
In gewisser Weise, denke ich, dass exakt das auch der Fall ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jerwalson, daran hege ich keinen Zweifel, wäre enttäuscht und das ist ein Gedanke der mich mehr bedrückt, als er sollte. Der Mann war mein Lehrmeister, aber kein Freund. Niemand, dem ich mich anvertraut hätte über die Alltäglichkeiten der Ausbildung hinaus. Er trug, denke ich, die Uniform mit noch mehr Verachtung als ich. Ein weiteres offenes Rätsel, eines, das nun nicht mehr drängt und vermutlich nie gelöst werden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das ist Vergangenheit. Ich sollte froh sein über diese Herausforderung. Die Wahrheit ist, dass ich jeden Tag ein wenig entnervter erwache, mich in meiner eigenen Routine festbeisse: Muscheln sammeln, die Beete bestellen, Gemüse verkaufen und gegen Reagenzien, Tinte und Papier eintauschen. Und dann schreiben: Es ist frappierend, wieviel ich bereits vergessen habe: Ich bekomme den Enigmatischen Dualismus Jerwalsons kaum noch zur Hälfte zusammen: POR und ZAN als Gegenstücke, aber stand NOX nun gegensätzlich zu XEN oder MANI? Es ist genau wie vor einem Jahr: Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger habe ich den Eindruck davon zu verstehen. Das System, was er darin sah - oder vorgab zu sehen - erschließt sich mir einfach nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht morgen. Ich habe das Gefühl ich bin reich an Tagen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 32|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Sieh dich um.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigenartig, wie mit den Jahren manche Erinnerungen vollkommen ausgewaschen sind, dünner und fadenscheiniger noch als die von der Armee Auensteins gestellte Unterwäsche. Andere dagegen haben ihre Leuchtkraft bewahrt, oder - wie Jerwalson stets zynisch bemerkte, wann immer sich Gespräche in diese Richtung entwickelten - sie haben sich allmählich verwandelt und erwecken damit fälschlich einen Anschein von Authentizität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich denke noch immer, dass er sich darin irrt, dass es Eindrücke gibt, deren Wahrhaftigkeit mühelos dem Zahn der Zeit widersteht, so prägend und machtvoll, dass sie selbst nach Jahrzehnten nichts von ihrer Schärfe verloren haben. Ich wünschte ich könnte das Gesicht meiner Mutter dazuzählen, aber wenngleich ich mich mühelos an ihre letzten Worte an mich erinnern kann, ist ihr Gesicht selbst ins Vergessen geraten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich auch an die Trauer, an den Schrecken, an das Gefühl von Schuld und Verrat. Sie ging um einem Traum nachzujagen, auf der Suche nach ihrem Geliebten, der - wie ich sehr viel später erfahren sollte - nicht einmal seinen richtigen Namen genannt hatte. Mein Vater. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
An manchen Tagen frage ich mich, wie weit weit ihre Suche sie gebracht hat, ob sie vielleicht noch immer irgendwo da draussen ist. Ob es eine neue Familie gibt, andere Halbgeschwister, die den Luxus hatten mit einer Familie aufzuwachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert ist verstrichen und vielleicht hat sie ihr Glück gefunden. Aber ein Teil von mir, der sich in der Erinnerung an diese ersten Tage zusammenduckt und unzulänglich fühlt, hofft, dass sie noch immer wandert und sucht, vergeblich von einem Ort zum anderen treibend, wie ein welkes, schon lange dem Baum entrissenes Blatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sollte einen ähnlichen Groll auch gegenüber diesem Fremden hegen, diesem umherziehenden Elfen. Aber ich habe ihn nie kennengelernt, es gibt keine Erinnerungen, an die ich meine Gedanken heften kann. Aber ich denke auch er ist noch irgendwo da draussen, alterlos wie alle seines Volkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alterlos.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie diese Insel, wo jeder Tag seinem Vorgänger gleicht. Ich habe mich begonnen zu fragen, ob es hier ohne Reisende überhaupt Tage gibt. Oder: Ob das hier überhaupt existiert ohne einen Besucher. Wenn ja: Wird irgendwann jemand nachsehen, warum ich hier verweile ohne mich dem Fährmann anzuvertrauen? An manchen Abenden habe ich das Gefühl von unsichtbaren Geistern angestarrt und verurteilt zu werden, namenlosen Schemen aus Quecksilber, die sich zwischen den Schatten bewegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jerwalson würde lachen und lästern. Aber ich kann den Schauder nicht abschütteln, der mich in diesen Momenten überfällt. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 33|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Gleichförmigkeit der Insel lädt dazu ein sich treiben zu lassen und jeden Morgen, direkt nach dem Erwachen, gebe ich diesem Gefühl nach, bleibe liegen und lausche mit geschlossenen Augen auf das Geschrei der Vögel, auf das Plätschern des Regengusses, der sich zuverlässig jeden Morgen einfindet und auch auf Gespräch der beiden Händler, das ebenfalls immer gleich abläuft. Sie haben Erinnerungen, aber es ist für mich unmöglich zu ergründen, ob sie sich auf tatsächliche Ereignisse beziehen, oder nur dünne Tünche über eine spärlich gedeckten Leinwand sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Personen bin ich eine Fremde und ein Tag ist nicht genug um daran etwas zu ändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Frage ist, ob ich meinen Erinnerungen tatsächlich trauen kann. Die reine Existenz beweist noch gar nichts - genau wie die Händler sich an ein &amp;quot;gestern&amp;quot; erinnern, tue ich das eben auch. Niemand garantiert, dass nicht 1 Tag dazwischenlag, der ohne Spuren wieder verschwunden ist. Ein Tag, oder deren Einhundert. Ein Jahr. Würde ich den Unterschied bemerken?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für meinen Seelenfrieden bilde ich mir ein, dass ich einen kontinuierlichen Verlauf an meinen persönlichen Gegenständen ablesen kann, die - wie ich auch - vermutlich einem anderen Gesetz unterworfen sind: Meine Aufzeichnungen bleiben, die erhandelte Kleidung bleibt ebenso. Sofern das System nicht in einer Art und Weise gebaut ist, um auch solche Details zufriedenstellend fälschen zu können, kann ich mich weitgehend sicher fühlen: Das was ich als Tage empfinde, sind tatsächlich auch Tage. &lt;br /&gt;
Weitgehend. Nicht vollkommen, natürlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein System kann unmöglich vollständig verstanden werden, solange man selbst ein Teil des Systems und auf dessen Werkzeuge angewiesen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ironischerweise erinnere ich mich an diese Lektion noch gut, daran wie Jerwalson dieses Zitat nach einer Expedition benutzte, die als einfache Übung für die Rekruten gedacht war und darin endete, dass sich zwei eigentlich freundliche Kompanien gegenseitig beschlichen. Damals war der Anlass - natürlich - die vollkommene Verwirrtheit der führenden Offiziere. Aber es passt auch sehr gut auf diese meine aktuelle Situation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun: Genug geträumt. Es gibts nichts zu tun, aber das will erledigt werden. Ich habe Sorge ich könnte mich sonst in der Zwischenheit doch noch in einen der Anwohner hier verwandeln.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 35|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein weiterer Morgen folgt einem Abend ohne andere Reisende. Es ist nun Tage her, dass ich ein anderes menschliches Gesicht als die Händler zu sehen bekommen habe und ich kann spüren, wie das an mir nagt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist aus sich heraus bereits eine interessante Beobachtung: Während meiner Zeit auf den Strassen Grauhafens war ich die allermeiste Zeit mir selbst überlassen, scheute auch vor den Banden von Dieben und Trickbetrügern zurück, unter denen ich mich in Breitenbach noch so selbstverständlich bewegt hatte. Aber damals war die Einsamkeit selbst gewählt, kein Fakt der mir von aussen aufgedrückt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier, auf der Insel der Nebel, ist sie unvermeidlich und ich spüre jeden Tag ein mehr wenig Widerwillen die immer gleichen Gespräche zu führen. Nach den ersten Tagen peinlicher Berührtheit, spüre ich ein eigenartiges Ressentiment, eine frustrierte Verachtung für diese Menschen. Es wäre zu einfach nun kleinen Grausamkeiten Raum zu gewähren, Grobheiten aus Langeweile oder Ärger zu führen, immer in der Gewissheit, dass alles was man tut am nächsten Morgen ausgelöscht sein wird. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Teil von mir _ist_ neugierig: Würde ein neuer Tag noch immer so unverändert beginnen nachdem ein Feuer die Häuser hier verschlungen hat? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind beunruhigende Gedanken und ich konzentriere mich lieber auf die Arbeiten: Nach meinem Scheitern den Enigmatischen Dualismus Jerwalsons präzise zu beschreiben, habe ich mit etwas Einfacherem begonnen: Eine Auflistung der Worte der Macht, jeweils mit Erläuterungen und Kommentaren. Die Form ist armselig: Das Papier ist minderwertig und teilweise muss ich auf Ränder schreiben, aber .. es ist besser als nichts. Es ist ein Fortschritt und damit wertvoll und lieb auf einer Insel auf der die Zeit sonst stillzustehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sollte ich ja beten. Wer weiss.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 38|CONTENT=&lt;br /&gt;
Breitenbach, die Stadt in der ich die ersten Jahre meines Lebens verbrachte, war mit den Tugenden im Kopf gegründet worden. Die innere Mauer, auch dieser Tage noch weitgehend unbeschädigt erhalten wenngleich die Stadt sich längst über ihre Begrenzung hinaus ausgedehnt hat, besitzt insgesamt acht Türme. Jeder dieser Türme trägt den Namen eines der Erzengel und ist entsprechend auch einer der acht Tugenden gewidmet. Es ist nun siebzehn Jahre her, aber ich erinnere mich noch immer lebhaft an die bemalten, mit Ornamenten, Plastiken und Sinnsprüchen verzierten Fassaden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich hatte im Zuge meiner erzwungenen Dienstpflicht einige Gelegenheit mehr über die inneren Strukturen Breitenbachs zu erfahren: Zumindest nominell sind die Türme der Erzengel auch der Sitz von je einem &amp;quot;Wahrer der Ordnung&amp;quot; einer Tugend, jeweils gewählt aus den Reihen ihrer Gefolgschaft. Das alles hat mit dem Glauben an den Herren sehr wenig zu tun, die Verbindung ist bestenfalls lose und im Laufe der Jahrzehnte scheint mir der ursprüngliche Gedanke sehr in Richtung reiner politischer Masche verwandelt worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie dem auch sei: Die allermeisten Bewohner Breitenbachs ordnen sich zumindest formell einer Tugend zu und sind dann eben auch dafür verantwortlich den Wahrer zu wählen. Ich erinnere mich nicht welcher Tugend meiner Mutter folgte und ich hatte sehr wenig Kontakt mit dem Glauben über die oberflächlichen Symbole des Alltags hinaus. Nachdem sie sich auf die Suche nach ihrem verlorenen Geliebten gemacht hatte, waren alle zarten Ansätze von Religiosität ohenhin zum Verkümmern verdammt: Auf der Straße wurden die Tugenden bestenfalls benutzt, um ein paar Münzen von den Devoten zu erbetteln, der einzige echte Glaube war der an einen gefüllten Magen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lernte wenig über die richtigen Gebete, dafür viel darüber den Kopf unten zu halten, sich vor Autoritäten zu beugen, wann immer es notwendig war und schamlos zuzugreifen, wann immer möglich. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als ich Breitenbach schliesslich verließ: Verbannt, meine zerschmetterte linke Hand eine Strafe für mich und eine Warnung für alle, die meiner ansichtig wurden, fluchte ich ausgiebig im Namen der Erzengel. Das, denke ich heute, ist das Gleichgewicht aller Dinge: Aktion und Reaktion, Bewegung und Gegenbewegung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es liegt eine furchtbare Kraft in der Entschlossenheit eines Mannes, der sein Tun als gerechtfertig ansieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Grauhafen hätte ich, dieser Dynamik folgend, irgendwann ein trauriges Ende nehmen können, aber ich hatte Glück und fand den Weg zum Handelshaus Telketh. Das hatte seinen ganz eigenen Preis, aber es brachte mich auch zum ersten Mal seit den frühen Jahren meiner Kindheit wieder in Kontakt mit dem Glauben an den Herren.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich saugte die Gebete und Rituale auf, die Lebensweise, die sich auf ganz andere Art und Weise an den Tugenden (und den Sünden) orientierte, als ich es noch vage von früher in Erinnerung hatte. Aber ich blieb opportunistisch distanziert: Das hier war was man von mir erwartete, insbesondere nachdem man mir eine so außergewöhnliche Chance gegeben hatte und ich war absolut bereit das Notwendige zu tun für einen gefüllten Magen, ein echtes Bett und ein kleines Zimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch: Mit der Zeit wurden die kleinen Rituale zur Gewohnheit, prägten sich in den Alltag ein mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie sie auch für Essen und Trinken aufgebracht wurde. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin bis heute unsicher, ob das tatsächlich als &amp;quot;Glaube&amp;quot; gilt. Mein einziger Versuch diese Thematik mit Jerwalson zu besprechen, endete in einer nahezu endlosen Tirade an deren Ende er schliesslich das bekannte System von Worten der Macht und Reagenzien mit den Handlungen von betenden Priestern verglich: Beide auf ihre Weise vollkommen ahnungslos, abhängig von einer höheren Autorität, die das eigentliche &amp;quot;Tun&amp;quot; nach der Opfergabe dann in Angriff nimmt. Das erstickte all meine Ambition Glaube mit ihm zu besprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber letztlich denke ich, dass Religion für die allermeisten Menschen außer einem kleinen Zirkel von tatsächlich Erwählten, sehr abstrakt und entfernt ist: Rituale und Vorgaben, die von einer höheren Stelle angewiesen werden und denen man dann eben folgt. Ja, man bittet den Herren um Beistand, um Einsicht, um günstige Winde oder dumme Kunden, die man über das Ohr hauen kann, aber nach meiner Erfahrung erwartet niemand tatsächlich, dass der Herr tätig wird und etwas tut. Aber: Es ist besser den kleinen, allgemein akzeptierten Aufwand zu betreiben und sei es allein aus abergläubischer Versicherung, dass man nicht versehentlich den Zorn durch Unterlassung erweckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat das alles mit dem Hier und Heute zu tun?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand hat diese Insel in den Nebeln geschaffen, hat die Regeln definiert und dafür Sorge getragen, dass jeder Tag unverändert neu beginnt. Aber wer? Und wozu? Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ein solcher Ort nicht einfach als grausame Spielerei existiert, sondern zu einem ganz bestimmten Zweck, eine Funktion innehat. Vielleicht ist es genau das, was ich zuerst vermutete: Der Übergang zum Nachleben, eine kurze Pause für die erschöpfte Seele um sich zu sammeln, um Kraft zu schöpfen, bevor die Reise hinter die Schleier ansteht. Um zu akzeptieren und das Angebot des Fährmanns schliesslich anzunehmen, der nichts über das Ziel verraten möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeden Tag schrecke ich davor aufs Neue zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht wäre es einfacher, wenn ich den Glauben in meinem Herzen tragen würde, statt nur wie ein Gewand, das man eben überstreift, wo es bequem und passend ist. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber das ist nicht, wie ich aufwuchs.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist nicht, was ich lernte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist nicht, wer ich bin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht bedeutet das aber auch, dass ich hier auf ewig gestrandet bin.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 39|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein weiterer Tag eintönige Gleichförmigkeit auf der Insel. Auch heute, so scheint es, wird es keine Reisende an diese Gestade spülen, aber ich denke ich habe mich - zumindest für den Moment - damit arrangiert. Ich muss mir einfach meine eigene Abwechslung schaffen und die kann nicht ausschliesslich aus Arbeit bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Insel ist, wenngleich zu Fuß binnen weniger Minuten umrundet, ein ganz hübsches Fleckchen, eine interessante Mischung von Eindrücken, die sich auf engem Raum zusammendrängen. Das Wetter ist, vom morgendlichen Regen einmal abgesehen, auch durchaus angenehm, sobald die aufsteigende Sonne die Feuchtigkeit vom Sand geleckt hat, lädt der Strand regelrecht zum Verweilen ein und erlaubt einen Blick über die offene Wasserfläche überall umher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Breitenbach, Grauhafen und Rossensprung liegen allesamt am Lauf der Usser, ein schiffbarer Fluss, der jeden Frühling noch ein Stück weit anschwillt und bisweilen sogar die Auen großflächig überschwemmt. Rossensprung liegt direkt an der Mündung der Usser zum Meer hin, oder besser: Die Stadt wuchert im sumpfigen Delta.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin also durchaus mit dem Anblick eines großen Wassers vertraut - aber dieser Anblick ist einfach etwas anderes, als ich von der müßigen Betrachtung des Horizonts gewohnt sind: Hier gibt es keinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Himmel, der hier jeden Tag die gleichen Wolkenmuster trägt, geht mit der Entfernung von der Insel ohne scharfen Übergang in dichte, träge driftende Nebel über. Dieser Nebel ist genauso statisch in seiner Natur wie die gesamte Insel und damit vermutlich das gesamte Areal: Nichts verändert sich. Nach einem Tag beginnen alle Abläufe wieder von vorn.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unabhängig von Wetter und Uhrzeit bleibt der Nebel bestehen, beschreibt eine Grenze ausserhalb meiner Reichweite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht so als würde ich keine Neugierde verspüren, aber mich schaudert weiterhin beim Gedanken mich hölzernen Planken für eine Reise ins Ungewisse anzuvertrauen. Und ich habe niemals gelernt zu schwimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemals gelernt zu schwimmen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und doch bin ich hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Erinnerung, der ich mich nicht stellen möchte, aber sie hängt über mir, wie meine eigene schwere Gewitterwolke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die “Siebentrutz” hatte ihre Reise von Rossensprung aus angetreten, Teil jüngerer Bemühungen der Grafschaft diplomatische Kontakte jenseits des eigenen Terrains zu erschließen - immer mit dem Gedanken den langjährigen Konkurrenten Siebensteig damit endlich ausstechen und die geforderte Einheit wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Armee war neben dem Schutz des Botschafters auch die allgemeine Präsentation und aus irgendeiner Laune des Schicksals war meine Kompanie für diese Aufgabe ausgewählt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und abgesehen vom abergläubischen Gemurmel der Matrosen, die mir stets schele Blicke zuwerfen, war die Reise auch ereignislos verlaufen - bis zu jenem Abend.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während der Rest meiner Kameraden sich mit Kartenspielen die Zeit vertrieb, hatte ich das Glück, die eingeschränkte Laune Jerwalsons ertragen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zu jenem Abend, als die Regeln sich änderten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Mal demonstrierte er mir Sammlung, Verdichtung und Konzentration von Mana, die Bindung in Objekte hinein - etwas, was sich bis dahin vollkommen meinem Verständnis entzog (und es noch heute tut). Und dann .. geschah etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann es kaum in konkrete Eindrücke fassen, aber ich erinnere mich an das ungläubige Entsetzen in den Augen meines Lehrmeisters, die vollkommen konfuse Verwirrung, ein Ausdruck der endlich einmal das selbstzufriedene zynische Lächeln von seinem Antlitz wischte. Ich hätte Genugtuung in diesem Augenblick finden können, aber ich war selbst dabei um Atem zu ringen, gebeutelt von unsichtbar bleibenden Mächten, deren Vorbeiziehen meinen Geist wirbeln ließ. Für einen Moment, ich bin bereit darauf zu schwören, konnte ich die Magie sehen und die absurde Art und Weise, wie sie sich in eine unmögliche Richtung verbog. Das, wurde mir bewusst, musste die transitive Eigenschaft der astralen Ebene sein. Oder auch nur eine aus Panik geborene Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles .. bewegte sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe keine bessere Erklärung dafür, keine passenden Worte für die Transformation, die ihre Kraft aus der ungebundenen Kraft meines Lehrmeisters zog. Holz wurde zu Wasser, Metall wandelte sich in Luft, eine Kerzenflamme transformierte vor meinen ungläubigen Augen in eine sich windende Ranke.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Fassungslosigkeit ist das Letzte, an das ich mich erinnere, während die “Siebentrutz” um mich herum auseinanderbrach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach gab es nichts, bis ich die Augen am Strand dieser Insel wieder öffnete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 41|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die Geschichte Ussarias - des Landes das zwischen zwei Gebirgszüge im Norden und Süden eingeklemmt liegt und dem Lauf der Usser bis zur Mündung folgt - erstreckt sich über einen Zeitpunkt von mittlerweile 450 Jahren. Will man der offiziellen Geschichtsschreibung glauben, dann wurde das Land damals von unerschrockenen Siedlern erobert, die vom Meer kommend, das lange Tal in Besitz nahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleiben ein paar Fragen offen, vor allem über die Dinge, die nicht erwähnt werden: Woher kamen diese Siedler? Es gibt keinerlei Erwähnung ihrer ursprünglichen Herkunft, dann und wann zu findende Details machen eher den Eindruck nachdrücklich erdachter Rechtfertigung als fundierter Forschung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Außer Frage steht, dass die Siedler hier recht bald auf ein paar Stämme von kleinwüchsigen und schwächlichen Orks stießen - zumindest wird der Name gebraucht, auch wenn die Beschreibung des Massakers an dem primitiven Volk mich zweifeln lässt: Das kann kaum mit dem modernen Bild eines Orks, wie es mir während meiner Ausbildung vermittelt wurde, in Verbindung gebracht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie dem auch sei, das ganze langgestreckte Tal wurde schließlich erobert und besiedelt, Siedlungen wie Breitenbach, Beiring, Grauhafen und Rossensprung begründet, um letztlich zu unterschiedlich beeindruckenden Städten zu wachsen. Die offizielle Geschichtsschreibung Ussarias beginnt mit der Anlandung der Siedler, im Jahr 73 kam es dann zu der großen Spaltung, ein Ereignis, das auch heute noch bestimmenden Einfluss über die ganze Region hat: Der Erbfolgestreit zwischen zwei Brüdern über die Grafenkrone Ussarias eskalierte und mündete in einem Bürgerkrieg. An dessen Ende stand die Aufspaltung Ussarias in zwei sich gegenseitig nicht anerkennende neue Grafschaft, die offiziell beide noch immer den Namen “Ussaria” führen, heute aber viel mehr als “Siebensteig” und “Auenstein” bekannt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die isolierte Lage des Tals, begrenzt durch Gebirge auf 3 Seiten und durch das Meer auf der vierten, erlaubte es nun über die kommenden Jahrhunderte hinweg dieser Fehde ungestört zu frönen - die politische Situation ist auch heute noch weitgehend unverändert. Die zahlreichen Kleinkriege haben die Grenze oft ein Stück in diese oder jene Richtung verschoben, aber letztlich vermochte es keine Seite die Oberhand zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rossensprung ist der einzige nennenswerte Hafen in Richtung des Meeres, konkurrenzlos trotz der Nachteile die sich durch die Lage im Sumpfdelta der Usser ergeben: Feuchtigkeit ist allgegenwärtig, liegt so dick in der Luft, dass beständig Wasser an den Wänden kondensiert oder von den Fenstern perlt. Nicht zu vergessen, dass die Stadt immer dabei ist im Boden zu versinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das ist gar nicht worauf ich hinaus möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ganze Landstrich brät seit Jahrhunderten im eigenen Saft mit nur geringem Austausch mit anderen Ländern. Kultureller Austausch findet nach meiner Einschätzung nahezu ausschließlich in Rossensprung selbst statt, einfach über hier anlegende Schiffe. Es darf also nicht verwundern, dass ich während meiner Zeit in Breitenbach oder Grauhafen keinen einzigen Nichtmenschen zu Gesicht bekam, erst in Rossensprung kam es zu einigen wenigen Begegnungen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich scheue mich fast, es überhaupt so zu nennen: “Sichtungen” ist ein vermutlich passenderes Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen fremden Völkern ist das der Elfen eindeutig am häufigsten anzutreffen: Es gibt eine kleine Gemeinschaft von Zwergen in Beiring - aber ich habe die Hauptstadt Siebensteigs nie mit eigenen Augen gesehen. Einem Schiff scheint dieses Volk sich aber nur sehr selten anvertrauen zu wollen. Orks kann man bestenfalls in Käfigen bewundern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elfen besuchen die Region häufig genug, dass es zwar so gut wie keine mir bekannten festen Einwohner dieses Volkes gibt, aber dafür einiges an Aberglauben - einiger lächerlich ehrfürchtig, anderer offen feindselig oder herabwertend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein eigenes Erbe war für lange Jahre etwas abstraktes, bedeutungsloses im Hintergrund: Natürlich wusste ich durch die schwärmerischen Erzählungen meiner Mutter von diesem Elfen, der - vermutlich - mein Vater sein musste. Aber ich besaß keine magischen Augen, keine spitzen Ohren, keine angeborene, majestätische Eleganz. Ganz im Gegenteil: Ich war ein Kind, das rasch hinter anderen Kindern meines Alters zurückfiel. Meine Erinnerungen an diese Zeit sind so gut wie nicht vorhanden, einiges existiert nur durch Erzählungen meiner älteren Halbbrüder (die nun selbst schon nahezu vergessen sind), aber das scheint ein durchgehendes Thema gewesen zu sein: Ich lernte später laufen und sprechen, ich war länger eine hilflose Bürde als meine Geschwister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während meine Gefährten der späteren Jahre allmählich zu Erwachsenen heranwuchsen, blieb ich noch ein Kind.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zurückblickend lässt sich das leichter einschätzen, zumindest was die ersten Jahre in Grauhafen angeht: Das war 433, ich war bereits sechzehn Jahre alt, passte aber körperlich und auch geistig viel eher in ein Rudel von Zwölfjährigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnerte mich erst wieder bewusst an meine Herkunft, als ich tatsächlich aufhörte ein Kind zu sein: Zu den sichtbaren Veränderungen gehörten auch die dezenten Ohrspitzen, Aspekte in meinem Antlitz die schon immer dagewesen waren, prägten sich deutlicher hinaus.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich stelle mir vor, dass das in einer anderen, mehr offenen Gesellschaft nahezu unbeachtet geblieben wäre, aber die allermeisten Menschen in Auenstein hatten Elfen so selten einmal gesehen, dass mein Anblick trotz der eher subtilen Anzeichen fälschlich als vollständiges Elfenblut verstanden wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In gewisser Weise amüsant: Mein einziges Zusammentreffen mit einem echten Elfen schlug mir die Unterschiede regelrecht ins Gesicht: Die beeindruckende Größe im Vergleich zu mir, die ungewöhnliche Hautfarbe, die fremdartigen Züge und die Sprache. Nie in meinem Leben war ich mir selbst meiner Unzulänglichkeiten und Makel so bewusst, wie vor dem scharfen Auge des elfischen Händlers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war nicht einmal unfreundlich. Aber die Mischung aus Mitleid und offener Verachtung stach.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 43|CONTENT=&lt;br /&gt;
Vor Jahren fragte Ludwig mich einmal, was ich mit meinem Leben vorhätte. Was die Pläne und Ziele wären, die sich darin finden, die mich beflügeln und motivieren würden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich gut an den Abend: Wir hatten unsere heimlichen Unterweisungen bei der blinden Seherin gerade hinter uns gelassen und waren auf ein paar zusammengenagelten Planken mit einer Laterne in der Hand in die westlichen Sumpfwiesen hinausgestakt. Die meiste Zeit des Jahres stand das Wasser hier eine gute Hand über dem Boden, aber &amp;quot;Boden&amp;quot; war eine irreführende Bezeichnung für eine Sammlung von Schlick, toten Ästen, Blättern und ähnlichem. Er erweckte den Eindruck von Solidität, solange man nicht dumm genug war seinen Fuß darauf zu setzen um diesen Eindruck zu prüfen. Wer dieses Wagnis doch einging, der versank sogleich bis zum Hals ohne je tatsächlich festen Grund unter die Schuhe zu bekommen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Masse zu schwimmen war faktisch unmöglich, selbst für jene, die diese Fertigkeit erlernt hatten - aber solange man nicht zappelte, würde man auch nicht weiter untergehen, sondern im Gleichgewicht treiben. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Entwürdigend, aber nicht sonderlich gefährlich, solange es noch einen Begleiter gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne einen Begleiter sah es anders aus: Dieses Areal hier war die Brutstätte von Brackwasserkrebsen und diese betrachteten alles als Beute, was sich in ihre Reichweite begab. Eben diese Krebse waren aber auch ihrerseits begehrtes Gut: sie wuchsen bis zu doppelter Fingerlänge heran und waren zwar nicht gerade als Delikatesse bekannt, aber dafür in scheinbar unerschöpflicher Menge vorhanden: Wer hier zur Abendstunde hinausfuhr, der konnte immer irgendwo die Lichter anderer Krebssammler sehen. Insbesondere wenn dann Nebel aufzog, streute das Licht der Laternen weit, zeichnete weiche Aureolen, die den halben Sumpf zum glühen brachten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals dachte ich mir nicht viel bei der Frage, aber das Gefühl von Befremdung ist noch immer deutlich im Blick zurück. Was bedeutete diese Frage? Für mich war der Blick nach vorn immer ein sehr kurzer gewesen. Zunächst konzentriert darauf etwas im Magen zu haben oder einen trockenen Platz zum schlafen. Später dann darauf meinen Status zu halten, sich abzeichnenden Gefahren auszuweichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es gab keinen Plan dahinter, keinen Antrieb. Ich ließ mich einfach tragen wie ein Blatt, das der Herbstwind auf eine Reise entführte. Wie farblos war das neben der sprudelnden Vorstellungskraft Ludwigs, der mir bereits im Detail beschreiben konnte, welche Schritte in den kommenden Jahren auf ihn warteten, der voller Zuversicht bereit war sich diese noch ungeformte Zukunft Untertan zu machen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sein Weg schien bereits vorgezeichnet: Abschluss der Schusterlehre, dann Auszug als Geselle aus Rossensprung, danach andernorts formelle Ausbildung zum Jungmagier. Während er mir all das in glühenden Farben beschrieb, hegte ich keinen Zweifel daran, dass es genau so kommen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konnte ich neben dieser überströmenden, schöpferischen Kraft nun einfach die Schultern zucken und zugeben, dass ich ganz zufrieden mit meiner Stelle als Schreiber für Haus Telketh war, dass mich der Sumpf gar nicht so sehr störte, wie die Klagen es manchmal erscheinen ließen, dass selbst die Magie zu mir gekommen war, wie eine unerwartete zusätzliche Hausarbeit auf einer bereits ausführlichen Liste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Sobald ich hier herauskomme, werde ich das Elfenvolk suchen. Nicht einmal um meinen Vater zu finden, sondern einfach um mehr über mein Erbe zu lernen, darüber, wer ich bin und wer ich sein kann.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er strahlte. Und ich fühlte mich .. interessant. Ich lauschte seinen Plänen, fasziniert und erstaunt zu gleichen Teilen über seine Fähigkeit die noch ferne Zukunft mit kraftvollen Worten zu fassen, wie ein Schreiber, der zum ersten Mal Tinte auf noch jungfräuliches Pergament ausbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühlte kein schlechtes Gewissen wegen der rasch gesponnenen Lüge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, Jahre später, verstehe ich die Vergeblichkeit dieser frohen Pläne. Ich habe gesehen, wie die Karten sich ausspielten. Das ist es, denke ich, was es bedeutet aufzuwachsen: Zu erkennen, dass man am Ende doch nur ein Blatt ist, das stärkere Winde herumwirbeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt haben sich mich auf diese Insel hier getragen, an einen Platz dessen Eintönigkeit wie ein Spiegel für mich selbst ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht wird es Zeit, dass ich aus einer alten Lüge endlich eine Wahrheit mache, auch wenn Ludwigs eigene Pläne schon lange nicht mehr das sind, was sie damals waren. Wenigstens einer von uns kann sein Wort halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Tag 49|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ein neuer Tag. Ein alter Tag. Der Regen fällt und die Gespräche laufen, festgefahren in ihren Bahnen wie ein Bach, der sich mit den Jahrhunderten ein Bett in den Fels grub. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum bin ich hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum bin ich noch immer hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wanderung über die ruhig liegende Insel offenbart nichts Neues, selbst im Muster der gegen den Strand laufenden Wellen glaube ich mittlerweile ein Muster zu finden. Das ist irrational, aber allein der Gedanke zerrt bereits an meinen Nerven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin dieses Ortes müde. Wieviele Tage?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich habe aufgehört zu zählen, aber aus den einzelnen Blättern ist ein ganzer Stapel geworden, hastig hingeworfene Erinnerungen an die Lektionen aus dem Mund einer Blinden und eines zynischen Säufers. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenartig, wieviel Trost darin liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde ich dahin zurückkehren, wenn ich könnte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage begleitet mich durch den Tag, bleibt ein treuer Gefährte, während ich auch heute ein neues Blatt Papier eintausche und dem Schneider einmal mehr dabei helfe seine Schere zu schleifen. Die Frage ist an meiner Seite als die Sonne am Nachmittag ihr Gesicht hinter grauen Wolken verbirgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann - unversehens, ungeplant - finde ich mich vor dem scharfen Blick des Fährmanns, der mich fixiert und .. misst. Als wäre er hier nicht Dienstbote, sondern König. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum ersten Mal spüre ich wie die klamme Furcht von mir fällt als er spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;b&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Du hast dir viel Zeit gelassen, Fel.&amp;quot;&amp;lt;/b&amp;gt;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich an diese Stimme. Sie ist ..&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gegenwart: Die Neue Welt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gedanken und Meinungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Ba&#039;thal|CONTENT=&lt;br /&gt;
Er hat keine Gelegenheit ausgelassen um mich daran zu erinnern, was ich bin.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich kann ihm sein Sentiment nicht verübeln: Seine Perspektive ist eine, die sich über mehr Zeit erstreckt als ich mir vorstellen kann. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun macht er gute (oder zumindest neutrale) Miene zum bösen Spiel, aber ich denke er wartet nur darauf die kleinste Verfehlung anklagend gegen mich zu wenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist, das versprechen mir seine Augen, ein Geschöpf dessen Gnade von den Gestaden der Zeit fortgewaschen wurde. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Cillian Lindhain|CONTENT=&lt;br /&gt;
Hinter der lächelnden Fassade versteckt sich ein Mann, der alles daran setzt sich selbst davon zu überzeugen, dass er nichts Ernst nimmt. Ich glaube, er wäre gern ein Zyniker, der für die Welt und ihre Anwohner nurmehr Spott und Verachtung übrig hat. Aber das ist er nicht und ich denke, dass er sich trotz allem jeden Tag ein wenig mehr davon entfernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigenartigerweise, trotz profunder Unterschiede, fühle ich mich ihm mehr verbunden als allen anderen Mitgliedern der Hafengruppe. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich bin nicht ganz sicher warum: Erinnert er mich an das, was Jerwalson in seiner Jugend hätte sein können?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Elira Raureif|CONTENT=&lt;br /&gt;
Sie ist .. befremdlich. In ihrer Weltsicht, die so tut als gäbe es kein Grau zwischen Schwarz und Weiss. In der Art und Weise, wie sie Entscheidungen trifft und zwar sehr viel robuster, als man meinen sollte, mit einer Unverblümtheit, die keinen Raum für Zweifel lässt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
An manchen Tagen denke ich, sie hätte unter anderen Umständen einen formidablen Paladin abgeben können und dann sind da die Momente, in denen meine Paranoia mir zuflüstert, dass sie uns alle - und mich im Besonderen - an der Nase herumführt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal frage ich mich, was Fenrik und sie aneinander finden. Und dann ist es wieder so offensichtlich wie ein Faustschlag ins Gesicht und ebenso schmerzhaft.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Fenrik Wintal|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Mann ist mir ein Rätsel. An der Oberfläche ist alles klar: Ein robuster Raufbold und Tunichtgut, unbekümmert und rasch entschlossen. Unhöflich, handgreiflich, gierig. Ohne Elira als ständiger Quell bedingungsloser Bewunderung und Bestätigung wäre er gewiss eine Gefahr für jede atmende Kreatur in seinem Weg.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Warum ist er hier? Ich nehme ihm seine Liebe nicht für einen halben Herzschlag ab. Aber was plant er? Und wer bezahlt ihn? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie lange wird das noch gutgehen?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Lin Schlehendorn|CONTENT=&lt;br /&gt;
An den meisten Tagen denke ich, dass Lin das einzige wirklich aufrichtige Mitglied der kleinen Hafengruppe ist. Auch wenn ich relativ sicher bin, dass ihr schon diese Einordnung nicht gefallen würde. Sie hat Ambitionen, daraus macht sie keinen Hehl und alles was sie tut ist in irgendeiner Art und Weise diesen fernen Zielen untergeordnet. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ist etwas, was ich nur bewundern kann: Sie lässt sich nicht einschüchtern, ganz gleich wie weit entfernt ein Palast und das tägliche Bad in frischer Stutenmilch aus sein mögen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Vermutung ist daher auch, dass sie an Cillian aus aktueller Bequemlichkeit festhält und nur genau so lange, wie seine Kurzweiligkeit und Nützlichkeit den Aufwand wert sind. Sobald sich am Horizont der Anschein etwas Besseren ergibt, wird sie ihn fallen lassen, wie eine heisse Kartoffel. Ich vermute, das ist ihnen Beiden auch durchaus bewusst.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Livius Quintus|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich dachte ich würde ihn verstehen: Ein Mann der seine besten Jahre bereits hinter sich hat, noch immer hadernd mit dem unvermeidlichen Niedergang. Das ist nichts, was ich nicht zuvor schon andernorts gesehen hätte: Ein Mann gerade balancierend zwischen Selbstverleugnung und Akzeptanz, jemand, der das Versprechen des drohenden Endes bereits am Horizont erahnt und weiss: Es bleibt nicht mehr soviel Zeit, wie man einst dachte. Es wird Zeit die Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Das Haus zu richten. Erben zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nichts davon geschieht. Was bedeutet das? Und welche Rolle spielt Shira dabei?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Gossip|TARGET=Shira|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich weiss nicht, was sie ist. Ich verstehe nicht, was sie motiviert. Ich habe nicht einmal einen Maßstab, um ihre Existenz einzuordnen. Bis vor wenigen Tagen glaubte ich diese Beziehung zu Livius wäre eine von einseitiger Abhängigkeit: Eine mit einem Lächeln angezogene Kette um den Hals des Magiers. Aber nun habe ich meine Zweifel. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschichte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Ankunft in Nebelhafen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Morgen war kühl genug, dass Fel unter der dünnen Decke fröstelte, die sie am gestrigen Abend an den Docks Nebelhafens halb erkauft, halb erbettelt hatte. Eine Schiffsbrüchige konnte nicht wählerisch sein, daran erinnerte sie genauso auch das Knurren des Magens - die eigenartige Frucht, die sie am Feuer unter der Anleitung Noa Feldspans verspeist hatte, war schon lange verdaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hunger war gut. Hunger bedeutete Antrieb und Motivation, solange man ihn nicht soweit wachsen ließ, dass er schließlich am Bewusstein selbst zehrte. In gewisser Weise war all das vertraut: Das Nächtigen an zufällig ausgewählten Plätzen in notdürftig zurechtgemachten Lagern, das Grummeln im Magen zu Beginn jedes Morgen, verlässlicher als selbst das Aufgehen der Sonne, die sich gerade heute hinter einer dichten Wolkendecke verbarg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiss: Die letzten Jahre hatten wenig davon gesehen, aber die Erinnerungen an damals waren präsent, wie tiefe Kerben in Holz, die wieder sichtbar wurden, wenn man die dünne Schicht an Farbe darüber abscheuerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Aber ich bin nicht mehr, wer ich damals war.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam mit einem Fetzen von Reue: Die Ankunft hier in Nebelhafen nach dem Ende der &amp;quot;Siebentrutz&amp;quot; hatte die Möglichkeit eines vollkommenen Neuanfangs geboten, aber ohne den rechten Kopf um damit zu planen, war ihr die Möglichkeit eines falschen, eines neuen Namens nicht in den Sinn gekommen. Nun war es bereits zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wenn Namen Identität sind, dann bin ich allein dadurch an meine Vergangenheit gebunden, wie eine Marionette an ihre Fäden.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Spaziergangs an den Docks entlang, spielte Fel mit dem Gedanken, was ein passender Name gewesen wäre, steigerte sich schließlich in mehr und mehr lächerliche Konstrukte, die sich durch eine Vielzahl von Apostrophen und Zwischensilben auszeichneten, bis der knurrende Magen beinahe vergessen war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese neue Welt .. das war Potenzial. Ein einziger Abend hatte bereits ausgereicht um das zu verdeutlichen: Nicht einmal war sie auf Anhieb auf eine Elfe gestoßen - und eine andere Gestalt, bei der es sich möglicherweise ebenfalls um eine Elfe handelte - noch dazu hatte sich gezeigt, dass es eine Varianz in den Worten der Macht gab: Das stabile Fundament auf dem Fel ihre Ausbildung bis dahin erbaut sah, begann bereits zu bröckeln in Anbetracht dieser neuen Informationen. In Ussaria gab es nur einen einzigen Pfad der Magier - hier gleich deren vier. Was hatte das zu bedeuten? Welche Ordnung ließ sich dahinter ausmachen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Sonne sich endlich aus der Umklammerung der Wolken befreite, erkundete Fel weiter Nebelhafen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Aller Anfang ist schwer|CONTENT=&lt;br /&gt;
Letztlich war Fel nicht vollkommen sicher, wie weit es mit der Gastfreundschaft der Schneiderin tatsächlich her war, aber für den Moment war es ausreichend ein richtiges, wenn auch einfaches Bett zu fühlen, die Möglichkeit zu haben die Türe hinter sich zu schliessen. Die &amp;quot;Siebentrutz&amp;quot; hatte solchen Luxus nicht einmal für ihren Kapitän geboten, umso weniger für mitreisende Gäste, die sich die knappen Schlagplätze in Schichten teilten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Warnung war unverzüglich erfolgt: Nur für zwei Nächte. Aber das waren Sorgen für morgen oder übermorgen. Bis dahin konnte sich bereits alles geändert haben. Schon ein einziger Tag hatte gewaltige Unterschiede gemacht, hatte Fel erlaubt Bekanntschaften zu knüpfen, erste vorsichtige Bande zu flechten - speziell zu dem argwöhnischen Lama, das nun irgendwie zu ihrem Haustier geworden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gleichen Maße hatte Fel aber auch erkannt, wie abgeschieden vom Fortschritt Ussaria mit seinen Jahrhunderten von Eigenbrödelei und Bürgerkrieg war, wie viele Einsichten und Wunder die Welt drumherum kannte. Tränke, mit denen sich Lebewesen zusammenschrumpfen ließen? Sie konnte auf Anhieb nicht einmal ein Prinzip formulieren, um diese erstaunliche Wirkung in Spruchzauberei zu übersetzen.&lt;br /&gt;
Gleich fünf Pfade der Magie warteten hier, erlaubten eine bislang unbekannte Spezialisierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Eindrücke mussten niedergeschrieben, fixiert werden, solange sie noch frisch waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Rückseite eines abgerissenen Aushangs formulierte Fel schliesslich im kargen Licht der einzelnen Talgkerze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;Bislang war für mich die Wirkung und Funktionsweise von Reagenzien simpel: Sie liefern eine spezifische Form von Energie, die bei ausreichender Kompatibilität genutzt werden kann, um einen Zauber zu wirken. Sie sind damit eine der absolut unerlässlichen Grundbedingungen neben den Worten der Macht, Mana und dem Intent. Wenngleich die Wirkungsweise der Reagenzien bisweilen Raum zur Diskussion lässt, war bislang eines zumindest für mich vollkommen klar: Sie liefern eine objektive, theoretisch sogar meßbare Menge an Energie, verlässlich, weitgehend reproduzierbar und gänzlich unabhängig von den Eigenheiten des Zauberwirkers.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Ausführungen von Soryia Schwarz haben mich nun auf die Spur von vier, mir bislang unbekannten Reagenzien gesetzt: Obsidian, Molchaugen, Knochen und Fruchtbare Erde. Diese vier Reagenzien stehen in engem Zusammenhang zu den mir bislang ebenfalls unbekannt gewesenen fünf Pfaden - vieren eben dieser Pfade wird genau eine dieser neuen Reagenzien zugeordnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war noch nicht genau in der Lage zu evaluieren, ob die reine Möglichkeit Energie aus den Rwagenzien zu ziehen, bereits pfadgebunden ist. Falls ja ermöglicht das einige weitere Spekulationen über die dahinterstehenden Prinzipien und damit vielleicht auch eine Erklärung, warum die bekannten acht Reagenzien überhaupt funktionieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seien wir ehrlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir unter den Tausenden und Abertausenden an Stoffen und Teilen dieser Welt ausgerechnet die einzigen acht gefunden hätten, die für Magie geeignet sind, ist so gering, dass es keiner Diskussion wert ist. Ich habe mich daher stets gefragt, ob es nicht noch Unmengen an anderen potentiellen Reagenzien gibt, die sich uns schlicht noch nicht erschlossen haben und - falls ja - was uns daran hindert sie zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik mit den Pfaden lässt mich nun nachdenken, ob noch mehr dahintersteht: Kann es sein, dass etwas an uns Zauberwirkern schlicht mit der richtigen Reagenzie resoniert? Falls ja müsste das aber bedeuten, dass fremdartige Völker oder Rassen dann auch Zugriff auf andere, für uns nutzlose Reagenzien haben könnten.&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Kammer|CONTENT=&lt;br /&gt;
Die kleine Kammer unter dem Dach des Gasthauses war ursprünglich Teil eines weit grösseren Raums gewesen. Findiges Geschäftsinteresse hatte den zuvor brachliegenden Dachboden allerdings rasch als mögliche Goldgrube erkannt: Direkt nach der ersten Welle von Ankömmlingen hier auf dem neuen Kontinent, waren dünne Zwischenwände eingefügt worden, teilten den verfügbaren Platz in präzise, knappe Rechtecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ein wenig wie die Koben eines Schweinestalls.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz zu Beginn - so hatte Fel sich zumindest erzählen lassen - gab es nur Vorhänge aus muffig riechendem Segeltuch jeweils vor den Ausgängen. Dieser Tage versprachen abschließbare Türen zumindest ein wenig private Abgeschiedenheit in den fensterlosen kleinen Kammern, gerade eben gross genug für ein schmales Bett und ein Nachtschränkchen an dessen Kopfende. Bislang war die Enge nur an den heissen Tagen des Sommers ein Problem gewesen: Wenn das Dach sich aufheizte, gab es für die Luft selbst bei geöffneter Türe so gut wie keine Möglichkeit mehr zu entkommen. Aber gutes Wetter versprach eben auch die Möglichkeit von hier zu fortzugehen, auswärts zu schlafen wie viele der Glücklosen, die keine feste Bleibe gefunden hatten und sich mit einem Zelt oder auch nur einer Plane glücklich schätzten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie die Tage aber kürzer und kürzer wurden, stieg der Bedarf an einem festen Dach über dem Kopf und das wiederum trieb die wochenweise zu zahlende Miete für die Unterkunft in stetig neue Höhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Fel verhieß das nichts Gutes: Das Auskommen für Hilfsarbeiten beim Hafen, bei der Korrektur von Büchern und dem Verfassen von Briefen war unregelmässig und gering, gerade eben genug um bislang mit den Preisen für das Leben als solches mitzuhalten. Selbst das Sammeln von Kräutern erwies sich jeden Tag als ein wenig schwieriger, unproduktiver: Die nähere Umgebung Nebelhafens war schon lange abgegrast, dass es nun langwierigere Wege brauchte und damit auch die stetige Gefahr gefährlichen Wildtieren über den Weg zu laufen. Mit der Ahnung des Winters am Horizont schien klar, dass auch diese kargen Einkünfte nicht sehr viel länger halten würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Zumindest hätte ich dann wieder mehr Zeit um etwas zu lernen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Galgenhumor an diesem Gedanken schmeckte ein wenig zu bitter wegen der Wahrheit darin: Die Studien hatten gelitten und die verfügbaren Mittel erlaubten ihr schon länger nicht mehr über Theorien und Worte zu schreiben - weder Papier noch Feder oder Tinte gab es für umsonst und das hieß die begonnene Zusammenfassung einst erworbenen Wissens war zu diesem Zeitpunkt kaum mehr als eine Absichtserklärung. Nicht genug um irgendjemanden von Potential zu überzeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst jetzt gehörten die kostbaren Abendstunden der Arbeit, beugten sich der Notwendigkeit Wäsche zu erledigen, gesammelte Kräuter und Pilzen an aufgespannten Leinen quer durch die kleine Kammer aufzuhängen und die Beute früherer Tage sorgsam zu trocknen und auf mögliche Schäden zu untersuchen. Eine ganze Anzahl Alraunen warteten unter dem Bett nur auf den nächsten Mondwechsel für die weitere Verarbeitung und der schon länger wartende Ginseng war kurz davor in klebrige Paste verarbeitet zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Alles hängt davon ab, dass ich wenigstens diese Kammer hier halten kann. Wo sollte ich das sonst aufgewahren?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei - das hatte sich unverhofft gefügt - war dieser letzte Abend ein erstaunlicher Erfolg in verschiedener Hinsicht gewesen: Zum Einen hatte Fel es fertiggebracht den ersten Teil ihrer Wäsche fertigzustellen ohne den mitgenommenen Stoff weiter zu beschädigen, zum anderen hatte sich ein wenn auch wackeliges Arbeitsangebot ergeben - fast schon genug, um die Warnungen des Magiers in den Hintergrund treten zu lassen. Dessen Anspielungen ließen erahnen, dass es sich bei dem rotbeschopften Barden um einen eher zwielichtigen Gesellen handeln musste: Vielleicht ein Trickbetrüger oder tatsächlich ein an Land gespülter Pirat. Das Gespräch war auf jeden Fall kurzweilig gewesen, eine willkommene Abwechslung zu viel eintönigeren Pflichten und Notwendigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und am Ende: Der Ork. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die geforderte Botschaft zu übermitteln war eine Kleinigkeit gewesen und die dafür gezahlte Belohnung versetzte Fel einen regelrechten Stich: Das so beiläufig ausgeschüttete Handgeld war genug um die Miete der kleinen Kammer für die kommenden zwei Wochen zu zahlen und der Ork schenkte es mit einem barbarischen Grinsen fort, als wäre es bedeutungslos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war ein Gedanke, der bei Fel blieb, während sie noch Stunden später nach oben auf die kreuz und quer verlaufenden Schnüre durch ihr winziges Zimmerchen starrte, darauf wartend, dass die Nachbarn endlich ihren täglichen Streit beendeten und dem Geschrei nicht weniger laute, aber zumindest absehbare Tätigkeit folgen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Gedanken und dem Bild eines lächelnden Dunkelelfen vor Augen tauchte Fel schließlich in das nächtliche Vergessen ein.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Geist und die Dunkelheit|CONTENT=&lt;br /&gt;
Mitten in der Nacht war der Regen gekommen: Unverhofft und unangekündigt, ein Wolkenbruch wie der Wutausbruch eines Kindes, dessen Zorn sich binnen weniger Minuten wieder erschöpfte. Das Trommeln des Wassers auf dem Dach hätte Fel unter anderen Umständen aus dem Schlummer gerissen, aber heute war der tosende Lärm des auf hohl liegende Schindeln fallenden Wassers eine willkommene Abwechslung in schlafloser Unruhe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem vorausgegangen waren Stunden des Starrens auf die kreuz und quer gespannten Fäden, das Blättern in der wilden Sammlung mitgenommener Papiere. Selbst an der Ergänzung der eigenen Notizen mit den Hinweisen und Korrekturen der zufällig besuchten Unterweisung zu den Worten der Macht hatte Fel sich bereits versucht, aber ein um das andere Mal ertappte sie sich dabei, wie die Hand verharrte und die Gedanken zu dem Zusammentreffen des letzten Abends zurückkehrten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hatte der Abend allzu gewöhnlich begonnen: Eine Konfrontation mit dem trübäugigen Nachbarn aus der Nebenkammer, dessen Schnarchen sich später selbst gegen das Tosen des Regens behaupten sollte. Die Zahlung der Miete für die nächste Woche - der Anblick der mühsam verdienten Münzen, die in der Tasche der spröde lächelnden Vermieterin verschwanden, brach Fel schier das Herz. Und natürlich all die kleinen Aufgaben, die zu ergattern sie in der Lage gewesen war: Heu wenden auf einem der Felder, die Fütterung übernehmen für ein ganzes Rudel kläffender Hunde, Wäsche sortieren für besser betuchte Haushalte. Nichts davon war an sich herausfordernd - Zeit war letztlich die einzig notwendige Ressource, die es einzusetzen gab. Besser bezahlte Aufgaben hatte es einige, aber sowohl die Arbeit in einem der Holzfällertrupps als auch die Unterstützung im Bergwerk erforderten mehr Kraft und Durchhaltevermögen als Fel ihr eigen nannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann die Dunkelelfen, das Gespräch in tiefen Schatten vor bröckelnden feuchten Ziegelmauern: süße Versprechen, zusammengewoben mit scharfen Drohungen. Zuckerbrot und Peitsche, die gebende und die bestrafende Hand, beide jeweils ausgestreckt in der vermeintlichen Verheissung einer Wahlmöglichkeit. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Gefahr, obgleich sie das Herz Fels zur Eile trieb, hatte etwas eigenartig Vertrautes, rührte an fast verblassten, ungeliebten Erinnerungen früher Tage. Damals schien jeder Tag von Giganten beherrscht, die aus einer Laune heraus Leben oder Tod brachten. Meist war es besser sich zu ducken, in den Schatten zu verweilen, unaufällig bis die prüfende Aufmerksamkeit vorübergezogen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Aber nicht hier. Nicht mit Kreaturen, die in die Schatten verbannt wurden und darin lebten, bis sie selbst ein Teil davon wurden.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch, nun, da die Gedanken ruhelos über die Ereignisse, die gewechselten Worte und die Eindrücke des Abends kreisten, vermochten sie nicht anders als sich auf Details zu fokussieren, Muster und Möglichkeiten gleichermaßen an die Oberfläche zu zerren. Die Umstände waren .. ähnlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich bin nicht mehr, wer ich damals war. Nicht ganz.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der vermeintlich glatten Front hatte es Spannungen gegeben. Noch keine Sprünge, noch keine Risse, aber vielleicht, wenn an der richtigen Stelle ein wenig gebohrt, ein wenig erprobt wurde ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schlaf mochte auch nach dem Ende des Regens nicht kommen, aber Fel träumte nichtsdestotrotz.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Hoffnungsvolle Suchen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Jeden Tag wurden die Nächte ein wenig länger: Was im Sommer nach ein gemütlicher Spaziergang bequem nach Sonnenaufgang gewesen war, hatte sich spätestes mit der Ankunft des Herbstes gewandelt: Dieser Tage schlich Fel in einen dicken Mantel gewickelt noch vor dem ersten Licht aus dem Tor Nebelhafens, fröstelnd in der klammen Kälte und darauf hoffend, dass die Stiefel einen weiteren Übergriff von Tau überstehen würden. &lt;br /&gt;
Es war immerhin die richtige Jahreszeit für die Suche nach gewissen Moosen und Pilzen, die sich im abgeworfenen Laub der Bäume versteckten - aber dieses offene Geheimnis trieb auch genug Konkurrenz an, dass die zurückzulegenden Wege jeden Tag ein Stück weiter wurden. Nur abseits der ausgetretenen Pfade und der bequemen Wildwechsel ließ sich noch ergiebige Beute machen aber das wiederum zog die Stiefel zusätzlich in Mitleidenschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere, dessen war Fel sich nur zu bewusst, drehten sich zu dieser Stunde noch einmal im Bett um. Das war eine Lektion, die sie bereits früh gelernt hatte: Manche besaßen eine Begabung aus der sie - im übertragenen Sinne - Geld machen konnten: Geschickte Hände, blitzschnelle Auffassungsgabe, eine robuste Natur oder natürliche Streitlust. Andere hatten eifrige Lehrmeister, bemühte Tutoren und geduldige Patrone. Einige vereinten gleich Beides miteinander und vermochten auf diese Weise über sich und ihre Anlagen hinauszuwachsen, reiften zu inspirierenden Koryphäen, zu bedeutenden Anführern oder zumindest bewunderten Handwerkern heran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Gedanken lag eine Erkenntnis, die auch jetzt, Jahre nach dem ersten Bewusstwerden noch immer stach: All das war ausserhalb von Fels Reichweite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei, so sinnierte sie, während sie sich unter dichten Brombeergestrüpp duckte und taufeuchtes Moos behutsam von einem toten Baumstamm entfernte der beinahe vollkommen überwuchert worden war, war das weniger eine Frage der Bereitschaft, als schlicht eine Frage des fehlenden Talents: Kein Geschick für Handwerk, eine gewisse Zielstrebigkeit aber ohne die brilliante Auffassungsgabe, die Andere auszeichnete, generell eine gewisse .. Langsamkeit, vermutlich irgendwo auf den Anteil des elfischen Erbes zurückgehend: Für das alte Volk spielten ein paar Jahre oder sogar Jahrzehnte vermutlich keine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Es ist als hätte ich das Schlechteste von beiden Seiten bekommen. Kein Fisch und kein Fleisch, irgendetwas in der Mitte.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem dichten Moos verbarg sich dichtes, weissliches Pilzgeflecht, dem Fel nun sorgsam zuleibe rückte: Die Berührung von Metall, so hatte man es ihr eingeschärft, würde die besonderen Eigenschaften ebenso ruinieren wie der Einfluss direkten Sonnenlichts. Genauso verboten war jedoch auch der direkte Kontakt mit der Haut, in diesem Falle jedoch nicht wegen eines etwaigen Schadens für den Pilz: Der &amp;quot;austreibende Bortenträger&amp;quot; war berüchtigt dafür auch lebendes Gewebe zu befallen und die farbigen Schilderungen hatten Fel beinahe genug abgeschreckt. Beinahe. Aber die Miete zahlte sich eben nicht allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fund blieb an diesem Morgen der Einzige dieser Art, aber der freie Streifzug hätte sich dennoch ausgezahlt, wenn Fel dann nicht ein Loch in der Sohle ihrer Stiefel entdeckt hätte. Das ruinierte die Bilanz des Tages bereits nachhaltig und gemahnte sie einmal mehr daran, dass es im Wettrennen gegen den kommenden Winter nur einen Sieger geben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Also alles auf eine Karte.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Knappe drei Stunden später wurde in der Bank von Solgard ein Schreiben hinterlegt, die letzten Münzen investiert in frische Tinte und ein neues Stück Pergament.&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=|CONTENT=&lt;br /&gt;
An Livius Quintus,&lt;br /&gt;
Oberster Hüter der Bewahrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Euren Antwort auf meine Aushänge mit Aufmerksamkeit studiert. Vielen Dank dafür: Die Ausführungen haben mir bereits erlaubt einiges an meinen Schlüssen bezüglich der Pfade und ihrer Eigenschaften zu korrigieren und zu ergänzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr habt das Interesse ausgedrückt solche Gespräche auch auf andere Themen auszuweiten. Ich würde Euch hier gern beim Wort nehmen und erbitte hiermit Eure Zeit für eine persänliche Unterredung - zunächst einfach um Erwartungen und Möglichkeiten kurz zu diskutieren. Ich bin mir bewusst, dass Eure Zeit wertvoll ist, würde mich bezüglich eines Termins - und Treffpunktes daher ganz nach Euch richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den besten Grüssen&lt;br /&gt;
Fel Maris&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Im Herzen des Sturms|CONTENT=&lt;br /&gt;
Den ganzen Tag über hatte der Sturm bereits am Horizont gegrollt: Ein dumpfes, beleidigt wirkendes Rumpeln wie von unterdrückter Wut, gefangen in einem Band dunkler Wolken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Betrieb am Hafen tat das keinen Abbruch, nur dann und wann äugten Seeleute herüber, um abzuschätzen, wie viel Zeit noch blieb, um Ladung zu löschen oder einzubringen. Der Sturm, so hatten sie gelernt, war letztlich eine Kraft wie die Gezeiten oder die Strömungen - vielleicht etwas unberechenbarer, aber letztlich in gleicher Weise unvermeidbar. Das hinderte sie nicht daran Gesichter in den sich zusammenballenden Wolken zu suchen, einen Willen hinter den Winden, dem trommelnden Regen und den zuckenden Blitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seeleute, so dass Fel stets gefunden, waren ein abergläubisches Volk, immer bereit Geschichten zu spinnen über zürnende Geister des Meeres, über verfluchte Schiffe und rastlose Suchen nach Schatzkisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Früher, in einer Zeit, die ihr nun wie ein anderes Leben erschien, war das mehr von Bedeutung gewesen als dieser Tage, da sie sich hütete, einen Fuß auf irgendein Schiff zu setzen. Nicht wegen Aberglaube natürlich - nur aus einem gesunden Gefühl von Respekt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Und doch bin ich hier.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gewöhnlich war der Tag von Pflichten gefüllt gewesen: Die Prüfung von Ladungslisten in einem schäbigen kleinen Kontor ganz am Rande des Hafens, das den Eindruck erweckte aus Treibholz und Trümmern zusammengesetzt worden zu sein und nun nur dank störrischer Hoffnungen des Eigners von einem Tag auf den Anderen überlebte. Die Aufsicht über einen vertätschelten winzigen und überaus schlechterzogenen Hund, der in selbstmörderischer Kühnheit alles ankläffte, was sich ihm näherte und mit bemerkenswerter Aggression nach Stöckchen, Fingern und Steinen schnappte. Der Transport ganzer Körbe mit Wäsche, die nur darauf wartete, anschließend gefaltet und gelegt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazwischen hatte es wenig Zeit gegeben, über die Wendungen und Ereignisse der letzten Tage nachzusinnen, über den Impuls von Veränderung, der sich heute - so war zumindest der Plan - in einem vorläufigen Höhepunkt entladen würde. Dabei waren diese Entwicklungen von überwältigender, den ganzen Alltag bestimmender Bedeutung: Das kleine Zimmerchen, welches sie sich nun mit Veronica teilte, war nicht sehr viel günstiger als die winzige Dachkammer, aber es erlaubte eine gewisse Luft zum atmen, war geräumig genug für einen richtigen Tisch und ein paar Stühle. Bis jetzt hatte sich die kleine Wohngemeinschaft als unkompliziert erwiesen, auch wenn die raue Nachbarschaft künftige Probleme erahnen ließ. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Gespräch mit Livius Quintus war schließlich der letzte Anstoß gewesen, hatte den entscheidenden Impuls für den Entschluss geliefert, der dazu führte, dass Fel nun, während die Sturmfront nahte, auf einem winzigen Ruderboot im Hafenbecken Nebelhafens ausharrte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich, dessen war sie sich nur zu bewusst, hätte dies eine Konfrontation auf hoher See sein müssen, heroisch auf Deck eines größeren Schiffes, das sich wagemutig - und trotzig - in den Einflussbereich des Sturms wagte. Das kleine Ruderboot im Hafenbecken war die realistische und halbwegs kostengünstige Variation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Irgendwann sollte ich lernen zu schwimmen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Ausläufer der Sturmfront wühlten das Wasser auf, sprühten Gischt und trugen Regen mit sich, der Fel binnen weniger Momente bis auf die Knochen durchnässte. Es war kalt, kälter als sie erwartet hatte, aber nun war es zu spät für einen Rückzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich war es nicht der Sturm gewesen, der die “Siebentrutz” ihre Existenz gekostet hatte, sondern etwas darin, eine Kraft, die die Magie Jerwalsons verbog und deformierte, sie ausschlagen ließ, bis ihre Berührung Metall zu Wasser und Holz zu Nebel wandelte. Auch jetzt, Monate später, war Fel unbegreiflich, welche Prinzipien dahinter standen, welche Mechanik eine solche Verschiebung verantworten konnte. Aber diese Fragen konnten warten: Damals hatte sie überlebt, willkürlich und zufällig, eine Laune des Schicksals, die in erbarmungsloser Gelassenheit eines von einhundert Leben verschont hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute war sie zurückgekommen, um einen Pakt zu schließen und schrie die Herausforderung, das Angebot gegen das Heulen des Sturms und das Donnern der Blitzschläge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Ich wähle diesen Pfad! Den Weg zwischen den Wegen! Zu verstehen und aufzudecken, zu erforschen und zu begreifen. Nie zufrieden zu sein und nie innezuhalten. Nicht allein für mich, sondern für jene, die nach mir kommen.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu kalt. Andere Worte, sorgsam vorbereitet und auswendig gelernt, erstarben auf zitternden Lippen und schnatternden Zähnen - im Herzen des Sturms, sich an die Wände des schwankenden Ruderbootes klammernd und überschüttet von eisigem Regen verstand Fel, dass sie ihren vorbereiteten Vertrag nicht loswerden würde: Der Sturm war zu überwältigend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Furcht dämmerte Einsicht und ein Moment von Inspiration. Vier weitere kurze Sätze wurden gegen das Grollen geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Weisheit über Willkür!&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Fortschritt über Tradition!&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wahrheit über Täuschung!&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Gemeinsinn über Eigennutz!&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas funkelte in der Dunkelheit des Sturms, blaues Elmsfeuer das knisternd erwachte, auf den hochgezogenen Bordwänden des kleinen Ruderbootes tanzend. &lt;br /&gt;
Und für einen Moment, während sie auf die unruhigen, sich dem Sturm widersetzenden Funken starrte, sich weiter mit aller Kraft am Holz festklammernd, glaubte sie von irgendwo aus dem Sturm die Stimme ihres früheren Mentors zu vernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;b&amp;gt;&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Diese Worte .. werden angenommen.&amp;quot;&amp;lt;/b&amp;gt;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Am Anfang aller Fragen|CONTENT=&lt;br /&gt;
Fels Vorahnungen hatten sich bestätigt: Mit dem Voranschreiten des Herbstes waren die Preise gestiegen und die Greifen zeigten keine Ambition dieser Entwicklung in irgendeiner Weise Einhalt zu gebieten. In Teilen war das nicht verwunderlich: Sie waren – letztlich – eine an Gewinn interessierte Organisation und mit den nach oben wandernden Kosten waren eben auch entsprechende Abgaben, Steuern und Gebühren verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verschlechterte Wetter ließ im gleichen Zug die Nachfrage nach Arbeit sinken und mit steigendem Mangel und wachsendem Druck ging die Bezahlung der Tagelöhner nur zurück. Das, so notierte die Halbelfe ganz nüchtern im Licht einer unruhig flackernden Talgkerze, wäre schon vor mehr als zwei Wochen genug gewesen, um eine harte Entscheidung einzufordern: Entweder wohnen mit einem Dach über dem Kopf – oder Essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Oder Solgard.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass sich die Frage nicht akut gestellt hatte, war nicht etwa Fel selbst zu verdanken, sondern einer puren Laune von Glück, die – natürlich – ganz unvermeidlich mit dem Unglück eines Anderen einherzugehen hatte. Nur der Tod von Meister Konstantin Pherendanz hatte dafür gesorgt, dass aus der flüchtigen Bekanntschaft mit Veronica eine behutsame Freundschaft zu sprießen begann, dass die erstaunlichen Gemeinsamkeiten und die sehr viel weniger verwunderlichen Unterschiede auf eine Art und Weise zusammenpassten, die dafür sorgte, dass es nun ein gemeinsam bewohntes Zimmer in der kleinen Arbeitersiedlung gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kosten dafür waren nicht zu vernachlässigen, aber immerhin stabil und drohten nicht länger jede Woche neue, dieses Mal unerreichbare Höhen zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung ging aber darüber hinaus: Auch wenn die Tage weiterhin von harter, ungeliebter Arbeit gefüllt waren, blieb damit dann doch noch Raum dafür einmal durchzuatmen, um die eigenen Aufzeichnungen zu sichten, die viel zu lange keine Ergänzungen und Korrekturen erfahren hatte, um neue Texte in die Notizen aufzunehmen. Jeder Morgen brachte neue Fragen und die Möglichkeit von Antworten, oft ausgedrückt durch Fragezeichen hinter umkringelten Worten auf geduldigem Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem, so musste Fel anerkennen, hatte sich ihre Lage beträchtlich verbessert: Die Wohnstatt gesichert, der regelmäßige Kontakt mit dem Herren Quintus zur Diskussion allfälliger Fragen, eine kleine Gruppe von .. Bekannten, die von anderer Seite bereits als „Freunde“ bezeichnet worden waren. Die letztliche Wahl eines Pfades.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All die Möglichkeiten, die aus diesem vereinten Bodensatz wuchsen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
All die Gefahren aus den weniger offensichtlichen Nebenbedingungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Untersuchung des Drachenherzens und des Drachenblutes hatte sich als interessant, aber wenig ergiebig erwiesen: Ein fähiger Alchemist hätte etwas aus beiden Materialien schaffen können, aber Fels Kenntnisse dieser Kunst waren so gering, dass sie kaum über das Verkochen von Wasser über einem Brenner hinausgingen. Die Literatur hatte sich hier als interessanter erwiesen und letztlich zu völlig anderen Fragen geführt, wie alle angeführt von einem &amp;quot;Warum?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum funktionierte all das? Warum gab es so viele unbedeutend erscheinende Abweichungen in Details, die aber – wenn man sie dann ganz genau betrachtete – geradezu auf systematische Unverträglichkeiten hindeuteten? Wer hatte all das bereits einmal erforscht und bewertet?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Je mehr Fel über solchen Details brütete, desto mehr verdichtete sich alles auf eine Frage hin:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Warum funktioniert das überhaupt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Wenn der Wald erwacht|CONTENT=&lt;br /&gt;
Zumindest in der Theorie vermochte Fel den Umfang des Feenwaldes zu erfassen: Im Süden begrenzt durch die schroffen Kanten der Trollschluchten, im Osten bis an das Ufer der Nebelbucht ragend, im Westen begrenzt durch das in Sumpf übergehende Jagdrevier der Orks. Auf einem Pergament machten die Linien und schraffierten Farben durchaus Sinn: Wege. Wald. Lichtungen. Eine alte Ruine, hübsch illustriert mit dem Symbol eines geborstenen Helms.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karten versprachen Ordnung. Karten verkündeten den Sieg des Forschers über das Ungebändigte, über das Ungemessene und Unbekannte durch das Anlegen von Maßstäben und die Vergabe von Namen. Die Zähmung der Wildnis war in dem Moment vollkommen, in dem der letzte verwinkelte Strom bis zu seiner Quelle zurückverfolgt und dann in einem glorreichen Moment, für die Geschichtsbücher verewigten Moment, &amp;quot;Bierbach&amp;quot; getauft wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts davon war geeignet gewesen, um Fel auf das Naherlebnis des Feenwaldes vorzubereiten. Alles hier war Chaos, übergangslos ineinander übergehendes Grün, das ohne Plan und Ziel wucherte. Wege öffneten sich nur um später als Wildwechsel im Schatten des allgegenwärtigen Grüns zu versickern, dichtes Gesträuch reckte sich auf Lichtungen, trieb Blüten aus, die dem Lauf der Sonne folgten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und es war laut: Eine nie ferne Kakophonie ungezählter Stimmen, gewoben aus Triumphen und Niederlagen, so vielgestaltig und gleichzeitig beständig wie das Grün selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wenigstens ein Teil von mir sollte etwas drin finden. Muster. Vertrautheit. Gewissheit.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit spürte Fel nichts davon, während sie durch das Zwielicht des Waldes stolperte, über gefallene und moosbewachsene Baumriesen kletterte, vergeblich den Ursprung eines kleinen Bachs suchte, nur um dann, nach gefühlten Stunden des verwirrten Herumirrens mit dem ersten Schritt zurück wieder dort zu stehen, wo sie ihre Reise begonnen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wie kann das sein? Das widerspricht jeder Logik. Ich sollte einen Vorteil hier haben und stattdessen bin ich noch unbeholfener als Fenrik.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke kam mit einem allzu vertrauten Gefühl von Scham, ergänzt durch einen Funken von Zorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor einem Jahr hätte Fel hier aufgegeben, sich die Niederlage eingestanden und dann reumütig nach Hilfe gesucht. Diese Fel hätte akzeptiert und sich bescheidet, geschluckt und gelächelt, wo Tränen angebrachter gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Heute nicht. Du wirst mir das nicht madig machen. Das ist ein besonderer Tag, einer, den ich in Erinnerung behalten werde. Der Tag an dem ich nicht aufgebe, mich nicht entmutigen, mich nicht verscheuchen lasse. Ich werde die Knospe finden!&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Feenwald war es ein Samstag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er blieb indifferent, unbeirrt, unbeeindruckt, unverändert im stetigen Wandel, selbst über den Moment hinaus, als die zornige Halbelfe schließlich doch aufgab, zu erschöpft um weiter zu versuchen diese spezielle Lichtung zu finden und sich, genau wie zuvor, nur ein Halbdutzend Schritte vom Reisepunkt entfernt wiederfand.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Die Ausweisung|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Eure Anwesenheit ist hier generell nicht erwünscht. Geht zu den Edain, doch meidet unsere Länder. Ihr gehört nicht hierher.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trüber Nieselregen versprühte eben genug Feuchtigkeit um die Dächer im Nebelhafen feucht glänzen zu lassen. Aufgeweichte Wege erinnerten unglückliche Passanten bei jedem Schritt daran, dass dies keine Metropole war, keine Stadt, die solchen Wetter die spröde Schulter sorgsam gepflasterter Straßen und Gassen zeigte, sondern ein auf älteren Fundamenten erbauter und ein wenig ausgeuferter Handelsposten. Zumindest theoretisch war eine solche Ansiedlung auf Effizienz und die Bedürfnisse des Handels hin ausgerichtet, was gemeinhin bedeutete, dass das ganze Leben und Handeln der Stadt um Hafen, Marktplatz und Hauptwege herum rotierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch lag der Hafen, der der ganzen Siedlung ihren Namen verliehen hatte, zu dieser Stunde nahezu vollkommen still, kaum ein Licht schien aus den verschiedenen Hütten, Zelten und Wägen unweit, die immer ein wenig den Eindruck erweckten, als hätte die letzte Flut sie hier einfach ungeordnet an Land gespült. Alles atmete den Charme eines Provisoriums kurz vor dem Zusammenbruch aus, zur Permanenz verpflichtet in der Erwartung einer Ablösung, einer Verbesserung, die nie kommen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Selbst sie haben darin eine Bestimmung.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst jetzt, Stunden später, lange nach der stillen, beschämten Flucht aus den Tiefen des Feenwaldes, stachen die Worte des Lichtelfen. Wie eine weißglühende Klinge hatten sie sich tief in das Herz gebohrt, altes, vernarbtes Gewebe aufgerissen, das nun ohne Unterlass zu bluten schien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Als hätte ich nur darauf gewartet. Verdammter B....&#039; &amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst in Gedanken vermochte Fel die Beleidigung nicht zu vollenden, scheute zurück vor der Grobheit, vor dem drohenden Ausbruch und starrte stattdessen auf die vom Nieselregel eigenwillig geglättete Oberfläche des Meeres. Und selbst jetzt wunderte sich ein Teil von ihr darüber, welchen Namen dieses Wasser wohl auf den offiziellen Karten tragen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Neugier hatte sie auf allen Irrwegen durch den Feenwald begleitet, war bei ihr gewesen bei jedem Schritt auf der Suche nach Shiras Knospe und der Lichtung darum. Als sich Fehlschlag an Fehlschlag reihte, war es aber nicht die Neugier gewesen, die ihr verboten hatte nach Hilfe zu suchen, die gefordert hatte nicht aufzugeben. Purer Trotz hatte den Verstand abgeriegelt, die Emotionen aufgebauscht. Noch ein Versuch. Nur noch einer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich vergeblich: Es hatte die Ankunft Eliras und Cillians gebraucht, dazu die Begleitung einer bislang gänzlich unvertrauten Hochelfe namens Nyriel, damit Fel den Platz schliesslich wiederfand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Eure Anwesenheit ist hier generell nicht erwünscht. Geht zu den Edain, doch meidet unsere Länder. Ihr gehört nicht hierher.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worte, das hatte sie bereits früh gelernt, waren aus sich selbst heraus bedeutungslos, nur mit der Macht beseelt, die ihnen eingeräumt wurde: Sowohl von dem, der ein Ultimatum aussprach oder Gefolge einforderte, als auch von dem, der sein Haupt beugte oder nach einer Zurückweisung erzitterte. Die Zeit auf den Straßen Breitenbachs war ein kalter Lehrmeister gewesen, ungnädig und erbarmungslos, hatte Fel ein um das andere Mal gezeigt, wie Worte und Taten einen Einklang erforderten und wie sich mit dem Einen das Andere vortäuschen ließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dennoch: Der Schmerz war nicht zu leugnen, ließ sich nicht davonlächeln oder überspielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Weil es wahr ist. Selbst der Wald wusste es: Ich gehöre nicht dorthin. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber ich gehöre auch nicht hierher.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Es gibt keinen Platz für mich.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und während der Regen über Nebelhafen allmählich stärker wurden, richteten die Gedanken der Halbelfe sich in die Vergangenheit, streiften erneut den Tag an dem die kleine Hütte leer gewesen war. Den Tag an dem die blinde Seherin dem Galgen überantwortet wurde. Den Tag eines Handels mit einem Mann, dessen Selbstverachtung seine Brillianz noch überstieg. Den Tag eines stillen Verrats an allzu lang gepflegter Hoffnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas .. regte sich in Fel, ein unwillkürlicher Reflex, der die Gedanken aus der selbstgewählten Trübheit riss und zu einem anderen Tag zurückführte, einer, der voller Verheissung und Versprechen gewesen war, zurück in ein Zelt, in dem eine alte Frau Karten mischte und sie verdeckt vor Fel auslegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Vergangenheit und Gegenwart sind benannt. Das hier ist der wahrscheinlichste Pfad deiner Zukunft. Eine Karte beschreibt das Schicksal. Eine zweite beschreibt, was dir dabei hilft. Die dritte schliesslich ist das größte Hindernis auf deinem Weg. Deck auf.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Woher weiss ich, welche der drei für was steht?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Das ist fast die beste Frage die ich in diesem Zelt in diesem Jahr gehört habe. Nun decke auf, Kind. Ich werde es für dich erläutern.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Mal gehorchte Fel und deckte die drei Karten nacheinander auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Der Gehängte. Der Magier. Der Stern.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Interessant. Ich habe selten eine so klare Kombination gesehen: Deine Zukunft ist der Stern: Du wirst dein Glück, deine Bestimmung finden. Der Stern ist ein machtvolles Zeichen der Hoffnung und Erfüllung. Interessanterweise steht er auch für das Elfenvolk. Das ist überaus gut und könnte bedeuten, dass du letztlich auch hier dein Schicksal findest.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dir zur Seite steht dafür der Magier, dessen Anleitung und Weisung dich auf den richtigen Weg bringt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hüten musst du dich vor dem Gehängten, der hier fast schon wortwörtlich genommen werden muss: Das ist das argwöhnische Auge des Gesetzes, das alles verderben kann, was dir der Stern verheißt.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erinnerung trieb zurück in das Zwielicht ungeformter Gedanken und möglicher Ideen, umrankt von anderen, daran geknüpfter Gedanken, hinterlassen in Aufzeichnungen, die dem Zorn des Meeres zum Opfer gefallen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich habe es nie geglaubt. Schon damals spürte ich die Diskrepanz, die Ungewissheit. Denk nach. Es gibt nicht so viele mögliche Kombinationen. Welche davon ist die Richtige? Welche ist die Richtige?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es regnete weiter und der trübe, wolkenverhangene Nachthimmel Nebelhafens sah gleichmütig hinab auf die erschöpfte, schon lange durchweichte Halbelfe am äußersten Rand des ins Meer führenden Stegs, die verbissen versuchte ein Rätsel zu lösen, das sich dem Begreifen immer entziehen würde. Und hätte dieser Nachthimmel ein Numen besessen, dann hätte dieses sich vielleicht dazu bewegt gefühlt (mit der Stimme eines gewissen L.Q.) einen spöttischen Kommentar abzugeben über Menschen - und Menschenähnliche - die sich selbst zu ernst nahmen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Im Dunkel|CONTENT=&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Bringt mir nur den Kopf von Golga von Assuan. Oder, noch besser, ihn lebend. Dann lasse ich Euch sogar nach Caladlorn ein.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scham folgte dem Zorn bereits in dem Moment als Fel die Füße über die Schwelle des Gasthauses setzte, hinausfloh in den winterkalten Abend Nebelhafens und den trüben Nebel, der träge über mit Raureif überzogenen Wegen hing. Die Wolken, die noch am späten Nachmittag Regen angedroht hatten, waren abgezogen, hatten den Himmel aufklaren lassen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu einem anderen Zeitpunkt hätte die Halbelfe den vielfachen Glanz der Sterne sicherlich mit einer gewissen Neugier honoriert, aber jetzt führten rasche Schritte sie weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur kleinen, mit Veronica geteilten Wohnung? Unmöglich.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu den Docks und den dort dem Wetter trotzenden Zelten, wo alle dieser Tage andere, eigene Sorgen hatten? In gleicher Weise mehr als unangemessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also führte die Flucht sie in die Tiefe, hinab durch den Keller der Falkenrast in die klamme Feuchtigkeit der Unterwelt Nebelhafens - Eingeweide, die schon lange vor dem Handelsposten hier gewesen waren und vermutlich auch nach ihm noch da sein würden. Manche der tropfenden Gänge waren hoch und so breit wie schiffbare Kanäle, andere duckten sich sehr viel enger zusammen, boten Moosen und Algen allerlei Lebensraum. Kaum ein Platz, an dem sich nicht die Schritte von Ratten vernehmen ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das war Fel auf schwer zu greifende Art und Weise .. vertraut. Nicht, weil sie bereits viel Zeit hier unten zugebracht hätte, sondern in der Art, wie sich ähnliche Erfahrungen auf neue, unbekannte Umstände übertragen ließen. Auch im Berg hatte es Feuchtigkeit gegeben, stetig von der Decke tropfend, Ratten und anderes Getier durchwanderten die steinernen Gedärme der längst aufgegebenen Bergwerksbereiche hinab in jene Tiefen, in denen auch dieser Tage noch gearbeitet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Berg hatten die Verurteilten die Steine gebrochen und nach oben gekarrt, ohne bis zum Ablauf ihrer Strafe je wieder das Tageslicht zu sehen. Hier, in den Tiefen unter Nebelhafen, wurde weder nach Quarzen noch nach Metallen geschürft, aber trotzdem gab es hier Menschen: Glücklose und Verzweifelte, Gierige und Unangepasste. Manche, die ein Sturm hier hinab gespült hatte und Andere, die hier freiwillig lauerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und trotz des Gefühls der brennenden Demütigung, erbaut aus dem Zusammenwirken gleich dreier so grundverschieden wirkender Männer, erinnerte sich an Teil von Fel an eine nicht unähnliche Flucht vor mehr als einem Vierteljahrhundert, an die Panik in den enger und enger werdenden Stollen und schliesslich Rissen im Felsen, durch die sich selbst ein für die Jahre ungewöhnlich kleines Kind letztlich nicht mehr zu quetschen vermochte. Wie damals trug sie auch heute weder Fackel noch Laterne bei sich, aber dieser Tage war die Magie ein vertrauter Begleiter, der die Dunkelheit zurückhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Wie habe ich damals etwas gesehen? Magie? Aber das war vor meinem Erwachen, war es?&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gang, dem Fel gefolgt war, geduckt auf den letzten zwanzig Schritten, öffnete sich in eine Kreuzung mit drei abgehenden Kanälen, alle nicht breiter als die Schultern eines Mannes und nur halb so hoch. Ein Funke von Licht aus dem Rechten versprach irgendeine Form von menschlicher Präsenz, also duckte Fel sich nach links, folgte dem Lauf gurgelnden Wassers in diese Tiefe und wartete darauf, dass der zähe Klumpen ohnmächtiger Demütigung sich allmählich in klamme Resignation verwandelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kalte Abweisung des Lichtelfen war nach dem letzten Zusammentreffen nicht unerwartet gekommen, aber heute hatte sich eine besondere, fast schon persönliche Qualität dazugesellt. Jede einzelne seiner spitzen Bemerkungen war wie der Stoß eines Rapiers - immer auf die Schwachstellen zielend, nicht darauf aus zu töten, sondern zu verwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Zu demütigen.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das allein - so redete sich sich zumindest ein, während sie einen halb aufrechtführenden Gang emporkletterte, hinweg über von Algen bewachsene Stufen und vorbei an in die Wände eingelassenen Bronzerohren, die ins Nirgendwo zu führen schienen - wäre kaum ausreichend gewesen um ihre Beherrschung zu brechen, aber dass die Herren Feldspan und Tyladriel sich schliesslich gefallen hatten noch selbst in bereits gerissene Wunden zu stechen: Das hatte das Faß zum überlaufen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dem Moment war Flucht die einzige Lösung vor dem aufkochenden Zorn und der unmittelbar folgenden Schuld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Ich hätte darüber stehen sollen. Ein paar seichte Scherze, eine Flasche Wein. Ist das nicht, was ich gelernt habe? Die Lügen sind leicht. Nur die Wahrheit schmerzt.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu spät wurde Fel bewusst, dass sie, sich den Kopf zerbrechend, unwillkürlich doch einem der vagen Lichter gefolgt sein musste bis hier zu dieser Kammer, in die sie aus der Wandöffnung heraus stolperte in ein behelfsmässiges Lager voller Kisten und Säcke. Hehlerware, zur Seite geschafft unter Umgehung der Greifen, vorbei an der ohnehin schon laxen Hafenaufsicht. Drei Augenpaare starrten herüber auf die durchnässte Gestalt, im ersten Moment verplex, dann alarmiert. Eben noch zwischen den Fingern gehaltene Karten fielen auf ausgelegte Bretter hinab, während nach einem Messer gegriffen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Fel spürte, noch während sie einen halben Schritt zurückwich, wie aller Schmerz und alle Scham sich lösten. Das hier war, in vielerlei Hinsicht, so vertraut wie die Rückseite der eigenen Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Kalle sagt in der Drecksbude findet man nichts.&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&amp;quot;Was?&amp;quot;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Moment der Irritation war genug, um ihr den eiligen Rückzug zu ermöglich, zurück in das enge Rohr, zunächst nur gefolgt von einem Fluch, bevor die drei sich an die Verfolgung machten. Schon nach einem Halbdutzend Schritten war Fel sich gewiss, dass keiner der Häscher sie hier einholen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;i&amp;gt;&#039;Vielleicht ist das ja der richtige Ort für mich. Im Dunkel, wo die Sonne mich nicht sehen muss.&#039;&amp;lt;/i&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|TITLE=Der Kampf um Nebelhafen, Tag 1|CONTENT=&lt;br /&gt;
Der Lärm des Schlachtfeldes war genau so, wie Fel sich das Aufeinandertreffen wütender Götter vorstellte: Eine kolossale Kakophonie an Schreien und Befehlen, das ununterbrochene Klirren von Stahl auf Stahl, die dumpferen Laute stampfender Schritte, von keuchendem Atem und dazwischen das Flirren von Magie in allen Farben und Formen. Wie orientierte sich irgendjemand hier überhaupt? Die Angreifer trugen eine einheitliche Uniform: Schwarz und Orange, das machte es zumindest einfacher sie zu identifizieren, während die Verteidiger einen bunten Haufen darstellten, so gegensätzlich wie nur möglich in Erscheinungsbild, Auftreten und Strategie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dennoch, so zumindest Fels Eindruck, während sie sich hinter einen Heuballen duckte, schien jeder hier irgendwie eine Ahnung zu haben, von dem was zu tun war. Es war Chaos, aber mit einem Muster darin, das an ihren Sinnen kitzelte: Sichtbar, ja. Aber nicht so deutlich, dass sie in der Lage gewesen wäre sich daran anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein fehlgeleiteter Pfeil durchschlug den Heuballen ohne Mühe, bohrte sich nur eine Schulterbreite hinter Fel in die Wand des schon lange geräumten Stalls und beendete damit die unschlüssige Tatenlosigkeit. Es gab keinen sicheren Ort hier, nicht einmal am Rande des Getümmels. Die kleine Gruppe in deren Kielwasser sie hierher gekommen war, war schon längst zersprengt, aus den Augen verloren faktisch im ersten Moment des ausbrechenden Kampfes. Vielleicht verletzt irgendwo. Vielleicht tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde es bei den Zelten sicherer sein? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Lärm steigerte sich zu einem Crescendo, der Fel die Ohren klingeln ließ, aber die Bewegung auf dem Schlachtfeld verhieß eine Strömung in Richtung Norden und sie nahm die Gelegenheit war um geduckt in Richtung Osten zu eilen, über die kleine Brücke in Richtung des Hafens. Das plötzliche flaue Gefühl im Magen, der Moment des Zögerns und der Blick über die Schulter zurück, retteten ihr Leben: Ein Pfeil, der zielsicher die Luft dort durchschnitt, wo sie nur einen Moment später gewesen wäre, riss nur den Stoff des Hemdes an der Schulter entzwei, das Zischen der schwarzen Federn lautlos im brodelnden Lärm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gnadenlose Augen nahmen Maß, ein weiterer Pfeil wurde auf die Sehne gelegt in einer einzigen, flüssigen Bewegung und Fel riss die Hände hoch, die Geste ausführend, die in den letzten Wochen, noch während der Ereignisse um Hornblume, eingeübt worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;An Ex Por!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zauber griff bevor der Bogen vollkommen gespannt war, lähmte alle Bewegungen des hünenhaften Bogenschützen und als Fel zurückwich, spürte sie neben der Erleichterung eine andere, schwerer zu greifende Zufriedenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ich bin keine Mörderin.&amp;quot; - das hatte sie Ba&#039;thal entgegengeschleudert und die Wahrheit darin glühte wie ein warmer Punkt in der Mitte ihrer Seele. Auch jetzt, hier, nutzlos auf einem Schlachtfeld, würde sie davon nicht ..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gestalt in dunkelgrauem Leder nahm die Gelegenheit war, schlang einen Arm um den Kopf des noch immer gelähmten Schützen und zog eine gebogene Klinge so fest am Halsschutz vorbei über die Kehle, dass Fel hätte schwören können die Knochen zu sehen. Nur einen Lidschlag später war es schon vorbei: Noch während die Fontäne aus Blut in Richtung der Brücke sprühte, war der Ledergerüstete schon weiter, wob mit einer Agilität und einem Geschick durch das Kampfgeschehen, als wäre das hier ein natürliches Zuhause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon bekam Fel nichts mehr mit: Ihr sich umdrehender Magen forderte für das nächste Dutzend Herzschläge all ihre Aufmerksamkeit ein, der gute Kanincheneintopf letztlich doch verschwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein winziger, eigenwillig abgekoppelter Teil von ihr war amüsiert: Jetzt sahen die Fleischbröckchen in der Tat viel mehr nach Ratte aus.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Theatralische_Konvergenz&amp;diff=470</id>
		<title>Theatralische Konvergenz</title>
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		<updated>2025-11-30T07:07:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Fels Notizen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Präambel ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Livius Quintus Theorie der Weltenschlange funktioniert ungefähr so: Die Weltenschlange war, ist und wird sein. Sie umfasst alles vom Anfang bis zum Ende. Alles was wir tun oder lassen, ist der Weltenschlange bereits bekannt, denn sie existiert in jedem Moment vom Anfang bis zum Ende der Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutet: Was immer wir glauben zu tun und zu entscheiden ist bereits vorherbestimmt, was wir als sich entwickelnde Zukunft wahrnehmen ist nur ein Ausdruck unserer eingeschränkten Fähigkeit in der Zeit voran zu sehen. Wir sind, zwangsläufig, nur Passagiere auf einem Schiff in Richtung Morgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen davon, dass ich diese Vorstellung für erschreckend halte, bietet sie aber eine interessante Diskussionsgrundlage und ein Möglichkeit die Natur der Welt und ihrer Entwicklung durch eine ganz spezielle Linse zu betrachten und zu interpretieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus ergab sich für mich ein Gedankenspiel, das ich auf den Namen &amp;quot;Theatralische Konvergenz&amp;quot; taufte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Theatralische Konvergenz ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Grundbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vollständige Wissen der Weltenschlange über jeden Moment vom Anfang bis zum Ende aller Zeit bedeutet, dass jeder Augenblick den wir erleben, ganz gleich ob in ferner Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, für die Weltenschlange eine Erinnerung ist. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Abbildung eines Systems ist immer eine Abstrahierung und Vereinfachung, ansonsten wäre es schlicht eine Kopie. Das heisst: Was wir erleben ist entweder eine reduzierte und damit zusammengeschrumpfte Abbildung oder es ist die eigentliche Realität und keine Abbildung. Die Grundprämisse weist also darauf hin, dass die Erinnerung der Weltenschlange zeitgleich die Realität formt - wir sind, wenn man so will, Bestandteile eine gewaltigen allumfassenden Traums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke der theatralischen Konvergenz greift diesen Gedanken nun auf und ergänzt um folgende These: Träume haben Schärfen und Unschärfen, Teile davon verblassen in den Hintergrund, während andere Teile klar im Fokus liegen. Genauso verhält sich auch der Traum der Weltenschlange: Es gibt Orte und Zeiten auf denen sich der Traum der Weltenschlange konzentriert und andere, die in vager Unbestimmtheit verbleiben, um dann erst dann wirklich &amp;quot;realisiert&amp;quot; zu werden, wenn es notwendig wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hinweise und Argumente ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Anhäufung von Katastrophen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für uns als Passagiere und Bestandteile des Traums ist es unmöglich zu erkennen, in was für einer Art von System wir uns befinden, solange wir nicht Hinweise von ausserhalb bekommen - und genau diese Hinweise erhalten wir indirekt durch die Beobachtung der Welt selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man sich das zurückliegende Jahr ansieht, lassen sich eine Anzahl von globalen Katastrophen ausmachen mit eine Wirkung weit über diese Insel hinaus. Dennoch waren Ursache und Lösung stets auf der Insel selbst zu finden. Für die zahllosen Völker ausserhalb diesen winzigen Brennpunktes muss das eigenartig aussehen: Aus dem Nichts treten absurde Störungen auf und verschwinden genauso vermeintlich grundlos wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfach Logik legt nahe, dass sich solche globalen Katastrophen auch anderswo abspielen und uns beeinflussen müssten, dergleichen ist aber in keinster Weise zu beobachten. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Schluss liegt nahe: Die Aufmerksamkeit der Weltenschlange, ihr Traum, ist gerade auf diese Insel, auf diese Zeit fokussiert. Was wir als statische Realität wahrnehmen, ist das Auge eines Sturms der Unbestimmtheit - nichts ausserhalb ist in gleicher Weise herausmaterialisiert und würde erst in dem Moment &amp;quot;wirklich&amp;quot;, in dem es die Bühne betritt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke der &amp;quot;theatralischen Konvergenz&amp;quot; legt nahe, dass die Weltenschlange auf diesen Fokuspunkt nun Ereignisse aus der Gesamtheit ihrer Erinnerungen projeziert, was zu einer massiven Anhäufung von welterschütternden Ereignissen und zu einer beindruckenden Sammlung herausragender Persönlichkeiten führt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Grossteil der Geschichte ist nun einmal eine banale Abfolge von Bedeutungslosigkeiten, die von der Weltenschlange verdichtet oder übersprungen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Natur der Numen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wenigen Male, die ich das Auftreten der als &amp;quot;Numen&amp;quot; bezeichneten Naturgeister bislang beobachten konnte, liessen mich stets vollkommen frappiert zurück. Die pure Vorstellung, dass sich an jedem Ort und jedem Ding ein potentieller Naturgeist befinden sollte, noch dazu mit der Fähigkeit zur Sprache und der Fähigkeit auf eine verständliche Weise mit Menschen zu kommunizieren, ist absurd - solange man nicht die Existenz einer umfassenden Erinnerungsebene voraussetzt, aus der zu jeden Zeitpunkt heraus eine Präsenz herausmaterialisiert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die These der theatralischen Konvergenz löst dieses Problem glänzend: Der Fokuspunkt wird schlicht auf einen langweiligen Stein oder einen unbedeutenden Baum erweitert, ein passendes Schema an Ereignissen extrahiert und durch das alles umschliessende Wissen der Weltenschlange gefüllt: Und schon erscheint ein Naturgeist, der sich mit der menschlichen Zivilisation auskennt, aller Feinheiten unserer Sprache gewahr ist und noch dazu präzise Erinnerungen für relevante Ereignisse aufweist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist unter normalen Umständen so wahrscheinlich, wie auf Geradewohl in eine Bibliothek zu spazieren, mit geschlossenen Augen ein Buch zufällig zu wählen, es aufzuschlagen und genau an der Stelle die notwendige Information zu finden. Absurd? Nicht, wenn man die Maßstäbe der theatralischen Konvergenz anlegt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rückwirkende Bedeutungslosigkeit ====&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Theatralische_Konvergenz&amp;diff=469</id>
		<title>Theatralische Konvergenz</title>
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		<updated>2025-11-30T07:06:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Grundbestimmung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Fels Notizen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Präambel ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Livius Quintus Theorie der Weltenschlange funktioniert ungefähr so: Die Weltenschlange war, ist und wird sein. Sie umfasst alles vom Anfang bis zum Ende. Alles was wir tun oder lassen, ist der Weltenschlange bereits bekannt, denn sie existiert in jedem Moment vom Anfang bis zum Ende der Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutet: Was immer wir glauben zu tun und zu entscheiden ist bereits vorherbestimmt, was wir als sich entwickelnde Zukunft wahrnehmen ist nur ein Ausdruck unserer eingeschränkten Fähigkeit in der Zeit voran zu sehen. Wir sind, zwangsläufig, nur Passagiere auf einem Schiff in Richtung Morgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen davon, dass ich diese Vorstellung für erschreckend halte, bietet sie aber eine interessante Diskussionsgrundlage und ein Möglichkeit die Natur der Welt und ihrer Entwicklung durch eine ganz spezielle Linse zu betrachten und zu interpretieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus ergab sich für mich ein Gedankenspiel, das ich auf den Namen &amp;quot;Theatralische Konvergenz&amp;quot; taufte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Theatralische Konvergenz ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Grundbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vollständige Wissen der Weltenschlange über jeden Moment vom Anfang bis zum Ende aller Zeit bedeutet, dass jeder Augenblick den wir erleben, ganz gleich ob in ferner Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, für die Weltenschlange eine Erinnerung ist. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Abbildung eines Systems ist immer eine Abstrahierung und Vereinfachung, ansonsten wäre es schlicht eine Kopie. Das heisst: Was wir erleben ist entweder eine reduzierte und damit zusammengeschrumpfte Abbildung oder es ist die eigentliche Realität und keine Abbildung. Die Grundprämisse weist also darauf hin, dass die Erinnerung der Weltenschlange zeitgleich die Realität formt - wir sind, wenn man so will, Bestandteile eine gewaltigen allumfassenden Traums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke der theatralischen Konvergenz greift diesen Gedanken nun auf und ergänzt um folgende These: Träume haben Schärfen und Unschärfen, Teile davon verblassen in den Hintergrund, während andere Teile klar im Fokus liegen. Genauso verhält sich auch der Traum der Weltenschlange: Es gibt Orte und Zeiten auf denen sich der Traum der Weltenschlange konzentriert und andere, die in vager Unbestimmtheit verbleiben, um dann erst dann wirklich &amp;quot;realisiert&amp;quot; zu werden, wenn es notwendig wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hinweise und Argumente ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anhäufung von Katastrophen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für uns als Passagiere und Bestandteile des Traums ist es unmöglich zu erkennen, in was für einer Art von System wir uns befinden, solange wir nicht Hinweise von ausserhalb bekommen - und genau diese Hinweise erhalten wir indirekt durch die Beobachtung der Welt selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man sich das zurückliegende Jahr ansieht, lassen sich eine Anzahl von globalen Katastrophen ausmachen mit eine Wirkung weit über diese Insel hinaus. Dennoch waren Ursache und Lösung stets auf der Insel selbst zu finden. Für die zahllosen Völker ausserhalb diesen winzigen Brennpunktes muss das eigenartig aussehen: Aus dem Nichts treten absurde Störungen auf und verschwinden genauso vermeintlich grundlos wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfach Logik legt nahe, dass sich solche globalen Katastrophen auch anderswo abspielen und uns beeinflussen müssten, dergleichen ist aber in keinster Weise zu beobachten. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Schluss liegt nahe: Die Aufmerksamkeit der Weltenschlange, ihr Traum, ist gerade auf diese Insel, auf diese Zeit fokussiert. Was wir als statische Realität wahrnehmen, ist das Auge eines Sturms der Unbestimmtheit - nichts ausserhalb ist in gleicher Weise herausmaterialisiert und würde erst in dem Moment &amp;quot;wirklich&amp;quot;, in dem es die Bühne betritt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke der &amp;quot;theatralischen Konvergenz&amp;quot; legt nahe, dass die Weltenschlange auf diesen Fokuspunkt nun Ereignisse aus der Gesamtheit ihrer Erinnerungen projeziert, was zu einer massiven Anhäufung von welterschütternden Ereignissen und zu einer beindruckenden Sammlung herausragender Persönlichkeiten führt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Grossteil der Geschichte ist nun einmal eine banale Abfolge von Bedeutungslosigkeiten, die von der Weltenschlange verdichtet oder übersprungen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Natur der Numen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wenigen Male, die ich das Auftreten der als &amp;quot;Numen&amp;quot; bezeichneten Naturgeister bislang beobachten konnte, liessen mich stets vollkommen frappiert zurück. Die pure Vorstellung, dass sich an jedem Ort und jedem Ding ein potentieller Naturgeist befinden sollte, noch dazu mit der Fähigkeit zur Sprache und der Fähigkeit auf eine verständliche Weise mit Menschen zu kommunizieren, ist absurd - solange man nicht die Existenz einer umfassenden Erinnerungsebene voraussetzt, aus der zu jeden Zeitpunkt heraus eine Präsenz herausmaterialisiert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die These der theatralischen Konvergenz löst dieses Problem glänzend: Der Fokuspunkt wird schlicht auf einen langweiligen Stein oder einen unbedeutenden Baum erweitert, ein passendes Schema an Ereignissen extrahiert und durch das alles umschliessende Wissen der Weltenschlange gefüllt: Und schon erscheint ein Naturgeist, der sich mit der menschlichen Zivilisation auskennt, aller Feinheiten unserer Sprache gewahr ist und noch dazu präzise Erinnerungen für relevante Ereignisse aufweist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist unter normalen Umständen so wahrscheinlich, wie auf Geradewohl in eine Bibliothek zu spazieren, mit geschlossenen Augen ein Buch zufällig zu wählen, es aufzuschlagen und genau an der Stelle die notwendige Information zu finden. Absurd? Nicht, wenn man die Maßstäbe der theatralischen Konvergenz anlegt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rückwirkende Bedeutungslosigkeit ===&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Vorlage:Fels_Notizen&amp;diff=468</id>
		<title>Vorlage:Fels Notizen</title>
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		<updated>2025-11-30T06:57:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Box|DISPLAY=FLAT|TITLE=&amp;lt;center&amp;gt;[[Fel Maris&#039; Notizen]]&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
|CONTENT=&lt;br /&gt;
{{Subnavigation|NAME=Grundlagen|CONTENT=Worte der Macht,Reagenzien,Mana,Pfade der Magie,Kleine Schulzauber}}&lt;br /&gt;
{{Subnavigation|NAME=Systeme|CONTENT=Enigmatischer Dualismus,Erweiterter Elementarismus,Quintussenz Idiom, Theatralische Konvergenz}}&lt;br /&gt;
{{Subnavigation|NAME=Anderes|CONTENT=Numen,Kreatur beschwören}}&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Theatralische_Konvergenz&amp;diff=467</id>
		<title>Theatralische Konvergenz</title>
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		<updated>2025-11-30T06:56:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: Die Seite wurde neu angelegt: „{{Fels Notizen}}  == Präambel ==  Livius Quintus Theorie der Weltenschlange funktioniert ungefähr so: Die Weltenschlange war, ist und wird sein. Sie umfasst alles vom Anfang bis zum Ende. Alles was wir tun oder lassen, ist der Weltenschlange bereits bekannt, denn sie existiert in jedem Moment vom Anfang bis zum Ende der Zeit.  Das bedeutet: Was immer wir glauben zu tun und zu entscheiden ist bereits vorherbestimmt, was wir als sich entwickelnde Zukunft…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Fels Notizen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Präambel ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Livius Quintus Theorie der Weltenschlange funktioniert ungefähr so: Die Weltenschlange war, ist und wird sein. Sie umfasst alles vom Anfang bis zum Ende. Alles was wir tun oder lassen, ist der Weltenschlange bereits bekannt, denn sie existiert in jedem Moment vom Anfang bis zum Ende der Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutet: Was immer wir glauben zu tun und zu entscheiden ist bereits vorherbestimmt, was wir als sich entwickelnde Zukunft wahrnehmen ist nur ein Ausdruck unserer eingeschränkten Fähigkeit in der Zeit voran zu sehen. Wir sind, zwangsläufig, nur Passagiere auf einem Schiff in Richtung Morgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen davon, dass ich diese Vorstellung für erschreckend halte, bietet sie aber eine interessante Diskussionsgrundlage und ein Möglichkeit die Natur der Welt und ihrer Entwicklung durch eine ganz spezielle Linse zu betrachten und zu interpretieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus ergab sich für mich ein Gedankenspiel, das ich auf den Namen &amp;quot;Theatralische Konvergenz&amp;quot; taufte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Theatralische Konvergenz ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Grundbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vollständige Wissen der Weltenschlange über jeden Moment vom Anfang bis zum Ende aller Zeit bedeutet, dass jeder Augenblick den wir erleben, ganz gleich ob in ferner Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, für die Weltenschlange eine Erinnerung ist. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Abbildung eines Systems ist immer eine Abstrahierung und Vereinfachung, ansonsten wäre es schlicht eine Kopie. Das heisst: Was wir erleben ist entweder eine reduzierte und damit zusammengeschrumpfte Abbildung oder es ist die eigentliche Realität und keine Abbildung. Die Grundprämisse weist also darauf hin, dass die Erinnerung der Weltenschlange zeitgleich die Realität formt - wir sind, wenn man so will, Bestandteile eine gewaltigen allumfassenden Traums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke der theatralischen Konvergenz greift diesen Gedanken nun auf und ergänzt um folgende These: Träume haben Schärfen und Unschärfen, Teile davon verblassen in den Hintergrund, während andere Teile klar im Fokus liegen. Genauso verhält sich auch der Traum der Weltenschlange: Es gibt Orte und Zeiten auf denen sich der Traum der Weltenschlange konzentriert und andere, die in vager Unbestimmtheit verbleiben, um dann erst dann wirklich &amp;quot;realisiert&amp;quot; zu werden, wenn es notwendig wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für uns als Passagiere und Bestandteile des Traums ist es unmöglich zu erkennen, in was für einer Art von System wir uns befinden, solange wir nicht Hinweise von ausserhalb bekommen - und genau diese Hinweise erhalten wir indirekt durch die Beobachtung der Welt selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man sich das zurückliegende Jahr ansieht, lassen sich eine Anzahl von globalen Katastrophen ausmachen mit eine Wirkung weit über diese Insel hinaus. Dennoch waren Ursache und Lösung stets auf der Insel selbst zu finden. Für die zahllosen Völker ausserhalb diesen winzigen Brennpunktes muss das eigenartig aussehen: Aus dem Nichts treten absurde Störungen auf und verschwinden genauso vermeintlich grundlos wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfach Logik legt nahe, dass sich solche globalen Katastrophen auch anderswo abspielen und uns beeinflussen müssten, dergleichen ist aber in keinster Weise zu beobachten. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Schluss liegt nahe: Die Aufmerksamkeit der Weltenschlange, ihr Traum, ist gerade auf diese Insel, auf diese Zeit fokussiert. Was wir als statische Realität wahrnehmen, ist das Auge eines Sturms der Unbestimmtheit - nichts ausserhalb ist in gleicher Weise herausmaterialisiert und würde erst in dem Moment &amp;quot;wirklich&amp;quot;, in dem es die Bühne betritt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke der &amp;quot;theatralischen Konvergenz&amp;quot; legt nahe, dass die Weltenschlange auf diesen Fokuspunkt nun Ereignisse aus der Gesamtheit ihrer Erinnerungen projeziert, was zu einer massiven Anhäufung von welterschütternden Ereignissen und zu einer beindruckenden Sammlung herausragender Persönlichkeiten führt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Grossteil der Geschichte ist nun einmal eine banale Abfolge von Bedeutungslosigkeiten, die von der Weltenschlange verdichtet oder übersprungen werden.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Mana&amp;diff=466</id>
		<title>Mana</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Mana&amp;diff=466"/>
		<updated>2025-11-30T06:29:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Fels Notizen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Sechstmond 450|CONTENT=&lt;br /&gt;
Wie in so vielen Dingen, waren die Aussagen meiner beiden Lehrmeister - der blinden Seherin [[Myra]] und des Armeeoffiziers [[Arngrimm Jerwalson]] - auch in Bezug auf das Mana fast vollkommen gegensätzlich. Sie stimmten in einem Punkt überein: Für das Wirken von Magie ist Mana ein unerlässlicher Bestandteil, damit eine der unerlässlichen Komponenten der Spruchzauberei neben den [[Worte der Macht|Worten der Macht]], den [[Reagenzien]] und natürlich der fixen Absicht die all das schliesslich zusammenbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für [[Myra]], die trotz ihres esoterischen Hintergrunds stets einen sehr bodenständigen Magiestil pflegte, war Mana eine natürliche &amp;quot;Essenz&amp;quot;, die sich als Aura überall in der wirklichen Welt fand, gänzlich unabhängig von der Beschaffenheit oder Natur - diese Aura würde sich in einer menschenüberlaufenen Stadt in gleicher Weise finden, wie in einem pflanzenüberwuchertem Sumpf oder der Kälte einer Eiswüste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Aura war nach ihrer Beschreibung weder zu greifen noch zu fühlen, dünner noch als Luft, konnte aber durch einen Magier aufgenommen und schliesslich zu Mana verdichtet werden. Nach ihren Worten würde ein Begabter dies allein durch seine Existenz langsam tun.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich gut an ihre ersten Lektionen dahingehend, an Übungen zur Selbstzentrierung, zur Meditation, um zu Einklang mit der Welt zu finden, zu einer Einstimmung mit den &amp;quot;Sternen&amp;quot;, um diesen langsamen Prozess der Auraverdichtung zu Mana hin, zu beschleunigen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Trotz aller Mühe war es mir nie möglich den von ihr beschriebenen Zustand der &amp;quot;Harmonie&amp;quot; zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine eigenen Beobachtungen offenbarten letztlich nicht sehr viel: Das Wirken von Zaubern erschöpfte zweifelsohne eine Form nicht näher greifbarer Resource, denn nach einer klar messbaren Anzahl von Zaubern eines bestimmten Zirkels innerhalb bestimmter Zeit, war das weitere Wirken schlicht nicht mehr möglich, dazu gesellten sich Eindrücke von Fahrigkeit, Unlust und Konzentrationsschwierigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese geistigen Symptome sind für mich auch heute noch schwierig zu greifen: Sie treten rasch auf und verschwinden auch rasch wieder, je häufiger jedoch in kurzer Zeit diese Schwelle erreicht wird, desto mehr entwickelt sich ein zumindest zeitweilig bleibender Effekt, bisweilen über Stunden hinweg anhaltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein zweiter Lehrmeister, [[Arngrimm Jerwalson]] hatte eine gänzlich andere Sichtweise auf das Mana, wobei ich mir - wie gewöhnlich bei ihm - nie sicher sein konnte, inwieweit seine Ausführungen ernst gemeint waren, oder schlicht eine Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jerwalson existiert Mana nicht in irgendeiner stofflichen, fassbaren oder auch nur esoterischen Weise, sondern ist eine abstrakte Maßeinheit für die Fähigkeit eines Magiers sich durch das Wirken von Zaubern selbst von der Harmonie der Welt zu entrücken. Konkret soll das wie folgt funktionieren: Im Normalzustand ist jedes Lebewesen in einem natürlichen Einklang mit der Welt, entsprechend einer normalisierten Skala &amp;quot;besitzt&amp;quot; ein Mensch im Sollzustand 100 Mana - in der gleichen Weise, wie jemand nach einem ausgiebigen Mahl satt ist, oder nach einem guten Schlaf erholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wirken eines Zaubers sorgt dafür, dass der Magier sich von dieser perfekten natürlichen Übereinstimmung entfernt - das wird abstrakt als Verlust von Mana beschrieben. Letztlich kann das mehrfache Wirken von Zaubern in rascher zeitlicher Folge dazu führen, dass der Magier sich so weit von der natürlichen Ordnung und Harmonie entfernt, dass ein weiteres Wirken schlicht unmöglich wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne fortgesetzte Störungen stellt sich diese Übereinstimmung letztlich von allein wieder her, ein Prozess der durch Meditation aktiv unterstützt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist, wie man sieht, eine andere Erklärung für die gleichen Effekte mit ein paar zusätzlichen Schwächen (die unerklärt bleiben). &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Siebtmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem Gespräch mit Livius Quintus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mana ist eine für alle Magie unverzichtbare Komponente. Weitestgehend wird Mana als eine Energie verstanden, die während des Zauberwirkens verbraucht wird, entweder indem sie aus dem Zauberernden selbst oder der Umgebung gezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mana ist endlich und kann erschöpft werden, was das Wirken weiterer Zauber unmöglich macht, bis eine gewisse Erholung stattgefunden hat. Der Akt der Selbstzentrierung oder Meditation gilt als eine Methode um diese Erholung zu beschleunigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ursprung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mana ist die Kernessenz der Existenz, alles besteht in seinem Kern aus Mana. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Urquell ist die Quelle der Sternenenergie. Es bildet das Zentrum unseres Seins, das Grundgerüst des astralen Netzes, geschaffen durch die Weltenschlange und mit ihrem Willen imprägniert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahllose Ankerpunkte existieren zwischen den verschiedenen Ebenen der Existenz, die den Übergang von Mana ermöglichen. Eine Eigenschaft dieser Ankerpunkte ist, dass sie dafür Mana anziehen, das sich an der Stelle des Übergangs sammelt und verdichtet, bis es zu einer quasimateriellen Manifestation kommt - es entsteht ein Stern und damit ein sogenannter &amp;quot;Seitenquell&amp;quot; - der entfachte Stern nimmt weiter die ursprüngliche Funktion des Ankerpunktes wahr, verströmt aber nun gleichzeitig auch noch Mana {{#info: Aber wohin? Das müsste bedeuten es kommt von der anderen Seite? Auf welcher Seite des Ankerpunktes befindet sich der Stern genau?}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All dieses fliessende Mana kehrt schliesslich irgendwann zum Urquell zurück, ganz ähnlich wie das durch den Körper eines Menschen strömende Blut vom Herz in einem Kreislauf bewegt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings sind die Sterne nicht ewig: Sie sterben, ihre Kräfte werden freigegeben. Mir ist unklar, ob das schlicht dadurch passiert, dass der Ankerpunkt zu existieren aufhört, oder ob Sterne nach einer gewissen Zeit einfach soviel Mana gesammelt haben, dass sie überlaufen und kollabieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenschaften ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mana scheint, wenn ich den Ausführungen von Livius Quintus folge, in verschiedenen Zuständen zu existieren: Einmal frei und damit verfügbar für den Zauberwirker, einmal in einer manifesten Form, die Grundeigenschaften des Seins ausformte und damit weitestgehend unbrauchbar für die Magieanwendung wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Form würde ich luzides Mana nennen, das Letztere facettiertes Mana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke liegt nahe, dass die [[Reagenzien]]nutzung damit Hand in Hand geht: Bestimmte Gegenstände können offensichtlich in facettiertes Mana zerlegt werden und liefern damit die Energie für den Zauber. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man könnte nun darüber nachdenken, ob der initiale Schritt, nämlich diese Aufspaltung einer Reagenzie, genau das luzide Mana erfordert. Angenommen ein Stoff würde durch eine innewohnende Manadefizienz gekennzeichnet, dann könnte die Injektion luziden Manas dazu führen, dass dieser natürliche Mangel ausgeglichen wird und das bis dahin gebundene facettierte Mana freigegeben wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Achtmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Meine Hauptschwierigkeit ist und bleibt mein nahezu vollständiges Unvermögen &amp;quot;Mana&amp;quot; überhaupt wahrzunehmen. Diese Fähigkeit scheint bei Begabten umfassend verbreitet zu sein - ohne konkrete Studien dahingehend muss ich jedoch unsicher bleiben, wieviel genau davon einfach Wunschdenken oder Einbildung ist. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nur bisweilen ist es mir einmal möglich .. Etwas .. wahrzunehmen, gewöhnlich allein im Umfeld von Ereignissen von welterschütterndem Maßstab.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Elftmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Das Erscheinen der Minotauren-Sphären (bisweilen habe ich das Gefühl unsere Fähigkeit kreative Namen zu ersinnen ist einer stetigen Erschöpfung angesichts der Schlange stehenden Katastrophen gewichen), haben zu einem auf der ganzen Insel spürbaren Fluss von Mana zu ihnen hin geführt. So zumindest die Aussage anderer Begabter, die in der Lage sind dergleichen zu bemerken. Der Effekt scheint in der direkten Umgebung der Sphären noch deutlicher zu sein, ein klares Ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin in der Lage einen gewissen passiven Einfluss dahingehend zu bemerken, dass mir das Wirken noch schwerer fällt als gewöhnlich - zumindest das scheint ein derzeit universelles Problem zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Erklärung ist, dass beide Effekte konkret in Zusammenhang stehen: Die Sphären saugen Mana auf und reduzieren damit eben die Fähigkeit des Magiers Magie zu wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich .. habe meine Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sollte die direkte Umgebung der Sphären angesichts der stetigen Sogwirkung nicht eine höhere Sättigung an Mana enthalten, was den Störeinfluss dann wiederum negieren sollte? Warum überhaupt sollte eine dünnere Manakonzentration in der Umgebung irgendeinen Effekt haben abgesehen von schlechterer Regeneration?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich vermute, dass beide Effekte nur Symptome sind für einen Einfluss, den wir noch gar nicht fassen können, vielleicht eine Störung in der Gesamtharmonie der Welt. Vielleicht ist unsere gesamte Existenz wie ein Wasserkrug in dem nun ein Sprung klafft?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Mana&amp;diff=465</id>
		<title>Mana</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Mana&amp;diff=465"/>
		<updated>2025-11-30T06:11:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Fels Notizen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Sechstmond 450|CONTENT=&lt;br /&gt;
Wie in so vielen Dingen, waren die Aussagen meiner beiden Lehrmeister - der blinden Seherin [[Myra]] und des Armeeoffiziers [[Arngrimm Jerwalson]] - auch in Bezug auf das Mana fast vollkommen gegensätzlich. Sie stimmten in einem Punkt überein: Für das Wirken von Magie ist Mana ein unerlässlicher Bestandteil, damit eine der unerlässlichen Komponenten der Spruchzauberei neben den [[Worte der Macht|Worten der Macht]], den [[Reagenzien]] und natürlich der fixen Absicht die all das schliesslich zusammenbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für [[Myra]], die trotz ihres esoterischen Hintergrunds stets einen sehr bodenständigen Magiestil pflegte, war Mana eine natürliche &amp;quot;Essenz&amp;quot;, die sich als Aura überall in der wirklichen Welt fand, gänzlich unabhängig von der Beschaffenheit oder Natur - diese Aura würde sich in einer menschenüberlaufenen Stadt in gleicher Weise finden, wie in einem pflanzenüberwuchertem Sumpf oder der Kälte einer Eiswüste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Aura war nach ihrer Beschreibung weder zu greifen noch zu fühlen, dünner noch als Luft, konnte aber durch einen Magier aufgenommen und schliesslich zu Mana verdichtet werden. Nach ihren Worten würde ein Begabter dies allein durch seine Existenz langsam tun.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich gut an ihre ersten Lektionen dahingehend, an Übungen zur Selbstzentrierung, zur Meditation, um zu Einklang mit der Welt zu finden, zu einer Einstimmung mit den &amp;quot;Sternen&amp;quot;, um diesen langsamen Prozess der Auraverdichtung zu Mana hin, zu beschleunigen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Trotz aller Mühe war es mir nie möglich den von ihr beschriebenen Zustand der &amp;quot;Harmonie&amp;quot; zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine eigenen Beobachtungen offenbarten letztlich nicht sehr viel: Das Wirken von Zaubern erschöpfte zweifelsohne eine Form nicht näher greifbarer Resource, denn nach einer klar messbaren Anzahl von Zaubern eines bestimmten Zirkels innerhalb bestimmter Zeit, war das weitere Wirken schlicht nicht mehr möglich, dazu gesellten sich Eindrücke von Fahrigkeit, Unlust und Konzentrationsschwierigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese geistigen Symptome sind für mich auch heute noch schwierig zu greifen: Sie treten rasch auf und verschwinden auch rasch wieder, je häufiger jedoch in kurzer Zeit diese Schwelle erreicht wird, desto mehr entwickelt sich ein zumindest zeitweilig bleibender Effekt, bisweilen über Stunden hinweg anhaltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein zweiter Lehrmeister, [[Arngrimm Jerwalson]] hatte eine gänzlich andere Sichtweise auf das Mana, wobei ich mir - wie gewöhnlich bei ihm - nie sicher sein konnte, inwieweit seine Ausführungen ernst gemeint waren, oder schlicht eine Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jerwalson existiert Mana nicht in irgendeiner stofflichen, fassbaren oder auch nur esoterischen Weise, sondern ist eine abstrakte Maßeinheit für die Fähigkeit eines Magiers sich durch das Wirken von Zaubern selbst von der Harmonie der Welt zu entrücken. Konkret soll das wie folgt funktionieren: Im Normalzustand ist jedes Lebewesen in einem natürlichen Einklang mit der Welt, entsprechend einer normalisierten Skala &amp;quot;besitzt&amp;quot; ein Mensch im Sollzustand 100 Mana - in der gleichen Weise, wie jemand nach einem ausgiebigen Mahl satt ist, oder nach einem guten Schlaf erholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wirken eines Zaubers sorgt dafür, dass der Magier sich von dieser perfekten natürlichen Übereinstimmung entfernt - das wird abstrakt als Verlust von Mana beschrieben. Letztlich kann das mehrfache Wirken von Zaubern in rascher zeitlicher Folge dazu führen, dass der Magier sich so weit von der natürlichen Ordnung und Harmonie entfernt, dass ein weiteres Wirken schlicht unmöglich wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne fortgesetzte Störungen stellt sich diese Übereinstimmung letztlich von allein wieder her, ein Prozess der durch Meditation aktiv unterstützt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist, wie man sieht, eine andere Erklärung für die gleichen Effekte mit ein paar zusätzlichen Schwächen (die unerklärt bleiben). &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Siebtmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem Gespräch mit Livius Quintus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mana ist eine für alle Magie unverzichtbare Komponente. Weitestgehend wird Mana als eine Energie verstanden, die während des Zauberwirkens verbraucht wird, entweder indem sie aus dem Zauberernden selbst oder der Umgebung gezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mana ist endlich und kann erschöpft werden, was das Wirken weiterer Zauber unmöglich macht, bis eine gewisse Erholung stattgefunden hat. Der Akt der Selbstzentrierung oder Meditation gilt als eine Methode um diese Erholung zu beschleunigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ursprung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mana ist die Kernessenz der Existenz, alles besteht in seinem Kern aus Mana. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Urquell ist die Quelle der Sternenenergie. Es bildet das Zentrum unseres Seins, das Grundgerüst des astralen Netzes, geschaffen durch die Weltenschlange und mit ihrem Willen imprägniert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahllose Ankerpunkte existieren zwischen den verschiedenen Ebenen der Existenz, die den Übergang von Mana ermöglichen. Eine Eigenschaft dieser Ankerpunkte ist, dass sie dafür Mana anziehen, das sich an der Stelle des Übergangs sammelt und verdichtet, bis es zu einer quasimateriellen Manifestation kommt - es entsteht ein Stern und damit ein sogenannter &amp;quot;Seitenquell&amp;quot; - der entfachte Stern nimmt weiter die ursprüngliche Funktion des Ankerpunktes wahr, verströmt aber nun gleichzeitig auch noch Mana {{#info: Aber wohin? Das müsste bedeuten es kommt von der anderen Seite? Auf welcher Seite des Ankerpunktes befindet sich der Stern genau?}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All dieses fliessende Mana kehrt schliesslich irgendwann zum Urquell zurück, ganz ähnlich wie das durch den Körper eines Menschen strömende Blut vom Herz in einem Kreislauf bewegt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings sind die Sterne nicht ewig: Sie sterben, ihre Kräfte werden freigegeben. Mir ist unklar, ob das schlicht dadurch passiert, dass der Ankerpunkt zu existieren aufhört, oder ob Sterne nach einer gewissen Zeit einfach soviel Mana gesammelt haben, dass sie überlaufen und kollabieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenschaften ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mana scheint, wenn ich den Ausführungen von Livius Quintus folge, in verschiedenen Zuständen zu existieren: Einmal frei und damit verfügbar für den Zauberwirker, einmal in einer manifesten Form, die Grundeigenschaften des Seins ausformte und damit weitestgehend unbrauchbar für die Magieanwendung wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Form würde ich luzides Mana nennen, das Letztere facettiertes Mana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke liegt nahe, dass die [[Reagenzien]]nutzung damit Hand in Hand geht: Bestimmte Gegenstände können offensichtlich in facettiertes Mana zerlegt werden und liefern damit die Energie für den Zauber. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man könnte nun darüber nachdenken, ob der initiale Schritt, nämlich diese Aufspaltung einer Reagenzie, genau das luzide Mana erfordert. Angenommen ein Stoff würde durch eine innewohnende Manadefizienz gekennzeichnet, dann könnte die Injektion luziden Manas dazu führen, dass dieser natürliche Mangel ausgeglichen wird und das bis dahin gebundene facettierte Mana freigegeben wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Achtmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Meine Hauptschwierigkeit ist und bleibt mein nahezu vollständiges Unvermögen &amp;quot;Mana&amp;quot; überhaupt wahrzunehmen. Diese Fähigkeit scheint bei Begabten umfassend verbreitet zu sein - ohne konkrete Studien dahingehend muss ich jedoch unsicher bleiben, wieviel genau davon einfach Wunschdenken oder Einbildung ist. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nur bisweilen ist es mir einmal möglich .. Etwas .. wahrzunehmen, gewöhnlich allein im Umfeld von Ereignissen von welterschütterndem Maßstab.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Quintussenz_Idiom&amp;diff=461</id>
		<title>Quintussenz Idiom</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Quintussenz_Idiom&amp;diff=461"/>
		<updated>2025-07-27T19:37:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Finalisierte Liste */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Fels_Notizen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Präambel ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein eigenes Studium der Magie begann mit den Worten der Macht, damals noch im Zelt einer selbsterklärten Hellseherin, die auf dem Jahrmarkt gelernt hatte, die Karten für allerlei leichtgläubiges Volk zu legen. Sie war der Ansicht, dass die Worte der Macht Überreste eines grösseren, komplexeren und heute weitgehend vergessenen Systems seien und ihre ganze Macht nur dadurch entfalten, dass sie vom Anwender damit versehen werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;Sie liess mich über die Worte der Macht nachdenken und meditieren, ihre Bedeutung visualisieren und verinnerlichen, alles im Dienste einer Prägung der eigenen Gedanken in Richtung eines präzisen Ziels, abrufbar, konzentriert, ja kondensiert auf ein einziges repräsentierendes Wort hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein zweiter Lehrmeister, Arngrimm Jerwalson, brachte mir eine nahezu konträre Sichtweise nahe: Seiner Meinung nach wären die Worte der Macht &amp;lt;i&amp;gt;Schalter&amp;lt;/i&amp;gt;, die unabhängig von Wissen oder Absicht auf eine &amp;lt;i&amp;gt;Berührung&amp;lt;/i&amp;gt; reagieren. Selbst die viel beschworene &amp;lt;i&amp;gt;Absicht&amp;lt;/i&amp;gt;, die als unerlässlich angesehen wird um einen Zauber dann auch tatsächlich wirken zu können, ließe sich nach Jerwalson als passendes &amp;lt;i&amp;gt;Muster&amp;lt;/i&amp;gt; in einem grösseren System magischer Lauscher begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe mit beiden Erklärungen eine lange Zeit gehadert, in erster Linie wegen meiner profunden Schwierigkeiten das reine Buchwissen dann auch tatsächlich in magisches Wirken umzusetzen. Das ist etwas, womit ich auch heute noch mit meine Schwierigkeiten habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich, auch wenn ich Fortschritte machte, kehrte ich immer wieder zu diesen Grundlagen zurück, zu der vermeintlichen Unvereinbarkeit von zwei Thesen, deren Überschneidung sich allein in einem so theoretischen Konstrukt finden lässt, dass es mehr als unplausibel wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem ich aus erster Hand erfuhr, dass es in der Tat verschiedene &amp;lt;i&amp;gt;Dialekte&amp;lt;/i&amp;gt; der Worte der Macht gibt, gebraucht von verschiedenen Völkern oder Volksgruppen, durchaus aber auch bei Einzelpersonen abweichend bekannt und benutzt, erwachte meine schlafende Neugier erneut und damit der Wunsch die Probe aufs Exempel zu machen: Ich würde versuchen durch sorgsame und kontrollierte Übung zu ergründen, welcher Wahrheit sich die Worte der Macht am Ehesten zuneigen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich würde einen neuen Dialekt erlernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich würde - zuvor - einen neuen Dialekt erschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit für diesen hier an zweiter Stelle genannten, eigentlich aber ersten Schritt, liegt auf der Hand: Nur auf diese Weise lässt sich ausschliessen, dass es tatsächlich bereits irgendwie etablierte &amp;lt;i&amp;gt;Schalter&amp;lt;/i&amp;gt; oder anderweitig vorhandene Prägungen gibt, die den Gedanken unverdient in die Wirklichkeit holen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quintussenz-Idiom ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Schritt war also die Erschaffung eines eigenen Dialekt, dem ich den Namen &amp;quot;Quintussenz-Idiom&amp;quot; verlieh. Ein kleines Wortspiel in der Verbindung von Quintessenz - das Wichtigste oder der Hauptgedanke - mit dem Namen meines aktuellen Lehrmeisters Livius Quintus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Ziel war die Erschaffung eines &amp;lt;i&amp;gt;geordneten&amp;lt;/i&amp;gt;, möglichst &amp;lt;i&amp;gt;symmetrischen&amp;lt;/i&amp;gt; Systems, das klar ableitbaren Regeln im Aufbau folgte - damit eine Systematik inkorporierend, die sich in dieser Form in keinen der bekannten Dialekte wiederfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Regeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Regeln sind wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Jedes Wort der Macht bildet mit genau einem anderen Wort der Macht ein Gegensatzpaar.&lt;br /&gt;
* Jedes Wort der Macht beginnt mit einem eigenen Buchstaben, ganz wie bei den klassischen Worten auch&lt;br /&gt;
* Jedes Wort der Macht endet - symmetrisch - mit dem Buchstaben, der passend vom Ende des Alphabets her aufsteigt.&lt;br /&gt;
* Gegensatzpaare haben gespiegelte Buchstaben: Aus ABC folgt CBA&lt;br /&gt;
* Worte der Macht werden wie folgt geordnet:&lt;br /&gt;
** Immer vom Zustand der höchsten Negentropie hin zur schwächsten Negentropie&lt;br /&gt;
** Zunächst die Invokatoren, dann die Modifikatoren, zuletzt die Reihe der Aspekte&lt;br /&gt;
* Invokatoren haben 2 Buchstaben, Modifikatoren deren 3 und Aspekte 4 (oder 5 sofern notwendig)&lt;br /&gt;
* Der zweite Buchstabe der Modifikatoren und Aspekte sind Vokale in aufsteigender Reihenfolge. Am Ende einer Reihe erfolgt ein Übersprung zum Anfang (O -&amp;gt; A)&lt;br /&gt;
* Der zweitletzte Buchstabe der Aspekte ist ein Buchstabe in absteigender Reihenfolge. &lt;br /&gt;
** Falls das sich ergebende Wort unaussprechlich wird, wird stattdessen zum nächsten Vokal (absteigend) gesprungen &lt;br /&gt;
** Es kann dann aus äthethischen Gründen ein und ein Mittelbuchstabe an dritter Stelle eingeschoben werden und zwar jener, der zunächst an vorletzter Stelle hätte stehen sollen&lt;br /&gt;
** Der Mittelbuchstabe folgt dem Alphabet in aufsteigender Reihenfolge, es sind nur Konsonenten erlaubt&lt;br /&gt;
** Fortgesetzt wird immer vom letzten Buchstaben aus, der im Wort darüber gewählt wurde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bildung von Gegensatzpaaren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Bildung der Gegensatzpaare habe ich mich lose an Jerwalsons enigmatischem Dualismus orientiert. Das Grundprinzip, dem ich auch hier folgte, war die grundsätzliche Aufteilung in entropische und negentropische Wirkungen: Also solche, die entweder Energie sammeln/ordnen, oder diese stattdessen verteilen und zerstreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paare bedeuten hier nicht zwingend das exakte Gegenteil, sondern beziehen sich in erster Linie eben auf genau diese Eigenheit im Vergleich zueinander bei einer ansonsten möglichen gemeinsamen Basis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht in allen Fällen ist das wirklich eindeutig machbar oder es erfordert einiges an geistiger Flexibilität, um die passenden Aspekte zu betonen und unpassende Anteile stattdessen zu ignorieren. Das ist ein Makel, der mir durchaus bewusst ist, allerdings auch ohne Bedeutung für die eigentliche Aufgabe bleibt: Das Idiom ist - vermutlich - als solches ohnehin nicht mehr als eine Ansammlung von Lauten, die geistige Gymnastik für die Herleitung unbedeutend, solange die Grundbedeutung dabei nicht verloren geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gilt dabei unverbrüchlich: Es gibt nur 26 Worte der Macht, auch wenn sie in Dialekten beliebig umgeformt werden, bleibt ihre Wirkung doch gleich. Ihr Kern ändert sich nicht, ganz gleich wie die auferlegte Form auch aussehen mag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;display:grid; grid-template-columns: 250px 70px 250px; row-gap: 10px; text-align:center&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 1&amp;gt;IN (Erschaffen/Verursachen)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 2&amp;gt;KAL (Beschwören/Binden)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 3&amp;gt;DES (Senken)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 4&amp;gt;BET (Klein)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 5&amp;gt;SANCT (Schutz)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 6&amp;gt;ORT (Magie)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 7&amp;gt;ZAN (Schlaf)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 8&amp;gt;GRAV (Energie)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 9&amp;gt;MANI (Heilung/Leben)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 10&amp;gt;YLEM (Erde/Materie)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 11&amp;gt;WIS (Geist/Wissen)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 12&amp;gt;CORP (Tod)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 13&amp;gt;LOR (Licht)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 1&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 2&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 3&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 4&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 5&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 6&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 7&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 8&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 9&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 10&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 11&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 12&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 13&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 1&amp;gt;AN (Auflösen/Negieren)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 2&amp;gt;EX (Freiheit/Lösen)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 3&amp;gt;UUS (Steigern/Erhöhen)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 4&amp;gt;VAS (Gross)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 5&amp;gt;JUX (Falle/Schaden)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 6&amp;gt;TYM (Zeit)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 7&amp;gt;REL (Verändern)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 8&amp;gt;FLAM (Feuer)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 9&amp;gt;NOX (Gift)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 10&amp;gt;HUR (Luft/Wind)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 11&amp;gt;XEN (Wesen/Kreatur)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 12&amp;gt;POR (Bewegung)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 13&amp;gt;QUAS (Illusion)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;p&amp;gt;&amp;lt;/p&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Konvertierung durch Regelanwendung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konvertierung erfolgt schlicht durch Anwendung der oben beschriebenen Regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein paar Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Aus &amp;quot;IN&amp;quot; wird &amp;quot;AZ&amp;quot;: Zwei Buchstaben, Symmetrisch. Entsprechend muss &amp;quot;AN&amp;quot; zu &amp;quot;ZA&amp;quot; werden&lt;br /&gt;
* Aus &amp;quot;DES&amp;quot; wird &amp;quot;CAX&amp;quot;: Drei Buchstaben, Symmetrisch (C &amp;lt;-&amp;gt; X), der mittlere Buchstabe ist ein Vokal (A). Entsprechend muss &amp;quot;UUS&amp;quot; zu &amp;quot;XAC&amp;quot; werden&lt;br /&gt;
* Aus &amp;quot;ZAN&amp;quot; wird &amp;quot;GEYT&amp;quot; Zunächst G__T für die Symmetrie, aufgefüllt E und Y, was GEYT ergibt und TYEG.&lt;br /&gt;
* Aus &amp;quot;LOR&amp;quot; wird MIKN, es findet eine Konvertierung zum Vokal statt zu MIEN, eingeschoben wieder das K: MIKEN &amp;lt;-&amp;gt; NEKIM&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ergibt sich folgende Liste mit Konvertierungsschritten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;                 AZ -    ZA (IN - AN)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;                 BY -    YB (KAL - EX)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;                CAX -   XAC (DES - UUS)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;                DEW -   WED (BET - VAS)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;                EIV -   VIE (SANCT - JUX)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;               FAZU -  UZAF (ORT - TYM)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;               GEYT -  TYEG (ZAN - POR)&lt;br /&gt;
 HIXS -&amp;gt;          HIUS -  SUIH (GRAV - FLAM)&lt;br /&gt;
 IJTS -&amp;gt;          IJOR -  ROJI (MANI - NOX)&lt;br /&gt;
 JONQ -&amp;gt; JOIQ -&amp;gt; JONIQ - QINOJ (YLEM - HUR)&lt;br /&gt;
 KAMP -&amp;gt; KAEP -&amp;gt; KAMEP - PEMAK (WIS - XEN)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;               LELO -  OLEL (CORP - REL)&lt;br /&gt;
 MIKN -&amp;gt; MIEN -&amp;gt; MIKEN - NEKIM (LOR - QUAS)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Symbolerschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die traditionellen Worte der Macht besitzen jeweils Runen als Kurzschrift. Ein eigener Dialekt wäre natürlich nicht vollständig ohne ebenso eine Symbolik zur klaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von mir erdachten Symbole folgen natürlich ebenso einer begrenzten Systematik, allerdings ohne durch gehenden Anspruch einer vollständigen Herleitbarkeit: Eine gewisse Ästhetik steht hier mehr im Vordergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleibt dennoch als Grundprämisse bestehen, dass gegensätzliche Worte dann auch gegensätzliche/invertierte Symbole haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Symbole finden sich letztlich als Ergänzung bei der finalisierten Liste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finalisierte Liste ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=AZ (In)|POLYGON=polygon(25% 75%, 25% 65%, 50% 25%, 75% 65%, 75% 75%, 50% 35%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=ZA (An)|POLYGON=polygon(25% 25%, 25% 35%, 50% 75%, 75% 35%, 75% 25%, 50% 65%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=BY (Kal)|POLYGON=polygon(25% 75%, 35% 75%, 75% 50%, 35% 25%, 25% 25%, 65% 50%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=YB (Ex)|POLYGON=polygon(75% 75%, 65% 75%, 25% 50%, 65% 25%, 75% 25%, 35% 50%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=XAC (Uus)|POLYGON=polygon(25% 53%, 47% 53%, 47% 72%, 53% 75%, 53% 53%, 75% 53%, 72% 47%, 53% 47%, 53% 25%, 47% 22%, 47% 47%, 22% 47%)}} &amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=CAX (Des)|POLYGON=polygon(25% 53%, 75% 53%, 72% 47%, 22% 47%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=EIV (Sanct)|POLYGON=polygon(25% 25%, 75% 25%, 50% 75%, 50% 65%, 70% 30%, 30% 30%, 50% 65%, 50% 75%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=VIE (Jux)|POLYGON=polygon(25% 75%, 75% 75%, 50% 25%, 50% 35%, 70% 70%, 30% 70%, 50% 35%, 50% 25%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawCircle|NAME=WED (Vas)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=DEW (Bet)|POLYGON=circle(10% at 50% 50%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=FAZU (Ort)|POLYGON=polygon(25% 25%, 75% 25%, 75% 75%, 25% 75%, 25% 50%, 30% 50%, 30% 70%, 70% 70%, 70% 30%, 30% 30%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=UZAF (Tym)|POLYGON=polygon(25% 25%, 25% 75%, 75% 75%, 75% 50%, 70% 50%, 70% 70%, 30% 70%, 30% 30%, 70% 30%, 75% 25%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=GEYT (Zan)|POLYGON=polygon(25% 25%, 35% 25%, 75% 75%, 70% 70%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=TYEG (Por)|POLYGON=polygon(25% 75%, 35% 75%, 75% 25%, 70% 30%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=HIUS (Grav)|POLYGON=polygon(25% 25%, 75% 25%, 75% 30%, 43% 30%, 43% 75%, 37% 75%, 37% 30%, 25% 30%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=SIUH (Flam)|POLYGON=polygon(25% 75%, 75% 75%, 75% 70%, 63% 70%, 63% 25%, 57% 25%, 57% 70%, 25% 70%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=IJOR (Mani)|POLYGON=polygon(25% 65%, 75% 65%, 75% 40%, 60% 40%, 60% 45%, 70% 45%, 70% 60%, 30% 60%, 30% 45%, 40% 45%, 40% 40%, 25% 40%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=ROJI (Nox)|POLYGON=polygon(25% 35%, 75% 35%, 75% 60%, 60% 60%, 60% 55%, 70% 55%, 70% 40%, 30% 40%, 30% 55%, 40% 55%, 40% 60%, 25% 60%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=KAMEP (Wis)|POLYGON=polygon(75% 50%, 50% 25%, 25% 75%, 30% 75%, 50% 30%, 73% 50%, 25% 50%, 30% 55%, 75% 50%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=PEMAK (Xen)|POLYGON=polygon(25% 50%, 50% 25%, 75% 75%, 70% 75%, 50% 30%, 27% 50%, 75% 50%, 70% 55%, 25% 50%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=LELO (Corp)|POLYGON=polygon(25% 65%, 75% 65%, 75% 40%, 60% 40%, 60% 45%, 70% 45%, 70% 60%, 30% 60%, 30% 45%, 60% 45%, 60% 40%, 25% 40%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=OLEL (Rel)|POLYGON=polygon(27% 50%, 35% 50%, 45% 30%, 55% 70%, 65% 50%, 75% 50%, 73% 55%, 65% 55%, 55% 75%, 45% 35%, 35% 55%, 25% 55% )}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=MIKEN (Lor)|POLYGON=polygon(25% 75%, 35% 75%, 80% 50%, 35% 25%, 25% 25%, 75% 48%, 25% 48%, 25% 52%, 75% 52%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=NEKIM (Quas)|POLYGON=polygon(75% 75%, 65% 75%, 20% 50%, 65% 25%, 75% 25%, 25% 48%, 75% 48%, 75% 52%, 25% 52%)}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=JONIQ (Ylem)|POLYGON=polygon(25% 75%, 25% 25%, 30% 25%, 30% 60%, 75% 60%, 75% 65%, 30% 65%, 30% 75% )}} &amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=QINOJ (Hur)|POLYGON=polygon(75% 75%, 75% 25%, 70% 25%, 70% 60%, 25% 60%, 25% 65%, 70% 65%, 70% 75% )}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lerntechnik ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Definition allein erschafft noch keinen Eindruck in der Welt - zumindest nicht in einem meßbaren Maße. Das bedeutet: Es ist unmöglich das Quintussenz-Idiom zum Zaubern zu verwenden ohne dafür gewisse weitere Vorarbeiten zu leisten und selbst das pflichtbewusste Erbringen dieser Pflichten bedeutet nicht zwingend einen Erfolg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der experimentelle Teil: Das Scheitern kann vielfache Gründe haben: Persönlicher Mangel an Eignung, Ausdauer und Engagement fallen zunächst ein, aber es ist auch denkbar, dass die Versuche schlicht an den Grenzen des Systems selbst enden: Wenn es nicht funktioniert, dann funktioniert es nicht, ganz gleich wie hübsch das Papier auf dem die Buchstaben hinterlassen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Erfolg würde dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine der Grundfragen zur Funktionsweise der Worte der Macht klären. Auch hier gibt es allerdings keine vollständige Gewissheit, solange es nicht möglich ist rein mechanische Magie zu wirken ohne die prägende Kraft einer Seele im Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungeachtet dieser Einschränkungen sieht mein Plan einen faktischen Rückschritt zu den ersten Lektionen dar, die ich vor Jahren in Rossensprung erhielt: Meditation über den Worten der Macht, Verinnerlichung ihrer präzisen Wirkung, Konzentration auf ihre zusammengefasste Bedeutung und Bindung all dessen an neue Worte der Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine offensichtliche Erschütterung des ganzen Fundaments auf dem mein magisches Wirken ruht und es ist nicht auszuschliessen, dass sich entsprechend negative Folgen zeigen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Augenblick bin ich gewillt dieses Risiko einzugehen, natürlich stetig mit der Bereitschaft den aktuellen Standpunkt jederzeit neu zu evaluieren. Aber letztlich: Auch ein Vogel lernt das Fliegen nicht allein durchs Zuschauen. Irgendwann ist es Zeit die Flügel auszubreiten und alles zu wagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kommentare und Ergänzungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Erstmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Bislang haben meine Mühen noch keinen Erfolg gezeigt, aber ich habe, um ehrlich zu sein, auch kaum etwas anderes erwartet: Meine ersten Versuche unter der Aufsicht und Anweisung [[Myra]]s waren bereits langwierig und frustrierend und ohne ihren fortgesetzten, unerschütterlichen Glauben an meine Gabe, hätte ich lange vor dem ersten Wirken aufgegeben. Es ist eine feine Ironie, dass ich mit dem Wissen von Heute feststellen kann, dass diese ganze Zuversicht fehlgeleitet war, nicht mehr als Aberglaube. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerlei. Ich setze meine Übungen fort wie gehabt, konzentriert auf die beiden Worte, mit denen ich auch damals meinen ersten Erfolg hatte: AZ MIKEN ([[IN]] [[LOR]]).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Drittmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Meine Fortschritte waren bislang gleich Null. Das sollte mich nicht frustrieren - die Möglichkeit, dass selbst entworfene Dialekte schlicht nicht funktionieren können, war ja durchaus Teil der ursprünglichen Überlegungen. Und dennoch kann ich den Gedanken nicht abschütteln, dass das Problem nicht beim Quintussenz-Idiom liegt, sondern bei mir. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das wäre nicht das erste Mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann aber nicht umhin mich zu fragen, ob meine Gefährten und Freunde nicht sehr viel weniger Schwierigkeiten hätten. Das sollte mich anspornen meine Forschung mit ihnen zu teilen und sie zu ermuntern. Sollte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich starre auf meine Notizen und stelle fest, dass ich es nicht über mich bringe: Die Vorstellung, dass sie dann mit einem Lächeln Erfolg hätten, wo ich hartnäckig scheitere, ist mir unerträglich.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Fünftmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich gebe mir noch einen weiteren Monat, bevor ich meine Niederlage eingestehen und zu Livius kriechen werde, um ihm meinem Fehlschlag einzugestehen. Der nächste logische Schritt wäre dann die Suche nach einem jungen Erwachten, der noch keinen Kontakt mit den herkömmlichen Worten der Macht hatte. Ein Fehlschlag auch dann würde zumindest meine Frage danach beantworten, ob das Problem bei mir oder beim System liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange mühe ich mich weiter, folge dem Pfad lange schon eingeschliffener Übungen und schlucke die tägliche Enttäuschung herunter. Alles wie immer also.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Letzter Tag des Sechsmonds 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich habe meine Kapitulation so weit aufgeschoben wir nur möglich, ohne meiner eigenen Vorlage untreu zu werden. Letztlich muss ich feststellen, dass all meine Bemühungen das Quintussenz-Idiom in irgendeiner Form nutzbar zu machen, gescheitert sind. Das sollte mich nicht frustrieren, ein Ergebnis in diese Richtung war von Anfang möglich.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch komme ich nicht umhin diesen Fehlschlag als ein persönliches Scheitern zu betrachten, als einen Makel, der sich andernorts, mit einer anderen Person, nicht in gleicher Weise präsentiert hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nüchtern betrachtet, ohne das bittere Gefühl von Unzulänglichkeit, sehe ich damit ausgerechnet die obskureren Annahmen zur Funktionsweise der Worte der Macht bestätigt.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Mana&amp;diff=460</id>
		<title>Mana</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Mana&amp;diff=460"/>
		<updated>2025-07-26T11:37:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Fels Notizen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Sechstmond 450|CONTENT=&lt;br /&gt;
Wie in so vielen Dingen, waren die Aussagen meiner beiden Lehrmeister - der blinden Seherin [[Myra]] und des Armeeoffiziers [[Arngrimm Jerwalson]] - auch in Bezug auf das Mana fast vollkommen gegensätzlich. Sie stimmten in einem Punkt überein: Für das Wirken von Magie ist Mana ein unerlässlicher Bestandteil, damit eine der unerlässlichen Komponenten der Spruchzauberei neben den [[Worte der Macht|Worten der Macht]], den [[Reagenzien]] und natürlich der fixen Absicht die all das schliesslich zusammenbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Myra]], die trotz ihres esoterischen Hintergrunds stets einen sehr bodenständigen Magiestil pflegte, war Mana eine natürliche &amp;quot;Essenz&amp;quot;, die sich als Aura überall in der wirklichen Welt fand, gänzlich unabhängig von der Beschaffenheit oder Natur - diese Aura würde sich in einer menschenüberlaufenen Stadt in gleicher Weise finden, wie in einem pflanzenüberwuchertem Sumpf oder der Kälte einer Eiswüste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Aura war nach ihrer Beschreibung weder zu greifen noch zu fühlen, dünner noch als Luft, konnte aber durch einen Magier aufgenommen und schliesslich zu Mana verdichtet werden. Nach ihren Worten würde ein Begabter dies allein durch seine Existenz langsam tun.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich gut an ihre ersten Lektionen dahingehend, an Übungen zur Selbstzentrierung, zur Meditation, um zu Einklang mit der Welt zu finden, zu einer Einstimmung mit den &amp;quot;Sternen&amp;quot;, um diesen langsamen Prozess der Auraverdichtung zu Mana hin, zu beschleunigen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Trotz aller Mühe war es mir nie möglich den von ihr beschriebenen Zustand der &amp;quot;Harmonie&amp;quot; zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine eigenen Beobachtungen offenbarten letztlich nicht sehr viel: Das Wirken von Zaubern erschöpfte zweifelsohne eine Form nicht näher greifbarer Resource, denn nach einer klar messbaren Anzahl von Zaubern eines bestimmten Zirkels innerhalb bestimmter Zeit, war das weitere Wirken schlicht nicht mehr möglich, dazu gesellten sich Eindrücke von Fahrigkeit, Unlust und Konzentrationsschwierigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese geistigen Symptome sind für mich auch heute noch schwierig zu greifen: Sie treten rasch auf und verschwinden auch rasch wieder, je häufiger jedoch in kurzer Zeit diese Schwelle erreicht wird, desto mehr entwickelt sich ein zumindest zeitweilig bleibender Effekt, der dann über Stunden bleiben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein zweiter Lehrmeister, [[Arngrimm Jerwalson]] hatte eine gänzlich andere Sichtweise auf das Mana, wobei ich mir - wie gewöhnlich bei ihm - nie sicher sein konnte, inwieweit seine Ausführungen ernst gemeint waren, oder schlicht eine Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jerwalson existiert Mana nicht in irgendeiner stofflichen, fassbaren oder auch nur esoterischen Weise, sondern ist eine abstrakte Maßeinheit für die Fähigkeit eines Magiers sich durch das Wirken von Zaubern selbst von der Harmonie der Welt zu entrücken. Konkret soll das wie folgt funktionieren: Im Normalzustand ist jedes Lebewesen in einem natürlichen Einklang mit der Welt, entsprechend einer normalisierten Skala &amp;quot;besitzt&amp;quot; ein Mensch im Sollzustand 100 Mana - in der gleichen Weise, wie jemand nach einem ausgiebigen Mahl satt ist, oder nach einem guten Schlaf erholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wirken eines Zaubers sorgt dafür, dass der Magier sich von dieser perfekten natürlichen Übereinstimmung entfernt - das wird abstrakt als Verlust von Mana beschrieben. Letztlich kann das mehrfache Wirken von Zaubern in rascher zeitlicher Folge dazu führen, dass der Magier sich so weit von der natürlichen Ordnung und Harmonie entfernt, dass ein weiteres Wirken schlicht unmöglich wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne fortgesetzte Störungen stellt sich diese Übereinstimmung letztlich von allein wieder her, ein Prozess der durch Meditation aktiv unterstützt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist, wie man sieht, eine andere Erklärung für die gleichen Effekte mit ein paar zusätzlichen Schwächen (die unerklärt bleiben). &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Siebtmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem Gespräch mit Livius Quintus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mana ist eine für alle Magie unverzichtbare Komponente. Weitestgehend wird Mana als eine Energie verstanden, die während des Zauberwirkens verbraucht wird, entweder indem sie aus dem Zauberernden selbst oder der Umgebung gezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mana ist endlich und kann erschöpft werden, was das Wirken weiterer Zauber unmöglich macht, bis eine gewisse Erholung stattgefunden hat. Der Akt der Selbstzentrierung oder Meditation gilt als eine Methode um diese Erholung zu beschleunigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ursprung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mana ist die Kernessenz der Existenz, alles besteht in seinem Kern aus Mana. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Urquell ist die Quelle der Sternenenergie. Es bildet das Zentrum unseres Seins, das Grundgerüst des astralen Netzes, geschaffen durch die Weltenschlange und mit ihrem Willen imprägniert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahllose Ankerpunkte existieren zwischen den verschiedenen Ebenen der Existenz, die den Übergang von Mana ermöglichen. Eine Eigenschaft dieser Ankerpunkte ist, dass sie dafür Mana anziehen, das sich an der Stelle des Übergangs sammelt und verdichtet, bis es zu einer quasimateriellen Manifestation kommt - es entsteht ein Stern und damit ein sogenannter &amp;quot;Seitenquell&amp;quot; - der entfachte Stern nimmt weiter die ursprüngliche Funktion des Ankerpunktes wahr, verströmt aber nun gleichzeitig auch noch Mana {{#info: Aber wohin? Das müsste bedeuten es kommt von der anderen Seite? Auf welcher Seite des Ankerpunktes befindet sich der Stern genau?}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All dieses fliessende Mana kehrt schliesslich irgendwann zum Urquell zurück, ganz ähnlich wie das durch den Körper eines Menschen strömende Blut vom Herz in einem Kreislauf bewegt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings sind die Sterne nicht ewig: Sie sterben, ihre Kräfte werden freigegeben. Mir ist unklar, ob das schlicht dadurch passiert, dass der Ankerpunkt zu existieren aufhört, oder ob Sterne nach einer gewissen Zeit einfach soviel Mana gesammelt haben, dass sie überlaufen und kollabieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eigenschaften ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mana scheint, wenn ich den Ausführungen von Livius Quintus folge, in verschiedenen Zuständen zu existieren: Einmal frei und damit verfügbar für den Zauberwirker, einmal in einer manifesten Form, die Grundeigenschaften des Seins ausformte und damit weitestgehend unbrauchbar für die Magieanwendung wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Form würde ich luzides Mana nennen, das Letztere facettiertes Mana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke liegt nahe, dass die [[Reagenzien]]nutzung damit Hand in Hand geht: Bestimmte Gegenstände können offensichtlich in facettiertes Mana zerlegt werden und liefern damit die Energie für den Zauber. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man könnte nun darüber nachdenken, ob der initiale Schritt, nämlich diese Aufspaltung einer Reagenzie, genau das luzide Mana erfordert. Angenommen ein Stoff würde durch eine innewohnende Manadefizienz gekennzeichnet, dann könnte die Injektion luziden Manas dazu führen, dass dieser natürliche Mangel ausgeglichen wird und das bis dahin gebundene facettierte Mana freigegeben wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Reagenzien&amp;diff=456</id>
		<title>Reagenzien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Reagenzien&amp;diff=456"/>
		<updated>2025-06-30T14:56:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Reagenzien}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ursprung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Siebtmond 450|CONTENT=Bislang war für mich die Wirkung und Funktionsweise von Reagenzien simpel: Sie liefern eine spezifische Form von Energie, die bei ausreichender Kompatibilität genutzt werden kann, um einen Zauber zu wirken. Sie sind damit eine der absolut unerlässlichen Grundbedingungen neben den Worten der Macht, Mana und dem Intent. Wenngleich die Wirkungsweise der Reagenzien bisweilen Raum zur Diskussion lässt, war bislang eines zumindest für mich vollkommen klar: Sie liefern eine objektive, theoretisch sogar meßbare Menge an Energie, verlässlich, weitgehend reproduzierbar und gänzlich unabhängig von den Eigenheiten des Zauberwirkers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausführungen von [[Soryia Schwarz]] haben mich nun auf die Spur von vier, mir bislang unbekannten Reagenzien gesetzt: [[Obsidian]], [[Molchaugen]], [[Knochen]] und [[Fruchtbare Erde]]. Diese vier Reagenzien stehen in engem Zusammenhang zu den mir bislang ebenfalls unbekannt gewesenen fünf Pfaden - vieren eben dieser Pfade wird genau eine dieser neuen Reagenzien zugeordnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war noch nicht genau in der Lage zu evaluieren, ob die reine Möglichkeit Energie aus den Reagenzien zu ziehen, bereits pfadgebunden ist. Falls ja ermöglicht das einige weitere Spekulationen über die dahinterstehenden Prinzipien und damit vielleicht auch eine Erklärung, warum die bekannten acht Reagenzien überhaupt funktionieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seien wir ehrlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir unter den Tausenden und Abertausenden an Stoffen und Teilen dieser Welt ausgerechnet die einzigen acht gefunden hätten, die für Magie geeignet sind, ist so gering, dass es keiner Diskussion wert ist. Ich habe mich daher stets gefragt, ob es nicht noch Unmengen an anderen potentiellen Reagenzien gibt, die sich uns schlicht noch nicht erschlossen haben und - falls  ja - was uns daran hindert sie zu nutzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik mit den Pfaden lässt mich nun nachdenken, ob noch mehr dahintersteht: Kann es sein, dass etwas an uns Zauberwirkern schlicht mit der richtigen Reagenzie resoniert? Falls ja müsste das aber bedeuten, dass fremdartige Völker oder Rassen dann auch Zugriff auf andere, für uns nutzlose Reagenzien haben könnten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Zwölftmond 450|CONTENT=Meine Bemühungen haben gezeigt, dass ich trotz aller Mühe nicht in der Lage bin, Energie aus einer der vier pfadgebundenen Reagenzien zu ziehen. Das war eine frappierende, in Teilen sogar demütigende Erfahrung: Ich war überzeugt, dass es in irgendeiner Weise möglich sein müsste sich Zugang zu verschaffen, aber keine der von mir versuchten Methoden zeigte irgendeinen Erfolg. Für mich scheinen [[Obsidian]], [[Molchaugen]], [[Knochen]] und [[Fruchtbare Erde]] genauso magisch potent zu sein, wie Wüstensand. Nachfragen haben aufgezeigt, dass es für tatsächlich befähigte Anwender keinen Unterschied zu machen scheint, ob sie mit einer der klassischen Acht oder mit einer passenden Pfadreagenzie zu tun haben, der Prozess der Energiefreisetzung ist unverändert in Aufwand und Ergebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat mich zu dem Gedanken geführt, dass der Wahl eines Pfades grössere objektive Änderungen am Zauberwirker nach sich zieht, als auf den ersten Blick ersichtlich: Die bereits angesprochene &amp;quot;Resonanz&amp;quot; bedeutet letztlich die Fähigkeit sich permanent in einer Art und Weise einzustimmen, die dann sekundär eben auch den Zugriff auf die Pfadreagenzie erlaubt. Wäre es möglich mehr als eine Verbindung dieser Art zu haben, dann - dessen bin ich sicher - hätten findige Geister schon lange vor mir eine brauchbare Methode entwickelt. Ich muss also davon ausgehen, dass es irgendeine tiefgreifende, wenn auch unsichtbar bleibende Veränderung gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine - zugegeben halbherzige - Suche nach einer Pfadreagenzie für den Astralmagier hat sich bislang als fruchtlos erwiesen. Ich bin überzeugt, dass es etwas gibt, was aber schlicht noch nicht entdeckt wurde. Die Auswahl ist leider übergroß, so dass ich wenig Hoffnung auf mehr als einen glücklichen Zufall habe. Auch hier bin ich sicher, dass sich gewiss schon Andere auf die gleiche Suche begeben haben und das Fehlen eines greifbaren Resultats ist eine Aussage für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eingehendere Beschäftigung mit den Reagenzien als sich, führte mich noch ein zu einer anderen interessanten Frage: Wann und wie genau reichert sich die Energie in ihnen an? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein genauerer Blick erlaubt es die Reagenzien in drei verschiedene Gruppen zu teilen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Selbstwachsend: Alraune, Blutmoos, Ginseng, Knoblauch, Molchaugen, Nachtschatten&lt;br /&gt;
* Fremdwachsend: Knochen, Schwarze Perle, Spinnenseide&lt;br /&gt;
* Nichtwachsend: Fruchtbare Erde, Obsidian, Schwefelasche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstwachsend und Nichtwachsend sollten eindeutig sein, fremdwachsend ist etwas komplizierter: Die Reagenzie wird durch eine lebende Kreatur direkt oder indirekt geschaffen, ist aber entweder nicht Teil der Kreatur oder wird erst nach dem Ende der Kreatur zu einer Reagenzie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin noch nicht sicher, was ich aus dieser Beobachtung machen kann, aber ich habe das Gefühl, dass diese Unterschiede von fundamentaler Bedeutung sind.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Siebtmond 451|CONTENT=Ein kurzer Gedankenblitz, der mir heute kam: Wie ethisch ist der Einsatz von Reagenzien? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Reagenzie wird durch die Nutzung in einem Zauber verbraucht und damit aus der Welt entfernt. Im Falle von nachwachsenden Ressourcen mag das kaum bedeutsam erscheinen, bei Obsidian, Schwefelasche und fruchtbarer Erde kann ein negativer Einfluss aber nicht verneint werden: Das Wirken des Druiden hinterlässt tote Ödnis, wo vorher Potential für wachsendes Leben vorhanden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umgedreht könnte man argumentieren, dass das Tun eines Nekromanten schädliche Energien aus der Welt entzieht und damit grundsätzlich etwas Positives ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich würde das gern mit Livius diskutieren, aber ich befürchte, dass die generelle Resonanz eher negativ ausfallen würde.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Worte_der_Macht&amp;diff=455</id>
		<title>Worte der Macht</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Worte_der_Macht&amp;diff=455"/>
		<updated>2025-06-30T14:49:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{WdM}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle mir bekannten Worte der Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ursprung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Fünftmond 450|CONTENT=&lt;br /&gt;
Es ist interessant, wie unterschiedlich die Ansicht meiner beiden Lehrmeister zu den Worten der Macht, ihrer Funktion und Wirkungsweise war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Myra]], die generell wenig Interesse an Theorie hatte, erklärte immer nur knapp, dass die Worte der Macht Ableitungen aus einem älteren, möglicherweise komplexeren System seien und ihre Macht nur dadurch entfalten, dass sie vom Anwender damit versehen werden. Sie ließ mich über jedes einzelne der Worte nachdenken und meditieren, den Sinn greifen und visualisieren, um all das letztlich konzentriert mit einem Auslöser - eben dem Wort der Macht - zu verknüpfen. Prägung, so nannte sie es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich [[Jerwalson]] davon berichtete, durfte ich mir eine ganze Weile höhnisch ins Gesicht lachen lassen. Er erläuterte mir später seine Theorie im Detail: &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Worte der Macht sind in ein grösseres magisches System integrierte &#039;&#039;Schalter&#039;&#039;, die unabhängig von Wissen oder auch Absicht auf eine &#039;&#039;Berührung&#039;&#039; reagieren, sofern der Anwender die richtige &#039;&#039;Grundprägung&#039;&#039; besitzt. Mir ist unklar, warum es diese Differenzierung braucht. Das klingt als gäbe es verschiedene Worte der Macht, aber soweit mir derzeit bekannt, existieren eben nur diese 26 verschiedenen Worte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jerwalsons These der Theurgie, sind Magier letztlich einfach die Anbeter einer grösseren Macht im Hintergrund, die sich durch ritualisierte und modularisierte Gebete (Worte der Macht -&amp;gt; Zauber) ausdrücken und dafür Opfergaben (Reagenzien) bringen. Er war sehr ernsthaft in seinen dahingehenden Ausführungen (und sehr betrunken), dennoch fühle ich mich verschaukelt, wann immer ich daran zurückdenke. Es ist einfach schwierig zu widersprechen, wenn man selbst zu wenig weiss, um echte Gegenargumente bringen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorstellung, dass es vielleicht wirklich etwas gibt, etwas, das die Regeln ändern kann, etwas, das vielleicht dafür sorgt, dass bestimmte Zauber funktionieren und andere nicht, empfinde ich als höchst furchteinflößend.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Zwölfmond 450|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich durfte lernen, dass es neben den mir bekannten Worten der Macht eine überraschend grosse Anzahl an &amp;quot;Übersetzungen&amp;quot; gibt. Elfen, Orks, Drachen und gewisse altertümlich gekleidete Herren und Damen zeichnen sich jeweils dadurch aus, dass sie jeweils eine eigene Färbung der bestehenden Worte verwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Varianz ist allerdings enttäuschend zahm: Abgesehen davon, dass es eben andere Silben gibt, die sträflich das klare, übersichtliche System der alphabetischen Sortierung vermissen lassen, gibt es keine Abwandlungen, keine neuen Worte, keine Umformungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es erscheint mir offensichtlich, dass all diese Sprachen letztlich auf minderem Selbstbewusstsein basierende Kopien des ursprünglichen Systems sind, evident im Fehlen genau der präzisen Ordnung und Eindeutigkeit bei gleichbleibender Wirkung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eitelkeit ist, wie sich einmal mehr zeigt, nicht nur eine menschliche Eigenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon abgesehen zeigte mir diese Erkennis aber auch, dass die Wirklichkeit sich entweder mehr in Richtung der Ansicht [[Myra]]s neigt, oder dass es möglich ist neue Aspekte in ein eigentlich starres System einzuprägen. Die Tatsache, dass es möglich ist sich einen fremden &amp;quot;Dialekt&amp;quot; anzueignen, bedeutet, dass es keine Form der Bindung gibt, wie es für die Pfadreagenzien der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sollte ich einmal zuviel Zeit haben, würde ich tatsächlich versuchen mir selbst eine Variante auszudenken, einfach um zu schauen, ob die Welt mir damit Recht gibt oder nicht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Siebtmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Mein Versuch der Arbeit an einem neuen Dialekt von Worten der Macht ([[Quintussenz Idiom]]) ist gescheitert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist, trotz der Enttäuschung über den Fehlschlag, das interessantere, ehrlich gesagt auch unerwartete Ergebnis: Wodurch unterscheiden sich diese Kopien des exakt Gleichen von meiner eigens formulierten Kopie? Gibt es eine Entität, die tatsächlich rein mechanische Auslöser hat, die irgendwann eingeprägt wurden? Ermöglicht etwas wie ein weitgehender Konsens neue Worte der Macht zu bestehenden Auslösern hinzuzufügen? Wenn ja: Wie kann dieser Konsens jemals zustandekommen, da hier der Glaube vor der Wirkung erscheinen müsste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich beginne mich zu fragen, ob nicht die Ansichten meiner ersten Lehrmeisterin mehr Merit haben, als ich in all den Jahren annahm. Vielleicht gibt es keine Logik, kein System. Nur Momentum und Glaube, verankert in der fundamentalen Möglichkeit einer kognitiven Ebene.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Worte_der_Macht&amp;diff=454</id>
		<title>Worte der Macht</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Worte_der_Macht&amp;diff=454"/>
		<updated>2025-06-30T14:48:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{WdM}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle mir bekannten Worte der Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ursprung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Fünftmond 450|CONTENT=&lt;br /&gt;
Es ist interessant, wie unterschiedlich die Ansicht meiner beiden Lehrmeister zu den Worten der Macht, ihrer Funktion und Wirkungsweise war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Myra]], die generell wenig Interesse an Theorie hatte, erklärte immer nur knapp, dass die Worte der Macht Ableitungen aus einem älteren, möglicherweise komplexeren System seien und ihre Macht nur dadurch entfalten, dass sie vom Anwender damit versehen werden. Sie ließ mich über jedes einzelne der Worte nachdenken und meditieren, den Sinn greifen und visualisieren, um all das letztlich konzentriert mit einem Auslöser - eben dem Wort der Macht - zu verknüpfen. Prägung, so nannte sie es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich [[Jerwalson]] davon berichtete, durfte ich mir eine ganze Weile höhnisch ins Gesicht lachen lassen. Er erläuterte mir später seine Theorie im Detail: &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Worte der Macht sind in ein grösseres magisches System integrierte &#039;&#039;Schalter&#039;&#039;, die unabhängig von Wissen oder auch Absicht auf eine &#039;&#039;Berührung&#039;&#039; reagieren, sofern der Anwender die richtige &#039;&#039;Grundprägung&#039;&#039; besitzt. Mir ist unklar, warum es diese Differenzierung braucht. Das klingt als gäbe es verschiedene Worte der Macht, aber soweit mir derzeit bekannt, existieren eben nur diese 26 verschiedenen Worte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jerwalsons These der Theurgie, sind Magier letztlich einfach die Anbeter einer grösseren Macht im Hintergrund, die sich durch ritualisierte und modularisierte Gebete (Worte der Macht -&amp;gt; Zauber) ausdrücken und dafür Opfergaben (Reagenzien) bringen. Er war sehr ernsthaft in seinen dahingehenden Ausführungen (und sehr betrunken), dennoch fühle ich mich verschaukelt, wann immer ich daran zurückdenke. Es ist einfach schwierig zu widersprechen, wenn man selbst zu wenig weiss, um echte Gegenargumente bringen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorstellung, dass es vielleicht wirklich etwas gibt, etwas, das die Regeln ändern kann, etwas, das vielleicht dafür sorgt, dass bestimmte Zauber funktionieren und andere nicht, empfinde ich als höchst furchteinflößend.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Zwölfmond 450|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich durfte lernen, dass es neben den mir bekannten Worten der Macht eine überraschend grosse Anzahl an &amp;quot;Übersetzungen&amp;quot; gibt. Elfen, Orks, Drachen und gewisse altertümlich gekleidete Herren und Damen zeichnen sich jeweils dadurch aus, dass sie jeweils eine eigene Färbung der bestehenden Worte verwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Varianz ist allerdings enttäuschend zahm: Abgesehen davon, dass es eben andere Silben gibt, die sträflich das klare, übersichtliche System der alphabetischen Sortierung vermissen lassen, gibt es keine Abwandlungen, keine neuen Worte, keine Umformungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es erscheint mir offensichtlich, dass all diese Sprachen letztlich auf minderem Selbstbewusstsein basierende Kopien des ursprünglichen Systems sind, evident im Fehlen genau der präzisen Ordnung und Eindeutigkeit bei gleichbleibender Wirkung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eitelkeit ist, wie sich einmal mehr zeigt, nicht nur eine menschliche Eigenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon abgesehen zeigte mir diese Erkennis aber auch, dass die Wirklichkeit sich entweder mehr in Richtung der Ansicht [[Myra]]s neigt, oder dass es möglich ist neue Aspekte in ein eigentlich starres System einzuprägen. Die Tatsache, dass es möglich ist sich einen fremden &amp;quot;Dialekt&amp;quot; anzueignen, bedeutet, dass es keine Form der Bindung gibt, wie es für die Pfadreagenzien der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sollte ich einmal zuviel Zeit haben, würde ich tatsächlich versuchen mir selbst eine Variante auszudenken, einfach um zu schauen, ob die Welt mir damit Recht gibt oder nicht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Siebtmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Mein Versuch der Arbeit an einem neuen Dialekt von Worten der Macht ([[Quintussenz-Idiom]]) ist gescheitert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist, trotz der Enttäuschung über den Fehlschlag, das interessantere, ehrlich gesagt auch unerwartete Ergebnis: Wodurch unterscheiden sich diese Kopien des exakt Gleichen von meiner eigens formulierten Kopie? Gibt es eine Entität, die tatsächlich rein mechanische Auslöser hat, die irgendwann eingeprägt wurden? Ermöglicht etwas wie ein weitgehender Konsens neue Worte der Macht zu bestehenden Auslösern hinzuzufügen? Wenn ja: Wie kann dieser Konsens jemals zustandekommen, da hier der Glaube vor der Wirkung erscheinen müsste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich beginne mich zu fragen, ob nicht die Ansichten meiner ersten Lehrmeisterin mehr Merit haben, als ich in all den Jahren annahm. Vielleicht gibt es keine Logik, kein System. Nur Momentum und Glaube, verankert in der fundamentalen Möglichkeit einer kognitiven Ebene.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Quintussenz_Idiom&amp;diff=453</id>
		<title>Quintussenz Idiom</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Quintussenz_Idiom&amp;diff=453"/>
		<updated>2025-06-30T14:38:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Kommentare und Ergänzungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Fels_Notizen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Präambel ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein eigenes Studium der Magie begann mit den Worten der Macht, damals noch im Zelt einer selbsterklärten Hellseherin, die auf dem Jahrmarkt gelernt hatte, die Karten für allerlei leichtgläubiges Volk zu legen. Sie war der Ansicht, dass die Worte der Macht Überreste eines grösseren, komplexeren und heute weitgehend vergessenen Systems seien und ihre ganze Macht nur dadurch entfalten, dass sie vom Anwender damit versehen werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;Sie liess mich über die Worte der Macht nachdenken und meditieren, ihre Bedeutung visualisieren und verinnerlichen, alles im Dienste einer Prägung der eigenen Gedanken in Richtung eines präzisen Ziels, abrufbar, konzentriert, ja kondensiert auf ein einziges repräsentierendes Wort hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein zweiter Lehrmeister, Arngrimm Jerwalson, brachte mir eine nahezu konträre Sichtweise nahe: Seiner Meinung nach wären die Worte der Macht &amp;lt;i&amp;gt;Schalter&amp;lt;/i&amp;gt;, die unabhängig von Wissen oder Absicht auf eine &amp;lt;i&amp;gt;Berührung&amp;lt;/i&amp;gt; reagieren. Selbst die viel beschworene &amp;lt;i&amp;gt;Absicht&amp;lt;/i&amp;gt;, die als unerlässlich angesehen wird um einen Zauber dann auch tatsächlich wirken zu können, ließe sich nach Jerwalson als passendes &amp;lt;i&amp;gt;Muster&amp;lt;/i&amp;gt; in einem grösseren System magischer Lauscher begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe mit beiden Erklärungen eine lange Zeit gehadert, in erster Linie wegen meiner profunden Schwierigkeiten das reine Buchwissen dann auch tatsächlich in magisches Wirken umzusetzen. Das ist etwas, womit ich auch heute noch mit meine Schwierigkeiten habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich, auch wenn ich Fortschritte machte, kehrte ich immer wieder zu diesen Grundlagen zurück, zu der vermeintlichen Unvereinbarkeit von zwei Thesen, deren Überschneidung sich allein in einem so theoretischen Konstrukt finden lässt, dass es mehr als unplausibel wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem ich aus erster Hand erfuhr, dass es in der Tat verschiedene &amp;lt;i&amp;gt;Dialekte&amp;lt;/i&amp;gt; der Worte der Macht gibt, gebraucht von verschiedenen Völkern oder Volksgruppen, durchaus aber auch bei Einzelpersonen abweichend bekannt und benutzt, erwachte meine schlafende Neugier erneut und damit der Wunsch die Probe aufs Exempel zu machen: Ich würde versuchen durch sorgsame und kontrollierte Übung zu ergründen, welcher Wahrheit sich die Worte der Macht am Ehesten zuneigen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich würde einen neuen Dialekt erlernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich würde - zuvor - einen neuen Dialekt erschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit für diesen hier an zweiter Stelle genannten, eigentlich aber ersten Schritt, liegt auf der Hand: Nur auf diese Weise lässt sich ausschliessen, dass es tatsächlich bereits irgendwie etablierte &amp;lt;i&amp;gt;Schalter&amp;lt;/i&amp;gt; oder anderweitig vorhandene Prägungen gibt, die den Gedanken unverdient in die Wirklichkeit holen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quintussenz-Idiom ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Schritt war also die Erschaffung eines eigenen Dialekt, dem ich den Namen &amp;quot;Quintussenz-Idiom&amp;quot; verlieh. Ein kleines Wortspiel in der Verbindung von Quintessenz - das Wichtigste oder der Hauptgedanke - mit dem Namen meines aktuellen Lehrmeisters Livius Quintus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Ziel war die Erschaffung eines &amp;lt;i&amp;gt;geordneten&amp;lt;/i&amp;gt;, möglichst &amp;lt;i&amp;gt;symmetrischen&amp;lt;/i&amp;gt; Systems, das klar ableitbaren Regeln im Aufbau folgte - damit eine Systematik inkorporierend, die sich in dieser Form in keinen der bekannten Dialekte wiederfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Regeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Regeln sind wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Jedes Wort der Macht bildet mit genau einem anderen Wort der Macht ein Gegensatzpaar.&lt;br /&gt;
* Jedes Wort der Macht beginnt mit einem eigenen Buchstaben, ganz wie bei den klassischen Worten auch&lt;br /&gt;
* Jedes Wort der Macht endet - symmetrisch - mit dem Buchstaben, der passend vom Ende des Alphabets her aufsteigt.&lt;br /&gt;
* Gegensatzpaare haben gespiegelte Buchstaben: Aus ABC folgt CBA&lt;br /&gt;
* Worte der Macht werden wie folgt geordnet:&lt;br /&gt;
** Immer vom Zustand der höchsten Negentropie hin zur schwächsten Negentropie&lt;br /&gt;
** Zunächst die Invokatoren, dann die Modifikatoren, zuletzt die Reihe der Aspekte&lt;br /&gt;
* Invokatoren haben 2 Buchstaben, Modifikatoren deren 3 und Aspekte 4 (oder 5 sofern notwendig)&lt;br /&gt;
* Der zweite Buchstabe der Modifikatoren und Aspekte sind Vokale in aufsteigender Reihenfolge. Am Ende einer Reihe erfolgt ein Übersprung zum Anfang (O -&amp;gt; A)&lt;br /&gt;
* Der zweitletzte Buchstabe der Aspekte ist ein Buchstabe in absteigender Reihenfolge. &lt;br /&gt;
** Falls das sich ergebende Wort unaussprechlich wird, wird stattdessen zum nächsten Vokal (absteigend) gesprungen &lt;br /&gt;
** Es kann dann aus äthethischen Gründen ein und ein Mittelbuchstabe an dritter Stelle eingeschoben werden und zwar jener, der zunächst an vorletzter Stelle hätte stehen sollen&lt;br /&gt;
** Der Mittelbuchstabe folgt dem Alphabet in aufsteigender Reihenfolge, es sind nur Konsonenten erlaubt&lt;br /&gt;
** Fortgesetzt wird immer vom letzten Buchstaben aus, der im Wort darüber gewählt wurde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bildung von Gegensatzpaaren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Bildung der Gegensatzpaare habe ich mich lose an Jerwalsons enigmatischem Dualismus orientiert. Das Grundprinzip, dem ich auch hier folgte, war die grundsätzliche Aufteilung in entropische und negentropische Wirkungen: Also solche, die entweder Energie sammeln/ordnen, oder diese stattdessen verteilen und zerstreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paare bedeuten hier nicht zwingend das exakte Gegenteil, sondern beziehen sich in erster Linie eben auf genau diese Eigenheit im Vergleich zueinander bei einer ansonsten möglichen gemeinsamen Basis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht in allen Fällen ist das wirklich eindeutig machbar oder es erfordert einiges an geistiger Flexibilität, um die passenden Aspekte zu betonen und unpassende Anteile stattdessen zu ignorieren. Das ist ein Makel, der mir durchaus bewusst ist, allerdings auch ohne Bedeutung für die eigentliche Aufgabe bleibt: Das Idiom ist - vermutlich - als solches ohnehin nicht mehr als eine Ansammlung von Lauten, die geistige Gymnastik für die Herleitung unbedeutend, solange die Grundbedeutung dabei nicht verloren geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gilt dabei unverbrüchlich: Es gibt nur 26 Worte der Macht, auch wenn sie in Dialekten beliebig umgeformt werden, bleibt ihre Wirkung doch gleich. Ihr Kern ändert sich nicht, ganz gleich wie die auferlegte Form auch aussehen mag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;display:grid; grid-template-columns: 250px 70px 250px; row-gap: 10px; text-align:center&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 1&amp;gt;IN (Erschaffen/Verursachen)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 2&amp;gt;KAL (Beschwören/Binden)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 3&amp;gt;DES (Senken)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 4&amp;gt;BET (Klein)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 5&amp;gt;SANCT (Schutz)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 6&amp;gt;ORT (Magie)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 7&amp;gt;ZAN (Schlaf)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 8&amp;gt;GRAV (Energie)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 9&amp;gt;MANI (Heilung/Leben)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 10&amp;gt;YLEM (Erde/Materie)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 11&amp;gt;WIS (Geist/Wissen)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 12&amp;gt;CORP (Tod)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 13&amp;gt;LOR (Licht)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 1&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 2&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 3&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 4&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 5&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 6&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 7&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 8&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 9&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 10&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 11&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 12&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 13&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 1&amp;gt;AN (Auflösen/Negieren)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 2&amp;gt;EX (Freiheit/Lösen)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 3&amp;gt;UUS (Steigern/Erhöhen)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 4&amp;gt;VAS (Gross)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 5&amp;gt;JUX (Falle/Schaden)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 6&amp;gt;TYM (Zeit)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 7&amp;gt;REL (Verändern)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 8&amp;gt;FLAM (Feuer)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 9&amp;gt;NOX (Gift)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 10&amp;gt;HUR (Luft/Wind)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 11&amp;gt;XEN (Wesen/Kreatur)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 12&amp;gt;POR (Bewegung)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 13&amp;gt;QUAS (Illusion)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;p&amp;gt;&amp;lt;/p&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Konvertierung durch Regelanwendung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konvertierung erfolgt schlicht durch Anwendung der oben beschriebenen Regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein paar Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Aus &amp;quot;IN&amp;quot; wird &amp;quot;AZ&amp;quot;: Zwei Buchstaben, Symmetrisch. Entsprechend muss &amp;quot;AN&amp;quot; zu &amp;quot;ZA&amp;quot; werden&lt;br /&gt;
* Aus &amp;quot;DES&amp;quot; wird &amp;quot;CAX&amp;quot;: Drei Buchstaben, Symmetrisch (C &amp;lt;-&amp;gt; X), der mittlere Buchstabe ist ein Vokal (A). Entsprechend muss &amp;quot;UUS&amp;quot; zu &amp;quot;XAC&amp;quot; werden&lt;br /&gt;
* Aus &amp;quot;ZAN&amp;quot; wird &amp;quot;GEYT&amp;quot; Zunächst G__T für die Symmetrie, aufgefüllt E und Y, was GEYT ergibt und TYEG.&lt;br /&gt;
* Aus &amp;quot;LOR&amp;quot; wird MIKN, es findet eine Konvertierung zum Vokal statt zu MIEN, eingeschoben wieder das K: MIKEN &amp;lt;-&amp;gt; NEKIM&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ergibt sich folgende Liste mit Konvertierungsschritten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;                 AZ -    ZA (IN - AN)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;                 BY -    YB (KAL - EX)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;                CAX -   XAC (DES - UUS)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;                DEW -   WED (BET - VAS)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;                EIV -   VIE (SANCT - JUX)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;               FAZU -  UZAF (ORT - TYM)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;               GEYT -  TYEG (ZAN - POR)&lt;br /&gt;
 HIXS -&amp;gt;          HIUS -  SUIH (GRAV - FLAM)&lt;br /&gt;
 IJTS -&amp;gt;          IJOR -  ROJI (MANI - NOX)&lt;br /&gt;
 JONQ -&amp;gt; JOIQ -&amp;gt; JONIQ - QINOJ (YLEM - HUR)&lt;br /&gt;
 KAMP -&amp;gt; KAEP -&amp;gt; KAMEP - PEMAK (WIS - XEN)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;               LELO -  OLEL (CORP - REL)&lt;br /&gt;
 MIKN -&amp;gt; MIEN -&amp;gt; MIKEN - NEKIM (LOR - QUAS)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Symbolerschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die traditionellen Worte der Macht besitzen jeweils Runen als Kurzschrift. Ein eigener Dialekt wäre natürlich nicht vollständig ohne ebenso eine Symbolik zur klaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von mir erdachten Symbole folgen natürlich ebenso einer begrenzten Systematik, allerdings ohne durch gehenden Anspruch einer vollständigen Herleitbarkeit: Eine gewisse Ästhetik steht hier mehr im Vordergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleibt dennoch als Grundprämisse bestehen, dass gegensätzliche Worte dann auch gegensätzliche/invertierte Symbole haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Symbole finden sich letztlich als Ergänzung bei der finalisierten Liste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finalisierte Liste ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=AZ (In)|POLYGON=polygon(25% 75%, 25% 65%, 50% 25%, 75% 65%, 75% 75%, 50% 35%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=ZA (An)|POLYGON=polygon(25% 25%, 25% 35%, 50% 75%, 75% 35%, 75% 25%, 50% 65%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=BY (Kal)|POLYGON=polygon(25% 75%, 35% 75%, 75% 50%, 35% 25%, 25% 25%, 65% 50%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=YB (Ex)|POLYGON=polygon(75% 75%, 65% 75%, 25% 50%, 65% 25%, 75% 25%, 35% 50%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=XAC (Uus)|POLYGON=polygon(25% 53%, 47% 53%, 47% 72%, 53% 75%, 53% 53%, 75% 53%, 72% 47%, 53% 47%, 53% 25%, 47% 22%, 47% 47%, 22% 47%)}} &amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=CAX (Des)|POLYGON=polygon(25% 53%, 75% 53%, 72% 47%, 22% 47%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=EIV (Sanct)|POLYGON=polygon(25% 25%, 75% 25%, 50% 75%, 50% 65%, 70% 30%, 30% 30%, 50% 65%, 50% 75%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=VIE (Jux)|POLYGON=polygon(25% 75%, 75% 75%, 50% 25%, 50% 35%, 70% 70%, 30% 70%, 50% 35%, 50% 25%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawCircle|NAME=WED (Vas)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=DEW (Bet)|POLYGON=circle(10% at 50% 50%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=FAZU (Ort)|POLYGON=polygon(25% 25%, 75% 25%, 75% 75%, 25% 75%, 25% 50%, 30% 50%, 30% 70%, 70% 70%, 70% 30%, 30% 30%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=UZAF (Tym)|POLYGON=polygon(25% 25%, 25% 75%, 75% 75%, 75% 50%, 70% 50%, 70% 70%, 30% 70%, 30% 30%, 70% 30%, 75% 25%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=GEYT (Zan)|POLYGON=polygon(25% 25%, 35% 25%, 75% 75%, 70% 70%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=TYEG (Por)|POLYGON=polygon(25% 75%, 35% 75%, 75% 25%, 70% 30%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=HIUS (Grav)|POLYGON=polygon(25% 25%, 75% 25%, 75% 30%, 43% 30%, 43% 75%, 37% 75%, 37% 30%, 25% 30%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=SIUH (Flam)|POLYGON=polygon(25% 75%, 75% 75%, 75% 70%, 63% 70%, 63% 25%, 57% 25%, 57% 70%, 25% 70%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=IJOR (Mani)|POLYGON=polygon(25% 65%, 75% 65%, 75% 40%, 60% 40%, 60% 45%, 70% 45%, 70% 60%, 30% 60%, 30% 45%, 40% 45%, 40% 40%, 25% 40%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=ROJI (Nox)|POLYGON=polygon(25% 35%, 75% 35%, 75% 60%, 60% 60%, 60% 55%, 70% 55%, 70% 40%, 30% 40%, 30% 55%, 40% 55%, 40% 60%, 25% 60%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=KAMEP (Wis)|POLYGON=polygon(75% 50%, 50% 25%, 25% 75%, 30% 75%, 50% 30%, 73% 50%, 25% 50%, 30% 55%, 75% 50%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=PEMAK (Xen)|POLYGON=polygon(25% 50%, 50% 25%, 75% 75%, 70% 75%, 50% 30%, 27% 50%, 75% 50%, 70% 55%, 25% 50%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=LELO (Corp)|POLYGON=polygon(25% 65%, 75% 65%, 75% 40%, 60% 40%, 60% 45%, 70% 45%, 70% 60%, 30% 60%, 30% 45%, 60% 45%, 60% 40%, 25% 40%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=OLEL (Rel)|POLYGON=polygon(27% 50%, 35% 50%, 45% 30%, 55% 70%, 65% 50%, 75% 50%, 73% 55%, 65% 55%, 55% 75%, 45% 35%, 35% 55%, 25% 55% )}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=MIKEN (Lor)|POLYGON=polygon(25% 75%, 35% 75%, 80% 50%, 35% 25%, 25% 25%, 75% 48%, 25% 48%, 25% 52%, 75% 52%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=NEKIM (Quas)|POLYGON=polygon(75% 75%, 65% 75%, 20% 50%, 65% 25%, 75% 25%, 25% 48%, 75% 48%, 75% 52%, 25% 52%)}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=JONIQ (Ylem)|POLYGON=polygon(25% 75%, 25% 25%, 30% 25%, 30% 60%, 75% 60%, 75% 65%, 30% 65%, 30% 75% )}} &amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=QUINOJ (Hur)|POLYGON=polygon(75% 75%, 75% 25%, 70% 25%, 70% 60%, 25% 60%, 25% 65%, 70% 65%, 70% 75% )}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lerntechnik ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Definition allein erschafft noch keinen Eindruck in der Welt - zumindest nicht in einem meßbaren Maße. Das bedeutet: Es ist unmöglich das Quintussenz-Idiom zum Zaubern zu verwenden ohne dafür gewisse weitere Vorarbeiten zu leisten und selbst das pflichtbewusste Erbringen dieser Pflichten bedeutet nicht zwingend einen Erfolg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der experimentelle Teil: Das Scheitern kann vielfache Gründe haben: Persönlicher Mangel an Eignung, Ausdauer und Engagement fallen zunächst ein, aber es ist auch denkbar, dass die Versuche schlicht an den Grenzen des Systems selbst enden: Wenn es nicht funktioniert, dann funktioniert es nicht, ganz gleich wie hübsch das Papier auf dem die Buchstaben hinterlassen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Erfolg würde dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine der Grundfragen zur Funktionsweise der Worte der Macht klären. Auch hier gibt es allerdings keine vollständige Gewissheit, solange es nicht möglich ist rein mechanische Magie zu wirken ohne die prägende Kraft einer Seele im Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungeachtet dieser Einschränkungen sieht mein Plan einen faktischen Rückschritt zu den ersten Lektionen dar, die ich vor Jahren in Rossensprung erhielt: Meditation über den Worten der Macht, Verinnerlichung ihrer präzisen Wirkung, Konzentration auf ihre zusammengefasste Bedeutung und Bindung all dessen an neue Worte der Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine offensichtliche Erschütterung des ganzen Fundaments auf dem mein magisches Wirken ruht und es ist nicht auszuschliessen, dass sich entsprechend negative Folgen zeigen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Augenblick bin ich gewillt dieses Risiko einzugehen, natürlich stetig mit der Bereitschaft den aktuellen Standpunkt jederzeit neu zu evaluieren. Aber letztlich: Auch ein Vogel lernt das Fliegen nicht allein durchs Zuschauen. Irgendwann ist es Zeit die Flügel auszubreiten und alles zu wagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kommentare und Ergänzungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Erstmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Bislang haben meine Mühen noch keinen Erfolg gezeigt, aber ich habe, um ehrlich zu sein, auch kaum etwas anderes erwartet: Meine ersten Versuche unter der Aufsicht und Anweisung [[Myra]]s waren bereits langwierig und frustrierend und ohne ihren fortgesetzten, unerschütterlichen Glauben an meine Gabe, hätte ich lange vor dem ersten Wirken aufgegeben. Es ist eine feine Ironie, dass ich mit dem Wissen von Heute feststellen kann, dass diese ganze Zuversicht fehlgeleitet war, nicht mehr als Aberglaube. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerlei. Ich setze meine Übungen fort wie gehabt, konzentriert auf die beiden Worte, mit denen ich auch damals meinen ersten Erfolg hatte: AZ MIKEN ([[IN]] [[LOR]]).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Drittmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Meine Fortschritte waren bislang gleich Null. Das sollte mich nicht frustrieren - die Möglichkeit, dass selbst entworfene Dialekte schlicht nicht funktionieren können, war ja durchaus Teil der ursprünglichen Überlegungen. Und dennoch kann ich den Gedanken nicht abschütteln, dass das Problem nicht beim Quintussenz-Idiom liegt, sondern bei mir. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das wäre nicht das erste Mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann aber nicht umhin mich zu fragen, ob meine Gefährten und Freunde nicht sehr viel weniger Schwierigkeiten hätten. Das sollte mich anspornen meine Forschung mit ihnen zu teilen und sie zu ermuntern. Sollte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich starre auf meine Notizen und stelle fest, dass ich es nicht über mich bringe: Die Vorstellung, dass sie dann mit einem Lächeln Erfolg hätten, wo ich hartnäckig scheitere, ist mir unerträglich.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Fünftmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich gebe mir noch einen weiteren Monat, bevor ich meine Niederlage eingestehen und zu Livius kriechen werde, um ihm meinem Fehlschlag einzugestehen. Der nächste logische Schritt wäre dann die Suche nach einem jungen Erwachten, der noch keinen Kontakt mit den herkömmlichen Worten der Macht hatte. Ein Fehlschlag auch dann würde zumindest meine Frage danach beantworten, ob das Problem bei mir oder beim System liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange mühe ich mich weiter, folge dem Pfad lange schon eingeschliffener Übungen und schlucke die tägliche Enttäuschung herunter. Alles wie immer also.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Letzter Tag des Sechsmonds 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich habe meine Kapitulation so weit aufgeschoben wir nur möglich, ohne meiner eigenen Vorlage untreu zu werden. Letztlich muss ich feststellen, dass all meine Bemühungen das Quintussenz-Idiom in irgendeiner Form nutzbar zu machen, gescheitert sind. Das sollte mich nicht frustrieren, ein Ergebnis in diese Richtung war von Anfang möglich.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch komme ich nicht umhin diesen Fehlschlag als ein persönliches Scheitern zu betrachten, als einen Makel, der sich andernorts, mit einer anderen Person, nicht in gleicher Weise präsentiert hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nüchtern betrachtet, ohne das bittere Gefühl von Unzulänglichkeit, sehe ich damit ausgerechnet die obskureren Annahmen zur Funktionsweise der Worte der Macht bestätigt.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Quintussenz_Idiom&amp;diff=452</id>
		<title>Quintussenz Idiom</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Quintussenz_Idiom&amp;diff=452"/>
		<updated>2025-06-30T14:38:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Fels_Notizen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Präambel ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein eigenes Studium der Magie begann mit den Worten der Macht, damals noch im Zelt einer selbsterklärten Hellseherin, die auf dem Jahrmarkt gelernt hatte, die Karten für allerlei leichtgläubiges Volk zu legen. Sie war der Ansicht, dass die Worte der Macht Überreste eines grösseren, komplexeren und heute weitgehend vergessenen Systems seien und ihre ganze Macht nur dadurch entfalten, dass sie vom Anwender damit versehen werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;Sie liess mich über die Worte der Macht nachdenken und meditieren, ihre Bedeutung visualisieren und verinnerlichen, alles im Dienste einer Prägung der eigenen Gedanken in Richtung eines präzisen Ziels, abrufbar, konzentriert, ja kondensiert auf ein einziges repräsentierendes Wort hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein zweiter Lehrmeister, Arngrimm Jerwalson, brachte mir eine nahezu konträre Sichtweise nahe: Seiner Meinung nach wären die Worte der Macht &amp;lt;i&amp;gt;Schalter&amp;lt;/i&amp;gt;, die unabhängig von Wissen oder Absicht auf eine &amp;lt;i&amp;gt;Berührung&amp;lt;/i&amp;gt; reagieren. Selbst die viel beschworene &amp;lt;i&amp;gt;Absicht&amp;lt;/i&amp;gt;, die als unerlässlich angesehen wird um einen Zauber dann auch tatsächlich wirken zu können, ließe sich nach Jerwalson als passendes &amp;lt;i&amp;gt;Muster&amp;lt;/i&amp;gt; in einem grösseren System magischer Lauscher begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe mit beiden Erklärungen eine lange Zeit gehadert, in erster Linie wegen meiner profunden Schwierigkeiten das reine Buchwissen dann auch tatsächlich in magisches Wirken umzusetzen. Das ist etwas, womit ich auch heute noch mit meine Schwierigkeiten habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich, auch wenn ich Fortschritte machte, kehrte ich immer wieder zu diesen Grundlagen zurück, zu der vermeintlichen Unvereinbarkeit von zwei Thesen, deren Überschneidung sich allein in einem so theoretischen Konstrukt finden lässt, dass es mehr als unplausibel wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem ich aus erster Hand erfuhr, dass es in der Tat verschiedene &amp;lt;i&amp;gt;Dialekte&amp;lt;/i&amp;gt; der Worte der Macht gibt, gebraucht von verschiedenen Völkern oder Volksgruppen, durchaus aber auch bei Einzelpersonen abweichend bekannt und benutzt, erwachte meine schlafende Neugier erneut und damit der Wunsch die Probe aufs Exempel zu machen: Ich würde versuchen durch sorgsame und kontrollierte Übung zu ergründen, welcher Wahrheit sich die Worte der Macht am Ehesten zuneigen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich würde einen neuen Dialekt erlernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich würde - zuvor - einen neuen Dialekt erschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit für diesen hier an zweiter Stelle genannten, eigentlich aber ersten Schritt, liegt auf der Hand: Nur auf diese Weise lässt sich ausschliessen, dass es tatsächlich bereits irgendwie etablierte &amp;lt;i&amp;gt;Schalter&amp;lt;/i&amp;gt; oder anderweitig vorhandene Prägungen gibt, die den Gedanken unverdient in die Wirklichkeit holen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quintussenz-Idiom ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Schritt war also die Erschaffung eines eigenen Dialekt, dem ich den Namen &amp;quot;Quintussenz-Idiom&amp;quot; verlieh. Ein kleines Wortspiel in der Verbindung von Quintessenz - das Wichtigste oder der Hauptgedanke - mit dem Namen meines aktuellen Lehrmeisters Livius Quintus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Ziel war die Erschaffung eines &amp;lt;i&amp;gt;geordneten&amp;lt;/i&amp;gt;, möglichst &amp;lt;i&amp;gt;symmetrischen&amp;lt;/i&amp;gt; Systems, das klar ableitbaren Regeln im Aufbau folgte - damit eine Systematik inkorporierend, die sich in dieser Form in keinen der bekannten Dialekte wiederfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Regeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Regeln sind wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Jedes Wort der Macht bildet mit genau einem anderen Wort der Macht ein Gegensatzpaar.&lt;br /&gt;
* Jedes Wort der Macht beginnt mit einem eigenen Buchstaben, ganz wie bei den klassischen Worten auch&lt;br /&gt;
* Jedes Wort der Macht endet - symmetrisch - mit dem Buchstaben, der passend vom Ende des Alphabets her aufsteigt.&lt;br /&gt;
* Gegensatzpaare haben gespiegelte Buchstaben: Aus ABC folgt CBA&lt;br /&gt;
* Worte der Macht werden wie folgt geordnet:&lt;br /&gt;
** Immer vom Zustand der höchsten Negentropie hin zur schwächsten Negentropie&lt;br /&gt;
** Zunächst die Invokatoren, dann die Modifikatoren, zuletzt die Reihe der Aspekte&lt;br /&gt;
* Invokatoren haben 2 Buchstaben, Modifikatoren deren 3 und Aspekte 4 (oder 5 sofern notwendig)&lt;br /&gt;
* Der zweite Buchstabe der Modifikatoren und Aspekte sind Vokale in aufsteigender Reihenfolge. Am Ende einer Reihe erfolgt ein Übersprung zum Anfang (O -&amp;gt; A)&lt;br /&gt;
* Der zweitletzte Buchstabe der Aspekte ist ein Buchstabe in absteigender Reihenfolge. &lt;br /&gt;
** Falls das sich ergebende Wort unaussprechlich wird, wird stattdessen zum nächsten Vokal (absteigend) gesprungen &lt;br /&gt;
** Es kann dann aus äthethischen Gründen ein und ein Mittelbuchstabe an dritter Stelle eingeschoben werden und zwar jener, der zunächst an vorletzter Stelle hätte stehen sollen&lt;br /&gt;
** Der Mittelbuchstabe folgt dem Alphabet in aufsteigender Reihenfolge, es sind nur Konsonenten erlaubt&lt;br /&gt;
** Fortgesetzt wird immer vom letzten Buchstaben aus, der im Wort darüber gewählt wurde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bildung von Gegensatzpaaren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Bildung der Gegensatzpaare habe ich mich lose an Jerwalsons enigmatischem Dualismus orientiert. Das Grundprinzip, dem ich auch hier folgte, war die grundsätzliche Aufteilung in entropische und negentropische Wirkungen: Also solche, die entweder Energie sammeln/ordnen, oder diese stattdessen verteilen und zerstreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paare bedeuten hier nicht zwingend das exakte Gegenteil, sondern beziehen sich in erster Linie eben auf genau diese Eigenheit im Vergleich zueinander bei einer ansonsten möglichen gemeinsamen Basis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht in allen Fällen ist das wirklich eindeutig machbar oder es erfordert einiges an geistiger Flexibilität, um die passenden Aspekte zu betonen und unpassende Anteile stattdessen zu ignorieren. Das ist ein Makel, der mir durchaus bewusst ist, allerdings auch ohne Bedeutung für die eigentliche Aufgabe bleibt: Das Idiom ist - vermutlich - als solches ohnehin nicht mehr als eine Ansammlung von Lauten, die geistige Gymnastik für die Herleitung unbedeutend, solange die Grundbedeutung dabei nicht verloren geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gilt dabei unverbrüchlich: Es gibt nur 26 Worte der Macht, auch wenn sie in Dialekten beliebig umgeformt werden, bleibt ihre Wirkung doch gleich. Ihr Kern ändert sich nicht, ganz gleich wie die auferlegte Form auch aussehen mag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;display:grid; grid-template-columns: 250px 70px 250px; row-gap: 10px; text-align:center&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 1&amp;gt;IN (Erschaffen/Verursachen)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 2&amp;gt;KAL (Beschwören/Binden)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 3&amp;gt;DES (Senken)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 4&amp;gt;BET (Klein)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 5&amp;gt;SANCT (Schutz)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 6&amp;gt;ORT (Magie)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 7&amp;gt;ZAN (Schlaf)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 8&amp;gt;GRAV (Energie)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 9&amp;gt;MANI (Heilung/Leben)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 10&amp;gt;YLEM (Erde/Materie)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 11&amp;gt;WIS (Geist/Wissen)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 12&amp;gt;CORP (Tod)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 1; grid-row: 13&amp;gt;LOR (Licht)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 1&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 2&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 3&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 4&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 5&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 6&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 7&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 8&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 9&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 10&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 11&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 12&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot; padding:10px; border:0px solid black; grid-column: 2; grid-row: 13&amp;gt;&amp;lt;-&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 1&amp;gt;AN (Auflösen/Negieren)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 2&amp;gt;EX (Freiheit/Lösen)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 3&amp;gt;UUS (Steigern/Erhöhen)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 4&amp;gt;VAS (Gross)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 5&amp;gt;JUX (Falle/Schaden)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 6&amp;gt;TYM (Zeit)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 7&amp;gt;REL (Verändern)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 8&amp;gt;FLAM (Feuer)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 9&amp;gt;NOX (Gift)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 10&amp;gt;HUR (Luft/Wind)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 11&amp;gt;XEN (Wesen/Kreatur)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 12&amp;gt;POR (Bewegung)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:ghostwhite; padding:10px; border:1px solid black; grid-column: 3; grid-row: 13&amp;gt;QUAS (Illusion)&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;p&amp;gt;&amp;lt;/p&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Konvertierung durch Regelanwendung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konvertierung erfolgt schlicht durch Anwendung der oben beschriebenen Regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein paar Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Aus &amp;quot;IN&amp;quot; wird &amp;quot;AZ&amp;quot;: Zwei Buchstaben, Symmetrisch. Entsprechend muss &amp;quot;AN&amp;quot; zu &amp;quot;ZA&amp;quot; werden&lt;br /&gt;
* Aus &amp;quot;DES&amp;quot; wird &amp;quot;CAX&amp;quot;: Drei Buchstaben, Symmetrisch (C &amp;lt;-&amp;gt; X), der mittlere Buchstabe ist ein Vokal (A). Entsprechend muss &amp;quot;UUS&amp;quot; zu &amp;quot;XAC&amp;quot; werden&lt;br /&gt;
* Aus &amp;quot;ZAN&amp;quot; wird &amp;quot;GEYT&amp;quot; Zunächst G__T für die Symmetrie, aufgefüllt E und Y, was GEYT ergibt und TYEG.&lt;br /&gt;
* Aus &amp;quot;LOR&amp;quot; wird MIKN, es findet eine Konvertierung zum Vokal statt zu MIEN, eingeschoben wieder das K: MIKEN &amp;lt;-&amp;gt; NEKIM&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ergibt sich folgende Liste mit Konvertierungsschritten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;                 AZ -    ZA (IN - AN)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;                 BY -    YB (KAL - EX)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;                CAX -   XAC (DES - UUS)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;                DEW -   WED (BET - VAS)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;                EIV -   VIE (SANCT - JUX)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;               FAZU -  UZAF (ORT - TYM)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;               GEYT -  TYEG (ZAN - POR)&lt;br /&gt;
 HIXS -&amp;gt;          HIUS -  SUIH (GRAV - FLAM)&lt;br /&gt;
 IJTS -&amp;gt;          IJOR -  ROJI (MANI - NOX)&lt;br /&gt;
 JONQ -&amp;gt; JOIQ -&amp;gt; JONIQ - QINOJ (YLEM - HUR)&lt;br /&gt;
 KAMP -&amp;gt; KAEP -&amp;gt; KAMEP - PEMAK (WIS - XEN)&lt;br /&gt;
 -&amp;gt;               LELO -  OLEL (CORP - REL)&lt;br /&gt;
 MIKN -&amp;gt; MIEN -&amp;gt; MIKEN - NEKIM (LOR - QUAS)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Symbolerschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die traditionellen Worte der Macht besitzen jeweils Runen als Kurzschrift. Ein eigener Dialekt wäre natürlich nicht vollständig ohne ebenso eine Symbolik zur klaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von mir erdachten Symbole folgen natürlich ebenso einer begrenzten Systematik, allerdings ohne durch gehenden Anspruch einer vollständigen Herleitbarkeit: Eine gewisse Ästhetik steht hier mehr im Vordergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleibt dennoch als Grundprämisse bestehen, dass gegensätzliche Worte dann auch gegensätzliche/invertierte Symbole haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Symbole finden sich letztlich als Ergänzung bei der finalisierten Liste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finalisierte Liste ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=AZ (In)|POLYGON=polygon(25% 75%, 25% 65%, 50% 25%, 75% 65%, 75% 75%, 50% 35%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=ZA (An)|POLYGON=polygon(25% 25%, 25% 35%, 50% 75%, 75% 35%, 75% 25%, 50% 65%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=BY (Kal)|POLYGON=polygon(25% 75%, 35% 75%, 75% 50%, 35% 25%, 25% 25%, 65% 50%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=YB (Ex)|POLYGON=polygon(75% 75%, 65% 75%, 25% 50%, 65% 25%, 75% 25%, 35% 50%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=XAC (Uus)|POLYGON=polygon(25% 53%, 47% 53%, 47% 72%, 53% 75%, 53% 53%, 75% 53%, 72% 47%, 53% 47%, 53% 25%, 47% 22%, 47% 47%, 22% 47%)}} &amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=CAX (Des)|POLYGON=polygon(25% 53%, 75% 53%, 72% 47%, 22% 47%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=EIV (Sanct)|POLYGON=polygon(25% 25%, 75% 25%, 50% 75%, 50% 65%, 70% 30%, 30% 30%, 50% 65%, 50% 75%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=VIE (Jux)|POLYGON=polygon(25% 75%, 75% 75%, 50% 25%, 50% 35%, 70% 70%, 30% 70%, 50% 35%, 50% 25%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawCircle|NAME=WED (Vas)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=DEW (Bet)|POLYGON=circle(10% at 50% 50%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=FAZU (Ort)|POLYGON=polygon(25% 25%, 75% 25%, 75% 75%, 25% 75%, 25% 50%, 30% 50%, 30% 70%, 70% 70%, 70% 30%, 30% 30%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=UZAF (Tym)|POLYGON=polygon(25% 25%, 25% 75%, 75% 75%, 75% 50%, 70% 50%, 70% 70%, 30% 70%, 30% 30%, 70% 30%, 75% 25%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=GEYT (Zan)|POLYGON=polygon(25% 25%, 35% 25%, 75% 75%, 70% 70%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=TYEG (Por)|POLYGON=polygon(25% 75%, 35% 75%, 75% 25%, 70% 30%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=HIUS (Grav)|POLYGON=polygon(25% 25%, 75% 25%, 75% 30%, 43% 30%, 43% 75%, 37% 75%, 37% 30%, 25% 30%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=SIUH (Flam)|POLYGON=polygon(25% 75%, 75% 75%, 75% 70%, 63% 70%, 63% 25%, 57% 25%, 57% 70%, 25% 70%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=IJOR (Mani)|POLYGON=polygon(25% 65%, 75% 65%, 75% 40%, 60% 40%, 60% 45%, 70% 45%, 70% 60%, 30% 60%, 30% 45%, 40% 45%, 40% 40%, 25% 40%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=ROJI (Nox)|POLYGON=polygon(25% 35%, 75% 35%, 75% 60%, 60% 60%, 60% 55%, 70% 55%, 70% 40%, 30% 40%, 30% 55%, 40% 55%, 40% 60%, 25% 60%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=KAMEP (Wis)|POLYGON=polygon(75% 50%, 50% 25%, 25% 75%, 30% 75%, 50% 30%, 73% 50%, 25% 50%, 30% 55%, 75% 50%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=PEMAK (Xen)|POLYGON=polygon(25% 50%, 50% 25%, 75% 75%, 70% 75%, 50% 30%, 27% 50%, 75% 50%, 70% 55%, 25% 50%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=LELO (Corp)|POLYGON=polygon(25% 65%, 75% 65%, 75% 40%, 60% 40%, 60% 45%, 70% 45%, 70% 60%, 30% 60%, 30% 45%, 60% 45%, 60% 40%, 25% 40%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=OLEL (Rel)|POLYGON=polygon(27% 50%, 35% 50%, 45% 30%, 55% 70%, 65% 50%, 75% 50%, 73% 55%, 65% 55%, 55% 75%, 45% 35%, 35% 55%, 25% 55% )}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=MIKEN (Lor)|POLYGON=polygon(25% 75%, 35% 75%, 80% 50%, 35% 25%, 25% 25%, 75% 48%, 25% 48%, 25% 52%, 75% 52%)}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=NEKIM (Quas)|POLYGON=polygon(75% 75%, 65% 75%, 20% 50%, 65% 25%, 75% 25%, 25% 48%, 75% 48%, 75% 52%, 25% 52%)}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=JONIQ (Ylem)|POLYGON=polygon(25% 75%, 25% 25%, 30% 25%, 30% 60%, 75% 60%, 75% 65%, 30% 65%, 30% 75% )}} &amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;{{DrawRune|NAME=QUINOJ (Hur)|POLYGON=polygon(75% 75%, 75% 25%, 70% 25%, 70% 60%, 25% 60%, 25% 65%, 70% 65%, 70% 75% )}}&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;td&amp;gt;&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lerntechnik ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Definition allein erschafft noch keinen Eindruck in der Welt - zumindest nicht in einem meßbaren Maße. Das bedeutet: Es ist unmöglich das Quintussenz-Idiom zum Zaubern zu verwenden ohne dafür gewisse weitere Vorarbeiten zu leisten und selbst das pflichtbewusste Erbringen dieser Pflichten bedeutet nicht zwingend einen Erfolg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der experimentelle Teil: Das Scheitern kann vielfache Gründe haben: Persönlicher Mangel an Eignung, Ausdauer und Engagement fallen zunächst ein, aber es ist auch denkbar, dass die Versuche schlicht an den Grenzen des Systems selbst enden: Wenn es nicht funktioniert, dann funktioniert es nicht, ganz gleich wie hübsch das Papier auf dem die Buchstaben hinterlassen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Erfolg würde dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine der Grundfragen zur Funktionsweise der Worte der Macht klären. Auch hier gibt es allerdings keine vollständige Gewissheit, solange es nicht möglich ist rein mechanische Magie zu wirken ohne die prägende Kraft einer Seele im Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungeachtet dieser Einschränkungen sieht mein Plan einen faktischen Rückschritt zu den ersten Lektionen dar, die ich vor Jahren in Rossensprung erhielt: Meditation über den Worten der Macht, Verinnerlichung ihrer präzisen Wirkung, Konzentration auf ihre zusammengefasste Bedeutung und Bindung all dessen an neue Worte der Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine offensichtliche Erschütterung des ganzen Fundaments auf dem mein magisches Wirken ruht und es ist nicht auszuschliessen, dass sich entsprechend negative Folgen zeigen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Augenblick bin ich gewillt dieses Risiko einzugehen, natürlich stetig mit der Bereitschaft den aktuellen Standpunkt jederzeit neu zu evaluieren. Aber letztlich: Auch ein Vogel lernt das Fliegen nicht allein durchs Zuschauen. Irgendwann ist es Zeit die Flügel auszubreiten und alles zu wagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kommentare und Ergänzungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Erstmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Bislang haben meine Mühen noch keinen Erfolg gezeigt, aber ich habe, um ehrlich zu sein, auch kaum etwas anderes erwartet: Meine ersten Versuche unter der Aufsicht und Anweisung [[Myra]]s waren bereits langwierig und frustrierend und ohne ihren fortgesetzten, unerschütterlichen Glauben an meine Gabe, hätte ich lange vor dem ersten Wirken aufgegeben. Es ist eine feine Ironie, dass ich mit dem Wissen von Heute feststellen kann, dass diese ganze Zuversicht fehlgeleitet war, nicht mehr als Aberglaube. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerlei. Ich setze meine Übungen fort wie gehabt, konzentriert auf die beiden Worte, mit denen ich auch damals meinen ersten Erfolg hatte: AZ MIKEN ([[IN]] [[LOR]]).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Drittmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Meine Fortschritte waren bislang gleich Null. Das sollte mich nicht frustrieren - die Möglichkeit, dass selbst entworfene Dialekte schlicht nicht funktionieren können, war ja durchaus Teil der ursprünglichen Überlegungen. Und dennoch kann ich den Gedanken nicht abschütteln, dass das Problem nicht beim Quintussenz-Idiom liegt, sondern bei mir. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das wäre nicht das erste Mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann aber nicht umhin mich zu fragen, ob meine Gefährten und Freunde nicht sehr viel weniger Schwierigkeiten hätten. Das sollte mich anspornen meine Forschung mit ihnen zu teilen und sie zu ermuntern. Sollte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich starre auf meine Notizen und stelle fest, dass ich es nicht über mich bringe: Die Vorstellung, dass sie dann mit einem Lächeln Erfolg hätten, wo ich hartnäckig scheitere, ist mir unerträglich.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Fünftmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich gebe mir noch einen weiteren Monat, bevor ich meine Niederlage eingestehen und zu Livius kriechen werde, um ihm meinem Fehlschlag einzugestehen. Der nächste logische Schritt wäre dann die Suche nach einem jungen Erwachten, der noch keinen Kontakt mit den herkömmlichen Worten der Macht hatte. Ein Fehlschlag auch dann würde zumindest meine Frage danach beantworten, ob das Problem bei mir oder beim System liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange mühe ich mich weiter, folge dem Pfad lange schon eingeschliffener Übungen und schlucke die tägliche Enttäuschung herunter. Alles wie immer also.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Letzter Tag des Sechsmonds 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich habe meine Kapitulation so weit aufgeschoben wir nur möglich, ohne meiner eigenen Vorlage untreu zu werden. Letztlich muss ich feststellen, dass all meine Bemühungen das Quintussenz-Idiom in irgendeiner Form nutzbar zu machen, gescheitert sind. Das sollte mich nicht frustrieren, ein Ergebnis in diese Richtung war von Anfang möglich.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch komme ich nicht umhin diesen Fehlschlag als ein persönliches Scheitern zu betrachten, als einen Makel, der sich andernorts, mit einer anderen Person, nicht in gleicher Weise präsentiert hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nüchtern betrachtet, ohne das bittere Gefühl von Unzulänglichkeit, sehe ich damit ausgerechnet die obskureren Annahmen zur Funktionsweise der Worte der Macht bestätigt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Obsidian&amp;diff=451</id>
		<title>Obsidian</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Obsidian&amp;diff=451"/>
		<updated>2025-06-29T16:06:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Reagenzien}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pfadreagenzie der Elementaristen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Details ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Siebtmond 450|CONTENT=&lt;br /&gt;
Obsidian, bisweilen auch als Vulkanglas bezeichnet, ist eine stereotypische Mischung von zumindest zwei elementaren Prinzipien: Feuer und Erde. Interessanterweise - obgleich die Beherrschung der vier Elemente das Markenzeichen des Elementaristen ist - gibt es dabei eine für mich unklares Ungleichgewicht: Feuer scheint das am einfachsten zu greifende Element zu sein, Erde dagegen das Schwierigste und ist kurioserweise nur für Koryphäen wirklich nutzlos, der gewöhnliche Wald-und-Wiesen-Elementarist ist dazu nicht in der Lage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat Obsidian etwas damit zu tun? Es erscheint kontraintuitiv - in den meisten Fällen erscheinen Reagenzien &amp;quot;sinnvoll&amp;quot; und lassen sich leicht mit bestimmten Effekten assoziieren. Für &amp;quot;Wasser&amp;quot; scheint beim Obsidian allerdings wenig zu sprechen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Sechstmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich denke der magische Nutzen der Pfadreagienzie ist auf einer tieferen, neutraleren Ebene angesiedelt. Warum, bleibt wie gewöhnlich schleierhaft: Es gibt Dutzende verschiedener Vulkangesteine und keines abseits von Obsidian scheint brauchbar zu sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obsidian hat allerdings eine spezielle Eigenheit: Er ist interessant und von großer Bekanntheit. Wo eine gewöhnliche Person Gneis nicht von Feldspat unterscheiden kann, lässt sich Obsidian doch gut identifizieren. Vielleicht ist das alles.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Fruchtbare_Erde&amp;diff=450</id>
		<title>Fruchtbare Erde</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.nirgendmeer.de/index.php?title=Fruchtbare_Erde&amp;diff=450"/>
		<updated>2025-06-25T08:39:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: /* Details */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Reagenzien}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pfadreagenzie der Druiden&lt;br /&gt;
* starke Assoziation mit Leben und Heilung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Details ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Neuntmond 450|CONTENT=&lt;br /&gt;
Fruchtbare Erde war für mich schon auf den ersten Blick ein Kuriosum: Grundsätzlich lässt diese Reagenzie sich als &amp;quot;nichtwachsend&amp;quot; betrachten, allerdings ist die Entstehung von fruchtbarer Erde durchaus ein laufender Prozess. Dazu kommt eine frappierende Eigenschaft, die sich bei keiner anderen mir bekannten Reagenzie beobachten lässt: Inhomogenität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere Reagenzien lassen sich als solche klar und scharf abgrenzen: Eine schwarze Perle, eine Alraune, ein Knochen, eine gewisse Menge an Schwefelasche. Fruchtbare Erde ist aber ein Verbund an verschiedenen Komponenten, die wechseln können und deren Verhältnis nicht etwa gleich sein muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie funktioniert das? Und warum? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was bedeutet das für mögliche andere Verbundreagenzien?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Sechstmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich bin kein Druide, so dass mir gewisse Details zwangsläufig verschlossen bleiben müssen. Dennoch habe ich mittlerweile einen beunruhigenden Verdacht was die Funktion der fruchtbaren Erde angeht: Es funktioniert schlicht, weil Druiden ignorant sind und sich nicht um Systeme und Konsistenz scheren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder, um einen grösseren Bogen zu schlagen: Es funktioniert, weil etwas oder jemand Anderes daran glaubt. Ich hege mehr und mehr den Verdacht, dass es irgendwo in der ganzen Magie eine mentale, vielleicht sogar spirituelle Seite geben muss, eine Kraft, die Erwartungen - ganz gleich wie fehlerhaft - nimmt und in Realität verwandelt. Die Hinweise darauf mehren sich.&lt;br /&gt;
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		<title>Obsidian</title>
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		<updated>2025-06-25T07:35:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: Die Seite wurde neu angelegt: „{{Reagenzien}}  == Auf den ersten Blick ==  * Pfadreagenzie der Elementaristen  == Details ==  {{Comment|TITLE=Fel Maris, Siebtmind 450|CONTENT= Obsidian, bisweilen auch als Vulkanglas bezeichnet, ist eine stereotypische Mischung von zumindest zwei elementaren Prinzipien: Feuer und Erde. Interessanterweise - obgleich die Beherrschung der vier Elemente das Markenzeichen des Elementaristen ist - gibt es dabei eine für mich unklares Ungleichgewicht: Feu…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
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* Pfadreagenzie der Elementaristen&lt;br /&gt;
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== Details ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Siebtmind 450|CONTENT=&lt;br /&gt;
Obsidian, bisweilen auch als Vulkanglas bezeichnet, ist eine stereotypische Mischung von zumindest zwei elementaren Prinzipien: Feuer und Erde. Interessanterweise - obgleich die Beherrschung der vier Elemente das Markenzeichen des Elementaristen ist - gibt es dabei eine für mich unklares Ungleichgewicht: Feuer scheint das am einfachsten zu greifende Element zu sein, Erde dagegen das Schwierigste und ist kurioserweise nur für Koryphäen wirklich nutzlos, der gewöhnliche Wald-und-Wiesen-Elementarist ist dazu nicht in der Lage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat Obsidian etwas damit zu tun? Es erscheint kontraintuitiv - in den meisten Fällen erscheinen Reagenzien &amp;quot;sinnvoll&amp;quot; und lassen sich leicht mit bestimmten Effekten assoziieren. Für &amp;quot;Wasser&amp;quot; scheint beim Obsidian allerdings wenig zu sprechen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
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{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Sechstmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich denke der magische Nutzen der Pfadreagienzie ist auf einer tieferen, neutraleren Ebene angesiedelt. Warum, bleibt wie gewöhnlich schleierhaft: Es gibt Dutzende verschiedener Vulkangesteine und keines abseits von Obsidian scheint brauchbar zu sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obsidian hat allerdings eine spezielle Eigenheit: Er ist interessant und von großer Bekanntheit. Wo eine gewöhnliche Person Gneis nicht von Feldspat unterscheiden kann, lässt sich Obsidian doch gut identifizieren. Vielleicht ist das alles.&lt;br /&gt;
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		<author><name>Fel</name></author>
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		<title>Molchaugen</title>
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		<updated>2025-06-25T07:15:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: Die Seite wurde neu angelegt: „{{Reagenzien}}  == Auf den ersten Blick ==  * Pfadreagenzie der Illusionisten * starke Assoziation mit Illusionen (und Wahnvorstellungen)  == Details ==  {{Comment|TITLE=Fel Maris, Siebtmond 450|CONTENT= Bei der Pfadreagenzie der Illusionisten handelt es sich um einen Pilz, der lichtlose Höhlen und eine gewisse Feuchtigkeit für sein Habitat bevorzugt. Der Name ist durch das Aussehen und eine übereifrige Fantasie verursacht, sicherlich verstärkt du…“&lt;/p&gt;
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== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
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* starke Assoziation mit Illusionen (und Wahnvorstellungen)&lt;br /&gt;
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== Details ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Siebtmond 450|CONTENT=&lt;br /&gt;
Bei der Pfadreagenzie der Illusionisten handelt es sich um einen Pilz, der lichtlose Höhlen und eine gewisse Feuchtigkeit für sein Habitat bevorzugt. Der Name ist durch das Aussehen und eine übereifrige Fantasie verursacht, sicherlich verstärkt durch einen Hang zu dramatischer Übertreibung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich wie beim Nachtschatten empfiehlt es sich diesen Pilz nur mit Handschuhen zu berühren, er taugt definitiv nicht für den Kochtopf, es sei denn man verspürt besonders abenteuerliche Gelüste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zauberei finden die Molchaugen erwartungsgemäss Verwendung bei mächtigeren Illusionszaubern.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Sechstmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Es gibt einige wenige Stellen, wo sich dieser Pilz auch oberirdisch finden lässt. Ob die Wirkung dadurch in irgendeiner Weise beeinträchtigt wird, ist mir aber nicht bekannt.&lt;br /&gt;
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		<title>Fruchtbare Erde</title>
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		<updated>2025-06-25T07:06:17Z</updated>

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== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pfadreagenzie der Druiden&lt;br /&gt;
* starke Assoziation mit Leben und Heilung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Details ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Neuntmond 450|CONTENT=&lt;br /&gt;
Fruchtbare Erde war für mich schon auf den ersten Blick ein Kuriosum: Grundsätzlich lässt diese Reagenzie sich als &amp;quot;nichtwachsend&amp;quot; betrachten, allerdings ist die Entstehung von fruchtbarer Erde durchaus ein laufender Prozess. Dazu kommt eine frappierende Eigenschaft, die sich bei keiner anderen mir bekannten Reagenzie beobachten lässt: Inhomogenität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere Reagenzien lassen sich als solche klar und scharf abgrenzen: Eine schwarze Perle, eine Alraune, ein Knochen, eine gewisse Menge an Schwefelasche. Fruchtbare Erde ist aber ein Verbund an verschiedenen Komponenten, die wechseln können und deren Verhältnis nicht etwa gleich sein muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie funktioniert das? Und warum? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was bedeutet das für mögliche andere Verbundreagenzien?&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Sechstmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich bin kein Druide, so dass mir gewisse Details zwangsläufig verschlossen bleiben müssen. Dennoch habe ich mittlerweile einen beunruhigenden Verdacht was die Funktion der fruchtbaren Erde angeht: Es funktioniert schlicht, weil Druiden ignorant sind und sich nicht um Systeme und Konsistenz scheren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder, um einen grössern Bogen zu schlagen: Es funktioniert, weil etwas oder jemand Anderes daran glaubt. Ich hege mehr und mehr den Verdacht, dass es irgendwo in der ganzen Magie eine mentale, vielleicht sogar spirituelle Seite geben muss, eine Kraft, die Erwartungen - ganz gleich wie fehlerhaft - nimmt und in Realität verwandelt. Die Hinweise darauf mehren sich.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
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		<title>Fruchtbare Erde</title>
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		<updated>2025-06-25T07:06:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fel: Die Seite wurde neu angelegt: „{{Reagenzien}}  == Auf den ersten Blick ==  * Pfadreagenzie der Druiden * starke Assoziation mit Leben und Heilung  == Details ==  {{Comment|TITLE=Fel Maris, Neuntmond 450|CONTENT= Fruchtbare Erde war für mich schon auf den ersten Blick ein Kuriosum: Grundsätzlich lässt diese Reagenzie sich als &amp;quot;nichtwachsend&amp;quot; betrachten, allerdings ist die Entstehung von fruchtbarer Erde durchaus ein laufender Prozess. Dazu kommt eine frappierende Eigenschaft, die…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Reagenzien}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auf den ersten Blick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pfadreagenzie der Druiden&lt;br /&gt;
* starke Assoziation mit Leben und Heilung&lt;br /&gt;
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== Details ==&lt;br /&gt;
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{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Neuntmond 450|CONTENT=&lt;br /&gt;
Fruchtbare Erde war für mich schon auf den ersten Blick ein Kuriosum: Grundsätzlich lässt diese Reagenzie sich als &amp;quot;nichtwachsend&amp;quot; betrachten, allerdings ist die Entstehung von fruchtbarer Erde durchaus ein laufender Prozess. Dazu kommt eine frappierende Eigenschaft, die sich bei keiner anderen mir bekannten Reagenzie beobachten lässt: Inhomogenität.&lt;br /&gt;
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Andere Reagenzien lassen sich als solche klar und scharf abgrenzen: Eine schwarze Perle, eine Alraune, ein Knochen, eine gewisse Menge an Schwefelasche. Fruchtbare Erde ist aber ein Verbund an verschiedenen Komponenten, die wechseln können und deren Verhältnis nicht etwa gleich sein muss. &lt;br /&gt;
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Wie funktioniert das? Und warum? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was bedeutet das für mögliche andere Verbundreagenzien?&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{Comment|TITLE=[[Fel Maris]], Sechstmond 451|CONTENT=&lt;br /&gt;
Ich bin kein Druide, so dass mir gewisse Details zwangsläufig verschlossen bleiben müssen. Dennoch habe ich mittlerweile einen beunruhigenden Verdacht was die Funktion der fruchtbaren Erde angeht: Es funktioniert schlicht, weil Druiden ignorant sind und sich nicht um Systeme und Konsistenz scheren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder, um einen grössern Bogen zu schlagen: Es funktioniert, weil etwas oder jemand Anderes daran glaubt. Ich hege mehr und mehr den Verdacht, dass es irgendwo in der ganzen Magie eine mentale, vielleicht sogar spirituelle Seite geben muss, eine Kraft, die Erwartungen - ganz gleich wie fehlerhaft - nimmt und in Realität verwandelt. Die Hinweise darauf mehren sich.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fel</name></author>
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